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Nach meinen Berichten über Istrien im Herbst – sozusagen nachträglich mein Tourenbuch – gehe ich jetzt auf unsere erste Reise nach Istrien zurück, und zwar Ende Mai (liegt auch schon zehn Jahre zurück, aber damals nicht im Blog festgehalten). Auf eine private Empfehlung reservierten wir eine Ferienwohnung in Medveja. Anreise am Fronleichnamstag eigentümlicherweise über Klagenfurt – Loiblpass – Laibach – Postojna, dort schon wieder von der Autobahn weg über die Berge mit Stop in Illyrskaja Bistriza (bis dorhin schon 7 1/2 Stunden). Dann flott über die kroatische Grenze nach Opatija und Medveja, echt kompliziert die Zufahrt zu unserem Haus, verwinkelt und schmal, nur wenig Platz. Die Wohnung im Erdgeschoß, naja…., aber immerhin Klimaanlage mit Heizfunktion (wofür uns noch eine Zuzahlung abgenötigt wurde). Aber wie immer machten wir es uns bald gemütlich, nachdem die ersten Tage mit etwas gemischtem Wetter überstanden waren sogar angenehm, Gartenterrasse mit Aussicht zwischen Palmen aufs Meer!

Berühmt ist die Kvarner Küste  durch den historischen  Kurort Abbazia (Opatija) aus den Zeiten der Österr.-Ungarischen Monarchie, wie noch an vielen Bauten erkennbar, und daran erinnert auch noch vor allem die immer noch überaus beliebte Promenade, benannt den Kaiser Franz Joseph. Am ersten Nachmittag begehen wir diesen wirklich schönen Strandweg entlang von malerischen Buchten und Hotels, besonders die Parkanlage Angiolina hat uns beeindruckt (vielleicht weil dort ein ganzes Stück mit dem Zungen-Mäusedorn bepflanzt war).

Nach der östlichen Hälfte zwischen Opatija und Volosko (vorbei an dem bedeutungsvollen Hotel Miramare) wandern wir von Lovran über Icici nach Opatija. Dabei kommen wir zu einer netten Veranstaltung zurecht dem Grand-Prix der “Mädchen-Paraden”, einem Wettbewerb bei Slatina, beschickt anscheinend vor allem von östliche orientierten Ländern (obwohl diese Orientierung schon längst vorbei ist).

Nach diesen Eingewöhnungstagen geht es dann an die Ausflüge und Touren, so auch auf die Ucka und nach Mittelistrien sowie die Küste entlang – diese einzelnen Beiträge werden noch folgen!

“Bunt” bedeutet hier zweierlei – ganzjährig ist es der Boden in Mittelistrien, denn im Gegensatz zum “Roten Istrien” entlang der Westküste (Terra rossa, Roterdeboden auf Kalkablagerungen) treten hier großflächig flyschartige Schichten auf – Sandstein und Mergel, große Ähnlichkeit mit der Flyschzone im Wienerwald. Im Herbst kommt noch dazu, dass die vorwiegenden Laubgehölze tolle Verfärbungen zeigen. Das Rot vor allem der Perückensträucher und der Hartriegel bildet dann einen starken Kontrast zu den immer wieder eingelagerten Föhren.

Unserer Tour von Umag über Buje und die schönen Höhenorte über dem Mirnatal nach Motovun folgte erst einmal ein Rasttag in Umag. Dann war aber schon der letzte Tag vor der Heimreise gekommen, und eigentlich wollten wir die letzte so schöne Tour fortsetzen – ins “Herz Istriens”, obwohl wir die Gegend schon von einer Frühsommerreise kannten. Auch das Wetter spielte mit, für Anfang Oktober noch recht passabel, etwas Sonne in der Früh, mittags ein kleiner Schauer und am Nachmittag immer schöner. Packende Wolkenstimmungen, passend zu den herbstlichen Farben der Natur. Also Zufahrt von Umag über das schon bekannte Buje ins Mirnatal und bei dem von hellen Felsen umgürteten Kurort Illyrske Toplice nach Buzet, dort am späten Vormittag.

BUZET / PINGUENTE: Dieser bis in die prähistorische Zeit zurückreichende Siedlungsplatz in hübscher voralpiner Umgebung liegt am Kreuzungspunkt von Verkehrswegen – von Norden kommt die Verbindung über einen Pass von Buchten bei Triest und Koper her, gegen Westen geht ins Mirnatal, im Süden gelangt man zum Uckatunnel Richtung Opatija bzw. findet über Pazin Anschluss an die Schnellstraße des “Istrischen Ypsilon” (Richtung Pula und zur Westküste). Wir waren schon einmal in Buzet gelandet, mit leerer Geldbörse mühsam einen Bancomaten suchend, gefunden im Vorort am Fuß des Burgberges. Auf diesem markant in der Talfurche aufragenden steilen Hügel befindet sich die bekannte und sehenswerte Altstadt, während herunten etwa in Funtana sich die neueren Siedlungen und Wirtschaftszonen ausbreiten.

Von 1421 bis 1797 stand Buzet unter der Herrschaft Venedigs und stieg zu einer der bedeutendsten Festungen im Landesinneren auf. Wir beginnen unseren Rundgang beim Großen Tor (von 1547). Der Eindruck ist sehr gemischt, neben ruinösen Steinmauern befinden sich mit Ausdauer bewohnte und daher renovierte Häuser oder solche, die im historischen Ambiente wieder einen Wert als (zumindest zeitweiliger) Wohnsitz gewonnen haben. Manches Hausportal ist mit einem steinernen Kopf bezeichnet, der Spitzbärtige befindet sich am Haus von Stipan Konzul, der im 16. Jahrhundert entscheidend zur Verbreitung des Protestantismus in Istrien beigetragen hat (fast eine Parallele zur österreichischen Religionsgeschichte?). Ein alter Mühlstein als Relikt bäuerlicher Verfassung ist leicht erkennbar, aber wozu das andere (gespaltene) Steinmonstrum gehört haben mag?

Wir sind durch die engen Gassen inzwischen höher gekommen und treten durch das Kleine Tor (von 1592) kurz hinaus ins Freie und werden von einer Zisterne mit Markuslöwen auf der Brunnenbrüstung überrascht (1563). Der im Spätbarock errichtete Dom interessiert uns weniger, vielmehr treffen wir sozusagen in höchster Etage noch auf eine echte Eigentümlichkeit, es ist eine große öffentliche Zisterne von 1789, die in dieser Höhenlage wohl größte Bedeutung für die Wasserversorgung der Altstadt hatte. Brunnen dürfte es auf diesem Karsthügel wohl kaum geben, erwähnt wird jedoch eine “Johannesquelle” mit kristallklarem Wasser im Tal südlich des Hügels. Vielleicht hat man als Ausgleich für die Regenarmut im langen Sommer von dort Wasser herangeführt und in der Zisterne gespeichert, malerisch ist jedenfalls der ganz Platz mit seinem schmiedeeisernen Brunnen. Neben der hochgelegenen Georgskirche erreicht man schließlich eine Aussichtswarte an der höchsten Stadtmauer mit echt gewaltigem (oder besser malerischem) Panorama über die vielfältig kultivierte Umgebung.

Nach etwa eineinhalb Stunden intensiver Besichtigung drängt es uns nun vom Historischen hinaus in die soeben überblickte Natur! Wir verlassen Buzet in südlicher Richtung über eine die Berge hinaufführende kurvenreiche Seitenstraße und folgen dann einem Höhenrücken bis gegen 500 m Seehöhe (Buzet liegt auf 151 m !). Unser Ziel ist das Bergdorf DRAGUC, schon von einem frühsommerlichen Besuch bekannt und geschätzt, aber nun im Herbstaspekt von ganz anderem, ebenfalls bezaubernden Eindruck! Bei der Fahrt über die Bergstraße öffnen sich die schönsten und noch nie so bunt gesehenen Ausblicke.

Unser letzter Besuch in Draguc war im Mai 2018 (Bericht im Blog vom 10. Juni – bei www.wandertipp.at auf BERNHARD BAUMGARTNER´S AUTORENBLOG GEHEN; so lassen sich alle Beiträge leicht abrollen). Wie immer – dieses Bergdorf, eigentlich eine historische kleine Altstadt, wirkt jedesmal wieder überaus romantisch und interessant, noch dazu gibt es bemerkenswerte Einträge im Internet: Draguc, das HOLLYWOOD Istriens! Von den kunsthistorischen Lokalschätzen ganz abgesehen, etwa vier Kirchen und Reste der Festung, aus der die Ansiedlung hervorgegangen ist. Rast im Bufet Zora, gleich neben einem uralten Zürgelbaum und daneben Panoramablick von der alten Mauer. Durch den Portikus mit den alten bäuerlichen Gerätschaften zum talseitigen Hangvorsprung, wo die ehemalig Zufahrt heraufgekommen ist. Daher steht dort die “Pestkirche” St. Rochus, Einblick zu den Fresken von 1529, ein Kunststück traditioneller Zimmermannsarbeit der Dachstuhl der Loggia. Ausblick über das Talbecken mit dem Trinkwasserspeicher Butoniga, zurück ins dreizeilige “Dorf” erkennt man in den Hausmauern die Reste der ursprünglichen Befestigung…

Obwohl wir nun schon viermal in Draguc waren, fühlen wir uns doch nicht als Ortsführer befähigt, als die wir von einer Busreisegruppe angesprochen werden… Wenn wir vielleicht doch noch einmal nach Istrien reisen sollten, kämen wir aber sicher wieder hierher, egal ob im blätterbunten Herbst oder im blütenbunten Frühsommer! Inzwischen oder weiterhin müssen wir uns halt mit den interessanten und teilweise überraschenden Einträgen im Internet (> Draguc Istria, nicht zu verwechseln mit Drage…) begnügen – aber auch ein Vergnügen!

Weitere Bilder zu DRAGUC in meinem Facebook: Wandertipp bernhard baumgartner  & Bernhard Baumgartner (Buchautor / Kral-Verlag)

Aus unserem Reisetagebuch: Montag, 8. Oktober, Standort Umag. Nach der Tour von Brgudac über die “Alm der Brunnentröge” / Korita und der Runde über den Veli Panik; nun stand wieder eine Ausflugsfahrt am Programm, Ziel das für seine Trüffel berühmte Motovun (aber auch andere Orte vor allem im nordwestlichen Istrien sind für diese kostbare Delikatesse bekannt). Erster Halt nach der Fahrt über die küstennahe Niederung mit ihren Roterdeböden ist:

BUJE / BUIE: Durch seine Höhenlage am Zusammenschluss der von Norden kommenden Hauptstraßen (Koper und Portoroz) ist diese Stadt seit der Römerzeit der “Wachtposten Istriens”. Herausragend der Dom S. Servolo mit freistehendem Glockenturm (auffallend die “unfertige Westfassade) und malerischen Gassen in der dicht um den Dom gedrängten Altstadt. Wir kamen übrigens am Abend desselben Tages nach Buje zurück (auf der Rückfahrt von Motovun nach Umag).

Nach dem Rundgang zweigten wir von der südlichen  Hauptroute  ab und folgten der Höhenstraße in östlicher Richtung zum nächsten bekannten Ort, dem “Dorf der Künstler und der musikalischen Jugend” – GROZNJAN / GRISIGNANA: Die kreisförmig geschlossene Ortschaft wirkt besonders durch ihre Lage wehrhaft, besticht aber vor allem durch die gepflegten engen Gassen und alten Häuser, was vor allem den künstlerischen Ambitionen zu verdanken ist. Die Tore und Türme reichen in die venezianische Herrschaft zurück (wie bei Buje, wo Venedig Nachfolger der Patriarchen von Aquileja war).

Nach den malerischen Momenten im Künstlerort Groznjan sehen wir dem Stadttor gegenüber die Kirche der Heiligen Kosmas und Damian von 1554 mit einem Steinkopf auf dem Dachreiter. Später gibt es noch einen Rückblick auf den Kirchturm über den Waldrändern.

Bei der Weiterfahrt über den bis Buzet ziehenden Höhenrücken verlockt uns ein “Abstecher”, wahrscheinlich vom Kunsthistorischen Reiseführer angeregt… Ebenfalls auf einer Bergkuppe gelegen ist die kanzelartig vorgeschobene Ortschaft ZAVRSJE / PIEMONTE, keine Besichtigung, für uns aber  ein schöner Panorama-Blickpunkt über die Obst- und Weingärten und den zinnengekrönten Turm der Pfarrkirche gegen das im Süden jenseits des Mirnatals sichtbare Motovun (unser Tagesziel), sogar den Trinkwassersee Butoniga und die Ucka kann man von hier aus sehen!

Den genauen Verlauf unseres Ausfluges habe ich leider nicht mehr im Kopf “gespeichert”, sondern mit den Bildern im PC – so wundere ich mich nachträglich über den Eintrag im Fahrtenkalender, dass der nächste Ort etwas enttäuschend gewirkt hätte… Diese Höhensiedlung heißt OPRTALJ / PORTOLE – wie beim letzten Ort klingt die italienische Bezeichnung für uns besser! Die Lage ist ähnlich wie jene von Piemonte, in Portola haben wir uns aber näher umgeschaut:

Bei der Ortseinfahrt eine Zypressenallee und die Marienkirche aus dem 15. Jahrhundert, weil verschlossen blieben uns auch die Fresken weiterhin unbekannt. Bemerkenswert ist der Dom St. Georg, dessen Patrizinium an die Bedeutung als wehrhafter Platz erinnert. Von einer Burg bemerken wir aber nichts mehr, sehen allerdings ein schönes Schlossgartentor und die renovierte Loggia mit Lapidarium, alles reizvoll in die Landschaft mit ihren Kulturen eingebettet. Die Fülle der damals von Anni und mir “geschossenen” Bilder hilft uns zwar beim Auffrischen der Erinnerungen, aber ohne die Bilder im Reiseführer und einen Überblick der Digitalzeiten hätten wir die Route und die Sehenswürdigkeiten wohl kaum auf die Reihe gebracht!

So geht es uns auch bei der Weiterfahrt hinab ins Mirnatal, wobei diese Strecke aber von der zum Herumspazieren einladenden Natur sicher für uns noch interessanter war als die Ortschaften! Bevor es nach Livade im Mirnatal hinabgeht, stehen dort noch zwei Steinkapellen – St. Helena und St. Silvester, beide aus dem 15. Jahrhundert, leider verschlossen und daher die bemerkenswerten Fresken nicht zu besichtigen. Auf den terrassenförmigen Hängen wurden früher Felder angelegt, heute sind sie meist mit Olivenbäumen bewachsen. Im breiten Tal der Mirna unten liegt Livade, für Handel und Durchzugsverkehr bedeuten, so die 1902 eröffnete Bahnlinie Parenzana. 1929 wurden hier die berühmten Weißen Trüffel entdeckt, obwohl die Vermarktung vor allem in Motovun gepuscht wird. Die Brücke der Istrischen Wasserleitung aus dem Butoniga-Becken quer über das Tal von 1938 wird uns erst beim nächsten Ausflug auffallen (Tour über Draguc nach Buzet).

Talabwärts nach Westen lässt sich schon die Meeresbucht der Mirnamündung erkennen. Vor uns erhebt sich aber jenseits des Tals der Berghügel mit Motovun, der vielbesuchten und kunsthistorisch ebenso bedeutenden “Trüffelmetropole”. Weil wir dort so viel fotografiert haben, bleibt diese Sehenswürdigkeit aber einem eigenen Artikel vorbehalten!

Wie ich auf diese schöne Bergtour gekommen bin? Wahrscheinlich aus den Informationen über den Nationalpark Ucka, denn die Alm Korita mit ihren Wassertrögen gilt als besonders sehenswert. Den Uckagipfel hatten wir ja schon im Frühjahr davor bestiegen (Mai 2008), die Korita-Planik-Höhenrunde stand also noch aus. Noch einleitend zum Gebiet – es handelt sich um die nordöstliche Bergregion Istriens mit dem Namen Cicarija (altösterreichisch Tschitschenboden), deren höchster Gipfel mit 1272 m der Veli Planik ist (Ucka 1400 m).

Schon die Zufahrt ist nicht einfach – Abzweigung von der Schnellstraße des “Istrischen Ypsilon” bei der Abfahrt Lupoglav (ein Stück vor dem Nordende des Uckatunnels), am südlichen Ortsende von der Hauptstraße die Seitenstraße Richtung Lanisce nehmen, die unterhalb vom Dorf Semic vorbeiführt und sich später rechts zum Ausgangspunkt Brgudac wendet. Nun sind wir am Ende der Sackgasse auf ca. 700 m Seehöhe angekommen, in einem kleinen Dorf mit teils instandgehaltenen Steinhäusern und einer Kirche oberhalb (Partisanendenkmal, im Friedhof zeitgeschichtliche Grabsteine, einer davon dokumentiert den Tod aller Frauen einer Familie im Jahr 1944). Obwohl ich sonst Kirchen und Friedhöfe samt Ortsansichten gern aufnehme, habe ich erst beim Aufstieg mit dem Fotografieren begonnen. Dieser startet bei einer Infotafel des Nationalparks über eine Forststraße (auf dieser kommt man beim Rückweg daher), von der nach kurzem Wegstück links in den Wald hinauf der markierte Steig Richtung Korita abzweigt.

Der Weg ist ein typischer alter Almsteig, wie wir ihn auch von unseren Voralpen gewohnt sind, allerdings durch einen südlichen Waldbestand mit vielen Manna-Eschen, Hopfen-Buchen, immer wieder Schwarzföhren und weiter oben immer mehr Wacholderbüschen. Die Blütenwelt ist dem Zeitpunkt unserer Wanderung entsprechend (Oktober) schon ziemlich reduziert (aber auch bei einer späteren Begehung im April nicht sehr vielfältig). Allmählich legt sich das Gelände etwas zurück, einzelne Lichtung geben den Ausblick vor allem zur Ucka als beherrschendem Gipfel weitum frei. Dann gelangen wir in eine äußerst ungewöhnliche Szenerie, allerdings typisch für die Berge Istriens – zwischen den schroffen Kalkformationen sind flyschartige Mergelschichten eingelagert. Diese wirken zwar bei größerer Ausdehnung oft fast wüstenhaft, anderseits bilden sie auch Quellhorizonte ohne die hier keine menschliche Ansiedlung oder Almwirtschaft möglich wäre.

Selbst im Herbst geben die Quellen unter dem Felsvorsprung des Brajkov vrh noch etwas Wasser her und füllen die übereinander aufgestellten Holztröge. Nach der Menge der Kuhfladen (wenn ich mich richtig erinnere) muss hier viel Vieh aufgetrieben gewesen sein. Zu dieser späten Jahreszeit tummeln sich nur mehr die Touristen an dieser Sehenswürdigkeit!  Etwa eine Stunde hat der direkte Aufstieg gedauert, und daher bleibt uns noch genug Zeit (trotz der schon früh einsetzenden Dämmerung) für eine Fortsetzung der Tour. Diese verläuft zunächst in östlicher Richtung über die Almmulde auf einer Forststraße, doch wo sich diese rechts (südlich) hinabwendet, geht es auf mehr oder minder gut oder schlecht markiertem Steig über den Rasenrücken hinauf. Von ca. 900 m kommen wir so auf den Aussichtspunkt S(ch)krlavnik auf 1067 m. Dann geht es wieder bergab in eine weite Kammmulde und aus den dürren Bergwiesen hinein in die Waldzone.

Der vorwiegend aus Rotbuchen gebildete Wald ist mit zahllosen Steinblöcken und Felsrippen durchsetzt, die aus dem begrünten Boden hervorbrechen – ein typischer Bestand von “grünem” oder bedecktem Karst (im Gegensatz zu dem andernorts nur auf Steinbrocken reduzierten “kahlen” Karst). Man muss hier genau aufpassen, damit die Wegspur nicht verloren geht, denn ohne diese wäre das Gelände noch mühsamer zu bewältigen. Immer wieder geht es um Felsgruppen oder Dolinengruben herum, sehr unübersichtlich, weil die Route auf einem nur mäßig ausgeprägten Bergrücken aufwärts zieht. So etwa zwei Stunden von der Korita lichtet sich dann der Wald, und es treten wieder (wie vorher) Heideböden hervor, die zum schon nahen Gipfel des Veli (Hohen) Planik führen. Der vorgelagerte Nachbargipfel Mali Planik ist nur 13 m niedriger, gemeinsam ist dem Gipfelpaar der fantastische Aussicht auf die Bucht von Rijeka und die noch immer beherrschende Ucka. Ein hier nicht verwendetes Bild zeigt am Gesichtsausdruck von Anni (und ebenso von mir) – endlich angekommen! Die Rast wird daher umso angenehmer, als trotz Oktober die Sonne noch recht mild strahlt und nur wenig Wind weht.

Um 15 Uhr (gerade rechtzeitig für den noch langen Rest der Tour) steigen wir zum Sattel vor dem Kleinen Planik ab und marschieren rechts (südwestlich auf einer Forststraße bergab zu einer Senke mit mehreren Verzweigungen namens Sinozet. Geradeaus führt die Schotterstraße als Radroute weiter durch Wälder und Karstgelände bis nach Poklon an der Ucka-Passstraße. Wir müssen uns aber rechts halten und dann die Abzweigung Richtung Brgudac finden, also zweimaliger Richtungswechsel, dann aber in nördlicher Richtung unserem Ausgangspunkt entgegen. Mit wechselnder Neigung geht es stets im Wald dahin, nur drei Punkte sind interessant – zuerst finden wir einen Bestand abgeblühter Pfingstrosen mit reifen Samenständen (welche Art bleibt offen – Paeonia officinalis oder maskula?). Bei einer Senke mit Straßenbiegung dürfte die von Bauern aus dem Burgstädtchen Boljun gestanden sein (Boljunski dol). Nach mehr als einer Stunde erreichen wir einen alten Steinbruch mit hervorragenden Fossilien, zugleich ein Aussichtspunkt in den endlosen Wäldern.

Leider sind keine handlichen Steinbrocken mit Fossileinschlüssen zu finden (sonst hätte ich einen solchen in meinem Gartenalpinum abgelegt, kann mich jedenfalls nicht mehr erinnern). Das schöne Stück wie abgebildet ist leider im Fels festgewachsen…. Nach eineinhalb Stunden Forststraßenmarsch kommen wir zu einer von der Korita her einmündenden Straße (die haben wir bei einer Tour im Mai begangen, sehr langwierig, der direkte Abstieg wäre günstiger gewesen). Die letzte halbe Stunde wird dann durch das zwischen den Bäumen hereinstrahlende späte Sonnenlicht recht malerisch, allmählich gehen wir Trockensteinmauern von Weiden und Kulturflächen entlang, dann ist endlich wieder das Dorf Brgudac erreicht, insgesamt wohl sechs Stunden Gehzeit, eine genaue Routenbeschreibung habe ich danach verfasst, aber diese wirkt verwirrender als das Betrachten der Spezialkarte der Ucka (1 : 30 000, bei den Naturpark-Infostellen besorgt). Bei der noch recht langen Heimfahrt über die Schnellstraße nach Umag wird es allmählich finster, allerdings wieder wie fast jeden Tag mit fantastischem Abendrot.

Die Frühlingstour von Brgudac zur Korita (mit Blüte der Pulsatilla montana) findet man im Blog www.wandertipp.at/bernhardbaumgartner/ im Mai 2010, dort auch Bilder von Dorf!

Als ob wir am Vortag die Witterung nach den Kunstschätzen und historischen Stätten Istriens aufgenommen hätten, visierten wir am zweiten “richtigen” Urlaubstag gleich das hervorragendste Ziel Istriens an – PULA; uns eigentlich nur als wichtige Hafen- und Industriestadt ein Begriff, und selbstverständlich als Kriegshafen der K & K Österreichischen Marine. So erscheint Pola (in unserem Sprachgebrauch) aber nur auf den ersten Blick, denn die Spuren der reichen Vergangenheit sind noch vielfach präsent – von der römischen Kolonie über die Herrschaft von Byzanz und Venedig. 1797 bis 1805 österreichisch, ebenso nach den Napoleonischen Kriegen seit 1813. Seit 1856 als Basis der Kriegsmarine ausgebaut, kam Pula 1918 an Italien, 1947 zu Jugoslawien und liegt seit 1991 im selbständigen Staat Kroatien.

Daher machten wir uns relativ früh auf und fuhren gleich über die Schnellstraße dorthin, vor 11 Uhr bereits nahe dem Hafen geparkt (Parkplatz wie überall in den Städten ein gar nicht so kleines Problem). Das berühmteste und eindrucksvollste antike Bauwerk erblickt man sofort – das einst 20 000 Personen fassende Amphitheater, wirklich ein kollosaler Bau, mehrstöckig in die Höhe wachsend und mit unglaublich weiter Rundfläche, in der die Besucher wie Ameisen wirken. Nach dem Rundgang mit den verschiedensten Perspektiven geht in die unterirdischen Gewölbe mit Ausstellung antiker Einrichtungen und Gegenstände, unzählige Amphoren…

Nach Amphitheater samt Museum geht es vier Stunden kreuz und quer durch die Altstadt, leider etwas unsystematisch und in der Erinnerung nur schwer nachzuvollziehen, was wir da alles gesehen haben! Jedenfalls kommen wir an einem der berühmten römischen Stadttore vorbei (Gemini-Tor) und dem römischen Theater vorbei und besteigen die imposanten Wälle der österreichischen Festung. Ausblick über Stadt und Hafen, gleich noch das zugehörige Museum über die Marinegeschichte Österreichs. Zwischen den Ruinen blüht auf Ruderalflächen der gelbe Herbstkrokus (Sternbergia).

In einem der Museen ist mir eine Abbildung der Tabula Peutingeriana aufgefallen, einer römischen Straßenkarte mit Eintragung von Vindobona im Norden und Istria im Süden. Genau sagen kann ich es leider nicht mehr, ebenso zu welcher Kirche dieses alte Portal gehört…

Auf dem letzten Bild ist die Kapelle St. Maria Formoza erkennbar, die ursprünglich zu einer prunkvollen byzantinischen Basilika aus dem 6. Jahrhundert gehörte. Antike Säulen liegen fast allenthalben herum, aber so richtig zur Römerzeit kommen wir wieder auf dem Forum mit dem Augustus-Tempel. Dieser ist allerdings ein Nachbau, weil das Original im 2. Weltkrieg zerstört wurde.

Zwei kirchliche Denkmäler stechen aus der Fülle von Bemerkenswertem hervor – das Franziskanerkloster und der Dom Mariae-Himmelfahrt, vieles muss unbesichtigt bleiben… Eigentlich waren wir ungeschickt, nicht die Besichtigung von Pula systematischer anzugehen oder sich womöglich einer Stadtführung anzuschließen. Aber vielleicht macht gerade der ungeordnete Eindruck dieser Stadt das wesentliche Erlebnis aus!

So begeben wir uns nachmittags zurück zum Parkplatz am Hafen nahe dem Amphitheater, um – noch nicht die Rückfahrt anzutreten! Denn an diesem Tag steht uns noch einiges bevor, wir benützen nämlich nicht die Schnellstraße, sondern fahren auf der alten Hauptstraße nach Vodnjan / Dignano, aber dort kein Aufenthalt. Anscheinend haben wir trotz der längsten Ortsstraße Istriens dort entweder keinen Parkplatz gefunden oder waren einfach schon zu abgespannt, um noch herumzustöbern. Richtung Rovinj weiter haben wir uns bis BALE / Valle schon wieder etwas gefangen, und das hat sich wirklich gelohnt. Nicht nur weil das alte Ortsbild voll malerisch wirkt, dazu noch der eindrucksvolle Palast der Familie Bembo, dazu noch eine Überraschung als echter Glücksfall….

Die Überraschung haben wir wahrscheinlich in unserem Kunsthistorischen Führer gefunden, oder besser im Buch entdeckt und dann mit viel Glück tatsächlich gefunden! Es handelt sich um eine kleine, mit Steinplatten gedeckte Kirche zum Heiligengeist. Dass dieses eher unscheinbare und etwas desolat wirkende Gebäude einen Schatz von Fresken aus dem 15. Jahrhundert enthält, hätten wir nicht ahnen können!

Als wir in ROVINJ ankommen, ist es schon 17 Uhr… also erleben wir dort sogar noch den stimmungsvollsten Sonnenuntergang “je gesehen”! Kleines Manko – Anni verliert beim Parkplatz am Hafen von ihrer Halskette ein vor langer Zeit geschenkt bekommenes Goldes Kreuz. Gut gemeinter Trost – vielleicht findet es irgendein liebes Kind oder sonstwer und hat große Freude damit. Wir wandern jedenfalls am dicht besetzten Hafenbecken entlang zu den auf den Kirchenberg ansteigenden Gassen. Dort oben thront (man könnte es nicht besser ausdrücken) auf dem mit 59 m zweithöchsten Glockenturm Istriens die riesige Kupferstatue der Hl. Euphemia (3,90 m hoch, von 1758), die sich je nach dem Wind um ihre eigene Achse bewegt.

Noch zwei etwas kuriose Bilder – ein “verkabelter” Palazzo und zwei hilfreiche Hände, die nach dem Glockenstrick greifen…

Dann ist es so weit – der Sonnenuntergang bricht förmlich aus, spiegelt sich in den Lacken eines kurzen Schauers und begleitet uns als Abendlicht noch auf der Rückfahrt über die Schnellstraße – pünktlich wie jeden Tag um halb acht im Hotel in Umag. Der nächste Tag sollte dem Wandern gehören!

Herbst in Istrien – eine schöne Zeit für Urlaub, Ausflüge und Wanderungen! Wir haben einen solchen Aufenthalt in Umag genossen, Anfang Oktober, daher sind die folgenden Istrienbeiträge von dieser Zeit (gebucht eine Woche im Hotel Sol Umag, vorzüglich, übrigens über Hofer-Reisen).

Anreise über Graz, Maribor, Lubljana und Koper (7 Stunden ohne Hast), zuhause weniger als 10 Grad, nachmittags in Umag über 20 Grad! Am ersten Tag steht der Ausflug entlang der Küste nach Süden am Programm, allerdings nach angenehmer Nacht und opulentem Frühstücksbuffet erst um halb elf Uhr unterwegs – so schmeckt Urlaub… Auf der Küstenstraße geht es gemütlich bis zum nächsten großen Ort – NOVIGRAD:

Das Wetter ist sehr angenehm, Sonne und wieder einmal Wolken, dazu ein frischer Wind aus Südwest, der hohe Wellen aufwühlt. Die Namen der Stadt – italienisch Cittanova (auch Emonia, Neapolis) – lassen einen alten, allerdings nicht eindeutig geklärten Ursprung vermuten. Die Altstadt lag auf einer kleinen Insel und wurde erst später mit dem Festland verbunden. Von 520 bis 1828 Bischofssitz, der von Strandkiefern umgebene Dom mit Krypta ist ein stimmungsvoller Platz. Mittelalterlicher Steinsarkophag davor, an der Meerseite der Stadt die Festungsmauer aus dem 13. Jahrhundert.

Zum Herumspazieren verlocken die engen Gassen und vor allem die meerseitige Stadtmauer, wo die hohen Wellen herangischten. Eine stellenweise lüberspülte Mole zieht den Hafen entlang, überaus stimmungsvoll und mit Sonne und Wind fast schon herbstlich erfrischend, sogar im Führer heißt es – reizvoll ein Spaziergang am Damm.

Ein guter Auftakt für unseren ersten Ausflug, aber die Zeit eilt – schon ist Mittag vorbei, und wir fahren zum nächsten Haltepunkt. Unweit von Novigrad mündet der Fluss Mirna durch eine breite  Schwemmebene ins Meer, flussaufwärts Kulturflächen auf entwässertem Grund, teils verwachsene Lagunen sollen ein wichtiger Lebensraum für Vögel sein. Nach der Talquerung wenden wir uns gleich am etwas schrofferen Rand des Kap Laterna wieder seitwärts von der Küstenstraße, aber nur teilweise in Natur, denn wie vielfach nehmen Campingplätze die Buchten ein, jetzt in der Spätsaison allerdings schon fast menschenleer.

Bei dem längeren Spaziergang mit Rückblick auf Novigrad überwiegt – wie bei der Weiterfahrt über die küstennahen Niederungen beim Ort Tar vorbei – der herbstliche Eindruck. Vor allem die häufigen Perückensträucher zeigen fast grelle Rotfärbungen. Dann näheren wir uns einem der für Kunstfreunde berühmtesten Küstenstädte – POREC.

Dass wir uns hier zwei Stunden aufhalten, zeigt schon, was es hier Interessantes zu besichtigen gibt. Vorher allerdings noch eine Stärkung, dann volles Kunst- und Kulturerlebnis! In keiner anderen istrischen Stadt soll die byzantinisch beeinflusste Architektur so bedeutend sein (passt zur NÖ Landesausstellung 2018 auf der Schallaburg – Byzanz und der Westen). Die Euphrasius-Basilika ist seit 1997 Weltkulturerbe, mit der Basilika von Pula die am besten erhaltene frühchristliche Kulturstätte der westlichen Welt! Die Anlage des römischen Parentium wird sogar in der heutigen Stadt noch erkennbar. Wir nehmen uns genug Zeit für die Besichtigung der Basilika und des Diözesanmuseum – in einem eigenen Beitrag habe ich schon davon berichtet und zeige hier nur mehr einige besonders eindrucksvolle Bilder.

Unsere anschließend noch weiter südwärts verlaufende Ausflugsfahrt endet vor dem Limskikanal, dessen Name vom lateinisch-römischen Limes herrührt, einst Grenze zwischen den Territorien von Porec und Pula. Die Stadt Vrsar (mit dem italienisch wohlklingenden Namen Osera) wird ganz wundervoll beschrieben: Ein Hügel am Meer, eine Krone aus Klippen und grüne Insel, bezaubernd nach unserem Kunsthistorischen Reiseführer. Cassiodor verglich die römischen Villen mit den “Perlen auf dem Haupt einer schönen Frau”. Sogar in die Memoiren Giacomo Casanovas ist Vrsar eingegangen. Wirklich bezaubernd der Ausblick über die Inseln vor der Küste!

Was es da alles zu besichtigen und zu fotografieren gäbe! Geben würde – wir sind schon am Ende des Tages und unserer Aufnahmekapazität angelangt…. Nahe dem Limskikanal erreiche wird die Schnellstraße und kommen um halb acht Uhr zurück ins Hotel. Wie mehrfach in dieser Woche gibt es bei der Rückfahrt nach Umag wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit gerade die herrlichsten Sonnenuntergänge!


Früher habe ich mich oft gewundert, dass mir beim Aussuchen meiner Bilder für die Wanderführer so wenig Hochsommermotive der heimatlichen Berge untergekommen sind. Im heurigen Sommer mit seinen großzügigen Höchsttemperaturen “weiß ich´s” ! In den Sommermonaten ging es ins Gebirge zu Hochtouren oder mit den Kindern ferienbedingt in den Urlaub… Bei solchen Hitzewellen wie nun schon wiederholt halten wir uns am liebsten zuhause auf, schön kühl in der Nacht und tagsüber im Haus und was sonst noch dafür spricht. Immerhin haben wir uns zur “Edelweißzeit” auf die Rax begeben und als Reminiszenz das Blumenstudium auf der Student eingeschoben. Aber eigentlich wollte ich ein Ziel anpeilen, das mir zwar bekannt ist, wo ich aber noch niemals hingekommen bin.

Das ist der Türnsee, hochgelegen an der Nordseite des Hochtürnach bei Rotmoos im Salzatal. Am Sonntag, 12. August, war es so weit, leider allein, weil Anni ihre Beine nach den Problemen bei der Raxwanderung noch schonen musste. Abfahrt um 8 Uhr von St. Veit bei herrlichen Wetteraussichten, um halb 10 Uhr geparkt unter den mächtigen Linde vor dem Forsthaus in Rotmoos – beinahe schon vergessen, welch wilde Gegend das Salzatal zwischen Hochschwab und Ybbstaler Hochalpen bietet, viel zu lange schon nicht mehr dortgewesen!

Auf der Forststraße geht es, am Namen gebenden Hochmoor vorbei und noch in einer breiten Talweitung in den Bergwinkel von Hinterrotmoos. Die hinteren Einschichthäuser sind längst aufgelassen und dienen nun, von einem hohen Zaun umgeben, als Fütterungsplätze in einem Wintergatter. Schon bevor der Talwald beginnt, begleitet mich der hohe Drahtzaun, links fast im Gebüsch versteckt eine alte Holzkapelle mit traditionellen Bildern, allerdings irgendwann vom Verfall bedroht, schade… Die Routenbeschreibung im “Wandererlebnis Ötscher & Ybbstaler Alpen” (im Bearbeitungsgebiet von Werner Tippelt, meinem vielfachen Autorenpartner) habe ich mir genau angeschaut. Daher passe ich schon auf die Abzweigung des “unteren Steiges” durch den Türnseegraben.

Markierung gibt es hier keine (außer von Rotmoos vor dem Forsthaus auf die Kräuterin), also kommt mir der alte Holzpfeil sehr gelegen, und nach einem kurzen Versuch an der linken Grabenseite (aha, orografisch links war in der Beschreibung gemeint) entdecke ich im Bachbett einen Holzpfahl. Dort muss also der sogenannte Steig beginnen, und die dahinter weiterführenden Spuren werden auch von kleinen Steinmandln begleitet. In kurzen Kehren steil eine Schlagrinne hinauf in den Hochwald, rechts unterhalb ein Steilrand, links drüben eine etwas schroffer Riegel. Das geht so weit recht gut, aber bei einem quer liegenden Stamm mit etlichen Steinmalen darauf wird es kritisch. Hier hätte ich wahrscheinlich den dicht mit Hochstauden und einigen Jungbäumen bewachsenen Hang nach links queren müssen. Ich deute aber den querliegenden Stamm samt Steinbesatzung so – Achtung, hier nicht weitergehen! Noch dazu weil oberhalb auf zwei Baumstrünken noch einige Steine aufgeschichtet sind. Als ich dort oben anlange, sind alle Steigspuren und Trittvermutungen weg, und wie es weitergehen soll, erscheint mir sehr fraglich. Noch dazu ist es schon halb elf Uhr, und mein Ziel ist vorrangig der Türnsee! Daher greife ich zu der im Führer angedeuteten “sicheren” Variante, steige wieder zur Forststraße ab und folge dieser in weit ausholendem Bogen nach Norden.

Vor und nach der Straßenkehre gibt es einen schönen Blick auf die Weitung von Rotmoos mit dem Hochmoor. Nach der Wendung zieht es sich aber noch gehörig bis in den hintersten Winkel des Türnseegrabens, wo über eine bemooste Felsstufe ein Teilabfluss des Türnsees herabplätschert, recht viel Wasser wird ohnehin nicht herunterkommen, und wahrscheinlich bewegt sich viel Hangwasser unterirdisch in den Block- und Schuttmassen. Die Forststraße führt jedenfalls noch weiter am Gegenhang hinaus, ich konnte aber zwei wichtige Orientierungspunkte ausmachen – schon vorher zeigt ein ebenfalls alter Holzpfeil (Richtung Rotmoos) die Einmündung des “unteren Steiges” (also muss es ihn doch geben oder gegeben haben), und vor dem “Moosfelsen” im Grabenwinkel zweigt rechts bergwärts ein steiler schmaler Steig ab, allerdings ohne Kennzeichnung (außer einer kleinen Steinschlichtung und einem angelehnten Baumast).

Außer ein paar urigen Baumgestalten, vielerlei Moosen und Farnen gibt es auf diesem Steig nicht viel zu fotografieren – die Kröte (?) war vielleicht schon ein Vorgeschmack auf eine Bemerkung von Anni, dass der von mir so umschwärmte TürnSEE eigentlich nur eine “Krotenlacke” sei…. Es heißt nur steigen und steigen und steigen, kein Meter wird einem hier geschenkt, nur ein kleines Stück führt durch einen kurzen moderaten Fichtenbestand. Sonst geht es ohne Halt in der schmalen steinigen Spur fortwährend steil hinauf, einziger Vorteil – der Steig ist stets vorhanden und nicht zu verfehlen, denn ohne ihn wäre dieses Gelände ohnehin nicht zu bewältigen! Anfangs in kurzen Windungen, weiter oben ich einer etwas gelichteten Grabenrinne, nach Linksrichtung folgt sogar eine zu überquerende Schutthalde. Um elf Uhr war ich nach dem Steigversuch wieder unten an der Forststraße, um zwölf am Beginn des “oberen Steiges”, jetzt muss aber bald Schluss sein mit dem Vertikalmarsch! Tatsächlich legt sich das Gelände etwas zurück, der Steig ist sogar beiderseits etwas ausgeschnitten, dann folgt eine Kreuzung – rechts in einem Steinhaufen ein Plastikstangerl, danach ein rot markierte Blechtaferl, das muss der Gipfelweg sein. Links geht es abzweigend sogar leicht bergab, und plötzlich schimmert zwischen den Stämmen schon die grüne Wasserfläche durch…

Das ist nun mein Traumziel – der TÜRNSEE ! Er ist ein typisches Karstgewässer, ohne Abfluss, aber auch ohne erkennbaren Zufluss – nur ein Gekräusel der sonst ruhigen Wasserfläche verrät, dass hier Quellen im See aufdringen. Die Lage ist ein typisch eiszeitlich geformtes Kar, das durch beiderseitige Schutthänge noch dazu förmlich eine “Staumauer erhielt (vielleicht sogar eine spätglaziale Moräne). Als Maße haben wir im Führer angegeben – 60 m lang und 30 m breit. Wie tief lässt sich nur schwer sagen, jedenfalls dürfte der Wasserspiegel markanten Schwankungen unterliegen, denn ringsum ist der Geröllrand von vertrockneten Algenfläche bedeckt. Algen gibt es im Wasser zur Genüge, einerseits als hellgrüner “Flaum” entlang der Ufer, anderseits als schwimmende “Decken” – der Einblick in diese Wasserwelt ist jedenfalls faszinierend!

Obwohl das Wasser sicher rein und klar ist, möchte ich mich doch nicht zur Erfrischung hineinstürzen, so einladend wirkt der Algenwuchs doch nicht! Was darin schwimmt – Molche sind eindeutig zu erkennen, der runde schwarze Fleck im Bild ist ein eilig dahinpaddelnder Käfer, den Spezialisten sicher bestimmten könnten. Ich halte mich an diese bizarre Natur und mache mich vom Rastplatz bei einigen bequem Steinblöcken gleich beim Zugang an eine Umrundung des Türnsees (oder sollte es besser heißen “Türnlacke”, für eine Lacke ist er aber wieder etwas groß). Die Flora ist schon hochsommerlich, teilweise steht ober dem Ufer neben Latschen und dem Fichtenrand (an der Nordwestseite) viel bereits fruchtende Wolfsmilch (ich tippe auf Österreichische W.). Gleich neben meinem Rastplatz entdecke ich eine zarte Orchidee, erinnert mich an Malaxis monophyllos / Einblatt (könnte auch wie hier ein zweites kleineres Grundblatt haben), vielleicht Herminium monorchis / Einknolle oder Hammarbya paludosa / Sumpf-Weichwurz oder Liparis loeselii / Zwiebelorchis – meine zwei Exemplare sind noch dazu schon fruchtend. Wo von Süden und Osten die von Latschen durchsetzten Schutthalden bis ins Wasser reichen, gibt es auch subalpine Flora (auffallend die Silber-Schafgarben), daneben gleich wieder Waldflora mit Großem Wintergrün. An der “Schuttseite”,  die von Felswänden überragt wird, dürften im Winter die Lawinen herabdonnern – viele Baumstämme sind gekappt, aber ein Riesenstamm ist die beachtlichste Anmutung eines alpinen Urwaldes – sein Drehwuchs ist bizarr! Vor dem Waldrand gibt es auch einen Großseggen-Bestand, und dort muss ich auch wegen dem moorigen Ufer umkehren.

Beim Rucksack zurück, tummelt sich darauf schon eine ganz Schar Bläulinge, während ich einen Schmetterling anvisiere, setzt sich ein anderer schon auf mein Objektiv! Gut eineinhalb Stunden habe ich mich am Türnsee in absoluter Einsamkeit aufgehalten, mittlerer Nachmittag schon, leider Zeit für den Abstieg, der ebenso kompromisslos talwärts zieht wie die Aufstiegsspur – ist ja ohnehin die gleiche Spur. Leider nicht müheloses Hinablaufen, denn Wurzeln und Steine sind glitschig – vielleicht noch feucht vom Morgentau, oder sie schwitzen in der Tageshitze… Um 15 Uhr erreiche ich wieder ohne Ausrutscher die Forststraße, und immerhin (und eigentlich wenig “hin”) bin ich um 16 Uhr in Rotmoos. Letzter Schluck aus der Flasche auf der “Parkbank” unter der Linde, schön im Schatten, bemerkenswert – nicht einmal das Blatterl Schokolade habe ich aufgegessen. Was mich eigentlich wundert – die Rückfahrt gelingt ohne Schlafanwandlung, sicher wegen der unaufhörlichen Kurven durch das Salzatal hinaus nach Mariazell. Zum Schluss noch den Streckenvorteil geprüft – nach Mariazell dauert über Annaberg um 5 km länger als über St. Aegyd, obwohl in Freiland die gleiche Entfernung angeschrieben ist, aber das sind ja nur “Mätzchen” nach einem so schönen und interessanten, aber auch ganz schön anstrengenden “Seetag” ohne Gipfel, um den es mir kein bisschen leid tut!

Nach der vierten Reise nach Istrien möchte ich nun im Blog eine Zusammenfassung bringen! Denn womöglich ist Istrien für uns persönlich abgeschlossen, und wir wenden uns anderen, vielleicht südlicher gelegenen Zielen zu. Jedenfalls ist dieser Beitrag ein guter Anlass, auf dieses neue, für Pflanzenliebhaber fantastische Buch hinzuweisen!

Damit ist die Istrien-Lektüre für uns als Vorbereitung und Reisebegleiter wohl ausreichend: Der Pflanzenführer für die Natur, der Kunsthistorische Reiseführer für die Kultur – und für unsere Touren greife ich ohnehin eher nur auf das Kartenmaterial zurück (EuroCart Istria 1 : 100 000 als bessere Straßenkarte, Spezialkarte für NP Ucka).

Nach zwei Aufenthalten auf der Insel Krk im April 2004 und Mai 2005 hat sich unser Interesse auf Istrien konzentriert. 2008 von Medveja (Lovran) aus im Mai und von Umag aus im Oktober. Im April 2010 reisten wir nach Porec, als Standquartier für die Ausflüge diente das vorzügliche Valamar-Hotel Diamant (deshalb waren wir auch heuer in Rabac im Valamar-Hotel / Sanfior).

Von Porec habe ich schon ausführlich im Blog berichtet (damals noch nicht im Facebook), man findet die Beiträge unter: www.wandertipp.at/bernhardbaumgartner/ im Mai 2010:

Istriens “weiches Herz” und das Klienod Draguc, Die “Trüffelfestung” im Frühlingskleid (Motovun), “Strandklettern” beim Vogelschutzgebiet Palud, Bergfrühling in der Cicarija – Korita, Zwischen Porec und Labin (Limskikanal, Dvigrad, Rasa); dazu kommt noch ein Bericht über die Besteigung der Ucka im Mai 2008.

Jetzt bleibt mir vom Frühjahr 2008 nur mehr der Bericht über Porec am 19. April vom Hotel in Brulo aus.

Abendspaziergang nach und durch Porec:

Vom Hotel Valamar Diamant in Brulo auf der Promenade zum Hafen von Porec.

“Die Euphrasius-Basilika ist (mit der Basilika von Pula) das älteste christliche Gebäude Istriens und eine der am besten erhaltenen frühchristlichen Kultstätten der westlichen Welt. Die Schönheit der Mosaike und der ausgezeichnete Zustand machen aber auch zu einem der bedeutendsten Monumente byzantinischer Kunst im Adriaraum” (Reiseführer). Wir hatten sie auch schon im Oktober 2008 von Umag aus besucht.

Sonnenuntergang bei der Insel Sveti Nicola, vielversprechend für die folgenden Urlaubstage!

Obwohl ich schon im Facebook bemerkt hatte, dass es höchste Zeit für die Edelweißblüte auf der Rax war, sind wir doch erst am 29. Juli zu dieser Blumenwanderung gekommen. Nach mehreren Touren über Scheibwaldhöhe und Preinerwand (mit Seilbahnauffahrt, der heißen Jahreszeit entsprechend) ist diese Botanische Exkursion sowohl im “Naturerlebnis NÖ” als auch im “Großen Wandererlebnis NÖ” als eine der ergiebigsten alpinen Blumenwanderung beschrieben worden. Nun war es endlich so weit, Zufahrt über Kleinzell und Schwarzau im Gebirge, Start in St. Veit bereits um 7 Uhr, und nach erstaunlich kurzer Fahrzeit bei der Raxseilbahn angelangt. Hier ist noch nichts los, und etwa um 8 Uhr langen wir bereits bei der Bergstation an. Entgegen dem Wetterbericht ist es kühl und windig, aber bei einer Fahrt über die Seehöhe von 1500 m hinaus muss man ohnehin entsprechend angezogen sein. Eindeutiger Vorteil – ideale Wandertemperatur, und unser Ziel sind ohnehin nicht die Fernblicke, sondern die Alpenblumen.

Zwischen Bergstation und “Praterstern” ist vor allem die Hochstaudenflora schön in Blüte, vor allem mit Alpendost und etwas Alpenmilchlattich. Der Alpengarten, wo eigentlich das Edelwiß voll blühen sollte, ist voll mit den Hochstauden. Erst auf dem Jakobskogel breitet sich die üppigste Edelweißblüte aus, ergänzt u. a. durch Alpennelke und Alpenaster. Aber insgesamt sind die Bergwiesen schon recht abgeblüht, kein Wunder bei den schon bisher bewältigten heißen Tagen dieses Sommers und durch den heurigen Vegetationsvorspurng.

Neben einem Edelweißbuschen fällt mir – wohl den Edelweißblick aufmerksam geworden – die kleinste Kostbarkeit auf, die Chamorchis alpina, der Alpen-Zwergständel. Ein paar Kohlröschen waren auch zu sehen, aber vermisst habe ich die Zwerg-Alpenscharte! Vom Jakobskogel geht es hinab in die weite Krummholzmulde  und dann zu den lücken alpinen Rasen auf der Preinerwand, danach wird es noch um eine Nuance bunter, wie auch erwartet.

Die Preinerwandplatte schaut wie immer höchst eindrucksvoll aus und wird auch (wie die Klettersteige) eifrig frequentiert, und interessieren aber mehr – Strahlensame, Alpennelke und Clusius-Fingerkraut. Abgeblüht ist der Große Enzian, und noch viel mehr verblühte Exemplare sieht man von den Aurikeln – ein Anreiz, die Rax nächstes Jahr schon früher anzugehen! Bei der Seehütte ist schon voller Betrieb, aber als wir die Zeit kontrollieren, merken wir schon, dass es für den Rückweg höchste Zeit ist. Eigentlich wäre die große Runde über die Scheibwaldhöhe in Verbindung mit der Preinerwald die lohnendste Tour auf dem Raxplateau, aber uns genügt auch die Gehzeit für den anschließenden Seeweg. Gerade noch rechtzeitig kommen wir vor der reservierten Talfahrt zurück zur Bergstation. Inzwischen ist es doch ganz schön warm geworden, und erst unten im Tal – schwüle Hitze, jeder Parkplatz im Höllental vollgestopft und das Kaltwasser der Schwarza förmlich belagert… Also uns hat es genügt, und oben am Berg war es so richtig angenehm!

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Eisenhut und Pannonischer Enzian am sonst eher langweiligen Seeweg…

Im Lauf der Jahrzehnte habe ich bzw. haben wir speziell in den Hohen Tauern viele prominente Ziele, aber auch einsame Winkel “abgegrast”, nicht nur beim einjährigen beruflichen Aufenthalt in Zell am See, sondern immer wieder bei Urlaubstouren. In den letzten Jahren war fast jedes Jahr Gastein “dran”, und dort in der Nähe (sozusagen nur überm Berg drüben) hat uns noch ein Stück gefehlt – das Seidlwinkeltal. Vielleicht weil immer etwas Spektakuläreres mehr gelockt hat? Aber heuer war der Mittwoch, 18. Juli, bei der halben Urlaubszeit ein geeigneter Tag für diese Talwanderung. Das Wetter hat es nämlich (wie im Juni in Velden) nicht besonders gut mit uns gemeint… Oder eigentlich doch, denn laut Wetterbericht hätte es viel schlechter sein müssen! Aber bei verwolkten Gipfeln, auch wenn es nicht regnet oder gewittert, bleibt man halt lieber im Tal und geht ins Seidlwinkeltal…

Eigentlich hatte wir gar keine richtige Vorstellung, wie es dort ausschaut – eines der weniger bekannten Tauerntäler, ein Seitenast des berühmten Rauriser Tals, der zur Glocknerstraße beim Fuschertörl hinaufzieht. Bekannt auch aus der Geologie, denn die Seidlwinkeldecke ist eine Besonderheit in den Hohen Tauern, weil hier innerhalb des tektonischen Tauernfensters ein ausgedehntes Vorkommen von Quarzit auftaucht. Sonst waren unsere Erwartungen eigentlich nur auf ein gemütliches Wandern in geschützter Tallage eingestellt, als wir von Bad Hofgastein über Taxenbach nach Rauris fuhren. Bald hinter dem Hauptort des Tales folgt im Weiler Wörth die Abzweigung, an Talwiesen und einzelnen Bauernhöfen vorbei geht es noch per Autozufahrt bis zum großen Parkplatz “Fleck” am Rand des Nationalparks. Alles gut organisiert und für den Tourismusbetrieb eingerichtet, dazu die Infotafeln entlang der Strecke. Nun geht es nur mehr zu Fuß weiter – vielmehr, wer hat der hat, sausen die E-Biker ungeachtet der Steigung durchs Tal. Für uns heißt es, das ist die letzte Talstrecke, die wir “unter die Füße nehmen”, denn irgendwann steigen wir auch auf ein E-Bike um!

Schon bald nach dem Parkplatz in der letzten Talweitung geht es in einen schluchtartigen Abschnitt des Seidlwinkls, treffend “Klausen” genannt. Die Ache rauscht als ansehnlicher Wildbach unterhalb der dicht begrünten und teilweise felsigen Hänge dahin. Im Winter muss es hier allerhand Lawinen geben, auf dem vorigen letzten Bild noch ein Schneekegel erkennbar. Nach einiger steigender Strecke holt uns ein “Tälerbus” – eine tolle Einrichtung in dem für den Autoverkehr gesperrten Nationalparktals. Wir verwandeln uns aus Wanderern zu Autostoppern und kommen so mühelos und uns gut mit dem bajuwarischen Schofför unterhaltend die paar Kilometer hinein bis zum Tauernhaus. Mehr als eine Stunde Gehzeit erspart und vor allem deshalb lohnend, weil erst beim Rauriser Tauernhaus der interessantere Wanderweg beginnt. Übrigens ein geschichtsträchtiger Platz, das ‘”stromlose” und nur im Hochsommer offene Gebäude, daneben eine kleine Kapelle mit Marienbild aus dem 19. Jahrhundert, aber bestimmt ein viel älterer Andachts- und Stützpunkt auf dem Weg über den Hohen Tauern (Hochtor) nach Heiligenblut – neuerdings als Pilgerweg beliebter als die Strecke von Fusch (weil diese oft entlang der Straße verläuft).

Der Himmel ist ziemlich verwolkt, aber es bleibt ganze Zeit trocken, später sogar wieder sonnig, dabei kühl und ideales Wanderwetter. Stärker ansteigend schlängelt sich der alte, neuerdings anscheinend verbesserte Saumweg (weil hier über den Tauern “gesäumt” wurde, das heißt Waren mittels Tragtieren befördert) zwischen urigem Baumbestand in den Talhintergrund. Unterhalb rauscht der Bach zwischen Felsblöcken dahin, erst nach einem Stück Gehzeit fließt er ruhiger neben dem Weg. Überall üppigstes Grün, Moose und Farne (ein unbekanntes Objekt könnte eine Art Lebermoos sein), F’ichten, Lärchen, später auch ein paar seltene Zirben – beherrschend in der Hochstaudenflora weil in Vollblüte sind  Alpen-Dost, Alpen-Milchlattich und Österreichische Gemswurz, alles stattliche Pflanzen. Im Hochtal kommt noch die Almrauschblüte dazu!

Nach mehr als einer Stunde öffnet sich das Hochtal mit den Gipfeln rund um das Fuscher Törl an der Glocknerstraße (von dort führt sogar eine Seilbahn zur folgenden Alm herab). Vor der Litzlhoferalm, die nun bald in Sicht kommt, halten wir dann Mittagsrast (die Käserei haben wir leider nicht besucht). Eine schöne Zeit neben dem munteren Bach und zwischen bunten Blüten, dazu kühlender Nordwind im Rücken und die einsamen Gipfel vor Augen… Der Rückweg ist ebenfalls ein Genuss, immer wieder andere Blickwinkel als beim Aufstieg, und beim Rauriser Tauernhaus scheint nun schon die Sonne!

Beim Tauernhaus kommen wir gerade zu ungünstiger Zeit an – der Tälerbus wird erst kommen, und weil wir schon so flott im Gehen sind, marschieren wir einfach weiter. Der uns dann entgegen kommende selbe Busfahrer gibt uns nur Bescheid, dass wir bei der Palfneralm bis zur nächsten fahrplanmäßigen Zeit warten sollen (er erschien nur etwas unfreundlich, überraschend nach unserer netten Unterhaltung), weil er schon viele wartende Gäste hat. So langen wir mit geraumer Wartefrist bei der Alm an, die Zeit vergeht uns aber rasch, denn erstens gibt es erfrischende Buttermilch (wohl eher von der Molkerei), neben der Hütte ist es schön zu sitzen, und außerdem spielt sich hier allerhand autentisches Almleben ab. Mädchen helfen bei der Ausschank und die ebenso als Helfer werkenden Burschen treiben bald die Kühe zum Melken in den Stall. Die Hütte stammt schon von etwa 1750, ein wahres historisches Bauwerk, innen voll urig, der Stall daneben wie ausgekehrt sauber, und auf der Weide fühlen sich die stammigen Almschweine sichtlich sauwohl…

Wie immer muss ich noch um etwas Interessantes nachfragen. Der Name Palfneralm scheint mir vom Felskopf oberhalb der Hütte (mundartlich Palfen) zu kommen, aber es stellt sich heraus, dass die Almfamilie Gruber aus St. Johann stammt, aber vielleicht wohnen sie dort unter einem Palfen… Im Bus sind wir dann die einzigen Passagiere, weil er nur bis zum Parkplatz und nicht hinaus nach Rauris fährt, und daher gibt es auch noch eine nette Unterhaltung über lokal Interessantes, denn der bajuwarische Fahrer ist der Liebe wegen in Rauris seit einigen Jahren ansässig und weiß allerhand zu erzählen. Zum Schluss noch ein paar Bilder von diesem Tag im Seidlwinkeltal. Das war jedenfalls der netteste Tag unserer Gasteinwoche, bei mittlerem Wetter, aber erfreulicher Schwammerl- und Heidelbeerausbeute, immer eine Urlaubsnebenbeschäftigung….

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