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Neben den Küstenorten wie Rovinj, Porec oder Pula zählen die auf Bergen im Landesinneren gelegenen “Burgstädte” zu den vielbesuchten Sehenswürdigkeiten Istriens. Daneben gibt es aber auch noch vermeintlich unscheinbarere, aber besonders interessante Ziele, wie das als “kleinste Stadt” bezeichnete Hum, das mittelalterliche Roc und das von uns so überaus geschätzte Bergdorf Draguc, nicht zu übersehen natürlich Labin als Bergfestung über der Kvarnerküste. Manche heute unbedeutende und sozusagen vor sich hindämmernde Siedlungen verdanken ihre reiche Geschichte der Lage an Verkehrswegen (vornehmlich aus der Römerzeit) oder als Grenzpunkte der Herrschaft Venedigs oder der Habsburger. Dazu gehören nahe der Hauptstraße gegenüber der Ucka der Bergort Paz (wir sind bei unserer heurigen Tour ins Landesinnere leider nur vorbeigekommen) und das leichter erreichbare Boljun. Wie die Infotafel am Zugang in die steinerne Siedlung vermeldet – weder Stadt noch Dorf, aber ein historisches Denkmal früherer, glanzvollerer Zeiten. Wir fuhren gleich nach Besuch der “Orchideenwiese” von Boljunske Polje über die Bergstraße dorthin.

Die (vorbildlich!) auch in Deutsch verfasste Infotafel gibt einen kurzen historischen Überblick, und man stößt ohnehin sofort auf das Wahrzeichen und den Ursprung Boljuns – die steinerne Burg, auch als Ruine noch immer imposant. In den Gassen und Höfen keinen Menschen gesichtet, wohl aber von zum Glück nur grimmig wirkenden Hunden empfangen… Der Rundgang führt uns an einem Gasthaus vorbei, an bewohnten Häusern und Ruinenmauern – gleich am Ortseingang eine wohl in die Romanik zurückreichende Kapelle (Hl. Kosmas und Damian).

Wie unser ausgezeichneter “Kunsthistorischer Reiseführer” (Bruno Fachin Editore, Triest, in Pazin bei der Info im Schloss gekauft) treffend bemerkt – Standort südliche Bastion: Hier ist eine paradiesische Aussicht von den Bergen der Cicarija bis zu den Höhen von Labin zu genießen. Im Tal darunter das “Schachbrett” der bebauten Felder. Uns hat als Höhepunkt des Panoramas selbstverständlich die mächtige Ucka – der Monte Maggiore der italienischen Zeit – gefesselt, weil wir ja wenige Tage zuvor auf dem Gipfel waren.

Am anderen Ortsende ragt neben der Pfarrkirche und der Loggia der hohe Campanile von 1640, dahinter der Friedhof. Gerade erschallt das Mittagsgeläut. Dann geht es zurück zum Parkplatz am südlichen Ortseingang, die Tafel an einem Haus gegenüber der Kirche erinnert an die Schrecknisse der schon etwas zurückliegenden Zeit:

Von Süden kommend, geht es nun auf einer Höhenstraße weiter Richtung Lupoglav (dort Abzweigung der Ucka-Schnellstraße nach Pazin), und der Bergrücken zwischen Wald und freiem, teilweise kultiviertem Gelände birgt noch eine botanische Überraschung, großartig natürlich der Blick zur Ucka als Abschied…

Dingel und Diptam kennen wir zwar auch von zuhause, aber als Schlusspunkt unserer Reise gefallen diese Blüten natürlich auch besonders, wahrscheinlich werden sie uns auch im pannonischen Niederösterreich noch erwarten! Anzumerken wäre noch – Rückfahrt über die Autobahn bei starkem Lastautoverkehr (trotz des Feiertages), aber von Spielfeld an fast autofrei, selbst bei Graz und erst recht von Mürzuschlag durch unsere “Stoasteirischen” Heimatberge.

Der Blogbericht über die Heimfahrt von Istrien / Rabac am Donnerstag, 10. Mai, hat ja nun (fast zwei Monate danach) schon einen gewissen Erinnerungswert! Aber losgehen soll es eigentlich bereits mit der Anfahrt zum Urlaubsort Rábatsch am 29. April: Den Hinweisen der Valamar-Betreuung folgend, nahmen wir folgende Route – auf der Autobahn Maribor / Ljubljana kommend, bald nach der Verzweigung Triest / Koper abfahren (Crni Kal), dann auf gut ausgebauten Straßen über die kroatische Grenze (Socerga) Richtung Buzet und vor dem Ucka-Tunnel nach Labin. Noch vor dem Grenzübergang die Mittagsrast in einer sehr hübschen Gegend mit allerlei Sehenswertem (leider bei beiden “Vorbeifahrten” nicht ausgenützt). Gleich abseits der Passstraße in naturbelassenem Gelände die ersten stattlichen Purpur-Knabenkräuter! Aber unser botanischer Trumpf wartete erst später, nach der etwas verwinkelten Abfahrt von der Ucka-Straße hinab in das weite Becken der obersten Rasa am Fuß der Ucka. Dort hatten wir bei unseren Touren 2010 und (noch mehr) 2008 eine traumhafte Wiese “entdeckt”, voll mit Orchideen und anderem Interessanten. Seit dem Ausbau der Durchzugsstraße nicht mehr leicht zu finden, weil an einem alten Straßenbogen gelegen, aber mit der Karte gut zu lokalisieren: Bei der Häusergruppe Brnac zwischen den Abzweigungen der Seitenstraßen nach Boljun und Paz, beide sehenswerte Orte! Gegendname “Boljunsko Polje”.

Diese drei Bilder – Purpur-Knabenkraut, Spinnen-Ragwurz und Salep-Knabenkraut – stammen allerdings von anderen in diesem Urlaub besuchten Standorten, alle drei Arten aber (neben kaum etwas Spektakulärem) bereits am 29. April gesichtet. Heimfahrt zwölf Tage später,  schon um halb neun Uhr vom Hotel weg, kamen wir wieder auf der bewährten Route an dieser “Orchideenwiese” vorbei und nahmen uns  Zeit zum Nachzuschauen, bevor wir noch den uns noch nicht bekannten (oder in Erinnerung gebliebenen) Ort Boljun besuchten. Es hatte sich gelohnt – denn in so kurzer Zeit war der Blütenstand überaus vermehrt! Wir fanden leicht zum Standort (wie gesagt an der alten Straße zwischen den Abzweigungen nach Paz und Boljun) und waren voll erstaunt über die Veränderung, wie die Bilder zeigen sollen:

Pyramidenständel, Sommerwurz, Gladiolen (Illyrische?), Sumpf-Knabenkraut (oder Wenigblütiges K.), Milchstern (Pyrenäen?). Folgend sieht man die Wiese mit einem Haus von Brsac und der Ucka im Hintergrund. Orchideen – Purpur-Knabenkraut und Spinnen-Ragwurz, Salep-Knabenkraut, Breitblättriges Waldvöglein, in verschiedenen Stadien des Verblühens. Immer noch großartig die Fliegen-Ragwurz und Zungenständel / Serapis, ein zunächst nicht identifizierbares Objekt, später halb aufgeblüht erkannt – Adriatische Riemenzunge! Am Straßenrand war uns näher an Labin schon blühender Diptam aufgefallen. Zahlreiche Schmetterlinge, besonders auf den rötlich bis blauen Kreuzblumen (Perlmutterfalter? mit den “Flatterlingen” hab´ich´s nicht so….).

Anschließend, schon gegen die Mittagszeit, fuhren wir noch nach Boljun hinauf – ein Ort, nicht Dorf noch Stadt, Thema – wohnen zwischen historischen Ruinen…

Montag, 7. Mai: Am Vortag noch quer durchs Landesinnere, trotzdem eine lange Fahrt geplant – nach Cres zu einem uns bekannten Orchideenstandort, und womöglich gleich die gesamte langgestreckte Inselformation erkunden (einfache Strecke 120 km). Da könnte uns der Tag schon zu kurz werden, daher bereits um 7 Uhr schnell zum Frühstück und nachher schnell über Plomin  nach Brestova, Abfahrt der Fähre nach Cres um 8.15 Uhr….

Alles gut gegangen, bereits auf der Fähre und Blick über Mosenice gegen die Ucka. Gleich nach der Landung lassen wir uns etwas Zeit, damit der Stoßverkehr weg ist, denn die Straße ist auf der ersten Strecke nicht die beste – kurvenreich, an steilen Berghängen entlang, Fahrbahn etwas holprig – aber schönste Ausblicke, ein herrlicher Tag! So kommen wir gut voran, an der Stadt Cres vorbei, immer bessere Straßen mit wenig Verkehr, erster Halt am Ende der Insel Cres in Osor, wo eine Drehbrücke die Verbindung zur Insel Losinj herstellt.

Hier befinden wir uns schon am Fuß des Berges, der bei klarer Sicht von Rabac aus als hohe Pyramide erkennbar ist – der Gipfel Televrina, 589 m hoch. hier mit dem Glockenturm von Osor im Breitformat sichtbar. Dieser Ort ist uns völlig neu, wirkt fast wie ummauert, und ein Blick in den Reiseführer verrät auch viel Interessantes über die weit über die Römerzeit zurückreichende Geschichte. Parkplatz beim Kreisverkehr neben der Lagune, dann natürlich zu Fuß in die Stadt (bis ins 15. Jh. wichtiger Seehandelsplatz, Niedergang durch Hochseeschifffahrt, Pest und Malaria – aha, die Lagune). Auffallend von unserem Standpunkt ist die Marienkirche, ein altertümlich wirkender Steinbau, an dem vorbei ein Weg zur nächsten Bucht führt. Die ausgedehnte Ruinengruppe dort sieht zwar interessant aus, aber keinerlei Hinweis auf ihre Bedeutung. Leider gibt es keine Runde zum Weitergehen, also zurück, vorbei an Alleebäumen, die wir noch nie gesehen haben – an einem mitgenommenen Stachelzweig habe ich mich später beim Autoausräumen gestochen…

Osor wirkt wie ein Museum, und außerdem muss es hier einen schon traditionellen Kunstbetrieb geben. Etliche Statuen zeugen davon, der Platz vor der Kathedrale wird von schönen Gebäuden umgeben, das Rathaus ist städtisches Museum, interessant die Jahrzahl der Erbauung – noch zur Zeit der alten Monarchie!

Das letzte Bild zeigt ein ganz kurioses Denkmal für einen Marder! 1018 musste sich Osor nämlich zur jährlichen Ablieferung von 40 Marderfellen an Venedig verpflichten. Durch das Mauerwerk des ehemaligen Stadttors mit einem Markuslöwen-Relief kommen wir zum Meereskanal, der die beiden Inseln trennt. Entgegen manchen fälschlichen Behauptungen ist es keine Hebe- sondern eine Drehbrücke, die alte Seefahrt muss übrigens mit verhältnismäßig bescheidenen Schiffsgrößen ausgekommen sein. Am Kai daneben ankern ein paar Boote (im Sommer wird es wohl lebhafter zugehen), in einem sind gerade Fischer bei ihrer Arbeit, der Geruch übertrifft sogar den vom Straßenverkehr daneben…

Am belebten Mali Losinj vorbei nähern wir uns dem Endpunkt unserer langen Fahrt – so nebenbei hätten wir ein “Traumwegerl” gesehen, eine Promenade durch die Pinienwälder über den tiefblauen Meeresbuchten… aber an einem solchen Tag blieb uns vorerst (!) nicht so viel Zeit. So landen wir in Veli Losinj (das einst der größere Ort war) in einem wahren Irrgarten von Parkplätzen, derzeit noch größtenteils leer. Wie sollen wir uns nun orientieren? Mittagszeit ist auch schon, also streben wir an der nächstgelegenen Kirche vorbei (in Renovierung) zum Zentrum am kleinen Hafen. Gut erwischt das Café an der Mole, dann sind wir wieder frisch und beginnen einen mittellangen Rundgang.

Das blaue Haus neben der rosa Kirche nennt sich übrigens “Villa Mozart”. Schön ist der Ausblick über die Bucht, und den von Rabac aus so fern gesehenen pyramidalen Gipfel Televrina sehen wir nun aus der Gegenrichtung auch ganz schön weit entfernt! Sonst bringt der Ort Veli Losinj wenig Eindrucksvolle, viele Häuser in recht desolatem Zustand, oft noch aus den Zeiten der Monarchie herrührend oder in jüngerer Vergangenheit verschandelt, Neubautätigkeit dazwischen ganz intensiv. Wie wir hier einen Urlaub verbringen sollten…? Daher machen wir uns allmählich an die Rückfahrt mit noch einem besonderen Ziel vor Augen: Bei einem Ausflug nach Cres von Medveja aus (wohl 2008 im Frühjahr) haben wir durch einen außerordentlichen Zufall nach einer Bergtour auf den Ham unsere Freunde Sissi und Karl Oswald getroffen. Sie zeigten uns einen schönen Orchideenstandort oberhalb des Vranksko jezero, dem Trinkwasserspeichersee im Innern der Insel. Eine abkürzende Zufahrt dorthin von Süden her endet beim Weiler Grmov in der Einöde und an einem Fahrverbot. Also den größeren Bogen genommen, vor Cres westwärts abzweigend Richtung dem “Seeräubernest” Lubenice. Wir wussten noch die Stelle bei Mali Podol, wo wir die Autos stehenließen und Richtung der Kirche Sveti Ursula wanderten. So machen wir es auch diesmal…

Wir marschieren endlos zwischen (teils kunstvoll geschichteten) Steinmauern einen alten Fahrweg entlang, limitieren die Strecke schon nach der Uhr (es ist ja bald mittlerer Nachmittag), aber außer den abgebildeten Orchideen (Ragwurz, Spinnen- Bertolinis- Hummel) gibt es nichts, nicht einmal einen g´scheiten Rastplatz… Die Kapelle haben wir zwar von der Ferne gesehen, aber hingekommen sind wir nicht, auch nicht zur schönen Aussicht über den Binnensee – Grund war eine versperrte Abzweigung mit drohenden Verbotstafeln, jetzt wissen wir es! Hier sind noch Annis Bilder von dieser Strecke:

Am letzten Bild eine aufblühende Orchis tridendata, wie beim ersten Besuch prächtig Bertolinis-Ragwurz und viele Hummel-Ragwurzen. Jetzt war die Zeit schon so fortgeschritten, dass wir auf das Bergdorf Lubenice verzichten mussten. Der kurze Abstecher nach Valun war unnötig, schon hoch vor dem Meer abgesperrt, keine Zufahrt. Also machten wir uns an die Rückfahrt und waren wenigstens so gescheit, auch auf die Stadt Cres zu verzichten. Denn die Strecke bis zur Fähre zog sich ganz schön in die Länge, und gerade vor Abfahrt kamen wir dort an. Trotz spürbarer Ermüdung war die Überfahrt ein netter Ausklang, schöne Stimmung über dem abendlichen Meer und den Küstenbergen – und das opulente Abendbuffet noch vor uns, dann nur noch ins Bett…

Den Hausberg von Halltal haben wir schon in frühen Jahren von allen Seiten erkundet – schon für das “Mariazeller Bergland” (3. Wanderführer mit Werner Tippelt, NP-Buchverlag 1977), später noch für meinen Führer “Wandererlebnis Mariazeller Land & Ötscher” (Residenverlag 2006, Lektorat bereits Sonja Franzke). Es hat sich dabei herausgestellt, dass MARIAZELL jedesmal kein Verkaufsschlager war, denn alles konzentriert sich dort mehr auf Wallfahrt und Urlaub…

Ganz genau beschrieben habe ich alle Routen auf diesen Lieblingsberg im “Wanderparadies Voralpen. Zwischen Mostviertel und Mariazeller Bergland” (NP 1996) sogar mit einer Abhandlung über dieses interessante Massiv. Zuletzt war ich wohl mit Tourenschi oben, eine anstrengende Partie bei viel Schnee, die mir noch gut in Erinnerung ist, aber in meinem Bildarchiv (noch nicht digital, also vor 2006) kaum aufscheint.

Bei den schönen Naturbildern im Facebook war ich schon fest entschlossen, mit Anni wieder zum “Blumenstudium” auf der Student aufzubrechen. Doch wegen dem hohen Sonnenstand, jetzt zum Sommerbeginn, war auch der Türnsee (von Rotmoos im Salzatal gegen den Hochtürnach, siehe “Wandererlebnis Ötscher & Ybbstaler Alpen”, Neuauflage Kral-Verlag 2018) verlockend. Jedenfalls standen wir gestern zeitig auf und fuhren los – im Halltal war es erst nach 7 Uhr! Und da kam uns die Idee, die Morgenkühle an diesen heißen Tagen besser so zu nutzen, dass wir gleich auf die Student wanderten, ab beim Parkplatz an der Salza (Abzweigung Halltal, Ortsende gegen Mariazell) um halb acht Uhr, noch angenehm frisch!

Über die Salzabrücke, links am Bauernhof vorbei und den gut geschotterten Güterweg aufwärts, im nächsten Wäldchen ein Wegweiser rechts in Gestrüpp (hätte uns zu denken geben sollen). Wir gingen aber kurz danach einfach über die Wiese hinauf, durch ein Zaungatter und über die Viehhalde geradeaus weiter zum Waldrand mit einer “Schussluckn”. Im Führer heißt es etwas sporadisch – hinauf zum Waldrand, sonst aber hat alles noch immer gestimmt, obwohl das Buch von 2006 ist. Gestimmt hat auch der Hinweis auf das sumpfige Gelände, aber so nass und tiefgründig hatte ich die Wegspur nicht in Erinnerung! Dann steil über dem Haselgraben entlang aufwärts, passt auch, der folgende Fichtenbestand schon ganz schön hochgewachsen, aber mit gutem Weg.

Nun geht es erst richtig los – der früher so nette Weg ist ausgewaschen, immer wieder sehr feucht und vor allem – je weiter hinauf umso mehr – dicht verwachsen. Zwei schöne “Zaungäste” hat Anni abgebildet – Österreichische Gemswurz und Großblütiger Fingerhut (die gelbe Art der Kalkalpen im Gegensatz zum Pupur-Fingerhut des Silikatzonen). Kein Wunder, denn hier hat sich durch Abholungen (vor allem nach den ausgedehnten Windbrüchen?) die Berglandschaft völlig verändert! Der Hochwald besteht nur mehr aus Restbeständen, sonst wuchert alles grün und grüner, brusthoch verwachsen, nicht nur mit hübscher Hochstaudenflora… Die Wegspur ist dazwischen gerade nur erkennbar, natürlich sind wir nass bis über den Bauch hinauf… Also nichts war´s mit dem alten schönen Bergweg, aber nach zügigem Stapfen langten wir doch endlich bei der schon dringend erwarteten Forststraße am Kampl an. Dritter Akt – nach Sumpf und Holzschlag – grobschottrig und neu breit ausgebaut, was war das früher für ein moderater Fahrweg! Mit schöner Aussicht geht es nun um den Bergrücken herum ins Hochtal zwischen Studentleiten und Großkogel (wie der Haselspitz mit dem großen Gipfelkreuz auch genannt wurde, Hohe Student ist völlig falsch – dieses Kartenproblem ist von mir schon vor Jahrzehnten erledigt geworden….).

Dann kommt endlich die Abzweigung des alten markierten Weges, wieder sehr nett, wenn auch einige Windbruchgassen. Die vielen Gefleckten Knabenkräuter bleiben nun zurück, zwischen die Hochstaudenflora mischen sich selten Waldhyazinthen, und am Wegrand haben wir (erst beim Abstieg) einen kleinen Schatz entdeckt – das Einblütige Wintergrün mit dem hübschen Beinamen “Moosauge” (schwer zu fotografieren, denn verschämt hält es sein Auge zum Boden gewandt). Bei der sagenumwobenen “Hundsklamm” (alles in meinen Büchern) ist fleißig ausgeschoben worden, aber schon wieder verwachsen. Oberhalb ein flacher Boden (Weißer Germer), der mir bei der Beschreibung entgangen ist, und noch ein flacher Boden mit viel Heidelbeersträuchern (oben überall sehr häufig, aber kaum fruchtend), etwas Germer und Wegkreuzung – Farbmarkierung ausreichend, gelbe Wegtafeln fast reichlich. Hier links hinauf zum Hauptgipfel, weil dort das große Gipfelkreuz steht – Haselspitz, früher (?) auch Großkogel genannt, eben die Bergspitze über dem Haselgraben (Riesenquelle und Wildbach hinab nach Halltal-Ort), keinesfalls Student (wie ein paar Gscheitlinge im Gipfelbuch herumgeschmiert haben…).

Die Student ist eigentlich ein Waldberg, noch besser ein “Waldgrenzberg” mit höchstens etwas über 1500 m Gipfelhöhen! Die zwei nahe beieinander liegenden Gipfel – der Haselspitz und die Hohe Stundent (kommen wir bald hin) sind waldfrei – noch! – denn kleine Fichterl kämpfen sich schon von den Waldrändern darunter hinauf zu den steinigen Rasenflächen. Über die richtige Bezeichnung bin ich mir nicht klar, am ehesten noch HOCHMONTAN mit SUBALPINEN Elementen. Beim Gipfelkreuz nach guten zwei Stunden zügigen Aufstiegs ist es ganz schön kühl, weil sich die Wolken vorübergehend verdichtet haben. Aber gute Fernsicht, und  zu meiner Überraschung schaut gerade noch das “Turmtriumvirat” der Mariazeller Basilika über den Waldsaum der Bürgeralpe her!

Statt der Gefleckten Knabenkräuter gibt es hier ebenso dicht die Mücken-Händelwurz (womöglich sogar die Duftende?), weniger zahlreich die Höswurz (Weiße Händelwurz oder richtiger Pseudorchis albide), oft die Kugelorchis (Traunsteinera globosa), Alpen-Nelken, sogar Kohlröserl (Nigritella spez., für mich Rotes K., nicht näher bestimmt)  usw. aber vor allem hier überaus häufig einen kleinen Farn – die Mondraute! Wir schließen dann den Übergang zur Hohen Student an: Südöstlich über den etwas steilen Rücken auf spärlicher Steigspur hinab in eine Senke, dann um die nächste Erhebung rechts herum zu einer noch größeren Mulde, dann im Waldsaum hinauf zum nächsten Rücken südwestlich der Hohen Student. Hier hat sich die Wegführung anscheinend geändert (früher bin ich gleich rechts hinunter zum Hüttenweg und links zur Schutzhütte gegangen). Nun ist am Rücken hinauf ein Steig vorhanden, mitten durch die tollste Blumenpracht – verblüht allerdings schon Clusius-Primeln (“Jagabluat”), Silberwurz, Großblütiger Enzian, Alpen-Anemonen. Sonst alles reichlich vorhanden samt Alpen-Heckenrose und Steinquendel, eine niedrige Kiefer dürfte angepflanzt sein (?wozu?), aber gleich danach vor dem Gipfel eindeutig ein Latschfleck! Dann stehen wir beim kleinen Gipfelkreuz mit vielleicht noch fantastischerer Rundsicht, wenn eine Steigerung möglich ist.

Nun geht es den freien und noch immer überwältigend blumigen Südhang auf spärlicher Steigspur hinab zum “Plotschenboden” (Legerflur der einstigen Alm, voll von Lattich zugewachsen), der sogar gemäht ist. Rastpause nicht in der Hütte (für Schlechtwetter ausgerüstete Schutzunterkunft des Mariazeller Alpenvereins und ? der Gemeinde Halltal), sondern auf der gemütlichen neuen Bank davor. Mittagspause – abmarschiert wird genau um 12 Uhr.

Der alte Alm- und Hüttenweg führt nun westwärts unter den Gipfelhöhen zurück zum “Oberen Heidelbeer- und Germerboden”,  wieder hübsche Hochstaudenflur und eingemischte Orchideen (auch Großes Zweiblatt und Grüne Hohlzunge), bis zur gut beschilderten Wegkreuzung. Vor dem Abstieg, nun schon in der Mittagshitze, graut uns etwas, war auch wirklich nicht gerade ein Genuss, um es mild auszudrücken. Trotzdem kommen wir ohne größere Rutscher (bergab und heinein ins Sumpfige) gut auf direkter Route wieder nach Halltal. Am Rand der Feuchtflächen neben der Salz sehen wir (wieder) eine Spezialität dieser Gegend – die meterhohe Breitblatt-Glockenblume mit ihren gut 6 cm langen Einzelblüten.

Das nun schon so lange fast hochsommerliche Wetter hat auch seine Tücken. Vor allem für die Bauern, die schon dringend mähen sollten, sich aber vom “gewittrigen” Wetterbericht abhalten lassen, um dann sonnig-heiße Nachmittage und in der Folge zu erleben. So ging es uns mit einer Tour am letzten Sonntag – nur nicht zu hoch hinauf und zu weit hinein ins Gebirge. Bichleralm und Stadelberg schon absolviert, also als nächstes passendes Ziel auf den Schwarzenberg bei Türnitz mit Zufahrt bis aufs Schwarzenbacher Gscheid. Auch könnte es nicht schaden, diese Tour einmal zu “kontrollieren”, ob sich etwas verändert hat…

Vom Parkplatz am Gscheid (im Winter Umkehrplatz der Straßenmeisterei) gleich die von zahlreichem blühenden Waldgeißbart begleitete Baumzeile entlang zum Bergfuß. Hier erste angenehme Überraschung – der über den steilen Waldhang hinaufführende Steig hat gleich am Einstieg eine deutliche Markierung. Der schmale, aber gut ausgetretene Weg zieht nach erstem direkten Anstieg eine weite Kehre nach links, dann nach rechts, dabei immer zügig an Höhe gewinnend. Bei der zweiten Kehre folgt nach einigen verdächtigen Vertiefungen eine deutliche Bergbaupinge mit Einstiegsloch (Blei und Zink im frühen 19. Jh.). Danach zeigen aber die neuen roten Markierungspfeile nach rechts seitwärts – die Beschriftung “Kantal” bedeutet wohl Karntal und führt westwärts weiter, etwa zum ominösen Hohen Stein. Wir bleiben aber auf unserem nun unmarkierten deutlichen Pfad, der sich sogar im folgenden Schlaggelände (eine überwachsene Forststraße querend) im hohen und voll taunassen Gras fortsetzt. Nach Rückblick zum Eisenstein und ins Pielachtal folgt ein Walddurchgang, und leicht links haltend stehen wir bald auf dem Schwarzenberg – Gipfelkreuz, doppelte schöne Rastbank, kaum eine Stunde!

Auf dem folgenden Almboden zur Halterhütte hätte ich schon (nach dem Auftrieb am Tirolerkogel) schon Weidevieh erwartet. Aber das gesamte Gelände war “kuhfrei”, auch angenehm, wenn auch die Botanik schon etwas “durchfressen” war. Hier gibt es schon Sommerflora – Gelben Fingerhut u. a., außer etwas abgeblühtem Gefleckten Knabenkraut (Fuchs-K.) keine Orchideen, dafür leuchtete es vom unteren Waldrand intensiv blau her. Hier waren vor wenigen Jahren der Almboden geglättet worden, also blühen hier Lupinen oder sonstiges Angebaute? Natternkopf hat sich dann herausgestellt, in unvorstellbaren Mengen und ebenso die sonst eher vereinzelte Kleine Wachsblume!

Um uns die weite Schleife der Forststraße zu ersparen, die uns zu den Thorstallwiesen und zurück zum Ausgangsführen sollte, suchte ich den vor dem “Voralpenführer” ausgekundschafteten alten Almsteig als Weiterweg. Gleich unterhalb der Hundsloch-Schachthöhle befindet sich am Waldrand bei alten Rotbuchen eine ausgetrocknete und schon begrünte alte Tränklacke, dort beginnt der alte Steig. Durchwegs gut erkennbar und meist leicht bergab, einen Forstweg querend, quert dieser durch das sonst unwegsame Waldgelände, nur an zwei gleich hintereinander liegenden Stellen war Windbruch zu umgehen, zuerst oberhalb, dann unterhalb. Schließlich erreicht die nun mit hohem Gras und nassem Grün überwachsene Trasse die Thorstallwiesen am südlichen Rand, wo die Forststraße in den Wald führt. Inzwischen hat es zwar leicht zu regnen begonnen, aber im Vergleich zu den dunklen Wolken am Morgen noch recht moderat und außerdem nur kurze Zeit.

Trotz des etwas getrübten Wetters ist die Aussicht von dieser Hochwiese gegen Türnitz und den Höger wie immer eindrucks- und stimmungsvoll. Wo die Almstraße dann in den Wald (Richtung Holzer Gsohl) eintritt, bin ich früher links über die Wiese hinaufgestiegen. Nun gibt es dort einen neueren Forstweg, und erst in der oberen Wiesenregion muss man am Waldrand durch hohes Gras weiter. Immerhin gibt es dort auch einige Blumen zu sehen! Der Witz dieser Route ist, dass man über einen flachen Sattel mit hohen Fichten nordwestlich hinüber in das vom Gscheid gegen den Knedelhof ziehende Tal kommt und damit den Anschluss zum Parkplatz findet.

Beiderseits der “Schussluckn” im Fichtensattel die Bilder von Breitblättrigem Waldvöglein und Waldhyazinthe. Jenseits durch hohes Gras und Adlerfarnflecken hinab zu einer Wiesenfläche neben einem idyllischen Hütterl, hier schon auf Fahrweg, der dann nach links durch die mit Felsen gespickten Steilhänge des Schwarzenbergs bequem weiterführt. Trotz hohem Wald an der schon verwachsenen Böschung auch noch Interessantes, meiner Schätzung nach ein Satanspilz (von mehreren) und eine auf Anhieb nicht genau bestimmte Glockenblumenart.

Dann kommen wir schon an den Rand der vom Gscheid herab ziehenden Wiesenmulde – anschauliche Geologie, Lunzer Sandstein zwischen Hauptdolomit des Eisensteins und Wettersteinkalk des Schwarzenbergs (sehr einfach gesagt). Beim letzten Mal bin ich über die Wiesen hinauf zum Gscheid, elendiglich sumpfig, und wollte schon über den Forstweg durch den Graben zur Schwarzenbacher Straße und auf dieser weiter. Diesmal scheint es trockener zu sein, und nach Annis Meinung sollten wir gleich am Waldrand hinaufgehen – hat gepasst, denn die paar Feuchtstellen waren leicht zu bewältigen, und überraschend schnell konnten wir das Gscheid (wo wir gestartet waren) in idealer Runde erreichen, nur die ersten und letzten Meter auf derselben Strecke, insgesamt drei Stunden.

Auf der Straße war schon allerhand los – der “Rad-Grand-Prix-Niederösterreich” rollte gerade vorbei ( von St. Pölten durch das Pielachtal, nach Bergwertung am Schwarzenbacher Gscheid über Annaberg nach Puchenstuben….), als Begleitfahrzeuge neben Polizei, Presse, Gendarmerie, Samaritern auch zwei Traktoren mit Melker und Amstettner Nummer! Unser Vorsatz nach dieser bei wieder schwülem Sonnenschein beendeten Tour – das hübsche Gipfelbankerl müssen wir unbedingt im Herbst “besitzen”, wenn alles bunt wird!

Nach geologischen Gesichtspunkten wird Istrien nach drei Farben geteilt: Die auf Kalk lagernden Terra rossa-Böden im Westen werden als “Rotes Istrien” bezeichnet, die Gebirge von Nordosten bis Südosten heißen nach dem hellen Kalkgestein “Weißes Istrien”. Im Zentrum Istriens treten jedoch Sandsteine und Mergel auf und führen zur Bezeichnung “Graues Istrien” – tatsächlich ist dieses Gebiet mit seinen üppig bewachsenen Fluren aus meiner Sicht das “Grüne Herz Istriens”.

Nachdem wir in diesem Urlaub schon die Küsten und das Gebirge besucht und bewandert hatten, wollten wir (schon nahe am Abschluss) uns dem Landesinneren zuwenden, das wir bei früheren Reisen schon ausführlich kennengelernt hatten. Daher nicht etwa nach Buzet, Motovun oder Hum (der angeblich kleinsten Stadt der Welt), aber unbedingt nach DRAGUC, einem kleinen Bergdorf mit vielen uns kostbaren Erinnerungen – bunte Farbenpracht im Herbst, reiche Orchideenblüte im Frühsommer… dorthin wollten wir “noch einmal”!

Wieder morgens Auffahrt von Rabac nach Labin und in den nördlichen Vorort Kature (ehemaliger Bergwerksort und Museum des Kohleabbaues). Von dort führen zwei Hauptstraßen nach Norden ins Landesinnere. Wir wählen aber jenes Eck, das wir bisher nicht kennengelernt haben – gegen Westen Richtung Rasa Draga, aber noch über die Hochfläche dahin. Die Nebenstraße ist (wie zumeist) gut ausgebaut, und wir sind erstaunt, wie wenige ruinöse Siedlungen es hier gibt, vielmehr gepflegte und  neue Häuser samt wohl bestellten Fluren. Bei der Kreuzung vor dem links abseits liegenden Dorf Marici wenden wir uns nach Norden, um nicht gleich an den Plateaurand heran zu kommen. Nun überwiegen eher Heideböden und kleine Waldungen, die uns zu einem kurzen Stop verführen. Mit großem Glück werden wir fündig – zwischen Gehölzen mit aufblühenden Perückensträuchern u. a. finden eine kleine verzweigte “Orchideenwiese”, wo die Spinnen-Ragwurz in vollster Blüte steht. Dann geht es wieder abwechslungsreich weiter, den Ort Sveti Martin lassen wir unberücksichtigt, denn unser Tagesziel ist noch weit entfernt, und nächste Station soll die bemerkenswerte Ansiedlung SUMBER sein.

Wie in unserem Kunsthistorischen Reiseführer ISTRIEN beschrieben, besteht Sumber (Schumber) aus einzelnen verstreuten Häusern, wird jedoch von der trotz Verfall noch immer stattlichen Mauer der mittelalterlichen Burg beherrscht. Bezaubernd ist die Lage über der Rasa Draga, in die man hier hinabblickt. Angenehm für uns war auch, dass der Ortswächter – ein uralter grimmig aussehender Wolfshund – es wirklich freundlich mit uns meinte, gerade dass wir ihn nicht streichelten… Hier wirkt alles sehr unterschiedlich, manches Haus bewohnt und daher auch revoviert (Wasserzuleitung von den Dächern in Zisternen, denn Quellen gibt es auf dieser Anhöhe kaum), sonst viel Verfall. Sogar die Pfarrkirche der Heiligen Johannes und Paulus wirkt nicht gerade gepflegt und viel benützt. Es soll auch noch beim Friedhof die alte Kirche St. Quirin geben, aber wir fanden nicht einmal den sonst unübersehbaren Friedhof! Und schon gar nicht einen ganz kuriosen Skaralbau – die 1440 erbaute Kirche “Madonna der Kornelle”. Einer Legende nach soll die Gottesmutter “auf einer Kornelle” sitzend einer Hirtin erschienen sein und um den Bau einer Kirche gebeten haben. Also bei uns ist uns noch nie eine Marienerscheinung in einem Dirndlstrauch untergekommen! Leider konnten wir dieses Heiligtum nicht finden und mussten erfolglos weiterfahren.

Von Sumber aus hatten wir schon in der Ferne auf einer Berghöhe unser nächstes Ziel ausgemacht – die Burgstadt Pican, die zu einer Kette solcher historischer Orte zwischen Krisan und Pazin gehört. Äußerst bemerkenswerte Geschichte – prähistorisches Kastell, dann römische Festung, von 524 bis 1788 Beschofssitz, die kleinste Diözese der Welt! Ein in der Sakristei aufbewahrter goldbestickter Bischofsmantel war ein Geschenk der sog. Kaiserin Maria Theresia! Die römischen Ruinen wurden in der mittelalterlichen Stadt verbaut, heute hat man den Eindruck vielfältigen Verfalls. Wir parken auf dem Platz vor der Stadt und gehen durch das “Römische Tor” ins Innere der ummauerten Siedlung hinauf. Wirklich eindrucksvoll ist der Ausblick von den Bastionen – gegen die wie überall beherrschende Ucka, und sogar die Türme von Labin sind fern im Süden erkennbar, sicher gehörte Pican als wichtige Signalstation zum Verteidigungssystem Istriens.

Beherrschend ist der Glockenturm, an dessen Fuß sich eine “Zehentstein” befindet – zum Bemessen der Abgaben an die Kirche! Die barocke Kathedrale Mariae Himmelfahrt zeichnet sich durch eine auffallend lange Bauzeit von 1606 bis 1771 aus. Gerade läuten die Kirchenglocken, und die Menschen strömen zur Messe um 11 Uhr zusammen. Wir schließen uns ihnen an und besuchen die Sonntagsmesse, verstanden haben wir zwar kein Wort, aber der Gesang von Chor und Singgruppe war wirklich eindrucks- und stimmungsvoll. Übrigens endete die kroatische Messe mit dem Zwölfuhrläuten! Danach versammelten sich die Einheimischen unten beim Parkplatz bei einer kleinen Ausschank, für die sie wohl selbst gesorgt haben, denn eine Einkehrmöglichkeit haben wir nicht gesehen. Wir spazierten gegenüber der “Hochstadt” noch zum Friedhof auf der östlich benachbarten Anhöhe, wo sich auf einem tollen Panoramaplatz die romanische Kirche St. Michael erhebt. Sie war selbstverständlich verschlossen, also konnten wir die Fresken aus dem 15. Jahrhundert nicht besichtigen, aber den wertvollsten Freskenschatz der Gegend haben wir ohnehin schon einmal in Beram bei Pazin gesehen.

Nun heißt es, schon zügig unser eigentliches Tagesziel anzusteuern! Dabei ladet die wechselvolle Höhenlandschaft förmlich ein, dort herumzustreifen, aber es bleibt uns nur der Genuss im Vorbeifahren. Hinunter ins Tal nach Pazin, der Hauptstadt des zentralen Istrien, eine Abkürzung durch die Vororte und dann talaufwärts, gleich auf der Hauptstraße statt auf der daneben verlaufenden Schnellstraße. Die Abzweigung erfolgt bei Cerovlje Richtung Draguc (dort ginge es weiter nach Buzet. Wir wählen aber eine schmale Seitenstraße, die wir anscheinend schon einmal befahren haben – über Lovrecic hinauf in die Wälder, bald ohne Asphalt und auf einer Art zur allgemeinen Benützung freigegebenen Forststraße. Diese Wahl hat sich gelohnt, nicht nur weil wir bei einem geschlossenen Rasthaus einen schönen Platz für die schon dringend erforderliche Erfrischung fanden. Noch dazu wimmelten die Waldränder nur so von Orchideen, immer wieder eine neue Art, ich zähle einfach auf: Purpur- und Stattliches Knabenkraut, Orchis morio, Fliegen-Ragwurz, Orchis tridendata, Breitblättriges Waldvöglein, Violetter Dingel (der Einfachheit halber verwende ich gleich die vertrauten Trivialnamen, denn sonst müsste ich erst der Genauigkeit halber in der Exkursionsflora nachschlagen).

Für eine Sandstraße ist die Fahrbahn recht gut, nur muss man immer wieder auf Löcher und Rillen achten. Im Höhengelände geht es ziemlich eben dahin, und bald öffnen sich nach einigen Haltepunkten weitere Lichtungen – hier hat sich ziemlich was verändert, denn rund um einen prächtigen Landsitz dehnen sich frisch gepflanzte Olivengärten. Dann kommt bei der Bergabfahrt das Dorf Draguc in Sicht, auch hier etwas Neues, denn eine einst ruderal wirkende Wiese mit vielen Orchideen (Riemenzungen) wurde in einen Obstgarten verwandelt. In das Dorf hinein wirkt aber alles noch so, wie wir es vor einigen Jahren erlebt haben.

Am Kirchenplatz mit seinen uralten Bäumen und den Aussichtsplätzen an der steinernen Brüstung lassen wir uns zur verdienten Rast im Café Zora nieder, einem urigen Lokal neben dem hohen Glockenturm (daneben sogar eine alte Glocke). Katzen gibt es in Menge wie seit eh und jeh, aber die hergerichteten Häuser sind mehr geworden, kommt uns zumindest vor. Sogar der kunsthistorische Reiseführer widmet Draguc zwei Seiten: Ein antiker Ort, in dem die Vergangenheit lebendig ist, ein architektonisch-landschaftliches Kleinod! Der von teilweise erhaltenen Festungsmauern umgebene Ort gehört bis 1523 zu Österreich, dann bis 1797 zu Venedig, in manchen Bauten ist die Geschichte noch erkennbar. Draguc verfügt außerdem über vier Kirchen – von der Hauptstraße in den Ort hinein steht die Friedhofskirche St. Elisäus (12. Jahrhundert, Steinblock des Altares mit römischer Inschrift, Fresken 14. Jh.), gleich danach die Marienkirche von 1641. Dann verlaufen zwei parallele mit Steinen gepflasterte Längsstraßen zum Hauptplatz mit Brunnen und Pfarrkirche zum Heiligen Kreuz (in der Apsis ein Befestigungsturm einbezogen). Unter dem ehemaligen Getreidespeicher dient ein langer Durchgang (Portikus) als Abstellplatz für Ackerwägen u. a. Geräte). Aber danach folgt am Rand des Bergrückens der kleine, aber besondere Höhepunkt – die Kirche St. Rochus mit Loggia von 1565 und wenig früher entstandenen Fresken am Gewölbe. Die Aussicht über die Berghügel mit ihren Obst- und Weingärten ist phänomenal, im Nordwesen erkennt man die Seefläche eines großen Trinkwasserspeichers.

Die Bilder stammen großteils auch von Anni (in kann die Beschriftung leider nicht anbringen, was im alten PC noch leicht gelungen ist, die Bilder sind auch kleiner als früher), die Menge an interessanten Aufnahmen werde ich im Facebook unterbringen, wo sie attraktiver erscheinen als hier. Nun wird es Zeit für die Rückfahrt, wir sind allmählich auch zu müde für neue Eindrücke… Zurück ins Tal bei Cerovlje geht es nun auf der Haupt-Neben-Straße, jedenfalls gut ausgebaut mit vielen Kurven, dann müssen wir über die nächsten Berge hinüber ins obere Rasagebiet. Dazu bietet sich die Passstraße nach Paz an, und an der Ruine von Belaj vorbei landen wir unweit von Boljun wieder im Tal und folgen der Hauptstrecke nach Labin und wieder hinunter zum Meer in Rabac. Ein langer und voll ausgefüllter interessanter Tag war dieser Sonntag, 6. Mai!

Wie schon beim letzten Bericht erwähnt, haben wir in diesem Gebiet bei der nicht zu Ende durchgehaltenen Ausflugsfahrt Richtung Rabac (von Porec aus) erstmals zufällig das Schmetterlings-Knabenkraut gesehen. Erstmals – das ist immer ein besonderes Ereignis und bleibt im Gedächtnis! Aber  so gut hatten wir uns diese Örtlichkeit doch nicht gemerkt. Wir waren nur an einem Meeresarm gelandet, wo in einem Hafen Unmengen Langholz verladen wurden (woher, fragten wir uns). Dann haben wir das Ziel Rabac aufgegeben und sind nur den Berghang hinaufgefahren, um an einer geeigneten Stelle zu rasten. Dort stand also diese noch nie von uns gesehene Orchidee – und dorthin wollten wir diesmal auch…

Gleich am nächsten Tag nach der Tour über die “Labin-Halbinsel” fuhren wir zwar auf kürzester Strecke über Labin Richtung Barban, aber schon viel früher die am Vortag befahrene Strecke nach Kobomacno entlang. Wir durften nur den Abzweiger nach Brgod nicht versäumen! Aber dieser Ortsname bezeichnet eigentlich kein Dorf, sondern nur eine Ansammlung kleiner Weiler oder Häusergruppen… Was bleibt uns übrig - wir können nur “auf´s Geradewohl” aussteigen und die Fluren absuchen. Das geschah dann auch mehrmals, und bei einem dieser Versuche gelangten wir auf eine Wiesenmulde mit begleitenden Strauchzeilen und schmalen Streifen von gartenartigen Äckerchen und Weinrieden dazwischen.

Vorerst war nur schon gewohnte “Trivialflora” zu bemerken, bis wir auf etwas weniger dichten, wenn auch hoch stehenden Wiesengrund stießen. Trotzdem konnten wir noch ein paar Aufnahmen machen – bis endlich das ersehnte Objekt, das Schmetterling-Knabenkraut auftauchte! Einmal gesichtet und den Blick darauf eingerichtet, so werden die Exemplare immer mehr, und neben verblühtem Orchis morio und noch recht schönem Dreizähnigen Knabenkraut gab es halt doch einen Erfolg!

Neben etlichen Sackgassen und verwirrenden Abzweigungen kamen wir an einer Kreuzung zum Stehen und begegneten dort einem Ehepaar aus Neuberg an der Mürz, der freundliche Herr ein Forstmann, der beruflich früher in der Gegend viel zu tun hatte und uns allerhand Ratschläge gab. Vor allem wurde uns nun klar, dass wir ohnehin optimale Verhältnisse angetroffen hatten und weiteres Herumsuchen keinen Sinn hätte. Immerhin hatten wir die angepeilte Orchidee wieder dort gefunden…

Also fuhren wir mit einigen Bögen auf schmalen Asphaltwegen zu der ans Meer führenden Seitenstraße und gelangten mit reizvollen Ausblicken  (ohne zu fotografieren) hinab ans Ufer des Fjordes, in den der Fluss Rasa mündet. Dieser Fluss nimmt einen fast absurden Lauf durch das südöstliche Istrien: Vom landseitigen Fuß der Ucka gelangt das Gewässer in ein weites Becken nördlich von Labin. Dort bestanden einstmals ausgedehnte Sümpfe (wie vielfach im Süden von Malaria gefährdet), die in den 1930ern trockengelegt und in Ackerland und Wiesen verwandelt wurden. Damals gehörte Istrien zu Italien, und wenn man auch keine positive Einstellung zu den damaligen Machtverhältnissen hat, muss doch zugegeben werden, dass unter dem “Duce” wesentliche wirtschaftliche Forstschritte erzielt wurden. Einerseits lenkte der politische Wille die Kapitalströme zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, anderseits wurde eine ganze Generation von “Pionieren” dafür begeistert, das Land weiterzuentwickeln. Leider nicht nachhaltig, denn neben der Unterwerfung der Bevölkerung unter ein faschistisches System wurden die idealistischen jungen Menschen in den Krieg getrieben…. Der Fluss Rasa durchbricht dann nach einer kurzen Westwendung das Küstenhochland in Südrichtung und bildet dabei ein tief und steil eingeschnittenes Tal, die Rasa Draga (Rasa-Schlucht). Unterhalb der historischen Stadt Barban quert die von Labin kommende Hauptstraße das Mündungsgebiet an der Rasa-Brücke (Most Rasa), und dort erstrecken sich marschartige Verlandungsflächen.

Schon bei der Fahrt zum Kap Kamenjak waren uns diese Sumpfflächen aufgefallen. Nun gelangten wir zuerst beim Hafen Trget an, wo nun nicht Hölzer sondern Schweine verladen werden! Die Viehtransporter vor allem aus Polen sind unübersehbar! Warum gerade dieser winzige Hafen für die Verschiffung benützt wird, bleibt der kritischen Phantasie überlassen… Wir hielten erst kurz vor der Most Rasa an und konnten in den Feuchtwiesen neben Straße und Damm Mengen von Osterluzei und Sumpf-Knabenkraut (oder Lockerblütiges Knabenkraut?) entdecken. Kurze Rückfahrt beim ehemaligen Bergwerksort Rasa vorbei, wo bis in die 1960er Jahre Kohle abgebaut wurde (vielleicht steht damit der Kraftwerksschlot von Plominj in Verbindung, museal aufbereitet gibt es dieses Thema auch im Vorort von Labin). Damit war eine Woche Urlaub in Rabac fast schon vorbei…

Eigentlich habe ich keinen geografischen oder lokalen Namen für das Küstengebiet südlich von Labin, zwischen der Bucht von Rabac und der fjordartigen Mündung der Rasa, gefunden. Daher nenne ich diesen bis gegen 500 m ansteigenden Bergrücken des südöstlichen istrischen Küstengebirges einfach “Labin-Halbinsel”.

Den kleinen Landzipfel bei Duga Luka mit dem Kap Trget haben wir ja schon einige Tage früher kennengelernt (mein Istrisches Tagebuch III / 2018).  Am Donnerstag, 4. Mai, setzten wir unsere Fahrt nach der Besichtigung von Labin fort. Beim Kreisverkehr neben dem Friedhof von Labin ging es daher rechts ab Richtung der bekannten Feriendestination San Marina. Doch so weit kamen wir zunächst gar nicht, denn in einer ausgeprägten Kurve vor der Ortstafel Kranjci  Donji hielten wir an. Hinter Steinmauern eine verheißungsvoll schimmernde Wiesenfläche – das könnte ein interessanter Blumenstandort sein”!

Zwischen Berghang und Wiesenfläche führt ein Karrenweg weiter, und diesen entlang reihen sich hohe und voll blühende Purpurknabenkräuter! Erst recht innerhalb der von dem oberhalb gelegenen Dorf Kranjci aus bewirtschafteten Fluren gibt es einen dichten Bestand von Orchideen – vor allem Serapis und Dreizähniges Knabenkraut, verblühte Orchis morio, leicht vorstellbar welche Arten noch aufblühen werden (wenn die Wiese nicht vorher gemäht wird).

Weiter geht die Fahrt am Weiler Majal vorbei, bis uns ein Wegweiser von der lokalen Hauptstraße links abzweigen lässt – über weitläufige Waldhänge auf der offensichtlich viel befahrenen Seitenstraße hinunter zum Meer, wo sich der bekannte und schon weit vor Labin angekündigte Campingplatz MARINA befindet. Eigentlich benannt nach einer kleinen Kirche Sveti Marina am gleichnamigen felsigen Kap. Unser Erstaunen ist groß, als sich diese Anlage  entgegen der Ankündigung in unserem Istrien-Reiseführer (allerdings 2004) als eine wahre “Nobeldestination” entpuppt, betrieben von (ja wem schon?) Valamar! Zuerst aber landen und parken wir in einer kleinen Bucht, um dann eine Runde durch diesen “Ferienpark” zu gehen. Vor allem bemerken wir viele polnische Gäste, die vor allem zum Tauchen kommen dürften – Infotafeln dazu weisen zu den Einstiegen ins klare Wasser hinab. Bei der Rezeption erfahren wir – noch ruhig zu dieser Zeit, aber wer noch nicht gebucht hat, bekommt im Sommer sicher keinen Platz mehr, kein Wunder – alles “pippifein” und großzügig ausgestattet, von der Lage gar nicht zu reden! Naturerlebnis ist vor allem der prächtige Ausblick, und was sich unter Wasser abspielt, damit können wir ja nicht viel anfangen…

Beim ersten Bild (von Anni) das weiterführende Küstengebirge, am zweiten (von mir) sieht man im Hintergrund die Halbinsel mit Duga Luka. Die Weiterfahrt zwischen den am Hang gedrängten Häusern der kleinen Ortschaft gegenüber der Halbinsel Marina mit dem Campingplatz ist überraschend noch besser ausgebaut als unsere Zufahrtsstrecke, und nach einigen Kehren langen wir wieder an der lokalen Hauptstraße bei der Ortschaft Crni an. Weiter über Drenje und Ravni sieht man immer wieder bestens instand gesetzte oder neu gebaute Häuser, also eine beliebte Feriengegend, wenn auch anscheinend nicht überregional bekannt, allerdings hoch über dem Meer in Wäldern und auf Hanglichtungen gelegen.

Bald verschmälert sich die Asphaltstraße fast zu einer “Einbahn”, meist zwischen Steinmauern und zum Glück mit kaum Gegenverkehr! Was jetzt eigentlich unser Ziel sein soll, dazu verhilft uns eine kleine Radwanderkarte vom Camping Marina – Ziel ist jedenfalls das Bergdorf Skitaca, einst sogar ein lokales kirchliches Zentrum, nun eine fast entvölkerte Einschichtsiedlung auf einem hohen Bergpass mit zwei Gipfeln. Der östliche Orlic ist 470 m hoch und mit einem Senderturm besetzt, der westliche annähernd gleich hoch, aber naturbelassener und noch dazu mit einer berühmten Quelle der Heiligen Lucija, einem “Augenbründl” oder einem Schalenstein, wie man bei uns sagen würde. Das müssen wir uns anschauen! Zuerst parken im Schatten eines riesigen Zürgelbaums, daneben ein Kriegerdenkmal aus der Partisanenzeit, gegenüber eine Zisterne – wie die Rohrleitungen von nahen Dächern zeigen, vom Regenwasser gespeist, denn Quellen dürfte es so hoch oben im Karstland kaum geben.

Vom Parkplatz neben der Kirche und dem voll “in Betrieb stehenden” Friedhof (im Gegensatz zur verfallenden Ansiedlung) müssen wir uns erst den Weiterweg suchen. Er wendet sich im Bogen über West nach Nord und hat etwas spärliche Markierungen, immerhin ist der Hinweis auf Sveti Lucija am Berg Brdo bemerkbar. Einzeln stehende Häuser, renoviert oder nur erhalten oder schon verfallen, säumen den wie überall hier zwischen Steinmauern verlaufenden Fahrweg, kleine ummauerte Wiesen sind teilweise gemäht, daneben ist alles verwuchert – eigentlich ist die Vegetation karg, aber zugleich sehr üppig, ein scheinbarer Gegensatz. An einem Bildstock vorbei wandernd, warten wir schon auf die Abzweigung zum Brdo, die auch eindeutig zu finden ist, denn im Westen zieht ein immer steiniger werdender Höhenrücken zu einem abgeflachten Gipfel. Wieder eine Hinweistafel zur Luzija-Quelle, zu der vom Gipfel(karren)weg abzweigend ein schwach markierter Steig führt. Zuletzt stehen wir im von Wacholderbüschen, Mannaeschen und anderem Krüppelwuchs durchsetzten Blockkarst, und über einer solchen geschärften Kalksteingruppe ragt ein großes Kreuz. Darunter die sogenannte “Quelle”, eigentlich nur eine Aushöhlung, schmal und tief, aber in einem der beiden Löcher tatsächlich etwas Wasser. Ob das so bleiben wird? Hier hat es unlängst geregnet… Geziert ist dieser hohle Stein von einer Marienfigur (aus Plastik) und etlichen Rosenkränzen. Es hat den Anschein, dass hier wirklich noch ein lokales Wallfahrtsziel besteht – als Touristenattraktion dürfte es kaum Bestand haben.

Das Kreuz ist wegen der heftigen Winde eigens abgestützt, und sogar an diesem eigentlich schönen Tag, bläst eine heftiger Wind über die Klippen! Übrigens soll hier heroben ein bis in die Vorgeschichte zurückreichender “Platz” (ob Kult- oder Schutzfunktion oder Aussichtswarte?) bestanden haben. Die Aussicht ist jedenfalls – abgesehen von der dunstigen Atmosphäre – rundum gewaltig. Fest gegen den stürmischen Wind angestemmt turnen wir über Geröll und Blöcke hinauf zum höchsten Gratrücken, der mit einigen Steinmännern besetzt ist. Darunter befindet sich eine Art “Kral”, ein kreisförmiger Unterstand ohne Dach, wobei ich am ehesten an einen Beobachtungsstand (wie auch am Kap Kamenjak) denke, ein Schafpferch würde wohl nicht so hoch am Gipfel errichtet worden sein.

Beim Rückweg kommt immer mehr die Sonne zur Wirkung, also können wir froh sein, dass der Tag nicht wolkenlos war. Kurzer Aufenthalt noch beim Parkplatz neben dem Friedhof, dann verläuft die Fahrt auf schmaler Asphaltstraße in Bögen mit wunderbarer Aussicht wieder vom Bergrücken hinab. Die Vegetation wird etwas üppiger, erste Häuser tauchen auf, hier wieder besser instandgehalten und bewohnt. Nach Einmündung in die Hauptstraße kommen immer wieder Laster vorbei, die zur Zementfabrik Kobomacno am Ende der Halbinsel unterwegs sind. Leider haben wir die Abzweigung zur Halbinsel Ubac nicht genützt, denn dort soll sich an der windgeschützten Bucht Tunarica ein Touristenzentrum befinden, und die Halbinsel selbst hätte vielleicht noch ein Stück unberührter Natur geboten.

In Erinnerung geblieben ist uns jedenfalls Skitaca wie ein eigenartig “verwunschener” Ort hoch oben auf den Karstbergen, wo man die Rauchfänge wegen der starken Winde ganz eigenartig bauen muss und wo in der Einschicht von allen Seiten die Menschen zusammenkommen, weil dort oben ihre Vorfahren begraben sind. Nach der anfangs erlebten Orchideenwiese gab es eher nur mediterrane “Trivialflora”, innerhalb eines Schafpferchs blühte allerdings die (uns schon bekannte) Gelbdolde. Das letzte Bild des Dreizähnigen Knabenkrauts (mir erscheint es jetzt fast wie ein Helm-Knabenkraut, das wir aber sonst nicht gefunden haben) verweist auf den nächsten Ausflug. Die Rückfahrt erfolgt nämlich auf einer westseitigen Hangterrasse der Labin-Halbinsel, die über eine Anhöhe hinweg zum Rasa-Fjord abfällt. Diese “verstreute” Gegend heißt Brgod (nach einer der kleinen Ansiedlungen). Dort haben wir vor ein paar Jahren das erste Mal ein Schmetterlings-Knabenkraut gesehen – und das wollten wir am nächsten suchen!

An unserem fünften Urlaubstag war nach den Touren auf die Ucka und zum Kap Kamenjak ein etwas milderes Programm angesagt, das heißt Spaziergang in Rabac die Küste entlang am Donnerstag, 3. Mai. Das Wetter ist gerade zum Wandern einladend, erst um Mittag heiß, aber da sind wir ja schon wieder im Hotel und im Pool… Vom Valamar Hotel, einer schönen Anlage wie ein Vierkanter mit Innenhof und gegen das Meer vorgelagertem Park, schließen sich mehrere Neubauten entlang der Promenade an, teilweise noch im Bau, was aber nicht stört. Nordostwärts die noch unverbaute Küste entlang beginnt über dem felsigen Meeresufer ein dichtes Waldgebiet, das von einer Forststraße erschlossen wird, teilweise als Wanderweg deklariert. Sehr hübsche Wanderung, vielfach der Italienische Aronstab mit seinen großen Blüten, sonst sehr verwachsen, am Zugang aber auch Trockenrasen mit Orchideen. Wir landen bei kleinen Felsbuchten (mit noch unverbautem Privatbesitz am Ende des Fahrweges), der hübsche Strand aber nur kletternd zugänglich. Dafür am Rückweg den Felsrand des Strandes entlang, hübscher Ausblick gegen Cres und die Labin-Halbinsel, dazu einige typische Blumen…

Anderntags (Feitag, 4. Mai) wollen wir endlich nach Labin und eine Ausflugsfahrt mit Wanderung anschließen! Das schon in der Frühgeschichte besiedelte Labin ist eine typische Festungsstadt und beherrscht – mit ihrem weiten Blick und ebenso weithin sichtbar – sowohl die Steilküste von Rabac als auch das Hinterland bis zu den “Burgstädten” (etwa Pican). Durchgefahren sind wir ja schon bei der Tour nach Duga Luka, diesmal parken wir aber am Hauptplatz, um die Stadt zu besichtigen. Diese ist kein gepflegtes Schaustück, aber gerade deshalb hat sie einen reizenden Flair von Geschichte, historischer Baukunst und originellem Leben. Von der Rundbastion führt das Stadttor zu ansteigenden Plätzen und winkeligen Straßen, voraus der Dom Mariä Geburt, rechts mit einem Uhrtürmchen das “Kleine Theater”.

Reizvoll, wenn auch teilweise in originalem Zustand (nur wenige renovierte Häuser), sind einige Palazzi von Adelsfamilien, aber besonders auch manches private Eckerl neben den hochragenden Steinhäusern und winzigen Gärtchen. Kurioses aus dem Reisführer: Als die Stadt 1599 von Seeräubern belagert wurde, ließen die Bewohner (300 Mann gegen 800 Piraten) mit Eisenstücken gefüllte Fässer durch die Gassen rollen – der Höllenlärm machte den Eindruck massiver Verteidigung, und die Piraten zogen ab. Der venezianische Markuslöwe an der Domfassade hat einen steinernen Ball in seinem Rachen und erzeugt so bei starkem Wind ein Geräusch, das dem Gebrüll eines Löwen ähnlich ist. Höhepunkt – räumlich und erlebnismäßig – ist jedoch die Besteigung des Glockenturmes St. Justus. Es kann immer nur eine Besuchergruppe die schmalen und steilen Stiegen passieren, bis man in der Glockenstube steht. Ich hätte mir vorgestellt, noch auf die Turmbrüstung hinauf zu kommen, aber das war anscheinend nicht möglich. Die Aussicht ringsherum und auch aus den schmalen Schlitzfenstern war auch so packend!

Wir hätten leicht noch den ganzen Tag in Labin verbringen können, so manche lohnende Details haben wir sicher versäumt, weil wir ja noch die lange Halbinsel, die von Labin nach Süden zieht, erkunden wollten. Den ersten Zipfel dieses weitläufigen Bergrückens mit dem Kap Trget und dem Dörfchen Duga Luka hatten wir ja schon kennengelernt, von diesem Tag stammt auch das schöne Bild Labins (vom Friedhof her).

Bilder gemischt von Anni und mir. Mit der Stadtbesichtigung von Labin beschließe ich diesen Beitrag und beginne einen neuen mit der am selben Tag anschließenden Tour über die “Labin-Halbinsel”.

Nach der Tour auf die Bichleralm wartete nur ein paar Tage darauf, am Donnerstag 31. Mai zu Fronleichnam, die nächste Tour, für die wir allerdings nur vormittags Zeit hatten. In einem solchen Fall, wenn es noch dazu nicht gerade vor der Haustür sein muss,  geht es am besten (für uns) auf den Hochstadelberg, unseren immer wieder besuchten “Stadelberg”. Dieser gilt den meisten Wanderern nur als ein Nebenziel bei der langen Tour von Wastl am Wald zur Anna-Alm am Hennesteck (blaue Markierung vom Parkplatz Ötscherblick). Wir gehen zur Anna-Alm lieber in der Runde über den “Herzerlweg” vom Reidl aus, und der Stadelberg ist also nur eine kleine “Jausentour” zum Ötscherblick und die interessante Botanik.

Zuerst aber noch zur Bichleralpe: Wilde Mondviole (“Silberblatt” nach den späteren Früchten), Schmal- oder Schwertblättriges Waldvöglein und Grüne Hohlzunge (diese am Stadelberg nicht gefunden, aber wahrscheinlich übersehen), außerdem gab es vor dem Brunnweg noch mehrfach Geflecktes (Fuchs)- Knabenkraut.

Nun zum Hochstadelberg: Parkplatz Ötscherblick bereits um 8 Uhr, entlang der blauen Markierung zur Forststraße und leicht bergan bis zur Kurve. Dort ist der direkte Steig durch abgeschnittene Äste (vom Forstpersonal) gleichsam markiert – rechts über den Schlag auf noch deutlicher Steigspur hinauf, aber dieser Abkürzer wird wohl schon nächstes Jahr so verwachsen sein, dass man ohnehin (wie gewünscht) auf der Forststraße bleiben muss (bei der nächsten Abzweigung unmarkiert rechts). Bis zum Bauch herauf sind wir jedenfalls nass, noch ehe das eigentliche Schlagstück vorbei ist und der Zugangssteig (von oben her) eines Hochstandes erreicht wird. Dieses letzte Stück hinauf zur Forststraße an der Bergecke ist wegen der riesigen Baumgestalten (Rotbuchen, Fichten, Bergahorn) das einzige lohnende Stück dieses “Abschneiders”…

Bei Querung der Forststraße an der Bergecke geht es gleich gegenüber auf dem Steig an der Besitzgrenze im dichten und niedrigeren Wald weiter, immer den Rücken entlang und nicht einmal von Windbrüchen beeinträchtigt wie andere Stellen im lockeren Hochwaldgelände. Je nach Gehtempo nach einer halben oder dreiviertel Stunde geht man dann schon hinaus auf die Kammwiese mit dem Gipfelkreuz – zwar etwas dunstige Atmosphäre, aber trotzdem herrliche Aussicht!

Wie erwartet blühen hier besonders viele Helm-Knabenkräuter! Aber dazu kommen noch: Stattliches Knabenkraut, Schmalblättriges Waldvöglein, Holunder-Knabenkraut (verblüht), Waldhyazinthe und Kugelorchis und Mücken-Händelwurz (gerade aufblühend), mit dem an ungewöhnlicher Stelle angetroffenen Frauenschuh also acht Arten! Die Suche am Waldrand des Gipfels nach weiteren Frauenschuhen blieb leider erfolglos, hatte den Hinweis wahrscheinlich nicht richtig in Erinnerung… Als Besonderheit kommt noch sehr zahlreich der Alpenrachen ( Tozzia alpina) vor, vom Gipfelsaum bis über den “Lackenboden” hinaus.

Nach längerem Herumsuchen und Fotografieren gehen wir östlich am Kammrücken weiter und in der nächsten Sattelmulde nach links zu einer Senke mit mehreren Wasserflächen, die ich einfach “Lckenboden” nenne (ohne Bezug auf eine richtige Lokalbezeichnung, nur der Einfachheit halber). Für Spezialisten, besonders Gräser usw., gäbe es hier sicher ein Betätigungsfeld, uns gefällt dieser Platz einfach….

Auf der unterhalb vom meinem “Lackenboden” erreichten Forststraße geht man links, bald zügig bergab, um die Kehre nahe der Bergecke herum und rechts weiter bis zur Kreuzung an der blauen Markierung (diese führt rechts weiter zur Anna-Alm). Für den Rückweg gehen wir aber links und kommen so zurück zum Parkplatz.

Insgesamt ist dieser Abstieg  wegen der bereits schön verwachsenen Ränder der Forststraße auch recht angenehm. Der Stadelberg hält in der Aussicht, vor allem zum Ötscher und auf die Steirischen Berge, leicht mit der Bichleralpe mit, der Artenreichtum unvergleichlich besser! Allerdings gehören beide Gipfel zu den “Waldbergen” der Voralpen, die nicht in die subalpine Florenzone hineinreichen. Allerdings gibt es auf den Gipfelfelsen der Bichleralpe (längst verblühte) Aurikel, die am Stadelberg fehlen. Als Tour gibt die Bichleralm sicher mehr her, aber nur von der Annaberger Schmelz über die Sabelstuben oder noch besser von Fadental – Aufstieg über Gscheidwiesen und Südostkamm, Abstieg zur Sabelstuben und zurück nach Fadental. Alles habe ich ausführlich beschrieben in meinem Wander-Erlebis “Voralpen”, die viel mehr enthalten als der Titel verspricht: Das Pielachtal und die Mürzsteger Alpen stehen zwar am Anfang und Ende des Buches, aber Hauptteil sind die Voralpen an Traisen und Gölsen, wie schon in meinem ersten Wander- und Landschaftsführer von 1976.

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