Zu diesem letzten ganzen Wandertag (der Abreisetag fiel wegen Wettersturz zum Wandern aus) könnten wir sagen: “Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören…”
-
-
-
-
Blick zum Rosaninkamm
-
-
Infoplatz am Knappenberg
-
-
Frühlingsenzian am 21. Juni
-
-
Aufstiegsweg zum Stubennock
-
-
Blumenwiese auf kalkhältigem Untergrund
-
-
Im Stengellosem Leimkraut
-
-
Quirl-Läusekraut
-
-
Silberwurz
-
-
Speikblüten
-
-
Vor uns der Sauereggnock
-
-
-
Am Stubennock
-
-
-
-
Almweg am Knappenberg
-
-
Rost-Alpenrose
-
-
Ausblick zum Königstuhl
-
-
Beim alten Bergwerksstollen
-
-
Rosaninalpe
-
-
Wir hätten noch einige Ziele bereit gehabt, etwa den Hauserersee am Kreischberg, die Frauenalpe, die Krakau, Oberwölz und den Sölkerpass, alle vom Standort nahe Murau (St. Georgen / St. Lorenzen) leicht erreichbar. Aber wir wollten eine bewährte Tour wiederholen, weil die schönste Blütezeit dafür gerade jetzt war.

Ausblick zum Königstuhl
Wieder längere Zufahrt – durchs obere Murtal bis Madling, nach Thomatal und Bundschuh und hinauf ins Hochtal am Schönfeld, Parkplatz beim Mehrl-Haus auf 1730 m. Die Wolken waren an diesem Morgen schon etwas dichter, aber immer noch Sonne, und nur das Speiereck und die westlichen Tauerngipfel waren schon zugehüllt.

Blick zum Rosaninkamm
Gleich vom Eingang ins Rosanintal zweigt der rot markierte “Knappenweg” ab, durch etwas gelichteten Lärchenwald und auf (wie uns scheint) leicht verbreiterter Trasse. Diese mündet in eine erste Verflachung, wo uns das erste “Almrauschfeld” erwartete, im Hintergrund der Kamm zwischen Rosanintal und Kendlbruckergraben mit Rosaninhöhe und Ochsenriegel, alles einsame Almberge.

Infoplatz am Knappenberg
Über eine kurze Steilstelle wird der Altenberg erreicht, eine nächste Verflachung mit den Resten des einstigen Bergbaubetriebes, Halden mit bunten Steinen, Mauerresten und Infotafeln. Von hier wurde das Erz zum noch museal erhaltenen Hochofen in Bundschuh befördert. Neben dem interessanten Gesteinsuntergrund bezaubert hier die Pracht der Frühlingsflora, und sogar Schneehasen waren bei ihrem mit tollen Sprüngen vollführten Liebesspiel zu beobachten – die Kamera leider zu spät gezückt, aber für die Blumen überaus ergiebig!

Frühlingsenzian am 21. Juni
Der Steig führt nun schräg den aus dicht bewachsenem Schutt- und Steinboden aufgebauten Berghang schräg hinan, quert über einer steilen Flanke hinauf zu den sanften Grasböden am Stubennock, fast 2100 m hoch gelegen. Auf diesem Stück kommen in den silikatischen Gesteinen auch Kalkschichten vor, die sich durch unglaublichen Blumenreichtum auszeichnen. Zu den Kalk liebenden Arten gehören etwa die Silberwurz und das Quirl-Läusekraut, wir fanden hier sogar einmal die Wimper-Alpenrose (nicht rostbraune, sondern grüne Blattunterseite und Wimperhaare am Blattrand).

Blumenwiese auf kalkhältigem Untergrund
Daneben blüht aber gleich wieder der Echte Speik, wie er für die südlichen Zentralalpen typisch ist. Einst wurden die Speikwurzeln (Baldriangewächs) mit speziellen Werkzeugen ausgegraben und ergaben den durch feinen Geruch ausgezeichneten und begehrten “Speik”. Aus Gründen des Naturschutzes wurde vor Jahrzehnten das Speikgraben verboten (wohl auch durch sythetische Duftstoffe billigerer Herstellung ersetzt), und die Folge davon war, dass der Speik von den übrigen Pflanzen überwuchert und immer spärlicher wurde. Durch das Ausgraben war die Pflanze nämlich nicht zerstört, sondern durch die Wurzelstückchen sogar noch vermehrt worden!

Speikblüten
Je höher wir hinauf kamen, desto ärger und kälter wurde der Sturm aus westlicher Richtung – weiter unten kaum zu ahnen! Hier brauchten wir erstmals in diesem Bergurlaub die Anoraks, und beide Hände zum Festhalten der Sonnenhüte! Also wurde es nichts mit der Überschreitung vom Sauereggnock weiter Richtung Königstuhl. Diese Tour hatten wir schon einmal Anfang Juni gemacht, aber auch die Ausweichroute für den möglichen Weiterweg. Also ging es an den Abstieg, beobachtet von auf den hohen Rasenböden grasenden Pferden, deren Mähnen und Schweife (stimmt der Ausdruck?) im Sturmwind hoch wirbelten.

Zurück bei den Infotafeln des Knappenweges marschierten wir nun einer Wegspur in östlich-südöstliche Richtung um den Bergrücken herum nach. An die letzte Begehung konnten wir uns nicht mehr so genau erinnern, also wählten wir nicht dem Weg am Wiesenrand, sondern leicht schräg in den Hangwald hinan einen ebenso deutlichen Pfad. Dieser war wohl nur ein “Viehgang”, führt uns aber knapp unter der Baumgrenze die Hänge der Rosaninalpe entlang.

Zwei Höhepunkte - traumhafte Alpenrosenblüte mit dem Königstuhl im Hintergrund, immer wieder Zirben und verwitterte Lärchen, märchenhafte Bilder… “Rosanin”… schöner können Berg- und Naturerinnerungen gar nicht sein!

Almweg am Knappenberg
Unterhalb war das Gelände etwas steiler, und dort glänzten Blockhalden mit blauem Schimmer zu uns herauf. Absteigen dorthin war selbstverständlich, und bald standen wir vor zwei Stolleneingängen der alten Bergwerke “Bei den Knappen”. Einer davon wies sogar noch die hölzernen Stützwerke auf, unten in der Tiefe hörte man Wasser tropfen, und bei viel Mut hätte man sogar dort hinab kraxeln können…

Beim alten Bergwerksstollen
Bei unserer letzten Begehung dieser Strecke vor einigen Jahren waren wir durchwegs einem sogar in der F&B-Karte eingezeichneten Steig gefolgt, der dann ins Tal hinabwies. Den verfehlten wir zwar diesmal, aber der Abstieg über das locker bewaldete und nicht zu steile Gelände war völlig unproblematisch, und auf einmal tauchte, neben einer noch älteren Abraumhalde unter einer verstürzten Erzpinge, ein ziemlich neu ausgeschobener Forstweg auf. Gleich rechts war eine Kehre, und so konnten wir gemütlich den Hang entlang talauswärts wandern und kamen bei den vordersten Almen im Rosanintal auf den Fahrweg.

Rosaninalpe
Wozu mitten durch die Zirbenbestände dieser Forstweg brutal ausgeschoben worden war, bleibt uns schleierhaft – Hütten gibt es dort oben keine, womöglich einen Jagdstand oder wird vielleicht ein Weg zu den alten Stollen erschlossen? Jedenfalls auf Salzburger Boden in einem Landschaftsschutzgebiet!!! Aber wir hatten dort auch schon Ärgeres erlebt – bei unserer letzten Wanderung vor ein paar Jahren wurden die Almrauschbestände samt Wacholderbüschen und Zirbenaufwuchs geschwendet, das heißt in grasigen Almboden verwandelt. Vermutlich sogar mit öffentlicher Förderung? Aber die Almbauern würden das sicher anders sehen als wir eher dem Naturschutz zugewandten Wanderer…

Der Bach im malerischen Rosanintal heißt übrigens nicht Rosaninbach, sondern ist der Kremsbach, der sich vor der Wasserscheide gegen das Schönfeld beim Mehrl-Haus (dort wächst übrigens ein ganz seltener Bestand der Zwerg-Birke, einer nordischen Reliktpflanze aus der Eiszeit) westwärts nach Innerkrems hinab wendet. Von dort gibt es auch einen Zugangsweg den Bach entlang herauf zum Mehrl-Haus, den wir nicht gekannt haben.

Aufstiegsweg zum Stubennock
In der Mittagshitze fuhren wir dieselbe Strecke über das wunderwunderschöne Schönfeld zurück, vorbei an den “Heiligen in der Zirbe” (einer großen Schnitzarbeit im gewachsenen Zirbenholz), dann aber wieder durch Thomatal und nicht über den “Bettelmanntauern” (mit zwei Kittingen, den dort üblichen uralten Speicherbauten) nach St. Margarethen wie bei unseren letzten Lungau-Urlauben. Aber der Lungau lockt uns sicher wieder, denn sternförmig hat man dort die lohnendsten Ziel bereit, und das Hotel “Granitzl” in Mariapfarr wäre sicher auch wieder einen Aufenthalt wert mit seinen neuen komfortablen Appartements (die sind gerade zur Schwammerl- und Heidelbeerzeit zu empfehlen), womit wir schöne Wintererinnerungen verbinden.
Hotel “Granitzl” in Mariapfarr
Nun ist vorläufig Schluss mit Urlaub, aber nicht mit Lustig, denn was lockt nicht alles – nicht nur der Ötscher, sondern auch das Waldviertel, wo schon die Heidelbeeren reif werden und die Pilze bei diesem subtropischen Wetter aus dem Boden sprießen sollten.

In der letzten Urlaubsnacht kam schließlich das angekündigte wilde Gewitter, zum Glück für uns nicht als Unwetter wie im Triebental, das damals so schwer getroffen wurde wie vorletzte Nacht die Gegend südöstlich von Judenburg. Hitze und Gewitter, nicht gerade eine Einladung für Bergtouren, und so wird jetzt mein Blog etwas spärlicher beschickt werden… Langweilig wird es trotzdem sicher nicht! Aber die feuchte Luft in Verbindung mit der extremen Hitze setzt uns schon sehr zu und verwandelt unsere Aktivität in Lethargie, sodass man sich leicht vorstellen kann, wie sich das leben in tropischen Gefilden anfühlt…
