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Zu hochsommerlichen Touren auf die Heimatberge komme ich eigentlich selten, denn zur heißen Jahreszeit sollte es eigentlich auch besser “hoch hinaus” gehen. Doch diesen Sommer ist alles anders, und die Tourenauswahl richtet sich eher nach den täglichen Wetterverhältnissen.

Göller vom Gsenger

Letzte Woche war täglich Hitze angesagt, aber die beschränkte sich eher auf den Westen, über den Voralpen hielten sich hartnäckig die Wolken – bis es am Samstag, 19. Juli, wirklich schön wurde. Was macht man bei heißem Wetter? Hoch hinauf – also Göller, und früh aufstehen – Abmarsch am Gscheid um 6.30 Uhr (hätte auch früher sein können).

Das schöne an der Route vom Gscheid – vom Auto weg auf einen Waldsteig und auf der ganzen Tour keine Forststraße! Das anfangs gemütliche Gelände könnte zum “Wegsprinten” verleiten, aber besser hält man sich etwas zurück und hebt sich  Energie für den Gipfelaufschwung auf. Der Waldboden ist üppig begrünt, und botanisch wandert man vom Hoch- in den Frühsommer. Türkenbund neben ersten Zyklamenblüten, überall das gelbe Rindsauge, weniger bekannt sind als Doldenblütler das Schmal- und das Breitblättrige Laserkraut und die Österreichische Bibernelle mit ihren vergrößerten Randblüten.

Braunrote Ständelwurz, eine hochsommerliche Orchidee

Zuerst gibt es immer wieder Flachstücke, und an die allmählich zunehmende Steigung gewöhnt man sich, sodass beim Abstieg erst auffällt, wie stark es bergauf gegangen ist! Der Nadelmischwald geht dann immer mehr in Rotbuchenbestände über, und wo Fichten stehen, treten Lichtungen mit Totholz auf.

Nach 1 1/4 Stunden bin ich bereits auf dem Gsenger, mehr als die halbe Höhendifferenz ist schon bewältigt, und nicht nur wegen einer kurzen Rast lohnt sich der kurze Seitenaufstieg auf die an der Ostseite steil und felsig zur Schindleralm abbrechende Kammerhebung.

Blick vom Gsenger auf den weiterführenden Kamm und den Göller-Haupthang mit den drei charakteristischen Rinnen

Erster Ötscherblick und der Gippel im morgendlichen Gegenlicht

Trotz mancher Lichtungen am letzten Stück auf den Gsenger, die ich gar nicht so ausgeprägt in Erinnerung hatte, ist dieses erste Wegstück vom Wald beherrscht und von der Blüte der Hochstaudenflora.

Alpendost und Alpenmilchlattich

Am weiteren Anstieg treten immer mehr Dolomitfelsen hervor, und auf dem steinigen Boden fallen die ersten subalpinen Pflanzen auf. Nach kurzem Steilstück folgt ein wunderhübscher Rasenkamm, bevor die letzten Wetterbäume zurückbleiben und es endgültig ins Krummholz hineingeht.

Ausblick vom Kamm nach dem Gsenger auf die Schindlermauern und die Traisentaler Voralpen

Wie später auf dem Gipfelplateau trifft man hier mitten zwischen den Latschen auf einen hochstehenden Wiesenboden, aber das ist ein letztes Flachstück, bevor der ernsthafte letzte Gipfelaufschwung angegangen wird.

Letztes Flachstück mit Ausblick gegen Osten, am Rand des steinigen Steiges blühen bereits viele Alpennelken und das leicht übersehene zarte Pflanzchen - die Simsenlilie

Der Wiesenboden wird im folgenden Steilanstieg unvermittelt von Dolomitschutt abgelöst, der zwischen den lückigen Rasen hervorkommt. Die spärliche Steigspur windet sich in kurzen Kehren über den Schotter höher, und wegen der interessanten Flora lohnt es sich durchaus, gleich weglos den Aufschwung anzugehen, was ich im Abstieg unternommen habe. Der abschließend wieder bessere Steig quert dann durch die Latschen nach links, plötzlich legt sich das Gelände zurück, und schon taucht das hohe Gipfelkreuz auf.

Der Rundumblick vom Göller ist ganz gewaltig, stehen doch alle Gipfel, die voralpinen wie auch die Hochalpen in Respektabstand aufgereiht. Allerdings ist der Fernblick hochsommerlich - leicht dunstig, was besonders gegen den Ötscher zu (mit Göllergipfelkreuz als Schatten) und zum Hochschwab auffällt. Gippel und Schneeberg stecken als Schatten im Gegenlicht.

Der hochstehende, üppige Wiesenboden auf dem Hochgöller überrascht wirklich – 1766 m – trotzdem wie eine Almweide, aber von Gemsen und Schneehasen besucht (der Losung nach zu schließen). Wo der Rasen spärlicher ist, stehen üppige Blütenpolster, vor allem von den Alpennelken, an den verblühten Exemplaren lässt sich noch erkennen, welche Pracht hier vor einigen Wochen noch geherrscht hat – Silberwurz, Großer Enzian, Clusiusprimeln, einige wenige Alpenanemonen.

Nach Silberwurz das Kopfige Läusekraut, an Orchideen die Höswurz und ein einziges gefundenes Kohlröschen!

Ich gehe noch über das Plateau bis zum Rand der südöstlich abfallenden Karlgrube, wo der Steig zur Göllerhütte hinab zieht. Auffallend die Namensverschiedenheiten – von den Schitouren mit meinem Vater her kenne ich den östlich vorgelagerten Gipfel als Kleinen Göller, jetzt heißt er nach der ÖK Roßkopf… aber das habe ich auch schon am Dürrenstein erlebt…

Dort blüht neben den Latschen auch der schönste Almrausch, und das Panorama über die östlichen Vor- und Hochalpen mit dem nahen Gippel ist ein Bild wert – allerdings eher bei klarer Sicht im Herbst und bei weniger Gegenlicht!

Für den gesamten Aufstieg habe ich samt Rast und Fotografieren 2 1/4 Stunden gebraucht, für den Abstieg sind es 1 3/4 Stunden. Mit all dem Herumstreunen auf dem Hochgöller komme ich gerade zurück zum Gscheid, als vom Marienkircherl die Mittagsglocken läuten… Ein “blumiger” Vormittag ist das gewesen, und auch als Tour war der Göller trotz gleichem Rückweg – mit wieder anderen Blickwinkeln! – respektabel, immerhin 800 Höhenmeter hinauf und hinunter.

Wie im gesamten Waldviertel, samt Südböhmen und der Wachau, sind wir schon wirklich viel gewandert. Ein Ziel – nämlich die Rosenburg – gibt es aber seit zehn Jahren einmal im Juli ohne Wanderung! Es sind die Shakespeare-Festspiele mit Alexander Waechter, die uns jedesmal wieder zu diesem malerischen Schloss locken.

Nur beim “Hamlet” waren wir nicht dabei, dafür 2012 gleich mit der ganzen Familie bei der Kindervorstellung. Heuer hat der Intendant befunden – Shakespeare im Shakespearejahr…. – genau weiß ich den Wortlaut des FS-Interviews nicht mehr; jedenfalls hat er es besser gefunden, das populäre Stück von Moliere zu bringen.

Nach 94 km Anfahrt von St. Veit an der Gölsen – wir wählen immer die früher angesetzte Sonntagsvorstellung, damit es beim Heimfahren noch heller ist – sind wir hier schon auf der Rosenburg gelandet. Die ersten Aufführungen (zumindest 2005) fand noch im Turnierhof statt. Nun ist das einem Zirkuszelt nachempfundene Theaterzelt neben dem Schloss aufgebaut, regensicher, zumindest ziemlich, deshalb können wir uns auch für die Rosenburg “erwärmen”…

Bevor es losgeht bleibt noch Zeit für einen Spaziergang in das Schloss hinein – martialisch geschmückt ist das Portal, der vor einigen Jahren angelegte Senkgarten ist schon hübsch verwachsen, wie überhaupt die ganz Anlage sorgsam gepflegt erscheint.

Vom Turnierhof, wo sich der Zugang für die Greifvogel-Vorführungen befindet (ein tolles Erlebnis für die Kinder 2012), geht man ganz romantisch in den Inneren Burghof mit seiner steingepflasterten Brücke, darunter der Fischkalter und ein neu angelegter Rosengarten.

Da ertönt schon das Signal für den Beginn der Vorstellung, schnell zurück zum Theaterzelt… wie jedes Jahr schöne Plätze in der ersten Reihe, nur – sind wir breiter oder die Sesselanordnung schmäler geworden? Wer diese Anordnung von Zuschauerrängen rings um die Bühne in der Mitte noch nicht gesehen hat, kann nur so staunen. Oder an einen Zirkus denken, denn der “originale Shakespeare” soll ja auch weniger eine “klassisches Theater” gewesen sein…

Kaum haben wir Platz genommen, geht es beim dritten Signal schon los! In das “Krankenzimmer” (heuer eine einfachste Bühnenform gegenüber anderen Jahren) tritt der jedes Jahr als ein Hauptdarsteller auftretende Bernhard Majcen als der “eingebildete Kranke” und kontrolliert seine Arztrechnungen…

Seine Gegenspielerin ist die Zofe Toinette, gespielt von der großartigen Nancy Mensah-Offei, die seit vorigem Jahr dabei ist. Hier im Bild mit der Tochter des eingebildeten Kranken Angélique, dargestellt von der liebreizenden (!) Antonia Sotelsek.

Sie liebt den Musiker Cléante – dieser heißt Lois Nostitz und ist Leadsänger von Bands und Komponist, und außerdem ist er ein fantastischer Schauspieler (wir werden bei seiner Pausenbeschäftigung noch beobachten…).

So entwickelt sich die Komödie lebhaft und amüsant, gespickt mit aktuellen Anspielungen auf das Mediziner(un)wesen, zügig weiter. Die schöne Angélique soll nach dem Wunsch des hypochondrischen Vaters einen Arzt heiraten – im Bild rechts oben verlockende Aussichten… Alexander Waechter als der Bruder des Kranken bemüht sich, diesen von seinem u. a. “Klistierwahn” zu befreien. Ganz toll kommen uns die mehreren Runden vor, die er auf dem Rad in der Arena dreht, noch dazu in der Schräge etwas bergauf und mit dem alten Gaul, sportlich… Da darf er sich in der Pause ruhig hinter den Kulissen zu einem Tratscherl niederlassen…

Wir oder ich als Paparazzi – empfehlenswert ist die Programmbroschüre mit den Profibildern! Mich wunderte, dass keine Hinderung an meinen (blitzlosen) Digitalaufnahmen zu bemerken waren…

Die Komödie löst sich nach allerhand Turbulenzen und pfiffigen Entwicklungen so auf, dass der Eingebildete Kranke selbst zum Doktor avanciert – köstlich die szenische Einfälle, bevor es nach nicht zwei ganzen Stunden an den Schlussapplaus geht.

Links der beabsichtigte doktorale Bräutigam und die elfjährige Alina Koch als Louison, die kleine Schwester der Braut - überaus talentiert und quirlig, die dem Vater hinterrücks gezeigte Lange Nase perfekt wie der ganze Auftritt!

Die drei schon genannten Hauptdarsteller!

Die Wetterverhältnisse waren ideal, der Besuch recht gut – aber sogar gute Sitze waren noch frei, kein Wunder – Finale der Fußballweltmeisterschaft… Uns hat es wieder sehr gut gefallen, einmal etwas Einfacheres, auch wenn die Shakespeare-Stücke auch immer mit mehr oder weniger Unterhaltungsfaktor gespielt waren. Wer uns abgegangen ist ? Natürlich Frau Erni Mangold, die Unübertreffliche! Insgesamt etwas weniger aufwändig als sonst (auch etwas kürzer, hätten leicht die noch auf volle zwei Stunden fehlende Viertelstunde vertragen, aber vielleicht wollte das Team auch schon “nach Brasilien”…).

Hoffentlich gibt es die Shakespearespiele auf der Rosenburg noch längere Zeit, es muss ja nicht so lang dauern, bis der Herr Intendant so vor seinem Publikum steht wie der alte Ritter in der Turnierhofmauer…

Übrigens habe ich während des Theaters das Konzert aus Brasilien anlässlich des Abschlusses der Weltmeisterschaft aufgenommen – eine volle Wucht, die Künstler ebenso wie das temperamentvolle Publikum. Für uns die beste Übertragung…. wie Barbara Rett im Vorspann bemerkte, auch das großartige ORF III ist nicht ohne Fußball ausgekommen.

Allerhand Dringlichkeiten (wie Marillen, Ribisel, längere Autopflichtfahrten und Projektarbeit) haben die Fortsetzung der Urlaubsberichte von Kirchberg in Tirol etwas verzögert. Heute will ich mit meinem Blog-Tourenbuch weitermachen, aber nicht mit dem Höhepunkt am Fronleichnamstag, sondern mit dem letzten Urlaubstag am 21. Juni.

AB Blick aus der Moorlandschaft am Pass Thurn gegen die Hohen Tauern im abziehenden Schlechtwetter, dazu die Moosbeeren-Blüte

Tagszuvor war pünktlich zum Sommeranfang eine Kaltfront durchgezogen, ganzen Tag regnete es, als ob die Kitzbühler Triathlon-Meisterschaften dasselbe Abbonement auf Regenwetter hätten wie das Wiesenfelder Sonnwendfest oder der St. Veiter Straßenlauf…

Als letztes Wunschziel dieser Urlaubswoche war uns nur mehr der Ausflug zum Pass Thurn geblieben, wo wir schon einige Male eine nette Runde machten, im Winter auf der Loipe und im Hochsommer mit einer Menge Eierschwammerl… Beides würde für diesen Tag nicht zutreffen, das war immerhin sicher, aber dass ein derart eisiger Nordwind trotz erster Sonnenstrahlen von der Kaltfront übrig bliebe – das hätten wir nicht erwartet!

Einstieg in den Nationalpark-Naturweg Wasenmoos

Parkplatz beim Breitmoos, wo die Gondelbahn von Hollersbach heraufkommt, aber keine Idee, bei dieser Kälte zur Resterhöhe hinauf zu fahren und dort oben zu wandern! Wir wendeten uns gleich dem vertrauten Weg in die Moormulde südöstlich vom Pass Thurn zu, und zu unserem Erstaunen trafen wir bald darauf den nun bereits einige Jahre bestehenden Naturlehrpfad an, den wir noch nicht kennengelernt hatten.

Im Wasenmoos

In einer eiszeitlichen Hangvertiefung hat sich dort ein Hochmoor gebildet, das bereits um 1800 und von 1901 bis 1963 abgebaut wurde, wie die ausführlichen Infotafeln berichten. So ist vom ursprünglich hoch aufgewölbten Torfmoor nur mehr ein flacher Rest übrig geblieben, der aber durch Latschenbewuchs, Sumpfflächen und rötliche Wassertümpel auch noch eindrucksvoll ist.

Geflecktes Knabenkraut und Alpen-Haarbinse

Der bestens angelegte Weg führt mit mehreren Beobachtungspunkten an den Südrand des Moores, wo ein Aussichtsturm mit Museumsraum errichtet wurde. Daneben stehen noch die Rollwagen für den Torftransport, und außerdem wird neben naturkundlichen Schautafeln auch von der Entstehung des Lehrpfades berichtet (aus einem Schulprojekt heraus, die Lage am Nationalpark hat daneben wohl dazu beigetragen, dass dieses Naturrest-Juwel noch erhalten geblieben ist und für Besucher erschlossen wurde).

AB Ausblick zu den Hohen Tauern und von Birken umgebenes Moorwasser

Zu unserer Überraschung gelingen nicht nur ein paar ansprechende Bilder, sondern auch noch eine gar nicht so geringe Blüte typischer Moorpflanzen:

Rundblättriger Sonnentau (ohne Blüten)

Die letzte Fieberkleeblüte des ausgedehnten Bestandes

Gewöhnliches Fettkraut (das Alpen-Fettkraut hat weiße Blüten)

Moor-Preiselbeere oder "Moosbeere" - die amerikanische Form ist als Cranberry sehr bekannt und beliebt, aber auch unsere heimische Moosbeere entwickelt aus den zyklamenähnlichen kleinen Blüten essbare rote Früchte

AB Zwergbirke - ganz selten zu finden (vielleicht hier neben dem Beobachtungsturm angepflanzt?) und auf dem Orangeroten Habichtskraut ein Kaisermantel - oder doch ein Perlmutterfalter?

Schließlich machen wir uns – fast etwas durchgefroren trotz Berggewand – wieder an den Rückweg und erleben die Moorwelt so ein zweites Mal, immer wieder etwas Neues zu entdecken!

Sumpf-Läusekraut

Am Ende des Lehrpfades befindet sich am nordwestlichen Rand des Moorbeckens ein Quellaustritt, und dadurch hat sich dort kein nur aus den Niederschlägen gespeistes Hochmoor, sondern ein Flachmoor entwickelt. Diese Bucht ist völlig mit Sumpf-Schachtelhalm bewachsen, und auf den nicht so ausgeprägt moorigen Flächen blüht der Arnika.

AB Einblütiges Wintergrün oder "Moosauge"

Beim Rückweg zum Parkplatz an der Pass Thurn-Straße entdecken wir im Hochwald noch ein kleines und nicht allzu häufiges Pflänzchen, das aus dem Ameisen-Blickwinkel besonders nett wirkt. Insgesamt ein schöner Urlaubsabschluss, aber einen botanischen Höhepunkt gibt es noch zu berichten – den Alpengarten auf dem Kitzbühler Horn!

Bei unserem letzten Schiurlaub sind wir an einem Rasttag rund um den Wilden Kaiser gefahren und haben beim Walchsee nahe Kössen und rund um den Hintersteiner See bei Scheffau auch eine Wanderung unternommen. Jetzt im Sommer (18. Juni) sollte es aber “ins Herz” des Kaisergebirges gehen!

BB Griesner Alm

Die Zufahrt führte über St. Johann und den Sattel bei Gasteig zum Eingang des Naturschutzgebietes Kaiserbachtal in der Griesenau. Ein paar Kilometer Asphaltstraße (mit geringer Maut) leiten dann in die Hochgebirgslandschaft hinein. Zur Rechten Alm- und Latschenhänge, links ragen bereits die riesigen Kalkklippen in den Himmel hinauf. Bei der Griesner Alm mit Gaststätten und Kiosk und allem Zubehör eines beliebten Ausfluszieles ist bei weiträumigen Parkplätzen Schluss mit der Autofahrt. Wochentags ganz moderat, aber an freien Tagen muss hier allerhand los sein!

BB Die östlichen Felsgipfel des Wilden Kaiser, wohl Ackerl- und Maukspitze

Vom hohen waagrechten Felssaum im Talschluss schaut das Stripsenjoch Haus herunter, wohl das beliebteste einfache Wanderziel hier im Kaisertal, denn an der Südseite geht es überall höchst schroff hinauf zu den Klettergipfeln. Für uns, die wir ja noch mehr an diesem Tag vorhaben, ist die Schutzhüttenwanderung ideal – ein gut ausgebauter Weg mit packenden Ausblicken, Höhenunterschied gerade über 500 m, dazu sonnig-lüftiges Wetter. Also machen wir uns an den Aufstieg.

AB Blick ins Kaiserbachtal von den Bergwiesen an der ersten Wegstrecke

Zuerst geht es an riesigen Rotbuchen vorbei aus dem tief gefurchten Kaiserbach hinaus und in Kehren die blumigen Bergwiesen hinauf. Doch schon berrühren wir einen aus den Wänden herabkommenden Schuttstrom (im Internet als “Russenleiten” bezeichnet, was das wohl bedeuten soll?). Dann folgt zunehmend steiler Bergwald mit überwiegenden Rotbuchen, vom Steig in etlichen Serpentinen bewältigt. Am oberen Waldsaum stehen wir wieder neben dem mit Riesenblöcken und Schutt angefüllten Wildbach und sind schon am Rand des alpinen Geländes angekommen.

BB Der Predigtstuhl wirf seinen zackigen Schatten über die Steinerne Rinne hinweg an die Fleischbank-Ostwand

BB Zum Ellmauer Tor hinauf öffnet sich die Steinerne Rinne

Die Felslandschaft ist wahrlich gigantisch (ich hoffe, nach der Karte die richtigen Bergnamen gefunden zu haben)! Unser breiter Weg zieht aber im Vorfeld der Wände und Kare zügig bergwärts und führt dann den Wildanger entlang – herrliche Trollblumenblüte! Auch so blüht allerhand, u. a. der Bergbaldrian wie in Annis Bild.

Nun kommen wir schon in die Latschenfelder, und der schrofige Schlusshang rückt immer näher. Unglaublich, wie geschickt sich der Weg in Kehren zwischen Schutt, Felsvorsprüngen und steilem Rasen hinauf windet. Es sind gerade 1 1/2 Stunden vergangen, da sind wir schon vor der Stripsenjoch Hütte auf 1577 m Höhe angelangt. Eigentlich ist es eine Gruppe von sichtlich auf schlimmstes Wetter abgestimmten Berghäusern, die sich schlicht “Hütte” nennt. Für die Nordseite des Wilden Kaisers wohl der Hauptstützpunkt für die Kletterer, auf die aber auch ein Klettergarten am nahen Stripsenkopf, gegenüber den ganz hohen Routen der Nordwände, wartet.

AB Bergwiese mit Trollblumen und Storchschnabel hinter der Stripsenjoch Hütte

Wir halten unsere “Zielrast” in der Blumenwiese oberhalb der Hütte mit herrlichem Blick ins westliche Kaisertal und auf die Felsgrate am Totenköpfl. Wo aber soeben noch himmelblaue Löcher die Mittagswolken durchsetzten, wird jetzt das Gewölk immer dichter. Obwohl weder Regenschauer noch Gewitter drohen, machen wir uns doch bald an den Abstieg, nicht ohne vorher noch das berühmte Fotokreuz des Stripsenjochs anvisiert zu haben. Wohl kaum einer der berühmten Bergfotografen, wie etwa Heinz Müller-Brunke, hat dieses Motiv nicht festgehalten, na ja, wir erst recht, wenn auch nicht so kunstfertig und nur als Schnappschuss während der Wanderung…

AB Predigtstuhl und Fleischbank vom Stripsenjoch

BB Oberhalb vom Stripsenjoch Haus

BB Der hohe Grat am Totenköpfl

BB Stripsenjoch-Kreuz mit Predigtstuhl

Der über die Grate streichende Wind wird mit den spärlicheren Sonnenstrahlen zunehmend frischer, und so machen wir uns rasch an den Abstieg, der bei einem plötzlichen Regenguss oder Gewitter gar nicht angenehm wäre, so mitten durch die Schuttrinnen und Schrofen. Aber es bleibt schön, und bald nehmen wir die Wegkehren entlang des Wildangers nicht mehr so eilig in Angriff.

AB Verblühter Alpen-Milchlattich

BB Der "Riesenrachen" der Steinernen Rinne, gespenstisch - wenn man sich das Bild aufgestellt denkt, sicher eine gigantische tektonische Struktur in den steil stehenden Kalkklippen

AB Kar unterhalb der Steinernen Rinne

Vom Wildbach, der aus dem Kar unter der Steinernen Rinne kommt, geht es wieder in den schattigen Bergwald, und eine Menge Kehren sind noch zu bewältigen, bis wir bei der Griesner Alm ankommen.

BB Gipfelblick aus den Wäldern des Kaiserbachtals bei der Griesner Alm

Am frühen Nachmittag fahren wir schon wieder durch das Kaiserbachtal hinaus zur Griesenau und wenden uns auf der malerischen Strecke nach Norden Richtung Kössen. Diese Landschaft im “Kaiserwinkel” ist höchst malerisch und liegt schon nahe der Grenze zu Baiern bzw. zum Chiemgau. Unser Nachmittagsziel ist der Walchsee – diesmal allerdings nicht “bewandert”, sondern mit einer schon ersehnten Kàffeepause (oder sollte es für uns hier eher exotisch wirkende “Össis” besser Caféjause heißen?) in einem gut besuchten Ferienhotel samt Badestrand. Frisch gestärkt bewältigen wir nachher zügig die restliche “Kaiserrunde” über Kufstein zurück nach Kirchberg.

Anfang Juli im Garten – hier blüht es vielleicht noch toller als draußen in der “Natur” ?! Und die Früchte reifen – Erdbeeren fast schon vorbei, Himbeeren, die ersten Stachelbeeren und Ribisel… Dass der Kirschbaum nicht zu viel Arbeit macht, dafür haben schon das Wetter und die Vögel gesorgt. Nur wenige Früchte sind nicht aufgesprungen oder angeknackt. Und die Andenbeere zeigt auch schon ihre Blüten und Fruchtampeln.

Der Schlangenlauch ist kaum auszurotten, sobald er einmal im Garten ist, schaut am wenigsten attraktiv aus.

Der Rosslauch ist vor allem wegen der beiden, bald weit abstehenden Hüllblütter ganz hübsch, in der Blüte (fast) nur Brutknospen.

Dieser schöne Lauch heißt wirklich "Schöner Lauch", kommt aber erst bei voller Entfaltung richtig zur Geltung, ein Gast aus südlicheren Gefilden.

Die Zwiebel vom Kugellauch habe ich erst letzten Herbst "gestupft", ganz eigenartig, wie sich die Blüte allmählich öffnet.

Die “Haussorten” wie Winterzwiebel, Schalotte usw. werden bald zu ernten sein. Die Vielfalt der Arten hat uns vor allem in Schiltern bei der “Arche Noah” (nun Weltkulturerbe !!!) beeindruckt. Ein spezieller Schnittlauch ist leider schon für´s Fotografieren ziemlich verblüht – gerade habe ich ihn Anni gezeigt – Schnittlauch aus dem Gebirge, ssp. sibiricus steht im Pflanzenbuch. Gekostet habe ich ihn zum Glück nur selber, denn der hat eine Schärfe wie intensivster Zwiebel!

Physalis oder Andenbeere, bei uns als Lampionblumen mit roten Fruchthüllen bekannt und sehr dekorativ, auch die Blüte.

Die Fruchtbeere in den roten Lampions soll auch essbar sein, haben wir noch nicht probiert (vielleicht geht das nur einmal?), aber wenn die Physalis-Lampione papieren-trocken werden, befinden sich darin die wohlschmeckenden gelblichen und sehr gesunden Andenbeeren.

Bei den Lauch-Bestimmungen bin ich mir nicht völlig sicher, aber dafür habe ich doch noch den Alpen-Schnittlauch fotografiert:

Daneben blühen im Alpinum eine relativ seltene, aber im Wienerwald häufiger vorkommende und daher bei uns eingewanderte Nelke – die Rau(h)e Nelke / Dianthus armeria.

Außerdem hält sich an einigen “Urgesteinsblöcken” (gemeint sind silikatische Gesteine) ein hübsches Blümchen, wo ich immer auf Steinbrech oder Mannsschild tippe – es ist aber eine Fetthenne – der “Bucklige” Mauerpfeffer, wie an den Blättchen zu erkennen /Sedum dasiphyllum. Wie würden wir uns freuen, sie jetzt am Standort im Maltatal oder sonstdortwo zu sehen…

Im Gegensatz zum ersten sonnigen Wandertag rund um den Hintersteiner See, lässt der folgende Tag (Dienstag, 17. Juni) nur grauen Himmel sehen. Also kein hohes oder weites Ziel, gleich von Kirchberg hinein ins Spertental nach Aschau. Dort haben wir schon im Winter gesehen, dass für die Fahrt in den Unteren Grund ein Mautschranken eingerichtet wurde. Auf unsere Frage, wie weit man um die vier Euro fahren dürfe, lautet die Auskunft – 9 1/2 km! Also das ist schon ganz schön weit drinnen… besser im Hochtal herumzuspazieren als hier herunten…

AB Almrauschblüte auf über 1500 m Höhe und Rückblick zum Wilden Kaiser

Bald haben wir die im Winter gestapfte Strecke bis zum Wegkreuz unterhalb der Hintenbachalm hinter uns gebracht. Die Schaukäserei wäre hier verlockend, aber wir folgen noch der asphaltierten Straße und zweigen sogar rechts über den Seitenhang hinauf zur Labalm ab. Irgendwo müssen wir da vor einigen Jahren auf den Tanzkogel gestiegen sein, aber genau lässt sich das nicht mehr ausmachen. So fahren wir zurück zum Tal, und nun geht es auf sandigem Fahrweg talein weiter. Ein gewaltiger Erdrutsch hat das Verlegen der Straße an den Hang notwendig gemacht, das kennen wir alles noch nicht und ebenso wenig den weiteren Talverlauf.

AB Großer Blick zum Rettenstein und kleiner Blick in die Alpenrosen

Bei der Karalm weitet sich der Talboden, hier sind am vorhergehenden Wochenende als festliches Ereignis wunderschöne Pferde auf die Alm gekommen. Voraus schaut die Kar-Hochalm vom steilen Hang herab, und schon kann es nur mehr vorwärts gehen – schmal und ausgefahren ist die Wegtrasse, und man kann nur hoffen, keinen Gegenverkehr zu haben! Schließlich landen wir in einer Kehre kurz nach der Abzweigung zur Steinfeldalm, wo sich der Fahrweg an einer gerade wiederkäuenden Kuhherde vorbei nach rechts zur Stallbach Hochalm wendet. Nun ist Schluss! Gerade genug Platz, um das Auto abzustellen, und schon geht es los – mit Bergschuhen und Wetterschutz natürlich, aber sonst völlig ungerüstet, was Jause und Getränk betrifft. Aber was soll´s, wir steigen eben weiter hinauf, so lange es geht und trocken bleibt…

Der Steig verläuft den gischtenden Bach entlang, und ringsum “glühen” die Hänge in der Almrauschblüte! Also ganz einmalig und überraschend für uns, die wir nur mit einem kleinen Spaziergang gerechnet haben. Bei einem Block teilt sich der Weg, links geht es den Steilhang hinauf zur Herrensteigscharte als Übergang in den oberen Pinzgau. Zum Glück haben wir wenigstens eine genaue Karte mit (beim Mautschranken frei erhältlich!), und diese weist uns ins Tal hinein Richtung Geigenscharte. Kurz vor diesem zweiten Übergang in den Pinzgau bzw. dem Zustieg zu den Gipfeln Geige und Gamsbeil befindet sich die Westerachalm, das könnte ein für uns gerade noch passendes Ziel sein.

Im bald schluchtartigen Taleinschnitt wird es bald vorfrühlingshaft – Schneebrücken verdecken noch teilweise den Bach, und daneben blühen die “Eisglöckerl”, die Alpen-Soldanellen. Der schmale Steig quert übers Wasser und windet sich zwischen Felsblöcken hindurch, neben weißem Hahnenfuß (Platanen- oder Eisenhutblättrigem), der noch ganz klein ist, herrschen Dotterblumen vor! Dann leuchtet es weiß vom Steilrand neben einem Wasserfall – es sind eine ganze Menge von Alpen-Anemonen.

Dann steigt der teilweise verrutschte Steig am linken Steilhang hinan, bis sich das Gelände unvermittelt zurücklegt und die Almmulde mit zwei Hütten erreicht ist. Von ca. 1500 m sind wir inzwischen schon auf fast 1900 m heraufgekommen! Nur mehr wenig mehr hundert Höhenmeter wären es bis zur Scharte hinauf. Aber wir bleiben bescheiden – kein Sonnenstrahl, aber auch kein Regentropfen… und keine Jause… also genug gewandert, müssen wir doch auch wieder hinunter.

AB Die Westerachalm kommt in Sicht!

Neben dem großen Stall (mit Blechdach) steht die alte, etwas notdürftig wirkenden, aber steinerne alte Almhütte

Und geht Anni vielleicht fensterln???

AB Aber es sitzt nur der BB drinnen...

Also zur Not könnten wir trotz der spärlichen Einrichtung hier unterschlüpfen, wenn etwa ein plötzliches Gewitter sich zu entladen drohte! Brennholz und sogar ein Sofa vorhanden, Zündhölzer hätten wir selber im Rucksack, Kerzerl stehen am Tisch… Aber indem es immer noch trocken bleibt, wenn auch vom Pinzgau ein scharfes Lüfterl herüber weht, ziehen wir doch unsere gemütliche Fewo in Kirchberg vor!

Der Große Rettenstein beherrscht das Tal, aber auch das nahe Gamsbeil wäre wie die Geige oder die Geigenscharte bei Schönwetter ein lohnendes Ziel. Wir streben nun über den sumpfigen Almboden wieder der Schlucht zu, und dort gibt es beim Anemonen-Standort neben dem kleinen Wasserfall allerlei Verrenkungen, um die Blüten schön ins Bild zu bekommen.

Anni gelingt dann in Gegenrichtung (talab) ein ganz schönes Bild!

Bald kommen wir wieder zu den Schneebrücken in der Schlucht – wie aus einem kleinen Gletschertor gischtet der Bach hervor, und auch beim Überqueren des Wassers braucht es einen mutigen Schritt!

Die größte Überraschung erleben wir jedoch knapp vor unserem in der Kehre abgestellten Auto, wo sich inzwischen die Rinderherde (lauter sanfte Kalbinnen) zusammengeriegelt hat – ein Traktor mit Güllefass ist gerade unterwegs zur talaus am Hang gelegenen Hochalm! Nicht einmal hier heroben sind wir von dem aus dem heimatlichen St. Veit immer wieder so “vertrauten” Duft sicher… Stimmt so nicht, hier schnuppern wir nur am betörenden Almrausch!

Vor dem Bericht über die Tour mit Jakob, der bei seiner zweiten Begehung bereits als Führer für seinen Bruder Felix agieren konnte, stehen zuerst die in der Teufelskirchen-Halbhöhle (Rauwackenfels an der Basis der Reisalpendecke) heute beobachteten Streifenfarne im Vordergrund:

Mauerraute / Asplenium ruta-muraria

Vom Habitus her spreche ich die als erstes abgebildete Farnpflanze als Mauerraute an. Dann habe ich gleich zwei Bilder, wo ich mir nicht sicher bin, ob es sich nicht um den Drüsigen Streifenfarn handeln könnte! In meinem Naturführer “Flechten, Moose, Farne” (Steinbach) heißt es auch sehr beziehungsvoll: “… in der Tracht der Mauerraute ähnlich”.

Ddrüsiger Streifenfarn oder Mauerraute?

Aufmerksam bin ich vor allem durch dieses nachfolgend abgebildete Exemplar:

Asplenium lepidum / Drüsiger Streifenfarn

Zwar heißt es in meinem Naturführer: Nur in der Bergstufe der Südalpen, der südöstlichen Karpaten sowie in den Gebirgen der Apenninen- und Balkanhalbinsel. Aber im Janchen sind einige Standorte in NÖ aufgelistet (Alpenostrand bei Fischauer Bergen und Höllental, Hohe Wand), und in der Teufelsluke und an einem anderen Portal der Kremstalhöhlen (auf Marmor) habe ich den Drüsigen Streifenfarn selbst schon entdeckt. Es heißt auch bei Janchen: Voralpenstufe Niederösterreichs.

So, und jetzt wird es erst lustig, denn es folgt das Wanderabenteuer!

Beim Teufelskirchensteg - Fliegenfischer (?) in der Erlauf, Gäste im Naturpark Ötscher-Tormäuer aus Frankreich!

Für die beiden sportlichen Buben ist das Blockspringen eine Herausforderung!

Unser eigentliches zweites Ziel (nach der Teufelskirche) war der nahe davon in die Erlauf mündende Trübenbach: Das von Gips-Ausschwemmungen an der Basis der Ötscherdecke getrübte Wasser hat dem Seitenbach von der Bärenlacken her und der zur Gemeinde Gaming gehörenden Streusiedlung (einst von Holzknechten angelegt) den Namen gegeben. Nach starken Niederschlägen ist das Wasser sogar altrosa gefärbt! Heute war es weniger auffällig – das Trinken haben wir nicht probiert – bei den alten Expeditionen um 1590 zum Geldloch am Ötscher sind diese Wasser sogar als “giftige Quellen” genannt. Wir finden hier immer wieder interessante Steine, vor allem gipshältige und daher bunt gefärbte.

Um die Mittagszeit weiß man nicht mehr genau - brauchten wir nun noch den Sonnenhut oder schon den Regenhut! Die "Plutschen" sind in beiden Fällen nützlich (riesige Blätter der Pestwurz)!

Das Gasthaus in der "Alten Schule" (zu meiner Annaberger Lehrerzeit um 1963 noch als einklassige Schule in Betrieb) ist zum Glück geöffnet, und Frau Gold sorgt für unsere Mittagsatzung!

Dann zeigt Jakob dem Felix noch das Holzknechtmuseum, wirklich sehenswert, hier die Schiabteilung, heimatkundlich überaus wertvoll!

Im aufliegenden Gästebuch trägt sich natürlich auch Felix ein, obwohl er erst im Herbst Schulanfänger ist (gut dass er in einer Zeit zur Schule kommt, wo nicht mehr die Linkshänder gewaltsam umtrainiert werden müssen…)!

Endlich wieder “Urlaub”, was bei uns eigentlich “verreisen” heißt. Trotz mieser Prognose im wetter.at eine ganz schöne Woche – wie beim Schiurlaub am selben Ort Ende März… Anreise bei sonntäglich moderatem Verkehr, und schon ist der erste Wandertag da – Montag, 23. Juni.

AB Hintersteiner unter dem Wilden Kaiser

Ein bisschen vorsichtig hat uns die Prognose mit nachmittägigen Gewittern doch gemacht, also nicht zu hoch hinauf und nicht zu weite Anfahrt! Da kommt uns die “Rasttagstour” vom letzten Schiurlaub gerade recht, um sie auch im Sommer zu erleben – der Hintersteiner See.

Die Anfahrt führt von Kirchberg über Reith, am Stanglwirt (beim Vorbeifahren viel weniger imposant als im Fernsehen immer präsentiert) vorbei nach Scheffau und dort die unteren Abhänge des Wilden Kaisers hinauf. Enge Kurven im Hochwald, freundliche Terrassen mit einzelnen Höfen und einer malerischen wie besinnlichen Kapelle (> facebook ), Parkplatz noch morgendlich fast leer (zu Mittag voll).

Weil es noch ganz schön frisch ist, gehen wir die Seerunde umgekehrt zu unserer Vorfrühlingswanderung – zuerst auf dem Asphaltstrasserl am sonnigen Ufer entlang. Gleich nach dem Strandbad folgt ein naturbelassenes Ufer – die Blumenpracht hier auf ca. 800 m Höhe voll schön frühsommerlich!

Prächtige Blüte der Wasser-Schwertlilien, und kurz danach am Waldrand einige Feuerlilien!

Beim folgenden Bauernhof werden die Hühner nicht nur von einem stolzen Hahn bewacht, sondern die ganze Schar zusätzlich von einer Vogelscheuche. Neben Landhäusern und Jausenstationen samt Pension gibt es hier auch stattliche und neu errichtete Gehöfte (ohne den Tourismus wäre das wohl anders…).

Danach werden die Uferwiesen breiter, die Wilden Kaisergipfel schauen immer imposanter herab, und der See bietet ein überaus malerisches Bild mit glänzendem Wasserspiegel und Sommerwolken darüber.

AB Der gegensätzliche Hintersteiner See, je nach Himmelsrichtung gemütlich waldig oder mit hochalpinem Hintergrund

Beim letzten Gehöft mit Gasthaus direkt am Seeufer springt eine kleine Halbinsel vor, nicht nur ein idyllischer Badeplatz (bei heißem Wetter, Anni hat ihre verkürzte Wanderhose inzwischen schon wieder verlängert…) und Gletscherschliffe mit subalpiner Flora. Danach weist uns eine Infotafel den interessanteren Weg (Sackgasse, kein Weiterweg, sondern besser auf Asphalt hinauf zum Sattel am Seesattel mit der nächsten Einkehr). Wir gehen unserer Spürnase nach und gelangen gleich danach zur flachmoorigen Verlandungswiese nach dem westlichen Ende des Sees.

AB Flachmoorwiesen mit Knabenkraut und Wollgräsern

Das Bild steigert sich noch, als wir abseits vom verschilften Ufer weiter gehen, wo zu unserem Glück keine Kühe weiden, sich aber ein netter Rastplatz anbietet (wie meist karge Jause bei Wasser und Brot…).

Schon nähern wir uns dem südlichen Waldufer, wo der Seerundweg regulär weiterführt. Aber davor gibt es noch einige ganz packende Ausblicke.

AB Verlandungszone am Ende des Hintersteiner Sees mit zahlreichen Knabenkräutern, leider schon verblühtem Sumpfläusekraut und Wollgräsern

Der Waldweg am Steilufer gleich eher einer Promenade, begleitet von üppigem Farnwuchs und hübschen Ausblicken, sogar vom Felsvorsprung gegen Ende der Wanderung. Wunder es uns, dass wir statt 1 1/2 Stunden fast die doppelte Zeit nicht gebraucht, sondern genossen haben?

AB Ausblick am Rückweg und an einer sonnigen Stelle eine Sommerwurz-Blüte

Neben anderen Waldpflanzen blüht hier auch das Wintergrün, und zum Schluss zeigt sich der Hintersteiner See wie ein alpiner Fjord – der erste Ausflug hat sich also wirklich gelohnt! Bilder von der Hintersteiner Kapelle gibt es im facebook “Bernhard Baumgartner” – dazu Autor Kral-Verlag, sonst öffnen sich die zahllosen anderen Namenskonkurrenten…

Ganze Zeit “tüftle” ich schon herum, wie man den Frankenfelsberg in einer lohnenden Runde erwandern kann – an diesem Pfingstmontag (9. Juni) war es endlich so weit! Trotz des heißen Wetters losgefahren, und nach Mittag hatte ich schon meine “Idealrunde” beisammen!

Hier die Frankenfelser Wanderkarte, und nach meiner Beschreibung wird bald klar, dass die “Idealrunde” nicht unbedingt den örtlichen Rundwanderungen folgt. Gut beschildert ist übrigens nur der Bergstraßen-Verlauf über den Frankenfelsberg.

Zunächst noch zum “Naturkalender”: Der Frühsommer ist jetzt unvermittelt in den Hochsommer übergegangen, und nach der Verzögerung durch die letzten Schlechtwettertage wird bis hinauf auf die Berge wie wild gemäht. Daher findet man nur mehr wenige Fleckchen mit so schönen Blumen, wie an diesem mageren Wegrand, denn im bauch- bis brusthohen Gras gehen die Blumen ganz einfach unter! In der Nacht kühlte es übrigens noch ganz schön ab, und im Schatten blieb die Temperatur auch tagsüber recht angenehm. Dass die Sonne jetzt ihre stärkste Kraft entwickelt, damit muss man ja ohnehin rechnen und sich entsprechend “bedecken”…

Für die Zufahrt nehme ich, über die Berge hinweg geht es gar nicht anders, den “blauen Flitzer”, der sich hier ins Bild der Himmelstreppe geschlichen hat. Der Startpunkt meiner Runde ist übrigens genau an dieser Stelle, bei der Bahnübersetzung neben dem “Angerhäusl” (ein kleines Stück vom Gasthaus Voralpenhof die Straße entlang bis zur Kurve). Hier geht es gleich in den “Bauerngraben” (wie mir ein Bub versicherte, heißt das Seitental der Rosenbühelrotte so, wenn er mich nicht zum Narren gehalten hat…) und weg vom Asphalt – diese asphaltierten Wirtschaftsstraßen sind nämlich das ärgste Hindernis fürs genussvolle Wandern in der Bergbauerngegend (die Einwohner sind natürlich froh über die asphaltierte Zufahrt).

Hier bin ich schon in der ganz “wanderwunderbaren” Hochregion angekommen. Die Abzweigung aus dem Graben war schon nach kurzer Strecke, wie bei der Bahnübersetzung mit alten Tafeln beschildert (Klein- und Groß-Bernreith), aber leicht zu übersehen – vor einer eingezäunten Weidelichtung vom breiten Fahrweg rechts aufwärts: “Ungesicherte Privatweg” (das dürfte hier so üblich sein), dazu “Radfahren verboten”, immerhin “Fußweg Klein Bernreith”, soll rot markiert sein, aber nicht viel davon zu bemerken.

Schrambach-Höfe mit Ötscherblick

Der Waldweg gelangt aus dem Graben am rechten Hang hinauf zu dem an einer eigenartigen Kuppe (typische Oberflächenform am Hang des Frankenfelsberges) gelegenen Gehöft Klein Bernreith. Hier erfolgt der Anschluss zu der aus dem Schrambachgraben heraufkommenden Asphaltstraße, und jetzt muss halt auf gute 2 km den Asphalt in Kauf nehmen – immerhin bisheriger Aufstieg auf altem Bauernweg.

Die Bergstraße macht einen weiten Bogen bei den Höfen Berg sowie Unter und Ober Nestelgraben vorbei und zieht nach scharfer Wendung ein Stück durch schönen Wald. Am Ende der folgenden steht das Haus Rottenstein (früher Gasthaus, jetzt davon nichts zu erkennen). Eine östliche Vorkuppe mit 884 m lasse ich noch unbeachtet, beim Haus danach (vorher noch die Abzweigung zum Haus Reith) gibt es eine mehrfache Kreuzung. Die Frankenfelsbergstraße geht links flach und mit zwei befestigten Spurstreifen weiter nach Schallenöd, scharf rechts zweigt die Zufahrt nach Kogel ab, meine Abzweigung biegt links um das Gehöft herum. Oberhalb zieht der Fahrweg über Wiesen hinauf zum Sender, dabei fantastischer Blick über die Traisentaler Berge und zum Schneeberg.

Am Kamm westlich weiter muss einer von zahlreichen Zäunen bewältigt werden (hier gleich eine Hausruine), dann folgt der wenig hervortretende Höhepunkt mit dem Gipfelkreuz, immerhin schon 941 m hoch. Werner hat mir schon im Frühjahr von diesen Kammhöhen vorgeschwärmt, leider bin ich nicht mehr dazu gekommen. Aber selbst jetzt bei hochsommerlichen Verhältnissen ist die Landschaft fantastisch, Glanzlicht immer wieder der Ötscherblick, und die Gegend um Puchenstuben liegt wie ein aufgeschlagenes Bilderbuch vor mir!

Der Höhenrücken schwingt von Kuppe zu Kuppe, von Sattel zu Sattel, von Waldrand mit teils mächtigen Fichten und Rotbuchen begleitet. Nach dem Gehöft Hochscharten geht es nochmal hinauf bis auf 983 m, dann folgt die Querung in die Karrottte und nach Seestein, beide auf der Weißenburger Seite gelegen, und die Wiesenflächen dort drüben gehören schon eher zum Schlagerboden.

Über den Schlagerboden könnte man nach Winterbach und sogar nach Puchenstuben weitergehen (für mein “Wandererlebnis Pilgerwege” bereits erledigt). Für mich gilt es jetzt, den Abstieg zurück nach Frankenfels zu finden! Die Schlüsselstelle dafür ist die Kreuzung der Bergstraße zwischen den Gehöften Bruck und Untermassing. Dort ist in den Karten entlang oder neben der ins Tal hinab führenden Straße (mit Abzweigung zum Bauernmuseum und Mostheurigen Hausstein) der Pielachtal-Rundwanderweg Nr. 652 eingezeichnet. Dessen Markierungen scheinen aber erst unten am Nattersbach Richtung Frankenfels auf. Wie also weiter?

Hauskapelle St. Leonhard bei Groß Bernreith

Die Lösung hat sich gleich am Beginn der Route, bei den Wegweisern nach der Bahnübersetzung ergeben – über Groß Bernreith! Bereits in der ersten Kehre der talwärts führenden Straße steht die Güterweg-Tafel, und ebenso neu ist die breite asphaltierte Zufahrtsstraße zu diesem Gehöft (in der ÖK noch Karrenweg). Die bergseitige Böschung besteht noch dazu aus einem dünnplattigen Kalk, der mir verdächtig ähnlich jenem erscheint, wo wir in der Frankenfelser Decke des Gölsentals die schönen Ammoniten gefunden haben. Ein solcher Glücksfund bleibt mir zwar verwehrt (trotzdem einen “Murdsstein” im Rucksack mitgeschleppt), dafür ist der unmarkierte, aber mit einigen Bankerln versehene Weg wirklich wunderschön.

Nach dem gepflegten Bauernhaus und seinem Schafpferch folgt eine weite Wiese, rechts davon die 1896 erbaute und im Jubiläumsjahr 2000 erneuerte Kapelle, dann der letzte Ötscherblick! Weiter geht es im Wald den Rücken entlang, noch ein Wieserl mit Bankerl. Später wendet sich der nun breiter ausgebaute Forstweg von einem Holzplatz nach links in den Graben hinunter, und überraschend schnell bin ich beim Ausgangspunkt der Tour.

Gerade führt die Mariazellerbahn vorbei – ein neuer Triebwagen der “Himmelstreppe”, super modern und bequem, wie es die Schmalspurstrecke nur bieten kann. Aber ich kann mir nicht helfen, die alten Garnituren – sogar der “Ötscherbär” aus der Elektrifizierungszeit vor mehr als hundert Jahren (inzwischen selbstverständlich immer wieder renoviert) – haben mir besser gefallen. Oder ist es nur deswegen, weil ich noch immer meinen Vater vom Führerstand herausschauen sehe… Er war ja die längste Zeit und bis zu seiner Pensionierung 1975 Lokführer auf der Mariazellerbahn, und einmal hat er mich und die Kinder sogar auf der Lok mitgenommen (heute ist es ja egal, das zu erzählen), und wir sind durch die finstere Nacht des Gösing-Tunnels mit lautem Getöse tief im Berg unterwegs gewesen.

Hier nun die Karte mit meinem Wandervorschlag Frankenfelsberg, insgesamt 13,5 km, Seehöhe zwischen 460 m und 983 m; Gehzeit 4 bis 5 Std.

Pfingsten – heuer ein besonders “liebliches” Fest durch das prachtvolle, mittlerweile schon subtropische Wetter! Trotzdem auf die Berge, aber – genügend hoch hinauf und nicht weit weg…

Da bietet sich bei uns fast vor der Haustür die Lilienfelder Hinteralm an – mühelos hinauf mit dem Sessellift auf die Klosteralm (gut dass es diese Möglichkeit noch gibt). Noch zwei Beweggründe – die Wanderung durch die Lilienfelder “bel étage” ist vor ein paar Tagen mit dem Parapluie abgeschlossen worden, und dazu passt nun bestens der “Dachgarten” oben auf Kloster- und Hinteralm.

AB Frühsommerliche Almwiese

Panorama und Gasthaus der Klosteralm

Von der Bergstation bummeln wir über die zwar schon beweidete, aber noch üppig blühende Almwiese hinunter zum Gasthaus, wo man schon auf die zahlreichen Gäste wartet. Sogar einen Tanzboden gibt es hier!

Unsere “Musi” spielt aber weiter oben, hinüber gegen die Kandlhoferalm und auf der Sternleiten. Der Aufstieg durch den Schwarzwald ist ganz wunderbar, noch frisch und kühl, und oben auf den Almwiesen hält sich noch die kühlende Bergluft. Begrüßt werden wir auch…

Die Blindschleiche ist von der kühlen Nacht noch etwas starr, aber die "Kalbln" sind dafür umso munterer!

An der Böschung des Almweges blüht die Akeleiblättrige Wiesenraut, dann öffnet sich der Ausblick gegen die hohen Berge im Süden

Wo der Almweg abwärts führt, könnten wir über die Kandlhoferalm und vorbei an der “Teufelskanzel” hinunter nach Innerfahrafeld gehen. Aber hier heroben ist es bei dem sommerlichen Wetter doch am angenehmsten. Ziemlich eben und ohne Weg, dafür mit vereinzelten gelben Markierungen kommen wir zum Bergkamm, wo der Weg zur Reisalpe weiter verläuft.

Neben dem Almbetrieb ist auch die Jagd auf den Bergen allgegenwärtig". Ausblick von Anni auf Gippel und Göller (für diese hohen "Traisentaler" wäre jetzt auch schon eine gute Zeit...)

Der folgende Anstieg zur Hinteralm verläuft auch recht locker, denn urige Baumgestalten begleiten den Kamm, und die Aussicht ist wirklich eindrucksvoll, bei ganz klarer Luft sieht man sogar bis zu Dachstein. Heute ist es etwas dunstig, und die Blumenpracht wurde schon von der riesigen Rinderherde fleißig abgefressen.

AB Der Schneeberg beherrscht das Panorama, dieses umfasst die Vor- und Hochalpen bis zum Ötscher

Noch vor der Traisner Hütte biegen wir auf den Hüttenfahrweg ab, der ganz bequem den Kamm um den Muckenkogel umrundet.

Eigenartige Stimmung in der leicht dunstigen Luftschichtung, jeder Kamm schimmert anders bis hin zum Ötscher

Die Naturfreundehütte wird fast von Gästen gestürmt - es ja auch Mittagszeit! Am Wegrand findet man gleichzeitig die Blüten und die Früchte vom "Wilden Silberblatt" (Mondviole)

Als wir uns dann schon bald der Bergstation nähern, sind wir überzeugt – für einen schnellen Rutsch hoch hinauf ist der alte Lilienfelder Sessellift noch immer gut genug… auch wenn uns die “alpinen Kunstwerke” nicht gerade begeistern (ein kleiner Alpengarten mit Beschriftungen wäre sinnvoller als dieses sicher teure Machwerk).

Meinen Kommentar dazu habe ich bereits im facebook deponiert - für eine Deponie solcher künstlerischer Ideen sind unsere Berge einfach zu schade. Aber es gibt eben verschiedene Geschmäcker, und wenn ich mir vorstelle, mit welcher Begeisterung die Kinder vom Spielplatz nebenan dem Monster durchs Gehirn kriechen, könnte doch ein bisschen Nutzen darin stecken…

Klosteralm mit Rückblick zum Schwarzwald und zur Hinteralm.

AB Mücken-Händelwurz, selten weiß blühend, und noch einmal die blumige Klosteralmwiese.

Die Rundwanderung durch den “Dachgarten” Lilienfelds hat sich wirklich gelohnt, denn bei hochsommerlichen Verhältnissen so mühelos zu wandern, zahlt sich auf jeden Fall aus (übrigens Berg- und Talfahrt pro PensionistIn € 7,50 !!!! ein wahrlich preiswertes Vergnügen). Bei der Talfahrt gelingt es mir sogar noch, einen Fotoblick auf den Großen Wasserfall zu erhaschen – nach den starken Niederschlägen der letzten Wochen gar nicht so mickrig wie sonst im Sommer. Schön war´s!

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