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Immer die Quahl der Wahl – eigentlich wollten wir heute auf den Tirolerkogel gehen, aber ohne Schi (obwohl jetzt der Schnee schon reichen sollte)… Dabei ist herrscht vor unserer Haustür schon der tiefste Winter mit ca. 25 cm Schnee und bäriger Kälte! Also doch zum Naheliegenden – und gleich die neue Bewirtschaftung der Stockerhütte ausprobiert.

Route wie bewährt – neben der Kirche in Schwarzenbach (nicht an, sondern abseits der Gölsen) zum Lurgerweg, komplette Runde auf dem tut gut-Wanderweg Route 1 + 2. Für die Schneeschuhe war es heute ideal, die feuchten Stellen gefroren und verdeckt (nichts schlechter, als bei “kaltem” Schnee ins Feuchte zu treten mit soooo hohen Stöckeln in der Folge). Markierung einwandfrei, nur nach der zweiten kleinen Bachquerung beim Aufstieg durch den Wald fehlen ein paar Marken (für Nachgeher – über das Bächlein steigen und gleich links den Graben entlang hinauf).

Stockerhütte – seit 18. März 2010 schon residiert und serviert und schmähführt hier der neue Wirt Paul Polman (aus Holland !), seine Köchin zeigt (wie er) Qualitäten, wie wir an Schweinsbraten und Fleischknödel (Hausmacher, nicht vom Fleischhauer) und Gugelhupf probieren konnten.

http://home.stockerhutte.com/

Das Wetter war ohnehin sibirisch trüb, also wäre in Annaberg die Wolkendecke noch dichter gewesen. Unterwegs waren auf dieser idealen Route zur guten Einkehr im Wiesenwienerwald mehrere Schneeschuhgeher.

Und beim Abstieg heimsten wir noch einige Barbarazweigerl ein…. und jetzt hat es draußen unter minus 10 Grad, da war es ja heute mittag direkt mild… und eine gelungene kleine Tour war´s außerdem, ohne Stress und Schitourengeherkonkurrenz.

Ein Kontrastprogramm zum derzeitigen frühen Winter, bei uns ja ganz moderat, aber in Berlin minus 10 Grad, vielleicht auch bald im Waldviertel.

… lockte uns wieder Mariazell – nicht der Gnadenort selbst, wo jetzt bereits die erste Kerze am Riesenadventkranz brennt. Sondern noch ein Stück Mariazellerweg, nämlich aus der südwestlichen Steiermark, zwischen Eibiswald und Graz.

Das war der Reisegrund, und Anlass dazu bot endgültig und rasch gebucht (eh schon wissen wo…? heuer schon viermal vorher!) im “Schilcherlandhof” in Stainz (gemütliches Gasthaus, gerade Gästeflaute, aber sehr um uns bemüht).

Am Steirischen Mariazellerweg 

Es ging dabei ums Erkunden der Landschaft und der einzelnen Wegabschnitte mit ihren “Längen” (womöglich) und ihren Höhepunkten (die überwogen). Als Talorte lernten wir kennen – Eibiswald, Schwanberg, Deutschlandsberg, Bad Gams und Stainz. Dazwischen einige ganz reizvolle Berghöhen – beim Hochmoasser, am Wolfgangiberg und auf der Stainzer Warte im “Gamsgebirg”, um nur die wichtigsten zu nennen.

Wetter war prachtvoll – ein leichter Stau hinter dem Radlgebirge an der slowenischen Grenze, sonst föhnig warm, Mittagsrast “Freiluft” bei der einzigartig schön gelegenen Kirche St. Wolfgang (fast hemdärmelig). Ein bisschen Buntheit noch in den Bäumen (viele schon kahle Edelkastanien), zwei Weingärten in rotem und gelbem Laub. Sonst hat der frühe Wintereinbruch auch dort schon allerhand angestellt. Bei noch frostigem Morgen Start im Weitwanderort Eibiswald, bei Sonnenuntergang auf der Stainzer Warte.

Vom Fuß der Leber nach Semriach

Dort setzt sich eine Variante des Mariazellerweges von Graz aus fort – anscheinend noch beliebter als die Standardroute von Mariatrost nach St. Radegung am Schöpfl und Passail. Dieser Ausflug gelang uns noch am Anreisetag, im Mürztal noch Nebel, dort herrlicher Fernblick über Graz hinweg. Mittags saßen wir schon im “Schilcherlandhof” und hatten ein ganzes Riesenpfandl voll Gansl zu bewältigen. Frischen Junker gab es auch gerade, und der neue Schilcher ist eine Geschmackswonne mit unglaublichen Fruchtaromen. Wir genossen alles sehr, nur das in der Ölmühle Farmer-Rabensteiner gekaufte Kürbiskernölbad müssen wir erst gewöhnen – Kernöl im Salat begeistert mich jedenfalls mehr als in der Badewanne…

Zusammenfassend – zur Baumblüte wieder dorthin, und ein kleiner Ausflug zu den Bergkirchdörfern hoch auf der Koralm folgt noch – als Abwechslung zum derzeitigen Schnee…

Die Bilder zeigen die (nur lokal bekannte) erste Pilgerstation auf der Variante des Steirischen Mariazellerweges von Graz über Semriach.

Was würdet ihr aussuchen?

Geht bei mir leider auch nicht, Bilder hochzuladen (Browserupload) – Andreas teilt mir mit, dass er sich um Behebung des Fehlers (Systemfehler, Version…?), und ich halte ihm und uns allen alle zwei Daumen samt Großzehen. Mir tut es leid wegen der vielen und womöglich erfolglosen Arbeit damit.

Wer bis dahin Bilder von mir sehen möchte, könnte schauen unter: facebook Bernhard Baumgartner

Bin mir aber nicht sicher, wie das jetzt funktioniert, weil ich schon länger nicht im fb war, also bitte um Geduld auf allen Fronten!

Schon wieder ist das Problem aufgetaucht, wie weit der Wienerwald von Wien nach Westen reicht!

Für mich geografisch klar – bis zur Traisen und Gölsen bzw. Triesting. Manche(r) glaubt, mit dem Schöpfl endet der Wienerwald. Natürlich nicht! Denn nach dem Schöpfl als höchstem Wienerwaldgipfel folgt gegen Westen die Klammhöhe als Sattel zwischen Laabenbach/Tulln und Gölsen/Triesting und anschließend erhebt sich gleich der Gföhlberg als zweithöchster “Wienerwäldler”.

Ich habe schon vor mehr als 20 Jahren für das noch weiter gegen Westen anschließende Gebiet, bis zu den Gipfeln Rudolfshöhe bei Wilhelmsburg/Kreisbach (eigentlich kein Gipfel) und Steinwandleiten bei Traisen/Rotheau (besser bekannt durch die Stockerhütte und ein richtiger Gipfel) einen neuen Begriff erfunden – den “Wiesenwienerwald”.

Obwohl sich die Michelbacher Elsbeergemeinschaft entschlossen hat, ihre GenussRegion “Wiesenwienerwald . Elsbeere” zu nennen, gibt es gegen den Wiesenwienerwald immer wieder Widerstände. Zumal von Seiten des Tourismus – denn dieses Gebiet gehört noch zum Mostviertel und nicht zur Tourismusregion Wienerwald… Da soll sich einer auskennen!

Ich bleib aber beim Wiesenwienerwald, denn hinter unserem Gartenzaun in St. Veit an der Gölsen, beginnt er schon, und ich könnte mir keine schönere “Seelenheimat” vorstellen als dieses bunte Gemisch von Wiesen und Wäldern und bäuerlichem Kulturland!

Bilder aus dem Wiesenwienerwald zu allen Jahreszeiten!

Letzte Woche verbrachten Anni und ich im Relax Ressort Kreischberg bei Murau – ein komfortabler Ausgangspunkt für unsere Erkundungstouren am Hemmaweg und für die Judenburger Wallfahrt (bei günstigem Preisangebot empfehlenswert).

Gleich am ersten Tag, als noch dichte Wolken über die nach dem herrlichsten Herbstwetter plötzlich winterlichen Gipfel zogen, ging es zum Angewöhnen von St. Lorenzen hinein in den Graben Richtung Prankerhöhe. Zufahrt bis 1415 m möglich, wo sich die schöne Rundtour zum Hausersee gabelt (müssen wir im Sommer machen) – schon im Schnee, wie das Bild zeigt.

Am letzten Tag, nachdem alle geplanten Erkundungstouren erledigt waren (Sonntag 24. Oktober) kam dann die “Vergnügungswanderung”: Am Morgen bedeckter Himmel, Südströmung angesagt, noch immer Schnee in den Hochlagen, also wohin? Selbstverständlich wieder zu einem Hemmaweg – Einstieg von der Turrachhöhe Richtung St. Lorenzen am Speikkofel (wo wir im Frühsommer schon waren). Zum Glück war nur wenig Wind, denn die Kälte biss uns durch und durch, trotz warmem Berggewand, Haube und Handschuhen!

Beim Grünsee verlockten uns dann die Markierungen des “Drei-Seen-Wanderweges” – in drei Stunden rund um die Seen der Turrachhöhe, immer wieder Info- oder Anregungstafeln zum Sinneserlebnis und zur Naturkunde dieser Bergregion. Aber den größten Reiz machte der noch immer reichliche Schnee aus, in den die goldenen Lärchennadel gefallen waren, wobei auch die Bäume selbst noch ihr goldenes Herbstkleid zeigten. Noch dazu kam immer mehr die Sonne heraus! Eine traumhafte Wanderung (zu allen Jahreszeiten empfehlenswert, sogar im Winter auf den Loipen), und die Einkehr nahmen wir dem Anlass entsprechend beim “Seewirt” – würdiger Beiname “Schlosshotel”, alles köstlich und gar nicht übertrieben…

Dem Naturschnee hatte man auch schon nachgeholfen – bei Querung einer Piste sauste ich auf der wie Staubzucker wirkenden Schneefläche plötzlich dahin – es war eine glatte Eisfläche! Unvermeidlich nach einigem Dahinbalanzieren der “A…fleck” (richtungsmäßig das Gegenteil von Bauchfleck, wenn das überhaupt zu erläutern ist). Zum Glück überlebt, vielleicht besser als die Grashalme in ihrem künstlich geschaffenen Eispanzer!

Motto – unser erstes “gelungenes” Wandertipp-Blogger-Treffen auf der Araburg am Samstag, 9. Oktober 2010.

Ein herrlicher Herbsttag, gute Bewirtung von Frau Anni (nicht Baumgartner !) im Burgstüberl und ganz nette Stimmung bis zur Heimfahrt von St. Veit.

Trotz oder wegen allgemeiner Bedrängnis hat sich unser “Blogdichter” zu einem kurzen Verslein aufgerafft. Der Star war aber der “Erstklassler” der Baumi-Familie mit Autogramm und Herzerl (sechsmal geschafft, dafür aber keinen Sechser, sondern einen Einser vom pädagogischen Opa…).

Danke an alle, die kommen konnten, und für den Rest gibt´s sicher wieder einen Termin – womöglich im Waldviertel wegen Ausgleich der Fahrtstrecken!

Anni und ich sind am Samstag, 9. Oktober 2010, ab halb elf Uhr (= 10.30 für die “Andersgläubigen”) in Kaumberg am Marktplatz zur Stelle und freuen uns auf alle, die da kommen werden!

Zufahrt nach Kaumberg? Kein Problem, ob mit oder ohne – Navi (GPS-Daten kann ich nicht angeben), jedenfalls – zur Verwirrung – geografisch im Industrieviertel, politisch im Mostviertel…

Wir warten bis 11.15 (spätestens) und fahren dann durch das Laabachtal (beschildert, wenn wer nachkommt) bis zum Parkplatz Araburg. Von dort Aufstieg zur Burgruine in 20 bis 35 Minuten, je nach steilerem oder flacherem Weg. Einkehr mit “open end” im Burgstüberl!

Wer von Kaumberg hinaufgehen will (1 1/4 Std.), sollte schon um halb elf eintreffen, für die Rückfahrt nach Kaumberg findet sich sicher ein Plätzchen. Angeboten wird auch eine Kirchenführung in Kaumberg mit Stiegen-Auf- und Abstieg.

Übrigens – der flache Weg ist voll Kinderwagen-tauglich, und wir sind bei jedem Wetter da! Nur schön brav sein ganze Woche….!

Wenn man in ein reiferes Alter kommt, scheint es Gewohnheit zu werden, die “alten G´schichtln” auszupacken! Mein Freund Werner (Tippelt) hat einen originalen Tourenbuchbericht von seinerzeit schon einmal für ein Buchprojekt ausgearbeitet und jetzt in der Endfassung an mich geschickt. Hier folgt (weil wir so gute Freunde sind, ohne sein Wissen und schon gar nicht genehmigt) ein Bericht über unsere Besteigung der Rosskuppe-NW-Kante im Gesäuse am 15. Juli 1960, also vor glatt einem halben Jahrhundert.

Ein Jahr vorher - mit Werner am Großglockner

Gastbericht von Werner Tippelt (auszugsweise)

Extremtraining Haselsteinmauer 1959 (Zeichnung in meinem Tourenbuch)

Extremtraining Haselsteinmauer 1959 (Zeichnung in meinem Tourenbuch)

 

Ein hart erkämpfter Sieg

Für jede Kletterer gibt es zur Weiterentwicklung seines Könnens im wesentlichen 2 Möglichkeiten: entweder den besseren und sichereren Weg, indem Kletterkurse besucht und dort von erfahrenen Bergsteigern unterrichtet wird oder den wesentlich risikoreicheren Weg, mit einem gleichgesinnten Kameraden allein und völlig auf sich gestellt die Schwierigkeiten zu meistern. Ich habe mich von Anfang an für letzteren Weg entschieden. Zum Glück war mein Studienkollege Baumgartner -wir nannten ihn nur kurz Zwoni- schon immer ein sehr vorsichtiger Typ, der mich oft in meinem ungestümen Draufgängertum einbremste und so vielleicht zu meinem Schutzengel wurde. Freilich, manchmal wurde auch er von meinen hochfliegenden Plänen mitgerissen, stürzte sich dann mit mir ohne Rücksicht auf Verluste in das Abenteuer. Und ein ganz großes dieser Art, sollten wir im Haindlkar erleben.

Werner am 8 m -Wandl unter dem Heinriss in der Rosskuppenkante

 

Roßkuppenkante! Irgendwann einmal steht diese Idee zwischen uns, ergreift Besitz von unserem Denken, läßt die Phantasie zügellos ausschweifen. Es handelt sich aber auch nicht um einen x-beliebige Klettertour, sondern um eine Route, die fast Symbolcharakter hat, für Bergsteiger, die sich anschickten, in das Reich des extremen Kletterns einzudringen. Ihre ideale, himmelstrebende Linie, ihr fester Fels und die ungemein kühne Form sind wohl dazu angetan, jungen Gipfelstürmern den Kopf  zu verdrehen, bei ihrem Anblick das Herz höher schlagen zu lassen. An ihren senkrechten Flanken wurde das erste Mal im Gesäuse das Klettern mit künstlichen Hilfsmitteln, wie Haken und Steigschlingen, angewendet, an ihr wird auch heute noch so mancher Recke zum Ritter geschlagen. Sind wir aber schon reif für diesen Schritt?

Werner am Hochtor-Tellersack-Rissverschneidung (Erstbegehung mit Bruder Fritz)

Ein neuer Tag mit wolkenlosem Himmel zieht ins Gesäuse herein, läßt die höchsten Felsspitzen im ersten zarten Sonnenlicht aufleuchten. Bei uns in der Roßkuppenschlucht ist es jedoch ziemlich düster und kalt. Noch sitzen wir auf dem Gelände des Peternpfades, jenem Steig, auf dem wir schon so oft mit beschwingtem Schritt diesem schaurigen Felskessel entschlüpften. Heute ist uns etwas mulmig zu Mute, denn wir werden erstmals gegen diese senkrechten Wandfluchten ankämpfen, die bisher für uns ein unerreichbares Ziel darstellten. Feierlich entrollen wir die Seile und schon beim Anlegen des Brustgeschirrs wird uns der Reiz des Neuen intensiv bewußt. Das ungewohnte Doppelseil, eine stattliche Zahl von Haken und Karabinern an der Brust, und in den Hosentaschen drücken mich schon jetzt ganz jämmerlich die Sprossen der Steigleitern. Ein letzter prüfender Blick, ein zaghafter Händedruck, und dann quere ich auf schmalem Band direkt auf den Vorbau der Kante hinaus. Ui, ist das luftig, viel steiler wie etwa die Vorbauten der Hochtor Nordwände. Sehr steile Grasschrofen zwingen schon jetzt zu vorsichtigem Klettern. Das Doppelseil empfinden wir dabei nur als störend, denn wir müssen doppelt achtgeben, daß sich das Seil nirgends an Felszacken verhängt. Bald schwindle ich mich in Kirchturmhöhe über kleingriffige Stellen hinweg, überwinde schließlich in freier und ziemlich ausgesetzter Kletterei einige abdrängende Stellen an der Spitze des Vorbaus. Endlich finde ich bequemen Stand auf breiter Rampe, kann Zwoni nachkommen lassen. Alle Achtung, diese Seillängen möchte ich nicht unbedingt im Abstieg bewältigen müssen, umso mehr Grund, den kommenden Schwierigkeiten den Kampf anzusagen. Die Rampe wird linker Hand von einer glatten, senkrechten Wand überwölbt, über die eine Hakengalerie zum direkten Kantenaufschwung nach links hinauszieht. Wir verfolgen die Originalroute zunächst in leichterem Fels nach rechts, queren auf Grasschrofen ein Stück in die Westflanke der Kante hinein. Zum Greifen nahe liegt vor uns nun der abschreckende Felswinkel, durch den die berüchtigte Todesverschneidung emporzieht, weiter rechts die ´mit balkonartigen Überhängen abbrechende Dachl N-Wand. Hinter dem nächsten Felsriedel beginnen schlagartig die Schwierigkeiten. Zunächst gilt es mit Hilfe eines Hakens ein kurzes Stück senkrecht abzusteigen und an sehr kleingriffigem, abschüssigem Fels eine halbe Seillänge in Richtung Todesverschneidung zu queren. An dieser Stelle lasse ich Zwoni den Vortritt, denn hier muß der Seilzweite, beim ersten Haken aushängen und ohne Seilzug den heiklen Quergang meistern. Danach ein kurzes Stück in leichtem Fels schräg links hinauf, und schon stehen wir auf dem bequemen Standplatz direkt unterhalb der Schlüsselstelle. Gar nicht so übel, denke ich mir insgeheim, als ich mit kritischem Auge den senkrechten Aufschwung des „8-Meter-Wandels” mustere. Unmittelbar darüber beginnt eine sehr steile Verschneidung, der berühmte Hainriß. Wir könnten zwar um die Ecke nach links in den benachbarten und etwas leichteren Riß ausweichen, doch die Haken ober mir flößen mir sofort großes Vertrauen und Zuversicht ein. Noch einmal prüfe ich mein Brustgeschirr, die „Schlosserei”, die Steigleitern, zum Abschluß wird auch noch der Kletterhammer in der hinteren Hosentasche in die richtige Lage gerückt. Große Spannung erfaßt uns beide. Zwoni postiert sich in die günstigste Lage zum Fotografieren, was hier zum Glück besonders leicht möglich ist. Das werden ja tolle Fotos werden, Motive, die unsere Erwartungen weit übertreffen.

Vier Jahre später - Pfingsttour am Dachstein mit Pistenschi

Vier Jahre später - Pfingsttour am Dachstein mit Pistenschi

 

Ungestüm kämpfe ich mich zum ersten Haken hinauf, hänge sofort die Leiter ein und kann nun mit dem ausgestreckten Arm leicht im zweiten Haken einen Karabiner einhängen. Genüßlich lasse ich mir von Zwoni mit einem leichten Seilzug helfen, um auch die zweite Leiter höher oben einhängen zu können. Wunderbar dieses Gefühl, wie eine Spinne im Netz an den Seilen hoch über dem Abgrund zu hängen. Bisher klappt alles wie am Schnürchen. Unsere selbständig im Klettergarten erworbene Technik scheint sich auch hier bestens zu bewähren. Eigentlich hätten wir das zweite Seil ruhig zu Hause lassen können. Da ich es nun einmal benütze, bin ich vor allem bemüht, es möglichst günstig durch die Karabiner mitlaufen zu lassen. Es soll sich vor allem nirgends mit dem anderen Seil überkreuzen, um eine unnütze Reibung zu vermeiden. So habe ich es zumindest in einem alpinen Lehrbuch gelesen. Die Technik, die Leitern mit Hilfe einer Schnur nachzuholen, ist ganz auf unserem Mist gewachsen. Eben will ich mit von Erfinderstolz geschwellter Brust eine Leiter zu mir heraufziehen, da signalisiert mir ein leichter Ruck an der Schnur, daß mit der Leiter etwas nicht stimmen kann. Zwoni unterbricht seine Tätigkeit als Fotograf, und auch ich äuge etwas überrascht hinunter in die Tiefe. Da haben wir den Salat! Unterhalb des dritten Hakens hat sich die Leiter zwischen Fels und Seil in einem engen Rißchen verklemmt. Alles Rütteln an der Schnur, aber auch Zwonis Bemühungen von unten, indem er mit den Seilen schaukelt, fruchten nichts. Bei einer meiner vielen Anstrengungen reißt zuletzt sogar die Schnur ab. Zum Glück sitzt die Leiter so fest, daß sie auch nicht in die Tiefe fallen kann. Es hilft alles nichts, ich muß einige Meter zurückklettern. Einen Teil der Arbeit muß ich dabei leider Zwoni übertragen und weiß natürlich gleich in welcher Form er mir helfen kann. Von seinem kräftigen Seilzug unterstützt, beuge ich mich weit hinunter und mit einem kräftigen Ruck kann ich problemlos die Leiter befreien. Freilich hat dieses Manöver Kraft und Zeit gekostet, aber jetzt fühle ich mich an der senkrechten Wand erst richtig wohl. Rasch klettere ich wieder zum oberen Haken hinauf und finde mich in der nun folgenden Verschneidung schon sehr gut zurecht. Die von rechts hereindrängende Wand gibt ein kleines Gefühl von Geborgenheit, sodaß die erregenden Tiefblicke, die ich hin und wieder registriere, wenn ich zwischen den Beinen in den finsteren Schlund der Dachl-Schlucht hinunterschaue, erträglicher wirken. Zum Abschluß drängt mich die Verschneidung über sehr kleingriffigen Fels nach links hinaus, doch gelingt mir der abschließende Spreizschritt hinüber zum Standplatz mit Zwonis Seilzug ausgezeichnet. Ein mächtiger Standhaken flößt mir sofort Vertrauen ein, und so gut es auf diesem winzigen Standplatz geht, richte ich mich darauf ein, Zwoni nachsichern zu können. Nun ist die Reihe an mir, meinem Partner mit kräftigem Seilzug auf dieser Seillänge zu helfen. Ich kann ihn dabei nicht direkt sehen, da ich mich bei dieser anstrengenden Arbeit stets weit nach links beugen muß, erkenne aber an der Länge des eingeholten Seiles und am Näherkommen des metallischen Geräusches, welches die Steigleitern beim Anschlagen an den Fels verursachen, daß er bald heroben sein muß. Endlich taucht sein hochroter Kopf neben mir auf und tiefschnaufend versucht er auf den kleinen Tritten knapp unter mir Platz zu finden. Es ist gar nicht einfach, in dieser exponierten Lage den Standplatz zu wechseln. Zuerst Zwonis Selbstsicherung eingehängt, dann ein kurzes Stück höhergestiegen. Umständliches Ziehen am Seil, das sich mit einigen Schlingen weiter unten verhängt hat, akrobatische Verrenkungen, um Zwoni nicht auf die Hände oder auf den Kopf zu steigen. Endlich hat sich`s Zwoni unter mir gemütlich gemacht und ich kann den folgenden Riß in Angriff nehmen. Alle Achtung, da geht es ja noch immer fast senkrecht hinauf. Diesmal finde ich jedoch prächtige „Schermhenkelgriffe”. Griffe, die man mit beiden Händen zugleich anfassen kann, und wie auf einer Leiter steige ich, durchpulst von einem herrlichen Gefühl, das wohl nur der Kletterer beim spielerischen Überwinden der Schwerkraft kennenlernt, immer höher. Dieses Klettern ohne künstliche Hilfsmittel begeistert mich hellauf, und als ich hinter einer Felsecke ein ganz ebenes Rastplätzchen finde, scheint dieses geradezu angetan, die euphorische Stimmung einem Höhepunkt zuzuführen. Genießerisch strecke ich die müden Glieder im weichen Gras aus, hole das restliche Seil ein und habe nun genug Zeit, die angespannten Nerven etwas zu erholen. Auch Zwoni ist von diesem paradiesischen Fleckchen Erde entzückt, und so gönnen wir uns eine kurze Rastpause, zumal auch das hier angebrachte Steigbuch interessante Einblicke gewährt.

Peregrin mit 17 Jahren, bald danach Kirchenbergmeister

 

Ungemein wild stürzen rings um uns die Felswände senkrecht zur Tiefe, haltlos gleitet der Blick ins Bodenlose. Nur hoch droben am Dachelgrat wird diese vertikale Felslandschaft vom blauen Himmel waagrecht abgegrenzt, aber noch trennen uns mehrere hundert Meter von diesem Horizont. Das also ist das Reich des fünften und sechsten Grades, in das wir uns schüchtern einzuschleichen versuchen, und wir können angesichts solch überwältigender Eindrücke eine gewisse Beklemmung nicht ablegen. Auch die nächste Seillänge verspricht großen Nervenkitzel, denn es gilt mit langer Querung nach links den Standplatz direkt draußen auf einem Absatz der Kante zu erreichen. Diese überaus luftige Passage dünkt mir nicht ungefährlich zu sein, da Zwoni, der ohnehin mächtig mit den Schwierigkeiten zu kämpfen hat, sich auf keinen Fall hier einen Sturz leisten dürfte. Ziemlich besorgt lasse ich ihn am ständig gespannten Seil nachkommen. Meine Angst erweist sich als unbegründet, denn Zwoni meistert auch diese Stelle ausgezeichnet. Er scheint heute förmlich über sich hinauszuwachsen, und das gegenseitige Vertrauen steigert unsere Zuversicht immer mehr. Schon stürmen wir fast gleichzeitig die folgenden Seillängen, denn die Schwierigkeiten nehmen nun schlagartig ab. Der sonnenwarme Fels, der oberen Kantenhälfte erscheint uns viel freundlicher, ja, richtig vertraut zu sein, und wir können es kaum mehr erwarten, das große Abenteuer zu einem Abschluß zu bringen. Weiter oben zwingt eine glatte Platte zu einer weiten Rechtsschleife. Dabei bringen wir es nicht übers Herz, auf den weichen Rasenpölstern am linken Rand der Platte eine weitere Rastpause einzuschieben. Glücklich sitzen wir da nebeneinander in der warmen Nachmittagssonne hoch über dem Haindlkar, weit entrückt dem Alltag. Tief unten entdecken wir nun das weiße Pünktchen der Haindlkarhütte. Dort werden Zwonis Begleiterinnen sicher besorgt auf unsere Rückkehr warten. Ob sie uns gar durch das Fernrohr entdeckt haben? Und wenn schon, nun bräuchte ihnen nicht mehr bange zu sein.

Mein Vater Peregrin beim Geländesprung 1934

Rasch bringen wir die restlichen Seillängen hinter uns, und nach einer letzten seichten Rinne steige ich durch eine kleine Scharte hinaus auf das leichte Gelände des Roßkuppengrates. Kurz danach steht auch Zwoni neben mir. Ich haue ihm mit der Hand fest auf die Schulter, möchte am liebsten einen Luftsprung machen. Wir haben es geschafft, du, wir haben es geschafft! Sein Blick drückt alles aus, die riesige Freude einen großen Wunschtraum erfüllt zu sehen, die große Genugtuung nach hartem Kampf siegreich geblieben zu sein. Fröhlich und beschwingt steigen wir über den Peternpfad ins Haindlkar, nicht ohne mit großem Stolz immer wieder Blicke zur Roßkuppenkante hinüberzuwerfen, die hoch und gewaltig, aber nicht mehr unnahbar über dem dämmrigen Kar thront. Sie wird ab heute zu uns in einem ganz innigen Verhältnis stehen.

Mein Vater Peregrin beim Nostalgieschirennen 1994 - ältester Teilnehmer mit 77 Jahren

Mein Vater Peregrin beim Nostalgieschirennen 1994 - ältester Teilnehmer mit 77 Jahren

Dass meine Mutter und Tante nichtsahnend sich bei der Haindlkarhütte aufgehalten haben, machte uns allerhand Probleme mit der Geheimhaltung unseres Vorhabens (die genaue Schilderung von Werner habe ich hier weggelassen)!

Werner entstammt einer kletterfreundlichen Familie, sein Bruder Fritz wie Werner selbst machten viele schwierige Touren. Wir beide – Werner und ich als späteres Autorenduo beim NÖ Pressehaus – hatten schon allerhand Klettereien hinter uns (Hochtor Nordwand eine Woche vorher) und auch noch vor uns (Ödstein-NW-Kante, Pallavicinirinne – ohne Eisbohrhaken 1962), deshalb noch zwei Bilder dazu. Werner am Überhang zeigt ihn am Hochtor im Gesäuse bei der Erstbegehung der Tellersack-Rissverschneidung “Waidhofner Weg”.

Ich selbst entstamme väterlicherseits einer Schifahrerfamilie, mein Vater Peregrin war ein toller Schifahrer wie die Bilder zeigen sollen. Anfangs war in der Tourenpartnerschaft zwischen Werner und mir – ich der Schifahrer, Werner der Kletterer (mein Hilferuf “Zug” als Seilzweiter wird im wohl noch heute in den Ohren klingen…), das hat sich aber später ausgeglichen. Ich wurde zwar nicht zu einem Kletterer, Werner aber zu einem tollen Schi(touren)fahrer, der heuer im Mai noch Hochtouren in der Türkei gemeistert hat und sogar auf Kreta und am Hohen Atlas und wer weiß wo sonst noch mit den Schiern hingekommen ist.

Ich danke ihm sehr für den Bericht (bei Anni gelte ich seither als jugendlicher Held, aber nur ein ganz kleines bisschen…)!

Bei unseren Erkundungen der Pilgerwege zwischen Wald-Weinviertel und Gurktaler Alpen genießt natürlich die Via Sacra – die “Heilige Straße” von Wien nach Mariazell – einen gewissen Vorrang. Sie führt nämlich an unserer Haustür vorbei! Außerdem ist der Via Sacra-Pilgerweg ein touristisches Projekt der letzten Jahre, nachdem vorher die Wiener Wallfahrer immer mehr die Bergroute über Unterberg und St. Aegyd marschiert sind. Nun aber ist die traditionelle Strecke vom Wienerwald mit Heiligenkreuz bis Kaumberg, wo der Wiener Wallfahrerweg abzweigt, durch das Gölsen- und Traisental mit Stift Lilienfeld und Türnitz, dann weiter über die Heiligen Berge nach Mariazell ebenfalls durchmarkiert. Wallfahrer müssen daher auch entlang dieser althergebrachten Strecke nicht mehr die Bundesstraßen entlang marschieren.

Der heutige kleine Ausflug führt uns an den Kreuzungspunkt von Via Sacra-Pilgerweg und Wiener Wallfahrerweg, nämlich zur Araburg, die noch dazu die höchstgelegene Burg Niederösterreichs darstellt (die spärlichen Reste auf dem Weinsberg zwischen Gutenbrunn und Bärnkopf können ja nicht als Burgstelle gezählt werden). Ausgangspunkt für die Araburg ist der alte Liliefelder Stiftsmarkt Kaumberg mit seiner wuchtigen Wehrkirche und dem stimmungsvollen Marktplatz.

Marktbrunnen mit Herberge zum schwarzen Bären

Marktbrunnen mit Herberge zum schwarzen Bären

Die Araburg ist übrigens ein ganz leichtes Ziel für Spaziergänger und Kinderwagenschieber (diese gehen nicht die Runde mit dem steileren grün markierten Aufstieg, sondern bleiben auf dem für allgemeinen Verkehr gesperrten Fahrweg).

Intim eingerichtetes Herbergszimmer

Intim eingerichtetes Herbergszimmer

Die Araburg-Wirtin Anni (auf einem Bild daher die beiden Araburg-Annis) führte uns durch die im hohen Torturm untergebrachte Herberge, wo man um 8 Euro zwar nicht feudal, aber sauber und gut betreut nächtigen kann – die Bilder geben sogar einen intimen Einblick! Danke für die freundliche Aufnahme und Führung, obwohl wir nicht einmal eingekehrt sind. Dafür habe ich dort den brandneuen Führer zum Geologischen Weg in Ramsau bekommen – überaus interessant für Steinsammler und erst letzten Sonntag eröffnet.

Araburg, die höchste Burgruine Niederösterreichs

Araburg, die höchste Burgruine Niederösterreichs

Uns hat es auf der Araburg so gefallen, dass wir einen mehrfachen Wunsch entsprechend eine Idee zu einem (schon längst fälligen) wandertipp-Blogger-Treffen haben: Wie wäre es, wenn wir uns am Samstag, 9. Oktober, in Kaumberg treffen, zum Parkplatz hinauffahren und dann die kleine Runde mit großer Einkehr begehen? Nur einmal eine Anregung mit der Frage, wer zu diesem Termin Zeit hätte (Samstag wäre besser als Sonntag, denn da ist im Burggasthaus womöglich zu viel los, heute Samstag wäre ganz gemütlich gewesen). Außerdem kann man diese liebliche Voralpenlandschaft mit ihren herrlichen Ausblicken gegen die Hochalpen und über den Wienerwald ziemlich sicher in der schönsten Laubfärbung erleben! Unser nächster möglicher Termin wäre voraussichtlich erst der 30. Oktober.

Durchblick auf die steilen Gipfel des Wiener Wallfahrerwege - Raingupf und Kieneck

Durchblick auf die steilen Gipfel des Wiener Wallfahrerwege - Raingupf und Kieneck

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