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Fünf Jahre nach der Berninatour: 1969 wiederholen wir unsere Hochzeitsreise zum Stubacher Weißsee vom Jahr davor, dann geht es weiter gegen Süden – mit VW-Käfer (sagenhafter Ölverbrauch mit 3 Liter auf 1000 km !) und Campingausrüstung. Warum wir gerade auf den Monte Adamello gekommen sind, weiß ich heute nicht mehr. Vielleicht hat uns eher der Gardasee verlockt, allerdings haben wir uns dort eine üble Magenverstimmung eingehandelt, trotzdem geht es nach drei Tagen weiter ins Gebirge, wie mein Tourenbuch XVI von 1969/70 berichtet:

5. bis 8. August 1969 – auf den Monte Adamello

Vom Gardasee geht es zunächst hinein ins südliche Kalkgebirge, aus dem hitzeerfüllten Tal durch die Sarcaschlucht nach Tione die Trento. Pinzolo macht schon einen alpinen Eindruck, und hier zweigt das Val Genova ab – “eingesenkt ins Herz des Granitgebirges bietet es urhafte Wildheit im Schäumen der Gletscherwasser und dem undurchdringlichen Mantel der Bergurwälder, plattiger Fels steigt unvermittelt zu den höchsten Kämmen empor, weiß schimmern die Sprühregen der Wasserfälle”. Märchenhafte Almflecken bilden einen scharfen Kontrast zu den im Talschluss herabschimmernden zerklüfteten Eiszungen. Stop ist in Bedole, und in der Kühle der hereinbrechenden Abends steigen wir vier Stunden zum Madronhaus auf, während über den Adamellogletschern sich ein Gewitter austobt.

Mittwoch, 6. August – Madrongletscher und Lobbia

Schon um 5 Uhr früh verlassen wir das Madronhaus / Rifugion “Citta di Trento”. Eigentlich wollten wir schon von hier zum Gipfel, aber wir sind krank und müde, daher geänderter Plan. Gegenüber dem Anstieg vom Vortag sind es weniger Höhenmeter bis zur nächsten Hütte, und sich in dieser grandiosen Landschaft Zeit zu lassen, zahlt sich aus – kleine Seen und Moorflächen schmiegen sich zwischen die Moränen und Felstrümmer aus dem hellen, überaus harten Tonalitgestein. Wie ein graues Ungetüm, später als im Sonnenlicht blinkender Schild, liegt der Madrongletscher in seinem breiten Bett, dahinter die lockenden Gipfelspitzen mit ihren melodischen italienischen Namen. Wir haben die Steigeisen (etwas unvorsichtig) wegen des geringeren Gewichts der Rucksäcke unten gelassen, aber dafür den Gaskocher mitgenommen. Daher nehmen wir uns vor, nur bis zur Lobbia-Schutzhütte zu gehen und schalten einmal gleich eine ausgiebige Kochrast ein. Trotzdem sind wir schon um mittags beim Rifugio “Ai Gaduti dell´Adamello” am Lobbiapass, bereits auf 3050 m. Weil das Wetter so gut ausschaut und wir uns ein bisschen erfangen haben, steigen wir am Nachmittag noch auf den Hüttendreitausender Lobbia alta – ein toller Aussichtsberg mit klüftigem Blockaufbau und Mengen von Gletscher-Hahnenfuß. Die weitere Route zum Adamello liegt hier klar vor uns, allerdings ein ausgedehnter Gletscherhatscher… Abends mischen sich Schauer und Nebel mit dem schwindenden Licht, die Nacht bringt aber wieder Kälte und klaren Himmel, also gute Voraussetzungen für den Gipfelmarsch.

Donnerstag, 7. August – Adamellogipfel

Auf 3000 m Höhe darf man sich in den Schutzhütten abseits der Seilbahngebiete nicht viel Komfort erwarten, dafür ist die Versorgung mit Essen und Getränken überraschend gut. Wir erinnern uns allerdings mit Vergnügen an eine Familie aus Bayern, wo der (übrigens vorzügliche) Rotwein als günstigster Durstlöscher die Ohren der beiden Bayernmädchen schon zum Glühen gebracht hatte… Uns stört eher, dass wir auch aus sprachlichen Gründen die angebotenen Speisen mit unseren Bauchbeschwerden nicht in Einklang bringen können. Immerhin “Omelett” bedeutete hier Palatschinken, nicht ganz selbstverständlich, wie am anderen Tag auf Madron zu bemerken. Pasta hingegen war eindeutig, auch für unsere angeschlagene Verdauung…

Geschlafen haben wir wegen des recht unsauberen Lagers eher schlecht, daher sind wir um 5 Uhr früh schon wieder aufbruchbereit – zu unserer Überraschung noch lange nicht als Erste! Die später aufbrechenden Tourengeher sind eindeutig im Vorteil, denn sie lassen sich auf Schiern per Ratrack die Gletscherböden hinaufziehen und können dann mühelos herunterschwingen, während wir voraussichtlich im Schneematsch waten werden…. Vorläufig geht es aber bestens auf dem gefrorenen Firn in die weiten Gletscherböden des Pian di Neve hinein. Ringsherum reihen sich leichte Dreitausender, besonders schön das Corno bianco (wirklich ein “Weißhorn”), aber wegen der weiten Strecke zum Hauptgipfel gibt es keine Nebenziele! Wie lange wir bis zum Gipfel gebraucht haben, ist leider nicht notiert. Wir lassen unterhalb des Felsaufbaus die Rucksäcke stehen und erklimmen so trotz der gesundheitlichen Erschöpfung doch rechts gut die Spitze des Adamello mit dem etwas kuriosen Gipfelkreuz. Dort ist es so herrlich mit all den grandiosen Ausblicken bis zur scharfen und eher felsdunklen Presanella, dass wir bis als letzte Besteiger auf dem Gipfel bleiben. In größter Mittagshitze geht es dann hinab zum Rucksackdepot, und zum Glück kühlen die hier im Süden  üblichen Mittagswolken die endlosen Schneefelder etwas ab. Nun gehen wir nicht mehr zum Lobbiapass mit der obersten Schutzhütte (darum haben wir auch das volle Gepäck dabei), sondern streben gleich dem Moränenausstieg Richtung Madron zu. Es ist nun früher Nachmittag, und wir können die restlichen Stunden verbummeln, die Umgebung und die Alpenflora scheinen zu wetteifern, wie sie uns glücklich machen können. Als Obergenuss bekommen wir im Madronhaus sogar Betten in einem Zimmer, aber – unsere Bestellung von “Omelett con Marmelade” bringt uns eine süß gefüllte Eierspeis auf den Tisch. Da revoltiert jeder Magen, und unser schon angeschlagener erst recht…

Freitag, 8. August – von der hochalpinen Eiswelt zum Sandstrand der Adria

Nach Abstieg zum Parkplatz beim Rifugio bzw. Malga in Bedole ist die Fahrt aus dem Gebirge hinaus zum Gardasee ein letzter Genuss. Dann folgt die Verkehrshölle der Autobahn, besonders bei Mestre an Venedig vorbei, bis wir auf einem Campingplatz beim damals gerade neu entstehenden Ferienort Porto san Margharita unser Zelt aufschlagen. Alles bestens, nur Gelsenplage, eine hat Anni sogar ins Gesicht gestochen, dass ihr eine Beule auflief! Über Caorle mit Marktbesuch geht es weiter nach Grado, wo Annis Eltern gerade den Urlaub verbringen. Ihr Hausmittel stoppt nun unsere allzu lockere Verdauung, aber das muss man erst einmal probieren – einen Löffel abgeriebener Muskatnuss ohne trinken zu verschlucken!

Eigentlich hat unsere Adamellobesteigung schon mit einem Vollbad im klaren Bergbächlein bei Bedole geendet, jetzt genießen wir die milden Wellen der Adria, und endlos weit im Sand hinauszuwaten, bis wir endlich schwimmen können – einen solchen Genuss kann man erst schätzen, wenn man kurz zuvor noch auf über 3000 m durch den Schneematsch der Gletscher gestapft ist. Übrigens hatte unsere Erkrankung noch ein Nachspiel: Als wir noch im August mit den Hainfelder Naturfreunden von der Kürsinger Hütte aus den Großvenediger besteigen wollten, durch Schlechtwetter etwas verzögert, zwang uns ein erneutes Bauchweh zum Abbruch der Tour – also hat sich der Gardaseeaufenthalt noch nachträglich bemerkbar gemacht, obwohl wir nicht wissen – war es das Eis in Sirmione oder die Paradeisfische aus unserem Reiseproviant (damals sehr in Mode)?

Zuerst am Jahresbeginn ein Rückblick! Aus meinem Tourenbuch VIII von 1964 erinnere ich mich an die Hochtouren mit meinem damaligen Freund Ernst (Filzwieser) in die Bernina-Gruppe, zum am nächsten erreichbaren Viertausender….

Wenn man die Mitte der Siebziger überschritten hat, freut jede  Wanderung und erst jede größere Tour umso mehr. Die Zeit der hohen Alpengipfel ist wohl ziemlich vorbei, aber vor einem halben Jahrhundert (!) schaute das noch ganz anders aus: Seit den letzten Jahrgängen in der Lehrer-Bildungsanstalt St. Pölten war ich mit meinem Freund Werner (Tippelt) klettern, immerhin sind uns da so klassische Touren gelungen wie die Hochtor-Nordwand, die Rosskuppen-Nordwestkante, ebenso jene des Ödsteins  im Gesäuse und  Südwandrouten am Admonter Kalbling. Die 1960er Jahre waren dann die Zeit der Hochtouren, von den Hohen Tauern (vor allem) bis zur Silvretta. Als ich in den 1970er und 80er Jahren mich immer mehr auch der Landeskunde und der Botanik zuwandte, meinte Werner einmal, ob ich schon auf die Umstellung meiner Touren vorausdenke, wenn´s mit dem Marschieren nicht mehr so toll geht… Immerhin haben wir durch die Ermunterung und Anleitung durch den befreundeten damaligen Gemeindearzt von St. Veit an der Gölsen, MR Dr. Otto Hausleitner, und in Begleitung von seiner Frau Monika auch ganz interessante naturkundliche  und kulturelle Erfahrungen erleben dürfen. So, und nun blicke ich halt auf meine persönliche Alpingeschichte zurück – ein Höhepunkt war mit Werner die Durchsteigung der Pallavicini-Rinne am Großglockner mit Variante Nordpfeiler, noch dazu bei damals schon nicht zeitgemäßer Ausrüstung wie bloß  Pickel und Eishaken zum Einschlagen!

Ein absoluter weiterer und wohl endgültiger Höhepunkt war die Bernina von 8. bis 18. August 1964, also heuer ein 55-jähriges Jubiläum und insofern für mich aktuell, als ich nun die damals fotografierten Farbdias eingescannt und ein ganzes handgeschriebenes Tourenbuch zum Nachlesen habe:

Anreise mit Nachtschnellzug von St. Pölten nach Landeck, Weiterfahrt mit Bus nach Schuls, Rhätische Bahn bis Pontresina. Abends von der Station Morteratsch mit 25 kg Rucksack (samt Gaskocher und Konservendosen) zur Boval-Hütte. Für uns sind die CAS-Hütten (Schweizer Alpenclub) eine ganz neue Erfahrung, über die Preise staunen wir sowieso, seit wir die Schweizer Grenze überschritten haben! Für Anfang August ist das Wetter ausgesprochen labil, wir müssen die Zeit mit Spaziergang am Morteratschgletscher und Versuch am Bovalgrat überbrücken. Aber am selben Tag, als wir die letztere Tour vormittags abbrechen, scheint sich das Wetter zu bessern, daher noch am Nachmittag Abmarsch über die Gletscherzunge mit ihren abschüssigen Moränenflanken in 2 1/2 Stunden zur Diavolezza mit Restaurant und Schutzhaus. Notiert – alles wahnsinnig teuer, Lagerplatz 5,50 statt 2,70 Franken auf Boval.

Bildtexte: Boval-Hütte mit Piz Bernina, weitere am Einstieg zum Fortezza-Grat

Dienstag, 11. August: Statt um 5 Uhr früh aufzubrechen, liegen wir unsere fünfeinhalb Franken noch ab, weil es draußen so scheußlich ausschaut! Als es um 7 Uhr unvermittelt aufreißt, kommen wir ganz schön ins Gedränge. So queren wir etwa den Persgletscher noch ohne Seil, obwohl dieser klüftig ist, wie wir es noch nie erlebt haben. Aber immerhin ist der Neuschnee hier noch fest gefroren, wechselt aber dann mit zunehmender Höhe in Pulver auf vereister Unterlage bzw. zu tiefer Stapferei bei der zunehmenden Tageswärme. Bis nach Mittag haben wir den Fortezza-Grat in wechselnd kombinierten Gelände hinter uns und rasten am Beginn der Bellavista-Terrasse (im letzten Bild zwischen den eisigen Bellavistaspitzen und den Eisbrüchen herab zum Morteratschgletscher). Nun geht es anstrengend spurend weiter, von der Terrasse (sie wird uns beim Rückweg mit noch mehr Tiefschnee plagen) hinab zum weiten Crast-Agüzza-Sattel auf 3604 m. Um halb vier Uhr kommen wir zur etwa ebenso hoch gelegenen Marco-Rosa-Hütte des CAI (Club Alpino Italiana): Wetter nun wieder schlecht, dichter Nebel, die winzige Hütte bummvoll… Sie steht über einer Felswand, wo der südliche Zustieg von der Marinelli-Hütte heraufkommt, und am Fuß des Aufschwunges zum Piz Bernina. Ob wir dort hinaufkommen werden? Noch schaut es nicht so aus, und tatsächlich müssen wir hier drei Nächte aushalten! Zur selben Zeit ist zwar die neue Campanna oberhalb schon in Bau, aber noch nicht benützbar, heute soll sie laut Internet relativ recht komfortabel sein.

Die hier unter dem Berninagipfel eingeschlossene Gesellschaft ist fast ein glücklicher Zufall, vor allem wegen einer Vereinsgruppe aus Vaprio  d´ Adda mit ihrem Vereinsführer, mit dem tüchtigen Allesandro und den reizenden beiden “Bergkameradinnen” Lucia und Maria. Allerdings – wenn man kaum eine halbe Stunde beim Tisch sitzt und kaum gegessen hat, treibt Giovanni, der phänomenale Hüttenwirt, schon wieder zum Aufstehen, damit die nächsten Futterkandidaten Platz bekommen. Was wir die ganze Zeit gemacht haben, ist mir unerklärlich, natürlich mit den Italienern pallavert, eher international auf Englisch, Karten gespielt und gewartet, dass es schöner wird, damit wir vielleicht doch auf den Viertausender kommen und vor allem dass wir auch wieder über die Eisrouten nach Morteratsch absteigen können….

Donnerstag, 13. August: Endlich hat es aufgeklart, erscheint aber noch sehr unbeständig, immerhin sehen wir schon bis zum Monte Disgrazia (auf den vorigen Bildern). Also gibt es kein Zögern mehr, auch Maria, Allesandro und Lucia wollen auf den Gipfel, wir können es ohnehin nicht erwarten! Dabei passiert uns ein unangenehmer Fehler – statt mit dieser Gruppe die Originalroute zu gehen, wollen wir schon voraus und lassen uns beim ersten Felsaufschwung hoch oben rechts in die zunächst einladende Eisflanke verführen. Dabei ist ein kurzer Abstieg unter den Felsen in schlechtestem Eis noch das schwierigste Stück – zumindest in unserer Erinnerung, weil die nächste (wohl über 60 Grad steile) Eisflanke mit Sicherung durch zwei Eishaken dagegen schon halbwegs normal wirkt. Dann landen wir endlich gut auf dem italienischen Berninagipfel – “Punta Italia”, Spalla genannt (was wohl Schulter heißt), immerhin dem Gefühl nach waren wir auf einem Viertausender! Der anschließende Spallagrat hinüber zum Hauptgipfel ist derart verwächtet und mit Eis und Neuschnee überzogen, dass wir es mit der italienischen Gruppe halten und auf den endgültigen Gipfelsieg verzichten.

Zu den Bildern: Aufbruch von der Marco-Rosa-Hütte, das Gipfeldreigestirn Piz Zupo / Argient / Crast Agüzza, Lucia und Allesandro und Maria auf der “Punta Italia”, Abstieg mit Blick auf Bellavista-Terrasse und Piz Palü (unsere Route für den nächsten Tag).

Der Abstieg verläuft zwar mit Vorsicht wegen dem Neuschnee, aber doch problemlos. Unsere italienischen Freund/innen machen sich gleich an den Abstieg über die Wand hinunter, letztes Winken nach herzlichem Abschied, fort sind sie – plötzlich ist die Hütte wie leer… “Lucia, cara alpinista” steht in meinem Tourenbuch, ich habe ihr später von Bormio aus einen Blumenstrauß mit Fleurop schicken wollen und noch Neujahrsgrüße ausgetauscht… so war das vor über einem halben Jahrhundert… Schon wieder kommen Nebel und Schneefall, aber abends  endlich die Nachricht per Funk, dass sie alle gut in der Marinellihütte angekommen sind und den argen Wandabstieg gut überstanden haben. Uns steht für den nächsten Tag noch die Tour zur Diavolezza auf der Schweizer Seite bevor…

Freitag, 14. August – Piz Palü-Überschreitung:

Ein Kaltlufteinbruch über Nacht vertreibt die üblen Wolken und bringt einen fantastisch klaren Tag, der für unsere weitere Tour nicht besser passen könnte. Zuvor noch eine Überraschung – unsere Rechnung von Mittwoch und Donnerstag hat der Signore Guide der Gruppe aus Vaprio d´ Adda für uns beglichen – italienische Gastfreundschaft auf fast 4000 m Höhe, ich hoffe, er hat über Lucia die Bilder von mir bekommen. Nun bleibt aber keine Zeit mehr – um 6 Uhr bereits Aufbruch von Marco-Rosa, durch den Crast Agüzza-Sattel und hinauf zur Bellavista-Terrasse, Wetter und Aussicht herrlich, aber Schinderei durch das Spuren im Tiefschnee, Spalten und Randklüfte sind teilweise wie verschwunden. Wahnsinnig viel Schnee, wechselt aber von windgepresst zu pulvrig, als wir zur Bellavista-Scharte kommen. Vor uns der Westgrat des Piz Palü, Spina genannt, total verschneit, verwächtet und vereist. Da haben wir einen glücklichen Einfall – wir queren an der Südseite bis unter den Hauptgipfel, allerdings sind schon mehr als vier Stunden vergangen! Mit viel Glück gelingt uns trotz Neuschnee und Vereisung der Felsen der Aufstieg zum Haupt- und Mittelgipfel des Piz Palü (3905 m), von dessen breiter Eiskalotte es bald scharf hinübergeht zum Ostgipfel, schon wieder zweieinhalb Stunden vergangen…. Von dort oben habe ich keine Aufnahmen (zumindest keine Farbdias, obwohl ich nach meinem Bildarchiv eigentlich mit einer zweiten Kamera auch sw fotografiert haben müsste).

Für den Abstieg haben wir nun eine gute Spur – unser Glück in den folgenden Gletscherbrüchen! Aber hier kommen eben die meisten Alpinisten von der Diavolezza herauf, unsere Vorgängen sind ein paar Bayern, die oben am Gipfel sogar Glühwein kochen. Hinab vom Ostgipfel brauchen wir sogar die Steigeisen, sonst haben wir die Überschreitung meinem Gefühl nach steigeisen- aber nicht seilfrei bewältigt. Die wildeste Stelle ist eine (sogar im letzten Bild erkennbare) Querspalte, die wir an einer abgespaltenen Eisrippe überaus steil abklettern müssen. Im folgenden Bruch notierte ich – riesige Spalten und Durchstiege, wie wir sie überhaupt noch nie erlebt haben. Entlang der Spuren finden wir aber auch dort gut durch und erreichen um halb fünf Uhr (nach dreieinhalb Stunden vom Ostgipfel) das Diavolezza-Restaurant. Nach Rast folgt dann: Abstieg Persgletscher – Isla Pers – Morteratschgletscher – Bovalhütte. wird wohl auch noch zwei Stunden gedauert haben, insgesamt also seit der Marco-Rosa-Hütte über 14 Stunden im hochalpin anspruchsvollen Gelände unter teilweise widrigen Verhältnissen. Kein Wunder, dass uns dann sozusagen der “Dampf” ausgegangen ist… Aber immerhin ist uns nach einem Schlechtwetter-Rasttag noch gelungen:

Sonntag, 16. August, Piz Morteratsch zur Tschiervahütte:

Der Biancograt auf den Piz Bernina, den wir vom Piz Morteratsch so schön gesehen haben, ist dann ein Traum geblieben. Die Tschiervahütte haben wir wegen des freundlichen Wirts in sehr guter Erinnerung. Im Gegensatz zu jenem auf der Bovalhütte, der wohl von führerlosen und teilweise selbstversorgenden österreichischen Alpinisten offensichtlich nicht angetan war. Dem Tschiervawirt verdanke ich eine alpine Weisheit – wenn er im Frühjahr auf die Hütte kommt, macht er lange Zeit keine schwere Arbeit bis er sich an die Höhe aklimatisiert hat, und das auf 2500 m! Die Bergsteiger sind ja voll wahnsinnig, meint er, wenn sie noch dazu aus dem Flachland kommend ohne solche Umstellung auf die Drei- und Viertausender steigen. Aber für uns sind das halt nur ein paar Tage, in Höchstbelastung und Hochstimmung, selbst nach 55 Jahren schwärmt man noch davon…

Die leicht abenteuerliche Heimfahrt: Das Schlechtwetter hatte danach dem schönen Spätsommer Platz gemacht. Wir erlebten so das Roseggtal hinaus nach Pontresina im schönsten Licht unter den strahlenden Gletscherbergen, wie ich sie 2002 bei einer Urlaubsfahrt mit Anni von Nauders (zu meinem Sechziger) aufnehmen konnte. Dann ging es mit der Berninabahn hinüber ins Veltlin, von Tirano mit dem Bus nach Bormio, Nächtigung in einem alten Hotel mit Schwertern und Wappenschildern an den Zimmerwänden – so richtig wie in der Rittersage des Dietrich von Bern (die auf Bormio / Worms bezogen wird). Kurios wir beide im Speisesaal, zehn Tage ungewaschen und bebärtet, die Tischnachbarn haben uns nur so angestaunt… Anderntags Weiterfahrt mit Bus über das Stilfserjoch mit seinen tollkühnen Kehren, aus dem obersten Vinschgau über Nauders nach Landeck und mit der Westbahn heim nach St. Pölten bzw. ins Gölsental, alles wirkte nun dort soooo flach….

Samstag, 31. Mai 2008: Mit Nordwestwind ist es etwas kühler, aber zeitweise sonnig und daher angenehm, wechselnd bewölkt – ein idealer Tag für einen abschließenden Ausflug über die “Burgenstraße” ins Landesinnere von Istrien! Aber vorerst wollen wir uns noch im Küstenbereich aufhalten, wo wir oberhalb von Moscenice recht interessante Eindrücke sammeln konnten (Beitrag Moscenicka Draga und Bergdörfer). So fahren wir von Medveja auf der Küstenstraße dieselbe Richtung wie damals, nach der Abzweigung zur Cres-Fähre von Brestova ist es aber höchste Zeit, ins Berggelände hinauf zu kommen!

Daher nehmen wir eine unbezeichnete Abzweigung (ca. 1 km nach der zweiten Fährenzufahrt) bergwärts, vorläufig noch auf einer asphaltierten Seitenstraße mit etwas schwierig zuordenbaren Ortsnamen – der Istrien-Straßenkarte steht Kaminja (jedenfalls vor der Seitenstraße nach Filipasi), in der Ucka-Karte heißt es Ivani! Ich hab mir notiert: Bauernhof, hier besser kurz vorher bei Feigenbaum parken…. Wir nehmen die sehr schlechte weitere Auffahrt nach Kusari, erkennbar an einem schön renovierten Landhaus. Mit einer dort herauskommenden jungen Französin (Gast bei Kroaten) kommen wir ins Gespräch, es ist möglich zu parken und auf dem Fahrweg weiterzugehen, sie selbst ist noch nicht viel herumgekommen hier und wartet nur auf ihren Besuch….

Der in Kurven den sonnigen Hang hinaufziehende Fahrweg ist zwar nicht alt, aber in sehr schlechtem Zustand, also ohnehin nur zu Fuß passierbar. Als Wanderweg ideal mit herrlicher Aussicht und voll blühender mediterraner Flora, vor allem Salbei! Eine Art Durchstich führt dann in eine als DOLI bezeichnete Hochmulde mit hochstehenden Wiesenböden und einigen, recht ruderal wirkenden Ackerstreifen. Eigentlich wollten wir über den Hang weiter zum etwa 600 m hohen Bergrücken, dem südlichsten Ausläufer des Ucka-Sisol-Massivs ansteigen. Aber es zeigt sich nicht einmal die ‘Spur eines Pfades, und weglos schaut das steile Gelände nicht gerade einladend aus, also halten wir uns an die Erkundung dieses auch wunderschönen Bergkessels. Ein Hochstand auf einem Hügel weist auch auf die Nutzung als Jagdgebiet hin, und zu unserer Überraschung gibt es hier im hohen Karst auch eine von Sumpfboden umgebene Wasserlacke mit Wasserhahnenfuß und Schilfbestand u. a. sicher interessanten Gewächsen. Am rechten Rand der Mulde kommen wir zurück zum Fahrweg und gehen zum Ausgangspunkt zurück. Nach fast zwei Stunden kommen wir zum Landhaus zurück und halten unterhalb der Weiler eine schon mittägige Jausenrast.

Eigentlich geht unsere Ausflugsfahrt erst jetzt los! Vorbei am Aussichtsrestaurant Vidikovac an der Bergecke des nächsten Fjordes kommen wir die blühenden Ginsterbüschen übersäten Hänge entlang nach PLOMIN / FIANONA. Dieser Ort auf einem Hangvorsprung oberhalb der Bucht von Plomin Luka mit dem hohen Schlot eines Kohlekraftwerkes (diese wird oder wurde bei Labin und Rasa abgebaut) wirkt absolut ruinös. Noch mehr als in den anderen folgenden Orten ist geschätzt etwas die Hälfte der Gebäude verfallen, und renovierte Häuser gibt es nur spärlich. Ich habe nachgelesen, dass es sich überwiegend um die Wohnstätten von italienischen Bewohnern handelt, die nach dem Übergang von Istrien an Jugoslawien nach dem 2. Weltkrieg in ihr sprachliches Mitterland geflohen sind. Allerdings findet man auch vielfach zweisprachige Ortstafeln und Infotafeln, viel mehr Gäste kommen hierher von Italien als von Österreich und Deutschland! Baustellen behindern uns mehrfach mit ihren Umleitungen bei der Weiterfahrt – damals als wurden die Straßen gebaut, die uns heuer so überraschend gut vorgekommen sind!

KRSAN / CHERSANO: Diese Siedlung mit der am besten erhaltenen Burg Istriens leitet die sogenannte “Burgenstraße” ein, die über die Berge Inneristriens nach Pazin hinüberführt. Die Namen der Felsenburg waren auch Carsano und Kerschan (Hinweis darauf, dass sie mit der Grafschaft Pazin 1374 an Österreich kam). Wirklich ein gewaltiger Eindruck, vor allem da die Hochburg teilweise renoviert wurde, sonst erscheint die Gegend ziemlich devastiert. Auffallend wie überall hier sind die hohen und kunstvoll gebauten Kamine, bei der oft exponierten Lage und windigem Wetter anscheinend  notwendig.

PICAN / PEDENA: Über diese kleine, aber beherrschend Burgstadt habe ich heuer schon im Mai berichtet. Wir erreichen den Stadt-Burg-Berg über eine weite Umleitung Richtung entfernten Zminj, parken in einer mit schattigen Bäumen bestandenen Mulde vor dem Stadttor. Der Rundgang ist auch hier eindrucksvoll, die Kirche als alter Bischofssitz (vor 524 bis 1788 eigene Diözese, die angelblich kleinste der Welt). Heuer haben wir dort sogar einer Sonntagsmesse beigewohnt, voll kroatisch volkssprachlich, und waren dann bei der fotogenen Michaelskirche gegenüber dem Friedhof und auf der Terrasse mit den Steinskulpturen daneben, die eine ganz fantastische Aussicht bietet (bis Labin!). Bei den Bildern haben wir aber eine andere kleine, mit Fresken ausgemalte Kirche festgehalten, bei der es sich nur um die Rochuskapelle handeln kann, ganz sicher bin ich mir trotz Internetsuche noch immer nicht… Der “Steinmetzen” mit den eingeschlagenen Gefäßen zum Messen der Abgaben (Getreide u. a.) sollte eigentlich neben dem Campanile stehen, doch neben der Kapelle habe ich auch einen solchen fotografiert, gibt es einen zweiten?

Die durch Umleitungen verwirrende Weiterfahrt bringt uns in vielfaches Naturgelände, und da gibt es auch einiges Blühendes zu entdecken. Dann kommen wir endlich wieder zur unbehinderten Hauptstraße und erreichen GRACISCE / GALLIGNANA. Meine Notizen dazu: Parkplatz im Sattel bei Zürgelbaum unterhalb der Altstadt – trotz vieler Ruinen sehr eindrucksvoll, hoher Turm ähnlich dem von Pican, dahinter barocke Kirche, ehemals wehrhaft. Dem Kunstführer entnehme ich nachträglich die kunsthistorisch-architektonische Bedeutung dieser Burgstadt, die Jahrhundertelang bevorzugter Sommersitz der Bischöfe von Pican war – also dort müssen wir unbedingt noch einmal hin!!! Übrigens komme ich gerade drauf, dass die beiden letzten Bilder nicht zu Pican gehörten, sondern die Kirche Maria am Platz mit Madonnenfresko darstellen! Warum diese Verwirrung (sogar nachträglich!)  – es war schon Mittag, sehr müde und keine Einkehrmöglichkeit…

Eine solche fanden wir erst im nächsten Ort – LINDAR / LINDARO: Auch kleiner Abstecher seitwärts der Hauptstraße, guter Kaffee bei einer Pizzeria, weiter in die Altstadt, vorbei an einer Maulbeerallee, Rundgang, sehr netter Ort und mehr belebt! Also auch ein noch ausstehendes, zu intensiverem Besuch einladendes Ziel! Die folgenden Bilder von Lindar (wieder mit istrischem Rauchfang):

Typisch für Lindar sind tatsächlich die alten Häuser des Ortes mit ihren Kaminen und schmalen Balkonen! Der Ort hat sogar 1813 in den Franzosenkriegen eine Rolle gespielt, außerdem gibt es in der gotischen (!) Kirche St. Katharina die Fresken des “Lebendigen Kreuzes” von 1409 – die Balken des Kreuzes sind als menschliche Arme dargestellt, die die Tore zum Paradies öffnen. Also das alles steht uns hoffentlich noch bevor! Damals fuhren wir erfrisch hinunter in die nächste und größere Stadt.

PAZIN / PISINO: In der Geschichte und auch noch heute ein zentraler Ort, wo man sich leicht verfahren kann – kroatische Fußballfans haben uns den Weg  gewiesen, laut pfeifend und winkend, als sie unsere österreichische Autonummer bemerkten! Das mächtige Schloss enthält ein reichhaltiges Museum, wo vor allem die bäuerliche Kultur der kroatischen Landbevölkerung im Gegensatz zur italienisch und österreichischen Oberschicht dargestellt wird (Shop mit Führern ausgenützt). Unterhalb stürzt ein Felsüberhang in ein schluchtartiges Tal ab. Diese 130 m tiefe Doline verwandelt sich bei starken Niederschlägen in einen See, der die Stadt dann wie eine Halbinsel erscheinen lässt. Dante Alighieri soll in seiner “Göttlichen Kömidie” diesen Schlund als Vorbild für seine Schilderung des “Höllentores” genommen haben!

Bei der nicht ganz einfachen Ausfahrt von Pazin landen wir noch bei einem Plodinje-Supermarkt, wo wir uns stärken und einkaufen können. Dann ein Stück Richtung Motovun und abzweigend nordwärts nach BERAM / VERMO: Die Kirche St. Martin soll sehenswert sein, ist aber geschlossen. Trotzdem haben wir Glück! Bei der Jause werden wir von einem Herrn aus Brand-Laaben angesprochen, und mit ihm kommen wir zu einer Führung in der kunsthistorisch überaus bedeutenden Friedhofskirche “Maria auf dem Felsen” (nach dem Schichtgestein, auf dem die Kirche steht).

SVETI MARIJA NA SKRILINAH / MADONNA DELL LASTRE: Die herrlichen Fresken des Vincent iz Kastva von 1474 sind vorzüglich erhalten, ganz selten auch die bemalte Holzdecke!

Neben der Kirche finden wir als zusätzliches Geschenk einen schönen Bestand von Bienen-Ragwurz! Dann die Rückfahrt – durch den Ucka-Tunnel – verlangt auch noch Ausdauer ab, aber so gelohnt haben sich nur wenige Urlaubstage!

Am nächsten Tag Heimfahrt mit Stop bzw. Abstecher in / nach Zagreb. Wir suchen den im Reiseführer angegebenen Botanischen Garten, leider ein Flop, wir hätten uns gleich bei den netten Lokalen an der Altstadt-Stiege niederlassen sollen… aber nachher ist man leicht gescheiter! Jedenfalls wundert mich heute mehr als damals vor zehn Jahren, welche Ausdauer wir bei unseren Fahrten aufbrachten!

Wenn ich in meinem digitalen Bildarchiv den Ordner vom 28. Mai 2008 öffne, finde ich da 281 Bilder von Anni und mir. Aber trotz der Aufzeichnungen im “Urlaubskalender” kann ich mich in dieser Fülle erst orientieren, indem ich mit der Spezialkarte unsere Tour von Medveja aus nachvollziehe. Aber jetzt ist es gelungen – Annis Bilderalbum ist im Facebook: Wandertipp bernhard baumgartner zu finden, und mein umfangreicher Bericht für mein digitales Tourenbuch folgt hier.

LOVRAN ist sozusagen der Auftakt, dann fahren wir über Matulji zur Schnellstraße und durch den Ucka-Tunnel an die Nordseite des Bergmassivs. Gleich nach dem Tunnelportal findet man den Parkplatz für die erste Wanderung.

VELA DRAGA: In den eher breitflächigen unteren Hangabschnitte der Ucka ist dort ein gewaltiger Erosionstrichter ausgeschwemmt worden. Die harten Kalkeinlagerungen sind dabei stehengeblieben und bilden einen Wald von bizarren Felssäulen. Über die teils wandartige Umrahmung des Kessels blickt der Uckagipfel herab. Schutthalden wechseln mit dichtem submediterranem Waldbestand, Trockenrasen und Felssteppen, alles sonnendurchglüht schon Ende Mai. Berühmt wurde die Vela Draga als extremes Klettergebiet, das schon vom Altmeister der “Sestogradisten” Emilio Comici und seinen kroatischen Nachfolgern berühmt gemacht wurde. Botanisch ebenfalls interessant – Krugglocke, Bienen-Ragwurz, Alpen-Seidelbast (habe ich aktuell damals notiert).

Nach einer schon mittägigen Rast fahren wir von der Richtung Labin führenden Hauptstraße hinauf nach BOLJUN. Die hochgelegene “Burgstadt” ist ein typisches Beispiel für einst sehr bedeutende Ansiedlungen im zentralen Istrien, die Gründung und Ausbau (oft bis in die Antike zurückreichend) der Lage an frühen Verkehrsrouten, Grenzpunkten oder ihrer Eignung als Festungen verdankten. Auch Boljun hat eine hochragende Burgruine, neben einzelnen noch bewohnten und daher instandgehaltenen Häusern gibt es aber auch verfallene Wohnstätten. Ein Blick in den Kunsthistorischen Führer lohnt in jedem Fall! Hier: Wachposten in prähistorischer Zeit, römische Militärgarnison an der Römerstraße, 1064 erstmals urkundlich. Die älteste Kirche der Hll. Kosmas und Damian fällt durch ihr zweibogiges Fenster und den (wie üblich) der Giebelwand aufgesetzten steinernen Glockenstuhl auf (allerdings leer und verschlossen). Die St. Georg- Pfarrkirche mit Campanile wurde 1641 erbaut, laut einer lateinischen und glagolitischen Inschrifttafel außen an der Apsis. Daneben befindet sich eine Loggia, einst vom Ortsvorsteher und Altenrat benützt. Durch die Höhelage über dem “Schachbrett” der bebauten Felder im Talgrund ragt beherrschend die Ucka. Siehe auch meinen Blog-Bericht von Mai 2018!

Das letzte Bild zeigt den Blick von der höher gelegenen Vela Draga zur Bergsiedlung Boljun, die Umgebung ist geprägt durch Talfurchen mit hervortretendem Flysch (wie wir später noch sehen werden) und dazwischen teils felsig dahinziehenden, aber abwechselnd von Wald und Kulturland bedeckten Höhenrücken. Wir entdecken bei der Weiterfahrt gleich neben der Straße einen überaus ergiebigen botanischen Standort (auch 2010 und 2018 aufgesucht, zuletzt allerdings durch Neutrassierung etwas abseits der Hauptstraße).

BOLJUNSKER “PRACHTWIESEN” (leider weiß ich keinen kroatischen Begriff für ein solches Biotop):

Beim Weiler Brnci mit seinem stellenweise bewaldeten Hügel zieht eine Wiesenmulde nordseitig hinab ins Tal, wo die Straßen nach Boljun und Paz abzweigen (die neue Straße quert den Waldrücken, der alte Straßenverlauf ist noch erhalten, auch oberhalb interessant). Von den Eichen- und Föhrenbestanden verlaufen zuerst magere Wiesenflächen abwärts, die im Talgrund zunehmend etwas sumpfig werden und vom mäandrierenden Bach durchzogen werden. Die Bilder zeigen den Blütenstand Ende Mai.

Über das wunderschön gelegene Bergdorf Paz und einen Sattel kommen wir nordwärts über die Höhen hinüber in ein fruchtbares Tal und nach Cerovlje mit Kreuzung von Schnellstraße und Bahnlinie. Hier zweigt wieder nordwärts eine Seitenstraße ab – in Richtung auf das recht ferne Buzet, eigentlich eine wichtige und gut ausgebaute, wenn auch sehr kurvenreiche Verbindung mit äußerst blumigen Straßenrändern. Auf der Berghöhe geht es eigentlich rechts weiter, links abseits kommt man zu einer schönen Aussicht auf den großen Butoniga-Stausee (Trinkwasserspeicher), und so landen wir (wie schon einmal) im malerischsten aller uns bekannten zentralistrischen Bergdörfer, in dem von mir schon mehrfach beschriebenen und gepriesenen Draguc (auch heuer besucht).

DRAGUC / DRAGUCCIO

Die zweite Ortsbezeichnung erinnert an die Zugehörigkeit Istriens zu Italien (bis 1797 Venedig). Baulich war der Ort ursprünglich ein von Gebäuden umschlossener Hof, die im 14. Jahrhundert errichteten Befestigungsmauern entstanden während der 1523 endenden  Zugehörigkeit zu Österreich! Reste davon sind noch erkennbar, ganz eigenartig ist die Gliederung des geschlossen verbauten Areals durch eine “mittlere Hauptstraße”, die Seitenstraßen außerhalb entlang der ehemaligen Bastionen, die in manchen Steinhäusern noch erhalten sind. Draguc hat drei Kirchen – gleich am Ortseingang die Friedhofskirche St. Elisäus (12. Jahrhundert mit Fresken von 200 Jahren danach, der Altartisch ist eine Steinblock mit römischer Inschrift). Danach folgt die 1641 erbaute Marienkirche, und auf dem geräumigen Hauptplatz steht die Pfarrkiche zum Hl. Kreuz aus dem 15. Jahrhundert (Mauer eines Befestigungsturmes in der Apsis), Glockenturm von 1847, an seinem Fuß ist eine alte Glocke abgestellt. Das Juwel von Draguc ist aber die abseits am nördlichen Rand des Hangvorsprunges stehende Kirche St. Rochus, tolle Überraschung ist die totale Ausmalung des Innenraums mit Fresken an der gotischen Bogendecke des Antonio da Padova, signiert 1529 bis 1537, ebenfalls datiert der Glockenaufsatz von 1530 und die mit einem kunstvollen Dachstuhl versehene Loggia von 1565.

Zurück zum idyllischen Hauptplatz mit seinem Brunnen und mächtigen Zürgelbäumen geht es durch den Portikus der Gehöfte, seit jeher schon der Abstellplatz für alte Wagen und Ackergeräte. Für uns ist es jetzt höchste Zeit für eine Einkehr – das Bufé Zora bietet sich mit gemütlichem “Schanigarten”  dazu vorzüglich an, es gibt Kaffee, auch Wein und Mineral, Käse und Proschiutto… einmalig unter einem Flor uns unbekannter Blüten… Danach gehen wir durch eine der Straßen zurück zum Ortseingang und wandern noch gegenüber einen Hohlweg neben äußerst blumenreichem Wiesenhang entlang aufwärts (leider jetzt nur mehr eine Kulturfläche, wie 2018 erlebt).

Den Violetten Dingel und die Feuerlilien haben wir bei der Weiterfahrt aufgenommen – eine wunderschöne Höhenroute über die kleinen, von Obst- und Weingärten umgebenen Bergdörfer Kruzvari und Prodani. Dann geht es steiler ins Tal hinab nach Buzet, das wir bei dieser Gelegenheit aber nicht näher besichtigen, vielmehr beschäftigt uns die Suche nach einem Bancomat, nachdem wir unsere letzten Kunar bei der Zora in Draguc verspeist und vertrunken haben. Jetzt ist es schon 15 Uhr, aber unsere Tour geht noch weiter! Buzet ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt – westwärts führt das Mirnatal an Motovun vorbei ins nordwestliche Istrien, von Norden kommt die Zufahrt über den Socerga-Pass von der Koper / Triest – Autobahn her. Richtung Lupglav und Ucka.Tunnels verläuft die Hauptstraße, der wir aber nur bis zum sehenswerten, aber an diesem Tag nicht berücksichtigten Burgort Roc folgen. Denn hier erfolgt die Abzweigung zu einem Kuriosum, eine von den angeblichsten “kleinsten Städten der Welt”….

HUM / ital. COLMO

Was für Boljun angemerkt wurde, gilt in noch größerem Maß auch für Hum. Die heute nur historisch-touristisch bemerkenswerte, aber trotzdem viel besuchte  mittelalterliche Siedlung des 11. / 12. Jahrhunderts wird von Mauern mit einem doppelten Stadttor, einem runden und drei quadratischen Türmen umgeben (einer davon der heutige Campanile. Manche Häuser sind als Besucherattraktion und zur Einkehr hergerichtet, bemerkenswert sind Steintafeln mit glagolitischen (altkroatischen) Inschriften, entlang der Zufahrt wurde 1977 mit Steinmonumenten die “Glagolitische Allee” eingerichtet. Jedenfalls idyllischer Eindruck, überaus lohnend außerdem die Naturumgebung, durch die wir einer kleinen Seitenstraße folgend (Bauernlandschaft mit den Weilern Mrzilci und Erkovici) nach Lupoglav kommen. Orchideen gibt es hier überall in Fülle und auch sonst botanische Eindrücke, aber voll überraschend sind die “Flyschgebirgsformen” vor allem vor der Bahnkreuzung!

Bei Lupoglav vereinigt sich die von Buzet kommende Hauptverkehrsroute mit der Schnellstraße und Eisenbahn vom westlichen Pacin her und verläuft auf die Ucka zu. Wir bleiben entlang dieser Strecke auf einer verwinkelten Seitenstraße und landen wie schon vormittags beim Parkplatz der Vela Draga neben dem Ucka-Straßentunnel. Hier heißt es aufpassen, denn nun heißt es, die richtige Abzweigung zur Ucka-Passstraße zu finden! Diese kurvt gleich zügig durch die Hangwälder über 500 Höhenmeter hinauf und kommt dabei zu einem wahrhaften Höhepunkt von Natur und Geschichte:

Die Quelle Kaiser Joseph II.

Wegen der Parkplätze und des Steinmonuments der Quellfassung kann man diese Karsterscheinung kaum übersehen, die schon seit jeher bei der Überwindung des sonst wasserarmen Kalkgebirges ein wichtiger Rastpunkt war. Auch wir füllen unsere leeren (und zum Glück aufgehobenen) Mineralwasserflaschen mit diesem köstlichen Nass. Dabei fallen uns natürlich auch die benachbarten Wiesenmulden auf – ein fantastischer botanischer Standort, ebenso die Hänge und Lichtungen wenig oberhalb. Ende Mai blühen hier das Durchblätterte Läusekraut (früher Stengelloses Läusekraut, sonst kaum noch gesehen), Rundknolliger Aronstab und vor allem eine Fülle von Pfingstrosen (allerdings nicht die gesuchte Korallen-Pfingstrose wie unsere Rarität “Göllerrose”, sondern Paeonia officinalis – im Naturvorkommen).

Zu nennen sind noch Kugelorchis (Traunsteinera globosa) und Helm-Knabenkraut, zahlreich sind die Fruchtstände von Pulsatilla montana (?; blühend gesehen auf der Korita). Die Fahrt über die Passhöhe Poklon mit ihren vielen Kurven, aber nur mehr wenig, der Abendstunde entsprechendem Verkehr verlangt uns nach diesem langen Tag noch etwas Konzentration ab. Aber wir kommen gut über Icici und Lovran wieder in Medveja an. Jetzt fehlen uns nur mehr ein schöner Badetag und ein Ausflug über die “Istrische Burgenstraße”!

Wie schon der italienische Name sagt, kann eine Bergtour in Istrien nicht höher hinauf führen als auf DIE Ucka, vom Strand in Lovran immerhin in fünf Gehstunden über 1400 Höhenmeter, also auch eine in den Alpen beachtliche Tour. Den Gipfel kann man übrigens auch bei halbwegs klarer Sicht von den Sandstränden bei Caorle oder Lignano aus erkennen. Der Bergname soll (habe ich irgendwo gelesen, finde aber die Quelle momentan nicht) nicht aus dem Kroatischen stammen, sondern von im 15. Jahrhundert nach der Entvölkerung des Landes infolge von Kriegsereignissen herbeigeholten Siedlern aus Rumänien , Icici genannt.

Wir haben die Ucka schon zweimal bestiegen, heuer im  Frühjahr von der touristisch interessanteren Nordseite vom Ruinen-Weiler Mala Ucka aus (Bericht im Blog Mai 2018). Das erste Mal schon am 27.  Mai 2008 von der “Meerseite” her, allerdings mit Auffahrt bis zum Poklon, dem hohen Sattel der Ucka-Passstraße. Weil ich bereits im Blog (Mai 2010) darüber berichtet habe, beschränke ich mich hier auf einige Bilder und den Hinweis auf mein Bilderalbum im Facebook “Wandertipp bernhard baumgartner”.

Der alle anderen Gipfel überragenden Höhe der Ucka ist auch das Rundumpanorama entsprechend, egal ob ins Landesinnere oder über die Kvarner Bucht mit ihren Inseln. Bei einer Tour zu den Burgstädten, etwa Pican oder Boljun, hat man die weitläufige Nordseite des Massivs vor Augen, imposant im Gegensatz zur Ebene an der obersten Rasa, mit den Felszacken der Vela Draga nahe den Ucka-Tunnels (Schnellstraße und Eisenbahn). Der direkte Abfall zum Meer erstreckt sich hinab nach Lovran und wird durch die Lovranska Draga markiert. So benannt ist auch eine kleine Ansiedlung auf etwa ein Drittel der Berghöhe. Dem Klima und Florengebiet entsprechend befinden sich dort ausgedehnte und sogar kultivierte Kastanienhaine, und eine kurze Wanderung führt zu einer Felswand mit kleinem Wasserfall, dem Slap.

Der Tiefblick vom Vojak, dem Gipfel der Ucka, zeigt ganz unten Lovran und ein an der Straße nach Lovranska Draga in einmaliger Lage situiertes ****Hotel. Nach einem Badetag am Kiesstrand in Medveja (eigentlich die hübscheste Bademöglichkeit, leider nahe dem Lärm und Gestank der Küstenstraße) fuhren wir abends dort hinauf, kurvenreich und abgründig. Die hübschen Hangterrassen überraschen und bieten einen wirklich netten Spaziergang, überhaupt in der Abendkühle nach einem schon heißen Maitag. Allmählich wurde es immer dunkler, und aus dem Geäst der Maronibäume leuchteten wie Minischeinwerfer die Augen von Eulen, die in den Baumlöchern ihren Brutplatz und Unterschlupf haben. Entgegen unserer Gewohnheit (wozu hatten wir eine Ferienwohnung mit Küche?) ließen wir uns von der Konoba verführen! Es war wirklich original mit Gegrilltem und köstlichem Mangoldgemüse. Die Talfahrt bot noch ein romantisch beleuchtetes Panorama über Lovran und Opatija, herrlich kitschig…

Nach Krk (schon 2004 und 2005 besucht) ist Cres die zweitgrößte Insel in der Kvarner Bucht, daher für uns ein bevorzugtes Ziel während unseres Aufenthalts in Medveja (zwar bereits Ende Mai 2008, aber noch nicht im Blog und Facebook festgehalten…)

Montag, 25. Mai: Ein idealer Ausflugstag, kaum Wolken und bis zu 25 Grad, ganz schön heiß für eine sonnige Wanderung!

Auf der Küstenstraße über Moscenicka Draga und Brsec (wie bei der Tour zu den Bergdörfern am Vortag) zur Fähre in Brestova, Landung in Porozina am Nordwestzipfel der Insel Cres. Die Hauptstraße (anfangs in nicht besonders gutem Zustand, während im Süden gegen Losinj zu 2018 neu ausgebaut) verläuft zuerst durch steile Hangwälder über 400 Höhenmeter bergauf. Dann folgen kahle Steinhänge, wo der Salbei in allerschönster Blüte steht. Erster Halt dann in der Stadt Cres, den Spaziergang am Hafen und durch die Altstadt genützt für wichtigen Einkauf – als Spezialität den Inselhonig (wenn von Salbei, dann aus dem Vorjahr natürlich) und eine recht genaue Wanderkarte von Cres und Losinj (sie hat uns auch heuer wieder gute Dienste geleistet).

Um die Mittagszeit Weiterfahrt auf der Hauptstraße Richtung Losinj, davon abzweigend Richtung Volun und wieder abzweigend Richtung Lubenice. Dieses Bergdorf auf hohen Klippen der Westküste ist als urtümlich, malerisch und geschichtsträchtig beschrieben – derzeit soll das “Städtchen” gerade mal sieben ständige Einwohner haben, ist aber zur Sommersaison ganz schön dicht bevölkert. Die Zufahrt ist jedenfalls höchst original und dementsprechend originell – ein schmaler kurvenreicher holpriger  und unübersichtlicher Asphaltstreifen zwischen fast ständig begleitenden Steinmauern, dahinter ausgebreitet eine dichte Macchia mit buntesten Blüten (Pfriemenginster und Etruskisches Geißblatt habe ich damals notiert). Bei Mali Pokol ein paar Steinhäuser (2018 ein geöffnetes Gasthaus), dann folgt eine scharfe Rechtswendung. Hier halten wir in voller Überraschung an – ein Mazda mit Lilienfelder Nummer parkt am Straßenrand! Vielleicht sind das Sisi und Karl Oswald? Wir hinterlassen jedenfalls eine Nachricht und fahren weiter bis nach Lubenice, wo eine Konoba neben dem alten Gemäuer einlädt. Zum Parken ist genug Platz, und daher starten wir von hier aus zu unser Wanderung auf den Berg Helm (482 m).

Die genaue Route kann ich nun nicht einmal mehr nach meinen Aufzeichnungen beschreiben, aber das ist ja das Spannende an solchen Unternehmungen, dass sie irgendwie abenteuerlich und nicht auf gebahnten Pfaden verlaufen! Wir marschieren auf der Straße ein Stück zurück bis zum Waldrand und gehen auf einem Steig im Kiefernbestand entlang von Steinmauern weiter, später sogar nach einer einfachen roten alten Markierung. Bei Rechtswendung steigen wir über Geröll und durch eine Rinne zur Mauer am Kamm hinauf und diesen entlang weiter. Einen Wacholderbestand gilt es zu überwinden, dann geht es durch eine Mauerlücke auf die Wiese der Gipfelkuppe. Wahrscheinlich war es nicht der Helm, sondern “nur” die etwas niedrigere Vorhöhe am Hrib. Egal wo wir da gelandet sind, es war sicher ein wunderbarer Platz mit Ausblick gegen Lubenice und die zum glitzernden Meer abfallende Steilküste.

Der Abstieg erfolgt über Weideböden, ohne Schafe die sich irgendwo im Schatten versteckt haben, mit herrlichen Federgrasfluren. Durch kleine Gatter zwischen den Steinmauern kommen wir zu Wiesen und Weingärten, dann zur Straße beim Föhrenwald des Ausgangspunkts. Im schon nahen Lubenice treffen wir dann beim “Büfè” tatsächlich auf Sisi und Karli, nachdem wir fast zwei Stunden unterwegs waren. In Konvoifahrt geht es danach die Straße zurück bis zur scharfen Wendung bei Bartulcic (hinter Steinmauern gar nicht zu bemerken, vielleicht nur mehr Ruinen oder Schafställe).

Diese Wanderung habe ich mir noch ziemlich (soweit möglich) aufgeschrieben, nach dem Zusammentreffen mit unseren Freunden folgte aber erst der eigentliche Höhepunkt des Tages! Wir hielten mit Karl und Sisi bei der Bartulcic-Kehre, weil sie uns dort noch einen ganz ergiebigen Orchideenstandort zeigen wollten. Dazu gingen wir einen Seitenweg in südlicher Richtung entlang zur kleinen Kirche Sveti Ursula und dann noch auf dem Fahrweg in freiem Gelände oberhalb des Vranskojezero (Trinkwassersee!) weiter. Ganz einfach war das, und dabei  eine Fülle von Orchideen zu entdecken. Ganz unerklärlich ist uns, dass wir heuer (wie im Blog berichtet) diese Route nicht mehr finden konnten. Vermutlich war der Zugang zur Kapelle als Privatbesitz und mit Gefahrenwarnung abgesperrt…

Pyramidenständel, Bienen-, Spinnen- und Hummelragwurz, Adriatische Riemenzunge, Wanzenknabenkraut, leider schon ziemlich verblüht Salep- und Dreizähniges Knabenkraut. Was wir allerdings noch nie gesehen hatten – Bertolinis Ragwurz!

Anschließend fuhren wir nach Cres zum Appartement von Karl und Sisi und beschlossen den Tag mit einem “Hochzeitsessen” im nahen Restaurant. Weiterfahrt gerade noch rechtzeitig im Abendlicht zur letzten Fähre um 20 Uhr und noch eine Stunde zurück nach Medveja.

Seit 10 Jahren befülle ich nun den Blog: www.wandertipp.at, und meine Rubrik: Bernhard Baumgartner´s Autorenblog ist sozusagen mein digitales Tourenbuch geworden, nachdem ich schon vor 1960 bis Mitte der 1970er Jahre fast zwanzig handgeschriebene Tourenbücher zusammenbekommen habe. Nun entdecke ich aber doch, dass einige wesentliche Reise- und Tourenerlebnisse nicht im Blog festgehalten wurden. Daran habe ich im heurigen Jahr schon gearbeitet (Istrien 2008 und 2010), und auch für die Insel Krk bin ich bei mir selbst im Blog fündig geworden (Blog Mai und Juni 2011, sogar als Wanderführer verfasst). Was aber bisher noch fehlt, kommt jetzt im Blog und als Bilderalben in meinem Facebook “Wandertipp bernhard baumgartner”! Eigentlich genieße ich damit meine von mehr oder minder ausführlichen Aufzeichnungen begleiteten Berichte als Erinnerung, anderseits erscheint mir schade, das Bildmaterial in irgendeiner Festplatte ungenützt abzulegen. Vielleicht sind unsere Touren- und Reisebeschreibungen auch eine Anregung für an diesen Gebieten interessierte Wanderer (denn wir waren großteils wandernd unterwegs).

Die “Einleitung für Istrien im Frühjahr 2008″ befindet sich ja seit 13. und 14. 9. 2018 im Blog bzw. im Facebook Wandertipp, nun geht es an die bisher noch nicht beschriebenen Tourentage:

Sonntag, 25. Mai: Vom Wetter lese ich aus dem Kalender – wechselnd bewölkt, nachmittag ein paar Tropfen, warm. Also ideal für eine Tour, die wir allerdings erst erkunden müssen!

Von Medveja geht die Fahrt Richtung Moscenice, Diptam blüht am Straßenrand (also botanisch vielversprechend), dann folgt der malerische Hafen von Moscenicka Draga mit feinem Kiesstrand und einer großen Hotelanlage. Eine Promenade führt die anschließende Felsenküste entlang, wir kommen bis zum Strand bei Sveti Ivan und zur Villa Istra – fast altösterreichische Gefühle!

Von Moscenicka Draga (ital. Val Santamarina)  mit Hafen und Hotels zweigt dann im Seitental eine schmale Straße durch die steilen Waldhänge hinauf zur Ortschaft Moscenice ab. Dort ist das Mittelalter noch lebendig (wie es im Kunsthistorischen Reiseführer ISTRIEN heißt), wenige Häuser, die sich am steilen Felsen eng an die Kirche drängen, Treppen, Gewölbe, Arkaden und kleine Straßen mit abgetretenen Pflastersteinen. Historische Erinnerung ist der Doppeladler beim Portal des Stadttores von 1634, die massiven Steinhäuser erwecken einen wehrhaften Eindruck. Die Pfarrkirche allerdings barock, der hohe Glockenturm reicht ins 12./13. Jahrhundert zurück.

Eine steile Treppe mit über 700 Stufen hätte vom Strand unten herauf geführt in das Bergdorf, durch die Autoauffahrt haben wir aber genug Zeit eingespart, um die Tour bergwärts fortzusetzen. In der Erinnerung geht es mir jetzt ebenso wie im Gelände – die doch recht genaue Karte des Ucka-Nationalparks enthält zwar selbst die kleinen Straßen und die Namen von Häusergruppen, aber in der Natur hält man sich dann viel mehr nach den örtlichen Gegebenheiten. Also ob so ein Fahrweg noch passierbar erscheint oder ins Nirgendwo hineinführt. Von der auf Hangterrassen und durch Grabeneinschnitte dahin führenden relativ breiten Straße (Richtung Golovik und Brsec) zweigen wir bald bergwärts ab – noch auf Asphalt – und passieren die Häusergruppen von Rovini, Kalac und Mihani, soweit unterwegs notiert und in der Karte verzeichnet. Danach gibt es nur mehr einen alten überwachsenen Fahrweg, und nun geht es zu Fuß weiter – weglos über Trockenrasen und Felssteppen bis hinauf zum Waldrand. Hübsche Flora und Aussicht gegen die Insel Cres! Im submediterranen Waldgelände und durch zwei Poljen kommen wir wieder hinunter zu einer schon vorher berührten Querstraße und zum Autoabstellplatz bei einer Kreuzung, eine Ruine und ein unbewohnter Hof heißen Dugici, immerhin haben wir eine Runde von 2 1/2 Stunden bewältigt!

Eine Orientierungshilfe bietet an der schon erwähnten Querstraße ein Pfeil Richtung Grabrova, das ist allerdings im Norden, und wir müssen aber südlich weiter. Hier besteht (im Nachhinein) ein starkes, von uns gar nicht vorausschauend eingeschätztes Risiko in Form einer wilden Schotterstraße, offensichtlich nur eine Forststrecke mit groben Blöcken und einer oder mehreren quer über die “Fahrbahn” gelagerten großen Schlangen! Eine Abzweigung weist zur Ucka, ist aber nicht einzuordnen, ebenso der Ortsname Gasparici, mühselige und vorsichtige Fahrt – nur ja keinen Reifenschaden herausfordern! Endlich wieder ein bewohntes Haus bei Rubinici und bald darauf wieder auf Asphalt zur hübschen Ansiedlung Rosici. Selbst so entlegene Örtlichkeiten haben meist eine asphaltierte Zufahrt, und wo es ohne Asphalt weitergeht, marschiert man besser zu Fuß… Bei Rosici zweigen wir daher talwärts ab und erreichen bei Sveti Jelena wieder die von Moscenice kommende Neben-Hauptstraße. Glück gehabt, denn nun geht es überaus hübsch durch die Hangmulden bei Golovik und Martina zur Küstenstraße hinab. Eigentlich schade, dass wir uns für diesen landschaftlichen Höhepunkt nicht mehr Zeit gelassen haben. Aber eine bemerkenswert Ansiedlung wartet ja noch auf uns - Brsec (ital. Bersezio), auf hohem Felsen über dem Meer, umgeben von terrassenförmigen Kulturen mit Wein, Oliven und Obst, ein wehrhaft wirkender Ort mit Prachtaussicht! Wenn wir unserem Reisführer gefolgt wären, hätten wir noch ans Meer hinunterfahren können, dort ein Hafen und feinsandiger Strand, überragt von einem Felsvorsprung mit einer Magdalenenkirche, einst ein kleiner Tempel für Seefahrer. Überhaupt gibt es in den verstreuten Siedlungen einige alte Kirchen zu entdecken, im der Pfarrkirche St. Georg (Hinweis auf eine nicht mehr existierende antike Burg) sogar gotische Fresken des Albert von Konstanz um 1470. Aber dafür hätte unsere Zeit sicher nicht mehr gereicht… und bringt mich auf die Idee, doch einmal in Moscenicka Draga Urlaub zu machen!

Eigentlich ist das Stilfserjoch unmaßgeblich für den italienisch-südtirolischen Nationalpark rings um den Ortler, der übrigens im dessen Namen gar nicht aufscheint. Bevor noch die heute schon zahlreicheren Gletscherschigebiete eingerichtet wurden, galt aber das Stilfserjoch als Hauptanziehungspunkt für Schitraining und selbst im Sommer schneehungrige Pistenfahrer. Als Nationalpark sind die Hochtäler rund um den Ortler – viel mehr noch als in den Hohen Tauern – durch die italienische Energiewirtschaft bereits ab den 1950/60er Jahren intensiv “bearbeitet” (d. h. verwüstet) worden, egal ob im Süden Richtung Trentino und Val di Sole oder auf der südtiroler Seite. Besonders im Ultental, das durch den Gletscherschwund eigentlich relativ unergiebig geworden ist. Sulden und Trafoi sind ja noch von Kraftwerken ziemlich verschont geblieben, wohl weil das Gelände dort einfach für große Stauseen ungeeignet ist. So erscheint es umso mehr als Glücksfall, dass im Martelltal nur ein großer Speichersee angelegt wurde und talabwärts und noch mehr in der Hochregion die Umwelt auf dem Status des frühen 20. Jahrhunderts verblieben ist. Daher gilt heute das Martell als schönstes Gebirgstal der Ortlergruppe, und nicht umsonst sind wir bereits dreimal dort gewandert, allerdings oberhalb des Zufrittstausees. Einmal waren wir sogar auf der Sattelhöhe zum Martell, nämlich 2002 von Sulden her auf dem Madritschjoch, wo man ganz leicht auf den Dreitausender Schöntaufspitze steigen kann. Heuer im September erwischten wir nur einen späten Halbtag mit einem Stück des neuen Plima-Schluchtweges (wie im Blog und im Facebook schon berichtet), Nun möchte ich mich auf eine Tour im Juni 2006 und im Oktober 2011 beziehen, weil mein digitales Tourenbuch darüber noch kaum etwas enthält.

Dienstag, 13. Juni 2006

Von Lana Zufahrt ins Vinschgau und durch das Martelltal bis zum Parkplatz vor dem ehemaligen Hotel Paradies. Hier heroben herrscht noch der Frühling – die Lärchen zeigen gerade ihr erstes Grün, in den Feuchtwiesen blühen Mehlprimeln, an den ebenfalls feuchten Wegrändern prangt der “Rote Speik” (wohl nach damaliger Bestimmung: Primula hirsuta / Behaarte Primel). Wir nehmen den “Schattentalweg” nahe der wild in Riesenblöcke und Gletscherschliffe eingerissenen Plimaschlucht (damals und auch 2011 noch nicht als Erlebnisweg präsentiert). Eigentlich ist das der Hüttenzustieg Richtung Martellhütte, den wir aber nur bis in das relativ flache Hochtal begehen. In dieser Höhenlage so um 2000 m ist die Flora einfach fantastisch! Dort wartet aber noch eine andere Überraschung auf uns… Zuerst aber zur Flora, die einige Besonderheiten aufweist:

Mehlprimeln, Behaarte Primel, Silikat-Glockenenzian, Schwefel- Anemone und (nicht im Bild) Steinröschen (Kahles / Daphne striata), Trollblumen… Das anschließende Hochtal (ein eiszeitlicher, von den Gletschern des Cevedale ausgeschürfter Trog) ist eigentlich noch im Vorfrühlingszustand, aber noch mehr beeindruckt eine weitgezogener Blockwall mit der Jahreszahl 1893 – es ist ein Schutzwall vor den im 19. Jahrhundert immer wieder ausbrechenden Eisseen! Darüber, wie auch über die weitere interessante Natur und Geschichte des Martells kann man beim Googlen besonders ausführlich nachlesen: Martelltal / Wikipedia Martell. Der Talname kommt von dem über die Steilstufe seitens der Martellhütte herabgischtenden gewaltigen Wasserfall (gespeist von den Eisfeldern der Veneziaspitzen) – “Zu Fall” gleichbedeutend mit Zufall, die nahe Schutzhütte heißt (neben ihrem italienischen Namen) daher auch Zufallhütte.

Der Weiße Frühlingskrokus wird wohl Crocus albiflorus sein, der Knospe nach zu schließen ist die weiße Anemonenblüte eher die Frühlings-Küchenschelle (Potentilla verna), typisch für die kalkfreien Gesteine dieses Abschnitts die eben blühende Gemsheide, aber die letzte weiße Blüte mit schmalen Blättern – hat sich dann gerausgestellt und zum Glück fotografiert, es ist der Pyrenäen-Hahnenfuß! Die Blockmauer haben wir zu wenig beachtet und erst im Nachhinein ihre Bedeutung erfahren (sie schützte nach dem verheerenden Gletscherausbruch von 1891 und vorher bereits im Jahr 1894 das Martelltal vor dem Wassersturz), die beiden Bilder sind entsprechend von später (Oktober 2011).

Den Abstieg nehmen wir dann, an der Zufallhütte vorbei, und kommen so wieder über die “Schluchtbrücke” zum Ausgangspunkt zurück. Ein ganz ausgiebiger Tag, aber fotografisch noch eindrucksvoller im Herbstkleid (Oktober 2011).

Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade mit Krücken (noch vor Knieoperation 2013) unterwegs, und trotzdem sind wir die gleiche Runde marschiert, sogar mit Einkehr in der Zufallhütte auf der Terrasse im noch angenehmen Herbstsonnenschein. Die Bilder kommen (zumindest vorläufig) nur in meinem Facebook: Wandertipp bernhard baumgartner (weil sie dort besser präsentiert werden können als im Kleinbildmodus der Blogseite, noch immer nicht ändern können…).

Auch nach einer längeren Tagesfahrt (wie mit 233 Bergstraßenkilometern zum Tonalepass und Tovelsee) dauert es nur ein paar Tage, bis wir wieder für eine solche Tour startbereit sind. Neben neuen Zielen pflegen wir natürlich auch die Erinnerungen, so waren  wir 2002 von Nauders in meinem “Sechzigerurlaub” in Sulden und sind dort bis auf den Dreitausender Hintere Schöntaufspitze hinaufgekommen. Überwältigend war das Gipfeldreigestirn von Ortler – Zebru – Königssspitze, noch dazu im Neuschneekleid eines späten Augusttages. Also nicht die lange Fahrt scheuen, sondern nachschauen, wie es aktuell dort ausschaut…  Gleich vorweggenommen – am eindrucksvollsten und eigentlich deprimiernd war der massive Gletscherschwund, den wir dort erlebten und an Hand unserer Vergleichsbilder auch nachvollziehen können. Motto: Schotter statt Eis!

Donnerstag, 27. September 2018

Warmluft und klare Sicht, mit diesen besten Voraussetzungen starten wir von Lana in den Vinschgau hinein. Diese Hauptstraße ist zwar recht ausgelastet, aber die Fahrt verläuft ohne wesentliche Verzögerungen, durch die wechselnden Bildern und die daran geknüpften Erinnerungen von unseren zahlreichen Touren allein schon abwechslungsreich. Von Prad geht es in die schluchtigen Täler der Ortlergruppe über Gomagoi nach Sulden hinauf, überraschend viele Radfahrer lösen die Autos ab und sind unterwegs zur Highlitghtstrecke Stilfser Joch. Sulden hat nur mehr wenig Altes und ist ein typisches Touristendorf – Hauptziel für die Besucher: die kühn angelegte Großseilbahn hinauf zur Schaubachhütte. 1985 m bis 2581 m, alles neu ausgebaut, die bekannte Schutzhütte versteckt sich eher am Rand. Dominierend sind hier die für Schipisten zerpflügten ehemaligen Almwiesen, eine steinige Angelegenheit und jetzt im Herbst auch sehr blumenarm. Wir fragen uns schon, was wir hier heroben anfangen sollen. Vor 16 Jahren war das noch anders, viel unberührter und eine schöne Wanderung trotz Neuschnee hinauf zum Madritschjoch auf 3148 m, wo sogar Mountainbiker ins Martelltal hinüber fuhren, und auf die nahe Schöntaufspitze.

Eigentlich ist uns die Lust vergangen, über diese alpine Ruderallandschaft zu wandern, bis wir endlich ins wirklich alpine Urland kommen! So entscheiden wir uns zu einer “Moränenrunde” im Nahbereich der Bergstation, sozusagen im Bannkreis des dreifachen Gipfelmajestät. Breite Wege führen über die Moränen hinweg, aber sie erreichen nicht einmal den Rand der von Schutt überdeckten Gletschermulde des einst so gewaltigen Suldenferners, die vom Ortler bis zur Königsspitze reicht. Eigentlich als eisbedecktes Hochgebirge zeigen sich die anschließenden Nebengipfel, wie die dem Cevedale vorgelagerten Eissee- und Suldenspitzen. Der Eindruck einer sterbenden Gletscherwelt herrscht allerdings unterhalb der hohen Grate und ihrer doch noch immer stattlichen Eisfelder.

Besonders die beiden letzten Bilder sind typisch – der Hängegletscher unterhalb der Königsspitze-Nordwand hat sich von einem geschlossenen Eisfall in einen mit Felsfenster verwandelt!

So schauen 2018 der Gletscherrand des Suldenferners und das Ortlerpanorama der Schaubachhütte aus! Nach einem einstündigen Spaziergang haben wir genug von dieser Ödnis und fahren mittags (gerade noch rechtszeitig vor dem Seilbahnstop) wieder hinunter nach Sulden, um dort das Messner-Mountain-Museum zu besuchen, leider wieder erfolgslos, denn dort wäre bis 14 Uhr Mittagspause. Diese halten wir halt davor, schauen uns ein wenig um und treten die Rückfahrt durch den Vinschgau talauswärts an.

Also Schluss mit Ortlernostalgie! Was sollen wir jetzt mit dem angebrochenen Nachmittag anfangen? Eigentlich ein Witz, bei all den Möglichkeiten, die der Vinschgau bietet. Aber marschiert sind wir auf jeden Fall noch viel zu wenig für die lange Anfahrt (von Lana nach Sulden 78 km, verhältnismäßig wenig km, aber langwierig). Also beschließen wir, die Nostalgie gleich fortzusetzen, und fahren von Latsch / Goldrain ins Martelltal hinauf, an das wir auch schöne Erinnerungen haben. Kurzer Aufenthalt noch durch einen gequerten Almabtrieb, dann immer höher die schmale Werksstraße und Ausflugsstrecke mit ihren vielen Kehren am Zufritt-Stausee vorbei bis zum Parkplatz Schönblick. Abmarsch zur Tour Richtung Zufallhütte erst um 15 Uhr, und das gegen Ende September! Nicht gerade klug, Ziel nicht erreicht, aber dafür die schönsten Vorabendstimmungen eingefangen….

Trotz des sich schon leerenden Parkplatzes haben wir bei der Auffahrt kaum Gegenverkehr, auch angenehm, und auf den Wanderwegen wird es auch schon ruhig – und kühler und vor allem schattig! Ein arger Nachteil für den neu eingerichteten Erlebnisweg entlang der Plimaschlucht mit seinen sensationellen Aussichts- oder besser Einblickpunkten. Gerade noch die ersten beiden Schaukanzeln können wir halbwegs nützen (mehr mit den Augen, kaum mit der Kamera), daher zweigen wir bald danach Richtung Payerhütte ab. Diese kleine Holzhütte ist museal dem Arktis- und Ortlererschließen Julius Payer gewidmet, der hier als militärischer Kartograph, Erstbesteiger und echter Forscher unterwegs war und sich in der dürftigen Unterkunft längste Zeit aufgehalten hat.

Oberhalb erstrecken sich noch knapp unter der Waldgrenze fantastische Lärchen-Zirben-Wiesen, neben den Gletscherschliffen gibt es sogar noch schön reife Preiselbeeren. Also “Arbeit” genug, und dazu sind wir gerade immer mehr am Rand der letzten Sonnenstrahlen, die von der Talkante der Zufallhütte herableuchten. Dazu noch Lärchengold und erste Schatten, vom hohen Grat im Süden leuchten die Eisfelder der selten besuchten Bergspitzen (u. a. Veneziaspitzen, alle über 3000 m hoch und völlig einsam, am ehesten von der Martellhütte zu erreichen, wo es ins Trentino nach Pejo hinübergeht – lauter Sehnsuchtsorte…).

Unser Querweg mündet zum Glück in den Hüttenweg der Zufallhütte, wir müssen uns aber schon im langsamen Dämmerlicht an den Abstieg machen – zum Glück haben wir das Gipfelpanorama von dort oben mit Cevedale und Madritschspitzen schon 2006 im Juni und 2011 im Oktober genießen können:

Herunter herrschen nun schon die Schatten, aber einzelne Lärchen leuchten trotzdem noch golden auf (wie im Oktober 2017 im Ultental zum Weißbrunnersee), die Herbststimmungen können zwar nicht die Blumenpracht des Frühsommers ersetzen, entschädigen aber doch in dieser späten Jahreszeit. Letzter Rückblick dann unten beim Zufrittsee, bevor wir an den zahlreichen Beerenobstplantagen vorbei durchs Martelltal hinaus zum Vinschgau gleiten, und zufrieden sind wir auch, hat doch unsere späte Wanderung auch noch mehr als zwei Stunden gedauert, länger ging´s wegen der einbrechenden Finsternis ohnehin nicht. Wieder gut in Lana gelandet, nach 203 Fahrkilometern, und nur mehr zwei “Lanatage” vor uns….

Wenn die sommerliche Hitze über den tiefliegenden Talkessel von Bozen hereingebrochen war, haben sich die begüterten Bewohner bergwärts in kühlere Gefilde begeben und auf dem Ritten ihre Sommerhäuser bezogen. So ist auf dem hoch gelegenen Plateau, zwischen Sarntal und Eisacktal und dem sanften Rittener Horn vorgelagert, eine ganz einmalige Kulturlandschaft entstanden. Eine Mischung von Bergbauernfluren und oft architektonisch auffälligen Feriensitzen, und dorthin kam man bis in die 1960er Jahre nur auf Saumwegen oder mit der Rittenerbahn.

Weil wir bei unserem heurigen Aufenthalt in Lana immer wieder vor allem neue Ziele aufsuchen wollten, war natürlich der Ritten ein bevorzugter Ausflug. Wie immer etwas voreilig, wählten wir am Mittwoch (26. September) zur Auffahrt dorthin die gut ausgebaute, aber auch viel befahrene Bergstraße statt der nostalgischen Reise mit der neuen Rittenseilbahn nach Oberbozen und mit der historischen Straßenbahn bis nach Klobenstein. Allerdings waren wir dadurch flexibler und konnten die Seilbahn zur Schwarzseespitze, dem vorgelagerten Gipfel des Rittener Horns, ganz einfach erreichen. Aber vorerst ging es nach Lengmoos bei Klobenstein, denn dort wartete der erste Panoramaweg auf uns. Vom großen Parkplatz, wo gerade Markt stattfand, konnten wir uns die Richtung der Rundwanderung aussuchen. Anfangs durch noch recht kühlen Schatten zu den Erdpyramiden – eigentlich nur ein Aussichtspunkt auf diese am Ritten mehrfach auftretende Naturerscheinung mit ganz großem Abstand. Ebenso zeigte sich später der Schlernblick, alles nur Vorgeschmack auf den Panoramweg am Rittner Horn, immerhin haben wir schon eine gute Wanderstunde hinter uns…

Mittags sind wir dann bei der Talstation der Rittnerhorn- Gondelbahn und kommen mit zunehmender Aussicht, noch dazu bei ganz klarem Wetter, ganz bequem bis über 2000 m auf der Schwarzseespitze. Bei den kahlen herbstlichen Wiesen hat sich der Aufstieg zum Horn nicht gelohnt, bei der Blütezeit hätten wir wohl nicht darauf verzichtet… Der Glanzpunkt bei den herbstlichen Verhältnissen ist hier heroben der breit ausgebaute Panoramaweg. Zuerst geht es vorbei an einer Aussichtstribüne südlich bergab, dann wendet sich die Route in weitem Bogen wieder zur Höhe und erreicht die Bergstation von Norden her. Der Schwarzsee entpuppt sich (wie so oft in Schigebieten) als großer Speicherteich, zumindest wurde in einen solchen verwandelt. Die Ausblick sind aber auf jeden Fall gigantisch, wenn auch die Panoramabilder im Blog nicht so voll zur Geltung kommen.

Gegenüber jenseits des Eisacktals die westlichen Dolomiten mit Langkofelgruppe und Seiseralm, dahinter aufragend die eisige Marmolata, links davon gegen Nordosten vermuten wir die Zillertaler Alpen und Hohen Tauern (Venedigergruppe):

Gegen Süden schwenkt der Blick von den Dolomiten über das im Dunst verblassende untere Etschtal hinweg nach Südwesten mit dem Horizont der vergletscherten Adamellogruppe und der schärferen Presanella, anschließend muss dort noch ebenfalls mit seinem hohen Gletscher der Ortler aufragen:

Im Nordwesten schließt an die Talfurche des Vinschgaues die Texelgruppe an, und wir sehen auch hinüber zu einer unserer letzten Touren im Gebiet von Meran 2000:

Die Latschenfelder gehen in der niedrigeren Schleife an der Ostseite des Berges in wunderschöne Zirbenbestände über, dazwischen sind immer wieder flachmoorige Riedgraswiesen und steinige Lichtungen eingelagert. Mit der allmählich sinkenden Sonne werden die Lichtverhältnisse nicht besser, aber da sind wir schon wieder bei der Bergstation und gondeln hinunter zum Parkplatz. Für das “richtige” Erleben des Ritten müsste man natürlich nicht ins Auto steigen und herumfahren, sondern ganz einfach über diese traumhafte Landschaft dahinwandern. Vielleicht gelingt ins das im Mai 2020 (schon in Lana gebucht) zur Hauptblütezeit. So machen wir uns an die Talfahrt, wobei einzelne faszinierende Ausblicke nicht jedesmal mit einem Fotohalt eingefangen werden können. Trotz des starken Verkehrs kommen wir bald zurück ins tiefe Eisacktal und fahren nach Bozen hinein. Da herrscht erst ein Verkehr, und vor allem die Parkmöglichkeiten sind ein riesiges Problem! Wir finden endlich einen Platz an der Straße ins Sarntal (bzw. nach Jenesien) und machen noch einen ausgiebigen Stadtbummel, sogar mit Einkehr am Waltherplatz und Stop am Obstmarkt. Bei der Rückfahrt über Siebeneich (auf der Staatsstraße), bis wir in die MeBo (Schnellstraße) einbiegen können, muss man dann schon froh sein, dass alle Kreuzungen gut überstanden sind. Trotzdem kann uns das nicht davon abbringen, am nächsten Tag eine weite Fahrt in den Vinschgau zu unternehmen. Beim letzten Bild von der Talferpromenade (an dem aus dem Sarntal kommenden Wildbach) strahlt hinter dem Schloss Maretsch schon der Rosengarten im späten Licht, das allerdings noch nicht zum sagenhaften Alpenglühen reicht…

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