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Ein Besuch bei den Holzknechten während der Rodung des Ötscherurwaldes – ein Zeitsprung von 250 Jahren! Festgehalten in Bildern, die auch schon 180 Jahre alt sind – das bieten die Seccomalereien in der großen Stube des Pfarrhofes in Josefsberg. Vom Lilienfelder Zisterzienserpater und Pfarrer Chrysostomus Sandweger in den Wintermonaten gemalt, also in der stillen Zeit ohne den sonst üblichen Zustrom der Wallfahrer nach Mariazell. Ich bringe hier mit den entsprechender Bildern einen Einblick in die Arbeit der Holzknechte, die als bald ansässig gewordenen “Gastarbeiter” aus dem Dachsteingebiet (Gosau) Mitte des 18. Jahrhunderts hierher geholt worden waren.

Die Bäume wurden damals teilweise noch mit der Axt gefällt, aber auch schon mit den neu aufkommenden Zugsägen, vergleichbar mit Einführung der Motorsägen ab etwa 1950, also 200 Jahre später.

Gosauer Holzknechte in typischer Tracht und Ausrüstung – den langen Flötzerhaken zur Hand, auf der “Spitzkraxn” das Kochgeschirr und die Nahrungsmittel (Mehl für den Brennsterz, Schmalz, Speck und Brot), der Voranmarschierende trägt ein “Lagl” (= Wasserbehälter).

“Holzriesen” – über kunstvoll erbaute Holzrinnen, die im Winter zum besseren Gleiten sogar vereist wurden, schickte man die Scheiter zu Tal, möglichst zu einem Lagerplatz nahe dem Wasser.

Zum Fortbewegen im Tiefschnee benützte man schon damals “Schneeteller” (Schi oder besser Ski kamen erst vor 1900 aus Skandinavien ins Alpengebiet, wo Mathias Zdarsky in Lilienfeld aus den nordischen Lauf- und Gleitskiern den auch im Steilgelände verwendbaren “Alpenski” entwickelte). Tipp: Besuch des Zdarsky-Heimatmuseums in Lilienfeld

Zur Holzbringung wurden auch Ziehschlitten verwendet, wegen der stark aufgebogenen Kufen auch “Hörndlschlitten” genannt – eine mühsame und gefährliche Arbeit!

Am Holzplatz ankommende Schlitten – als Bremse haben sie ein “Holzbirl” angehängt. Dort werden sie entladen und die Scheiter für die Holzschwemme, den Transport auf dem Wasserweg, vorbereitet.

Muße für die Holzknechte gab es wohl nur zu den Feiertagen (den katholischen selbstverständlich) – dabei waren die meisten Gosauer Geheimprotestanten und hatten sich lieber nicht allzu weit (für heutige Begriffe) von ihrer Heimat verpflichten wollen, als etwa in den Banat oder nach Siebenbürgen auszuwandern. So war es unter Maria Theresia üblich, zumindest bis zum Toleranzpatent ihres Sohnes Kaiser Joseph II. 1782 (trotz mancher Missgriffe sicher die bedeutendste Herrscherpersönlichkeit der Habsburger, abgesehen von Erzherzog Johann, aber der war ja nur der “Steirische Prinz”…).

Der kleine Vogelfänger – alte Tradition und bis heute im Salzkammergut ein (scharf umstrittener) Brauch. Aus dem Bild ist deutlich erkennbar, wie das funktionierte. Gefangen wurden Gimpel und Zeiserl und Stieglitze, die dann in “Vogelbauern” eingesperrt in der Stube dahinvegetierten.

Das Scheiterholz wird “aufgezaint” (zu Meterstößen aufgeschlichtet), damit es der Pater Waldmeister vermessen kann. Bezahlt wird erst im Nachhinein, wobei sich die Holzknechte in Partien, sogenannte “Passen”, aufteilten. Die letzte Holzabmaßkommission in den Ötscherforsten war 1911 (ich habe ein Bild aus dem Spielbichler´schen Gästebuch, das ich noch beifügen werde).

Bei der Schneeschmelze, wenn die Bäche besonders viel Wasser führen, werden die “Klausen” aufgestaut, und mit dem Wasserschwall, wenn die “gespannte” Klause “geschlagen” wird, schwimmt das Holz talaus. Immer wieder hängen bleibende Stücke müssen mit den “Flötzerhaken” wieder in Bewegung gebracht werden. Die Wanderwege in den Ötschergräben und Tormäuern sind aus “Flötzersteigen” entlang der Gewässer entstanden.

Beim Holzrechen (hier in Neubruck bei Scheibbs) wurden die Scheiter “ausgespießt” und aufgeschlichtet. Entweder verkohlte man sie gleich vor Ort in Kohlenmeilern, denn die Eisenwerke waren bis um 1830 auf Holzkohle als Brennmaterial angewiesen. Oder das Holz wurde weiter zur Donau und auf dieser nach Wien befördert, wo man es zum Heizen dringend brauchte.

Damit ist diese Geschichte (vorläufig) zu Ende! Ob man derzeit den Pfarrhof Josefsberg, d. h. den musealen Raum mit den Wandbildern, besichtigen kann, muss man vorher telefonisch abklären. Ich kann möchte nicht einen Besucherzustrom veranlassen, da ich nicht einschätzen kann, wieweit die Hausfrau das bewältigen kann. Jedenfalls unbedingt telefonisch nachfragen – Frau Dubbert, Tel. 02728/321 oder 0680/5548336, auch die Handynummer hat Frau Dubbert mitgegeben, also dürfte sich nichts gegen allfällige Anrufe haben.

Tipp: Besuch der “Gamsburg” mit Ausstellung der Werke von Sepp Gamsjäger in Annaberg (Info im Internet, Anmeldung erforderlich).

Jetzt naht ja schon die “stillste Zeit im Jahr” – aber gerade in der Vorweihnachtszeit ist überall allerhand los – von 7. bis 9. Dezember “Advent in Annaberg”.

Tipp: Mit einem Besuch des viel beworbenen “Mariazeller Advents” lässt sich leicht ein Besuch von Annaberg und Josefsberg verbinden.

Wahrscheinlich wird es im hohen Ötscherland bald so ausschauen, denn ewig kann das herrliche Herbstwetter auch dort oben nicht weitergehen… Das Gebäude rechts besteht übrigens nicht mehr, es war die einstige Volksschule Josefsberg, später Schullandheim, nach Auflassung in Verfall und jüngst abgerissen. Die Kirche und der Ötscher sind und bleiben wohl unverändert!

 

Nach unserer “Frühlingsreise” in die Südsteiermark hatte  ich das Bild von “Baumwanderern” in der Sulmklamm in meinen Blog gestellt (März 2012).

Danach erreichte mich von Sr. Brigitte Werr OSU (Föderation deutschsprachiger Ursulinen) über facebook (also auch nicht unnützlich!) die Anfrage, ob dieses Bild für ein Editoral in den Ursulinennachrichten verwendet werden dürfte. Selbstverständlich habe ich zugesagt, und hier wandert mein Baum auf der Titelseite:

In ihrer Betrachtung zum Thema “Wie ein wandernder Baum” (Angela als Gründerin und Ursula als Patronin der vor 477 Jahren gegründeten Ursulinen-Ordensgemeinschaft) führt Sr. Brigitte aus:

Aus dem Raster springen – Angela und Ursula als Visionärinnen – Editoral

Ein Baum scheint zu wandern. Er schreitet und verlässt doch seinen Wurzelgrund nicht. Das Bild macht nachdenklich angesichts des Themas, das wir diesem Heft gegeben haben: Es geht dabei nicht so sehr ums Springen als um das eingrenzende Raster, die Denkzwänge, die verlassen muss, wer neue Wege gehen möchte.

Gehen fängt nicht mit den Beinen an, sondern im Kopf – oder sogar noch davor im Herzen: Mit der Sehnsucht. Man kann auch Vision dazu sagen. Manche Menschen sehen – für sich oder für andere – Möglichkeiten über das Bestehende hinaus, jenseits der Grenzen des Üblichen, des bisher gedachten.

"Kniestamm" oberhalb der Weißen Sulm - fast ein Sinnbild?

Diese Gedanken haben mir sehr gefallen, ich hoffe, auch im Sinn von Sr. Brigitte zitiert zu haben, und danke für das Belegexemplar und die freundlichen Zeilen!

Sr. Brigitte Werr: “Man muss Wurzeln haben, um aufbrechen zu können!”

Die Bilder wurden von Anni und mir in der “Sulmklamm” (Engtal der Weißen Sulm, talaufwärts von Wernersdorf zwischen Eibiswald und Schwanberg, Natura 2000-Gebiet wie an der Schwarzen Sulm) aufgenommen.

Schwarzenbach an der Gölsen, richtiger “abseits der Gölsen”, ist eine Katastralgemeinde von St. Veit an der Gölsen (wirklich an der Gölsen), und das Dörfchen in einem Seitental kommt mir oft vor wie ein “kleines Heiligenblut” vom Wienerwald.

AB Panorama mit der Reisalpengruppe

Die höheren Voralpenberge liegen  im Süden jenseits des breiten Gölsentals, immerhin respektable Tausender – Reisalpe und Hinteralm-Muckenkogel. Rings um Schwarzenbach wellt sich aber der Wiesenwienerwald, wie ich weiterhin bei dieser (von mir erfundenen) treffenden Bezeichnung für den südwestlichen Wienerwald bleiben will. Im Mostviertel sollte man froh sein, dass es für den Mostviertler Wienerwald einen eigenen regionalen Namen gibt!

Die anmutigen Berghügel werden von einer “Heckenlandschaft” überzogen, mit einem malerischen Gemisch von Wiesen, einzelnen Äckern und Mischwäldern. Diese haben ihre Buntheit jetzt schon weitgehend abgeworfen, nur die Lärchen und einzelne Birken leuchten in unglaublichem Goldgelb.

Edelkastanien-Gruppe beim Zehethofer

Föhnfenster über Reisalpe und Hinteralm-Muckenkogel

Wir wollten heute nur einfach hinaus in die Natur, ein Stück hinauf zur Bergeshöhe. Mit ganz hübscher Aussicht gibt es das alles auf der Zehethofer Höhe oberhalb von Schwarzenbach, wo der 404-Weitwanderweg von der Stockerhütte zur Kukubauerhütte verläuft, dazu noch der Wilhelmsburger Sagenweg, die Schwarzenbacher Rundwanderwege und noch allerhand Markierungen.

Äpfel am Mistelbaum, oder umgekehrt?

Für mich reichte es heute nur zum Dahinspazieren, aber mit den Wolkenstimmungen und der milden, gar nicht so heftigen Föhnströmung war das auch ganz schön. Den Fotoapparat mitzunehmen, kann nie schaden, das erlebten wir heute wieder einmal, denn ganz unbeabsichtigt öffneten sich einige nette Motive.

Was fliegt denn da? Erst dachten wir an Wildgänse, aber in der Vergrößerung der Teleaufnahme schaut es aus wie ......?

Der “Knaller” sozusagen folgte dann bei der Heimfahrt vor Schwarzenbach – eine Wagenladung voll Faschingsnarren! Ja, richtig, heute ist ja der 11. 11. – der Fasching wird ausgerufen! Und ganz schön heiß, wenn man genau hinschaut, so richtig zum quirligen Föhn passend…

Wir werden doch dem Wandern nicht abtrünnig werden? Aber immerhin ist “wandertipp” ja auch ein Freizeit-Blog, und daher berichte ich von einigen Genusstagen…

Los ging es am Montag, 5. 11., gleich mit Hochwasser – die Regenfront zog bei der Zufahrt nach Südosten vor uns her, und allenthalben schwollen Rinnsale und Bäche, verwandelten sich Ackerfluren in Seen. Angelpunkt war (wie bei unserer Märzreise) Fürstenfeld, hübsche Altstadt auf dem Bergplateau und verlässlich genüsslich die Thermenkonditorei (oder wie dieses hübsche Lokal auf dem Stadtplatz heißen mag).

Ziel war der Kurort Moravske Toplice, von dessen “schwarzem” Heilwasser wir schon viel gehört hatten, und wohin wir unter verlässlicher Führung von Walter & Anelie unterwegs waren (mehr über die Familie sieht man in meinem facebook “Bernhard Baumgartner” unter “beliebtester Nahversorger”).

Komfortabelstes Urlaubs- und Wellness-Domizil ist dort das Hotel Livada, bestausgestattete Zimmer, dem entsprechend qualifiziert auch die Küche, also alles ganz wunderbar. Wir lernten die ganze Anlage kennen und absolvierten unter Walter´s Führung sogar eine Rundfahrt über das Golfgelände.

Über Nacht beruhigte sich der Regen, und mit jedem Tag wurde das Wetter besser. Höhepunkt der nun schönen Herbstzeit selbstverständlich am Abreisetag, Donnerstag 8. 11. Bei klarer Sicht und freundlicher Sonne sollte auch die Heimfahrt ein besonderes, allerdings vorwiegend “erfahrenes” Naturerlebnis werden!

Monumente aus älterer und jüngster Zeit auf dem Kirchenplatz von St. Anna am Aigen

Über Klöch, wo wir im März gerade zur einmalig üppigen Blüte der Hundszahnlilien zurecht gekommen waren (auch ein Bericht im Blog), ging die Fahrt nach St. Anna am Aigen. Dieser Ort ist nicht nur seiner Lage auf einem Hügelrücken wegen ein Höhepunkt in dieser Gegend. Malerische Aussichten auf die unglaublich bunten Laubwälder und die idyllischen Fluren.

Weiter über Fehring und das Raabtal querend Richtung Fürstenfeld, aber nun schon vorher abgezweigt Richtung Riegersburg, die markant über der Hügellandschaft aufragt. Seitwärts fuhren wir einen Hügel hinauf zum “Gölles”, den wir wirklich eindrucksvoll vorgeführt bekamen – köstliche Essigsorten, Liköre und Schnäpse…

Was war dann das nächste naheliegende Ziel? Passend zum unlängst gefeierten “Halloween” – Saures und Süßes – der “Zotter”, unnötig, darüber noch Worte zu verlieren! Vor der Weiterfahrt durch den hübschen Ort Riegersburg bot sich noch eine Idealansicht des über den “brennenden” Wäldern thronenden wehrhaften Schlosses.

Schlank durch Schokolade?

Unsere Reiseführer hatten aber noch nicht “ihr Pulver verschossen”, wie es so anschaulich heißt, denn Walter schwenkte auf dem nächsten Berghügel zu einem von Weitem schon auffallenden Terrassenbauwerk ab – dem fulminanten Hotel Riegersburg (auch ein Ableger vom “Gölles”).

Auf einem Schleichpfad durch das Hotel kam ich zur Aussichtswiese, wo sich der Blick zur Riegersburg unverstellt darbot. Diesmal von Norden, vielleicht noch eindrucksvoller, daneben der Horizont mit den Vulkangipfeln vom Kapfenstein (mit dem Schloss der Winkler-Hermaden), dem Stradenerkogel und den pyramidenförmigen Gupfen der Gleichenberger Kögel – alles bereits im März dieses Jahres auch erwandert.

Über den deutlich erkennbaren Felsenweg durch die Westwände des Burgberges sind wir sogar schon einmal aufgestiegen, damals um die Osterzeit, und der Steig war übersät gewesen von den im Winter abgerissenen Rosetten der sonst so seltenen Wulfen´s Hauswurz…

Das "Vulkanland" ist wohl eine Genussregion erster Klasse!

Schöne Tage sind nur allzu schnell vorbei, aber wir haben nicht nur angenehme Erinnerungen mitgenommen – dank unseren beiden Reisegefährten oder eigentlich Reiseleitern, besten Dank nochmals!  Auch ein besonderer “Duft” dürfte uns noch eine Zeitlang um(sch)weben, denn das “schwarze” Heilwasser lässt sich nicht einfach abwaschen. Aus Gruß aus den Tiefen uralter Erdschichten herauf gedrungen, ist es bei den Bohrungen vor einem halben Jahrhundert zwar nicht das erhoffte Erdöl gewesen, aber die chemische Verwandtschaft mit diesem in unserer Zeit so kostbaren und kostspieligen Rohstoff lässt sich nicht verleugnen.

Aber wir sind ja andere Duftnoten gewohnt und ziehen sie hoffentlich nicht hinter uns her, wenn wir vom frisch gegüllten St. Veit woanders hinkommen!

Der “Mostviertler Vierbergelauf” (wie es dazu kam, aus „Wanderparadies Voralpen“)

 Wo die Berge gegen das flache Vorland auslaufen, besteht ein Gipfel oft nur aus der Kuppe eines großmächtigen Hügels! Und während die Bauerngehöfte meist weithin in der Landschaft verstreut liegen, sammeln sich um diese höchsten Punkte die Häuser zu kleinen Siedlungen – mit Gasthof, Volksschule, Pfarrhof und Kirche, was eben zu einem kleinen Dorf dazugehört. Da fällt Sonntagberg mit seiner Wallfahrtsbasilika ja schon fast aus dem Rahmen, obwohl der Ort auch nicht größer ist als etwa St. Michael am Bruckbach (eigentlich hoch über dem Tal) oder Kollmitzberg. Diese beiden „Kirchgipfel“ sind bei der Autobahnfahrt über die Mostviertler Strengberge gut einzusehen und daher vielfach bekannt, wenn auch oft nur „dem Sehen nach“.

Mostviertler Bergkirche

Basilika Sonntagberg

In diesem von Ansiedlungen und Verkehrswegen dicht überzogenen eigentlichen Mostviertel ein Wanderparadies zu finden, sogar noch mit den schönsten Gipfeln, erscheint zunächst fast unmöglich. Obwohl die lokalen Tourismusorganisationen und Gästegemeinden alltenthalben fleißig mit Farbtopf und Wegweisern am Werk waren.

Waidhofen an der Ybbs vom Krautbergkreuz aus, im Hintergrund der Prochenberg bei Ybbsitz

Stadtbild von Waidhofen, ganz schön bunt gemischt!

Da fiel mir beim Kartenstudium auf, dass sich wie im Kreis vier dieser Bergdörfer rund um die alte Eisenstadt Waidhofen an der Ybbs scharen! Ein magischer Zirkel, überlegt man, dass die Urbewohner dieses Landstrichs ihre kultischen Plätze auf diesen Kuppen angelegt haben mögen. Denn nur Konradsheim weist eine Burganlage auf, während sich in St. Aegidi am Walcherberg (nahe St. Leonhard am Walde) gleich mehrere Kulte – von Stein, Bild und Wasser – zu einem Heiligtum vereinen. Sind 2000 Jahre zu tief in die Geschichte gegriffen? Wohl kaum, denn gerade die Kelten waren es, die mit Vorliebe Höhensiedlungen anlegten. Die Römer kultivierten dann hier in der Provinz Norikum durch Jahrhunderte, doch nur an der Oberfläche von Land und Bevölkerung. Zuletzt gibt uns das Christentum mit dem Überbauen altheidnischer Kultstätten einen geradezu greifbaren historischen Nachweis!

Konradsheim, einstiger Burgort

Dorfplatz in Windhag mit Pfarrkirche, Torbau und Windhagerwirt

Vier Berge im Kreis und in dessen Zentrum eine von der Landschaft vorgezeichnete alte Siedlung: Da schweifen die Gedanken ab, über die Gebirge hinweg gegen Süden, mitten hinein ins Kärntner Land, wo sich am „Dreinagelfreitag“ (dem zweiten Freitag nach Ostern) die „Vierbergeläufer“ am Magdalensberg zusammenfinden…

Bergfriedhof Windhag (wie in St. Georgen in der Klaus und am Sonntagberg)

Ybbssteg in Böhlerwerk, der Talpunkt zwischen St. Georgen in der Klaus und Sonntagberg

 Warum hier in diesem uralten Kernland Niederösterreichs noch niemand an ein solches Unternehmen gedacht hat? Von Waidhofen hinauf nach Konradsheim, hinüber zum schon weithin sichtbaren St. Georgen in der Klaus, Abstieg ins Ybbstal und hinauf nach Sonntagberg. Zuletzt über das etwas versteckt liegende Windhag wieder zurück nach Waidhofen, so geht der „Mostviertler Vierbergelauf“. Nun, jede Idee muss einmal geboren werden!

Landschaft bei Windhag

Doch zurück zu unserem Wandergebiet. Natürlich gibt es viele Asphaltwege, und die Sommerhitze ist besser zu meiden. Dafür lassen sich vom Herbst zum Frühjahr geradlinige Abkürzungen über die Berghänge legen.

Blick von Windhag über´s "Paradiesgartl" gegen Prochenberg und den fernen Ötscher

Blick über das Luegbachtal gegen Windhag

Von der Wegbeschreibung abweichend, kann also hier jeder seine eigene Orientierungswanderung erfinden! Ja, diese Tour ist sogar eine ideale Winterwanderung, der Schnee liegt auf den niedrigen Bergrücken meist kaum sehr tief, und in den Wirtsstuben ist für die Rastpausen ohnehin gut eingeheizt. Ins Paradies versetzt fühlen kann man sich auch: im nahen Urlbachtal nämlich, wenn an der Rundstrecke durchs „Paradiesgartl“ die Obstbäume blühen, mit Ausblick über frischgrüne Wiesen und Felder zu den firnglänzenden Gipfelzügen der Voralpen!

Windhag, fern der Ötscher und der Prochenberg

Basilika Sonntagberg vom Windhager Berg

Mein “Mostviertler Vierbergelauf” wartet als Ganzjahrestour noch weiterhin auf Wanderer, vielleicht komme ich sogar noch zu Winterbildern!

Im Vergleich zu den letzten beiden Jahren kam der erste Schneefall bis in die Niederungen – von ganz Österreich! – schon sehr früh, mit 2 cm im Gölsental am 28. Oktober und über Nacht zum 29. sogar mit noch viel mehr!

2010 und 2011 machten wir um diese Zeit, bis weit hinein in den November, noch Touren ohne Wintergruß!

Aber ein Gutes hatte der frühe Schneefall auch – mit dem noch oder gerade erst voll bunten Laub ergaben sich Bilder von seltenem Kontrast. Heute, am Allerheiligentag, wo die gestern noch geschlossene Schneedecke  sogar an den Schattseiten löchrig geworden ist, merkt man erst, wie sehr die Farben der Laubbäume zwischen den schneeweißen Wiesen geleuchtet haben.

Zwar habe ich von Waldschäden noch nichts gehört, aber dafür gab es in unserem Garten einen “Schneebruch”. Opfer war unser Asperlbaum – das um den Schneedruck vermehrte Gewicht der Früchte und Blätter hat seine Krone “zermerschert”!

Was bleibt uns übrig? Ein geborstener Stamm mit einem Restzweig, auf dem die Asperl noch normal reifen sollten. Die übrigen Äste luftig gestapelt in der Hoffnung, dass die Früchte daran auch noch reif werden.

Dass unser Asperl-Hochstamm etwas anfällig für Störungen war, hat man in seiner jetzt schon mehrjährigen Lebensgeschichte als “fruchtender Hausbaum” gemerkt. Üblicherweise sind bei uns die Asperl (Mespilus germanica) eher als Hochstrauch entwickelt. Veredelt wird die Art auf Weißdorn als Unterlage, und immer wieder kommt es vor, dass dieser neben den “Edelzweigen” durchwächst – ein komischer Anblick, die Asperl neben den Weißdornfrüchten (als Kind sagten wir immer “Mehlbeeren” dazu, wegen der mehligen Konsistenz der roten Früchte), auch besonders in der Blütezeit!

Immerhin war bei uns mit mindestens 15 cm auch so viel Schnee, wie etwa aus Taschelbach (danke HB!) gemeldet. Der Frost der vorigen beiden Nächte (um den Vollmond) hat den Neuschnee zusätzlich konserviert, und so konnte er sich fast eine Woche halten.

Aber jetzt braust schon der Südwind und bringt mildere Luft, also gab der Winter nur eine kurzes Gastspiel, sozusagen als Vorgeschmack… Weitere Bilder vom Wintervorspiel im Gölsental gibt es in meinem facebook Bernhard Baumgartner.

Wie rasch die Zeit vergeht – vom späten Hochsommer bis zum frühen Wintereinbruch – hat Eveline wieder in ihre Monatsbildern festgehalten…  Danke, und Grüße ins Waldviertel! BB

Nun, nach langer Sommerpause wieder
ein Lebenszeichen !  
… stellvertretend für die Affenhitze, die teilweise
geherrscht hat … eine Ansicht aus dem Palfauer Wasserloch …
 
 
 
ja ja ob mans will oder nicht –
der Frühnebel bleibt länger,
und die Abenddämmerung kommt früher !
 
Das Schiabfahrtszeichen steht schon für
den kommenden Winter
 
 
 
.. so schön hat der Oktober angefangen,
und schon haben wir Schnee !
 
Hier das Abfischfest in Geras,
und schon hängen die Weihnachtskarpfen im Netz – - !

Der Mostviertler Vierbergelauf

Die Routenbeschreibung beginnt wegen der Rückfahrmöglichkeit nach der halben Strecke (von Böhlerwerk) beim Bahnhof Waidhofen an der Ybbs: Vom Bahnschranken durch die Rabenbergstraße und über den Türkenweg zum Wanderweg Nr. 8, der beim Eichenweg errreicht wird – immer möglichst geradlinig über den verbauten Hang hinauf, am Ende des Siedlungsgebietes dann aber links halten. Nach Durchquerung eines Waldstückes am Schneckenleithenhof vorbei mit freier Aussicht zum asphaltierten Güterweg, dem die rote Markierung Nr. 06 folgt. Erst vom Haidhof an auf wunderschönem Wiesenweg dahin, Sonntagberg und St. Georgen tauchen auf und im Osten die Ybbtaler Gipfel mit dem Prochenberg. Nach dem Innermeierhof steigt die Markierung durch Wald mit vielen Eiben hinauf nach Konradsheim an (651 m, 1 ½ Std., Gasthof).

Blick über Waidhofen gegen den Prochenberg bei Ybbsitz

Auf der Straße bergab zum Sattel beim Friedhof und bald rechts abzweigend auf dem Güterweg „Außermeierhof“ großteils auf Asphalt, aber dafür mit herrlichem Panorama weiter, das bis zum Ötscher reicht.

Sonntagberg vom Aufstiegsweg am Krautberg

Nach Schatzlehen über einen Sattel, im Bogen über den freien Wiesenhang (Abkürzungsmöglichkeit vom Ellingerhof) und durch den Finkengraben zur Straße vor der „Wegererkapelle“ (393 m). Gleich gegenüber schräg links den Güterweg Aichern hinauf. Vom letzten Hof direkt über die Wiesen weglos nach St. Georgen in der Klaus (665 m, 2 bis 2 ½ Std., Gasthof Montag Ruhetag).

Nach einem langen Straßenstück folgt der Wanderweg Nr. 84 B, zuletzt steil hinab in einen Seitengraben von Böhlerwerk. Hier quert man rechts, am Schwimmbad vorbei, über den Rücken hinweg und kommt bei der modernen Pfarrkirche ins Ortsgebiet. An der Hauptstraße kurz rechts, durch eine Unterführung und über die Ybbs zur Bahnhaltestelle Böhlerwerk (1 ¼ Std., Rückfahrmöglichkeit nach Waidhofen).

Zwischen Waidhofen und Konradsheim - Mostviertler Vierkanter

Zum Anstieg auf den Sonntagberg wird der Güterweg über den Kaiserhof benützt, von dem der bewaldete Wiesenrücken und zuletzt über die Bergstraße die Basilika Sonntagberg erreicht wird (712 m, 1 ½ Std., sehr gute Einkehrmöglichkeit).

Der Abstieg erfolgt am Südhang über den Weiler Dörfl ins Luegbachtal (ca. 360 m). Auf der Straße 1 km talein und teils wieder weglos über Riegel und die Sonnleithöfe hinauf nach Windhag (711 m, 2 bis 2 ½ Std.). Von dort führt ein markierter Weg nach Unterzell und auf Ortsstraßen ins Zentrum von Waidhofen bzw. zum Bahnhof (1 Std.). Insgesamt 9 bis 10 Std.

Mit diesem Text habe ich in meinem Buch “Wanderparadies Voralpen” eine Tour beschrieben, die ich in Anlehnung an den berühmten “Vierbergelauf” in Kärnten als “Mostviertler Vierbergelauf” bezeichnet habe.

Windhag

Eigentlich müsste es besser heißen – “Mostviertler Vierbergetour”, denn man wird die Strecke zwar als ganz anspruchsvollen Berglauf bezwingen können (oder als entsprechend starker Läufer sich bezwingen müssen), aber es ist eigentlich eine Tour auf zwei Etappen von Waidhofen an der Ybbs aus.

Blick von Sonntagberg auf Windhag und Prochenberg mit Dürrenstein im Hintergrund

Die Tour führt zuerst von Waidhofen an der Ybbs nach Konradsheim, einer alten Burgsiedlung mit Bergkirche, dann hinab ins Tal und jenseits hinauf nach St. Georgen in der Klaus. Dort gibt es, wie in Sonntagberg und Windhag einen Friedhof rund um die Kirche, in dem überwiegend Schmiedeeisenkreuze zu sehen sind – wir sind nicht umsonst in den Eisenwurzen und an der Eisenstraße…

Ins Tal hinab geht es (wie in der Beschreibung) von St. Georgen in der Klaus (aber hoch oben am Berg gelegen!) nach Böhlerwerk. Von dort fahren Bahn und Bus zurück nach Waidhofen, oder es geht gleich weiter auf den Sonntagberg. Wir machten diesmal die Tour in Teilabschnitten und ersparten uns die Asphaltstrecken…

Ausblick von Sonntagberg über Windhager Höhe gegen Friesling und Oisberg, dazwischen ist über der Kripp das Hochkar sichtbar

Vormittag kamen wir bei unserer Tour noch in den Herbstnebel, aber am Nachmittag strahlte die Sonne prächtig, und sogar das Panorama war ganz annehmbar. Hier von Windhag über die Ybbstaler Alpen vom Ötscher bis gegen die Stumpfmauer. Alle Aufnahmen von Anni!

Von Windhag hinab ins Luegbachtal zeigt der Sonntagberg im schönsten Nachmittagslicht

Die erste Strecke von Waidhofen nach Konradsheim, mit den sanften Nebelstimmungen, hat Anni noch am Vormittag allein begangen, während ich zum Ausgangspunkt zurückging, um das Auto zu holen.

Fernblick zum Ötscher

Die Tour am Samstag, 20. Oktober, war jedenfalls zu einem ganz günstigen Termin gelungen, denn danach gab es in den Niederungen kaum mehr nebelfreie Tage. Mehr über die “Mostviertler Vierbergetour” – Konradsheim, St. Georgen in der Klaus, Sonntagberg, Windhag – gibt es noch in einem eigenen Beitrag. Für MTBer ist diese Route ganz ideal, weil viele Asphaltstrecken und zugleich sehr bergig. Aber auch zur winterlichen Jahreszeit ist man dort gut unterwegs, und neben jeder Bergkirche lockt eine gastliche Einkehrmöglichkeit, wenn es draußen recht frostig zugegangen ist. Unsere Erstbegehung machten wir zur Zeit der Baumblüte, auch ein traumhaftes Erlebnis!

Heute, am 25. Oktober 2012, wird dieses “liebe” Vogerl bei uns in St. Veit vorbeigeflogen sein. Es ist laut Kosmos- Vogelführer unverkennbar ein Wintergoldhähnchen.

Das Wintergoldhähnchen ist wirklich ein “Winzling”, gilt als kleinster Vogel Europas! Sein ganzjährig bewohntes Brutgebiet befindet sich in  West- und Südeuropa. Dieser Vogel ist wahrscheinlich aus seinem Brutgebiet in Nordosteuropa, das im Winter geräumt wird, bei uns Richtung Überwinterungsgebiet (Süditalien etwa) durchgezogen. Das könnte auch mit der gerade von Nordosten heranrückenden Kaltluft zusammenhängen.

Kennzeichen für das Wintergoldhähnchen ist der gelbe, schwarz begrenzte Scheitelstreif. Es sitzt im Rasen als ob ihm nichts passiert wäre. Aber leider fand ich es auf unserer Terrasse gerade in den letzten Zuckungen, denn durch Anprall an einem Fenster ist es zu Tode gekommen, obwohl gar keine Verletzung bemerkbar war. Das Kleeblatt hat ihm also kein Glück gebracht, es war ja auch nicht vierblättrig…

Ich habe jedenfalls den Experten der Forschungsgemeinschaft Lanius, Thomas Hochebner, vom Auftreten des Wintergoldhähnchens bei uns im Gölsental verständigt. Und wir sollten an unseren Fensterflächen ein Abschreckungssignal anbringen, denn die Meisen und Rotschwänzchen sind zwar anscheinend mit der Örtlichkeit vertraut (hoffentlich passiert nicht gleich Ähnliches!), aber durchziehende Vögel könnten leicht wieder das Opfer einer den Himmel spiegelnden Glasfläche werden.

Wie letzten Montag haben wir heute (obwohl 13. Oktober, aber daran glauben wir ebenso nicht wie dass Schwammerl nur bei zunehmendem Mond wachsen…) auf den Wetterbericht vertraut. Vor allem an die aufkommende Südwestströmung nach der nächtlichen Störung. Aber es war nur ein kurzes Aufflackern des Föhns, begleitet von ausgedehnten Wolkenfeldern.

Abfahrt schon nach 9 Uhr Richtung Annaberg. Aus dem Fahrplan der Mariazellerbahn (vorigen Samstag vom Bahnhof Annaberg mitgenommen) ergibt sich überraschend – 10.41 Uhr passiert ein Personenzug den Bahnhof in Annaberg-Reith. Und wirklich pünktlich fährt der “Ötscherbär” von Gösing her ein.

“Woll´s mitfahren?” so der freundliche Zugbegleiter. Nein, aber bitte ein Foto – keine Hektik, nur Zeit lassen, und die Lokführerin lächelt noch freundlich aus dem Führerstand dazu.

An meinen Vater Peregrin, der fast Jahrzehnte hier als Lokführer unterwegs war, kann sie sich sicher nicht erinnern, ist wohl erst nach seiner Pensionierung geboren worden… Nur mehr die ganz alten “Mariazeller” kennen ihn noch, den “Pergerl”, wie alle zu ihm sagten.

Weiter auf der Wastlstraße bis vor den ersten Ötscherblick, dort genug Parkplatz, links abzweigend eine Forststraße, Riesenmaschinen werken im Wald, richten wohl mehr Schaden an als die hier auf die Einwilligung des Grundbesitzers verwiesenen Pilzesammler (gibt´s noch immer, wenn auch schon spärlich) und Beerensammler (hier könnte man eher einem Bären begegnen als irgendwelchen Beeren, obwohl viel Heidelbeergesträuch auf den Lunzer Schichten, dem verlässlichen Schwammerlboden).

AB Ötscherblick von der Lichtung nahe Annakreuz

Wir gehen ein Stück die Straße entlang bis km-24, dort ginge es auch rechts über den Südhang auf den Stadelberg. Wir marschieren aber links auf einer Forststraße weiter zur grünen Markierung und quer durch “unsere” Wälder weiter, bis wir auf den alten Pilgerweg zwischen Gösing und Annaberg-Reith kommen. Tafeln sind aufgestellt, sonst Markierungen sehr sporadisch…

Auch das Annakreuz hat schon bessere Tage gesehen! Abseits der viel begangenen Routen verdämmert es hier die Zeiten, obwohl sogar eine Sage aus der Franzosenzeit (1805 bzw. 1809) an diese Waldeinsamkeit geknüpft ist.

Wieder an der Abzweigung der grünen Markierung vorbei erfolgt der Rückweg auf der eingangs erwähnten Forststraße. Dabei öffnen sich wieder die Wolken und eine etwas spärliche Sonne beleuchtet den hier in besonders schönen Profil sichtbaren Ötscher – das Felsenhaupt des “Altvaters”, wie er von den slawischen Ureinwohnern der Voralpen schon vor mehr als 1000 Jahren genannt wurde.

Nach erstaunlichen 2 1/2 Stunden kommen wir wieder zum Auto – die Wälder erfordern eben ihre Zeit… und auch das vorsichtige Gehen im Gelände…

Eigentlich wäre noch ein Aufstieg zum Hochstadelberg am Programm gestanden, um ein Panorama aufzunehmen, aber dafür waren zu viele Wolken, und so fuhren wir lieber zu einem gemütlichen Nachmittag zurück ins Gölsental.

BB Kleine Welt am "Moderstrunk", hoffentlich fürchtet sich das kleine Fichterl nicht, weil es im "Kadaverwuchs" groß werden muss!

Übrigens – derzeit ideale Laubfärbung in den Voralpen, vom Tal bis auf die Gipfel! Könnte sicher noch eine Woche anhalten, denn weder große Kälte noch Sturm sind vorhergesagt. Also ein Oktober, wie er schöner nicht sein könnt, vorläufig zumindest!

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