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Gletscherzunge der Pasterze (gegen Hufeisenbruch und Johannesberg) 1966

Pasterze-Gletscherzunge gegen Großglockner und Johannesberg 2008

Experteninterview mit Wanderbuchautor und „Zeitzeuge“ des Gletscherrückgangs der Pasterze Bernhard Baumgartner

Berni:

Ich führe jetzt ein Interview mit meinem Großvater Bernhard Baumgartner, Geburtsjahr 1942, durch, in dem er über seine Erfahrungen mit dem Pasterzengletscher berichtet. Stell dich mal vor.

Bernhard Baumgartner:

Im selben Alter, wie mein Enkel Berni, kam ich als 17 – Jähriger erstmals zum Großglockner. Es war eine Premiere, denn gleichzeitig hab ich mit meinem Freund und Studienkollegen Werner Tippelt den Gipfel bestiegen. Damals war die Pasterze noch ein mächtiger Eisstrom, zu dem wir mit wenigen Schritten von der Postautohaltestelle Franz – Josephs – Höhe hinuntergestiegen sind. Dann wanderten wir über das weite Eisfeld zum Aufstieg des Großglocknergipfels. So war das 1959.

Berni:

Kommen wir nun zur ersten Frage, Bernhard: Wann hast du Veränderungen des Gletschers bemerkt?

Bernhard Baumgartner:

Es hat nicht lange gedauert bis ich wieder zum Großglockner gekommen bin. Es war drei Jahre nach meiner Erstbesteigung des höchsten Gipfels Österreichs und anschließend war die Zeitspanne ebenfalls nur vier Jahre. In dieser Zeit habe ich selbst beim Begehen der Pasterze eigentlich wenig Rückgang oder Unterschied bemerkt. Der Unterschied war vor allem im Zugang zur Pasterze gegeben. Denn in der Zwischenzeit hatte man einen Schrägaufzug vom Parkplatz hinunter zum Gletscher gebaut. Allerdings stellte sich heraus, dass relativ kurze Zeit nach der Fertigstellung dieses Aufzuges der Weg von der Talstation zum Eis hinunter schon wieder eine beachtliche Strecke eingenommen hat. So konnte man den Rückgang des Eises anschaulich erleben.

Berni:

Kommen wir nun zur nächsten Frage, Bernhard: Konntest du auch in den letzten Jahren die Pasterze beobachten?

Bernhard Baumgartner:

Die Zeitspanne war für meinen ersten Bericht nur einige wenige Jahre, nun mach ich einen Sprung von 40 Jahren von 1966 bis 2008. Ich kann eigentlich weniger in der Erinnerung, als von meinen Fotos diese Erscheinung beobachten, dass der Gletscherrückgang exorbitant hoch ausgefallen ist. Denn wo früher vom Johannisberg das Eis in einer ununterbrochenen Flucht über einen Eisbruch herunter zur Pasterzenzunge geflossen ist, denn das Eis fließt ja, war jetzt das Gelände weitgehend ausgeapert und die Verbindung zwischen dem Nährgebiet oben am Johannisberg und dem Zehrgebiet oder Ablationsgebiet auf der Pasterzenzunge unterbrochen und damit war eigentlich schon jetzt vor fast zwanzig Jahren das Todesurteil für die Gletscherzunge der Pasterze gesprochen.

Berni:

Kommen wir nun zur letzten Frage, Bernhard: Wie schätzt du den weiteren Verlauf des Gletscherrückgangs ein?

Bernhard Baumgartner:

Wenn ich mir alte Bilder anschau zum Beispiel vom Ende des 19. Jahrhunderts oder aus den 1920er – Jahren und vergleiche meine Eindrücke aus der letzten Zeit muss ich sagen, der Rückgang der Gletscher ist dramatisch, dramatisch ist wirklich untertrieben, denn in jede Gebirgsgruppe der Alpen, wohin man auch kommt, merkt man, wie die Gletscher schwinden und verschwinden. Denk ich jetzt an meine Bergsteigerzeit von 1960 bis 2020 ist das eigentlich eine in der Gesamtgeschichte winzige Zeitspanne und trotzdem hat sich die Natur im Gletscherbereich so überaus verändert. Meine Touren in der Glocknergruppe sind damals in der jugendlichen Bergsteigerzeit noch hauptsächlich über Eis und Schnee gegangen über weite Firnfelder, jetzt klettert man und wandert man durch Schuttfelder und Blockhalden. Andererseits merkt man natürlich noch nicht, dass die Natur von diesem Ödland wieder Besitz ergreift. Das merkt man nur bei großen Gletschern auch in der Glocknergruppe, wo die Moränen von 1850 oder gar 1820 schon teilweise mit Pflanzen bedeckt sind, während das Gletschervorfeld immer noch eine Steinwüste ist und irgendwann werden die Hohen Tauern so ausschauen, wie die Gipfelregionen der Niederen Tauern, Schutt, Blockwerk, Fels, mit spärlichem Bewuchs und von den Gletscherpracht des Hochgebirges könne wir dann nur mehr träumen und an unseren alten Abbildungen erfreuen.

Berni:

Vielen Dank für das Interview, Bernhard – Opa, ich wünsche viel Glück für die nächste Tour zum Großglockner, ohne Pasterze.

Bernhard Baumgartner:

(Gelächter)… ähh, ja, ohne Pasterze werd ich den Glockner woarscheinlich nicht erleben, immerhin die Bilder, die mir jetzt vom Großglockner gezeigt werden, mit dem Rest der Pasterze, sind eigentlich bedrückend und man merkt, wie sich die Natur sogar im menschlichen Maß verändert.

Experteninterview mit Wanderbuchautor und „Zeitzeuge“ des Gletscherrückgangs der Pasterze Bernhard Baumgartner
Berni:
Ich führe jetzt ein Interview mit meinem Großvater Bernhard Baumgartner, Geburtsjahr 1942, durch, in dem er über seine Erfahrungen mit dem Pasterzengletscher berichtet. Stell dich mal vor.
Bernhard Baumgartner:
Im selben Alter, wie mein Enkel Berni, kam ich als 17 – Jähriger erstmals zum Großglockner. Es war eine Premiere, denn gleichzeitig hab ich mit meinem Freund und Studienkollegen Werner Tippelt den Gipfel bestiegen. Damals war die Pasterze noch ein mächtiger Eisstrom, zu dem wir mit wenigen Schritten von der Postautohaltestelle Franz – Josephs – Höhe hinuntergestiegen sind. Dann wanderten wir über das weite Eisfeld zum Aufstieg des Großglocknergipfels. So war das 1959.
Berni:
Kommen wir nun zur ersten Frage, Bernhard: Wann hast du Veränderungen des Gletschers bemerkt?
Bernhard Baumgartner:
Es hat nicht lange gedauert bis ich wieder zum Großglockner gekommen bin. Es war drei Jahre nach meiner Erstbesteigung des höchsten Gipfels Österreichs und anschließend war die Zeitspanne ebenfalls nur vier Jahre. In dieser Zeit habe ich selbst beim Begehen der Pasterze eigentlich wenig Rückgang oder Unterschied bemerkt. Der Unterschied war vor allem im Zugang zur Pasterze gegeben. Denn in der Zwischenzeit hatte man einen Schrägaufzug vom Parkplatz hinunter zum Gletscher gebaut. Allerdings stellte sich heraus, dass relativ kurze Zeit nach der Fertigstellung dieses Aufzuges der Weg von der Talstation zum Eis hinunter schon wieder eine beachtliche Strecke eingenommen hat. So konnte man den Rückgang des Eises anschaulich erleben.
Berni:
Kommen wir nun zur nächsten Frage, Bernhard: Konntest du auch in den letzten Jahren die Pasterze beobachten?
Bernhard Baumgartner:
Die Zeitspanne war für meinen ersten Bericht nur einige wenige Jahre, nun mach ich einen Sprung von 40 Jahren von 1966 bis 2008. Ich kann eigentlich weniger in der Erinnerung, als von meinen Fotos diese Erscheinung beobachten, dass der Gletscherrückgang exorbitant hoch ausgefallen ist. Denn wo früher vom Johannisberg das Eis in einer ununterbrochenen Flucht über einen Eisbruch herunter zur Pasterzenzunge geflossen ist, denn das Eis fließt ja, war jetzt das Gelände weitgehend ausgeapert und die Verbindung zwischen dem Nährgebiet oben am Johannisberg und dem Zehrgebiet oder Ablationsgebiet auf der Pasterzenzunge unterbrochen und damit war eigentlich schon jetzt vor fast zwanzig Jahren das Todesurteil für die Gletscherzunge der Pasterze gesprochen.
Berni:
Kommen wir nun zur letzten Frage, Bernhard: Wie schätzt du den weiteren Verlauf des Gletscherrückgangs ein?
Bernhard Baumgartner:
Wenn ich mir alte Bilder anschau zum Beispiel vom Ende des 19. Jahrhunderts oder aus den 1920er – Jahren und vergleiche meine Eindrücke aus der letzten Zeit muss ich sagen, der Rückgang der Gletscher ist dramatisch, dramatisch ist wirklich untertrieben, denn in jede Gebirgsgruppe der Alpen, wohin man auch kommt, merkt man, wie die Gletscher schwinden und verschwinden. Denk ich jetzt an meine Bergsteigerzeit von 1960 bis 2020 ist das eigentlich eine in der Gesamtgeschichte winzige Zeitspanne und trotzdem hat sich die Natur im Gletscherbereich so überaus verändert. Meine Touren in der Glocknergruppe sind damals in der jugendlichen Bergsteigerzeit noch hauptsächlich über Eis und Schnee gegangen über weite Firnfelder, jetzt klettert man und wandert man durch Schuttfelder und Blockhalden. Andererseits merkt man natürlich noch nicht, dass die Natur von diesem Ödland wieder Besitz ergreift. Das merkt man nur bei großen Gletschern auch in der Glocknergruppe, wo die Moränen von 1850 oder gar 1820 schon teilweise mit Pflanzen bedeckt sind, während das Gletschervorfeld immer noch eine Steinwüste ist und irgendwann werden die Hohen Tauern so ausschauen, wie die Gipfelregionen der Niederen Tauern, Schutt, Blockwerk, Fels, mit spärlichem Bewuchs und von den Gletscherpracht des Hochgebirges könne wir dann nur mehr träumen und an unseren alten Abbildungen erfreuen.
Berni:
Vielen Dank für das Interview, Bernhard – Opa, ich wünsche viel Glück für die nächste Tour zum Großglockner, ohne Pasterze.
Bernhard Baumgartner:
(Gelächter)… ähh, ja, ohne Pasterze werd ich den Glockner woarscheinlich nicht erleben, immerhin die Bilder, die mir jetzt vom Großglockner gezeigt werden, mit dem Rest der Pasterze, sind eigentlich bedrückend und man merkt, wie sich die Natur sogar im menschlichen Maß verändert.

Experteninterview mit Wanderbuchautor und „Zeitzeuge“ des Gletscherrückgangs der Pasterze Bernhard Baumgartner
Berni: Ich führe jetzt ein Interview mit meinem Großvater Bernhard Baumgartner, Geburtsjahr 1942, durch, in dem er über seine Erfahrungen mit dem Pasterzengletscher berichtet. Stell dich mal vor.Bernhard Baumgartner: Im selben Alter, wie mein Enkel Berni, kam ich als 17 – Jähriger erstmals zum Großglockner. Es war eine Premiere, denn gleichzeitig hab ich mit meinem Freund und Studienkollegen Werner Tippelt den Gipfel bestiegen. Damals war die Pasterze noch ein mächtiger Eisstrom, zu dem wir mit wenigen Schritten von der Postautohaltestelle Franz – Josephs – Höhe hinuntergestiegen sind. Dann wanderten wir über das weite Eisfeld zum Aufstieg des Großglocknergipfels. So war das 1959. Berni: Kommen wir nun zur ersten Frage, Bernhard: Wann hast du Veränderungen des Gletschers bemerkt?Bernhard Baumgartner: Es hat nicht lange gedauert bis ich wieder zum Großglockner gekommen bin. Es war drei Jahre nach meiner Erstbesteigung des höchsten Gipfels Österreichs und anschließend war die Zeitspanne ebenfalls nur vier Jahre. In dieser Zeit habe ich selbst beim Begehen der Pasterze eigentlich wenig Rückgang oder Unterschied bemerkt. Der Unterschied war vor allem im Zugang zur Pasterze gegeben. Denn in der Zwischenzeit hatte man einen Schrägaufzug vom Parkplatz hinunter zum Gletscher gebaut. Allerdings stellte sich heraus, dass relativ kurze Zeit nach der Fertigstellung dieses Aufzuges der Weg von der Talstation zum Eis hinunter schon wieder eine beachtliche Strecke eingenommen hat. So konnte man den Rückgang des Eises anschaulich erleben.Berni: Kommen wir nun zur nächsten Frage, Bernhard: Konntest du auch in den letzten Jahren die Pasterze beobachten?Bernhard Baumgartner: Die Zeitspanne war für meinen ersten Bericht nur einige wenige Jahre, nun mach ich einen Sprung von 40 Jahren von 1966 bis 2008. Ich kann eigentlich weniger in der Erinnerung, als von meinen Fotos diese Erscheinung beobachten, dass der Gletscherrückgang exorbitant hoch ausgefallen ist. Denn wo früher vom Johannisberg das Eis in einer ununterbrochenen Flucht über einen Eisbruch herunter zur Pasterzenzunge geflossen ist, denn das Eis fließt ja, war jetzt das Gelände weitgehend ausgeapert und die Verbindung zwischen dem Nährgebiet oben am Johannisberg und dem Zehrgebiet oder Ablationsgebiet auf der Pasterzenzunge unterbrochen und damit war eigentlich schon jetzt vor fast zwanzig Jahren das Todesurteil für die Gletscherzunge der Pasterze gesprochen. Berni: Kommen wir nun zur letzten Frage, Bernhard: Wie schätzt du den weiteren Verlauf des Gletscherrückgangs ein? Bernhard Baumgartner: Wenn ich mir alte Bilder anschau zum Beispiel vom Ende des 19. Jahrhunderts oder aus den 1920er – Jahren und vergleiche meine Eindrücke aus der letzten Zeit muss ich sagen, der Rückgang der Gletscher ist dramatisch, dramatisch ist wirklich untertrieben, denn in jede Gebirgsgruppe der Alpen, wohin man auch kommt, merkt man, wie die Gletscher schwinden und verschwinden. Denk ich jetzt an meine Bergsteigerzeit von 1960 bis 2020 ist das eigentlich eine in der Gesamtgeschichte winzige Zeitspanne und trotzdem hat sich die Natur im Gletscherbereich so überaus verändert. Meine Touren in der Glocknergruppe sind damals in der jugendlichen Bergsteigerzeit noch hauptsächlich über Eis und Schnee gegangen über weite Firnfelder, jetzt klettert man und wandert man durch Schuttfelder und Blockhalden. Andererseits merkt man natürlich noch nicht, dass die Natur von diesem Ödland wieder Besitz ergreift. Das merkt man nur bei großen Gletschern auch in der Glocknergruppe, wo die Moränen von 1850 oder gar 1820 schon teilweise mit Pflanzen bedeckt sind, während das Gletschervorfeld immer noch eine Steinwüste ist und irgendwann werden die Hohen Tauern so ausschauen, wie die Gipfelregionen der Niederen Tauern, Schutt, Blockwerk, Fels, mit spärlichem Bewuchs und von den Gletscherpracht des Hochgebirges könne wir dann nur mehr träumen und an unseren alten Abbildungen erfreuen.Berni: Vielen Dank für das Interview, Bernhard – Opa, ich wünsche viel Glück für die nächste Tour zum Großglockner, ohne Pasterze. Bernhard Baumgartner: (Gelächter)… ähh, ja, ohne Pasterze werd ich den Glockner woarscheinlich nicht erleben, immerhin die Bilder, die mir jetzt vom Großglockner gezeigt werden, mit dem Rest der Pasterze, sind eigentlich bedrückend und man merkt, wie sich die Natur sogar im menschlichen Maß verändert.

Seit dem Frühsommer ist mein Wandertipp-Blog wirklich zu kurz gekommen, vor lauter Arbeit an der Natur Niederösterreichs nämlich. Nachdem dieses Doppelprojekt jetzt endlich ENDLICH wird (dem Finale zu geht), kann ich wieder im Blog nacharbeiten. Anlass ist diesmal mein Tipp in der Zeitschrift der Arbeiterkammer NÖ / dem “treff”, der zugleich auch im Internet der Naturfreunde NÖ öffentlich wird.

Zuerst zum Gebiet: Das obere Schwarzatal bei Rohr im Gebirge bzw. bei der Kalten Kuchl. Da gibt es zwei Tausender, bei welchen man sich nicht sicher sein kann, ob es bei den beiden Touren um die Jagd nach Gipfeln geht (siehe das “Tausenderwandern” von meinem Freund und Autorenkollegen Werner Tippelt) im seinerzeitigen “Wandern in NÖ” beim Residenz bzw. NP-Buchverlag in St. Pölten). Da ist zunächst, östlich von Hohenberg gelegen, der …

HEGERBERG – eine 1179 m hohe Waldpyramide nordwestlich von der Kalten Kuchl. Dort hatten Anni und ich am 22. November 2020 ein ganz eigenartiges Erlebnis – um die Mittagszeit (!) von einem Hochstand herunter von einer Jägerin angesprochen, worauf wir rücksichtsvoll – um die Wildbeobachtung nicht zu stören, worum es sich nur gehandelt haben kann – auf den Gipfel verzichteten (Bericht im Blog müsste zu finden sein, > Suche: Hegerberg).

Diesmal ging es aber um den höheren Gipfel, sozusagen den Hausberg von Rohr im Gebirge, nämlich …

DIE JOCHART, beide Touren in meinem Voralpenführer enthalten!

“Normalerweise” besteigt man DIE  Jochart (Name kommt aus dem Slawischen und zwar von “ochatz”, was Bergahornbäume bedeutet) von Rohr im Gebirge aus entlang der blauen Markierung über das interessante Schacherbauernkreuz (Wallfahrermarterl aus dem 19. Jh.). Der Abstieg als Rundtour verläuft vom Gipfel östlich über das Hammerleck in den Klausgraben und zurück nach Rohr, wo ich jetzt endlich herausfinden muss, ob die traditionelle Einkehr im Gasthof / Hotel Bauer vorübergehend oder dauernd geschlossen oder doch geöffnet ist (wäre schade um diese gemütliche Einkehrmöglichkeit). Wir fahren aber vom Gölsental aus lieber nur bis zur Roßbachklamm in Innerhallbach (vor der Kalten Kuchl) und besteigen die Jochart von dort aus. Bisheriger Nachteil – es bietet sich keine Rundtour an… oder doch? Beim Kartenstudium und Geländerkundung war mir doch eine Möglichkeit aufgefallen, nämlich Abstieg über die Raidelwiese wieder ins Roßbachtal (diese Wiese war übrigens vor einigen Jahren wegen eines Flugzeugabsturzes sogar in den Medien präsent). Ich war mir so sicher, dass diese Rundtour sogar schon in meinen Voralpenführer Eingang gefunden hat, allerdings nur als “Hinweis” auf die Tourenmöglichkeit.

Zur Tat “schritt” ich (für eine mehrstündige teilweise noch dazu Orientierungs-Wanderung leicht untertrieben) am 13. Oktober 2018, und so konnte ich an diesem traumhaften Herbsttag eine wirklich wunderbare Tour erleben, die ich jetzt schildern will. Für Nachbegeher allerdings zu beachten – der Abstieg ist unmarkiert und führt durch das Gelände eines “Jägergipfels”, wie bei der Überschrift schon angedeutet. Also Zufahrt bis zur Roßbachklamm. Nicht gerade ermunternd, waren dort beim Parkplatz vor einiger Zeit sogar “Befristete Sperrtafeln” vorzufinden (natürlich wie meistens ohne Sperrtermin und Verordnung der BH Lilienfeld, also ungültig). Beim Roßböckhof vorbei (dort wirkte vor langer Zeit ein berühmter “Bauerndoktor”, der “Roßböck”, der sogar durch eine Beschreibung durch den Dichter Franz Nabl in die Literatur eingegangen ist). Uns war nur bekannt, dass unser Gemeindearzt von St. Veit (MR Dr. Otto Hausleitner, mein “botanischer Mentor”) immer wieder dort war. Die Nachfahren des Bauerndoktors, vor allem durch besseres Einrichten von Knochenbrüchen als in den Spitälern bekannt, praktizieren mit ihren Salben übrigens noch im nahen Hegerhof an der Straße Richtung Kalte Kuchl, selbst einmal dort um die heilsame, aber fürchterlich stinkende “Hiaslschmiar” gewesen. Wer den Roßböck jetzt bewirtschaftet, weiß ich nicht, habe nur die Maschinene eine St. Veiter Bagger- und (?) Forstunternehmers dort gesehen.

Durch vorherige Wanderungen schon orientiert, konnte ich gleich eine Abkürzung hinauf zur Roßwiese (unter dem Jochartgipfel, im letzten Bild mit Blick zum Unterberg, im Frühsommer zahlreiche Orchideen) gehen, am besten sieht man den Verlauf aus der folgenden Karte: Nämlich vom Roßböck weiter Richtung Rohr gehen (markierter Weg), nach der großen Sattelwiese am von mir so benannten Roßbbach-Gscheid jedoch auf dem neueren Forstweg weiter (der idyllische alte markierte Waldsteig ist leider abgekommen). Auf dieser Forststraße könnte man bis zum Schacherbauernkreuz weitergehen und dort in die blaue Jochart-Markierung einsteigen. Ich weiß aber, auf einem schon weitaus vorher links abzweigenden Forstweg kommt man ebenfalls zu dieser Markierung (zuletzt etwas verwinkelt, aber immer auf gebahntem Weg bleibend, kann kaum etwas schiefgehen). Nun geht es Jochart-mäßig steil durch den Wald hinauf zur schon beschriebenen Roßwiese und mit nochmaligem Steileranstieg hinauf zum Gipfel. Neben dem Gipfelkreuz gibt es dort ein Rastbankerl mit überraschendem Inhalt, nämlich einem (von mir noch nie leer vorgefundenen und selbst auch nachgefüllten) Schnapsflascher. Andere Wanderer sind dort eine Seltenheit, und wenn wer hier heraufkommt, geht er denselben Weg zurück oder rechts rot markiert über das Hammerleck wieder ins Tal.

Für mich wird es jetzt erst spannend – wie wird sich der Abstieg zur Raidelwiese (von dort talwärts nur mehr Forststraße und problemlos) entwickeln? Aus der Aufstiegsrichtung gehe ich beim Gipfelkreuz also nicht rechts (östlich, Hammerleckmarkierung) sondern links westlich bis zum Waldrand, der hier scharf ausgeprägt ist, denn weiter westwärts erstrecken sich nur mehr freie Flächen von Windbrüchen und Holzschlägen – “frei” ist vielleicht irreführend, denn inzwischen wird der Wald schon wieder aufzuwachsen beginnen. Die Spuren der Rodungsmaschinen und die anschließenden Ziehwege haben mir damals eigentlich den Weg geebnet!

Im Bild sieht man schon ungefähr, wie der “Weg” hier ausschaut – jedenfalls eine Schotterspur, am Waldrand entlang, und nach meiner Erinnerung kam dann bald ein “stärkerer” Forstweg, der mich zur Raidelwiese weiterleitete. Diese Wiesenmulde wird sommersüber ziemlich sicher als Almweide genützt, jetzt im Herbst ist alles steill und einsam, aber der Zweck der Örtlichkeit ist unverkennbar – eine ziemlich neue Jagdhütte, zum Glück ohne Besetzung, außerdem ist ja gerade Mittagszeit, was aber – wie am Hegerberg erlebt – auch nicht vor Jägeranwesenheit schützt…

Eigentlich kann jetzt nichts mehr passieren, denn ein Abweichen von der Forststraße bietet sich keinesfalls an, und diese führt sicher hinunter zum Roßbachgscheid, wie bereits ausgekundschaftet. Die Route wendet sich im Bogen über Süden gegen Südosten und gelangt in den steilen, teils felsdurchsetzten Waldgraben am Südwesthang der Jochart (das ist aber nicht der “Jochartgraben” der Österr. Karte wohlgemerkt). Die Landschaft wird immer wilder, gegenüber türmen sich Felsklippen aus – sie markieren mit ihrem Wettersteinkalk den Stirnrand der Ötscher-Unterberg-Decke, wie er auch am Nordhang des Hegerberges, in der Roßbachklamm und am Unterberggipfel in Erscheinung tritt. Wie die Forststraße zu Kurven gezwungen ist, kommt man unmittelbar in den Bereich dieser wilden Felspartie. Dann aber geht es nur mehr bergab und immer weiter bergab, bis die Sattelwiese erreicht ist und der gemütliche Ausklang beim Roßböckhof vorbei zum Parkplatz vor der Klamm die Tour beendet.

Übrigens ist die nette kleine Wanderung von der Roßbachklamm hinüber nach Rohr mit (fraglicher) Einkehr beim “Franz-Joseph” und dem gleichen Rückweg zu allen Jahreszeiten ein hübsches Erlebnis, noch dazu weil talaus einige bemerkenswerte Feuchtflächen zu finden sind, und außerdem wächst in den Felsen der Roßbachklamm die sonst überaus seltene, in den Voralpen (Retzbachtal bei Türnith, Kothbergtal bei Lunz am See, Ulreichsberger Klamm und sogar Schwarzwalster) aber vereinzelt vorkommende Anemonen-Schmuckblume wächst, Blütezeit im eher zeitigen Frühjahr. jetzt im Herbst bemerkt man kaum mehr die erst nach der Blüte ausgetriebenen Blätter.

Schon vor einer Woche berichtete mein Nachbar Wolfram T. von der Narzissenblüte in der Walster, und er zeigt mir noch dazu ein Foto mit Flaumigem Steinröschen / Daphne cneorum. Diese eher seltene Blume (eigentlich ein Zwergstrauch) hatten wir nach Angabe von meinem Freund Werner Tippelt an der Zufahrtsstraße nach Fadental schon gesucht, aber bisher nicht gefunden. Also mit ein paar Tagen Verspätung am Freitag, 25. Juni, ab in die Walster…

Hier gleich die Karte, wo wir herumspaziert sind (denn mehr war es eigentlich nicht). Von Ulreichsberg kommend, zweigt bald nach dem Forsthaus und noch vor der Wuchtelwirtin rechts die Zufahrtsstraße Richtung Fadental ab. Beim zweiten rechts abzweigenden Graben schaut es schon interessant aus, denn an dessen linkem Rand zieht ein Dolomitriedel steil hinauf, mäßig bewachsen mit allerlei Blumen (derzeit besonders schön Akelei, Waldhyazinthen und Händelwurz), aber keine Spur  vom Steinröschen. Dabei ist es ja sogar von der Straße aus gesehen worden! So ist es auch tatsächlich – Anni entdeckt ein gerade noch blühendes Exemplar beim letzten Felsvorsprung am Straßenrand, wo anschließend das Tal etwas breiter und ohne Felsrand verläuft. Übrigens neben dem Grabeneingang konnte ich einen Bestand der Sibirischen Schwertlilie (einer mit Blüte) zufällig entdecken (diese fanden wir auch schon blühend neben der Walsterstraße von Ulreichsberg her (noch vor der Kreuzung Richtung Fadental).

Bis auf diese eine (zumindest gesehene) Narzisse, waren alle schon verblüht. Bei der Händelwurz bin ich mir nicht sicher, oder eher doch, dass es eine Mücken-Händelwurz ist (entsprechend dem langen Sporn, trotz einem etwas schwachen Duft).

Dann ging es weiter nach Fadental, wo es wegen dem ziemlich devastiert wirkenden ehemaligen Gasthofs Labenbacher wirklich unerfreulich ausschaut. Die paar Einwohner oder Wochenendhäusler plustern sich dagegen auf mit allerhand Tafeln, wie Privatgrund und Kein Durchgang usw. Außerdem soll vom Kreisverkehr mit der uralten Rotbuche, die zum Glück noch immer steht und nur ein wenig zerzaust wirkt, der Anschlussweg Richtung Schwarzwalster bzw. Grenzgraben als Forststraße für Radfahrer verboten sein! Anderseits gibt es am Südrand der Fadentaler Lichtung seit einiger Zeit ein neu angelegte Forststraße, die (gerade an der Landesgrenze gelegen) als Mariazeller Radrunde beschildert ist und übers Schnittlermoos zum Hubertussee anschließt. Jedenfalls erinnert mich das Fadental jedesmal und immer mehr an die “abgestorbenen” Gegenden in manchen Alpengegenden weit im Westen…

Nächstes Ziel und als Nichtanrainer über die Walsterstraße (und nicht durch die Schwarzwalster) erreicht – der Hubertussee, und von dort spazierten wir neben dem “Kleinen See” entlang (erstaunliches Spierstrauchvorkommen, wie an der Forststraße an der Südseite der Lichtung) bis zum Schnittlermoos. An der hochstehenden Wiese, wo den Frühlingsknotenblumen normalerweise bald die Narzissen und Trollblumen folgen, merkt man, dass es eigentlich schon Hochsommer ist, überall blüht der dekorative Schlangen-Knöterich. Mehlprimeln stehen nur mehr abgeblüht am Wasserrand, und der Dolomitriedel an der Verzweigung (mit jetzt schon zwei “Jagasitzen”) zeigt hauptsächlich Simsenlilien, keine Spur mehr von Enzian, den man dort auch finden kann. Allerdings gab es auch auf dieser kleinen Strecke etwas Außergewöhnliches (aber nicht überraschend) – oberhalb der Sandstraße im Waldbestand neben vielen Trollblumen einen blühenden Frauenschuh!

Auch in der Walster ist übrigens Rosenzeit! Nachdem zwei Tage zuvor ein Tornado im nördlichsten Weinviertel und vor allem jenseits der Grenze gewütet und es außerordentlich hohe Temperaturen gegeben hatte, waren wir schon froh, dass die Wolken um die Mittagszeit zwar zeimlich dunkel, aber doch trocken waren! Erst nachmittags gab es einen kurzen “Schütter”, zumindest im Gölsental, aber da waren wir schon wieder unter Dach (samt Auto bei der Hagelgefahr). Recht viel los war nicht in der Walster, trotz bevorstehendem Wochenende, die Wuchtelwirtin ebenso geöffnet wie das Gscheidwirtshaus, vielleicht konzentriert sich jetzt alles auf Fußballschauen oder auf die Wasserwelten, heiß genug ist es ja schon wieder!

Am Samstag, 19. Juni, zwei für mich wichtige Termine erledigt! Zuerst nach Berndorf in die Buchhandlung Kral, um dort ein Buch umzutauschen – versehentlich hatte ich den “K.u.k. Sehnsuchtsort Triest” gekauft. Aber eigentlich wollte ich das Buch des ausgezeichneten Autors Gregor Gatscher-Riedl über “Istrien” erwerben, die Verwechslung war aber ohne Probleme behoben (vielleicht weil beide Bücher s0 wundervoll verlockend im Meeresblau daherkommen), und inzwischen bin ich mit den hervorragenden Texten und Bildern schon intensiv beim Nacherleben der eigenen Reisen in den nahen “k.u.k.Süden” – wirklich empfehlenswert. Dazu noch das Buch mit den historischen Bildern von Reisen um 1900 in den (heuer leider vergeblich) lockenden Süden, vom gleichen profunden und sprachgewitzten Autor, und natürlich im Kral-Verlag!

Bereits im unteren Triestingtal angekommen, war es über Gainfarn, Bad Vöslau und Pfaffstätten nicht mehr weit zu einem meiner pannonischen Lieblingsstandorte an der Thermenlinie:

GLASLAUTERRIEGEL – Naturschutzgebiet mit Heferlberg und Fluxberg, im Hochsommerstatus, nachdem vor Jahren schon im “Naturerlebnis NÖ” mit Prof. Karl Oswald bearbeitet und immer wieder besucht (zuletzt bei der Kuhschellen- und Adonisblüte) vor zwei Jahren.

Von der Kantabrischen Winde hatte ich noch kein so gutes Foto. Aber sonst war die üppige pannonische Flora durch die letzten Hitzetage schon etwas beeinträchtigt, überhaupt gefehlt hat mir die Lotwurz. Dafür zweimal ganz stattliche, noch nicht voll aufgeblühte Mückenhändelwurz gesehen (dafür hätte ich lieber auf meine heimatlichen Berge gehen sollen). Als zweite Orchidee bereits neben dem Fahrweg ins Tieftal hinein (fast gegenüber dem abzweigenden Steig auf den Glaslauterriegel) zwei etwas blasse Exemplare der Adriatischen Riemenzunge entdeckt (wäre in Bad Fischau sicher eindrucksvoller). Also kein echter botanischer Exkursionserfolg, aber immerhin wichtig, aktuell in den pannonischen Hochsommer geschnuppert zu haben. Übrigens danach den Eichkogel angepeilt, aber dort war nicht einmal die Möglichkeit, einen Parkplatz zu finden – die stadtnahen Ziele sind wirklich für mich nicht ideal!

Heimfahrt über Heiligenkreuz ins Gölsental, wo jetzt schon die meisten Wiesen abgemäht sind und dringend auf Regen warten. Der Wetterbericht verheißt weder Abkühlung noch Niederschlag, und wenn, dann womöglich als ein Hagelunwetter? Wie schön kühl war es im Waldviertel am 8. Juni, und auch die Weinvierteltour am 14. haben wir wettermäßig gut erwischt. Nun heißt es zuwarten, bis sich die Fahrt wieder lohnt, aber ohne Hitze wohl kaum gelingen wird!

Nach dem extrem kühlen Mai 2021 (mit einer gelungenen Tour auf den Hundsheimer Bergen) geht die Zeit viel zu rasch voran – urplötzlich ( so scheint es ) ist der Sommer gekommen, fast pünktlich zum meteorologischen Termin! Noch immer sind die Weinviertel-Touren (vor allem fürs Fotografieren) nicht erledigt… Aber nun kündigt der Wetterbericht eine erste Hitzewelle an, davor aber ein noch frischer Tag mit Nordwind, das ist unsere Chance – Montag, 14. Juni. Na, das wird wieder eine lange Fahrt werden, wenn wir uns nicht vor Ort einquartieren – schließlich fuhren wir dann 337 km, wieder ein starker Kontrast zwischen Umweltbewusstsein und Naturforschen…

Unversehens auf die Weinviertel-Autobahn

Die neueren Straßenverbindungen sind von unserem Startpunkt (St. Veit an der Gölsen) für das nördliche NÖ auch günstig, über Traismauer und die Schnellstraße Richtung Stockerau. An der Abzweigung nach Hollabrunn vorbei, dann irgendwo nicht dem Hinweis “Ernstbrunn” nachgefahren, und schon landen wir wie bei einer unserer letzten Fahrten auf der neuen Autobahn. Abzweigung bei Mistelbach / Nord und weiter nach Asparn an der Zaya. Hier verlocken die Museen der Urgeschichte, aber so viel Zeit haben wir nicht bei dem dichten Tagesprogramm. Nur “Verproviantierung” ist angesagt, also gleich die lokale Wirtschaft belebt, es war sicher ein Nah und Frisch als fast überall präsenter Nahversorger. Anschließend geht es über Michelstetten (auch schon einmal das Schulmuseum besucht) hinein in die überraschend (im Vergleich zu den erwarteten Ackerflächen des Weinviertels) ausgedehnten Wälder. Bei noch angenehmer Vormittagsfrische, die wir an diesem luftigen Tag ohnehin nicht so dringend gebraucht hätten, am Parkplatz Buschberg gelandet. Schutzhaus noch geschlossen, kaum Wanderkonkurrenz unterwegs, aber die Wege werden gerade frisch ausgemäht – im Weinviertel ein besonders wichtiges Service!

Rund um den Buschberg…

… gibt es einen anscheinend neu angelegten Weg (von Freiwilligen laut einer Gedenktafel). Es blüht teilweise recht üppig, aber ohne bemerkenswerte Arten, wie wir sie am Bockstallberg und am Galgenberg im Vorjahr zur selben Zeit erlebt hatten. Die Fernsicht reicht gerade bis über die nähere Umgebung hinaus, Blickpunkte sind unterhalb das Dorf Niederleis und weiter westlich der Oberleiser Berg mit Warte (historische Infostelle) und Wallfahrtskirche. Hübsch ist vor allem die wenig üppige Sonnseite des Kahlen Gipfels, neben dem Gipfelkreuz steht sogar ein touristischer Liegestuhl (ich lehne so paschahaft darin, dass ich das Bild nicht wiedergeben mag). Vom Kreuz taucht man nordseitig in den wie in ein Dschungel wirkenden Laubwald ein, dann geht es auf der asphaltierten Bergstraße (nur von Radlern befahren, unglaublich dass dort sogar einmal motorisierte Bergrennen veranstaltet wurden – unsere Zeit doch umweltbewusster!) und über Abschneider zurück zum Parkplatz.

Die Blaue Wand – ein ominöser Weinviertler Gipfel

Vor mehr als 20 Jahren hatte ich dieses Naturdenkmal bei einer Führungsfahrt mit dem NÖ Naturschutzbund schon kennengelernt – einen steilen Abhang der Hügelfläche oberhalb des Ortes mit dem Vorkommen der Östlichen Hornmelde, die nur dort und in Goggendorf ihr österreichisches Vorkommen hat. Ich bildete mit ein, an der Nordseite von Oberschoderlee (oberhalb der Kirche). Aber dort war nichts annähernd Passendes zu entdecken, also zurück ins Tal und einen Einheimischen befragt: Kirchenseitig der auch in der ÖK verzeichnete Hausberg, östlich (vom Ort aus rechts) der Kellerberg und jenseits des Tales im Süden die Blaue Wand (lokal wirklich so genannt, nicht Blauer Berg). Die scharfe Hangkante wirkt wirklich fast wie ein Wand, allerdings nur weinviertlerisch… Um dorthin zu kommen, fuhren wir ein Stück die Straße, wo wir hergekommen waren, zurück und bogen in einen Feldfahrweg ein. Kurz nach dem Asphaltende angehalten und mühsam umgedreht bzw. zurückgeschoben, denn dort war nichts. Weiterfahrt auf der Straße zum beschilderten Rastplatz “Siebenbergeblick” mit interessanter geologischer Infostelle. Nun quer über die Felder westwärts zum Bergabbruch, dort neben der Feldfläche und einem Wiesenkarrenweg nur eine undurchdringliche Strauchhecke. Links entlang weiter marschiert, kein Lössabhang in Sicht und schon gar keiner mit der gesuchten Pflanze… vielleicht doch zu wenig weit marschiert?

Der verschmähte Kasperlberg

Jedenfalls ist jetzt Schluss mit der Sucherei, denn inzwischen haben wir schon frühen Nachmittag. Wenn man von unserer Voralpengegend einmal im nördlichen Weinviertel angelangt ist, liegen alle Ziele schon in naher Reichweite, etwa Pulkau oder Retz oder die Kogelsteine in Grafenberg. Trotzdem haben wir den Zeiserlberg bei Ottenthal ausgelassen, und ich hoffe, meine gute Diaaufnahme vom Tatarischen Mehrkohl endlich wieder zu finden. Die Weiterfahrt lockt nämlich schon heimwärts, bis Haugsdorf, dann mit Umleitung an Guntersdorf vorbei, und überraschend schnell ist dann die Abzweigung nach Goggendorf erreicht.

Für mich war der Hausberg dieses zur Gemeinde Sitzendorf an der Schmida gehörenden Dorfes vor Jahren eine wahre Entdeckung gewesen, vor allem durch einen Platz mit ungeheuer viel stattlichem Diptam und den entlang der Kellergasse (sie wird Fuchsenkellergasse genannt) zu findenden Standort der Krascheninnikovia (Europa-Hornmelde). Wir parken beim  letzten Haus der nahe dem Bergfuß Richtung Sitzendorf verlaufenden Seitenstraße (Radroute “Radetzkyweg”). Bei einer Begehung vor jüngerer Zeit, wo den Diptamstandort am Kasperlberg total zugewachsen und verwildert erleben mussten, war mit schon in einem Seitental (angeblich “Reiternweg”) von weitem her eine Lössböschung mit gräulichem Pflanzenbestand aufgefallen. Diese suchten wir nun zu erreichen: Das letzte Anwesen entlang zum nahen Bergfuß, dort hinauf zu einer Terrasse und gleich wieder rechts hinunter zum Talrand. Dort steht ein seltsam figürlicher Stein eines alten Marterls. Daneben ein eiserner Schlüssel und Infotafel für Entdecker, ganz offiziell laut NÖ Landesregierung. Im Internet fand ich später den Standort des Naturdankmals Hornmelde eingetragen, im Gelände dazu ein kleine Naturschutztafel. Jedenfalls mit dem Eiszeitrelikt unaussprechbaren Namens (selbst für mich als Russischmaturant, Kraschennin war tatsächlich ein russischer Botaniker) waren wir hier richtig – anfangs ein paar Büsche, dann eine niedrige Lössböschung ohne diese seltene Pflanze, die aber im weiteren Verlauf des Karrenweges schon hell graugrün vom immer höheren und steileren Abhang des Bergfusses her auffiel. Vielleicht auf 300 m Länge bedeckt dort die Hornmelde in dichtem Bestand den steilen Lössabbruch, in der Karte einglezeichnet, unverkennbar die nahe vorbei ragende Hochspannungsleitung. Also markanter geht es nicht mehr!

Zuletzt noch eine private Sammlerführung

Um uns das Überkraxeln der verwachsenen Böschung beim figürlichen Stein zu ersparen, gingen wir auf dem Fahrweg links am Ende des großen Feldes entlang und kamen zu unserer alten, vom Kasperlberg herabziehenden Route (auch in der letzten Almrausch-Auflage des Gr. Wandererlebnis NÖ enthalten). Bei einer Biegung neben einer Steinsäule von 1685 die beidseitige Markierung des Radweges, nun zurück zum Auto, das im spärlichen Baumschatten bei den ersten Häusern rechts geparkt war. Nicht vor einer Einfahrt, trotzdem erschraken wir etwas, als uns vom Hausgarten her ein Mann ansprach. Es war (jetzt wissen wir´s) Herr Rudolf Aigner, der unermüdliche Sammer alter kurioser und für Liebhaber wertvoller Sachen, die er mit seiner Lebensgefährtin Irma Bichelmaier im Haus Nr. 107 bzw. im adaptierten Stall dieses alten Anwesens zusammengetragen hat, vor allem Puppen und Radiogeräte waren ein Hit dieser Leidenschaft!

Leider habe ich kein Foto, aber solche findet man im schwergewichtigen Heimatbuch von Goggendorf, wo mit Bildern belegt wird, dass es auf den Feldern ringsum sogar die Großtrappe als sonst nur im burgenländischen Seewinkel vorhandene tierische Attraktion gibt. Das erfuhren wir von diesen beiden freundlichen Menschen, wir durften ihre zwei Stockwerke einnehmende Sammlung bewundern und bekamen sogar noch Kaffee und Kuchen vorgesetzt. Ein unerwarteter Höhepunkt dieses doch noch erfolgreichen Tages.

Zum Abschluss erwischten wir bei Ziersdorf (ein kleines Stück in der “falschen” Richtung, nämlich Horn fahrend die abkürzende Straße über Hohenwarth ins Strassertal. Ende gut und alles gut, hat sich am Schluss herausgestellt, und diese Tour war letztlich doch noch erfolgreich.

10. Mai 2021: Während auf den Voralpengipfel entlang des Gölsentals der letzte Schnee schmilzt und sich der St. Veiter Staff bis zum Gipfel hinauf mit dem Laubaustrieb der Rotbuchen begrünt, ist in den Niederungen, vor allem entlang der Donau und entlang der Thermenlinie, schon der Frühsommer eingezogen. Höchste Zeit für eine Exkursion nach Hainburg und in den Nationalpark! Das Ergebnis vorweggenommen – für manche Blütenhöhepunkte war es trotzdem noch ein bisschen zu früh, und der “touristische Zustand” sorgte für Überraschungen, besonders wenn man Maßstäbe für eine so bedeutende Einrichtung wie einen Nationalpark anlegt!

Bis zum Startpunkt in Hundsheim fahren wir schon erschreckende 120 km weit, und das im Montagsverkehr (zum Glück morgens antizyklisch). In Fischamend Abzweigung von der Ostautobahn, bei der Umfahrung von Deutsch-Altenburg rechts abzweigend Richtung Prellenkirchen und bald links nach Hundsheim. Das Dorf mit seinen Siedlungsflächen schmiegt sich an den Fuß des Hundsheimer Berges (neben Hainburger Schlossberg und Braunsberg das Tourenziel “Die hohen Drei”, soweit der neueste oder schon wieder veraltete touristische Standard). Nicht zu verfehlen ist der Ausgangspunkt – einfach dem Wegweiser zum Sportplatz folgen. Wo man bei der Oberen Bergstraße “ansteht”, links weiter zu den gemähten Parkflächen. Gewusst hätte ich´s – gleich am Anfang führt der Anstieg über die fast drohend wirkenden Felsen hinauf. Aber schon länger her und leider bis zum Ende der Wiesenfläche weitergefahren… Dort befinden sich eine Infotafel (wie viele andere schon etwas in die Jahre gekommen) und Wegweiser. Geradeaus ins Gebüsch Richtung Hainburg und davon gleich abzweigend “leichter Weg” (dort sind wir immer vom Hundsheimer Berg über die nördliche Runde nahe dem Pfaffenberg heruntergekommen). Rechts in den Wald hinein geht es zur Großen Klamm, dorthin begeben wir uns nun (hie und da blaue und rote Farbmarken).

Bei uns in den Voralpen würde man einen solchen schlichten Waldgraben kaum bemerkenswert finden. Auf den “Bergerln” zwischen Alpen und Karpaten, wo die Donau endgültig in die ungarisch-slowakischen Ebenen hinausfließt, immerhin ein wenig beeindruckend. Vor allem durch die typische Flora, wie eine Breitblatt-Weißwurz und die auch gerade in unserem Garten blühende Pimpernuss. Auf den ersten Rasenlichtungen gibt es noch die zwei an diesem Tag gesehenen Orchideenarten (Brand- und Helmknabenkraut). Dann verlangt uns der steile und erdige Weg mit ein paar Schritten über Kalkblöcke ein paar Schweißtropfen ab – bei Sommerhitze ist es in diesem Einschnitt aber angenehm schattig. Dann führt der Steig hinauf und hinaus zu den abgeflachten Steppenböden der Gipfelkuppe. Fehlende Blumenbilder können hier ergänzt werden (Trübe oder Trauer-Nachtviole und Faserschirm), daneben überwiegt das Gelb von Sonnenröschen, Wolfsmilcharten, immer wieder Doldiger Milchstern. Auffallend fehlend (klingt ja ziemlich paradox) sind die pannonischen Frühblüher wie Kuhschellen und Adonisröschen, Diptam und damit benachbart den Blutroten Storchschnabel bemerken wir erst in der Strauchzone beim Abstieg.

Weil wir noch in den Auwald wollen, verzichten wir auf den Gipfel und die nördliche Abstiegsrunde nahe dem Pfaffenberg (auch auf die Felsklippen oberhalb von Hainburg – der dort vorkommende Österr. Drachenkopf wird ohnehin noch nicht blühen, ebenso wie die Hainburger Federnelke). Also gehen wir rechts weiter, treffen auf einige recht mangelhaft erhaltene Natur-Infotafeln und auf einen hölzernen Wegweiser. Weil das Weiße Kreuz zu weit abseits liegt, gehen wir über die Steppenböden leicht rechts bergab (laut Wegweiser – Schafsteig oder so ähnlich und das in den Karten verzeichnete Fliegerdenkmal). Trotzdem kommt mir vor, wir müssten weiter rechts, west- oder sogar nordwestlich weiter, um unserem Ausgangspunkt näher zu kommen. Dort “verirren” wir uns sozusagen, um das Abweichen von den Wegen zu rechtfertigen. Der konkav vorgewölbte Berghang verbirgt das untere Gelände, wo man aufpassen muss, nicht in die Felsplatten alter Steinbrüche (Nähe Güntherhöhle) zu kommen. Daher immer an Strauchrändern entlang, ziemlich steil über geröllige Trockenrasen, wobei hier die “Traufflora” (Diptam) schon etwas zu bemerken ist. Irgendwie geht das ganz gut, angenehm ist bei der starken Erwärmung der heftige Südwind, und schließlich landen wir auf einem deutlichen Querweg (vermutlich dem sonst kaum präsenten “Naturlehrpfad”, keine Markierung, Infotafeln fehlend, Wegweiser ohne Übersichtsplan nur wenig sinnvoll). Wir dürfen hier nur nicht die falsche Richtung nehmen – rechts weiter, vorbei am Fundort des berühmten eiszeitlichen Nashorns, dann zuletzt zu den Parkplatzwiesen beim Sportgelände. Gut gegangen, aber nicht recht befriedigend – schon einmal ist es mir dort so ergangen – bei einer langen Tour bis zur Königswarte, wohl zur selben Jahreszeit, in der die frühe Flora vorbei und die frühsommerliche noch nicht aufgeblüht ist.

Die Phönizische Königskerze werden wir an diesem Tag nicht mehr sehen, aber das Helmknabenkraut verweist uns schon auf die Ochideenwiesen im Stopfenreuther Nationalpark. Zuerst aber fahren wir nach Hainburg hinein, ziemlich viel ist hier geschlossen, nicht nur wegen dem Corona-Lockdown, aber in einer Bäckerei auf dem Kirchenplatz bekommen wir immerhin eine ausreichende Mittagsjause. Dann über die Donaubrücke, durch das Dorf Stopfenreuth und bis zum Parkplatz beim ehemaligen Uferhaus, nun der Präsentationsstelle für den Nationalpark. Frisch gestärkt mit “Coffee to go” folgt nun die Runde im Auwald.

Das Stromufer lassen wir diesmal abseits liegen, gehen aber vom Treppelweg bereits bei der ersten Abzweigung rechts weg zur Querung des Roßkopfarms und weiter zu den weiten Auwiesen vor dem Schutzdamm (dieser wird gerade aufgestockt, Bagger wirbeln immerhin weniger Staub auf als die Traktoren auf den ausgedörrten Äckern). Viel blüht noch nicht, aber die beiden Orchideenarten, die jetzt “zeitmäßig dran sind”, stehen in schönster Entwicklung!

Unterhalb vom Damm kommen wir zur nächsten großen Auwiese, die sich weiter westlich befindet, und erreichen bald die zweite Querung des Roßkopfarms – hier hübscher sommerlicher Eindruck, denn unsere bisherigen Bilder waren vom späten Herbst (daher auch dieser Autermin, Au-Termin). An der Schwalbeninsel vorbei verläuft der Rückweg auf dem Uferdamm, auffallend – überhaupt keine Vogelbeobachtungen, ganz im Gegensatz zu unserem heimatlichen Gölsental und dem herbstlichen Termin).

Die Heimfahrt erfolgt wieder “antizyklisch”, ganz schön viele Kilometer kommen zusammen (zwar ohne Elektro, aber mit der neuesten Benzinertechnologie). Hauptsache – die Bildausbeute ist zufriedenstellend, und wir sind wieder gut zuhause gelandet. Hoffentlich gibt es für unsere längeren Touren ins Weinviertel bald eine Urlaubsgelegenheit….!

Eine frühe Blumenexkursion sozusagen zwischen den Zehen des Ötscherriesen am 29. April 2021.

Burser-Steinbrech / Saxifraga burseriana: Voralpen von NÖ, felsige Stellen in der subalpinen Stufe, selten, nur auf Kalk, Vorkommen u. a. Schneeberg (Saugraben), Göller (Turmmauer), Hochkar (befindet sich aber genau genommen am Dürrenstein – Notten, und nicht im JANCHEN genannt – Draxlerloch, dort selbst gesehen, eher untypisch im Felsschutt neben dem Steig zum Scheineck im ersten Wegabschnitt).

Bei näher bekanntem Standort gar nicht so schwierig zu finden, aber eher schwierig zu erreichen! Blütezeit bereits ab März, wenn die Zugänge noch oft verschneit sind. Meine Exkursionsziel in den Vorderen Ötschergräben.

Das Gölsental prangt schon in voller Kirschblüte, in Annaberg liegen noch die (hoffentlich) letzten Schneehaufen herum – angesichts des noch tief verschneiten Ötschers und der Gemeindealpe. Ich bin schon neugierig, wie sich die Tour gestaltet, denn zuerst muss ich den Lassingfall-Steig hinunter zum Stierwaschboden… Aber der bis über die Tausendergrenze hinauf eher schneearme Winter könnte meinem Unternehmen entgegenkommen, denn wenn der Steig von Altschneeresten oder Lawinenkegeln blockiert ist, möchte ich nichts riskieren. Beim Beginn des Lassingfall-Steiges (neben der Wienerbrucker Staumauer) empfängt mich jedenfalls gleich ein riesiger Altschneehaufen, dann aber geht es voll bequem weiter. Der ab 1. Mai erst offiziell geöffnete Naturparkweg gleich einer Promenade, sogar frisch ausgekehrt und vom alten Laub befreit (den Putztrupp mit dem Annaberger Heribert Pfeffer treffe ich kurz danach).

Beim Kraftwerk Wienerbruck (am Stierwaschboden) angekommen, folge ich links dem Steig in die Ötschergräben – noch ist der Fundort (weil auch schon länger her) nicht aufgespürt. Aber gegenüber der Einmündung der Zinkenschlucht muss es soweit sein! An der nächsten Wegbiegung wölbt sich ein Felsriegel vor, und hier sind auch schon die ersten kleinen graugrünen Blattrosetten zu sehen – bereits mit ziemlich fortgeschrittenen Blütenständen. Zur Sicherheit gehe ich noch weiter bis zur nächsten Ecke, wo sich eine Messstelle befindet, und auf diesem Vorsprung befinden sich weitere Exemplare, noch dazu eher in Augenhöhe und etwas durch herabhängende Schneeheide beschattet – hier endlich ein paar Exemplare in Vollblüte!

Diese Schluchtstelle bietet noch dazu eines der schönsten Fotomotive, die in den Ötschergräben gar nicht so üppig zu finden sind, wie man glauben möchte. Jedenfalls bin ich an diesem Tag gerade noch zeitgerecht für die letzten schönen Blüten des Burser-Steinbrech gekommen! Daneben blühen auch noch Aurikel und von den Frühlingsblumen vor allem die Neunblättrige Zahnwurz, sonst ist alles noch ziemlich kahl, Enzian leider noch nicht gesehen, als ohne meinen angepeilten seltenen Steinbrech wird es erst in zwei bis drei Wochen in den Ötschergräben voll blumig werden. Ein Gegenstück zum frühen Burser-Steinbrech ist, auch von den Standortbedingungen und der Blütezeit her, der Kies-Steinbrech / Saxifraga mutata. Erst im Hochsommer orangerot blühend und mit breitblättrigere Rosette, findet man ihn im unteren Wegstück des schattigen Lassingfall-Steiges, auf eher erdigem und steindurchsetzten Boden. Der Burser-Steinbrech klammert sich hingegen in winzige Ritzen der prallen Dolomitfelsen und ist weder im Schutt noch im Rasen angesiedelt.

Zurück beim Kraftwerk, beginnt der Aufstieg neben der Lassingbachschlucht. Der Wasserfall ist nur weiter  oben an einigen wenigen Stellen gut sichtbar, wenn man von Wienerbruck kommt, muss man vom Aussichtsplatz (der Stelle der einstigen Pavillons) noch ein Stück bis vor den obersten Felstunnel absteigen, um einen guten Fotoplatz zu erwischen. Die beste Ansicht des urtümlichen Lassingfalls findet man ohnehin nur mehr in Bildern, z. B. den Wandgemälden im Pfarrhof Josefsberg (um 1830 entstanden). Einmal konnte ich den “vollen” Lassingfall noch fotografieren, nämlich bei der Staumauerrenovierung um 1970 (jedenfalls noch vor 1976, da waren die Arbeiten abgeschlossen). In jedem meiner (unserer Ötscherführer – mit Werner Tippelt) ist diese Ansicht zu finden.

Oberhalb der Fallbrücke ist der Schluchtgrund fast wasserlos, gerade der Kienbachfall ist noch halbwegs ansehlich, dann gibt es fast nur bemoosten Blockwerk und einzelne Wasserstellen. Aus einem am Rand gelegenen und nur bei Hochwasser durchflossenen Tümpel drangen laute Geräusche herauf zum “Promenadensteig” – wie in den Bildern per Tele geschossen zu sehen. Sogar auf der Asphaltstraße vor der Ötscherbasis hatte sich ein Weibchen, mit dem Herrn Partner auf dem Rücken, niedergelassen und musste an den Stauseerand gerettet werden. Die letzten Schneerosen deuteten auf den Schluss dieser wohl letzten Wintertour der heurigen Saison hin, und in Türnitz empfingen mich schon wieder Tulpenrabatten und Löwenzahnwiesen.

Der Weyrerteich, etwas weiter westlich von Ottenschlag und nahe dem Viadukt der ehem. Bahnstrecke gelegen, liegt im Forstgebiet des Stiftes Göttweig. Er wird wie der Himmelteich intensiv zum Fischen genützt, und an den Ufern reihen sich nicht nur die Anglerstände, sondern ein touristisches Zentrum mit Fischerhütte und Campingstellen gehört hier auch zur Erschließung. Von der Schützenmühle her auf der Forststraße ohne Verbotstafeln herangekommen, stellen wir unser Auto zur Sicherheit doch vor dem geöffneten Schranken ab. Der Teichabfluss wirkt wie ein Wasserfall und speist den Oberlauf der Großen Krems.

Während am Himmelteich aus der Karte keine Wege rundherum zu entnehmen sind, gibt es beim Weyrerteich einige Forststraßen. Wir beginnen unsere Wanderung beim westlichen Dammende und marschieren anfangs die Forststraße oberhalb der dicht aneinander gereihten Anglerstände entlang. Hier tummeln sich sogar Sonnenanbeter zum “Frostgrillen”! Bald wechseln wir jedoch steil absteigend und mit Geländern gesichert zum schmalen Steig direkt am westlichen Ufer, der uns zur Ruhezone weiterführt (Fischfang nicht erlaubt). Wie bei der vorigen Wanderung finden wir hier einige kleine Stege vor, über die wir die Verlandungszone dieser südwestlichen Bucht queren können.

Im Schatten ist es noch recht frostig, daher unterscheiden sich auch die Bilder – sonnenhell und vereist, wie auf den letzten beiden Aufnahmen (gemischt von Anni und mir). Im gegenüberliegenden Hochwald treffen wir einzelnen Fußspuren nachgehend auf eine querende Forststraße. Hier links weiter, doch bald verlockt uns ein alter Karrenweg wieder in Richtung Teichufer. Der Bewuchs ist nicht so sehr von Sumpfstellen geprägt wie am Himmelteich, vielmehr erstrecken sich zwischen den hohen Fichten ausgedehnte Heidelbeerbestände. Sogar “Winterschwammerl” gibt es, und diese auf Totholz wachsenden Boviste stäuben sogar dichte Sporenwolken aus, als sie bewegt werden. Auch auf der Wasserfläche gibt es interessante Aspekte, zerspaltene Spiegeleistrümmer und eine eigenartige Schneeeisfläche.

Die südöstliche Bucht (Himmelteichbucht genannt) wird über Röhricht hinweg gequert, und dann könnte man weiter oben eine Forststraße benützen. Viel netter ist jedoch der Fischersteig direkt am Ufer mit vielen lauschigen Plätzchen. Nach dem Fischerzentrum geht es dann auf der Forststraße zurück zum Ausgangspunkt.

Die Fahrt ins Waldviertel hat sich jedenfalls, obwohl nicht so winterlich wie erwartet, wirklich ausgezahlt, einmal eine völlig andere Landschaft als in den sonst bevorzugen Voralpen. Wobei die Teiche ganz eigene, sonst selten erlebte Stimmungen vermitteln. Die Heimfahrt bringt auch noch fast überraschende Eindrücke – über Ottenschlag zur südöstlichen Hochfläche mit ihren sanften Hügeln, wo die beiden Kremstälern ganz verborgen eingeschnitten sind. Nach Elsenreith – schon in der geologischen “Bunten Serie” mit den ausgezeichneten Mineralfundstellen in einzelnen Steinbrüchen – öffnet sich dann wie ein Abgrund nach dem ebenflächigen Relief die Talfahrt in den hintersten Spitzergraben mit mehreren Kehren. Vor Mühlbach Superblick auf das Schloss Ranna, dann im Wechsel von Felsen und Weinterrassen hinaus nach Spitz. Überall starker Betrieb, obwohl die Einkehrmöglichkeiten alle geschlossen sind, aber das Prachtwetter lockt eben unwiderstehlich zum Wandern und Spazieren. Also als Draufgabe noch die Wachau, zwar ganz winterlich kahl, aber trotzdem prachtvoll, und sogar eine Kuhschellentour hätte sich noch ergeben können – wir haben jedoch schon genug erlebt und fahren schnurstracks heimwärts…

Ein paar Zentimeter Neuschnee und strenger Frost nach der schnell durchgezogenen Kaltfront – das verspricht tolle Bedingungen auch im Waldviertel. Unser Ziel am Sonntag, 7. März war eigentlich Bärnkopf und die (uns schon vom Sommer bekannten) Waldteiche. Zügige Anfahrt über A 1 – Melk – Weitenegg – Pöggstall nach Martinsberg, dort (wie bei der Weinviertelfahrt in Falkenstein) eine unangenehme Situation, denn unser Bezintank ist schon fast auf Reserve und keine Tankstelle in Sicht (überhaupt am Sonntag heikel). Nach Auskunft Weiterfahrt nach Ottenschlag, aber nun nicht mehr hinauf in den hohen Weinsberger Wald – es gibt hier weniger Schnee als in den Voralpen und von Raureif oder “Eisanraum” keine Idee. Sondern umdisponiert zu den beiden großen Teichen nahe dem Ort. Etwas verwirrende Zufahrt über Neuhof, dann aber Wegweiser zum

HIMMELTEICH:

Parken bereits bei der Infostelle vor dem Teichdamm (kurz davor zweigt rechts die Verbindung zum Weyrerteich ab). Uns genügt natürlich nicht, ein paar Fotos von hier aus zu machen, Gemessen an der doch langen Zufahrt soll auch entsprechend marschiert werden. Gelegenheit dazu gibt es auf zahlreichen Wanderrouten rund um Ottenschlag, die tut gut-Wege habe ich sogar selbst einmal besichtigt. In der ebenflächigen “Monotonen Zone” (auch aus geologischer Sicht) ist man hier aber besser mit dem Rad unterwegs. Zu Fuß und wegen des etwas unwegsamen und unmarkierten Geländes ist eine “Teichumrundung” eine bessere Wahl!

Am linken (östlichen) Ufer führen schon vom “Karpfen-Denkmal” an Wegspuren zu den dicht aufeinander folgenden Fischerstandorten (der Betrieb wird von der Marktgemeinde Ottenschlag organisiert). Nicht weit vom Wasser entfernt ist der Grund sehr feucht und mit Sumpfgräsern bewachsen, aber der Frost erleichtert mit wenigen Schneeresten die Begehung. Man darf halt nur nicht in ein Wasserloch treten, wobei die meisten zugefroren sind. Im Neuschnee zeichnen sich sogar die Fußspuren eines “Vorgängers” immer wieder wie eine Markierung ab, und auch die Hasen und andere Wildtiere halten sich an die sichersten Passagen. Übrigens muss es hier im Sommer allerhand Botanisches zu bewundern geben, wie vielfach die Blattranken von Moosbeeren erkennen lassen. Besonders kurios wirken die sich gerade auflösenden Bestände der hohen Rohrkolben. So gelangen wir allmählich an das entfernte Ende des Teiches, zwischen Röhrichtflächen und Waldrand immer wieder wechselnd.

Unverkennbar sind die Spuren von Bibern, die niederliegende Äst schälen oder sogar höhere Bäume zu Fall bringen. Wo der Teich in die Verlandungszone übergeht, ergibt sich überraschend eine erleichterte Querung der Sumpfflächen, und so gelangen wir an das westliche Ufer. Hier reicht der Wald meist bis ganz ans Ufer, dazwischen bilden sich kleine Buchten, und überall bieten sich Wegspuren an. Die Wasserfläche ist im zeitweiligen Waldschatten nicht nur leicht zugefroren, sondern auf dem älteren Eis liegt ein ganzes Schneefeld. Das Betreten wäre wohl zu dieser Zeit nicht ratsam, aber bei längerem Frost soll sogar das “Eisfischen” (durch ins Eis geschlagene Löcher) möglich sein!

Gemütlich in der Sonne zu sitzen, obwohl es nicht mehr so frostig wie am Morgen ist, dazu lassen wir uns nicht Zeit, denn wir wollen ja auch noch zum Weyrerteich kommen. Also weiter das hübsche Ufer entlang, immer wieder mit Fotomotiven, wobei sich der spiegelnde Teich von dünnen frischem Eis bedeckt zeigt und sogar den “goldenen” typischen Waldviertler Gewässerfarbton durchschimmern lässt. Die Waldkulisse samt der strahlenden Sonne spiegelt sich dann immer wieder reizvoll in den eisfreien Wasserstellen.

Zuletzt geht es an Sträuchern und gefallenen Bäumen mit Biberspuren vorbei – abgenagte Holzsplitter liegen wie Hobelscharten herum! Wieder am Teichdamm angekommen nehmen wir noch die weitere Route zum Weyrerteich in Anschein, weil die Abzweigung nahe unserem Ausgangspunkt nicht gerade einladend ausschaut (wäre dort aber richtig gewesen). Die Fischerei ist hier zwischen April und Oktober intensiv in Betrieb, sogar eine Anlage zum Entschuppen gibt es neben dem Damm am Teichabfluss. Wir machen uns nun aber – nicht an den Weiterweg, sondern an die Weiterfahrt zum nächsten Ziel und folgen einfach vom jenseitigen Dammende immer den Fahrwegen, die keine Verbotstafeln aufweisen. Sie sind gut befahrbar und weisen sogar Spuren im noch dazu wenig tiefen Schnee auf. Auf der Karte konnte ich anfangs noch den Verlauf nachvollziehen, aber immer wieder kommt es zu solchen Situationen, wo man nicht mehr weiß, wo man sich nun eigentlich befindet. Wenn es nur weitergeht, und das tut es auch, einen entgegenkommenden Pickup treffen wir zum Glück erst am Waldrand… Aber…. vom Weyrerteich keine Spur, denn wir landen in einer freien Acker- und Wiesenlandschaft, weiter vorne ein Dörfchen, das nur Haselbach sein kann. Mit dieser Erkenntnis ist uns aber schon eindeutig geholfen, denn dort verläuft die Straße für die Weiterfahrt. Erst beim Dorf Spielberg, wo sich auch ein Moor mit altem Torfstich befindet (für den Sommer vorgemerkt), wechseln wir auf die Richtung Ottenschlag abzweigende Straße. Quer durch Wald und Flur geht es bergab in den obersten Tallauf der Großen Krems, die aus dem angepeilten Teich kommt, vorbei an einem alten Gebäude, der Schützenmühle (hier wohnt ein Teichaufseher). Die Abzweigung zu Weyrerteich ist nicht beschildert, aber der Karte nach nicht zu verfehlen, außerdem eine gut befahrbare Sandstraße durch den Hochwald und zuletzt leicht ansteigend zum Weyrerteich – dessen Umrundung ist nun die zweite Geschichte dieses erlebnisreichen Sonntags und folgt noch!

Im Spätwinter bzw. Vorfrühling (je nach Wetterlage zu empfinden) ist immer etwas schwierig einzuschätzen, wie weit die Blütezeit der Frühblüher auf den Bergen schon eingesetzt hat, wenn zur selben Zeit der Garten in allen Farben von krokusviolett, winterlinggelb und schneeglöckchenweiß prangt. Heuer war aber durchaus ein Gleichklang festzustellen, wie die Wanderung zur Hahnwiese am 22. Februar gezeigt hat. Denn auch in den Nationalpark-Donau-Auen ist jetzt die Hauptblüte der Schneeglöckchen laut einem ORF-Bericht. Gleichzeitig beginnen die Haseln zu “stauben”, gut für die Bienen und schlecht für die Allergiker… Außerdem wiegen sich im Garten schon die Blütenglocken der Märzenbecher (Frühlings-Knotenblumen). Also ab zur geliebten und vor schon mehr als 50 Jahren von der Perschenegger Seite !!! zufällig !!! entdeckten WIESENWIENERWALD-MÄRZENBECHERWIESE.

Letzter meteorologischer Wintertag – 28.Februar 2021

Wir wandern diesmal von der Güterweg-Kreuzung beim vulgo Mondl (ÖK Mollenhof) los, hinüber zum vulgo Hochedler (Familie Knoll), dabei den tief eingeschnittenen Waldtobel durchquerend, der uns immer an das Waldviertel erinnert. Über die noch kahle, aber recht feuchte Wiese gleich abkürzender Anstieg zum Göllersreiter-Sattel (bei den Gemeinde-Straßentafeln heißt der benachbarte Hof statt Göllersreiter / ÖK nun “Götzenreiter”, kann schon in einer alten Urkunde so gestanden sein, aber obwohl von der Gemeinde verfasst = nicht ortsüblich).

Panorama vom Göllersreiter-Sattel über das Perschenegger Tal hinaus ins Alpenvorland und bis zum Waldviertel. Der rote Punkt ist Ann, bereits im Abstieg zur “Märzenbecherwiese”. Diese schaut bei der Annäherung von der Höhe her gar nicht gut aus – oberhalb der tiefsten Mulde der Waldlichtung quert ein neuerer Forstweg, und der Sumpfboden unten wirkt fast wie umgeackert. Wenn man schon einmal gesehen hat, wie der Bauer den Sumpf zu drainagieren versucht hat, steigen einem schon die “Grausbirn” auf. Aber der seinerzeitige vergebliche Versuch – der Bagger oder Traktor versank im feuchten Grund – war wohl lehrreich. Die Traktorspuren rühren vom jüngsten Baumfällen am Waldrand her, zum Glück!

Die erste Fotoreihe von mir, die zweite von Anni. Der eigentliche Wiesengrund ist noch ganz kahl, aber dafür blüht es beiderseits am Waldrand und entlang der Wasserrinnen umso dichter. Sogar zwei kleine Primeln sind zu entdecken. Für den Rückweg wählen wir den Wiesenrücken oberhalb vom Göllersreiter – ein besonders lohnender Aussichtsplatz über die Voralpen jenseits der Gölsen vom weiter östlich gelegenen Hocheck bis ins Pielachtal, dazu neben dem markanten Hohenstein der Ötscher (mit Licht-Schatten-Grenze am Rauhen Kamm). Der Schneeberg ist hingegen im hellen Dunst (oder vielleicht auch Saharastaub wie an den letzten Tagen) kaum zu entdecken.

Blütenmäßig ist im Hausgarten noch immer mehr los als in der freien Natur, egal ob Wienerwald oder niedrige Voralpen, die höheren Gipfel sind ohnehin noch verschneit. Aber fast verwunderlich ist die schon anscheinend recht üppige pannonische Flora, wie mit Kuhschellen aus der Wachau oder Frühlingadonis von der Perchtoldsdorfer Heide im Facebook berichtet. Das ist der Vorteil dieses Mediums, dass man “alle” zugleich miterleben kann, ohne schon wieder viele Kilometer abzuspulen. Die Zeit dafür kommt noch, aber erst vom April und Mai an, wenn es sich wirklich auszahlt, ins Weinviertel oder zu den Hainburge Bergen zu fahren!

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