Feeds
Artikel
Kommentare

Das nun schon so lange fast hochsommerliche Wetter hat auch seine Tücken. Vor allem für die Bauern, die schon dringend mähen sollten, sich aber vom “gewittrigen” Wetterbericht abhalten lassen, um dann sonnig-heiße Nachmittage und in der Folge zu erleben. So ging es uns mit einer Tour am letzten Sonntag – nur nicht zu hoch hinauf und zu weit hinein ins Gebirge. Bichleralm und Stadelberg schon absolviert, also als nächstes passendes Ziel auf den Schwarzenberg bei Türnitz mit Zufahrt bis aufs Schwarzenbacher Gscheid. Auch könnte es nicht schaden, diese Tour einmal zu “kontrollieren”, ob sich etwas verändert hat…

Vom Parkplatz am Gscheid (im Winter Umkehrplatz der Straßenmeisterei) gleich die von zahlreichem blühenden Waldgeißbart begleitete Baumzeile entlang zum Bergfuß. Hier erste angenehme Überraschung – der über den steilen Waldhang hinaufführende Steig hat gleich am Einstieg eine deutliche Markierung. Der schmale, aber gut ausgetretene Weg zieht nach erstem direkten Anstieg eine weite Kehre nach links, dann nach rechts, dabei immer zügig an Höhe gewinnend. Bei der zweiten Kehre folgt nach einigen verdächtigen Vertiefungen eine deutliche Bergbaupinge mit Einstiegsloch (Blei und Zink im frühen 19. Jh.). Danach zeigen aber die neuen roten Markierungspfeile nach rechts seitwärts – die Beschriftung “Kantal” bedeutet wohl Karntal und führt westwärts weiter, etwa zum ominösen Hohen Stein. Wir bleiben aber auf unserem nun unmarkierten deutlichen Pfad, der sich sogar im folgenden Schlaggelände (eine überwachsene Forststraße querend) im hohen und voll taunassen Gras fortsetzt. Nach Rückblick zum Eisenstein und ins Pielachtal folgt ein Walddurchgang, und leicht links haltend stehen wir bald auf dem Schwarzenberg – Gipfelkreuz, doppelte schöne Rastbank, kaum eine Stunde!

Auf dem folgenden Almboden zur Halterhütte hätte ich schon (nach dem Auftrieb am Tirolerkogel) schon Weidevieh erwartet. Aber das gesamte Gelände war “kuhfrei”, auch angenehm, wenn auch die Botanik schon etwas “durchfressen” war. Hier gibt es schon Sommerflora – Gelben Fingerhut u. a., außer etwas abgeblühtem Gefleckten Knabenkraut (Fuchs-K.) keine Orchideen, dafür leuchtete es vom unteren Waldrand intensiv blau her. Hier waren vor wenigen Jahren der Almboden geglättet worden, also blühen hier Lupinen oder sonstiges Angebaute? Natternkopf hat sich dann herausgestellt, in unvorstellbaren Mengen und ebenso die sonst eher vereinzelte Kleine Wachsblume!

Um uns die weite Schleife der Forststraße zu ersparen, die uns zu den Thorstallwiesen und zurück zum Ausgangsführen sollte, suchte ich den vor dem “Voralpenführer” ausgekundschafteten alten Almsteig als Weiterweg. Gleich unterhalb der Hundsloch-Schachthöhle befindet sich am Waldrand bei alten Rotbuchen eine ausgetrocknete und schon begrünte alte Tränklacke, dort beginnt der alte Steig. Durchwegs gut erkennbar und meist leicht bergab, einen Forstweg querend, quert dieser durch das sonst unwegsame Waldgelände, nur an zwei gleich hintereinander liegenden Stellen war Windbruch zu umgehen, zuerst oberhalb, dann unterhalb. Schließlich erreicht die nun mit hohem Gras und nassem Grün überwachsene Trasse die Thorstallwiesen am südlichen Rand, wo die Forststraße in den Wald führt. Inzwischen hat es zwar leicht zu regnen begonnen, aber im Vergleich zu den dunklen Wolken am Morgen noch recht moderat und außerdem nur kurze Zeit.

Trotz des etwas getrübten Wetters ist die Aussicht von dieser Hochwiese gegen Türnitz und den Höger wie immer eindrucks- und stimmungsvoll. Wo die Almstraße dann in den Wald (Richtung Holzer Gsohl) eintritt, bin ich früher links über die Wiese hinaufgestiegen. Nun gibt es dort einen neueren Forstweg, und erst in der oberen Wiesenregion muss man am Waldrand durch hohes Gras weiter. Immerhin gibt es dort auch einige Blumen zu sehen! Der Witz dieser Route ist, dass man über einen flachen Sattel mit hohen Fichten nordwestlich hinüber in das vom Gscheid gegen den Knedelhof ziehende Tal kommt und damit den Anschluss zum Parkplatz findet.

Beiderseits der “Schussluckn” im Fichtensattel die Bilder von Breitblättrigem Waldvöglein und Waldhyazinthe. Jenseits durch hohes Gras und Adlerfarnflecken hinab zu einer Wiesenfläche neben einem idyllischen Hütterl, hier schon auf Fahrweg, der dann nach links durch die mit Felsen gespickten Steilhänge des Schwarzenbergs bequem weiterführt. Trotz hohem Wald an der schon verwachsenen Böschung auch noch Interessantes, meiner Schätzung nach ein Satanspilz (von mehreren) und eine auf Anhieb nicht genau bestimmte Glockenblumenart.

Dann kommen wir schon an den Rand der vom Gscheid herab ziehenden Wiesenmulde – anschauliche Geologie, Lunzer Sandstein zwischen Hauptdolomit des Eisensteins und Wettersteinkalk des Schwarzenbergs (sehr einfach gesagt). Beim letzten Mal bin ich über die Wiesen hinauf zum Gscheid, elendiglich sumpfig, und wollte schon über den Forstweg durch den Graben zur Schwarzenbacher Straße und auf dieser weiter. Diesmal scheint es trockener zu sein, und nach Annis Meinung sollten wir gleich am Waldrand hinaufgehen – hat gepasst, denn die paar Feuchtstellen waren leicht zu bewältigen, und überraschend schnell konnten wir das Gscheid (wo wir gestartet waren) in idealer Runde erreichen, nur die ersten und letzten Meter auf derselben Strecke, insgesamt drei Stunden.

Auf der Straße war schon allerhand los – der “Rad-Grand-Prix-Niederösterreich” rollte gerade vorbei ( von St. Pölten durch das Pielachtal, nach Bergwertung am Schwarzenbacher Gscheid über Annaberg nach Puchenstuben….), als Begleitfahrzeuge neben Polizei, Presse, Gendarmerie, Samaritern auch zwei Traktoren mit Melker und Amstettner Nummer! Unser Vorsatz nach dieser bei wieder schwülem Sonnenschein beendeten Tour – das hübsche Gipfelbankerl müssen wir unbedingt im Herbst “besitzen”, wenn alles bunt wird!

Nach geologischen Gesichtspunkten wird Istrien nach drei Farben geteilt: Die auf Kalk lagernden Terra rossa-Böden im Westen werden als “Rotes Istrien” bezeichnet, die Gebirge von Nordosten bis Südosten heißen nach dem hellen Kalkgestein “Weißes Istrien”. Im Zentrum Istriens treten jedoch Sandsteine und Mergel auf und führen zur Bezeichnung “Graues Istrien” – tatsächlich ist dieses Gebiet mit seinen üppig bewachsenen Fluren aus meiner Sicht das “Grüne Herz Istriens”.

Nachdem wir in diesem Urlaub schon die Küsten und das Gebirge besucht und bewandert hatten, wollten wir (schon nahe am Abschluss) uns dem Landesinneren zuwenden, das wir bei früheren Reisen schon ausführlich kennengelernt hatten. Daher nicht etwa nach Buzet, Motovun oder Hum (der angeblich kleinsten Stadt der Welt), aber unbedingt nach DRAGUC, einem kleinen Bergdorf mit vielen uns kostbaren Erinnerungen – bunte Farbenpracht im Herbst, reiche Orchideenblüte im Frühsommer… dorthin wollten wir “noch einmal”!

Wieder morgens Auffahrt von Rabac nach Labin und in den nördlichen Vorort Kature (ehemaliger Bergwerksort und Museum des Kohleabbaues). Von dort führen zwei Hauptstraßen nach Norden ins Landesinnere. Wir wählen aber jenes Eck, das wir bisher nicht kennengelernt haben – gegen Westen Richtung Rasa Draga, aber noch über die Hochfläche dahin. Die Nebenstraße ist (wie zumeist) gut ausgebaut, und wir sind erstaunt, wie wenige ruinöse Siedlungen es hier gibt, vielmehr gepflegte und  neue Häuser samt wohl bestellten Fluren. Bei der Kreuzung vor dem links abseits liegenden Dorf Marici wenden wir uns nach Norden, um nicht gleich an den Plateaurand heran zu kommen. Nun überwiegen eher Heideböden und kleine Waldungen, die uns zu einem kurzen Stop verführen. Mit großem Glück werden wir fündig – zwischen Gehölzen mit aufblühenden Perückensträuchern u. a. finden eine kleine verzweigte “Orchideenwiese”, wo die Spinnen-Ragwurz in vollster Blüte steht. Dann geht es wieder abwechslungsreich weiter, den Ort Sveti Martin lassen wir unberücksichtigt, denn unser Tagesziel ist noch weit entfernt, und nächste Station soll die bemerkenswerte Ansiedlung SUMBER sein.

Wie in unserem Kunsthistorischen Reiseführer ISTRIEN beschrieben, besteht Sumber (Schumber) aus einzelnen verstreuten Häusern, wird jedoch von der trotz Verfall noch immer stattlichen Mauer der mittelalterlichen Burg beherrscht. Bezaubernd ist die Lage über der Rasa Draga, in die man hier hinabblickt. Angenehm für uns war auch, dass der Ortswächter – ein uralter grimmig aussehender Wolfshund – es wirklich freundlich mit uns meinte, gerade dass wir ihn nicht streichelten… Hier wirkt alles sehr unterschiedlich, manches Haus bewohnt und daher auch revoviert (Wasserzuleitung von den Dächern in Zisternen, denn Quellen gibt es auf dieser Anhöhe kaum), sonst viel Verfall. Sogar die Pfarrkirche der Heiligen Johannes und Paulus wirkt nicht gerade gepflegt und viel benützt. Es soll auch noch beim Friedhof die alte Kirche St. Quirin geben, aber wir fanden nicht einmal den sonst unübersehbaren Friedhof! Und schon gar nicht einen ganz kuriosen Skaralbau – die 1440 erbaute Kirche “Madonna der Kornelle”. Einer Legende nach soll die Gottesmutter “auf einer Kornelle” sitzend einer Hirtin erschienen sein und um den Bau einer Kirche gebeten haben. Also bei uns ist uns noch nie eine Marienerscheinung in einem Dirndlstrauch untergekommen! Leider konnten wir dieses Heiligtum nicht finden und mussten erfolglos weiterfahren.

Von Sumber aus hatten wir schon in der Ferne auf einer Berghöhe unser nächstes Ziel ausgemacht – die Burgstadt Pican, die zu einer Kette solcher historischer Orte zwischen Krisan und Pazin gehört. Äußerst bemerkenswerte Geschichte – prähistorisches Kastell, dann römische Festung, von 524 bis 1788 Beschofssitz, die kleinste Diözese der Welt! Ein in der Sakristei aufbewahrter goldbestickter Bischofsmantel war ein Geschenk der sog. Kaiserin Maria Theresia! Die römischen Ruinen wurden in der mittelalterlichen Stadt verbaut, heute hat man den Eindruck vielfältigen Verfalls. Wir parken auf dem Platz vor der Stadt und gehen durch das “Römische Tor” ins Innere der ummauerten Siedlung hinauf. Wirklich eindrucksvoll ist der Ausblick von den Bastionen – gegen die wie überall beherrschende Ucka, und sogar die Türme von Labin sind fern im Süden erkennbar, sicher gehörte Pican als wichtige Signalstation zum Verteidigungssystem Istriens.

Beherrschend ist der Glockenturm, an dessen Fuß sich eine “Zehentstein” befindet – zum Bemessen der Abgaben an die Kirche! Die barocke Kathedrale Mariae Himmelfahrt zeichnet sich durch eine auffallend lange Bauzeit von 1606 bis 1771 aus. Gerade läuten die Kirchenglocken, und die Menschen strömen zur Messe um 11 Uhr zusammen. Wir schließen uns ihnen an und besuchen die Sonntagsmesse, verstanden haben wir zwar kein Wort, aber der Gesang von Chor und Singgruppe war wirklich eindrucks- und stimmungsvoll. Übrigens endete die kroatische Messe mit dem Zwölfuhrläuten! Danach versammelten sich die Einheimischen unten beim Parkplatz bei einer kleinen Ausschank, für die sie wohl selbst gesorgt haben, denn eine Einkehrmöglichkeit haben wir nicht gesehen. Wir spazierten gegenüber der “Hochstadt” noch zum Friedhof auf der östlich benachbarten Anhöhe, wo sich auf einem tollen Panoramaplatz die romanische Kirche St. Michael erhebt. Sie war selbstverständlich verschlossen, also konnten wir die Fresken aus dem 15. Jahrhundert nicht besichtigen, aber den wertvollsten Freskenschatz der Gegend haben wir ohnehin schon einmal in Beram bei Pazin gesehen.

Nun heißt es, schon zügig unser eigentliches Tagesziel anzusteuern! Dabei ladet die wechselvolle Höhenlandschaft förmlich ein, dort herumzustreifen, aber es bleibt uns nur der Genuss im Vorbeifahren. Hinunter ins Tal nach Pazin, der Hauptstadt des zentralen Istrien, eine Abkürzung durch die Vororte und dann talaufwärts, gleich auf der Hauptstraße statt auf der daneben verlaufenden Schnellstraße. Die Abzweigung erfolgt bei Cerovlje Richtung Draguc (dort ginge es weiter nach Buzet. Wir wählen aber eine schmale Seitenstraße, die wir anscheinend schon einmal befahren haben – über Lovrecic hinauf in die Wälder, bald ohne Asphalt und auf einer Art zur allgemeinen Benützung freigegebenen Forststraße. Diese Wahl hat sich gelohnt, nicht nur weil wir bei einem geschlossenen Rasthaus einen schönen Platz für die schon dringend erforderliche Erfrischung fanden. Noch dazu wimmelten die Waldränder nur so von Orchideen, immer wieder eine neue Art, ich zähle einfach auf: Purpur- und Stattliches Knabenkraut, Orchis morio, Fliegen-Ragwurz, Orchis tridendata, Breitblättriges Waldvöglein, Violetter Dingel (der Einfachheit halber verwende ich gleich die vertrauten Trivialnamen, denn sonst müsste ich erst der Genauigkeit halber in der Exkursionsflora nachschlagen).

Für eine Sandstraße ist die Fahrbahn recht gut, nur muss man immer wieder auf Löcher und Rillen achten. Im Höhengelände geht es ziemlich eben dahin, und bald öffnen sich nach einigen Haltepunkten weitere Lichtungen – hier hat sich ziemlich was verändert, denn rund um einen prächtigen Landsitz dehnen sich frisch gepflanzte Olivengärten. Dann kommt bei der Bergabfahrt das Dorf Draguc in Sicht, auch hier etwas Neues, denn eine einst ruderal wirkende Wiese mit vielen Orchideen (Riemenzungen) wurde in einen Obstgarten verwandelt. In das Dorf hinein wirkt aber alles noch so, wie wir es vor einigen Jahren erlebt haben.

Am Kirchenplatz mit seinen uralten Bäumen und den Aussichtsplätzen an der steinernen Brüstung lassen wir uns zur verdienten Rast im Café Zora nieder, einem urigen Lokal neben dem hohen Glockenturm (daneben sogar eine alte Glocke). Katzen gibt es in Menge wie seit eh und jeh, aber die hergerichteten Häuser sind mehr geworden, kommt uns zumindest vor. Sogar der kunsthistorische Reiseführer widmet Draguc zwei Seiten: Ein antiker Ort, in dem die Vergangenheit lebendig ist, ein architektonisch-landschaftliches Kleinod! Der von teilweise erhaltenen Festungsmauern umgebene Ort gehört bis 1523 zu Österreich, dann bis 1797 zu Venedig, in manchen Bauten ist die Geschichte noch erkennbar. Draguc verfügt außerdem über vier Kirchen – von der Hauptstraße in den Ort hinein steht die Friedhofskirche St. Elisäus (12. Jahrhundert, Steinblock des Altares mit römischer Inschrift, Fresken 14. Jh.), gleich danach die Marienkirche von 1641. Dann verlaufen zwei parallele mit Steinen gepflasterte Längsstraßen zum Hauptplatz mit Brunnen und Pfarrkirche zum Heiligen Kreuz (in der Apsis ein Befestigungsturm einbezogen). Unter dem ehemaligen Getreidespeicher dient ein langer Durchgang (Portikus) als Abstellplatz für Ackerwägen u. a. Geräte). Aber danach folgt am Rand des Bergrückens der kleine, aber besondere Höhepunkt – die Kirche St. Rochus mit Loggia von 1565 und wenig früher entstandenen Fresken am Gewölbe. Die Aussicht über die Berghügel mit ihren Obst- und Weingärten ist phänomenal, im Nordwesen erkennt man die Seefläche eines großen Trinkwasserspeichers.

Die Bilder stammen großteils auch von Anni (in kann die Beschriftung leider nicht anbringen, was im alten PC noch leicht gelungen ist, die Bilder sind auch kleiner als früher), die Menge an interessanten Aufnahmen werde ich im Facebook unterbringen, wo sie attraktiver erscheinen als hier. Nun wird es Zeit für die Rückfahrt, wir sind allmählich auch zu müde für neue Eindrücke… Zurück ins Tal bei Cerovlje geht es nun auf der Haupt-Neben-Straße, jedenfalls gut ausgebaut mit vielen Kurven, dann müssen wir über die nächsten Berge hinüber ins obere Rasagebiet. Dazu bietet sich die Passstraße nach Paz an, und an der Ruine von Belaj vorbei landen wir unweit von Boljun wieder im Tal und folgen der Hauptstrecke nach Labin und wieder hinunter zum Meer in Rabac. Ein langer und voll ausgefüllter interessanter Tag war dieser Sonntag, 6. Mai!

Wie schon beim letzten Bericht erwähnt, haben wir in diesem Gebiet bei der nicht zu Ende durchgehaltenen Ausflugsfahrt Richtung Rabac (von Porec aus) erstmals zufällig das Schmetterlings-Knabenkraut gesehen. Erstmals – das ist immer ein besonderes Ereignis und bleibt im Gedächtnis! Aber  so gut hatten wir uns diese Örtlichkeit doch nicht gemerkt. Wir waren nur an einem Meeresarm gelandet, wo in einem Hafen Unmengen Langholz verladen wurden (woher, fragten wir uns). Dann haben wir das Ziel Rabac aufgegeben und sind nur den Berghang hinaufgefahren, um an einer geeigneten Stelle zu rasten. Dort stand also diese noch nie von uns gesehene Orchidee – und dorthin wollten wir diesmal auch…

Gleich am nächsten Tag nach der Tour über die “Labin-Halbinsel” fuhren wir zwar auf kürzester Strecke über Labin Richtung Barban, aber schon viel früher die am Vortag befahrene Strecke nach Kobomacno entlang. Wir durften nur den Abzweiger nach Brgod nicht versäumen! Aber dieser Ortsname bezeichnet eigentlich kein Dorf, sondern nur eine Ansammlung kleiner Weiler oder Häusergruppen… Was bleibt uns übrig - wir können nur “auf´s Geradewohl” aussteigen und die Fluren absuchen. Das geschah dann auch mehrmals, und bei einem dieser Versuche gelangten wir auf eine Wiesenmulde mit begleitenden Strauchzeilen und schmalen Streifen von gartenartigen Äckerchen und Weinrieden dazwischen.

Vorerst war nur schon gewohnte “Trivialflora” zu bemerken, bis wir auf etwas weniger dichten, wenn auch hoch stehenden Wiesengrund stießen. Trotzdem konnten wir noch ein paar Aufnahmen machen – bis endlich das ersehnte Objekt, das Schmetterling-Knabenkraut auftauchte! Einmal gesichtet und den Blick darauf eingerichtet, so werden die Exemplare immer mehr, und neben verblühtem Orchis morio und noch recht schönem Dreizähnigen Knabenkraut gab es halt doch einen Erfolg!

Neben etlichen Sackgassen und verwirrenden Abzweigungen kamen wir an einer Kreuzung zum Stehen und begegneten dort einem Ehepaar aus Neuberg an der Mürz, der freundliche Herr ein Forstmann, der beruflich früher in der Gegend viel zu tun hatte und uns allerhand Ratschläge gab. Vor allem wurde uns nun klar, dass wir ohnehin optimale Verhältnisse angetroffen hatten und weiteres Herumsuchen keinen Sinn hätte. Immerhin hatten wir die angepeilte Orchidee wieder dort gefunden…

Also fuhren wir mit einigen Bögen auf schmalen Asphaltwegen zu der ans Meer führenden Seitenstraße und gelangten mit reizvollen Ausblicken  (ohne zu fotografieren) hinab ans Ufer des Fjordes, in den der Fluss Rasa mündet. Dieser Fluss nimmt einen fast absurden Lauf durch das südöstliche Istrien: Vom landseitigen Fuß der Ucka gelangt das Gewässer in ein weites Becken nördlich von Labin. Dort bestanden einstmals ausgedehnte Sümpfe (wie vielfach im Süden von Malaria gefährdet), die in den 1930ern trockengelegt und in Ackerland und Wiesen verwandelt wurden. Damals gehörte Istrien zu Italien, und wenn man auch keine positive Einstellung zu den damaligen Machtverhältnissen hat, muss doch zugegeben werden, dass unter dem “Duce” wesentliche wirtschaftliche Forstschritte erzielt wurden. Einerseits lenkte der politische Wille die Kapitalströme zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, anderseits wurde eine ganze Generation von “Pionieren” dafür begeistert, das Land weiterzuentwickeln. Leider nicht nachhaltig, denn neben der Unterwerfung der Bevölkerung unter ein faschistisches System wurden die idealistischen jungen Menschen in den Krieg getrieben…. Der Fluss Rasa durchbricht dann nach einer kurzen Westwendung das Küstenhochland in Südrichtung und bildet dabei ein tief und steil eingeschnittenes Tal, die Rasa Draga (Rasa-Schlucht). Unterhalb der historischen Stadt Barban quert die von Labin kommende Hauptstraße das Mündungsgebiet an der Rasa-Brücke (Most Rasa), und dort erstrecken sich marschartige Verlandungsflächen.

Schon bei der Fahrt zum Kap Kamenjak waren uns diese Sumpfflächen aufgefallen. Nun gelangten wir zuerst beim Hafen Trget an, wo nun nicht Hölzer sondern Schweine verladen werden! Die Viehtransporter vor allem aus Polen sind unübersehbar! Warum gerade dieser winzige Hafen für die Verschiffung benützt wird, bleibt der kritischen Phantasie überlassen… Wir hielten erst kurz vor der Most Rasa an und konnten in den Feuchtwiesen neben Straße und Damm Mengen von Osterluzei und Sumpf-Knabenkraut (oder Lockerblütiges Knabenkraut?) entdecken. Kurze Rückfahrt beim ehemaligen Bergwerksort Rasa vorbei, wo bis in die 1960er Jahre Kohle abgebaut wurde (vielleicht steht damit der Kraftwerksschlot von Plominj in Verbindung, museal aufbereitet gibt es dieses Thema auch im Vorort von Labin). Damit war eine Woche Urlaub in Rabac fast schon vorbei…

Eigentlich habe ich keinen geografischen oder lokalen Namen für das Küstengebiet südlich von Labin, zwischen der Bucht von Rabac und der fjordartigen Mündung der Rasa, gefunden. Daher nenne ich diesen bis gegen 500 m ansteigenden Bergrücken des südöstlichen istrischen Küstengebirges einfach “Labin-Halbinsel”.

Den kleinen Landzipfel bei Duga Luka mit dem Kap Trget haben wir ja schon einige Tage früher kennengelernt (mein Istrisches Tagebuch III / 2018).  Am Donnerstag, 4. Mai, setzten wir unsere Fahrt nach der Besichtigung von Labin fort. Beim Kreisverkehr neben dem Friedhof von Labin ging es daher rechts ab Richtung der bekannten Feriendestination San Marina. Doch so weit kamen wir zunächst gar nicht, denn in einer ausgeprägten Kurve vor der Ortstafel Kranjci  Donji hielten wir an. Hinter Steinmauern eine verheißungsvoll schimmernde Wiesenfläche – das könnte ein interessanter Blumenstandort sein”!

Zwischen Berghang und Wiesenfläche führt ein Karrenweg weiter, und diesen entlang reihen sich hohe und voll blühende Purpurknabenkräuter! Erst recht innerhalb der von dem oberhalb gelegenen Dorf Kranjci aus bewirtschafteten Fluren gibt es einen dichten Bestand von Orchideen – vor allem Serapis und Dreizähniges Knabenkraut, verblühte Orchis morio, leicht vorstellbar welche Arten noch aufblühen werden (wenn die Wiese nicht vorher gemäht wird).

Weiter geht die Fahrt am Weiler Majal vorbei, bis uns ein Wegweiser von der lokalen Hauptstraße links abzweigen lässt – über weitläufige Waldhänge auf der offensichtlich viel befahrenen Seitenstraße hinunter zum Meer, wo sich der bekannte und schon weit vor Labin angekündigte Campingplatz MARINA befindet. Eigentlich benannt nach einer kleinen Kirche Sveti Marina am gleichnamigen felsigen Kap. Unser Erstaunen ist groß, als sich diese Anlage  entgegen der Ankündigung in unserem Istrien-Reiseführer (allerdings 2004) als eine wahre “Nobeldestination” entpuppt, betrieben von (ja wem schon?) Valamar! Zuerst aber landen und parken wir in einer kleinen Bucht, um dann eine Runde durch diesen “Ferienpark” zu gehen. Vor allem bemerken wir viele polnische Gäste, die vor allem zum Tauchen kommen dürften – Infotafeln dazu weisen zu den Einstiegen ins klare Wasser hinab. Bei der Rezeption erfahren wir – noch ruhig zu dieser Zeit, aber wer noch nicht gebucht hat, bekommt im Sommer sicher keinen Platz mehr, kein Wunder – alles “pippifein” und großzügig ausgestattet, von der Lage gar nicht zu reden! Naturerlebnis ist vor allem der prächtige Ausblick, und was sich unter Wasser abspielt, damit können wir ja nicht viel anfangen…

Beim ersten Bild (von Anni) das weiterführende Küstengebirge, am zweiten (von mir) sieht man im Hintergrund die Halbinsel mit Duga Luka. Die Weiterfahrt zwischen den am Hang gedrängten Häusern der kleinen Ortschaft gegenüber der Halbinsel Marina mit dem Campingplatz ist überraschend noch besser ausgebaut als unsere Zufahrtsstrecke, und nach einigen Kehren langen wir wieder an der lokalen Hauptstraße bei der Ortschaft Crni an. Weiter über Drenje und Ravni sieht man immer wieder bestens instand gesetzte oder neu gebaute Häuser, also eine beliebte Feriengegend, wenn auch anscheinend nicht überregional bekannt, allerdings hoch über dem Meer in Wäldern und auf Hanglichtungen gelegen.

Bald verschmälert sich die Asphaltstraße fast zu einer “Einbahn”, meist zwischen Steinmauern und zum Glück mit kaum Gegenverkehr! Was jetzt eigentlich unser Ziel sein soll, dazu verhilft uns eine kleine Radwanderkarte vom Camping Marina – Ziel ist jedenfalls das Bergdorf Skitaca, einst sogar ein lokales kirchliches Zentrum, nun eine fast entvölkerte Einschichtsiedlung auf einem hohen Bergpass mit zwei Gipfeln. Der östliche Orlic ist 470 m hoch und mit einem Senderturm besetzt, der westliche annähernd gleich hoch, aber naturbelassener und noch dazu mit einer berühmten Quelle der Heiligen Lucija, einem “Augenbründl” oder einem Schalenstein, wie man bei uns sagen würde. Das müssen wir uns anschauen! Zuerst parken im Schatten eines riesigen Zürgelbaums, daneben ein Kriegerdenkmal aus der Partisanenzeit, gegenüber eine Zisterne – wie die Rohrleitungen von nahen Dächern zeigen, vom Regenwasser gespeist, denn Quellen dürfte es so hoch oben im Karstland kaum geben.

Vom Parkplatz neben der Kirche und dem voll “in Betrieb stehenden” Friedhof (im Gegensatz zur verfallenden Ansiedlung) müssen wir uns erst den Weiterweg suchen. Er wendet sich im Bogen über West nach Nord und hat etwas spärliche Markierungen, immerhin ist der Hinweis auf Sveti Lucija am Berg Brdo bemerkbar. Einzeln stehende Häuser, renoviert oder nur erhalten oder schon verfallen, säumen den wie überall hier zwischen Steinmauern verlaufenden Fahrweg, kleine ummauerte Wiesen sind teilweise gemäht, daneben ist alles verwuchert – eigentlich ist die Vegetation karg, aber zugleich sehr üppig, ein scheinbarer Gegensatz. An einem Bildstock vorbei wandernd, warten wir schon auf die Abzweigung zum Brdo, die auch eindeutig zu finden ist, denn im Westen zieht ein immer steiniger werdender Höhenrücken zu einem abgeflachten Gipfel. Wieder eine Hinweistafel zur Luzija-Quelle, zu der vom Gipfel(karren)weg abzweigend ein schwach markierter Steig führt. Zuletzt stehen wir im von Wacholderbüschen, Mannaeschen und anderem Krüppelwuchs durchsetzten Blockkarst, und über einer solchen geschärften Kalksteingruppe ragt ein großes Kreuz. Darunter die sogenannte “Quelle”, eigentlich nur eine Aushöhlung, schmal und tief, aber in einem der beiden Löcher tatsächlich etwas Wasser. Ob das so bleiben wird? Hier hat es unlängst geregnet… Geziert ist dieser hohle Stein von einer Marienfigur (aus Plastik) und etlichen Rosenkränzen. Es hat den Anschein, dass hier wirklich noch ein lokales Wallfahrtsziel besteht – als Touristenattraktion dürfte es kaum Bestand haben.

Das Kreuz ist wegen der heftigen Winde eigens abgestützt, und sogar an diesem eigentlich schönen Tag, bläst eine heftiger Wind über die Klippen! Übrigens soll hier heroben ein bis in die Vorgeschichte zurückreichender “Platz” (ob Kult- oder Schutzfunktion oder Aussichtswarte?) bestanden haben. Die Aussicht ist jedenfalls – abgesehen von der dunstigen Atmosphäre – rundum gewaltig. Fest gegen den stürmischen Wind angestemmt turnen wir über Geröll und Blöcke hinauf zum höchsten Gratrücken, der mit einigen Steinmännern besetzt ist. Darunter befindet sich eine Art “Kral”, ein kreisförmiger Unterstand ohne Dach, wobei ich am ehesten an einen Beobachtungsstand (wie auch am Kap Kamenjak) denke, ein Schafpferch würde wohl nicht so hoch am Gipfel errichtet worden sein.

Beim Rückweg kommt immer mehr die Sonne zur Wirkung, also können wir froh sein, dass der Tag nicht wolkenlos war. Kurzer Aufenthalt noch beim Parkplatz neben dem Friedhof, dann verläuft die Fahrt auf schmaler Asphaltstraße in Bögen mit wunderbarer Aussicht wieder vom Bergrücken hinab. Die Vegetation wird etwas üppiger, erste Häuser tauchen auf, hier wieder besser instandgehalten und bewohnt. Nach Einmündung in die Hauptstraße kommen immer wieder Laster vorbei, die zur Zementfabrik Kobomacno am Ende der Halbinsel unterwegs sind. Leider haben wir die Abzweigung zur Halbinsel Ubac nicht genützt, denn dort soll sich an der windgeschützten Bucht Tunarica ein Touristenzentrum befinden, und die Halbinsel selbst hätte vielleicht noch ein Stück unberührter Natur geboten.

In Erinnerung geblieben ist uns jedenfalls Skitaca wie ein eigenartig “verwunschener” Ort hoch oben auf den Karstbergen, wo man die Rauchfänge wegen der starken Winde ganz eigenartig bauen muss und wo in der Einschicht von allen Seiten die Menschen zusammenkommen, weil dort oben ihre Vorfahren begraben sind. Nach der anfangs erlebten Orchideenwiese gab es eher nur mediterrane “Trivialflora”, innerhalb eines Schafpferchs blühte allerdings die (uns schon bekannte) Gelbdolde. Das letzte Bild des Dreizähnigen Knabenkrauts (mir erscheint es jetzt fast wie ein Helm-Knabenkraut, das wir aber sonst nicht gefunden haben) verweist auf den nächsten Ausflug. Die Rückfahrt erfolgt nämlich auf einer westseitigen Hangterrasse der Labin-Halbinsel, die über eine Anhöhe hinweg zum Rasa-Fjord abfällt. Diese “verstreute” Gegend heißt Brgod (nach einer der kleinen Ansiedlungen). Dort haben wir vor ein paar Jahren das erste Mal ein Schmetterlings-Knabenkraut gesehen – und das wollten wir am nächsten suchen!

An unserem fünften Urlaubstag war nach den Touren auf die Ucka und zum Kap Kamenjak ein etwas milderes Programm angesagt, das heißt Spaziergang in Rabac die Küste entlang am Donnerstag, 3. Mai. Das Wetter ist gerade zum Wandern einladend, erst um Mittag heiß, aber da sind wir ja schon wieder im Hotel und im Pool… Vom Valamar Hotel, einer schönen Anlage wie ein Vierkanter mit Innenhof und gegen das Meer vorgelagertem Park, schließen sich mehrere Neubauten entlang der Promenade an, teilweise noch im Bau, was aber nicht stört. Nordostwärts die noch unverbaute Küste entlang beginnt über dem felsigen Meeresufer ein dichtes Waldgebiet, das von einer Forststraße erschlossen wird, teilweise als Wanderweg deklariert. Sehr hübsche Wanderung, vielfach der Italienische Aronstab mit seinen großen Blüten, sonst sehr verwachsen, am Zugang aber auch Trockenrasen mit Orchideen. Wir landen bei kleinen Felsbuchten (mit noch unverbautem Privatbesitz am Ende des Fahrweges), der hübsche Strand aber nur kletternd zugänglich. Dafür am Rückweg den Felsrand des Strandes entlang, hübscher Ausblick gegen Cres und die Labin-Halbinsel, dazu einige typische Blumen…

Anderntags (Feitag, 4. Mai) wollen wir endlich nach Labin und eine Ausflugsfahrt mit Wanderung anschließen! Das schon in der Frühgeschichte besiedelte Labin ist eine typische Festungsstadt und beherrscht – mit ihrem weiten Blick und ebenso weithin sichtbar – sowohl die Steilküste von Rabac als auch das Hinterland bis zu den “Burgstädten” (etwa Pican). Durchgefahren sind wir ja schon bei der Tour nach Duga Luka, diesmal parken wir aber am Hauptplatz, um die Stadt zu besichtigen. Diese ist kein gepflegtes Schaustück, aber gerade deshalb hat sie einen reizenden Flair von Geschichte, historischer Baukunst und originellem Leben. Von der Rundbastion führt das Stadttor zu ansteigenden Plätzen und winkeligen Straßen, voraus der Dom Mariä Geburt, rechts mit einem Uhrtürmchen das “Kleine Theater”.

Reizvoll, wenn auch teilweise in originalem Zustand (nur wenige renovierte Häuser), sind einige Palazzi von Adelsfamilien, aber besonders auch manches private Eckerl neben den hochragenden Steinhäusern und winzigen Gärtchen. Kurioses aus dem Reisführer: Als die Stadt 1599 von Seeräubern belagert wurde, ließen die Bewohner (300 Mann gegen 800 Piraten) mit Eisenstücken gefüllte Fässer durch die Gassen rollen – der Höllenlärm machte den Eindruck massiver Verteidigung, und die Piraten zogen ab. Der venezianische Markuslöwe an der Domfassade hat einen steinernen Ball in seinem Rachen und erzeugt so bei starkem Wind ein Geräusch, das dem Gebrüll eines Löwen ähnlich ist. Höhepunkt – räumlich und erlebnismäßig – ist jedoch die Besteigung des Glockenturmes St. Justus. Es kann immer nur eine Besuchergruppe die schmalen und steilen Stiegen passieren, bis man in der Glockenstube steht. Ich hätte mir vorgestellt, noch auf die Turmbrüstung hinauf zu kommen, aber das war anscheinend nicht möglich. Die Aussicht ringsherum und auch aus den schmalen Schlitzfenstern war auch so packend!

Wir hätten leicht noch den ganzen Tag in Labin verbringen können, so manche lohnende Details haben wir sicher versäumt, weil wir ja noch die lange Halbinsel, die von Labin nach Süden zieht, erkunden wollten. Den ersten Zipfel dieses weitläufigen Bergrückens mit dem Kap Trget und dem Dörfchen Duga Luka hatten wir ja schon kennengelernt, von diesem Tag stammt auch das schöne Bild Labins (vom Friedhof her).

Bilder gemischt von Anni und mir. Mit der Stadtbesichtigung von Labin beschließe ich diesen Beitrag und beginne einen neuen mit der am selben Tag anschließenden Tour über die “Labin-Halbinsel”.

Nach der Tour auf die Bichleralm wartete nur ein paar Tage darauf, am Donnerstag 31. Mai zu Fronleichnam, die nächste Tour, für die wir allerdings nur vormittags Zeit hatten. In einem solchen Fall, wenn es noch dazu nicht gerade vor der Haustür sein muss,  geht es am besten (für uns) auf den Hochstadelberg, unseren immer wieder besuchten “Stadelberg”. Dieser gilt den meisten Wanderern nur als ein Nebenziel bei der langen Tour von Wastl am Wald zur Anna-Alm am Hennesteck (blaue Markierung vom Parkplatz Ötscherblick). Wir gehen zur Anna-Alm lieber in der Runde über den “Herzerlweg” vom Reidl aus, und der Stadelberg ist also nur eine kleine “Jausentour” zum Ötscherblick und die interessante Botanik.

Zuerst aber noch zur Bichleralpe: Wilde Mondviole (“Silberblatt” nach den späteren Früchten), Schmal- oder Schwertblättriges Waldvöglein und Grüne Hohlzunge (diese am Stadelberg nicht gefunden, aber wahrscheinlich übersehen), außerdem gab es vor dem Brunnweg noch mehrfach Geflecktes (Fuchs)- Knabenkraut.

Nun zum Hochstadelberg: Parkplatz Ötscherblick bereits um 8 Uhr, entlang der blauen Markierung zur Forststraße und leicht bergan bis zur Kurve. Dort ist der direkte Steig durch abgeschnittene Äste (vom Forstpersonal) gleichsam markiert – rechts über den Schlag auf noch deutlicher Steigspur hinauf, aber dieser Abkürzer wird wohl schon nächstes Jahr so verwachsen sein, dass man ohnehin (wie gewünscht) auf der Forststraße bleiben muss (bei der nächsten Abzweigung unmarkiert rechts). Bis zum Bauch herauf sind wir jedenfalls nass, noch ehe das eigentliche Schlagstück vorbei ist und der Zugangssteig (von oben her) eines Hochstandes erreicht wird. Dieses letzte Stück hinauf zur Forststraße an der Bergecke ist wegen der riesigen Baumgestalten (Rotbuchen, Fichten, Bergahorn) das einzige lohnende Stück dieses “Abschneiders”…

Bei Querung der Forststraße an der Bergecke geht es gleich gegenüber auf dem Steig an der Besitzgrenze im dichten und niedrigeren Wald weiter, immer den Rücken entlang und nicht einmal von Windbrüchen beeinträchtigt wie andere Stellen im lockeren Hochwaldgelände. Je nach Gehtempo nach einer halben oder dreiviertel Stunde geht man dann schon hinaus auf die Kammwiese mit dem Gipfelkreuz – zwar etwas dunstige Atmosphäre, aber trotzdem herrliche Aussicht!

Wie erwartet blühen hier besonders viele Helm-Knabenkräuter! Aber dazu kommen noch: Stattliches Knabenkraut, Schmalblättriges Waldvöglein, Holunder-Knabenkraut (verblüht), Waldhyazinthe und Kugelorchis und Mücken-Händelwurz (gerade aufblühend), mit dem an ungewöhnlicher Stelle angetroffenen Frauenschuh also acht Arten! Die Suche am Waldrand des Gipfels nach weiteren Frauenschuhen blieb leider erfolglos, hatte den Hinweis wahrscheinlich nicht richtig in Erinnerung… Als Besonderheit kommt noch sehr zahlreich der Alpenrachen ( Tozzia alpina) vor, vom Gipfelsaum bis über den “Lackenboden” hinaus.

Nach längerem Herumsuchen und Fotografieren gehen wir östlich am Kammrücken weiter und in der nächsten Sattelmulde nach links zu einer Senke mit mehreren Wasserflächen, die ich einfach “Lckenboden” nenne (ohne Bezug auf eine richtige Lokalbezeichnung, nur der Einfachheit halber). Für Spezialisten, besonders Gräser usw., gäbe es hier sicher ein Betätigungsfeld, uns gefällt dieser Platz einfach….

Auf der unterhalb vom meinem “Lackenboden” erreichten Forststraße geht man links, bald zügig bergab, um die Kehre nahe der Bergecke herum und rechts weiter bis zur Kreuzung an der blauen Markierung (diese führt rechts weiter zur Anna-Alm). Für den Rückweg gehen wir aber links und kommen so zurück zum Parkplatz.

Insgesamt ist dieser Abstieg  wegen der bereits schön verwachsenen Ränder der Forststraße auch recht angenehm. Der Stadelberg hält in der Aussicht, vor allem zum Ötscher und auf die Steirischen Berge, leicht mit der Bichleralpe mit, der Artenreichtum unvergleichlich besser! Allerdings gehören beide Gipfel zu den “Waldbergen” der Voralpen, die nicht in die subalpine Florenzone hineinreichen. Allerdings gibt es auf den Gipfelfelsen der Bichleralpe (längst verblühte) Aurikel, die am Stadelberg fehlen. Als Tour gibt die Bichleralm sicher mehr her, aber nur von der Annaberger Schmelz über die Sabelstuben oder noch besser von Fadental – Aufstieg über Gscheidwiesen und Südostkamm, Abstieg zur Sabelstuben und zurück nach Fadental. Alles habe ich ausführlich beschrieben in meinem Wander-Erlebis “Voralpen”, die viel mehr enthalten als der Titel verspricht: Das Pielachtal und die Mürzsteger Alpen stehen zwar am Anfang und Ende des Buches, aber Hauptteil sind die Voralpen an Traisen und Gölsen, wie schon in meinem ersten Wander- und Landschaftsführer von 1976.

Wieder zurück auf den heimischen Bergen – Sonntag, 27. Mai – wieder ein Versuch auf die Bichleralpe!

Früher, das heißt vor den Sturmereignissen wie etwa dem Kyrill, war die Bichleralpe von Josefsberg aus eine ganz hübsche kleine Tour, sogar im “Naturerlebnis NÖ” botanisch festgehalten. Danach hatte sich der Waldsteig von der Winkleralm-Brache (hinter dem Josefsberger Alpl) stellenweise in eine Wildnis verwandelt, was ich bei meinem Voralpenführer von 2015 berücksichtigen konnte. Jetzt was es an der Zeit, dort wieder einmal nachzuschauen… Außerdem gibt es seit drei Jahren auf der Felskanzel der Bichleralpe ein Gipfelkreuz, das wir endlich besuchen mussten!

Am “Brunnweg” ging noch alles glatt, er war nicht einmal so dicht verwachsen wie seinerzeit, und beim Sattel blühten die Narzissen – fotografieren beim Abstieg… Außerdem kam gerade ein Jäger oder Förster mit seinem Auto die Forststraße  herauf, und hat sich erkundigt, ob wir auf die Alm gehen wollen – keinen Kommentar von ihm zum Wegzustand, ebenso kein Hinweis auf den Markierungstafeln! Also gingen wir oberhalb der Waldreste auf der Forststraße weiter bergwärts, bis uns ein umgelegter Wegweiser die Stelle zeigte, wo wir abzweigen sollten. Dann gab es nichts mehr, kaum erkennbare Trittspuren, einige Steinmännchen, weiter oben verstreute grüne Markierungen – aber dazwischen lagen kreuz und quer die Stämme, wie so vom Sturm im letzten Dezember entwurzelt worden waren… Einmal drüber, dann wieder drunter, knifflige Stellen rundherum, wo es halt am besten zu gehen schien. Endlich erreichten wir den Waldstreifen, der unterhalb der nordwestlichen Plateauecke stehen geblieben ist. Sogar dort waren noch Hindernisse zu bewältigen, und welche Figuren wir dabei abgaben, habe ich zwar im Bild festgehalten, spare sie mir beim Veröffentlichen!

Da stehen wir schon in der Kehre des Steiges unterhalb der Gipfelkanzel und schauen über den Ameiskogel hinüber zum Hochschwab. Der alte Steig ist zwar noch gut erhalten, aber offensichtlich kaum mehr begangen und wird in den nächsten Jahren immer weniger zu sehen sein. Nicht gesehen haben wir auch die Frauenschuh-Orchideen, die in diesem Gelände eigentlich blühen sollten! Vielleicht sind wir doch zu hoch dafür. Durch den dichten Plateauwald dann hinüber zum eigentlichen (südlichen) Gipfelkamm, wo anstelle des kleinen Holzkreuzes ein gelber Markierungspfeil steht, und dann über die Blumenwiese hinunter zum Felsvorsprung mit dem sogenannten Gipfelkreuz. Vom Facebook wussten wir davon, aber bisher nicht dazu gekommen…

Im Gipfelbuch haben wir die Entstehung verfolgt und unsere Gedanken dazu eingeschrieben. Dank vor allem an den rührigen Herbert Hoppel (einem meiner ehemaligen Schüler der Annaberger Volksschule). Der Rastplatz gehört für uns zu den schönsten in den Voralpen und darüber hinaus, nur werden wir nächstesmal nicht von Josefsberg aufsteigen. Nicht einmal den Abstieg über den “verklausten” Steig wollen wir uns antun, und so setzen wir die Tour fort, wie ich es auch in meinem “Voralpen” (Kral-Verlag 2015) beschrieben habe und wie es sich danach als noch immer aktuell herausgestellt hat. Also auf dem teilweise wiesen Südostrücken hinab bis zu einer Senke vor dem vorne geschlossenen Wald, wo sich eine Dolinengrube befindet – zur Zeit des Almbetriebes vor ca. 50 Jahren wohl eine Tränklacke (ebenso kurz links am Weiterweg, dort sogar noch mit Feuchtstelle). Hier links in eine schmale Schneise und diese hinab, im folgenden Jungwald eine ausgeprägter Weg, und danach rechts (hier ginge es links übers Waldplateau zum Ausstieg des Josefsberger Weges) zur nahen Forststraße. Diese bergab bis zu einem Sattel mit Hochstand und Hütte, hier rechts und durch die Wiesenmulde zur Forststraße, die mit einigen Kehren zur Sabelstuben hinabführt.

Das letzte Bild am Sattel der “Sabelstuben” – Hinweis, dass die Radroute über Annaberg und Ulreichsberg verlegt wurde, sehr sinnvoll an dieser Stelle…. Wir halten uns die scharf nach Nordwesten abzweigende Forststraße Richtung Josefsberg, an der es aber auch noch etwas kritische Stellen gibt. Zuerst die breite Forststraße leicht bergan, vorbei an einem kleinen Gedenkkreuz, dann geht es bergab, und man darf nicht links abzweigen, sondern muss den zwei Kehren der Forststraße bergab folgen (bei der zweiten mündet der Mariazellerweg ein). Dann geht es mit der roten Markierung weiter bis zu der Stelle, wo die Wegtafeln links hinauf Richtung Bichleralpe (und Josefsberg!) weisen. Richtung Josefsberg bleibt man aber auf der Forststraße, um sich den Umweg über die Winkleralm-Brache zu ersparen! Nach längerer ziemlich ebener Strecke folgt eine Kreuzung, hier nicht auf der breiteren Forststraße bleiben, sondern links den schmäleren Weg bergan marschieren, bis der markierte “Brunnweg” erreicht wird (Trasse der alten Josefsberger Wasserleitung!).

Als wir beim alten Liftparkplatz ankommen – im ehemaligen Restaurant hausen nun einige Lamas! – türmen sich schon die Wolken, wir bleiben aber noch trocken, und erst bei der Heimfahrt über Annaberg schüttet es… das hätte uns bei der Windwurfkraxlerei gerade noch gefehlt!

Die botanischen Anmerkungen gibt es beim nächsten Bericht im Vergleich zum Hochstadelberg!

Der kroatische Nationalpark Kamenjak an der Südspitze Istriens – erlebt als Kontrastprogramm von Naturreservat und Tourismus!

Schon bei der Planung der Istrienreise war eines unserer wichtigsten Naturziele das Kap Kamenjak südlich von Pula und nahe dem bekannten Ferienort Medulin, von unserem Urlaubsstandort Rabac relativ leicht zu erreichen, aber vor allem wegen des angeblichen Orchideenreichtums interessant! Beim genaueren Nachforschen fiel mir aber im Internet bereits auf – beworben werden vor allem die tollsten Bademöglichkeiten und sonstige Tourismusangebote… Also waren wir umso gespannter, als wir uns am 2. Mai an die Fahrt zum Kap Kamenjak machten. Die Route ist jedenfalls von Labin aus einfach, auf gut ausgebauten Hauptstraßen, die über die südliche Hochebene Istriens noch dazu vielfach schnurgerade und durch wenige Ortsgebiete verlaufen. Also von Labin hinab ins Rasatal und hinauf nach Barban, einem historischen Ort, dann weite Fluren bis nahe an Pula heran. Erst hier heißt es aufpassen, damit wir die richtigen Abzweigungen erwischen, denn das bekanntere Medulin liegt ja auf einer östlich benachbarten Landspitze, und wir müssen nach Premantura, wo der Nationalpark beginnt. Das Wetter ist jedenfalls sehr schön, zwar warm, aber auch luftig durch den vom Meer hereinstreichenden Wind. Bereits am Ortsanfang von Premantura muss man sich rechts halten, um den “normalen” Eingang zu erwischen (Barzahlung, Gebühr mit Auto 80 Kuna, etwa 11,50 Euro, eine einfache Karte gibt es auch dazu, wie schon im Internet gesehen, leider nicht sehr informativ zur Orientierung).

Gleich danach wird es ernst – oder besser wüstenhaft! Denn eine breite Schotterfahrbahn zieht sich über die Anhöhen dahin, Beschilderungen sind nicht gerade hilfreich, denn was sollen wir mit einer Strandbar oder einem Surfplatz? Endlich ein Parkplatz an einer Bucht, aber auch hier alles verstaubt von der nicht befestigten Zufahrtsstraße, wo jedes Auto irrsinnige Staubwolken aufwirbelt. Beiderseits ist ein Stück Grün nur mehr mit einem graugelben Überzug erkennbar! Die ebenfalls auf diese Straße verwiesene Radfahrer tun uns schon leid, noch dazu wenn sich Familien mit Kindern über die Hügel dahinquälen… Radwege abseits dieser Trasse könnte es zwar geben, sind uns aber nicht besonders aufgefallen. Was sollen wir nun, in der Staublandschaft dahinmarschieren? Also Weiterfahrt bis endlich bei einem Parkplatz endgültig Fahrverbot für Kraftfahrzeuge besteht…

Zu unserer Überraschung stehen schon neben den geparkten Autos eine Menge Orchideen, vor allem die Serapis (Zungenständel) wachsen überaus dicht! Das gibt uns schon Auftrieb für die anschließende Fußwanderung zur Spitze der Landzunge, dem Kap Kamenjak. Hier herrscht wirklich noch Urnatur, wie im Istrien-Reiseführer angedeutet: Südlichster Punkt von Istrien, eine wegen der Winde und des Salzgehalts kahle und steinige Halbinsel, die 1996 zur geschützten Landschaft erklärt wurde. Eine ausführliche Naturbeschreibung haben wir leider nicht gefunden, aber wir können ja nun selbst aktiv werden…

Serapis, Schmetterlings-Knabenkraut, Salep-Knabenkraut, Spinnen-Ragwurz, Bertolinis-Ragwurz – abgesehen von diesen Orchideenarten haben wir botanisch nichts Außerordentliches entdecken können, aber für einen punktuellen Besuch kann man sich ja nicht allzuviel erwarten. Sonst ist die mediterrane Flora eher “normal”, allerdings nicht durch Kultivierung beeinträchtigt. Nur während des 2. Weltkriegs sollen am Kap Beobachtungsstellen eingerichtet gewesen sein, einmal soll es sogar gebrannt haben, unserer Erfahrung leidet dieser Nationalpark vor allem durch die wirklich unzumutbare Staubentwicklung entlang der Zufahrtsstraße bis zu den letzten Parkplätzen. Ich vermute, eine Asphaltstraße könnte womöglich dem Status als Nationalpark abträglich sein. Trotzdem haben wir die Schotterstraße selbstverständlich selbst staubend benützt, denn sonst wären wir sicher nicht von Premantura bis zum Kap gekommen. Dass die Mehrheit der Besucher wohl zum Baden, Schnorcheln und Surfen in die wirklich wunderbar beiderseits der Halbinsel aneinander gereihten Buchten gelangen will, versteht sich ja von selbst.

Leider kann ich das Panorama nicht größer einfügen (ebenso die Bilder, anders einstellen gelingt mir nicht, aber dafür sind die Bilder im Facebook voll und hoffentlich schön genug)! Wir wenden uns als an den östlichen Strand der Halbinsel und gehen dort über Felsböden und verkarstete Hügel bis zur Südspitze, von wo eine Weg wieder zurück zu unserem Parkploatz weist. Die Bilder können mehr erzählen als eine Tourenbeschreibung, in der Erinnerung schaut alles noch viel stimmungsvoller aus!

Beim Rückweg über die Karsthügel mit ihrem von Wiesenlichtungen durchsetztem dichten Machiabewuchs begegnen uns die schon genannten Orchideen in dichter Zahl, die schönsten Exemplare der Spinnen-Ragwurz gibt es aber erst ein Stück nach dem Parkplatz, beim Vorbeifahren gerade noch aufgeschnappt.

Zum Rasten retten wir uns seitwärts von der “Staubstraße” zu einer malerischen Bucht mit Pinienwald, zufällig ausgesucht und für gut befunden, Auswahl an solchen Plätzchen gibt es ja genug. So sind wir sogar schön ausgerastet für die Rückfahrt nach Labin und Rabac. Ob wir zufrieden waren mit diesem Schaustück der kroatischen Nationalparks? Mit unserer gar nicht so unergiebigen Wanderung sicher. Mit der ganzen Aufmachung des Tourismuszieles Kamenjak schon viel weniger, im Ort Premantura wirbt man zwar intensiv mit dem Nationalpark,  die Freizeitvergnügungen (wie es sie überall an den Küsten gibt) stehen aber eindeutig im Vordergrund. Von der Kamenjak-Staubhölle haben wir aber endgültig die Nase (und das Auto) voll, also ein zweitesmal würden wir nicht mehr hierherkommen, was als Qualitätseinstufung wohl genügt… Und immerhin, so viele Serapis in so schönster Vollblüte hätten wir uns nicht einmal im Traum wünschen können, ebenso die anderen hier gesehenen Orchideenarten!

In der längst vergangenen kommunistischen Epoche gehörte sicher auch in Jugoslawien der 1. Mai zu den wichtigsten Staatsfeiertagen. Heutzutage ist er wohl ein Tag von Familien und Sport – das merkten wir im sonst eher einsamen Gelände, wo der nordseitige Aufstieg zum höchsten Gipfel Istriens beginnt. Für uns wichtig war der Wetterbericht, und indem trocken und eher kühl vorausgesagt war, wollten wir gleich diese wichtige Tour unternehmen. Auf dem Ucka, der während der Zugehörigkeit zu Italien Monte Maggiore hieß, sind wir schon gewesen, 2008 vom Parkplatz der Bergstraße über die dem Meer zugewandte Seite. Eine Asphaltstraße führt dort zu den technischen Anlagen auf dem Gipfel, der Wanderweg verläuft zwar abseits davon und war mit der Runde beim Abstieg über die  Vrata eine schöne Tour. Die Nordseite erschien uns aber damals schon als sehr reizvoll.

Für die Anfahrt zum Ucka-Tunnel, wo die alte Passstraße abzweigt, wählten wir nicht die Hauptstraße, sondern die Nebenstraße bei Kozljak, wo auch die Bahnlinie am Fuß des Uckamassivs ansteigt. Erster Halt war dann bei der “Quelle Josefs II.” (ein alter Brunnen, beim Straßenbau durch den habsburgischen Kaiser ausgebaut und immer wieder erneuert). Die Wiesen daneben sind auch ein vorzüglicher Blumenstandort, von blühenden Pfingstrosen oder den gelb blühenden Läusekräutern (Pedicularis foliosa, kommt auch bei Lilienfeld vor) war nur das Blattgrün zu bemerken. Neben einer speziellen Art Osterluzei (Aristolochia lutea) und einem “stengellosen” Läusekraut (Pedicularis acaulis, laut Fritsch Krain und Küstenland, noch nie gesehen) gab es noch ein eben aufblühendes filziges Greiskraut, dazu noch wie fast überall Milchstern, Traubenhyazinthen und Orchis morio (hier am Schattenhang noch in Vollblüte).

Von der Passstraße abzweigend, befuhren wir eine asphaltierte Seitenstraße (wir hatten schon eine gesperrte Forststraße vermutet) bis hin zu den paar Häusern von Mala Ucka – beiderseits ein Treffen kroatischer Familien samt Grillen und Ballspielen! Dort ist der markierte Aufstieg zur Ucka angezeigt, der gleich aus dem halb verfallenen Ort mit seinen von Steinmauern umgürteten Weideflächen hinauf in einen Wald bizarr geformter Rotbuchen führt. Die Häusergruppe wirkt echt ärmlich, Ruinen von Steinhäusern, Schafherde in nicht ganz dichter Umzäunung… Bei der Hinweistafel “Straße des Käses” werde ich mich wohl verlesen haben…

Über dem steilen Waldgürtel schaut der Gipfelgrat herab – dort hinauf müssen wir. Aber das Steigen geht recht zügig voran, wenn auch auf steilem und schottrigen Steig, der verschiedene typische Biotope durchquert. Dem Rotbuchenwald folgen bald überwachsene Schutthalden mit eher mediterranen Gebüschen und Wacholder, daran schließt wieder Laubwald an, sogar mit blühenden Hopfenbuchen. Der Steig quert nun eher durch die Steilhänge nach links auf den Gipfel zu, dazwischen ergeben sich schöne Aus- und Tiefblicke, bis wir in die eher schütter bewachsene Zone nahe der Baumgrenze kommen. Hier herrscht noch Frühling mit Echten Primeln, Kugelblumen u. a. , sogar  Bleiche Knabenkräuter gibt es hier noch voll blühend!

Von etwas unter 900 m bei Mala Ucka sind wir inzwischen hochgestiegen bis zum Sedlo, dem Sattel am Gipfelkamm, wo der letzte Steilauf ansetzt. Inzwischen hat sich die Bewölkung verdichtet, und ein scharfer Westwind bläst. Also gibt es noch keinen Aufenthalt bis hinauf zum Vojak, dem höchsten Punkt der Ucka auf 1406 m, erst dort gibt es im Windschatten des alten Steinturmes eine Rastpause.

Hier stauen sich die zahlreichen Wanderer und vor allem Mountainbiker! Als etwas mehr Platz wird, steigen wir auf die Aussichtswarte – wahrlich ein umfassender herrlicher Rundblick, über Istrien landeinwärts und auf die Meeresbucht des Kvarner mit ihren verzweigten Inseln.

Vor zehn Jahren standen wir erstmals hier heroben (ein eigenartiges Gefühl, nun wohl zum letztenmal), bei etwas sichtigerem Wetter, aber auch diesmal ist der Eindruck gewaltig, und beim Abstieg zurück zum Sedlo finden wir sogar die ersten neuer blühenden Narzissen! Auch bei der folgenden Querung gibt es eine Überraschung – auf den steilen Rasen-Schutt-Halden gibt es bereits aufblühende Pfingstrosen! Nach unserer Erfahrung wird es wohl die Paeonie offizinalis sein, eindrucksvoll vor allem durch ihren Naturstandort. Dann geht es wieder im Wald weiter bergab, bis wir wieder in Mala Ucka mit seinen ringsum entspringenden Quellen ankommen.

Die Rückfahrt zur Passstraße bei Veli Ucka erfordert wegen Gegenverkehr noch einige Aufmerksamkeit, dann geht die kurzen Kehren hinab zur Josefsquelle und zum Nordportal des Ucka-Tunnels. Dort gäbe es noch die mit Felstürmen gespickte Schlucht der Vela Draga zu begehen, haben wir aber bereits 2008 erledigt (Berichte von damals im Blog – Mai 2008). Noch ein paar Bilder von Mala Ucka, insgesamt nicht weit gefahren (95 km), gute drei Stunden Gehzeit, und noch ein gemütlicher Abend im Hotel vor uns…

Mich wundert selber, wie ich auf die Idee gekommen bin, unbedingt einmal einen Urlaub in Rabac  (rábatsch) auf Istrien zu verbringen… Jedenfalls sind wir schon (nach Aufenthalt 2008 in Medveja bei Lovran mit Besteigung der Ucka) 2010 von Porec aus nach Süden gefahren, um nach Rabac zu kommen. Gekommen sind wir damals bis zur Hafenbucht von Trget und haben oberhalb bei einer Rast neben der Streusiedlung Brgod das erstemal Schmetterlings-Knabenraut gesehen (deshalb auch heuer die Suche nach diesem Ort). Nach dreimal Seline und Nationalpark Paklenica sollte es in diesem Jahr also unbedingt Rabac sein, schon im Jänner gebucht, Hotel Valamar gleich für über eine Woche lang Anfang Mai.

Zunächst zur Anreise am Sonntag, 29. April: Vom Hotel Valamar wurden wir schon vor Reiseantritt vorbildlich betreut, sonst wäre ich nicht auf die abkürzende Route gekommen! Schon nach der Autobahn-Verzweigung Triest / Koper bei der Abfahrt Crn Kali ab auf die gut ausgebaute Hauptstraße und über die auf den Berghöhen verlaufende Grenze Richtung Buzet, dadurch den weiten Bogen über die Schnellstraße des Istrien-Ypsilons erspart! Buzet haben wir nebenbei liegengelassen, weil uns diese interessante Bergstadt schon gut bekannt war. Dafür haben wir noch in Slowenien nahe Grasisce eine Pause eingelegt, selbstverständlich im Naturgelände, dabei schon von schönen Purpur-Knabenkräutern begrüßt. Nächster Stop schon näher an Labin, wo wir von 2008 in der Karte eine Orchideenwiese nahe Boljun eingetragen hatten – wieder dieselbe Art, sonst aber noch nicht viel botanisch los (erst bei der Heimfahrt am 10. Mai). Spinnen-Ragwurz bereits ziemlich verblüht…

Den guten Wegweisern nach kommen wir nach Labin, mehrfach ist schon Valamar Hotel & Casa angekündigt, dann geht es steil und kurvig hinunter in die von Wäldern mit Felskulissen umgebene Bucht von Rabac. Im Hotel haben wir ein superbes Zimmer mit Parkblick, fürs Baden ist mit einem Pool bestens gesorgt, und über das Abendbufett will ich mich gar nicht verbreiten, jedenfalls erstklassig, als Hauswein ein frischer Malvasier, also alles bestens, richtig zum Wohlfühlen vor und nach den geplanten Touren.

Wir kennen schon einige Gebiete und Ziele in Istrien (etwa die Küste von Opatija / Lovran, die berühmten Hafenorte an der Westküste und die Burgstädte im Landesinnern, samt Ucka und Cikarija). Daher wollen wir diesmal uns vor allem der Natur und der näheren Umgebung von Labin, der nächstgelegenen und auf Rabac herabblickenden Stadt, widmen. Außerdem nach über 500 km Anreise am nächsten Tag nicht zu weit fahren… Zum Glück hilft uns die Istrien-Karte im 100-Tausender-Maßstab, und unser erstes Ziel soll gleich die an Rabac anschließende Halbinsel sein. Die Karte verrät nur so viel – ein Kap am Ende des bewaldeten Bergrückens, beiderseits Strandlinie, kaum besiedelt – vielversprechend? Werden sehen…

Montag, 30. April – DUGA LUKA

Schon vor dem Frühstücksbufett im Außenpool, so warm kommt es uns hier im Süden vor. Obwohl – das Wetter ist die nächsten zehn Tage eher wechselhaft und zum Glück nicht zu heiß. Vormittags zur Einstimmung Spaziergang auf der hübschen Promenade direkt unterhalb vom Hotel bis zum Hafen. Nach mittags geht es los, wohl letztlich zum Dutzenden Male die Bergstraße hinauf und nochmal bergwärts zur Altstadt Labin, die direkt durchfahren wird und sehr verlockend für einen Bummel ausschaut. Diesmal aber durch bis zum etwas entfernten Friedhof und der entscheidenden Straßenkreuzung – Ziel Duga Luka, dorthin vorerst noch an einzelnen Häusern vorbei, meist durch Kiefern- und Buschwald, aber immer entschieden bergab. Wo sich das Gelände öffnet, endet die Straße vor einer Häusergruppe, alles ruhig ringsum, nur kurz davor eine große Baustelle, vermutlich ein Hotel in dieser prachtvollen, allerdings auch sehr abgelegenen Gegend.

Gleich nach den recht ansehnlich wirkenden Häusern mit ihren schönen Gärten beginnt die mediterrane Urnatur, anfangs selbstverständlich mit den ruderalen Abschnitten des überall anfallenden Sperrmülls. Aber gleich danach wird es wirklich schön, ein immer schmalerer Pfad schlängelt sich durch den niedrigen Macchia-artigen Wald mit vorwiegenden Laubbäumen, daneben blüht schon allerhand, vor allem auch noch der Affodil (das Kennzeichen für ausgelaugte und ertraglose Böden, wie wir verwundert nachgelesen haben). Sogar das Salep-Knabenkraut (Orchis morio) ist hier noch mit einzelnen voll blühenden Exemplaren zu finden dazu noch Ziestrosen und aufblühender Ginster, um nur ein paar Arten zu nennen.

Die Wegspur wird immer spärlicher, sogar etwas verwachsen, aber wir zwängen uns durch – zum Glück keine Schlangen (im Gegensatz zu Starigrad / Seline im Vorjahr). Mit einigem hin und her, immer noch einen dichten Kiefernwald vor Augen, gelangen wir auf eine Lichtung, schon recht hübsch mit ihrem mediterranen Blütenflor, allerdings ohne weitere Besonderheiten. Irgendwie müssen wir zur Küste hinab, so scheint es, und instinktiv wenden wir uns nach links, kommen auf einen ziemlich freien Gras- und Buschhang, der zum Strand hinabzieht.

Blühendes gibt es hier zwischen den kahlen Steinen nicht viel, aber einen ausgetretenen Weg neben den niedrigen Klippen und einen schönen Fernblick auf die unendlich langgestreckte Insel Cres gegenüber. Jetzt ist die Frage – am Ufer zurück oder vielleicht doch rund um die Halbinsel? Wieder gut bedacht, wählen wir den Weiterweg und kommen zunächst an einem fast verwüsteten Waldrand vorbei, mit schief gedrückten und wahrscheinlich von der winterlichen Bora zerzausten Bäumen, wo Anni im Unterholz etwas Rotes leuchten sieht. Wenn wir das übersehen hätten, wäre schade gewesen, denn einmal ins Unterholz eingedrungen, befinden wir uns in einem Paradies von voll blühenden Geschweiftblättrigen Frühlings-Zyklamen!

Dann liegt das Kap Prklog vor uns, ein steiniges Uferrund vor dem Walddickicht mit Panoramablick über den Kvarner, wie dieser Meeresteil an der Südostküste Istriens heißt. Wieder zu unserem Glück setzt sich der Strandweg weiter fort, zum Baden nicht gerade einladend wegen des zwar niedrigen, aber scharfen Klippenrandes, also wohl eher für etwas abmitionierte Wanderer ideal, denn die Fischer gehen nicht so weit von ihren am Berg oben stehenden Häusern bzw. dem Straßenende hierher. Nun wechselt der Pfad in den Wald hinein, bleibt aber immer gut begehbar, nicht uninteressante Pflanzen zur Seite und schließlich sogar ein altes Bauwerk aus Steinen und Ziegeln, schaut von oben aus wie ein Brunnenschacht, hat aber unten seitliche Eingänge, vielleicht einmal ein Wachturm, dessen hochragenden Teile verschwunden sind? Hinweise gibt es keine dazu, aber dafür mehren sich am steilen Waldufer die von Fischern ausgebauten Plätzchen.

Noch bevor wir (wie angenommen) einen Anlegeplatz erreichen, führt eine Betonstiege steil zu den Häusern hinauf, die wir selbstverständlich als Weiterweg akzeptieren. Dann geht es zwischen Steinmauern und Gärten zum Ausgangspunkt und unserem Parkplatz zurück. Dieser liegt am Rand einer üppigen Wiese, die kaum Bewirtschaftsspuren aufweist. Also bäuerliche Anwesen gibt es hier nicht, wir kommen im Gegensatz dazu mit einem kroatischen Hausbewohner in freundlichen Kontakt, der lange Jahre in den USA gelebt hat und nun in dem von seinem Sohn gebauten Haus wohnt. Wir machen es nun nach etwa drei Stunden im Gelände gemütlich und genießen die späte Mittagsrast an diesem wunderschönen Aussichtsplatz.

Fern sieht man Rabac über die Bucht herschauen bzw. suchen wir das rote Dach unseres im Pinienpark versteckten Hotels zwischen all den Neubauten des Tourismusortes Rabac.  Am späteren Nachmittag machen wir uns an die Rückfahrt, die schmale Asphaltstraße hinauf zur Anhöhe vor Labin, das sich vom Friedhof aus in Idealansicht mit dem Uckamassiv im Hintergrund präsentiert.

Noch immer nicht genug des Vergnügens, genießen wir doch abends noch den Außenpool und das Hallenbad, bevor es zum Abendbufett geht. Also ein voller erster Urlaubstag, und einen Spaß macht Anni sich noch – sie bestellt von Rabac aus in St. Veit an der Gölsen bei der Genusswerkstatt Baldrian der Meisterin Elisabeth (vormals Bäckerei Käppl) für Clemens eine Torte für die Erstkommunionfeier !

Das war mein Beitrag zum ersten Istrientag, Annis Bilderalbum ist zu finden im Facebook: Wandertipp Bernhard baumgartner

Ältere Artikel »