Feeds
Artikel
Kommentare

Vorgeschichte I : Bei unserem Badeurlaub in Bibione Anfang September vorigen Jahres (wie meistens nach einer Bergwoche eingeplant) bummelten wir über die an Bibione Pineta anschließenden Sandflächen zur Einmündung der Lagune von Porto die Baseleghe. Dort erstreckte sich gegenüber eine Küste ohne Hoteltürme und sonstige touristische Objekte.

Vorgeschichte II : Bei der Fahrt nach Jesolo, wo wir Astrid & Andreas & Bernie & Veronika besuchten (im selben Hotel, das wir jetzt gebucht hatten), fielen uns in Lugugnana die Hinweisschilder zu einem Natura2000-Gebiet auf. In dieses “Valle Vecchia” unternahmen wir dann einen Ausflug, durch einen Regenschauer etwas beeinträchtigt, aber eindrucksvoll durch den völlig naturbelassenen Strand samt Dünen, Wasserrinnen und Pinienwald dahinter, etwas bunt vom lila blühenden Schmalblättrigen Strandflieder. Dort müsste es auch im Frühsommer herrlich blühen, und wir hatten ohnehin nur den kleinen Rundweg an der gegen Bibione gelegenen Seite gemacht. So kam das Valle Vecchio in unser Urlaubsprogramm für Anfang Juni 2010 (wieder anschließend an eine Wanderwoche in den Kärntner Bergen).

Jetzt kommen wir zur Naturtour ins Valle Vecchia!

Die Zufahrt: 1. Juni, ein herrlicher Sonnentag, aber im Gegensatz zum Vortag (Besuch von Venedig und Murano) schon etwas höher temperiert. Auf der Staatsstraße 42 von Jesolo bis Lugugnana, noch im gut ausgestatteten Supermarkt vor der Abzweigung eine Jause gekauft (Panini und Nostrano, gleich ein Fläschchen Grappe zur Sicherheit dazu). Bei der Ampel geht es südlich weg Richtung Brussa und bei Castello di Brussa, an einer wieder beschilderten Abzweigung, scharf links. Geradlinig zieht die Straße dann meerwärts, vorbei an (noch) geschlossenen Lokalen.

Über einen breiten Kanal, der Porto Baseleghe (bei Bibione) und Porto Falconera (bei Caorle, zu dieser Gemeinde gehört das Schutzgebiet) verbindet, führt eine hohe Brücke. Gleich danach befinden sich links (westseitig) zwei große Teiche mit Beobachtungsanlagen, in dieselbe Richtung zweigen Fahrwege ab, über die man zur Falconera kommt (dort sahen wir vom Beobachtungsturm aus mehrere Autos stehen, nahmen aber leider diese Zufahrtsmöglichkeit nicht wahr!). Rechts (östlich) fährt man an einem Idrovora (Pumpwerk für die Entwässerungskanäle) vorbei zum Museum. Geradeaus folgt – bei unserem Besuch eine unliebsame – Überraschung: Die von einem abgeschrankten Rad- und Reitweg begleitete Sandstraße dürfte gerade zum Asphaltieren vorbereitet werden, wir passieren sie in einer ungeheuerlichen Staubwolke! Dann kommt rechts das riesige Parkplatzgelände (Schranken, Gebühr, dort Prospekt mit deutschsprachigem Beiblatt erhältlich). Wir suchen nahe einer großen Schilfhütte ein in weiterer Folge schattiges Plätzchen und rüsten uns für die schon gespannt erwartete Wanderung.

Die Wanderung zur “Zona umida Falconera”

Weil wir im Vorjahr schon die östliche Runde (Richtung Bibione) begangen haben, wollen wir diesmal die Gegenrichtung (auf Caorle zu) erkunden. Vor dem Hauptzugang (Nr. 1 / Prügelweg zum freien Strand und Lehrpfad) halten wir uns rechts (westlich) und kommen am zweiten Zugang zum Strand vorbei (im Plan Nr. 2). Der sandige, mitunter von den letzten Regenfällen etwas morastige Fahrweg führt zwischen dem Pinienwald an der Meerseite und einer von Riedgräsern und Büschen bewachsenen mehr oder minder feuchten offenen Fläche (im Hintergrund landwärts Feldflächen auf trockengelegten Böden) dahin. Das zieht sich, trotz Schatten von den Pinien, aber vor allem, weil uns zahlreiche aggressive Gelsen umschwirren – hoffentlich keine Moskitos, denn in den Sumpfniederungen der Adria (wie in Istrien) war früher sogar die Malaria verbreitet! Fest “wacheln” und klatschen, vor allem dicht angezogen trotz der hohen Temperatur, so geht es weiter. Vorbei an einem letzten gut gangbaren Strandzugang (etwa auf halber Strecke zur Falconera), dann wird der Rand des Pinienwaldes immer dichter verwachsen. Blütenerlebnisse sind spärlich – Osterluzei fällt auf, noch weiter vorne rechts einige schöne Sumpfgladiolen, sonst alles (für uns erstaunlich) abgeblüht, von den erwarteten Orchideen kaum eine Spur!

Nach etwa einer Stunde, die uns schon recht lang vorkommt, gelangen wir zu den ersten interessanteren Punkten (Nr. 6 und 4). Rechts weg werden bald beiderseits verschilfte Wasserflächen erreicht, wobei ein auffliegender Pupurreiher (?) kurz zu sehen ist. Westseitig befinden sich Schilfmattenwände als “Tarnung” für die Besucher, mit dem Fernglas ist ein Silberreiher schön zu beobachten. Von diesem ausgemähten kleinen Rundkurs wieder zurück zum Hauptweg, folgt bald die Abzweigung zur Falconera – auf einem Damm zwischen mit Schilf umstandenen Wasserflächen zu einem hohen Beobachtungsturm (Nr. 5). Dieser bietet die schönsten Erlebnisse, wie in den Bildern festgehalten – verschiedenen Enten und Schwäne, ein eindeutig zu indentifizierender Seidenreiher (noch nie gesehen) und ein überraschender “Schwimmer”: Momentan kommt mir dieser wie ein Krokodil vor, aber es ist ein Pelztier mit langem Schwanz (also kein Biber), eigenartigem Kopf (Fischotter ?) und von beachtlicher Länge (Vergleich das Entenbrett, also samt Schwanz sicher mehr als ein Meter Gesamtlänge – vielleicht doch nur eine Bisamratte, aber die sind doch kleiner und sollten einen “Rattenschwanz” haben ?). Zusätzlich angenehm – in der schattigen und von Gelsen freien Turmstube (auch Wespenwarnung war unzutreffend) können wir gemütlich jausnen.

Inzwischen ist schon Mittag längst vorbei, vor 14 Uhr soll es weitergehen – aber wie? Die Zufahrtsmöglichkeit mit dem Auto zu einem Parkplatz nördlich der Falconera (dort steht sogar ein Wohnmobil neben anderen Fahrzeugen) haben wir nicht “kapiert”, daher müssen wir wieder zurück zum großen Parkplatz. Aber vielleicht doch an der Küste entlang? Also trotz Hitze auf dem Fahrweg weiter, bis wir am Damm bei Porto Falconera anstoßen – jenseits der Lagune schon Strandgelände als Auslauf von Caorle, aber in unserer Richtung zum Strand alles dschungelartig verwachsen (ein Einheimischer bestätigt uns, dass hier kein Weg ist). So marschieren wir mit “Expeditionsgefühlen” den langen Fahrweg zurück, etwas mehr Sonne, aber kaum weniger Gelsen. Die ersten schmalen Abzweigungen Richtung Strand verlieren sich im Pinienwald bzw. verschilften Mulden, erst den wirklich einladenden Weg (leider keine Bezeichnung) nehmen wir und kommen auf guter Spur aus dem Pinienbestand heraus in die vor den Stranddünen eingelagerte Mulde. Diese geht es östlich entlang, ein feinsandiger Weg, begleitet von allerhand Grasbeständen, dazu erste Blumen – ein zartrosa Lein, die attraktive Strand-Winde, der Europäische Meersenf und die eben erst aufblühende Stranddistel (Eryngium marittimum, eine dekorative Mannstreu-Art), alles im rieselnden Feinsand.

Die Strandwanderung

Der Strand, wohin wir bald abzweigen, ist hier wirklich naturbelassen und schaut daher entsprechend aus – Holzreste, Seegras, herbeigeschwemmter Mülle jeglicher Art, wegen dem geringen Gewicht selbstverständlich vorwiegend Plastik, was nur irgendwo ins Meer geschwemmt wurde. Trotzdem ein herrliches Dahinwandern, am besten barfuß an der Wasserlinie, immer wieder Unmengen von Muscheln, dazu hübsch gischtende Wellen und Fernblick – bis Istrien mit dem Berghorizont der Cicarija und der hohen Ucka – wirklich ein “Monte Maggiore”, mit dem Fernglas erkennt man sogar Cres und Losinj!

Nach einer Rast mit den Jausenresten nehmen wir den Ausgang vom Strand durch den Pinienwald, zwar zwischen Holzgeländern, aber leider der “secondo” (Nr. 2) –  also zu früh, für den Hauptausgang hätten wir noch ein Stück am hier schön geräumten Strand zum Wandern gehabt. So bleibt uns noch eine gar nicht so kurze Strecke am Fahrweg, und wieder sind wir eine begehrte Beute für die Stechmücken! Aber was soll´s – insgesamt ein ungewöhnliches Naturerlebnis, das wir hier hinter uns haben! Insgesamt waren wir mit Rast und Beobachtungsaufenthalten fünf Stunden unterwegs.

Nachtrag zu dieser Beschreibung: Naturwanderungen haben wir schon immer bei unseren Badeaufenthalten unternommen – zum Leuchtturm an der Tagliamentomündung von Bibione aus (noch bevor dort eine Naturschutzgebiet eingerichtet wurde) und sogar mitten in Lignano Pineta und Riviera, wo es abseits der Siedlungen ganz interessante (aber nicht bekannte) Naturzonen gibt und sogar im Pinienwald bei den Strandzugängen im Mai die herrlichsten Orchideen blühten (die haben uns ja auch – vergeblich – ins Valle Vecchio gelockt).

Kaum vom Urlaub zurück, haben wir schon Gäste zum Wochenende:

Beim Grasmähen taumelte plötzlich ein auffallend braun-oranger Schmetterling daher. Die Nachschlage im Schmetterlingsbuch ergab: Noctua pronuba oder leichter zu merken “Hausmutter”. Soll in Europa weit verbreitet sein, wurde von uns aber noch nie bemerkt. Kein Wunder – nachtaktiv und tagsüber in der Erde verborgen. Futterpflanzen sind Löwenzahn und was sich sonst noch im Garten so aufhält = ein breites Spektrum krautiger Pflanzen, sowohl Wild- wie Kulturformen. Na, da hat er bei uns genug zu fressen. Falter schlüpfen im Juni, Gelege im Juli, Raupen im August – da müssen wir wieder aufpassen…

Der unübersehbare und auch liebe Gast ist der Familienhund und grimmige Wächter “Chacky”. Angeblitzt, begibt er sich gleich in Schlafstellung!

… in Niederösterreich! Nicht vom Annaberg im Erzgebirge, worauf man die im Naturhistorischen Museum Wien (und in der Stiftssammlung Lilienfeld ?) vorhandenen seltenen Wulfenit-Kristalle bezogen hatte.

Zur Zeit Maria Theresias zählte Annaberg NÖ zum ergiebigsten Silbervorkommen der Monarchie. Die bis ins 19. Jh. reichende Bergbaugeschichte Annabergs – der Ortsteil Schmelz erinnert noch daran, ebenso die Annaberger Maria-Theresien-Taler – verdient nicht nur bei geologisch ambitionierten Naturfreunden große Beachtung. Die Besonderheit Annabergs ist es, dass man diese Bergbaugeschichte auch erwandern kann, wie ich in “unserem” Buch “Naturerlebnis Niederösterreich. Landschaft-Botanik-Geologie” (verfasst mit dem botanischen Experten Karl Oswald) beschrieben habe. Auch der von mir gemeinsam mit meinem Freund Werner Tippelt verfasste Führer “Wandererlebnis Ötscher” enthält neben anderen naturkundlichen Exkursionen ein Route zu den Silberstollen am Hocheck (das vergriffene Buch ist bei uns privat noch vorrätig, Interessenten schreiben einen Kommentar zu diesem Beitrag).

Die Kulturgemeinschaft “Tannberg” unter Führung von Frau Waltraud Glänzel hat für die traditionellen Ausstellungen am “Alten Gemeindehaus” Annaberg heuer das Thema “Bergbau in Annaberg” gewählt. Am kommenden Samstag, 29. Mai 2010, findet um 17 Uhr die Eröffnung statt. Dann ist die Ausstellung bis Ende Juli zum Wochenende geöffnet.

Viel Erfolg den ambitionierten Veranstaltern!

Jetzt zu Pfingsten ist es gerade zwei Jahre her, seit wir den höchsten Berg Istriens bestiegen haben – die Ucka (“Utschka”), bei den Italienisch sprechenden Istriern (gibt es noch immer als anerkannte Minderheit Kroatiens) wortwörtlich “der Höchste Berg” genannt. Eine ideale Tour bei einem Ulaubsaufenthalt in der Gegend von Opatija (wenn man mit dem eigenen Auto unterwegs ist, Zufahrt von Wien ca. 600 km), dem zur K. u. K.-Zeit als Abbazia berühmt gewordenen Kurort an der Kvarner Bucht.

Vom Meer aus beginnt man den Aufstieg zur Ucka am besten in Lovran, markiert ab dem Ortszentrum. Nach einem Viertel des Anstieges kann man dort an einer Verzweigung (in den Bergwäldern oberhalb der Siedlung Ivulici, Richtung Poklon – Abstieg von der Ucka wie beschrieben) eine großartige Rundwanderung unternehmen. Diese Tour erfordert aber 1400 m hinauf und nach Höhenwanderung dieselbe Differenz wieder hinunter, also insgesamt mindestens 8 bis 10 Stunden. Wir machten es uns einfacher und fuhren über Veprinac (abseits der zum Ucka-Tunnel führenden Schnellstraße) bis zur Passhöhe Poklon auf 922 m Seehöhe – diese Höhendifferenz überblickt man wirklich bis hinunter zum Meer, ab besten vom riesigen Pilgerkreuz mit dem vom Landesinneren her ersten Blick auf ein (einst ?) beliebtes Wallfahrtsziel bei Rijeka (das altösterreichisch-italienische Fiume). Auf Poklon befindet sich neben dem Gasthaus auch eine Infostelle des Naturparks Ucka, wo man vielerlei Wissenswertes erfährt und auch die Spezialkarte kaufen kann (sehr empfehlenswert für alle Touren im südöstlichen Istrien).

Ginsterblüte an der Küste

Ginsterblüte an der Küste

Aufstieg von Poklon

Ein gut markierter Steig führt durch die vorwiegend aus Rotbuchen bestehenden herrlichen Bergwälder mit mehrmaliger Kreuzung der (gesperrten) Bergstraße, zuletzt auf dieser (ebenfalls mit kurzem Abschneider) zum Ucka-Gipfel. Vorbei an der monströsen Radar- und Senderstation kommt man zum historischen, aus Stein gemauerten Aussichtsturm auf dem Vojak (1401 m, 1 1/2 bis 2 gemütliche Stunden). Einkehr gibt es nicht (daher mit Jause und vor allem Getränken versorgen), dafür wirklich gigantische Aus- und Tiefblicke, von den Bergen der Cicarija bis zur Inselwelt von Cres und Krk. Unter dem Abgrund der Lovranska Draga (Lovran-Schlucht mit einem winzigen, per Straße erreichbaren romantischen Dorf !) zeigt sich der kleine Hafen von Medveja (schöne Badebucht mit Kies, allerdings laut wegen der vorbeiführenden Straße, wir wohnten oberhalb in einem Privathaus).

Bergwald der Ucka

Bergwald der Ucka

Überschreitung und Abstieg

Der Gipfelkamm ist von dichten Legföhren gesäumt, an der Nordseite gibt es allerdings sehr steil abfallende Rasenflächen mit interessanten Blumen, aber leider nicht so einfach zugänglich. Erst am Weiterweg leitete der Steig in Kehren neben einem Felsvorsprung hinab, und da fanden wir allerhand bemerkenswerte Blüten, einen duftenden Schöterich und viele Narzissen. Im folgenden Sattel “Sedlo” trennen sich die Wege – geradeaus würde man zum Vorgipfel Suhi vrh (1333 m) kommen, einem reizvollen Aussichtspunkt über hoher meerseitiger Felswand, den wir leider nicht mehr mitnehmen konnten. Von rechts (Nordwesten) würde der kürzeste Aufstieg vom verfallenden Dorf Mala Ucka einmünden (Zufahrt dorthin von Vela Ucka, nahe dem “Brunnen Kaiser Josef II.” abzweigend, aber möglicherweise Forststraße).

Tiefblick auf Medveja

Tiefblick auf Medveja

Wir wendeten uns zuerst Richtung Lovran, berührten zweimal eine von der Ucka-Gipfelstraße abzweigende Forststraße (auf dieser könnte man leicht direkter zum Poklon zurückkehren) und erreichten in unübersichtlichem Waldgelände den Weiterweg – hier muss man trotz Markierung sehr aufpassen, eine Doline nach der anderen, umgeben von urwaldartigen Rotbuchenbeständen. Dann standen wir vor dem Abgrund, der typisch “Vrata” heißt. Zum Glück und schon mehrmals angezweifelt, hatten wir nicht die für den Gipfelanstieg auch genügenden Laufschuhe an, sondern Bergschuhe und sogar Walkingstöcke. Denn hier ging es wirklich sehr abschüssig, erdig und steinig zwischen weit stehenden Buchengerippen, in die Tiefe. Gleich unterhalb gingen wir zum Glück nicht geradeaus über “Na Dole” weiter (Abstiegsweg markiert nach Lovran), sondern fanden gleich am Fuß des Steilabfalles mühelos links einen Weg zu wunderschönen Bergwiesen. Hier gab es Ausblick (sonst überall dichter Hochwald) von den auf Mergelboden unterhalb der “Grdi breg”, den Kalkmauern des Gipfels, eingelagerten Verflachungen. Wunderschön! Schließlich nahm uns eine Forststraße auf, die einige Kilometer, sogar wieder mit leichter Gegensteigung und zuletzt schon etwas ermüdend uns zurück zum Poklon-Sattel brachte, d. h. wir selber sind natürlich getrabt.

Wiesenböden am Uckasüdhang

Wiesenböden am Uckasüdhang

Dazwischen als Abwechslung ein Parisanendenkmal (sogar hier heroben oder gerade in diesen unzugänglichen Bergwäldern hat der 2. Weltkrieg getobt) und erfreuliche Blumen - Gelbe Osterluzei, viel Weißer Lerchensporn (eine spezielle Art dieser südlichen Wälder) und auf dem Bild daneben erkennbar ein Nachwuchs vom Stumpfblättrigen Ahorn, alles noch nie gesehen… ja, bekannt das Stattliche Knabenkraut, Breitblättriges Waldvöglein, Kugelorchis und schon seltener das Durchblätterte Läusekraut, sogar Krokusse müssen hier geblüht haben (unverkennbar die Blätter).

Die Schlucht Vela Draga

Die Schlucht Vela Draga

Weitere Hinweise: Gesamtzeit waren wohl 5 Stunden, man kann die Ucka auch kürzer machen (wie angedeutet), aber kaum eindrucksvoller. Und wenn man vielleicht erst im Juni dort unterweg ist, herrscht auf dieser Berghöhe wahrscheinlich viel weniger Hitze, als wenn man von Meereshöhe in Lovran aufsteigt. Übrigens trafen wir auf der weitläufigen Forststraße vor dem Poklon ein junges Paar, das mit einem zugelaufenen Langhaardackel von Lovran aus unterwegs war! Also ist das Wandern dort gebräuchlicher, zumindest bei den Gästen, als man für diese Küstenurlaubsorte annehmen würde. Außerdem gibt es ein gut beschildertes und teilweise sehr anspruchsvolle MTB-Wegenetz. Prospekte über alle Aktivitäten und die Sehenswürdigkeiten (z. B. Vela Draga, Brunnen von Kaiser Josef II. – nahe dort traumhafte Blüte der Korallen-Pfingstrose (bei uns zuhause im Reisalpengebiet ein endemisches Vorkommen !).

Wilde Pfingstrose

Wilde Pfingstrose

Am 19. Mai haben die Strauchpfingstrosen in St. Veit mit ihrer Blüte begonnen – im Vergleich dazu ein Bild aus Porec vom 24. April, also ein ganz schöner Vegetationsvorsprung, wenn es auch bei der übrigen Frühlingsflora nicht so ausgesehen hat. Istrien war ungefähr so weit wie das Wiener Becken z. B. mit der Kastanienblüte.

Gestern ist eine junge Amsel auf unserer Straße “gestrandet” – wie sie dorthin gekommen ist? Flugfähig war sie ja offensichtlich noch gar nicht. “Lauthals” gepiepst hat der arme Nestling allerdings, und alle Amseln im Umkreis waren natürlich voll aufgeregt. In die Sträucher hineingesetzt und hoffentlich von den Vogeleltern wieder gefüttert – “vogelsprachlich” war der Kontakt ja vorhanden. Leider begann es am Nachmittag wieder eiskalt zu regnen…

Die ausführliche Karte soll jetzt die Orientierung ermöglichen

Zufahrt von St. Veit an der Gölsen durch den Kerschenbach bis Ende Asphaltstraße, weiter auf Güterweg Maierhof – Hochedler – Göllersreiter  oder auf asphaltiertem Güterweg über Berggasthaus “Schußlucka” (im Juni wieder geöffnet) und Kleinsattler zur Sattlerkapelle und zur roten Markierung, Von Rohrbach an der Gölsen durch den Durlaßgraben und blau markiert zur Sattlerkapelle und zur roten Markierung. Vom Durlas-Sattel zwischen Rohrbach und Michelbach auf Asphaltzufahrt bis vor Brennhof (Parkplatz, rechts die Sternwarte, dort kommt der empfehlenswerte markierte Weg von Michelbach herauf), dann auf Fahrweg (leider kein Fahrverbot) über die Jubiläumsweide zur Kukubauerhütte. Alle Strecken bis Windkreuz ca. 1 1/2 Stunden. Meine Empfehlung – Zustieg vom Kerschenbach über die Hochedlerkapelle (eigene Karte beigefügt). Einkehrmöglichkeit in der Kukubauerhütte vom Mittwoch bis Sonntag. Die Sattlerkapelle habe ich in der Karte nicht beschriftet (= östlich von Kleinsattler, dort mündet auch der interessante Zustieg von Rohrbach über die “Teufelsstiege”).

Botanisch interessante Punkte westlich der Kukubauerhöhe

A Kerschenbach-Ursprung, B Hackerbauernwiese (Orchis morio, im Quelltümpel an der Markierung Molche), C “Windkreuz” (Bildstock nun gelb gefärbelt am Waldrand und Rotes Kreuz am Waldweg ca. 20 m westlich), D Alpenblick “Föhrenbigl”, E Brunnenschutzgebiet oberhalb Hochedler, F Wiese südlich Göllersreiter (zum Hochedler gehörend), G Märzenbecherwiese auf der Perschenegger Seite (zum Göllersreiter gehörend).

Elsbeerblüte am 13.5.2008

Elsbeerblüte am 13.5.2008

Hinweise zum Betreten

Brunnenschutzgebiet oberhalb Hochedler hat denselben Pflanzenbestand wie der Kerschenbach-Usprung. Dieser liegt inmitten einer Wiese südlich vom Windkreuz, besonders bei hochstehendem Gras ist das Betreten nur im Einvernehmen mit dem Grundbesitzer Familie Knoll vulgo Hochedler gestattet. Entsprechend diszipliniertes Verhalten im Biotop und besonders beim Zugang über die umgebende Wiese (nur eine Spur ziehen und nicht das ganz Gelände zertrampeln) ist Voraussetzung!

Durch das Gelände führt auch das Gegenstück zum Naturerlebnis-Wanderweg St. Veiter Staff, nämlich mein “Naturerlebnisweg Wiesenwienerwald” (im Internet unter www.st.-veit-goelsen.gv.at, Literatur wie im vorigen Beitrag).

Die neben den Karten beigefügten Bilder vermitteln einen Eindruck von späteren Besuchsterminen in vergangenen Jahren. Weitere Beiträge in meinem Blog > Suche: Kerschenbach

Elsbeerblütenwanderung mit Gina

Elsbeerblütenwanderung mit Gina

Nach meiner “Orchideenwanderung” vergangenen Sonntag rund um den St. Veiter Staff waren wir heute – Christi Himmelfahrtstag – auf der gegenüberliegenden Talseite der Gölsen unterwegs. Vielleicht wird mancher Teilnehmer an der letzten Führung interessiert sein, was dort jetzt so zu finden ist!

Feuchtstandort “Kerschenbach-Ursprung” oder Biotop südlich vom “Windkreuz”

Weil beide Begriffe in den Karten nicht zu finden sind, kommt noch eine Karte dazu. Beschrieben von mir allerdings schon in “Wandern im Wiesenwienerwald” (Naturfreunde NÖ) und in “Das große Wandererlebnis NÖ” (vormals ResidenzVerlag, Auslieferung nunmehr Kral-Verlag). Außerdem im Internet der Gemeinde St. Veit an der Gölsen: www.st-veit-goelsen.gv.at

Heute in voller Blüte gefunden

Kleines Knabenkraut, Brand-Knabenkraut, Breitblatt-Knabenkraut; dazu bereits knospig Mücken-Händelwurz,  fast schon verblüht und nur ein Exemplar vom Holunder-Knabenkraut. Fruchtend das Schmalblatt-Wollgras, soeben aufgeblüht der Kleine Baldrian, sehr schön die Niedrige Schwarzwurzel.

Sumpf-Baldrian

Sumpf-Baldrian

Nachlese vom Staff (Bericht von heute): zum Stattlichen und Bleichen Knabenkraut sind noch dazu gekommen – soeben aufblühend das Schmalblatt-Waldvöglein (ich schlage aus Zeitersparnis nicht für die exakten Bezeichnungen nach, aber es wird wohl keine Unklarheit geben).

Bei den beigefügten Bildern fehlt das Kleine Knabenkraut – wir müssen erst überprüfen, ob die “Flurbearbeitungen” am Hipplerkogel etwas davon übrig gelassen haben und wir dort noch ein Orchis morio fotografieren können (Archivbilder und neue von Istrien gäbe es ja in Fülle).

Vom Landschafts-Charakter und dem geologischen Aufbau her wird die Halbinsel Istrien in drei typische Zonen eingeteilt: An der Westküste das “Rote Istrien” wegen der auffallend roten Erde über den oft knapp darunter liegenden Kalkplattenböden (nichts Politisches !). Im Bergland des Ostens das “Weiße Istrien” wegen der weithin hell schimmernden Kalkfelsen, die in langgestreckten Mauern zwischen den eingelagerten Tälern und Hochmulden (dort “weichere” Flyschgesteine) dahinziehen.

Im Herzen des Halbinsel liegt das “Graue Istrien” – eigentlich müsste es “Braunes Istrien” heißen, denn unter dem erodierten Kalkgestein kommt hier ein bräunlich-ockerfarbenes Gemisch von Mergeln und Sandsteinen samt blaugrau anlaufenden Mergelkalken zum Vorschein. Diese flyschartigen Gesteine verwittern im Gegensatz zum harten Kalk sehr intensiv und formen durch Abschwemmung eigenartige, von Rillen und Rippen durchzogene Böden, die oft wie Sanddünen wirken. Für uns ist dieses eigenartige Gelände mit seinen abgerundeten Bergformen eigentlich das “weiche” Istrien. Weniger hoch als die Kalkberge, ist das Land zwischen den Flüssen Mirna und Rasa auch klimatisch begünstigt, und allenthalben trifft man hier auf Weinbau und Olivengärten. Östlich von Motovun wurde ein ganzer Talkessel – die Butoniga (vielleicht heißt das auch nur Bassin) – aufgestaut und dient als Trinkwasserreservoir des westistrischen Küstenlandes. Oberhalb von diesem fjordartig verzweigten Gewässer reihen sich auf den Berghöhen kleine Dörfer aneinander, dazwischen einzelne bewaldete Erhebungen, und überall finden sich Abzweigungen in die entlegenste und idyllischeste Einschicht.

Vrh – das Dorf auf dem Berg heißt “Berg”

Von Motovun hinab mit einigen Kehren hinab zur Mirna, talaufwärts (Richtung Istarske Toplice, einem Kurbad inmitten hoher Felsen, wenig abseits der Straße nach Buzet) nach der Butonigabrücke (doch ein Seitenbach) die Abzweigung zum Staudamm. Und gleich geht es steil bergwärts mit immer schöneren Ausblicken – im Südosten bis zur wolkenverhangenen Ucka – zum Dorf Vrh. Alte Häuser um einen kleinen Platz, kurz vorher die schön hergerichtete Volksschule (!) und die Kirche mit einem glagolitischen Stein (aus dem frühzeitlichen Kroatien) im Innern. Von 360 m senkt sich die Straße nach Sveti Donat (St. Donatius ist ein Weinbaupatron) und biegt an einer Kreuzung (Richtung Buzet) zum südlichen Höhenrücken hinüber. Dazwischen kraxeln wir auf Orchideensuche über einen dicht bewachsenen Waldkegel, aber die Hauptblüte dieser “Wunschblumen” erfolgt offensichtlich an den Straßenrändern! Die Höhenstraße erreicht schließlich…

… unser Ziel, das historische Dorf Draguc

Ein antiker Ort, bereits in prähistorischer Zeit besiedelt, ein architektonisch-landschaftliches Kleinod (dem Prinzip nach, was die Erhaltung der Bausubstanz betrifft), römische Festung, bis 1523 zu Österreich gehörend, dann bis 1797 zu Venedig, Befestigungsmauern des 14. Jh. … und noch viel mehr ist darüber nachzulesen. In der Realität erstreckt sich der Ort abseits der Höhenstraße auf einem plateauförmigen Hangvorsprung, von drei Gassen längs durchzogen, die von geschlossenen Häuserreihen gesäumt sind. Manches Bauwerk frisch renoviert, manches zerfallend und trotzdem bewohnt, unter einem Fenster, wo uns 2008 ein alter Mann auf Deutsch ansprach, tummelt sich noch immer eine Katzenhorde…

Der Hauptplatz mit Brunnen, riesigem Zürgelbaum vor den Bastionen und dem “Buffet Zora”, wo wir beim  ersten Besuch (Mai 2008) unsere restlichen Kunar in Wein und Schinken und Kaffee umgesetzt haben. Damals unter einer blühenden Laube, diesmal zwischen ersten Blumen und wieder überaus gastlich. Durch den  Portikus (einen Hausdurchgang) mit alten Wagen und anderem Gerät, wo wieder ein Katzenschwarm Reißaus nimmt, kommen wir an die Nordbastion des Dorfes. Hier öffnet sich der bezauberndste Ausblick, und die kleine Kirche St. Rochus hat nicht nur eine Loggia von 1565 unter altersgrauem Dachstuhl, sondern auch Fresken in der gotischen Bogendecke, von  Antonio de Padova 1529 und 1537 datiert. Wie praktisch - durch das kleine Fenster an der Türseite kann man die vom Seitenlicht eines Langhausfensters erhellte Kapelle auch wie von innen besichtigen!

Zwei alte Kirchen befinden sich noch beim Friedhof (dort St. Elisäus aus dem 12. Jh.). Als Anni dort einen Rundgang macht (ist immer und überall interessant, hier auch wegen der alten Grabsteine mit italienischen Inschriften aus längst vergangener Zeit), hält ein belgischer Reisebus. Der eilig aussteigende Reiseleiter fragt, ob die Dame im Friedhof vielleicht die erwartete Fremdenführerin sei… so schnell könnte man hier zu Ehren kommen! Wir grüßen uns übrigens mit “dober dan”, bis wir zu “Grüß Gott!” wechseln und uns auf jeden Fall bestens verständigen können, vermutlich wäre es auch in Französisch oder Flämisch so gegangen. Die Reisegruppe auf “Kulturtour” war jedenfalls ein Beweis für die Bedeutung dieses kleinen Ortes.

Was uns noch aufgefallen ist – das Gebäude hinter der Pfarrkirche und dem frei stehenden Glockenturm ist wie andere ansehliche Häuser ganz gut gepflegt, die zerborstene Kirchenglocke liegt nicht mehr neben dem Campanile, sondern hat schon einen gehobeneren Platz. Auch gibt es Apartmani, sogar mit Sternen, vor dem Dorfeingang steht noch immer derselbe blau angestrichene Leiterwagen, und von der bäuerlichen Bewirtschaftung merkt man gerade so viel, dass kein aussterbender Charakterzug diesem Ort anhaftet…

Der Orchideenspaziergang

Gegenüber der Ortsausfahrt zieht ein Hohlweg den Berghang zum Stari Draguc (503 m) hinan. Ende Mai fanden wir links davon am Wiesenrand eine Fülle herrlichster Orchideen z. B. Adriatische Riemenzunge. Dort ist jetzt (wie auf den “Gladiolenwiesen” nahe Boljun) noch gar nichts los. Wir begehen aber den rechten und linken Ast des weiterführenden Hohlweges und finden vor allem links an der Böschung die in Schutzlage schon gerade schön aufgeblühten Purpurknabenkräuter und oberhalb in einer Föhrenheide viel Spinnenragwurz. Zum Schluss gibt es eine Wurstlerei durchs Dickicht zurück zum Weg.

Die Rückfahrt ging weiter über die Höhe westwärts, wo wir die lockenden Bergweiler leider nicht mehr geschafft haben. Dafür fuhren wir im Tal bei Cerovlje nicht auf die Schnellstraße, sondern bleiben im Tal, um im folgenden Pazin wieder im Kreis zu fahren – kommen aber richtig heraus, zu unserer eigenen Überraschung! An der Abzweigung von Beram (Marienkirche mit den berühmten Fresken haben wir schon 2008 besichtigt) vorbei geht es bald aus dem zum Limfjord führenden Tal hinaus. Tinjan und Baderna bleiben abseits unberücksichtigt, denn uns zieht es schon nach Porec – ans JADRANSKO MORE (danke an HB für diesen Originalausdruck für die Kroatische Adria).

Motovun – Montona – die Stadt am Berg – die “Herrin im Mirnatal

Es gibt viele imposante Bergstädte in Istrien, aber Motovun ist einmalig! Als hohe Festung zwischen dem Küstenland von Porec und Umag und dem Landesinneren Richtung Buzet und Pazin gehen ihre Ursprünge auf Kelten und Römer zurück. Stadttore (ursprünglich 7, davon 3 erhalten), Mauern und neun noch heute aufragende Türme machen Motovun zum besterhaltenen mittelalterlichen Ort der Region (nur wenige baufällige und unbewohnte Häuser). In den Wäldern ringsum werden die begehrten Trüffel – tartuffi – gesammelt und angeboten.

Malerische Zufahrten

Motovun erhebt sich zwar über dem Mirnatal, aber dessen Unterlauf ist ein trockengelegter Fjord, und daher kommt man von Umag über das malerische Buje über die Anhöhe zum Talboden. Hier weist der Ortsname Portoportone auf den früher als Schiffahrtsweg und Schwemmkanal (für das Holz aus der Cicarija) genützten Fluss hin, der hier von der alten Binnenlandstraße übersetzt wird.

Wir fuhren von Porec auf einer Hauptstraße über das sehenswerte  Visnjan und eine anschließende “Rumpelstraße” über das hübsche Hochland bis Karojba (an der Straße nach Pazin). Bald tauchte auch schon Motovun auf, aber vorher kehrten wir noch bei einem uns schon von 2008 bekannten vorzüglichen Imker ein – Lindenhonig, Waldhonig, Akazienhonig mit speziellen Imkereizusätzen, alles vor Ort von der Familie Obitelj Pilaj eingebracht, freundliche Hausfrau, wohl nicht nur wegen unserem Großeinkauf (original aus dem Gebiet und zum halben Preis der Standeln am Limfjord).

Dann ging es hinauf in die Bergstadt, Parkgebühr wird schon an der Abzweigung kassiert, jedoch zu dieser Jahreszeit und wochentags konnten wir oben vor dem Friedhof mit seinen malerischen Zypressen parken. Ein Zwinger voll mit den liebsten und herzerweichend blickenden Hunderln hätte uns fast verlocken können, einen davon mitzunehmen… Bei einem Holzschnitzer und allerhand Läden und Gaststätten vorbei (überall Trüffelspezialitäten und Menüs, ein Weitwanderführer durch Istrien leider nur in Kroatisch…), durch ein Tor mit prächtigen Venezianerlöwen, zur Loggia mit Bilderbuchausblick und durch das innere Stadttor zum Hauptplatz. Beim Hotel Kastel blühen die Kastanien, und die Pfarrkirche wird gerade renoviert.

Der wahre Bilderbuchblick folgt beim Rundgang auf der Stadtmauer, von der Nord- über die Ost- zur Südwestseite – herrlich wie das freundliche Land ringsum in den Frühlingsfarben schimmert, wenngleich der uns im Oktober so begeisternde Bergblick etwas im Dunst verschwimmt. Ganz ruhig ist es an diesem schönen Tag, der uns wie Motovun unvergesslich bleiben wird, denn ein drittes Mal werden wir wohl kaum hierher kommen…

Nach den dürftigen Bergblumenerlebnissen von Brgudac auf die Korita, war unser nächstes Ziel die Strandregion. Aber wo….? Ein Suche auf der Karte Istrien 1 : 100 000 (vor Ort überall erhältlich) ergab – unverbaut (d. h. weder Straßen noch Campingplätze) am ehesten südlich von Rovinj, noch dazu mit einem Sumpfgebiet namens Palud. Inzwischen wissen wir schon mehr darüber, von unserer eigenen Begehung her und vom Internet: www.natura-histria.hr  Laut dieser Seite sollen im Dezember 2004 während des Vogelzuges dort 240 Vogelarten gezählt worden sein. Wir kamen natürlich jetzt nicht in der Zeit der durchziehenden Vögel, aber trotzdem gab es einige Überraschungen…

Auf der Suche nach dem Naturstrand

Von unserem Standort Porec wieder (wie so oft) zur Schnellstraße in Baderna (diese Stadt nur von fern gesehen) und bei Kanfanar Abfahrt Richtung Rovinj und abzweigend nach Bale. Diese schöne Altstadt mit dem ital. Namen Valle – inmitten eines anmutigen Hügellandes gelegen – kannten wir schon vom Herbst 2008. Laut Karte ging es der westlichen Ortsausfahrt gegenüber Richtung Palud (die beschilderte Zufahrt zum Vogelschutzgebiet zweigt erst weiter gegen Rovinj zu ab), aber gleich einmal vorbei gefahren, denn dort steht nur eine riesige Ankündigungstafel: Camping San Marco & Collone… oder so, dort hin wollten wir ja nicht! Es war aber die richtige Abzweigung – nach etwa 6 km auf guter Asphaltstraße durch die “Germ” (wie wir für so eine einsame Gegend sagen), landeten wir vor einem Schranken. Im Sommer Zugang für die neuen, im Gebiet der Stadt Bale (die auch vom Tourismus profitieren will) angelegten Campingplätze (freundliche Auskunft, genaue Karten aufliegend, gleich einen Blick darauf geworfen; im Sommer Parkgebühr, wenn man zum Badestrand will). Wir umfuhren erlaubterweise (jetzt außerhalb der Saison) den Schranken und landeten auf dem leeren Campinggelände vor einem bezaubernden Strand.

Restaurant in der Kirchenruine Sveti Polo

Zuerst Erkundung links weg bis zur ehem. Kirche, laut Karte Sv. Pavao (= Paul ?), in deren Mauerresten sich ein Strandrestaurant eingenistet hat.  Auf den Wiesen oberhalb des felsigen Strandstreifens blüht es im Rosa der Sternanemonen und im Gelb des Rauen Löwenzahns (oder einer solchen Art). Der kurze Spaziergang ergibt einen Überblick – zwei felsig-grüne Inselchen scheinen im azurblauen Meer zu schwimmen, weiter nördlich gischtet die Brandung am vorspringenden Kap einer bewaldeten Landzunge. Dorthin wollen wir, und gleich auch zum Palud, los geht´s!

Wanderung zum Vogelschutzgebiet

Zuerst ganz hübsch noch im leeren Campinggelände am Strand entlang, der von den bunten Wiesen mit einer Steilstufe zu den Felsplatten am Wasser abfällt. Dann Tafel – Ende des Campingplatzes, gleich darauf wird es eingezäunt privat (aber recht “krowotisch”, immerhin idyllisch gepflegte Fleckchen), wir marschieren daneben am Rand der hier kiesigen Bucht weiter bis zur nächsten Tafel “Naturschutzgebiet”). Hier geht zuerst innerhalb des Baumwuchses, aber noch in Wassersichtweite, ein guter Weg weiter, erste Rechtsabzweigung unberücksichtigt, dann im dichten Bewuchs bis zur Verzweigung zweier gleichrangiger Weg. So, wie jetzt weiter? Der Paludsee muss rechts liegen, also rechts weg – ein schmaler Weg, durch Lichtungen zuerst (am Rückweg die große Überraschung), dann in dichter Macchie, vorbei an einigen alten Steinmauern zu einem breiteren Weg. Hier schaut es schon kultivierter aus – gleich folgt die Kirchenruine St. Damian aus dem 11./12. Jh. mit Infotafel – Papst Alexander III. soll hier 1177 bei der Reise von Dalmatien nach Venedig eine Messe gelesen haben – kann man sich überhaupt nicht vorstellen.

Kurz darauf führt vom Fahrweg links ein ebensolcher weiter, und mehrmals treffen wir jetzt auf die Tafel “Psst !”, bis wir beim von dichtem Schilf umgebenen Seeufer des Palud und einem trefflich ausgebauten Beobachtungsstand anlangen. Vögel gab es aber nur auf der großen Infotafel. Dafür zweigte gegenüber ein guter Weg ab, der uns bald zum Strand brachte.

Klettern in der Horizontale

Wenn die dort am Strand gelagerten Felsplatten steiler oder sogar senkrecht stünden – das wäre eine Kletterwand! So hüpfen wir über Spalten und Stufen, immer in der Horizontalen auf dieser Felslandschaft weiter. Seitlich gischten die Wellen herein, bei Flut müssen hier ganz seichte Stellen überspült werden, jetzt geht es trocken weiter bis zum vermeintliche “Kap”, das in der Karte Rt. Gustinja heißt. Gegenüber eine kleine Felsinsel, die nördliche der Zwillinge namens Pisulj (in der Karte nur die südliche größere).

Zurück geht es auf derselben Strecke – bei einem kleinen Kiesstrand an einer Abzäunung vorbei, bis dorthin, wo wir den Felsstrand erreicht hatten. Ein Steinmonument, das uns allerdings kein Geheimnis lüftet, bezeichnet diese Stelle, dann geht es auf dem Weg in den Wald hinein – abseits solcher gebahnter Trassen würde man hier unmöglich durch das Dickicht kommen. Auf den vorhin erwähnten Lichtungen, bevor wir uns allmählich dem Campinggelände nähern, folgt die Überraschung – herrliche Orchideenblüte! Die Orchis morio und die Purpurknabenkräuter, hier schon recht schön aufgeblüht, fotografieren wir gar nicht mehr, dafür aber sind die zahlreichen Schmetterlings-Knabenkräuter gerade dabei, ihre ersten Blüten zu öffnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dem Picknick am Strand folgt nachmittags noch ein Abstecher nach Rovinj mit prima Cappucino und einem Croissont (oder wie man das schreibt, es enthielt leider Schokolade…). Bei unserem Herbstbesuch hatte wir uns mehr Zeit in dieser bezaubernden Stadt genommen, auch war die Stimmung damals gegen Abend viel intensiver als diesmal im grellen Nachmittagslicht. Allerdings hatte Anni damals am Hafen ihr schon Jahrzehnte getragenes Goldkreuzerl von der Halskette verloren – wir hoffen, ein liebes Mädchen hat es gefunden und trägt es nun, sich unbekannterweise an uns erinnernd….

Für “Nachwanderer” – in dieser Gegend gibt es eine Menge von Radrouten, abseits größerer Straßen, vor allem in südlicher Richtung gegen Fazana zu, wo die Fährschiffe zum Nationalpark Brionische Inseln übersetzen – beide Ziele waren uns diesmal nicht vergönnt, da in der zweiten Wochenhälfte das Wetter unsicherer wurde.

« Neuere Artikel - Ältere Artikel »