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Nach zehn Tagen Gastein, davon 6 wandernd&sammelnd und 3 Alpentherme, lockt uns wie nach jedem solcher Urlaube als Kontrastprogramm ein Meeresaufenthalt. Dieser bietet sich von Kärnten oder Salzburg aus besonders gut an, denn mittels der Autobahnen ist man in wenigen Stunden in einem der Badeorte an der oberen Adria. Diesmal sollte es Grado sein, weil Anni dort ihre Kindheitsfamilienurlaube verbracht hat, sozusagen ein Nostalgieurlaub…

Weiterreise zur Schlechtwetterfront passend, den stürmischen Gewittern nachgefahren, Tauernbahn-Fähre nach Mallnitz als gemütliche Gebirgsunterquerung, belebte Autobahn (am Sonntag viel stärker als bei der Heimfahrt an einem Wochentag), bereits am mittleren Nachmittag Ankunft im vorzüglichen Hotel Rialto in Grado.

Neben Faulenzen und Spazieren am Strand gibt es dann wie immer auch passende Ausflüge. Hier in Grado ist es die Laguneninsel Barbana mit einer berühmten Wallfahrtskirche, über die in Wikipedia zu lesen ist:

Barbana ist eine kleine Insel in der Lagune von Grado im italienischen Friaul. Auf der Insel befinden sich ein Kloster des Franziskanerordens und die Marienkirche Santuario di Barbana, deren Ursprung auf ein Kirchengebäude aus dem 6. Jahrhundert zurückzuführen ist und die jährlich am ersten Sonntag im Juli zum Schauplatz einer Prozession, der Perdon de Barbana, wird. Die Insel wurde nach dem Eremiten Barbanus benannt, der im 6. Jahrhundert auf der Insel lebte und eine Gruppe von Ordensbrüdern um sich versammelte.Die Insel Barbana war ursprünglich mit dem Festland verbunden. Auf dem Gebiet der heutigen Insel befand sich zur Zeit der Römer vermutlich ein Heiligtum des Apollo.

Der Legende zufolge geht der Ursprung der Insel und der heutigen Marienwallfahrtskirche auf das Jahr 582 zurück. In diesem Jahr suchte eine Sturmflut die Gegend um Grado heim und leitete die zunehmende Inselbildung ein. Während des Sturms wurde eine Marienstatue in der Nähe der Hütten der Eremiten Barbanus und Tarilessus angeschwemmt. Aus Dank, dass der Sturm die Stadt Grado weitgehend verschont hatte, ließ der Patriarch von Aquileia, Elia, ein Kirchengebäude errichten. Barbanus versammelte eine Gruppe von Mönchen um sich, die sich in den darauf folgenden Jahrhunderten um das Heiligtum kümmerten.

Es ist nicht bekannt, bis wann die Inselbildung abgeschlossen war. Allerdings wurde Barbana bereits im Jahr 734 als Insel bezeichnet. Während das Kirchengebäude wiederholt durch Überschwemmungen zerstört wurde, ging die ursprüngliche Madonnenstatue verloren. Im 11. Jahrhundert wurde schließlich eine neue, hölzerne Figur der Schwarzen Madonna eingesetzt, die heute in einer kleinen Kapelle auf Barbana aufbewahrt wird. Ab dem 11. Jahrhundert bewohnten Benediktinermönche die Insel, die ab 1450 von Franziskanermönchen abgelöst wurden. 1738 errichtete der Franziskanerorden die heutige Wallfahrtskirche.

Heutzutage ist es in den Sommermonaten möglich die Insel zu besichtigen, von Grado fahren Ausflugsschiffe nach Barbana.

Diese Möglichkeit nutzten wir gleich am ersten Tag unseres Aufenthaltes, wobei uns die Wetterverhältnisse sehr entgegen kamen. Am Sonntag, 26. August, unserem Ankunftstag, liefen wir nach einem abendlichen Spaziergang zur Schiffsstation gerade noch knapp vor einem Unwetter zurück ins Hotel. Der nächste Tag war dann sonnig und klar, dabei ein bisschen frisch, windig und mit Fernsicht bis zu den ganz nah erscheinenden Südalpen.

Nach Strandspaziergang bei Ebbe und endlosem Waten bei Flut – Grado ist ideal für Nichtschwimmer mit seinem endlos langen Seichtwasser – fanden wir uns nach 15 Uhr bei der Schiffsstation ein, wo bald die Fahrt durch die Lagune begann. Weil wir dabei so viel fotografiert haben, beschränke ich mich in diesem Beitrag nur auf Barbana, denn samt Lagune wäre das viel zu lang.

Noch eine Anmerkung zu Grado, wobei schon die Zufahrt am interessanten Aquileja vorbeiführt (181 v. Chr. von den Römern gegründet, antike Großstadt, bedeutendes Erzbistum bzw. Patriarchat, bis ins frühe Mittelalter Einfluss auf österreichisches Gebiet). Grado ist bereits als Seebad des römischen Aquileja entstanden, Glanzzeit mit Domgründung nach 568 als Fluchtort des Patriarchen von Aquileja vor den Langobarden (diese kamen im Zug der Völkerwanderung auch durch Niederösterreich und ließen sich später im Raum des friaulischen Cividale nieder).

Im Dom von Grado, St. Eufemia (mit Mosaikfußboden und romanischer Kanzel, ideale Basilikaform), erlebten wir eines Abends zufällig ein stimmungsvolles Konzert für Harfe und Trompete.

Die Insel Barbana betraten wir gegen Ende der Lagunen-Schiffsexkursion, schon im stimmungsvollen Abendlicht, das sogar Teile des Kircheninneren zum Leuchten brachte. Als einzelnes Ausflugsziel hätte uns diese Besichtigung allerdings nicht genügt, mit der Rundfahrt durch die Lagune, über die ich in einem eigenen Beitrag berichten möchte, war das Erlebnis einfach perfekt.

Die kurze spätsommerliche Schönwetterphase konnten wir am Samstag (Erzstollen) und Sonntag (Königsberg) bestens ausnützen. Der ultimative Bergtag wäre  der Montag gewesen, und als letztes Sommeraufgebot war Dienstag, 11. September, angekündigt. Eigentlich wollte ich zum Fotografieren im oberen Ybbstal herumstreifen, aber wer weiß wie´s kommt, nach dem Königsberg war jetzt nur mehr ein Gipfel übrig geblieben, auf dem ich noch nicht gestanden bin – der Oisberg mit dem Bauernboden bei Opponitz. In der Karte fehlt das Verbindungsstück beim Kleinen Schneekogel!

Daher kurz entschlossen umdisponiert und die kürzeste Route genommen: Über Eschenau ins Pielachtal, hinüber nach St. Anton an der Jeßnitz, talaus bis Scheibbs, dann über Gresten nach Ybbsitz. Nach der im letzten Teil ganz zügigen Strecke war die Fahrt über die Kleine Kripp nach Opponitz zwar landschaftlich besonders reizvoll, aber fast vom “Drehwurm” befallen landete ich schließlich an meinem Ausgangspunkt in der “Lucken” (97 km, 1 3/4 Stunden).

Hochmulde auf der Fohrau (Plattenkalk)

Was mir bevorsteht – über 900 Höhenmeter und 21 km (nach der ÖK ausgemessen), da packe ich eine Marscherleichtung (beim noch neunmonatigen Präsenzdienst gelernt, übrigens als Gefreiter abgerüstet) beim Schopf! Keine Verbotstafel vor mir, daher noch den Güterweg weitergefahren, ganz neu ausgebaut und sogar asphaltiert, erst am Beginn der “Buchberger Woad” die Privatweg-Tafel (zur Sicherheit das Auto am Straßenrand einen Meter davor abgestellt).

Hirschsuhle auf der Fohrau

Start um 8,35 Uhr auf ca. 620 m Seehöhe, gleich steil in den Wald hinauf, ein kurzer Verschnaufer am Kammabsatz, weiter von einem Forstzaun begleitet (noch unverdächtig). Der ehemalige Almsteig hat sich wegen jahrzehntelanger Nichtbenützung in einen stellenweise tief ausgewaschenen und vertretenen Steig zurückentwickelt. An der Richtungsänderung am “Buchberger Spitz”, schon auf über 900 m, stehe ich staunend vor einem neuen gigantischen Forstgatter! Wie über einen Hochstand muss dieses überklettert werden, das Bild zeigt mehr als Worte…

Kurz danach schwenkt eine von oben kommende Forststraße nach Südwesten ein, begleitet vom “Eisernen Vorhang”, der markierte Steig wendet sich in die linke Bergseite. Hier geht es zwar kaum steigend dahin, aber der zu querende Hang ist ungemein steil, ein Hochwald mit weiträumig stehenden Stämmen, und an einigen Stellen, wo der Steig ziemlich dürftig wird, mit Vorsicht zu begehen. Kein wirkliches Problem, mit solchen Wegverhältnissen muss man sogar in den Voralpen immer wieder rechnen, aber für unsichere Geher nicht zu empfehlen.

Nach etwa 500 m wird das Gelände aber schon wieder moderater, der Steig kreuzt eine in die wilden “Urgäng” führende Forststraße und erreicht eine malerische flache Waldlichtung, die Fohrau. Eine Hirschsuhle befindet sich hier im feuchten Grund, und vom Hang voraus schallt ein regelmäßiges Klopfen – die Geräusche des “Widders”, einer raffinierten Pumpe, mittels der das Quellwasser hinauf zum Bauernboden befördert wird. Nach leidlich gutem Steig treffe ich dort bereits nach 10.15 Uhr ein, Seehöhe 1213 m.

Zu meiner Überraschung liegt die Alm schon verlassen da (zwei Tage vorher war am Königsberg noch alles Vieh oben), dafür röhrt ein Hirsch vom nahen ”Karl” hinter der Annahütte her! Also die Almsaison ist vorbei und die Jagdzeit vor der Eröffnung! Sonst wirkt der Bauernboden enttäuschend, denn die Aussicht gegen das Gesäuse ist durch schon hohen Jungwald völlig verdeckt (daran erkennt man das Alter so mancher Wanderführer, meiner eigenen sicher nicht ausgenommen!).

Dunstiger Gesäuseblick von der "Lackenwies"

Der erste Gipfel ragt gleich oberhalb, und von der “Lackenwies” an seiner Bergschulter gibt es endlich das erhoffte Panorama, allerdings nicht mehr so klar wie an den letzten Tagen, daher kann das Bild den gewaltigen Landschaftseindruck nicht erfassen – zwischen Gamsstein und Stumpfmauer öffnet sich der Blick ins Gesäuse. Auf dem Großen Schneekogel (1373 m), einer sanften Wiesenlichtung zwischen dem hier heroben überwiegenden Nadelwald, gibt es nur den Himmel zu sehen und das Bergkreuz (Vorwanderer haben ein Schnittenstückchen hinterlegt, eine Art Opfergabe, Eichkatzeln gibt es hier nicht, und am übernächsten Tag hat wohl der erste Schnee das Mannerfuzerl aufgelöst…).

Jetzt ist es erst 10.45 Uhr, mein “Hatscherknie” will zwar protestieren (es denkt wohl besser als mein Hirn an die drei Monate Krücken im Vorjahr!), aber da muss das Alpl, der höchste Oisberggipfel, schon noch drankommen. Vorerst ist der Weiter”weg” noch durch einen vom Weidevieh tief zertretenen Waldsumpf behindert, zum Kleinen Schneekogel schließt zum Glück  ein hübscher Wiesenrücken an, und in den nächsten Sattel weist sogar eine Fahrwegkehre hinab.

Vor mir erstreckt sich von der fünffachen Kreuzung an eine weite Almwiese, wie aus dem Traumbilderbuch eines Almbauern, grün und steinlos, weit hinten die Wiesenkuppe des Alpls. Mit den Walkingstöcken wie gelernt – tackzacktackzack – nehme ich die Sandstraße unter die Beine, und von 11 bis 11.30 Uhr habe ich die Strecke samt Wiesenaufstieg geschafft! Auf dem Alpl (1405 m) ist kurze Rast und Jause angesagt, von weiter Aussicht untermalt, und auf der Gipfelbank beim Kreuz sitzend im Rücken bedroht – wieder ein “Eiserner Vorhang”, diesmal von Jagd oder als Almbegrenzung motiviert? Na, den Bauern würde ein einfacher Stacheldraht sicher auch genügen, aber vielleicht sind gigantische Gatter auch eine bessere Geldanlage als Finanzspekulationen…

Ausblick vom Alpl gegen Königsberg, Gamsstein und Stumpfmauer, im fernen Dunst das Gesäuse

Samt den Gipfelbildern, leider mit starken Schatten im Gegenlicht, bin ich um 12 Uhr bereits wieder am Abstieg. Dabei treffe ich auf ein Bild von der “Bergwirtschaftssymbiose” – Jagd und Alm vereint, zwei Traktoren mähen übrigens gerade die dürren Grashalme weg, damit im Frühjahr die planierten Hochwiesen wieder recht schön austreiben können (die unversehrten Wiesen erkennt man  am häufigen, hier völlig fehlenden Weißen Germer).

3 km misst die Forststraßen-Strecke am Hühnerkogel vorbei und um die Schneekogel herum, bis nach der Bergecke am Planeck der Bauernboden wieder erreicht ist, um 12.45 Uhr beginne ich den Abstieg und quere um 13.10 Uhr die Urgäng-Forststraße gleich nach dem Fohrauboden. So, und jetzt kommt´s: Wie am Gamsstein verlockt mich eine Abstiegsvariante – links weitergehend müsste ich doch zur Forststraße mit dem “Eisernen Vorhang” am Buchberger Spitz kommen…?

Gesäuseblick mit Stumpfmauer

Bauernboden

Also nicht hinein in die abschüssige Waldquerung, sondern links auf der Forststraße weiter, und die steigt und steigt, endlos weiter, zurück mag ich auch nicht mehr, zumal beim Talblick die Forststraße mit Wildgatter eindeutig auszumachen ist. Immerhin bin ich so vernünftig, es nicht “wild” über die Steilhänge dort hinunter zu versuchen! Letztlich hat mich mein geografischer Instinkt nicht getäuscht, aber ich vermute, es war einfach Glück – in der Gegend der Sulzwiese wendet sich die aus dem Krenngraben bei Kleinhollenstein kommende Straße endlich in die passende Richtung. Der Anschlussweg auf der neuen Forststraße am Eisernen Vorhang entlang ist immerhin nicht mühevoll, trotz neuerlicher Gegensteigung und Nachmittagssonne, zum Staunen ist nur die Ausdehnung dieses Wildgatters.

Ein lohnender geologischer Natureindruck ergibt sich am Ende des mehr als 3 km langen Umweges (gegen 500 m markierten Steig getauscht) – in der aus dickbankigem Dolomit aufgebauten Böschung sind zwei auffallende Schichten eingelagert, eine stark rötlich und kleinbrüchig, die zweite graubraun und einem Mergel ähnlich. Leider reicht die Spezialkarte Ybbsitz nicht mehr bis hierher. Bei der Quelle des Bauernboden geht man übrigens auf typischem Plattenkalk.

Beim “Wachturm” des Eisernen Vorhangs (= Überstieg) am “Buchberger Spitz” stärke ich mich noch mit den letzten Schlucken und Schnitten (meinen eigenen, nicht etwa vom Schneekogel-Opferplatz…), dann geht es im Laufschritt den steilen Weg hinab zum Auto, wo ich um 14.45 Uhr ankomme. Warum all die Zeiten so genau notiert? Spätestens um halb fünf Uhr muss ich wieder zuhause sein, die Fahrt mit 102 km über Göstling und Gaming dauert wie in der Früh wieder 1 3/4 Stunden.

Alpl vom Sattel nach dem Kleinen Schneekogel

Und damit ist der Bauernboden mit dem Oisberg / Alpl schon wieder Geschichte, über Nacht wechselt das Wetter, und in der Nacht zum Donnerstag fällt der erste Schnee der Saison 2012/2013 in den Voralpen. Eine eindrucksvolle Tour, höchst gemütlich in der Hochregion, aber leider habe ich den Almtag Anfang Juli verpasst, denn da hätte ich mit dem Auto bis zum Bauernboden hinauffahren können (solche Hinweise werden für alle “Knieleidensgenossen” wohl immer wichtiger).

Zwar ist der Königsberg in den Ybbstaler Alpen ein ganz beachtlicher Bergzug – über 13 km lang zwischen Göstling und Hollenstein und 800 bis 1000 m über die begleitenden Täler aufragend. Aber von einzelnen felsigen Stellen an den südwestlichen und nordöstlichen Eckpunkten der Kammhöhe abgesehen, gibt es keine hervorstechenden Landschaftsdetails. Auch die Aussicht hält sich, durch die benachbarten Massive von Hochkar und Gamsstein verstellt, in bescheidenen Maßen, gerade wenn man sie mit den Nachbargipfeln vergleicht.

Aber überaus beliebt ist der Königsberg für Almwanderer, und für sportliche Überschreiter oder MTBer sogar eine Herausforderung. Wenn man aber nicht endlose mehr als zwei Stunden vom Tal hinaufmarschieren will in die erst interessantere Höhenregion, dann ist mit dem Königsberg das richtige Ziel gewählt. Von Hochschlag beim Schigebiet in Hollenstein dauert der Aufstieg bis zur Kitzhütte schon viel weniger lang, und auf der Höhe geht es in beide Richtungen noch zu allerdings eher bescheidenen Gipfelerlebnissen. Von Göstling aus ist sogar die Zufahrt bis auf 1100 m zum Parkplatz Ebnerbrand möglich (ohne Maut und großteils asphaltiert) – zum Vergleichen der Anforderungen – der höchste Punkt am wenig bestiegenen Schwarzkogel hat eine Seehöhe von 1452 m!

Dürrensteinblick von "Siebenhütten"

Schwalbenwurz-Enzian

Von dort oben bietet sich dann aber nur der großteils auf Almstraßen verlaufende Übergang bis zur Kitzhütte an, und zurück – noch einmal derselbe, schon allmählich als Hatscher empfundene Weg? Aber es geht auch anders – diesen Hinweis entnahm ich der Wanderbroschüre des Mostviertel-Tourismus “Lust aufs Wandern” – nämlich einen Rückweg von der Kitzhütte an der hohen Nordflanke des Königsberges entlang zum Ausgangspunkt Ebnerbrand. Zugegeben insgesamt viele Kilometer auf Forstwegen, die sich eher als Walkingstrecken anbieten, und nur eine herausfordernde, etwas kitzlige Stelle (für geübte Wanderer auch kein Problem) bei der steilen Querung am “Kastner Gschliaf”. Trotz Veröffentlichung beim Mostviertel-Tourismus ist diese Strecke nicht markiert worden, aber wie Spuren und örtliche Auskünfte bewiesen wohl bekannt und begangen.

Almhütte "Siebenhütten"

Leonhardbild bei "Siebenhütten"

Nun also zu unserer Tour, wobei wir eigentlich vor hatten, unsere Knie zu testen und nach Belieben ganz einfach wieder denselben Weg zurückzugehen. Termin am herrlichen Sonntag, 9. September, schon zeitig unterwegs, Zufahrt über Pielachtal – Gaming nach Göstling, von Ortseinfahrt Süd abzweigend (gleich wieder links Güterweg Kurzeck) über die Bergstraße hinauf zum Ebnerbrand, dort Abmarsch um 9 Uhr.

Blick vom Planstein gegen Friesling

Schon am Waldrand führt eine in der ÖK nicht eingezeichnete, aber mit Hinweispfeil bezeichnete Abkürzung wieder hinauf zur Almstraße und bald sind wir bei der ersten Almen – “Siebenhütten” genannt nach den dort einst vorhandenen sieben Almhütten. Am 15. August war dort der “Almtag” mit prominenten Musikgruppen und sicher hunderten – nicht Besuchern, sondern Autos am Parkplatz (wir waren morgens als viertes Auto dort, bei unserer Rückkehr am halb drei Uhr waren alle nur möglichen Plätze und sogar entlang der oberen Zufahrt zugeparkt).

Die Almhütte mit neuem Nebengebäude ist ganz blumig ausgestattet, laut meinem Freund Werner soll die derzeitige Bewirtschaftung ausgezeichnet sein, wir waren aber auf Selbstversorgung eingestellt und wollten uns außerdem nicht nach 40 Minuten schon “ansetzen”. Daher stiegen wir gleich über die Wiese hinauf zum Almkreuz auf dem Planstein (1346 m) – prächtige Aussicht zum Dürrenstein, eher eine Silhuette im frühen Gegenlicht, aber der einsame Waldberg Friesling ragt hier jenseits der Ybbs ganz hoch auf, und durch den Einschnitt der Kripp neben dem ebenso hohen Oisberg geht der Blick hinaus zu den Flyschbergen nördlich vom “Ybbsitzer Paradies” mit der Kirche von St. Leonhard am Walde.

Siebenhütten gegen Hochreith (bei Göstling) und Dürrenstein

Ein Admiral auf der Alm!

Dann platteln wir auf der Sandstraße weiter, etwas ansteigend bis zur Verflachung neben dem Schwarzkogel. Dieser ist südlich abgesetzt und auf der Gipfelkuppe von Jungwald bedeckt,  wie er überall auf den alten Windbrüchen und Schlagflächen dicht aufwächst. An dessen Südseite soll es auf Felsen altertümliche Ritzzeichnungen geben, wie bei Karl Lukan nachzulesen, aber für uns zu abseitig, noch nicht einmal von Werner gefunden, und eigentlich eine eigene Tour wert.

Bei "Vierhütten"

Flach geht es weiter zur “Vierhütten”, einem schmucken Hütterl an der Stelle von einst mehreren Almhütten und mit einem bemerkenswerten Baumbildstock. Hier grasen und brüllen in ganzen Scharen die Rinder, lange wird es trotz gefüllter Tränken nicht mehr  dauern, bis der Almabtrieb erfolgt (bzw. die Abholung mit Traktor-Anhängern, wie am Dienstag danach gesehen).

Nun geht es leicht bergab, und als Glanzpunkt des Panoramas taucht der Lugauer auf, wirklich das “Steirische Matterhorn”! Am Wegrand blüht es noch ganz schön, mit Schwalbenwurzenzian, Kreuzkraut usw. samt reifen Tollkirschen für ein einmaliges Drogenerlebnis…  Die Almstraße endet in einem flachen Sattel, von dem sich die Aussicht wie durch ein Tor zwischen Gamsstein und Stumpfmauer hinein ins Gesäuse öffnet, noch dazu ganz klar und noch ohne Dunst (wie am Dienstag).

Gesäuseblick zwischen Gamsstein und Stumpfmauer

Die folgende Wiesenmulde entlang führt ein Waldrandsteig weiter – wir sind nämlich nicht von der Vierhütten am Kamm zur Durnhöhe (1439 m) aufgestiegen. Aus folgender Überlegung, wenn wir bis halb zwölf bei der Kitzhütte sind, können wir statt demselben Rückweg die schon vorhin angedeutete Route an der Nordseite nehmen, daher den Gipfel zur Zeitersparnis auslassen.

Kitzhütte gegen Gamsstein und Gesäuse

Im Sattel oberhalb der ebenfalls viel besuchten Kitzhütte, beim Leonhardbild und Almkreuz, wo auch die Markierung von Hochschlag heraufkommt, sind wir bereits um 11,25 Uhr! Zeit für die Mittagsjause und einen Fotohalt, wobei das Gegenlicht schon so stark mit tiefen Schatten durchsetzt ist, dass entweder die malerische Almhüttengruppe oder die Eisenerzer Alpen im Hintergrund untergehen (den digitalen Fototrick dazu ? mittels zwei Ebenen im Photoshop ? muss ich leider erst lernen).

Kitzhütte mit Gamsstein und Eisenerzer Alpen

Dann geht es an den Weiterweg, an der Nordseite auf der Alm-Forststraße den steilen Berghang entlang bis zur Straßenkehre. Direkt in der Kurve findet sich tatsächlich eine Gehspur, nur kurz bergauf und dann in einen alten Waldsteig mündend. Gleich nach dem Durchschlupf im Almzaun zieht dieser Weg, zum Glück genügend breit und durch Strauchwerk etwas gesichert, über einem tiefen Abgrund dahin. Dann folgt sehr steiles Waldgelände, wobei der Weg ganz gut erhalten ist, erst in einem folgen Schlag werden die Spuren ziemlich abgetreten. Wieder folgt steiler Hochwald mit eher weit auseinander stehenden Stämmen, zwischen denen es rasant bergab geht. Also gutes Schuhwerk und die Walkingstöcke sind hier bestens am Platz. In wechselndem Erhaltungszustand, weniger steinig als wurzelig, schlingt sich der Steig mit einigen Kehren hinab zu einem schon sichtbaren Forstweg. Noch einmal über eine etwas abschüssige Böschung, dann haben wir das “Kastner Gschliaf” (ÖK Gschlief) hinter uns! Gut ist es gegangen, 35 Minuten vom Rastplatz oberhalb der Kitzhütte, und nach dieser “Schlüsselstelle” (ich wäre sie lieber im Aufstieg gegangen) haben wir nur noch 5,5 km Forststraße vor uns.

Für Begehung in der Gegenrichtung muss ich einen wichtigen Hinweis anbringen: Am Ende des hier begrünten Forstweges vom Ebnerbrand her keinesfalls geradeaus den Wildspuren in den Wald hinein folgen, denn diese führen in die Abgründe das “Gschliafs”. Sondern gleich an einem ziemlich frischen Baumstumpf vorbei (eine höchst undauerhafte Wegangabe, ist mir bewusst!) direkt auf spärlichen Spuren über die Böschung hinauf, wo dann der ebenfalls spärliche Steig unbedingt gefunden werden muss!

Nach 3 1/2 Stunden fleißigen Wanderns kommen wir nun “immerhin” gut voran. Und das ist auch gut so, denn die Forststraße schlingt sich in endlosen Bögen ohne wesentliche Höhenunterschiede durch die Waldhänge. Keine Höhepunkte, nur oben steilstes Waldgelände und unten Abgründe, vor uns ein bequemes Dahinmarschieren. Zum “immer hin” gelangen wir erst am Ende der zwei Stunden bis zum Parkplatz. 5,5 km aus der ÖK gemessen, dürfte wohl ein bisschen mehr sein, denn außer einem Eierschwammerlstop bei der Berger Brandhütte gab es keinen Aufenthalt. Oder doch  Verzögerungen, als einige Gefällstrecken  “Knieschnackeln” verursachten und mit stärker besonnten Gegensteigungen abwechselten.

Der Flurname “Siebenbrunn” auf etwa einem Drittel der Strecke weist auf die geologischen Verhältnisse des Königsbergzuges hin: Auf der Südseite im Sandgraben eine Dolomitlandschaft, gegen die Kammhöhe zu die Schichtfolge zu immer jüngerem Gestein, über Plattenkalk und Kössener Schichten zu Jurakalken. Hier am hohen Nordhang gehen wir anscheinend teilweise mergeligen Kalken entlang, die wir im Vergleich zum St. Veiter Staff und anderswo als Aptychenkalke (Unterkreide) ansehen. Da muss ein Quellhorizont eingelagert sein, sonst würden nicht so viele Quellen aufgehen, und einige davon sind in kuriosen Ableitungen eingefangen. Beim Tiefblick sehen wir unten die sonnig-freie Bergbauernlandschaft zwischen Hochschlag – Thomasberg und der Rotte Königsberg oberhalb von Göstling, leicht erkennbar an den sanften Formen und Wiesenflächen die Lunzer Sandsteinschichten (sehr pilzverdächtig, aber dazu reichte unsere Energie bei der Talfahrt nicht mehr).

Die nach drei Uhr angetretene Heimfahrt wurde in Göstling kurz unterbrochen, aber weil es wegen Stromausfall in der Konditorei keinen Kaffee gab, bis Gaming fortgesetzt. Dort war es bei Werner und “Hansi” (Johanna Tippelt) auf der Hausbank im Halbschatten ohnehin am gemütlichsten. Ein kleines Problem ergab sich, als im “Hauscafé” Cihak niemand zu wissen schien, welche Mehlspeisen die Tippelt´s am Stammtisch bevorzugen… Vom Hausherrn hieß es nur “ein Glaserl Rotwein”, na bitte, so kommen alle Schandtaten (sind sie natürlich nicht!) an den Tag. Und im schönen Licht zwischen spätem Nachmittag und frühem Abend fuhren wir dann übers Pielachtal wieder nachhause.

Notiz im Tageskalender: “Keine nennenswerten Haxnbeschwerden”, die Fotoausbeute ist ja hier beigefügt, und für Nachwanderer gibt es die Karte. Zusammenfassung – eine nette Bergwanderung, abgesehen vom “Kastner Gschliaf” lauter Spaziermärsche, und zu empfehlen für alle, die sich einen gemütlichen Tag mit Almeinkehr (die ist aber jetzt vorbei, vielleicht ab dem Juni 2013…) machen wollen.

In den letzten Tagen sind uns wirklich zwei schöne Touren gelungen – wieder zurück beim Hauptthema “Ybbstaler Alpen” !

Am Sonntag, 9. 9., machten wir eine Höhenrunde am Königsberg. Ausgangspunkt der Parkplatz Ebnerbrand oberhalb von Kurzeck bei Göstling, Überschreitung bis zur Kitzhütte und Rückweg an der Nordseite über Forststraßen und das “Kastner Gschlief” (5 Stunden).

Almkreuz am Schneekogel

Heute war ich allein am Oisberg bei Opponitz – ein ominöses Datum (11 – 9), wobei ich sogar eine “Tour am Eisernen Vorhang” erleben konnte. Insgesamt ca. 900 m Höhenunterschied und 6 Stunden reine Gehzeit: Lucken – Bauernboden – Schneekogel – Alpl – Bauernboden – Abstiegsvariante.

Über beide Touren wird noch berichtet!

Von Bad Hofgastein geht es mit Schrägaufzug und Gondelbahn ruckzuck fast 1200 Höhenmeter hinauf zur Kleinen Scharte. Die weitläufige Almmulde der Schlossalm ist touristisch intensiv erschlossen, überall Liftanlagen für den Pistenschilauf. Für den Sommer wurden Erlebniswege angelegt. Aber man soll sich nicht täuschen lassen – der malerisch wirken sollende Bergsee ist das Speicherbecken für die Beschneiungsanlagen.

Aber mit ein bisschen Geschick findet man auch Wege, wo die Natur ziemlich unberührt zu erleben ist. Der Ausblick wird vom Tischerkar mit seinen Bergspitzen und dem darüber aufragenden Ankogel bestimmt.

Abgesehen von Lawinenschutzvorrichtungen ist der Aufstieg hinauf zum Gratweg Richtung Türchlwand die ursprünglichst belassene Route und eine zünftige Tour. Dabei entdeckten wir auf einem sandigen Schutzwall oberhalb der Talstation des Sesselliftes zur Hohen Scharte sogar das seltene Tauernblümchen und den Niederliegenden Enzian. Jetzt im August ist aber die Blütezeit schon sehr fortgeschritten. Aus den Almrauschblüten haben sich schon die Früchte entwickelt, die wir bisher kaum beachtet haben. Eine Begegnung mit botanisierenden Wanderern (Herr Marschner aus Wien, besten Dank für die Hinweise; www.botanische-spaziergaenge.at ) hat uns darauf aufmerksam gemacht.

In schönster Blüte steht aber das Heidekraut, und die Blütenpolster mit ihrer hervorstechenden Färbung bilden den schönsten Vordergrund für die Gipfel der Sonnblickgruppe, den Hocharn und den Ritterkopf über dem benachbarten Rauriser Tal. Das über den nahen Silberpfennig herüberlugende Schareck tritt vor diesen beiden mächtigen Berggestalten eher in den Hintergrund.

Die Seitenkuppe zwischen Schlossalm und Angertal, von wo die Kasereckbahn heraufkommt, heißt Ochsenriedel, und hier ist sowohl die Wegkreuzung für den Almenweg bzw. den Abstieg Richtung Mittelstation Kitzstein als auch die Wende für den Ausblick vom Ankogelbereich Richtung Sonnblickgruppe.

Bei diesem  wunderschönen Rastplatz beginnt auch die Heidelbeer-Ernte. Aber die meisten Früchte finden wir dann am Rückweg zur Gondelbahn, also hat es sich ausgezahlt, dass wir nicht den längeren Abstieg mit dem Pisten- und Forststraßenmarsch zur Mittelstation unternommen haben. Die Bergbilder, die sich hier bieten, müssen uns für eine längere Wanderung eben als Ersatz dienen.

Zwischen den Badetagen in der Alpentherme Bad Hofgastein ist uns mit der Schlossalm ein zwar schon öfters erlebtes Wandergebiet beschert gewesen, aber diesmal haben wir es besonders (und auch besonders mühelos) genießen können. Ein letzter Blick noch über die Almen und hohen Berge, dann ist bald der Abschied vom Gasteiner Tal gekommen, aber es geht ja noch weiter… nach Süden an die Adria…  Auch dort wird es ja nicht nur ums Baden und Faulenzen gehen, sondern irgendein Naturerlebnis wird uns bestimmt wieder einfallen!

 

Am Samstag, 8. September, startete mit Jakob unsere schon längst versprochene Bergwerksexkursion. Als Ziel waren die alten Erzbergbaue am Hocheck und Galmeikogel in der Annaberger Schmelz naheliegend.

Insgesamt waren wir gute vier Stunden unterwegs, noch dazu ohne Proviant! Aber zum Glück hatte  Jakob in seiner Trinkflasche ganz gewöhnliches Wasser eingefüllt, und das bekam dann Checky in einer aus einem Plastiksackerl improvierten Trinkschüssel zur rettenden Labung.

Beim Dachsboden entdeckt man oberhalb der Forststraße unschwer im Hochwald die vorspringenden Haldenaufschüttungen. Wir fingen allerdings schon zu früh mit dem Suchen an, entdeckten vorerst nur einige verdächtige Gräben ohne Stolleneingänge, aber die Mühe lohnte sich dennoch. Denn hier gibt es zwei noch freiliegende Eingänge, die wir ein paar Meter weit besichtigen konnten, weiter hinein trauten wir uns selbstverständlich nicht, und gehämmert wurde nur im Freien! Übrigens sammelten wir daneben noch ein ganz schönes Sackerl Eierschwammerl!

Nach weiterem Aufstieg zur Straßenkruzung östlich vor dem Steilanstieg des Hochecks gingen wir kurz links auf dem Forstweg zum Stollenportal in der Felsrippe, wo unterhalb eine steile Geröllhalde in den Erzgraben hinabzieht (Achtung – vom Hang oberhalb Steinschlaggefahr!). Das rechte Loch endet nach ein paar Metern, aber dafür stießen wir dort auf eine Eidechse mit eigenartiger Zeichnung.

Aus dem linken, im harten Kalkstein bestens erhaltenen Stollen wehte ein kalter Luftzug heraus. Ein Stück wagten wir uns hinein, aber den schönsten Steinfund machte Anni dann weiter heraußen. Als Jakob den Brocken zertrümmerte, kam ein bunt glitzernder “Mineralquerschnitt” zum Vorschein, den wir aber nicht näher zu benennen wussten. Aber immerhin war es ein “schöner” Funde, und Jakob ordnete ihn als Silbererzschatz ein, weshalb die Expedition letztlich erfolgreich war.

Mittag war schon längst vorbei, mit Jakobs spärlichen zwei Schokoriegeln und ein paar Maoam stärkten wir uns notdürftig. Dann ging es an den Rückweg – nördlich hinauf zur Almwiese und auf der geradeaus weiterführenden Forststraße an der Westseite des Galmeikogels entlang. Leider konnte ich den in der Karte angedeuteten und von uns auch schon vor längerer Zeit begangenen Abstieg in die Koteau nicht ausmachen. Wir hielten uns bei der folgenden Kreuzung auf der anscheinend besseren Trasse rechts in der Hoffnung, dass diese neue Forststraße nicht irgendwo im Wald oder weiter nördlich am “Eisernen Löffel” enden würde (Steilhang mit Schlaggelände seit den Windwürfen der Winterstürme vor einigen Jahren). Tatsächlich ging die voll Lastauto-taugliche Forststraße brav mäßig bergab weiter, drehte aber bald nach Süden und mündete wieder in unseren Aufstiegsweg… also nix mit Rundtour…

Die letzten paar hundert Meter zum Auto waren wir alle vier schon ziemlich “geschlaucht”, aber die Einkehr im Gasthauf Meyer in Annaberg brachte uns bald wieder in Schwung, wenn auch diese Mittagsmahlzeit erst im halb fünf Uhr zustande kam.

Ich füge hier die Bilder von unserer “Expedition” ein und eine Routenkarte mit Eintragung der nennenswerten Stollen, soweit sie mir bekannt sind. Wer mehr über das Annaberger Erzrevier wissen will, kann in Karl Oswald´s und meinem “Naturerlebnis NÖ” nachlesen. Zusätzlich habe ich einen ausführlichen Text aus dem Entwurf dieses Buches angeschlossen.

Im Annaberger Erzgebirge („Silberstollen“ am Hocheck)

Wohl jedem Mineralienfreund wird „Annaberg im Erzgebirge“ als historisch bedeutender Bergbauort in Sachsen ein Begriff sein. Dass der bekannte Wallfahrtsort Annaberg in Niederösterreich einst auch durch sein „Erzgebirge“ berühmt war, wissen jedoch nur die Einheimischen und heimatkundlich Interessierte. Nicht zu vergessen jene Forscher, die mit unermüdlicher Ausdauer seltenen Mineralien und oft damit verbundenen, längst aufgelassenen Bergwerken auf der Spur sind.

Die folgende, für Laien fast kurios anmutende Geschichte begann 1772. Damals beschrieb Ignaz von Born erstmals einen gelb-rot durchscheinenden Bleispat mit unserem Annaberg als Fundort. Dieses sogenannte Gelbbleierz wurde später zu Ehren des berühmten Naturforschers Wulfen als „Wulfenit“ bezeichnet. Bei einem Besuch im kärtnerischen Bleiberg bekommt man dieses dort gar nicht so seltene Mineral sogar als Andenken zu kaufen. Die Belege aus Annaberg sind hingegen historische Funde, aufbewahrt u. a. im Wiener Naturhistorischen Museum und in der Stiftssammlung von Lilienfeld (der damaligen Grundherrschaft von Annaberg). Als Teil der Born´schen Sammlung gelangte der Wulfenit sogar in das Britische Museum in London. Neufunde aus Annaberg gab es seither nicht mehr, und so wurde der niederösterreichische Fundort als „Typlokalität“ allmählich angezweifelt. Nicht jedoch von einem fanatischen Mineralienforscher namens Christian Auer aus Neunkirchen, der die Suche nach dem Annaberger Wulfenit nicht aufgab.

Mehr als 200 Jahre nach den Erstfunden ereignete sich schließlich 1983 „ein kleines mineralogisches Wunder“, wie die Fachwelt meint. Für Annaberg als historischen Bergbauort war es sogar ein epochales Ereignis! Christian Auer gelang die Öffnung der Nepomuk-Grube am Galmeikogel, und dort fand er in der Folge mit seinen Gefährten nicht nur Wulfenit, sondern auch Vanadinit und Descloizit. Diese beiden Minerale waren „von den Alten“ nicht erkannt worden, sonst wäre auch für sie Annaberg als „locus typicus“ in Frage gekommen. Für den Wulfenit bleibt Bleiberg weiterhin das wichtigste Vorkommen. Annaberg gilt jedoch als gesicherter „Erstfundort“ und soll nunmehr als „Typlokalität“, wo dieses Mineral auch erstmals beschrieben wurde, endgültig Anerkennung finden.

Seinen Ruf als „Erzgebirge“ verdankt Annaberg allerdings nicht dem Wulfenit, sondern einem überaus ergiebigen Silberbergbau, der allerdings nur von 1752 bis 1767 bestand. Die Annaberger Grube, an der sogar Kaiserin Maria Theresia Anteile hatte, galt zu dieser Zeit als reichstes Silbervorkommen der Monarchie. Wie bei den anderen hier erschlossenen Bodenschätzen (Eisen, Blei und Zink) waren die Lagerstätten aber nur kurze Zeit oder überhaupt zu wenig ergiebig. Förderung und Verarbeitung der Erze wurden daher bereits im 19. Jahrhundert endgültig eingestellt. Kohlebergbau betrieb man zuletzt um den 1. Weltkrieg, und Versuche zur Wiederaufnahme der Eisengewinnung blieben 1939 / 40 wegen zu geringer Rentabilität vergeblich. Heute gibt es nur mehr wenige Erinnerungen an die Bergbauzeit: Den Ortsnamen „Schmelz“ für die ehemaligen Verhüttungsanlagen am Lassingbach und die 1758 und 1765 geprägten Annaberger Maria-Theresien-Taler.

Von weitaus längerer Dauer war die Gipsgewinnung in Annaberg. Bereits 1753 brachte der Annaberger Pfarrer als Verwalter des Stiftes Lilienfeld Gips in den Handel, und erst 1922 wurde der letzte Gipsstollen beim Bergbauern geschlossen. 1990 stieß man dort bei der Suche nach Wasser für die Beschneiungsanlagen auf eine leider für den Besuch nicht erschlossene „Seegrotte“. Der früher als Baustoff und Düngemittel verwendete Gips entstand am Beginn des Mesozoikums (Erdmittelalter) durch teilweise Eindampfung seichter Küstenlagunen in einem sehr trockenen Klima. Wie die alpinen Salzlagerstätten ist er in den tiefsten Gesteinsformationen der Kalkalpen, den Werfener Schichten, enthalten. Im Zusammenhang mit Gips finden wir noch heute in Annaberg eine merkwürdige, leider nur wenig beachtete geologische Naturerscheinung. Es sind die tiefen Kluftbildungen auf dem „Ginsel“ (neben dem Spazierweg zwischen Gamsburg und Ötscherbankerl), hervorgerufen durch das Abgleiten der starren Kalkgesteine auf dem Gleithorizont der unterlagernden, gipshältigen Werfener Schichten.

Das bemerkenswerte „Augenbründl“ im Annaberger Zeiserlgraben (unterhalb der einst als Bergverwaltung dienenden Volksschule) ist jedoch längst versiegt. Es weist aber auf den geologisch-medizinischen Hintergrund so mancher Legende hin, wie sie sich um die an Wallfahrerwegen häufigen Heilbrunnen ranken. Diese Quellen können nämlich durch Vererzung der Kalkschichten, aus denen sie entspringen, einen wenn auch oft nur geringen Zinkgehalt aufweisen. Dieser wiederum ist die Ursache für ihre bei Augenleiden lindernde oder sogar heilsame Wirkung!

„Silberstollen“ am Hocheck: Geologische Rundwanderung zu den ehemaligen Erzstollen am Galmeikogel und Hocheck.

Route: Annaberg / Innere Schmelz – Dachsboden – „St. Anna-Fundgrube“ – Ortbauernalm – Gsenger – Eiserner Löffel – Koteau; ca. 2 Std., Seehöhe 863 bis 1190 m.

Südwestlich von Annaberg kommt es zu einer „tektonischen Komplikation“, durch die Erzlager mit Silber, Blei, Zink, Eisen und Kupfer entstanden: Das aus Annaberger Kalk aufgebaute Hocheck gehört (nach neueren Untersuchungen) mit den Lunzer Schichten des „Schmelzfensters“ zur Sulzbachdecke. Von Nordosten her reicht die Dolomitzone der Reisalpendecke bis in den Erzgraben. Einen Ausläufer der Unterbergdecke bilden die Gutensteiner Kalke des Galmeikogels und die eingelagerten Werfener Schichten mit ihren kupferhältigen, aus Basalten des Ozeanbodens entstandenen Diabasvorkommen.

Zufahrt durch die Schmelz bis zur Abzweigung Richtung Fadental (Parkmöglichkeit). Ein kurzes Stück auf der Ulreichsberger Straße weiter und auf der rechts abzweigenden Forststraße ansteigend den Waldrand entlang. Am sumpfigen Boden und an den Sandsteinaufschlüssen der Böschungen und Gräben sind die Lunzer Schichten erkennbar. Im folgenden Wald tritt jedoch bereits Annaberger Kalk hervor, der auch die Felsabbrüche über der Engstelle des Lassingbachs aufbaut. Erst jenseits der Bergecke kommen wir in den Bereich der erzführenden Gutensteiner Kalke. Im flacheren Gelände befindet sich rechts neben der Straße ein verschütteter Stolleneingang mit Resten der Zimmerung. Kurz danach erblickt man oberhalb im Hochwald auffallende Vorsprünge – die Halden von zwei noch offenen Stollen! Wir befinden uns im Bereich der „Lilienfelder Eisenstollen“, die bereits ins 15. Jahrhundert zurückreichen. Sogar noch 1940 wurde für diese Brauneisensteinlager, allerdings vergeblich, das Schürfrecht für ein Grubenfeld „Bergmannsglück“ beantragt.

Bei der Waldwiese am Dachsboden zweigt links eine Forststraße zum Erzgraben ab, wir gehen aber geradeaus und kommen nach der „Finsterreit“ zum Bergrücken mit dem „Barbarabild“ (Anmerkung: Diesmal nicht gesehen). Rechts bemerkt man hier einen Ziehweg (Anmerkung: Neue Forststraße, über die wir beim Rückweg wieder in die Aufstiegsroute einbogen) Richtung Galmeikogel, wo 1765 der „Hoffnungsbau“ auf Blei-, Zink- und Kupfererze eröffnet wurde (Galmei ist ein auch „Bergmilch“ genanntes Zink-Mineral). In der wieder verschütteten Nepomuk-Grube wurden 1983 die bereits erwähnten Wulfenit-Kristalle gefunden.

Die am Hang des Erzgrabens weiterführende Forststraße bietet schöne Ausblicke zum Großen Sulzberg (Anmerkung: Derzeit schon ziemlich verwachsen). Wo sie sich auf das Hocheck zuwendet, fällt oberhalb ein verschütteter Stolleneingang auf, und kurz danach zieht eine Felsrippe vom Galmeikogel herab. Rechts an der Fichtenaufforstung vorbei erreicht man hier einen abgespaltenen Turm aus dünnplattigem Gutensteiner Kalk mit einem Felsfenster. Die Kluftbildungen sind wohl durch den Gleithorizont der vom Erzgraben heraufziehenden Werfener Schichten entstanden, die kurz danach entlang der Forststraße durch ihre rötliche Färbung auffallen. Bei der Kehre links abzweigend, kommt man zur „St. Anna-Fundgrube“ mit dem in einer Felsrippe aus Annaberger Kalk sich öffnenden Silberstollen.

Zurück zur Forststraße und auf dieser, am steil aufragenden Hocheck entlang, ansteigend zur Sattelwiese der Ortbauernalm (früher „Hollerer-Alm“ genannt und Fundort der ersten „silberglänzenden Steine“ im Jahr 1751). Die links ansteigende Forststraße führt zum Hocheck, man geht aber geradeaus weiter zum flachen Rücken des „Gsenger“, wo links eine neue Forststraße mit prachtvollem Ötscherblick am Bergrand entlang weiter führt.

Diese Route haben wir diesmal nicht gefunden: Gleich bei deren erster Biegung geradeaus zu einem alten Ziehweg hinab, dessen feuchter Rand die unterlagernden Werfener Schichten verrät (der Flurname „Sulz“ wird häufig für feuchte Geländestellen verwendet). Im folgenden Grabengrund auf Steigspuren rechts bergab zur Forststraße am „Eisernen Löffel“.

Auf dieser rechts weiter bis vor die nächste Kehre mit Tiefblick in die Schmelz. Hier fallen an den Böschungen bereits wieder die bräunlichen Sandsteine der Lunzer Schichten auf. Der Hochwald ist auf diesem vegetationsfreundlichen Boden dicht mit Moosen und Farnen bewachsen, bei der unteren Kehre treten über dieser wasserstauenden Schicht Karstquellen hervor. Im folgenden Graben wächst stattlicher Hochwald von Tannen, Fichten und Rot-Buchen, durchsetzt von ausgedehnten Feuchtbiotopen. Hier wurde Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Gewerken Fischer aus St. Aegyd ein Kohlebergbau eingerichtet, der auch noch während des 1. Weltkriegs in Betrieb war. In der folgenden Koteau, wo die Straße zum Ausgangspunkt zurückführt, bestand das Maschinenhaus der „Gewerkschaft Annaberg“ (Lassingrotte Nr. 25).

Zwei Wochen danach – mit den (fast) letzten Heidelbeeren von der Schlossalm gab es einen “Heidelbeerschmarren” nach besonderem Rezept. Nein, eigentlich war es schon eher ein Soufflé von und mit Heidelbeeren. Das wunderbare und wahrscheinlich gesunde an diesen Früchten = sie sind ungemein haltbar. Unsere “Tauernheideln” hatten immerhin schon eine weite Reise hinter sich, 800 km zwischen Gastein – Grado – Gölsental und davon vier Tage ! nicht ! extra gekühlt…

So, aber nun vorläufig Schluss mit der Heidelbeerschwärmerei, und morgen folgt die Fortsetzung mit der Schlossalm-Wanderung!

Wieder nix aus der Schlossalm geworden, denn heute ging es nach Annaberg zur Erforschung der alten Silbererzstollen am Galmeikogel mit Jakob. Und dabei begegnete uns sogar ein kleiner “Höhlendrache”….

Durch das Gasteiner Tal führte schon in frühgeschichtlicher Zeit eine Handelsroute, die Römer verbanden hier auf kürzester Strecke Juvavum / Salzburg mit Teurnia / Spittal an der Drau. Von der Salzach hinein in “die Gastein” ging es aber vor der Urstraße durch den Klammpass (heute bewundert man angesichts des Straßentunnels die Abenteuerlichkeit dieser Felspassage) über die “Drei-Waller-Kapelle” hoch über Klammstein (eine für uns noch ausstehende Wanderung).

Über den Tauerhauptkamm führten dann zwei Routen zwischen Böckstein und Mallnitz – der Hohe Tauern oder Korntauern bzw. der Niedere oder Mallnitzer Tauern aus dem Naßfeld mit der Hagener Hütte. Uns interessierte besonders der Korntauern, da ich dort nur bei der Begehung des Tauernhöhenweges nahe vorbeigekommen war (den Mallnitzer Tauernweg haben wir vor ein paar Jahren von Sportgastein aus erkundet).

AB Mallnitzertal und Kreuzeckgruppe

Der Tauerntunnel bietet für Gastein eine vorzügliche Erweiterung des Tourengebietes, egal ob man mit dem Auto durchfährt, um in Mallnitz oder noch weiter davon flexibel zu sein, oder bei Bahn- und Busbenützung. Der Ankogel mit Auffahrt fast bis zum Hannover Haus hatte uns schon einmal gefoppt (Montag und Dienstag kein Betrieb), da waren wir weiter aufs Schareck gefahren bzw. hatten wir  ein große Runde über die Glocknerstraße geplant (alles im Blog schon einmal berichtet). Diesmal waren wir vorgewarnt, aber statt dem Ankogel (waren wir beide und ich sogar mehrmals oben) sollte es eine Höhenwanderung zum Korntauern werden.

BB Ankogel

Das schönste Wetter für unsere “Gasteiner-Wanderzehntage” war am Sonntag (19. August) angesagt. Allerdings unterschätzte ich den Andrang bei der Tauernschleuse, und so verließen wir die Ankogelbahn erst um die Mittagszeit, immerhin auf über 2600 m. Fast alle Gäste “wurln” hier zum Hannover Haus hinauf, um als höchstes der Gefühle dann die Pistenrouten zur Mittelstation hinabzuwandern. Die Ankogel-Anwärter waren ja sicher schon früher unterwegs, wir begnügten uns mit den ersten hohen Gipfelblicken – neben Ankogel als Hintergrund des Seebachtals die Hochalmspitze, das Säuleck und die auch ganz markante Maresenspitze, sogar ein Blick zum Hocharn, dem eisigen Nachbarn des Rauriser Sonnblicks, öffnete sich unverhofft. Ganz bezaubernd aber war die Aussicht über das Mallnitzer Tal gegen die Kreuzeck-Gruppe mit ihren im Gegensatz zu Gastein dunklen und fast abweisend wirkenden Gipfeln. Wie überhaupt die Nordseite der östlichen Tauern im späten Sommer, wenn die zierenden Schneefelder schon weitgehend abgeschmolzen sind, ein freundlicheres Bild bietet.

AB Säuleck und Maresenspitz

Irgendwelche Umarbeiten hatten eine Wegumleitung verursacht (noch dazu über die Schotterpiste), wir folgten aber dem Alpenvereinsweg gleich über den Grat zum Elschesattel – schon nach wenigen Schritten abseits des Touristentrubels (wenn dort überhaupt ein solcher herrscht, höchstens am Parkplatz unten erschreckend) und mit einigen Blümchen (Zwergseifenkraut) und Fotoblicken. Dann ging es in das weitflächige Kar der Hinteren Lugge hinein, immer den 502-Markierungen nach.

Ein sanftes Stück ‘Tauern-Höhenweg

Im Spätsommer ist diese “Haute Route”, abgesehen von den wenigen expnierten Stellen, ziemlich problemlos, zahme Steige sind allerdings die Ausnahme, oft gibt es Blockfelder mit “Sprungschritten” oder steilhangige Querungen. Hier geht es auf dem Abschnitt “Göttinger Weg” gemütlich dahin (trotz Sperrtafeln, aber sicherlich nicht die erste Strecke betreffend, oder doch wegen der Bauarbeiten?).

BB Tauernhöhenweg gegen Gamskarlspitze

Was uns aufhält, sind die Gesteinsverhältnisse: Zwischen den Zentralgneis-Kernen von Sonnblick und Hochalmspitze-Hafner treten nämlich im Ankogelbereich vielfältigere, bunte Gesteinsserien (ältere Schieferhülle des Tauernfensters) auf, die bei Mineralsuchern als sehr fündig gelten. Die vielfach hervortretenden Quarzgänge sind daher vielfach “beklopft”, aber ein klarer Bergkristall bleibt wohl den professionellen “Strahlern” oder einem außergewöhnlichen Zufall vorbehalten. Noch dazu, wo unser Geologenhammer im Auto gelassen wurde! Viel leichter zu finden sind etwas Glimmerschiefer mit Granaten oder überhaupt “schöne” Steine – das verbrauchte Jausen- und Getränkegewicht im Rucksack wird daher bald von den Funden ausgeglichen… Und die Zeit läuft auch schon fast davon, denn nach 16 Uhr fährt die Gondel von der Mittelstation zu Tal, also flott jetzt weiter!

BB Luggetörl

Das  Luggetörl leitet über einen schärferen Kamm hinüber ins nächste Kar unter dem Korntauern. Hinauf sollen sogar einige alte Eisenklammern helfen, jenseits schlingt sich der schmale Steig geschickt an Felsplatten vorbei wieder ins weitläufige Kar hinab. Nur Blockhalden hemmen das rasche Dahinwandern, aber dafür geht es eher bergab und erst zuletzt ein Stückchen hinan zur Wegteilung zwischen dem Tauernhöhenweg und dem querenden Römerweg, von dem eine kurvige Steinschlichtung deutlich bereits erkennbar ist.

BB Blockhaldenkopf und Säuleck

Wie eine Gedenktafel anmerkt, wurde dieser Tauernweg schon vor 5000 Jahren begangen, also in jener fernen Zeit, als der berühmte Bronzezeitmensch Ötzi im Schnalstal den Alpenhauptkamm überquerte und dabei sein eisiges Grab “fand”. Dabei war es im damaligen Klimaoptimum sicher viel wärmer auf den hohen Bergen als heute. Als Saumpfad oder vielleicht sogar stellenweise als Karrenweg ausgebaut haben den “Tauern” dann die Römer und sicher noch die Gewerken des Mittelalters, und bis in die Neuzeit hinein waren die Römerwege in intensiver Benützung. Erst der Durchschlag des Tauerntunnels um 1907 lenkte den Personen- und Warenverkehr von den Höhen ins Tal.

Auf dem Römerweg

Wegen der fortgeschrittenen Zeit müssen wir auf den Aufstieg zur Schartenhöhe des Korntauerns leider verzichten. Aber der Rastplatz kurz vor dem Kleinen Tauernsee und dieses in Blockwirrnissen eingelagerte “Doppel-Seelein” lassen uns das verschmerzen, denn es geht schon dem mittleren Nachmittag zu, und erst jetzt ist die Mittagsjause angesagt. Zum Glück erweist sich meine Zeitschätzung für den Abstieg zur Mittelstation diesmal als voll zutreffend und sogar mit Reserve geplant (Anni ist da seit unserer Dürrensteintour eher skeptisch gewesen…).

BB Kleiner Tauernsee Westhälft mit Korntauern (rechts unten winzig ein Wanderer)

BB Im Tauernsee-Kar (mit Maresenspitz und "Steindler")

Der Römerweg selbst ist eine stellenweise erstaunlich gut erhaltene Trasse, mit Dammschlichtungen, Steinpflasterungen und oft als Rasenband im Blockwerk erkennbar (in den Bildern durch Bearbeitung hervorgehoben). Wo das Gelände steiler ist, haben sicher Erosion und Bergstürze den alten Verkehrsweg beeinträchtigt, zumal er seit mehr als 100 Jahren ja nicht mehr benützt und daher nicht instandgehalten wird. Das Bild mit dem vom Schönbretterkopf herabgekugelten Riesenblock mit Anni als Zwergerl daneben zeigt die Naturgewalten ganz deutlich.

BB Riesen-Bergsturzblock mit "Zwergerlanni"

BB Hervorgehobener Trassenverlauf auf Dammschlichtung

Im schönsten Nachmittagslicht und bei angenehmer Wärme ist dieser Abstieg ein wahrer Genuss, immer den hohen Felskamm vom Säuleck zum Maresenspitz vor Augen und im Rückblick die Gamskarlspitze mit ihrem hohen, von einem winzigen Gletscherrest erfüllten Gipfelkar. Zuletzt werden die gequerten Hänge immer steiler, und von den historischen Wegspuren ist hier nichts mehr zu bemerken. Dafür kommen die ersten Lärchen und Wetterfichten in Sicht, und das blühende Heidekraut lässt die Zwergstrauchheiden violett aufleuchten.

BB Abstieg über die Hänge an der Vorderen Lugge

Krönender Abschluss der Tour ist der Blick auf die nun voll beleuchtete Granitwand der Hochalmspitze über dem Lassacher Winkelkees. Kaum zu glauben, dass wir in unserer noch gar nicht so lange zurück liegenden Periode eines alljährlichen Dreitausenders dort über den Detmoldergrat hinunter gekraxelt sind. Ganz zu schweigen von der Winkelscharte, die wir 1965 bei viel Neuschnee durchstiegen haben, sicher damals viel leichter als bei dem heutigen voll ausgeaperten und sicher von Steinschlag noch mehr bedrohten Zustand.

BB Hochalmspitze mit Detmoldergrat (rechts) und Winkelkees

Gerade wartet die vorletzte Gondel schon startbereit, und beim Hinabfahren kommen wir in der kaum belüfteten Kabine erst so recht ins Schwitzen, wie den ganzen Tag nicht! Die Rückfahrt mit der Autofähre kann auch ohne Verzug erfolgen, und bei zunehmenden Hitzerekorden an den nächsten Tagen ist Genießen in der Alpentherme Bad Hofgastein angesagt – auch ein Bergerlebnis, aus dem wohlig warmen oder frisch kühlen Becken oder dem Liegestuhl das optische und virtuelle Gipfelerlebnis zu absolvieren…

AB Säuleck - Granitpyramide im Hochalm-Zentralgneis

Das 2033 m hohe Fulseck zwischen Dorfgastein und Großarl bietet wohl das großartigste und umfassendste Gipfelpanorama im Gasteiner Tal (nicht nur weil bequem mit der Gondelbahn von Dorfgastein aus erreichbar…).

AB Glocknerblick vom Panoramaweg

Der Rundblick reicht von den Nördlichen Kalkalpen (speziell Hochkönig bis Dachstein) über die nahen Schieferberge und die das Gasteiner Tal begrenzenden Kämme zum Tauernhauptkamm – dort ragen vom Großen Hafner über den Ankogel und das Schareck bis zum Sonnblick und Hocharn die nahen Dreitausender der östlichen Hohen Tauern.

AB Schigebiet Fulseck - Kreuzkogel, Bildmitte Gipfel um den Gasteiner Gamskogel, am Horizont Tauernkamm vom Ankogel bis zum Schareck

Einen Querschnitt durch die Glocknergruppe bietet der Ausblick gegen Westen (siehe mein aktuelles Headerbild), wo sich vom Großglockner in seiner Idealansicht bis zum Wiesbachhorn die Höhepunkte aneinander reihen. Im Vordergrund ragt der Bernkogel auf, ein schwieriger Wanderberg zwischen Rauris und Dorfgastein.

BB Panoramaweg Richtung Arltörl mit Ausblick zur Dachsteingruppe

Die Auffahrt aufs Fulseck ermöglicht eine ganz hübsche Bergab-Rundwanderung über den Kammweg zum Arltörl (dort die Abzweigung auf den Schuhflicker, haben wir schon begangen) und zurück zur Mittelstation. Wer lieber “kniehalber” bergauf als bergab geht, beginnt bei der Mittelstation und nimmt den fürs Aufsteigen besseren Weg über die Grabneralm zum Arltörl und weiter auf das Fulseck zur Talfahrt mit der Gondelbahn. Wir wählten die Bergabwanderung und erwischten am 18. August das absolute Traumwetter – klarste Sicht (ferne Gipfel im Himmelsblau fast schwebend), ein frisches Lüftchen dazu, also ideal zum Wandern und für einen Aufenthalt zum Heidelbeernaschen am Gipfelkamm.

BB Naher Flugverkehr und Fernblick zum Wiesbachhorn

Der Fulseckgipfel ist ja voll verbaut (im Winter eine herrliche Sonnenterrasse), aber ein kleiner Gupf bleibt noch für den Gipfelkuss! Dann geht es auf einem neu ausgebauten Promenadenweg mit esoterischen Stationen nordwärts am Kamm entlang bergab. Wo der Steig ursprünglicher erhalten ist, öffnen sich im Kamm durch Bergzerreissungen (ein rezenter geomorphologischer Vorgang) kleine Seitengräben, wo einzelne Lacken eingelagert sind. Daneben überall dichte Zwergstrauchheiden mit reifen Heidel- und Rauschbeeren, sich schon rötenden Preiselbeeren, schon verblühten Alpenrosen und Heidekraut in schönster Vollblüte.

Großglockner, pyramidal gestaffelte Geologie der Hohen Tauern

Wir haben aber die bequemere Talseite gewählt, obwohl vom Seilbahngelände des Fulsecks aus auch ein zackiger Gipfel zu machen ist – der aus schroffen Klammkalken (wie in der Liechtenstein- und Kitzlochklamm) aufgebaute Schuhflicker.

Kammteich mit Glocknergruppe, in Bildmitte der Gastein-Rauris-Kamm, links an der Baumgrenze beim Bergvorspurng das Wetterkreuz

Als Hintergrund holt sich das fantastische Coolpix-Supertele die malerisch aufgereihten Gipfel heran. Aber auch die “Gruppenbilder” von Bischofsmütze – Dachstein, Hafnergruppe und Ankogel, Sonnblick und Hocharn, vor allem der Kamm vom Glockner zum Wiesbachhorn, das sind kaum zu übertreffende Blickpunkt. Und man genießt sie in müheloser Genusswanderung!

Am "Pilzweg" zwischen Heumoosalm und Mittelstation

Vom Arltörl, dem uralten Übergang von Dorfgastein nach Großarl mit einer kleinen Passkapelle, wenden wir uns auf den “Pilzweg” Richtung Mittelstation. Tatsächlich stehen hier alle möglichen Schwammerl herum, aber unsere Genussobjekte sind nicht dabei. Über die Heumoosalm gibt es dabei sogar schöne Wandersteige, und die Forststraßen halten sich in Maßen, bis wir nach genießerischen Stunden (dass man für eine solch eher kleine Tour so lang brauchen kann?!) bei der Mittelstation eintreffen und entspannt ins Tal hinab gondeln.

Mein neues Headerbild zeigt unsere zuletzt genossene Wanderregion – die Hohen Tauern, konkret im Bereich Gasteiner Tal. Hier der Ausblick vom Fulseck bei Dorfgastein mit: Großglockner und Glocknerwand, davor Fuscherkarkopf, die Gipfel rund um den oberen Pasterzenboden (trapezig die Hohe Dock, daneben Großer Bärenkopf), rechts folgen das Wiesbachhorn und der Hohe Tenn.

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