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Für einen “Haupturlaub” – wie jedes Jahr zumindest einmal ins mediterrane Gebiet – gibt es neben der selbstverständlichen Planung auch immer eine Menge Wünsche oder spezielle Vorhaben. Heuer war in Mittel- bis Süddalmatien neben dem Schwerpunkt Natur auch das Kulturerlebnis im Vordergrund – Trogir und Split, Dubrovnik schon wegen des Touristenrummels weniger. Aber erstens kommt es meistens etwas anders und anders als man denkt…

So etwa war die Tour zu den Karstlandschaften an der Bosnischen Grenze mit Imotski überraschend. Anderseits blieben die Besichtigungen von Trogir und Split auf der Strecke, ebenso eine Fahrt zur Insel Hvar. Die näher liegende und von Makarska direkt mit der Fähre erreichbare Insel Brac war dann der Höhepunkt unseres Urlaubes! Rechtzeitig beim Hafen im Kiosk der Jadrolina erkundigt und am Vorabend die Plätze für Hin- und Rückfahrt mit der Autofähre gebucht. Das Wetter versprach bestens zu werden!

Freitag, 24. Mai: Rechtzeitig vor der Abfahrt um 9 Uhr an der Fähre zu sein, stellte sich als einfach heraus. Zwar ist die Verkehrsführung in der Altstadt von Makarska und besonders am Hafen recht “speziell”, aber für das Einfahren gibt es eine eigene Wartespur, und wir hatten auf der Fähre auch fürs Ausfahren einen günstigen Platz, weil wir nicht zu früh dran waren. Neben den zur gleichen Zeit startenden Ausflugsschiffen ging es aus dem Hafen hinaus, schöner Rückblick auf das von Palmen gesäumte Hafenkai. Während der ca. 3/4 Stunde dauernden Überfahrt zeigt sich natürlich der Gebirgszug des Biokovo in voller Größe, und Richtung der südlichen Gipfel (am Vortag bei Drvenik und Selo) glitzerte das Meer im strahlenden Sonnenlicht. Dann war auch schon Sumartin erreicht, der Landehafen auf der Insel Brac.

Unsere Tageseinteilung war – zuerst auf den höchsten Gipfel, dann nach Bol zum berühmtesten Punkt der Insel “Goldenes Horn, restliche Zeit dort für Aufenthalt und rechtzeitige Rückfahrt, insgesamt fünf Stunden. Daher ließen wir uns nach Ausfahrt von der Fähre nicht zu viel Zeit und folgten gleich der Hauptstraße, die zügig den Berg hinaufführt. Bald ist eine Art Hochebene erreicht, die den Großteil des Inselinneren einnimmt – übrigens ist Brac die flächenmäßig größte Adriainsel. So nachgelesen und auch über die Route mit Karte und Wanderführer erkundigt. Diese Höhenlandschaft ist selbstverständlich ziemlich verkarstet, Buschwald und Heiden überwiegen. Der nächste Ort nach den vom Fährhafen aufsteigenden ufernahen Siedlungen heißt Gornji Humac, also schon vom Namen her Berglage. Um die Kirche scharen sich die Häusergruppen, Einkehrmöglichkeiten an den sich hier verzweigenden Straßen. Wir werden später zurückkommen und nach Bol hinunter ans Meer fahren. Zunächst aber gilt es dem Vidova gora, dem höchsten Berg der Insel Brac und damit auch von allen Adriainseln. Von Bol hätte ein Wanderweg hinaufgeführt, etwa drei Stunden, aber für einen Tagesausflug zu lang. Zum Glück gibt es auch eine Straßenzufahrt – zuerst auf der Hauptstraße durch einsame steinige Gegend Richtung der Westküste mit dem bekannten Ort Supetar (Fährverbindung mit Split). Es gilt nur, die Abzweigung nicht zu versäumen! Aber wie fast überall – gute Straße und gute Beschilderung, die Seitenstraße zum Gipfel windet sich durch niedrigen Nadel- und Buschwald mit einzelnen Lichtungen und endet auf einem großen Parkplatz. Sogar die Reisebusse fahren bis dort hinauf, also eigentlich kein richtiger Gipfel – trotzdem ein wunderschönes Erlebnis, denn einen solchen Ausblick haben noch selten genossen (am ehesten noch von der Ucka in Istrien).

Der “Teleblick” hinab zur Küste bei Bol zeigt die einmalige Naturerscheinung des Zlatni rat – das “Goldene Horn”. So wird die halbinselartig ins Meer vorspringende Kieszunge genannt, die je nach Meeresströmung und vorherrschenden Windrichtungen nach gegensätzlichen Richtungen weist, eine “Mondsichel” aus feinem Kies, von kristallklarem und in allen Blautönen schimmernden Meer umsäumt, ein außergewöhnlich einzigartiger Strand! Wir sind auf die Felskante des Gipfels gestiegen und streifen dann noch durch die Lichtungen, wo wir (wie bei der Weiterfahrt) neben unauffälliger Flora sogar oder nur zwei Orchideenarten finden.

Bis zurück nach Gornji Humac nehmen wir, unterbrochen von Blumenstops, die Zufahrtsstrecke als einzige Möglichkeit. Dann geht es Nähe des hochgelegenen Flugplatzes südwärts zum Bergrand und die eindrucksvolle Steilküste in scharfen Kurven hinab zum flachen Küstenstreifen von Bol. Dieser bekannte “Schicky-micky-Ort” bleibt abseits, die Wegweiser führen uns weiter zu einem großen Parkplatz beim Zlatni rat. Zum Glück sind wir in der Vorsaison da und bei angenehmen ‘Temperatur, in der Parkgebühr sind sogar überdachte Stellplätze inkludiert, die man aber nur zu dieser ruhigen Zeit finden wird können. Durch einen Pinienwald geht es dann hinab zur “Kieszunge” des Goldenen Horns, wirklich ein überwältigender Küstenplatz – im Rücken ragen die Steinfluchten des Vidova gora 780 m hoch in den – wie das Meer tiefblauen – Himmel. In Gegenrichtung weist der doppelseitige Kiesstrand hinaus ins Meer zu der ggenüberliegenden niedrigen Insel Hvar und der darüber ragenden ferneeren Insel Korcula. Unglaublich ist das Panorama über 360 Grad (wenn es gelingt), an beiden Enden ragt das Bergmassiv, dazwischen die Kiesfläche mit dem beiderseitigen Meer, auf dem etliche Schiffe vor Anker gegangen sind.

Liegen und Caféplätze sind noch spärlich besetzt, lagern könnte man bei dieser mäßigen Temperatur und fast andauerndem Sonnenschein bestens, für Baden ist das Wasser aber noch zu frisch. Wir nützen diesen einmalig schönen Platz für einen ausgiebigen Spaziergang und fahren anschließend westwärts die Küste entlang. Die Nebenstraße zieht relativ hoch am Hang dahin und passiert dabei die Häusergruppen der verstreuten Ortschaft Murvica. Ein extravagantes Ziel wäre – neben dem weiter entfernten Höhenkloster Blaca – ein Höhlenkloster mit alten Steingravuren, der Wegweiser zeigt die Abzweigung zu diesem eine Stunde bergwärts versteckten Kuriosum. Wir verzichten leicht darauf, erstens wegen der inzwischen ganz schön gestiegenen Temperaturen am kahlen Sonnenhang und weil ich gelesen habe, dass der Zugang versperrt ist. So halten wir ausgiebige Mittagsrast (eigentlich Tagesrast) an einer geeigneten Stelle mit phantastischem Blick über die Küstenlandschaft.

Einzelne einsam gelegene Landhäuser stehen verstreut in dieser exklusiven Landschaft, zwischen Oliven- und Weingärten geht es hinunter zum sicher etwas steilen Strand. Jedenfalls traumhaft, sodass uns nur der Blick auf die Uhr wegen der rechtzeitigen Rückfahrt zur Fähre verabschieden lässt. Zurück über die tolle Aussichtsstraße von Bol hinauf zur Hochfläche und diese entlang, wobei wir noch einen kurzen Halt an einer aufgelassenen Schafhalde machen – unglaublich blumenbunt! Dann geht es die Kehren hinunter nach Sumartin, gerade rechtzeitig zum “Einschiffen” – diesmal soll ich im Retourgang in die Fähre hineinfahren, aber ich brauche nur – hopphopp – retour zu fahren, das Lenken übernimmt der daneben hergehende und ins Lenkrad greifende Schiffsmann, kann mir nur recht sein… Die Rückfahrt ist auch noch wundervoll, das im späteren Licht glitzernde Meer, die zurückbleibende Insel Brac als herrliche Erinnerung und vor uns das Küstengebirge mit dem Biokovo, bis wir wieder im Hafen von Makarska anlanden. Als Krönung dieses Supertages gibt es nach dem Abendbuffet wie auf Bestellung noch einen fulminantes Abendrot!

Obwohl uns schon bei der Vorbereitung unseres Urlaubs an der Makarska-Riviera auffiel, dass der berühmte Wallfahrtsort relativ nahe gelegen ist, gab es doch mehrere Gründe für die Fahrt dorthin. Am entscheidendsten dafür war, dass Anni bereits vor rund 30 Jahren, also in der Anfangszeit dieses nun weltberühmten Pilgerorts, mit ihrer Freundin Dorli dort gewesen ist. Damals war Medjugorje noch ein kleiner, eher armseliger Ort irgendwo in Bosnien-Herzegowina. Sie nächtigten privat bei einer Familie, und rund um die Kirche erstreckten sich nur Wiesen und Felder. Immerhin haben sie den Kreuzberg und den Erscheinungsberg bestiegen, alles noch ohne die heutige touristische und auf die Millionen Pilger ausgerichtete Erschließung.

Am Sonntag, 26. Mai, von Makarska durch den Biokovo-Tunnel zur Autobahn und auf dieser südwärts Richtung Dubrovnik, bis sich die Strecke gabelt und der Zubringer nach Bosnien (Mostar, Sarajevo) der Grenze zustrebt. Dort kurzer Stau, wir waren auch nicht unschuldig daran, denn die Grüne Karte (Versicherung) erst suchen  und dann wegen Ablaufdatum noch aktualisieren müssen… Von der toll ausgebauten Autobahn geht es dann, den zahlreichen Wegweisern zum prominentesten Ziel der Gegend nach, gleich auf einer Rumpelpiste durch eine lange Baustelle nach Medjugorje. Anni staunt nicht schlecht, wie sich hier alles verändert hat – Hotels, Betriebe, Geschäfte, ganz neu oder noch nicht fertig oder im Rohbau steckengeblieben. Die Sonntagsmesse dürfte gerade aus gewesen sein, wie wir an Gesang und Glockenklang vernahmen, daher Stau zum Parkplatz. Typisch übrigens für die Lage der Menschen in Medjugorje – Zufahrt in ein Baugelände mit halbfertigem Haus, dort Privatparkplatz um zwei Euro die Stunde, für den Besitzer eine sichere Einnahmsquelle (zumindest an belebten Tagen). Wir gehen gleich weiter zur Kirche und behalten die etwas dichter werdenden Wolken im Auge, denn es dürfte bald zu regnen beginnen…

Der Ortsname Medjugorje bedeutet eigentlich “Zwischen den Bergen”, es liegt in einem welligen Hochland am Fuß eines nicht gerade hohen verkarsteten Bergrückens, allerdings erblickt man im Norden die weiter entfernten Gipfel des Dinarischen Gebirges, noch tief mit Schnee bedeckt. Für die Vorgeschichte des weltweit größtes Interesse anziehenden Pilgerortes gibt es einen Hinweis – 1934 wurde von den Einwohnern unter Führung des damaligen Pfarrers auf dem 520 m hohen nahen Berg Sipovac zum Gedenken an den 1900 angenommene Jahre zurückliegenden Kreuzestod Jesu Christi unter größten Mühen ein riesiges Kreuz errichtet, das sogar als Reliquie einige originale Kreuzpartikel enthält. Fünfzig Jahre später kam es dann zu den nicht unumstrittenen Marienerscheinungen, die Medjugorje neben Lourdes zum weltweit bekanntesten Wallfahrtsort machten. Die Informationen im Internet sind überaus reichhaltig, immer noch werden die Aussagen der “Seher” regelmäßig verbreitet, im digitalen Zeitalter umso nachhaltiger. Positiv anzumerken – wovon man auch wirklich berührt wird – ist die Atmosphäre des Glaubens, einer höchst lebendigen Religiosität und das Leitmotiv “Frieden für alle Welt” (mehr dazu möchte ich nicht anmerken, obwohl ich als Buchautor mich ja intensiv mit dem Pilgern beschäftigt habe). Im Vergleich zu unserem Mariazell, das eigentlich nicht mit Medjugorje vergleichbar ist, allein schon von der Tradition und Geschichte her, geht es hier nicht ums gehende “Wallfahrten”, sondern um “Pilgerfahrten”, weltweit organisiert mit Flügen und Bussen. Der Wallfahrtsort ist zugleich ein Tourismuszentrum geworden, in dem es aber vor allem um die Betreuung und Unterbringung der Menschenmassen (eine Million pro Jahr) geht. Kommerz und Kitsch gibt es selbstverständlich auch im Übermaß, aber da ist ja Medjugorje keine Ausnahme…

Nach dem Besuch der Kirche machen wir noch einen kurzen Rundgang – das Areal hinter der Basilika (?) riesengroß und leer, ein kleines Gebäude zeigt an seinen Wänden die Geschichte, wessen Grab wohl so intensiv beschmückt ist (? nicht der Name eines Zeugen), alte Geschichte in der Erinnerung an die Ustascha (nationalsolzialistische Organisation Kroatiens, die auch in die Kärntner Geschichte hineinspielt), der “Mahnstein” beim Friedenskreuz auf dem Erscheinungsberg. Dorthin begaben wir uns anschließend….

Für den hohen Kreuzberg reichten Wetter und Zeit nicht, aber wir fanden einen weiteren Parkplatz im Gewirr von Lokalen, Geschäften, Hotels und Pensionen bei einem neu wirkenden Nonnenkloster am Ausgangspunkt zum sogenannten Erscheinungsberg. Den normalen Aufstieg nahmen wir später bergab, nun ging es gleich steil über von der rötlichen Erde etwas rutschigen Steinstufen zwischen Gebüsch und felsiger Heide hinauf zum Blauen Kreuz. Jeder dieser Punkte hat seine besondere Bedeutung, und Scharen von Besuchern oder mehrheitlich Pilgern stiegen hier hinauf, manche mühsam humpelnd, sogar mit Krücken und nach auffallendem Brauch – barfuß! Immer wieder hört man Gesänge, Betrachtungen durch die Pilgerbegleiter und vor allem Rosenkranzgebete.

Alte Menschen und Jugendliche vereinigen sich hier in offensichtlich tiefem Glauben, und sicher kommen viele Menschen in grenzwertigen Lebenssituationen hierher, um Fürbitte und Trost bemüht und darauf vertrauend. Wer so etwas nicht selbst erlebt hat, kann nicht so leicht das alles mit- und nachempfinden (unsere Familie war in den 1980ern in Mariazell selbst betroffen, also weiß ich, wie es einem und worum es dabei geht). Verboten ist auf dem Erscheinungsberg – wie überall in diesem Gelände – selbstverständlich offenes Feuer (Kerzen) und das Anbringen von Schriften und dergleichen. Trotzdem sieht man immer wieder Erinnerungsstücke, wie oben gezeigt. Eine besonderes “Denkmal” sind die von einem italienischen Künstler angefertigten Bronzereliefs mit Motiven des Freudenreichen und des Schmerzhaften Rosenkranz von 1989 bzw. 2004, wir begegneten ihnen durch die andere Richtung des Aufstiegs in sozusagen verkehrter Reihenfolge:

Nach wirklich anstrengendem Dahintappen auf den vertretenen Steinen – immerhin ohne Sonnenhitze und rutschig machender Feuchtigkeit – erreichten wir den “Erscheinungspunkt”, der seit 2004 mit einer überlebensgroßen Madonnenstatue versehen ist. Der Blick geht hinunter auf den Ort zur links im Bild erkennbaren Kirche, und Anni ist mit Dorli von dort noch über Wiesen und Felder zum Erscheinungsberg gegangen. Den Abstieg nehmen wir über den eigentlichen Aufstiegsweg, auch nicht viel sanfter, vorbei am Friedenskreuz mit dem Ausspruch der den Hirtenkindern erschienenen Gottesmutter.

Zurück beim Auto nahmen wir zuerst eine Stärkung in einem kleinen Cafe´, sehr gut und blitzsauber, anschließend fuhren wir (wie von unserem Parkplatzwächter empfohlen) auf der unbehinderten Hauptstraße zur Stadt Ljubuski, dann aber nicht zur Autobahn zurück, denn die Rückfahrt sollte über die Jadranska Magistrala entlang der Küste erfolgen. Also der Karte nach und mit viel Aufmerksamkeit für die Wegweiser: Durch ein freundliches Tal mit dem berühmten Wasserfall Kravica zur Stadt Capljina, bereits am großen Fluss  Neretva gelegen. Am gegenüberliegenden Ufer der sehr belebten Gegend mit vielen Betrieben, Wohnsiedlungen und Landwirtschaftsflächen ging es zur Bosnisch-Kroatischen Grenze mit nachfragender Kontrolle (weil viele Kroaten im billigeren Bosnien einkaufen, Zentrum ist die Stadt Neum, vor allem geht es um Zigaretten). Gegenüber von Metkovic (nahe bei Vid hätte es die antike Stätte Narona gegeben) waren wir schon im flachen Gebiet der Neretvamündung mit der Stadt Opuzen, hier ein kleiner Verhauer Richtung Dubrovnik mit rechtzeitiger Umkehr in steiler Küstenlandschaft. Unser nächster wichtiger Punkt war die Hafenstadt Ploce, allerdings abseits der Hauptstraße gelegen. Diese wand sich jetzt, unter unserer Beachtung nicht auf die Autobahn zu kommen, den Berg hinauf, wo es eine einmalige Sehenswürdigkeit gibt – die sieben Seen von Bacinska, scheinbar hoch im felsigen Gebirge, aber teils tiefer als der Meeresspiegel gelegen! Leider hatte es inzwischen zu regnen begonnen – allerdings zum Glück erst so spät, denn in Medjugorje wären wir bei einem solchen Wetter schlecht dran gewesen. So verlief die Küstenfahrt an der südlichen Makarska-Rieviere, mit dem interessanten Ort Gradac leider wenig spektakulär, wenn man von den wunderschönen Berg- und Küstenszenen absieht, außerdem waren wir schon über 200 km unterweg, also schön langsam Zeit für Ankunft und Entspannung im Hotel…

Die Makarska-Riviera zieht etwa 60 km von Omis bis Gradac das Küstengebirge entlang, neben anderen hohen Massiven sticht besonders der Biokovo bei Makarska aus der eindrucksvollen Silhuette. Zwei große Flüsse durchbrechen die Bergmauer, der (oder die) Cetina und die aus Bosnien kommende Neretva. An der Küste reihen sich die aus Fischerdörfern entstandenen Tourismusdestinationen. Den nördlichen Abschnitt mit Baska Voda und Brela hatten wir schon als kurzen Abstecher erkundet und waren nicht sehr angetan davon. Alles relativ dicht verbaut am Steilhang, enge Zufahrten und restriktive Fahr- und Parkverbote (wenn man nicht dort Gast ist). Sicher hätten wir auch noch interessante Orte besuchen sollen (vor allem Omis), aber am vierten Urlaubstag, Donnerstag 23. Mai, wollten wir uns die südliche Strecke anschauen, vorbei an Tucepi, in dessen Richtung wir ja schon auf dem vorgelagerten Osejava gewandert waren.

Die Küste ist dort zwar mit vielen kleinen Buchten gegliedert, der Anstieg gegen die südlichen Ausläufer des Biokovomassivs erfolgt aber eher direkt bis rund zur Tausenderhöhe der immer wieder hervortretenden Felsmassen (es gibt auch keine Straße ins Hinterland, außer den Zubringer von Makarska oder Tucepi Richtung Autobahn bei Vgorac). Wie Baska Voda und Brela liegen die Badeorte unterhalb der kurvigen gut ausgebauten Jadranska Magistrala, der einst fast gefürchteten überlasteten Küstenstraße, deren Hauptverkehr durch die Autobahn abgelenkt wurde. Von Podgora und Igrane bekommen wir also nicht viel zu sehen. Gradac lockt zwar mit dem längsten Strand, ist aber noch weiter entfernt (da könnte man gleich zu den phänomenalen Bacinska Seen bei Ploce fahren, leider nicht unternommen…).

Die Hinweistafel zur Fähre auf die Insel Hvar, erst im Vorbeifahren bemerkt, ließ uns umkehren und nach Drvenik hineinfahren (hatten schon den Ausflug nach Hvar geplant, aber nicht mehr dazu gekommen). Dieser kleine und vor allem autentisch wirkende Küstenort hat uns mehr beeindruckt als die berühmteren Destinationen – erstens ein geräumiger Parkplatz (mit geringer Gebühr, aber leer), zweitens die Hinweistafel “Lungomare”, also Strandpromenade… da mussten wir hin! Vorbei an gerade in Saisonvorbereitungen begriffenen Konobas und Pensionen ging es rechts von der Hafenmole zu einem Betonsteig am felsigen Strand. Dieser (vom Beton abgesehene, aber wie sollte er sonst in den Klippen angelegt sein?) hübsche Weg verlief rund um die nördlich von Drvenik gelegene, mit Pinienwald bestandene Halbinsel. Weiter oben war ein Fittnesspfad angelegt, anscheinend auf der ganz alten Küstenstraße, und dort gab es wunderschöne Lichtungen mit üppiger mediterraner Flora. Also was hätte uns Besseres passieren können!

Nach diesem angenehmen Spaziergang wollten wir das Gegenstück zum Strand erleben, daher hinauf auf den Berg. Ein altes Kloster hätte uns gelockt, aber eine Abzweigung zu früh genommen – und schon ging es in steilen Kehren irgendwohin – jedenfalls schmal, aber sogar asphaltiert, den Hang hinauf. Jede Kurve erweiterte die Aussicht, und bei einer Wegkreuzung war genug Platz zum Parken, um zu Fuß weiterzuwandern. Der linke Seitenweg führte uns in der Zone des am schönsten blühenden Ginsters und mit blumenbunten Böschungen nordwärts auf einen Felskegel zu, von dem ein kleiner Weiler unter einer mit wehender Fahne gekennzeichneten Burg herabblickte – Selo genannt. Das Dahinbummeln war bei dieser Blumenpracht und der herrlichen Aussicht über das Meer zu den Inseln Korcula und Hvar einfach genussvoll, allerdings bei zunehmender Mittagshitze (wie in unserem Adriatief-Urlaub gar nicht gewohnt). Also ließen von hohen Ziel ab, wohl auch um eventuellen Fußbeschwerden vorzubeugen, besichtigten aber eine schön hergerichtete und leider noch unbewirtschaftete “Bergeinkehr” namens Kosirisce. Die Kapelle davor zeigte gleich den Familiennamen, denn jede dieser kleinen Bergsiedlungen scheint nur von einer Sippschaft bewohnt zu sein.

Der Rückweg war durch ein frisches Lüftchen sogar ganz angenehm, vor allem hatten wir uns mit den ersten reifen Maulbeerfrüchten stärken können. Trotz kurzem Stau wegen einem Unfall auf der Magistrala war auch die Rückfahrt angenehm. Am späten Nachmittag hatten wir auch etwas vor, nämlich zum Hafen zu bummeln und uns dort die Tickets für die Fähre nach Brac zu besorgen. Aber das ist, wie es so üblich heißt, einen andere und in diesem Fall die nächste Geschichte…

Wenn mir ein Ortsname noch nie untergekommen ist, trifft das auf IMOTSKI zu. Aber am 22. Mai d. J. waren wir dort und haben die Natursehenswürdigkeiten dieser Gegend im Dinarischen Gebirge aufgesucht – teils echt “gesucht”. Aber nun dazu, wie wir überhaupt auf dieses Ziel gekommen sind.

Wie an den meisten Urlaubsorten wird auch in Makarska im Hotel Meteor eine Reihe von Ausflügen angeboten, ebenso bei den Argenturen und Tourismusbüros. Unter Ausflüge aus Makarska heißt es: Blauer und Roter See von Imotski. Auch bei der Autobahnzufahrt war mir ein solcher Hinweis schon aufgefallen. Zuerst galt es, den Ort überhaupt zu finden – im Web heißt es so: 80 km von Split, 30 km von der Adria (aus Richtung der Makarska-Riviere also), 7 km von den Bosnischen Grenze. Allein das war so interessant, dass wir uns gleich am dritten Urlaubstag dorthin aufmachten, denn das Hinterland wollten wir ohnehin kennenlernen.

Obwohl der Natur unser hauptsächliches Interesse gilt, lohnt es sich, über einen (für uns) so weltfernen Ort näher zu beschreiben, noch dazu weil er seit dem Wiener Kongress 1814/15 zur Österreichisch-Ungarischen Monarchie (Kronland Dalmatien) gehörte, übrigens bis zum Ende des 1. Weltkriegs, also ein gutes Jahrhundert gar nicht so ferner Geschichte!

IMOTSKI: Schon in urgeschichtlicher Zeit besiedelt, lag Imotski (mit dem veralteten, wohl altösterreichischen Namen “Eimot”) als Reisestation an der Verbindungsroute der Römerstädte Salona (bei Split) und Narona (am Neretvadelta). Um 850 soll eine zu Byzanz (Ostrom) gehörende Festung “Emotha” bestanden haben. Sie wurde 1493 von den Türken erobert, und die beherrschende Festung erhielt den Namen “Topana” (türkisch top hana = Waffenmagazin). 1717 kam Imotski wie viele Gebiete Dalmatiens an Venedig, das 1809 von Napoleon unterworfen wurde, und danach  zu Österreich. Die Stadt liegt hoch an einem Berghang unterhalb der Festungsruine Topana mit weitem Blick über das fruchtbare Karstbecken des Imotsko Polje, über die Berge dahinter (nordöstlich) verläuft bereits die Grenze zu Bosnien-Herzegowina (dorthin anscheinend lebhafter Verkehr).

Wir hatten den Blauen und Roten See als Kuriosum im Karstgebiet eingeschätzt, vielleicht als ein Bergwerksrelikt. Aber das hat sich als Irrtum erwiesen – in diesem Gebiet des Dinarischen Gebirges gibt es trotz der Verkarstung (vor allem der Berghöhen) überraschend viele und sogar große Seen. Die beiden Seen bei Imotski sind aber Einsturzdolinen, entstanden durch Einbruch von unterirdischen Hohlräumen mit enormer Wassertiefe und Felswänden als Umrahmung.

Zum Blauen See: Makarska hat durch den Biokovo-Tunnel eine für Ausflüge auch ins Landesinnere günstige Lage. Wir kreuzten bei Zagvozd die Autobahn und kurvten über den nächsten Karstrücken hinweg in das Imotsko Polje, ein langgezogenes ebenes Tal mit viel Grün inmitten der kargeren Bergumrahmung. Dieses querend ging es nach Imotsko hinauf und den Wegweisern folgend durch das verwinkelte Stadtgebiet zum “Modro jezero”. Das Ausflugsziel – sogar als Badestrand – muss sehr beliebt sein, an der Menge der vor dem Eingang bei einem Restaurant parkenden Autos zu schließen. Eine freundliche Geschäftsfrau wies uns auf die strengen Polizeikontrollen beim Parken hin, und eine junge Familie, die gerade vom See heraufkam, schenkte uns sogar die Eintrittskarten, also lauter Freundlichkeit. Aber es gab auch ein kleines Missgeschick – beim Öffnen der Heckklappe, rutsche uns der Kroatien-Führer heraus und sauste wie ein Blitz die abschüssige Straße hinunter, wie verschwunden! Allerdings fanden wir ihn dann, bei einem Autoreifen hängen geblieben und beim Start diese Autos völlig zermerschert… Aber sonst alles bestens, luftiges Wetter mit Wind und einigen Wolken und vor allem nicht heiß!

Zum Blauen See geht es entschieden bergab, auch direkt von der Festungsruine, mit tollen Tiefblicken und auf einem ausgebauten Weg, der anlässlich eines Besuches von Kaiser Franz Joseph angelegt worden sein soll! Die Felshöhe rund um das wirklich tiefblaue Seeauge beträgt zwischen 400 und 900 m, der Durchmesser des riesigen Kraters etwa 600 m, die Wassertiefe ist bei reichlicher Füllung 100 m! Allerdings abhängig von Jahreszeit und Niederschlägen und der Masse der Karstwasser – in der Sommerzeit kann er auch völlig austrocknen, und dann findet auf seiner Grundfläche traditionell ein Fußballspiel statt!

Wir wanderten auf dem promenadenartig ausgebauten (und gerade auch ausgebesserten) Weg zu einem tollen Aussichtspunkt und dann in weiten Kehren bis hinunter zur tiefsten Etage des Zugangs, wohin die badelustigen Besucher auch gehen, immerhin soll der Höhenunterschied 300 m betragen. Neben dem Steinweg bedeckt eine dichte mediterrane Vegetation die Hänge, sicher mit Spezialitäten der Felsfluren, die uns aber nicht so recht “ins Aug sprangen”…

Der Rote See – Crveno jezero: Schon bei der Zufahrt hatten wir den Wegweiser dorthin bemerkt, aber wegen der verwinkelten Straßen und Einbahnen in der engen und steilen Altstadt machten wir vorher eine unfreiwillige Rundfahrt durch Imotski. Sicher hätte sich auch ein Herumbummeln gelohnt, aber wir wollten ja noch weiter! Endlich auf der richtigen Ausfahrt, und schon standen wir am Parkplatz über – ja, richtig über – dem Roten See. Benannt nach der rötlichen Felsumrahmung gilt dieser vor 2 Millionen entstandene Seekrater als größte wassergefüllte Einsturzdoline der Welt! 250 m unzugänglich unten gelegen, misst die Wasseroberfläche im Durchschnitt 200 m, Tiefe beträgt ca. 280 m und soll relativ konstant sein. Bei Forschungen durch Taucher wurde nämlich in 170 m Wassertiefe ein großer Zufluss entdeckt, außerdem fanden sie dort zwei endemische (nur dort vorkommende) Fischarten vor.

Nach dem Tiefblick ließ der Ausblick etwas Besorgnis aufkommen, wie der Blick zum fernen Biokovo zeigt. Tatsächlich begann es bei der Weiterfahrt auf der bis hierher benutzten Bergstraße etwas zu regnen. Wir machten trotzdem einen kurzen Stop, um nach Blumen Ausschau zu halten, fanden aber keine Besonderheiten, immerhin waren wir hier der Bosnischen Grenze schon sehr nahe. In Fortsetzung dieser Route wären wir zum grenznah gelegenen Ort Ricice gekommen – leider vorher abgebogen ins unsere geplante Ausflugsrichtung. Kleine Weiler drängten sich an den steilen Berghang, unten eine tiefe Schlucht mit hohen Felsbauten gegenüber – alles aus der Karte nicht zu ahnen. Wir bemerkten aber vor dem Jezero Ricice, der auch “Grüner See” genannt wird, einen Schüttdamm tief unten, den wir dann überquerten und mit Ausblicken auf den verzweigten See (anscheinend ein Fischerparadies) und ebenfalls wiesengrüne Umgebung des Ortes Ricice am Gegenhang uns in Kehren hinaufschraubten. Die nächste weitläufige Anhöhe war typisch für diese Karsthöhen – Steinböden, Buschwald, Felsgruppen. Bei einem Weiler stiefelten wir sogar nach Blumen suchend im Gelände herum, bevor es durch Waldgebiet hinunter ging in das nordwestliche Imotsko Polje, denn dort wartete ein weiterer See auf uns.

Der Prolosko Blato ist seit 1971 ein Schutzgebiet und gehört zu der am Hang nördlich von Imotski gelegenen Gemeinde Prolozac, die neben verschiedenen Dörfern und Weilern (teilweise nur von einer Familie bewohnt!) auch den Höhenort Ricice umfasst. Typisch – 1913 (also zur Zeit der Monarchie) hatte die Gemeinde rund 2000 Einwohner, jetzt sind es höchstens noch ein Viertel. Die Tal- und Flussläufe sind ebenso typisch für das Karstgebiet sehr verwirrend strukturiert: Der Bach Ricina speist den Rivice-See, fließt dann als Suvaj weiter hinunter in die Polje zum See von Prolosko, aus dem das Wasser nahebei als Silja herausfließt und später als Fluss Matica über die Grenze nach Bosnien entschwindet. Der Prolosko-See dehnt sich bei hohem Wasserstand weit über die Ebene des Imotsko Polje aus, schrumpft dann wieder und hinterlässt sumpfige Grasflächen – wohl ein Vogelparadies, wie wir an einer auf ferner Landzunge aufgereihten Kolonie oder Versammlung von Störchen bemerken konnten. An die kleine Felsinsel im zweiten Bild knüpft sich die Erinnerung an ein Kloster, das in den Türkenkriegen aushalten konnte. Die Informationen darüber sind recht spärlich, vor allem auch im sonst so hilfreichen Internet, wohl kann man über YouTube-Videos die ganze Gegend kennenlernen.

Wir fuhren als von der Berghöhe Rolozac (zwischen Ricice und dem weit tiefer gelegenen Prolosko-See gelegen) hinab in das am Hangfuß aufgereihte Dorf Prolozac, eine etwas lebhaftere und intensiver bewirtschaftete Ortsgemeinde. Dort leiteten uns Wegweiser hinaus in die flache nordwestliche Talebene, wo wir beim Ende des Asphalts zu Fuß auf einem Fahrweg weiter bis zum See gingen. Dieser Platz wird anscheinend gern aufgesucht, ein geschlossenes Gasthaus (?) steht dort, wo bald nur mehr Felsen den See begrenzen. Beim Rückweg kamen wir zwar den Störchen nicht näher, aber dafür ging es durch die an das grüne Überschwemmungsgebiet anschließenden Kulturflächen.

Insgesamt ein hübscher frühsommerlicher Eindruck, trotz mäßiger Temperatur (zum Glück!), der wein blühte gerade, und wir fanden am Wegrand sogar eine noch unbekannte Waldrebe mit blauen Blüten (Italienische Clematis?). Dann hatten wir genug erlebt, obwohl die Gegend geradezu fürs Erforschen sich anbot, und wir fuhren über die Berghöhe zur Autobahnquerung, durch den Tunnel zur Küste und zurück nach Makarska. Nach dem köstlichen (und noch gut vertragenen) Abendbuffet im Hotel gab es beim Strandspaziergang sogar noch einen romantischen Sonnenuntergang….

Das Küstengebirge entlang der ehemals jugoslawischen Adria (seit dem Bürgerkrieg der 1990er Jahre zu Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro gehörend) hat eine ganz typische Struktur, die dem Nordwest – Südost – Verlauf des Dinarischen Gebirges entspricht: Entlang der immer wieder verwinkelten Küstenlinie ragen mauerartig langgezogene hohe Kalkmassive auf (Velebit und Biokovo u. a.). Landeinwärts ziehen Hochebenen und weitläufige Karsttäler (Poljen) dahin, die im Nordosten vom Hauptzug des Dinarischen Gebirges an der Bosnischen Grenze begleitet werden. Die vorgelagerten Insel sind im Meer versunkene Bergketten. Besonders bei Starigrad-Seline und an der Makarska Riviere tritt das Gebirge ganz nah an die Küste heran, während etwa bei Zadar bis Sibenik ein flaches, teils hochebenartig gestaltetes Vorland auftritt.

Im Bild Makarska, zwischen dem Strand und den Felsaufbauten des Biokovogebirges erstrecken sich aus Verwitterungsschutt gebildete unterschiedlich steile Hänge, großteils bewaldet (durch Brandkatastrophen 2018 stellenweise verkohlt und nur teilweise wieder kulitviert, jedenfalls mit schwarzen Baumgerippen und frisch begrüntem Boden) oder mit alten, vielfach aufgelassenen und neu besiedelten Kulturterrassen). Direkt am Meer ragen die Kalkklippen eines abgesunkenen Bergrückens (als Gegenstück zu den vorgelagerten Insel von Brac und Hvar) aus dem Wasser. Eine davon ist die Halbinsel Sveti Peter, die Strand und Hafen von Makarska teilt, die andere zieht als niedriger Bergrücken bis gegen Tucepi, wo die weitere Küstenlandschaft bis gegen Ploce wieder weniger gegliedert ist. Dieses Gelände zwischen Makarska und Tucepi hat mit seinen schroff ins Meer abbrechenden Kalkfelsen und dem blumenreichen Blockwald auf seinem abgeflachten Rücken besonderen Reiz für Wanderer und Naturliebhaber. Es wird Osejava genannt und war das Ziel unserer ersten Wanderung.

Gleich von unserem Hotel Valamar Meteor ging es auf der Promenade zum Hafen, an dessen Ende sich das gleichnamige Hotel Osejava befindet. Dort führen Stiegen und die Zufahrt zu einer Wetterstation den Berg hinauf, wir hielten uns aber an die Klippen unmittelbar am Ufer und stiegen wie durch einen mediterranen Felsgarten zum Rand des Pinienwaldes hinauf. Dieses Stück ist so wunderschön, dass ich einige Tage später dort noch einmal nur zum Fotografieren herumstieg. An unserem Wandertag zeigt sich der Biokovogipfel wie zumeist (schon allein durch seine Lage unmittelbar am Meer mit 1760 m Höhenunterschied) ziemlich von Wolken verdeckt, aber für uns schien ganzen Tag voll die Sonne, und ein lüftiger Wand machte das Gehen zu einem wahren Vergnügen!

Im Gegensatz zum Nationalpark Paklenica und vor allem im Vergleich zur Insel Krk, wo tschechische Bergsteigervereine das Wegmarkieren übernommen hatten, sind die Bezeichnungen in Makarska leider nicht so perfekt. Vielleicht ausgenommen die Anstiege durch den Naturpark zum Biokovo hinauf und die so modern gewordenen MTB-Trassen. Hier konnten wir uns aber selbst bei wenig Aufmerksamkeit kaum vergehen, denn der teils promenadenartig ausgebaute Steig führt uns eigentlich unbeschreiblich malerisch in wechselnder Höhe die Küste entlang. Waldpassagen wechselten mit Abschnitten über die Klippenfelsen, dann senkte sich der Weg hinab zum Kiesstrand der Uvala (Bucht) Nugal, die von schroffen Felsmauern begrenzt wird. Bekannt ist dieser fantastische Platz als FKK-Gelände, wovon bei unserem Besuch allerdings nichts zu bemerken war (außer blödsinnigen und stillosen Farbbeschriftungen der unschuldigen Felsklippen). Eine Wandererin (später noch einige weniger mutige Touristen) kamen auch gerade hierhier, uns diese Dame stürzte sich (mit Bikini als Pseudokälteschutz?) in die glitzernd herangischtenden Fluten. Für uns bedeutete dieser Platz die Wende der Wanderroute, wir gingen ein Stück denselben Weg zurück und stiegen dann in wenigen Kehren durch den Pinienwald hinauf zum Höhenrücken.

Blumenbilder hätten wir während der ganzen Wanderung ohne Ende machen können, allerdings “nur” von der “gewöhnlichen” mediterranen Flora. Einzig auffallend waren relativ viele Exemplare von leider bereits verblühtem Violetten Dingel. Der Höhenrücken selbst wird von einem markanten Blockwald eingenommen, wo sich zwischen Pinien, Aleppokiefern und Zypressen (teils säulenartig, teils breit ausladend mit eigenartigen an Mammutbäume erinnernden Stämmen) immer wieder kleine Blumengärtchen einlagerten. Herrlich waren vor allem die massenhaft auftretenden “Knäuelglockenblumen” und der ebenso prächtig blaue Natternkopf.

Zum Schluss landeten wir wieder beim anfangs begangenen Klippensteig vor dem Hotel Osejava, weshalb ich von meinem zweiten Besuch dort noch ein paar Bilder einfügen werde. Am mittleren Nachmittag langten wir nach mehr als vier Stunden herrlicher Wanderung wieder im Hotel ein. Nach ausgiebigem Relaxen ging es dann auf die Suche nach einem Geschäft, wo ich das Kabel für den Akkuauflader unbedingt besorgen musste – sonst: kein “Saft”, kein Foto mehr, und das schon am Urlaubsanfang, eine Katastrophe. Zum Glück verwiesen mich mindestens fünf Befragte auf einen Baumarkt im oberen Ortsbereich, und die Ausgabe war ein “Klacks” – ein Kaffee an der Promenade wäre wohl teurer gewesen, und jetzt bin ich Besitzer von drei Akkukabeln (eines davon lasse ich gleich zur Sicherheit beim Autowerkzeug….)!

Die letzten Bilder waren von Samstag, 25. Mai.

Also am Sonntag, 19. Mai, gut für den heurigen Mediterranurlaub in Makarska eingelangt – Hotel Meteror zwar ein älterer und kubistisch anmutender Bau, aber nun von Valamar übernommen und dem Standard entsprechend alles gut. Zimmer ausreichend, sehr sauber, Küche vorzüglich! Am ersten “richtigen” Urlaubstag, Montag 20. Mai,  donnert und schüttet es am Vormittag zum Einstand ganz gehörig, aber bald klart es auf. Wir machen uns bei angenehmer Temperatur auf zur Hafenseite von Makarska und unternehmen einen Spaziergang über Sveti Peter – das ist die Halbinsel zwischen Hafenbucht und Strand (wo unser Hotel aufragt). Dieser ins Meer vorragende Felsklotz ist mit Pinien bewachsen, und dazwischen blüht es recht hübsch. Einzelne Punkte sind als Aussichtsplätze gestaltet, und vom Leuchtturm kommt man wieder sehr angenehm zurück zur Promenade am Strand.

Nachmittags kommt bei immer noch frischer Temperatur die Sonne voll durch, und so beschließen wir, gleich einmal dem sogenannten Botanischen Garten Biokovo einen Besuch abzustatten, gespannt darauf, was uns dort erwartet. Es stellt sich heraus, dass die Anlage ähnlich wie der Alpengarten auf der Rax ins Naturgelände sehr gut eingepasst ist. Wir fahren der Straße Richtung Autobahn Vingorac und dem Naturpark Biokovo nach und sehen bald die Markierung zum Botanischen Garten. Eine schmale Asphaltstraße windet sich zu hoch gelegenen Häusern des Ortsteiles Tisina (Tischina) hinauf, bei einem schrägen Parkplatz geht es los.

Teils asphaltierte, dann vielfach fein geschotterte Wege ziehen im Zickzack den steilen Hang hinauf, dicht begleitet von der Naturflora verschiedener Sträucher und von der gerade blühenden Blumenwelt. Übersichtstafeln und Artenbeschriftungen geben einen guten Überblick, vor allem auch zu allem, was derzeit nicht gerade blüht! Vor allem fallen rosa Blütenstände auf, von der Kantabrischen Winde  und von einem ebenso rosa prächtigen Korbblütler. Der violette Harzklee überwiegt fast und erinnert uns (wie so manch andere Pflanze) an die Touren in Seline und sogar auf Malta! Einen hübschen blau blühenden Zwergstrauch kennen wir noch nicht, es stellt sich heraus, er heißt Felsen-Moltkie und ist ein (erstaunlicherweise mit Vergissmeinnicht und eher nachzuvollziehen mit dem Natternkopf verwandtes) Raublattgewächs.

Rechts seitwärts steht ein gerade renovierte Kapelle zum Hl. Ante, und auch beim “Hohen Kastell”, das sich unter die martialischen Felsüberhänge duckt, sind gerade Arbeiten im Gang. Der Ausblick ist hier schon wirklich eindrucksvoll, überhaupt wenn sich die blühenden Ginsterbüsche in den Vordergrund drängen. Ein noch höherer Steig führt sogar noch in steile Schutthalden hinaus, wo wir dann umkehren. Inzwischen steht die Sonne schon tiefer, und im Gegenlicht leuchtet das Meer bei der Insel Brac wie ein Silberspiegel.

Auf die nördliche Seite, wo sich über der Stadt Makarska noch einige Weiler am Steilhang unter den Felswänden hinziehen, gibt es auch noch einen besonders lohnenden Seitenweg. Dort blüht es im Naturbestand womöglich noch intensiver auf Steilrasen und zwischen Baumgruppen. Einzelne alte Bauten werden gerade instandgesetzt, Zufahrten gibt es ja überallhin, aber so manches Steinhaus ist aufgegeben worden und wird nun von der Flora allmählich in Besitz genommen.

Der Pyramidenständel ist eher spärlich, dafür gibt es unzählige Illyrische Gladiolen. Eine sehr häufige Glockenblume erinnert an die Knäuel-Glockenblume,  vielleicht ist es die Campanula lingulata, die bald einmal riesigen Pyramiden-Glockenblumen sind gerade beim Aufwachsen ihrer hohen Blütenstände, die Campanula portenschlagiana hingegen quillt schon in Vollblüte aus manchen Felsspalten. Beim Abstieg haben wir noch eine nette Begegnung – es sind zwei Bergsteigerinnen aus Düsseldorf! Sie haben nach dem morgendlichen Gewitter den Bikovogipfel Sveti Jure bestiegen und kommen gerade vom Berg herunter. Wir laden gern unser (wie immer vollgestopftes) Auto um und nehmen sie mit hinunter nach Makarska, um ihnen das letzte Wegstück zu ersparen – wir können ihre Freude nachfühlen….

Noch ein Überraschung harrt, als wir wieder im Hotel uns für´s Abendbuffet vorbereiten (wie immer opulent…) – ich habe glatt das Kabel für den Akkuauflader zuhause vergessen! Also Schluss mit Fotografieren am nächsten Tag? Wäre wirklich zu schade!

Nach den Urlauben in Istrien (Medveja, Umag, Porec) und auf der Insel Krk, danach zuletzt in Starigrad-Seline mit den Nationalparks Paklenica und Krka, sollte es heuer möglichst weit nach Süden gehen. Ein Angebot der Ungarischen Hotelkette von Tapolca in Herzeg Novi / Montenegro hat sich durch die unzumutbaren Buchungsbedingungen zerschlagen (große Anzahlung ein halbes Jahr vor Reiseantritt). Also irgendwo zwischen Dubrovnik und Split, jedenfalls noch im Bereich der Autobahnzufahrt – da bot sich das vielfach gelobte Makarska an, nicht an einem der dortigen bekannten Badeorte, sondern direkt im Hauptort der Makarska Riviera. Unser bevorzugter Reisepartner ist erfahrungsgemäß Valamar, und in Makarska hatte in der heurigen Saison diese Firma das Hotel Meteor 4* übernommen, und dort buchten wir vom 19. bis 29. Mai, keine Anzahlung, alles über VISA abgewickelt.

Anreise am Sonntag, 19. Mai, über Graz – Marburg – Zagreb (Autobahn nun voll ausgebaut) – Karlovac – Zadar – Sibenik, an Split vorbei, bis zur Tunneldurchfahrt an die Küste bei Makarska (798 km). Bei gutem Wetter und wenig Verkehr eine zügige Fahrt, bei der die blumenbunten Böschungen schon entlang der Autobahn intensive Vorfreude weckten. Eigentlich hat sich nur eine Erwartung nicht erfüllt – nämlich eine schon südlicher als bei den vorherigen Dalmatienurlauben erlebte Orchideenblüte. Aber davon abgesehen eine schöne Blütezeit, und gemessen an der Wetterlage mit hartnäckigem Adriatief eigentlich prächtiges Wetter!

Für uns gab es im Nahbereich von Makarska gleich zwei leicht zu erwandernde Ziele mit malerischen Ausblicken und vielfältiger mediterraner Flora – den Botanischen Garten bei Kotisina und den Küstenblockwald und Strandsteig von Osejava. Das Bikovogebirge mit dem 1762 m hohen Sveti Jure bot zwar eine imposante Kulisse für den Aufenthaltsort, ließ sich aber nicht so richtig ausnützen – als Bergtour für uns zu hoch und steil, Auffahrt über die exponierte Bergstraße auch nicht verlockend. Außerdem blühte es voll von der Küstenregion bis auf halbe Berghöhe hinauf. Die beiden ersten Blumenbilder konnte ich übrigens bisher nicht identifizieren! So waren die Hauptereignises dieses Adriaurlaubes wieder die Ausflugsfahrten. Gleich ungewöhnlich ins Landesinnere zur historischen Stadt Imotski (bis 1918 österreichisch!) mit den frapanten Karsterscheinungen des Blauen und Roten Sees und Prolosko blato in der weitläufigen, bis nach Bosnien reichenden Imotskopolje. Auch der berühmte Wallfahrtsort Medugorje war ein weniger den Kilometern als dem spirituellen Eindruck nahe naheliegendes Ziel.

Das Küstengebirge erlebten wir intensiv bei einem Ausflug zum Fährenort Drvenik (Richtung Hvar) und die Inselwelt bei einer Fahrt zur Insel Brac mit dem Vidova gora (mit 780 m höchster Inselberg der Adria) und dem berühmten “Goldenen Horn” in Bol.

Über alle diese Touren werde ich noch berichten! Zum Abschluss nur noch die Abendstimmung in Makarska und die Anmerkung zur Rückfahrt am 29. Mai – von Zadar bis Graz in teils wolkenbruchartigem Regen…

Vorbemerkung: Beim Behandeln der Naturschätze Niederösterreichs tippe ich immer wieder (neben dem Ötscher- und mittleren Voralpengebiet) auf die Gegend zwischen Gutenstein und Rohr im Gebirge. Diese habe ich um 1977/78 im Wander- und Landschaftsführer “Gutensteiner Alpen” (dabei die Hohe Wand eher als Zugabe, aber samt Fischauer Bergen) und in der umfassenden Heimatkunde “Lilienfeld und die Voralpen” behandelt. Auf die botanischen Besonderheiten aufmerksam wurde ich vor allem durch das Buch “Blütenpracht am Ostsaum der Alpen” von Prof. Raimund Fischer (+) aus Piesting. Nach der Tour im Ybbstal / Kothbergtal war die Zeit für eine Nachschau im Winsaberg, wie die Gegend auf Rohrer Seite heißt, schon sehr angebracht!

Samstag, 11. Mai: Start von St. Veit an der Gölsen, über Kleinzell und Rohr im Gebirge Richtung Rohrer Sattel, Abzweigung in das Seitental (und Katastrale) Winsaberg bei einem großen Steinbruch (Gruber) -  eindrucksvolle und mächtige Aufschlüsse des Dolomitlagers in der Steinbruchwand. Ohne Behinderung (Fahrverbotstafeln) geht es den Bach im mehrfach sumpfigen Talboden entlang, geradeaus beim Wagental und dem mit Gitterzaun abgesperrten Koppental vorbei bis zur Gabelung beim Bieglhof (725 m). Bevor ich mich zum Bodinggraben aufmache – wichtig, immer wieder ein Blick auf die Karte, ÖK und F&B – ohne Fahrverbot hinein in den Berlgraben, Umkehr beim Rehhof (dem ehemaligen Winsaberger) und zurück zum Bieglhof.

Jagahütt und Talboden

Anmerkungen zu Winsaberg und Urgersbach: Die Gegend zwischen dem Rohrer Zellenbach und dem Gutensteiner Klostertal ist ein typisches Dolomitbergland, stark zertalt und mit wenig hervorstechenden Gipfeln an der Tausendergrenze. Sie reicht vom Rohrer Sattel bis zum hohen Kamm des Handlesberges, zentraler Übergang ist der Winsabergsattel mit 833 m. Unter der Grundherrschaft der Hoyos (nach 1500 im Zug der Gegenreformation) hatten schon Waldbauern die Gräben spärlich besiedelt. Durch die kargen Bodenverhältnisse konnten sie ihr ärmliches Dasein nur mit dem Zuerwerb von häuslichem Handwerk (Korbflechterei, Bottiche und hölzerne Gerätschaften) und mit dem Brennen von Holzkohle fristen. Prof. Hiltraud Ast hat das Leben der Holzknechte in ihren Schriften und im Waldbauernmuseum Gutenstein dokumentiert. Die Geldablöse nach Aufhebung der Grundherrschaft und die aussichtslosen Wirtschaftsverhältnisse bedeuteten für die meisten Waldbauern in ihren entlegenen Einschichten das Ende. Zugleich stiegen die Holzpreise im ausgehenden 19. Jahrhundert und weckten das Interesse von Spekulanten und Jagdinteressenten. Über Verschuldung u. a. Mittel konnten diese städtischen Besitzer die Waldgegenden weitestens an sich ziehen. Nur in den Haupttälern hielten sich die alteingesessenen Bauerngüter, wie sie auch heute noch teilweise bestehen, ihr Hinterland sind die längst unbesiedelten und vereinsamten Gräben. Einer der umtriebigsten Neubesitzer war der Großindustrielle Berl. Im Urgersbachgraben ließ er einen pompösen Landsitz und eine architektonisch außergewöhnliche Villa errichten, die neuerdings wieder als Privatbesitz von Immobilienfirmen in neuem Glanz erstrahlt. Soweit meine rasch hingeschriebenen Informationen, genaue Angaben in meinen beiden Büchern bzw. im Internet.

Zurück zum Bieglhof, an der Sandstraße Richtung Bodinggraben eine Forststraßentafel, zwar etwas windschief, aber doch das Signal, hier das Auto abzustellen. Wie das folgende Haus Jagahütt steht das alte und sichtlich erneuerte Hofgebäude etwas erhöht, wahrscheinlich ist der eigentliche, vielfach auch sumpfig erscheinende Talgrund bei Hochwässern nicht sicher. Die ehemaligen Bauernhöfe sind ersichtlich als Jagd- und Landhäuser in Verwendung, mir kommt vor, eher als Wochenend- und Feriendomizile als in Verwendung der Wald- und Jagdbesitzer. Bei der Rückfahrt sah ich an der Abzweigung zum Gießhübl und sogar an der Hauptstraßenabzweigung Wegpfeile mit Luftballons und der Aufschrift “PARTY” !

Unterhalb vom Haus Jagahütt (davor eine Kapelle mit neuerem Egydiusbild) befindet sich eine flacher, teils sumpfiger Boden, dessen Zusammensetzung der Steilrand am Bach zeigt – schwarztorfige Schichten (in den Bach abbrechend) und schottrige Einlagerung weisen auf die Bodenbildung hin – Flachmoor und Schwemmland, recht interessant. Die noch etwas liebliche Landschaft wird talein schnell von ernsterem Charakter. Zuerst passiere ich ein Gatter im weithin ziehenden Wildzaun, dann ist Schluss mit den etwas gepflegten (d. h. gemähten) Wiesen, nur mehr eher ruderal wirkende Flächen am Bach, links steiler Waldrand. Auf einem ebenen Boden lagern Heureste von einer behelfsmäßigen Fütterung. Dann folgt eine canonartige Passage mit Felsrändern knapp an Fahrweg und Bach. Die Felsränder sind vor allem mit eben schön aufgeblühtem Kalk-Glockenenzian bewachsen, meine kleine “Sensation” fällt mir erst beim Rückweg auf, war aber nach Fischer´s Buch schon erwartet und bis dahin vergeblich gesucht: Als ich eine halbwegs ansehnliche Clusius-Primel fotografieren will, springen mir daneben die zarten Blätter einer schon abgeblühten Anemonen-Schmuckblume förmlich ins Auge! Den Blick geschärft, sind dann noch mehrere ebensolche Exemplare zu finden. Im Vergleich zum Lunzer Kothbergtal (zwei Wochen davor) schon völlig verblüht und daher nicht auffällig und viel spärlicher. Insofern hat der hier schon durchwanderte Bodinggraben eine Ähnlichkeit mit dem Kothbergtal, als er landschaftlich zum Fotografieren nicht viel hergibt und eher nur die Blumenbilder gelingen können.

Das letzte Bild fast ein ähnliches Exemplar der vorherigen Anemonen-Schmuckblume, allerdings blühend im Kothbergtal.

Bei der nächsten Kreuzung befindet sich ein kleiner Stauteich mit Rastbank, hier muss ich aber rechts weiter, eine ansteigende Strecke mit Felsen und Bachgischt entlang, zu einem breiteren Boden mit einer Sandgrube am Ende. Bei der nächsten Verzweigung (771 m) geht nur ein Wiesenweg links ab, die Sandstraße wendet sich rechts in den hinteren Bodinggraben hinein. Dieser ist nun weniger von Felsrändern geprägt, vielmehr wecken umgestürzte Bäume und aufgearbeitetes Schadholz einen eher verwüsteten Eindruck. Erst im endgültigen Talhintergrund erstreckt sich eine (gemähte) Wiese bis zum Talschluss unter der als gelichteter Waldhang erscheinenden Bodingschneid. Die markante Bodingmauer (auf der Seite des nächsten Seitentals, der Pax) fällt von hier aus nicht auf, ein martialischer Hochstand steht am Rand der Forststraße, kurz vorher links eine Seitenfläche – voll mit Mehlprimeln! Der sandige Grund schaut gar nicht feucht genug dafür aus, dürfte aber vom Waldrand her ausreichend durchfeuchtet sein, übrigens gibt es Mehlprimeln in diesen feuchten Dolomitgründen wohl verbreitet, aber nicht so zahlreich wie etwa in der Walster.

Bis zurück zum Auto bin ich samt Blumenschauen zwei Stunden unterwegs gewesen, also eher gebummelt. Getroffen keine Menschenseele, außer einer freundlichen Bewohnerin des Hauses Jagahütt. Von ihr erfahre ich etwas über den argen Schneefall am letzten Wochenende und dass einmal im Jahr ein Autobus voll Blumenfreunde in die Boding hineinströmt. Ich habe mir genug gesehen, wohl auch mit überspannten Erwartungen, daher gleich anschließend Weiterfahrt über den bekannt gut ausgebauten Rohrer Sattel (an den Felsböschungen überall Zwergginster, an Wegrändern stehen die Brillenschötchen in Vollblüte) ins Klostertal. Der Schneeberg schaut alles überragend und noch von Schneerinnen gezeichnet herunter in diese Frühlingsidylle. Beim Wegweiser Urgersbach biege ich rechts ein und lande bald wieder in einer ganz eindrucksvollen Dolomitschlucht. Schon einmal im Winter durchwandert – nun leuchten von den Felswänden die Enziane herunter und vor allem viel Alpen-Fettkraut, Clusius-Primeln schon abgeblüht, keine Schmuckblumenblätter entdeckt…

Die Baulichkeiten bei der berühmten Berl-Villa habe ich nicht fotografiert, war aber voll erstaunt über den vorzüglichen Zustand, nachdem ich vor 1980 noch von desolaten Verhältnissen berichtet habe. Ursache dafür wohl an der Einfahrt der Villa zu entnehmen – zwei Firmentafeln mit Immobilien- bzw. Vermögensverwaltungen. Zuhause habe ich beim Googlen der Firmen nicht schlecht gestaunt, welche Verflechtungen sich da auftun – wir sind wirklich ein Land der Kapitalisten. Immerhin sind solche Kulturdenkmäler wie die Berlvilla nicht im Verfall, und Fahr- bzw. Wegverbote habe ich dort auch keine gesehen, wundert mich irgendwies… Der Übergang in den Berlgraben der Winsabergseite müsste ganz interessant sein, allerdings beim letzten Haus nach Villa und historischem Landhaus umschwärmen mich gleich drei Hunde, also nicht ausgestiegen, auch nicht weitergefahren, sondern umgedreht. Durch das Zauntorgitter der Villa hat mir noch ein kleines Mädchen mit ihrer Katze zugewinkt (hat wie unser jüngstes Flederwisch-Enkelkind mit ihren wilden Locken ausgeschaut) und mich zur Überlegung gebracht – eingesperrt hinter Gittern ist wohl auch nicht der Glanz von Reichtum, aber womöglich bin ich für solche Gedanken doch zu sehr ein “Arbeiterkind”…

Außerdem konnte ich mir noch einen kleinen Seitensprung nicht sparen – Richtung Gutenstein bei einem Haus mit Angebot Grillkohle links in den Weißenbachgraben hinein, der im Hintergrund in der ÖK als “Roßstall” bezeichnet wird (Prof. Fischer hat den Roßstall auf der Urgersbachseite mit Wasserfall erwähnt). Ob das Haus Wiesinger heißt, konnte ich nicht verifizieren, aber mit Wald und Holz gewerkt wird dort ordentlich, denn der Graben ist ein Stück hinein wirklich eine ruderal und fast wüst wirkende Arbeitsstätte. Aufgefallen sind mir die Unmengen von Enzian an den Felsschrofen und sogar am Wiesenrand neben dem Bach. Überall leuchtet der schon abgeblühte “Zeamat” (Schneeheide) zwischen Fichten und Föhren herunter – und da flattern ein paar weiße Schmetterlinge – über einem fast grell rosaroten “Buschen” – tatsächlich, hier blühen an mehreren Stellen ganz prachtvoll am Sonnenhang zwischen den Felsvorsprüngen die Flaumigen Steinröschen!

Nach der ersten Bachbrücke treten die Felsen zugunsten von Waldrändern mehr zurück, und ich gehe noch weiter bis zu einem Fischteich, dann zurück und schleunige Heimfahrt. Gespannt bin ich schon auf die nächste Tour in die Walster, und am nächsten Wochenende ist in Opponitz bereits die Narzissenwanderung angesetzt – in den Tälern läuft uns die Zeit davon, im Kamptal sogar schon Diptamblüte, aber zugleich sind die Berge weiter oben noch immer tief und schon wieder frisch – verschneit!

Für die Anemonen-Schmuckblumen u. a. subalpine Frühblüher war ich am 23. März im Retzbachtal bei Türnitz noch ziemlich zu früh dran, aber immerhin schon wenige Erstexemplare gefunden:

Nach all den Berichten im Facebook, vor allem auch mit subalpinen Blüten auf den schneefreien Gipfelregionen (z. B. Student), schien es mir nun höchste Zeit, wieder Nachschau zu halten. Noch dazu weil ich mich gerade mit den Naturschätzen Niederösterreichs beschäftigt hatte. Und für die Schmuckblumen gibt es halt keinen intensiveren Standort (meiner Erfahrung nach) als das Kothbergtal bei Lunz am See. Kurz zuvor vom Osterfamilienurlaub in Grado zurückgekommen, schien mir am 25. April schon die Fahrt durchs Pielachtal Richtung Eisenwurzen recht lang, und tatsächlich kamen bis am Abend 213 km Fahrtstrecke zusammen… Also muss das Interesse schon sehr schwerwiegend sein, dass sich solche Unternehmungen auszahlen (“auszahlen” sowieso nicht…)!

Kürzeste Zufahrt genommen: Geiseben – Kirchberg – St. Anton – Gaming, bald nach der Tankstelle von der Grubbergstraße rechts abgezweigt Richtung Pfaffenschlag. Auf der Bodinbachstraße geht es schon abwärts auf die Ybbs zu, und hier muss man achtgeben, den richtigen Startpunkt zu finden, weil etliche Gräben in die einsame Berggegend hinüber zur Kleinen Ybbsitz führen (Hoamat, Gscheid mit dem Pilgerweg). Aber “Stockgrund-Kothbergtal” kann man nicht verfehlen, und gleich am Anfang der Seitenstraße parkt man am besten. Nun geht es auf der Asphaltstraße weiter, die das Kothbergtal eigentlich dominiert. Denn dieses besteht daneben nur aus dem südlichen Steilrand und dem munteren Bach. Jenseits erkenne ich am steilen Dolomithang eine Wegspur, die ich mir für den Rückweg merke.

Landschaftsbilder kann man in diesem engen Graben kaum lohnend machen, aber dafür stehen die Hauptaktöre – Clusius-Primeln und Anemonen-Schmuckblumen – in schönster Vollblüte. Daneben noch unscheinbare Begleitflora, aber überraschend fehlen – Aurikel, Enzian, Silberwurz… und die hier auch schon zahlreich gesehenen Steinröserl (Daphne cneorum). Die kaum 1,5 km lange Schluchtstrecke nimmt wegen dem Suchen und Fotografieren ganz schön Zeit in Anspruch, obwohl ich bereits bei der ersten Brücke rechts hinein in den Jägergraben abzweige. Dort gibt es an der weniger steinigen als rasigen Böschung noch einmal ein Riesenaufgebot an Schmuckblumen. Für die geplante Rundtour (nach dem “Naturerlebnis NÖ”) soll ich jetzt auf einen alten Steig rechts hinauf abzweigen – die Stelle ist nicht zu verfehlen, denn ein “Jagasitz” und eine Verbotstafeln markieren den Beginn des Jagdgebietes, könnte als Wegweiser gar nicht besser passen!

Der unbezeichnete Steig, stellenweise als alter Karrenweg erkennbar, führt durch die Steilhänge leicht steigend rechts eigentlich talaus in den Kothberggraben. Von einer Waldmulde geht es auf einem Forstweg, ein paarmal durch Windwürfe behindert, weiter zu einem Sattel mit einem etwas desolat wirkenden Landhaus, gleich danach abwärts. Dort steht oberhalb eine Hütte, bereits für “Urlaub am Bauernhof” beschildert. Die Landschaft wird hier durch kleine Wiesen zwischen Waldrändern bestimmt, nach leichter Gegensteigung folgt eine mehrfache Kreuzung, und rechts voraus erblickt man schon das Haus Hinter Breiteben.

Hier muss man gleich rechts neben dem Haus (samt Badetopf für die Urlauber) auf der Wiese weitergehen, eine Baumzeile entlang. Ich folge dem rechten Fahrweg – allerdings mit Prachtblick auf die Voralm mit Stumpfmauer und Tanzboden – und merke zum Glück, dass diese Richtung in die Irre führt. Davon links auf einem schmäleren Forstweg abzweigend wäre ich auch richtig gegangen, aber zur Sicherheit überquere ich den Waldkogel zur Linken und komme zu den wunderschönen Wiesenböden zwischen Hinter und Vorder Breiteben.

Nun wird es immer frühlingsmäßiger, nicht nur wegen dem intensiven Grün der vielfach gedüngten und auf jeden Fall “geräumten” Wiesen, sondern auch Kirschbäume und Kastanien haben es schon eilig, der Garten vom bewohnten und bewirtschafteten Haus Vorder Breiteben (der Besitzmittelpunkt) pragt ohnehin schon mit Tulpen und Narzissen. Hoher und noch schneebedeckter Hintergrund sind Hetzkogel und Dürrenstein. Der Abstieg und Rückweg erfolgt nun problemlos auf dem asphaltierten Güterweg und der Bodingbachstraße. Wie wir seinerseits mit Werner gegangen sind, weiß ich nicht mehr, nehme aber nach der Straßenkurve den zweiten abzweigenden Seitenweg (nicht den ersten erwischen!), der mich höchst angenehm in den vorderen Kothberggraben hinabführt. Dort sehe ich endlich oberhalb auf der Dolomitwand die ersten Aurikel und Enziane! Aber nur schwer erreichbar – ebenso wie die Straße, wo das Auto steht. Mir bleibt nichts anderes übrig, als einer flachen Stelle den Bach zu durchwaten!

Nun beginnt die Suche nach der Enzianwiese am sogenannten “Zigeuner”, dem Übergang vom Kothbergtal nach Kogelsbach. Zuerst halte ich mich zu weit links und lande nach einem Gehöft mit Sägewerk zwar auf einem Sattel, aber nur mit Wirtschaftswiesen. Die MTB-Wegweiser sind keine Hilfe, denn die führen im Kreis. Besser geht es mit den spärlichen Markierungstafeln des Wanderwegs Richtung Kogelsbach (zweimal rechts haltend). So komme ich endlich zu einer Kapelle mit Kastanienbaum nach einem landhausmäßigen Bauernhof. Überhaupt ist der weitläufige Talhintergrund erstaunlich bewohnt, merkt man an den Autos und einzelnen Wohnhäusern. Die bäuerliche Bewirtschaftung ist eher großflächig von einigen Höfen aus, aber sehr intensiv. An die Wiesen neben dem Sattel kann ich mich erinnern, vor etwa 20 Jahren hat uns hier Werner die vielen Clusius-Enziane gezeigt und beklagt, dass sie immer wieder ausgegraben werden (Hauptursache für Verschwinden mancher schmucker Blumen in die lokalen Hausgärten, wie besonders in Annaberg mit dem Frauhschuh!). Nun ist von solchen ursprünglichen Enzianwiesen nichts mehr übrig, alle halbwegs abgeflachten Stellen sind begüllt und geputzt, nur mehr einförmiges Rasengrün ist übrig geblieben. Da hat man wirklich versäumt, ein Naturdenkmal rechtzeitig zu installieren – wie schwierig das ist, merkt man ja an anderen Stellen (Hauswiesenmoor in St. Oswald / Yspertal mit dem Siebenstern, Liasnböndlwald am Hainfelder Kirchenberg mit dem Zungen-Mäusedorn, beides überregional bedeutenden und unersetzlichen Raritäten). Übrig geblieben ist nur der kleine Steilhang hinauf zum rechten Waldrand, und hier stehen sie endlich – nach der Vopperei durch einige Flecken mit Wiesenenzian – die Kalk-Glockenenziane / Gentiana Clusii. Sie sind gerade am Aufblühen, die Blattrosetten von der Trockenheit etwas beeinträchtigt. Gleich geblieben ist auch der fantastische Blick zur noch tief verschneiten Stumpfmauer und dahinter zu einem weiteren Gipfelzug in den Ennstaler Alpen.

Nun ist es schon halber Nachmittag! Ich freue mich schon auf die Einkehr beim “Schnesl”, der Konditorei in Göstling, aber die hat leider Nachosterurlaub. So fahre ich noch ein Stück in den wirklich wilden Steinbachgraben hinein, wo allerdings nach dem Parkplatz für die Ybbstaler Hütte schon das für Autos gesperrte Wildnisgebiet beginnt. Daher nur diesen Eindruck gespeichert und weiter nach Lunz zur Seeterrasse am Lunzer See mit kurzem Aufputscher (interessant der Preisvergleich mit Grado, wo wir in einem Cafehaus dasselbe um den halben Preis bekommen haben…). Die Hänge vom Scheiblingstein sind noch überwiegend kahl, oben noch alles verschneit, also für Touren noch nicht geeignet, höchstens man will noch einmal per Schi unterwegs sein. Ich fahre weiter über Langau (die Krokuswiese bei der Taverne lasse ich aus, wahrscheinlich schon abgeblüht). Einen Stopp gibt es noch kurz vor Neuhaus, wo vielfach noch Schneewandeln die Straße begleiten. Bei der Steigung vom Holzhüttenboden her entspringt nämlich eine mächtige Karstquelle mit Wasserfall. Dann bin ich endlich, beim schönsten Sonnenschein in Taschelbch.

Neben den vielen Krokusstandorten in den Voralpen ist die Krokuswiese in Taschelbach zwischen Neuhaus und dem Zellerrain noch die simpelste – gekennzeichnet durch die Infopunkte von Gaming und Eisenstraße. Allerdings gibt es hier nur den Weißen Frühlingskrokus / Crocus albiflorus, während die von der Herkunft etwas umstrittene Besonderheit – Crocus purpureus / Neapel- oder Adriatischer Krokus im Kerngebiet zwischen Kleiner Erlauf und Ybbsitz überwiegt. Von Neuhaus ins Faltltal gehend (gegenüber der großen Wildfütterung) findet man übrigens beide Arten, aber dort liegt sicher noch zu viel Schnee, und mir ist es an diesem Tag schon zu spät.

Von der jetzt auch nicht mehr neuen Zellerrainstraße aus zeigen sich die Mariazeller Gipfel noch tief verschneit, die Zellerhüte wie im tiefsten Winter, und drunten am Erlaufsee schaut die Gemeindealpe immer noch pistenmäßig herunter. Bei der Fahrt zwischen Mitterbach und Wienerbruck erfahre ich noch, wie es in den Ötschergräben ausschaut (subalpine Blüte und Schneereste), weil ich zwei asiatische Damen mitnehme, die eben diese Tour mit großer Begeisterung gemacht haben.

Wir buchten ab Gründonnerstag (18. April) im Hotel Mar del Plata in Grado Pineta (sehr zufrieden, also hat gepasst, wie überhaupt der ganze Familienurlaub mit den Enkelkindern). Gleich am Anreisetag spazierten wir über die Sandbänke im “Watt” von Grado:

Das Wetter war alle Tage sehr schön, noch nicht heiß, aber auch nicht zu frisch – nur das Wasser höchstens für die kälteresistenten Kinder Bernie, Veronika und Clemens ausreichend “warm”. Am Karfreitag (19. April) war Bernie von einem Trainingslager in Lignano abzuholen. Das bot sich gleich für einen Ausflug an, allerdings entschieden wir uns nicht für das interessante Valle Vecchio, sondern für den nahen Leuchtturm Faro an der Tagliamentomündung bei Bibbione. Von uns schon mehrfach besucht, haben wir dort noch nie so wenig Blühendes gesehen – der riesige Italienische Aronstab vom Vortag (in einer Grünanlage Pinetas) wurde hier nur durch zwei Exemplare von gerade aufblühendem Schwertblättrigen Waldvöglein ergänzt. Also waren wir sicher trotz des späten Ostertermins zu früh dran!

Der Karsamstag (20. April) war sehr ergiebig, besonders für unsere mitgebrachten Fahrräder! Vormittags gleich damit nach Grado zur Altstadt, dort ohne Parkplatzproblem angenehm! Der Rundgang durch die Altstadt beschäftigte uns bis Mittag, aber nach der Rückfahrt brauchten wir nur eine kurze Rast für den nächsten Einsatz.

Nach der Strandpromenade und der Kathedrale der Hl. Euphemia gab es auch Triviales zu sehen – Früchte des Meeres in der kleinen Fischhalle und die unternehmungslustigen Kinder mit ihrem Flohmarkt. Nachmittags wollten wir (wieder mit dem Rad) in die andere Richtung. Schon beim Spazierengehen waren wir auf dem Damm Richtung Monfalcone, ohne allerdings dort botanisch fündig zu werden – keine Spur von den im Naturführer Obere Adria angekündigten Orchideen! Nun versuchten wir, mit den Rädern dort weiter voran zu kommen, aber der Weg war einfach zu unbequem, und so wechselten wir zum Radweg entlang der Staatsstraße. Gemütliches Dahinfahren mit einigen Ecken, selbst mir ohne E-Verstärkung (wie bei Annis neuen Bike) machte es kaum Mühe. Nur der Landschaftseindruck dauerte etwas – bei der Brücke über die einmündende östliche Laguna di Grado schon etwas interessanter, aber ganz spannend wäre es danach beim Naturschutzgebiet Valle Canata gewesen, wenn ich trotz dem nur fürs Kurze geplanten Ausflug die größere Kamera mit dem Supertele und den Habicht-Feldstecher mitgenommen hätte. So standen wir etwas unterbelichtet im Beobachtungsstand neben einer Schar von mit Riesentelerohren bewaffneten Birdwatchern. Aber immerhin konnten wir als Paradeziel einen Flamingo erkennen.

Damit war schon der letzte Tag gekommen – Ostersonntag, 21. April – denn am Ostermontag wollten wir schon heimfahren. Zu meiner Überraschung kam es doch noch zu einer Fahrt ins Valle Vecchia (zwar ebenso weit wie das Val Rosana bei Triest, aber doch). Trotz einer schlechten Routenwahl über die Autobahn (besser wäre von Latisana auf der Staatsstraße), aber zum Glück ohne Stau auf dem Umweg über Portogruaro, langten wir gut bei der Abzweigung von der Straße zwischen Bibbione und Caorle an. Dort geht es in Lugunaga hinaus in die trockengelegte Schwemmebene bei Brussa. Meist schnurgerade an einigen Einkehrmöglichkeiten vorbei (für die Rückfahrt praktisch) langten wir beim großen Parkplatz des Naturschutzgebietes an. Schon gut besucht, aber die Besucher verlaufen sich bald im Naturgelände. Direkt auf dem Zugangsweg kamen wir zum Strand – wohl der am ursprünglichsten gebliebene an der Oberen Adria, weil dieses Küstenstück zwischen Bibbione und Caorle, von weitläufigen Lagunen abgeschnitten, nie touristisch “kultiviert” wurde. Vielmehr hat man hier ein weitläufiges Natura-2000-Gebiet eingerichtet. Während die Kinderfamilie sich am Strand lagerte und herumtrieb, machten sich Anni und ich gleich an den uns schon bekannten Rundgang. Östlich ist es dort besser im Spätsommer, wenn in den Feuchtmulden der lila Strandflieder blüht. Wir durchquerten den auf Dünen stockenden Pinienwald (umschwärmt von Moskittos wie schon beim letzten Besuch im Juni 2009) und wendeten uns auf dem Sandfahrweg danach gegen Westen. Hier hatten wir Glück, denn entlang der Wegränder blühten – wirklich unzählige – Orchis morio / Kleines oder Salep-Knabenkraut, das uns heuer schon abgegangen war. Anschließend am Strand zurück und dort Relaxzeit bis zum mittleren Nachmittag.

Zum Einkehren kamen wir bei der Rückfahrt über die Staatsstraße erst in einer Eisdiele unterwegs, und dann gab es ja bald auch das Abendmenü – wie immer sehr gut (Gemüse- bzw. Salatvorspeise,  dann zweiter Gang mit Nudeln u.a., Hauptgang mit Fisch oder Fleisch und wenig “Zuspeis”, zuletzt Nachtisch), eine Flasche Wein jedesmal machte uns keine Probleme…

Nach den Erfahrungen von Andreas nahmen wir für die Heimreise auch die Route über Triest, ohne das Val Rosandra allerdings (vielleicht haben wir mit diesen Mini-Ötschergräben ohnehin nicht viel versäumt). Die Weiterfahrt durch Slowenien und über Graz verlief ohne Probleme, und indem das Wetter am Osterdienstag schon umschlug, haben wir in Grado nichts versäumt!

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