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Der Grund für diese Fahrt ins Waldviertel (ziemlich der letzten im heurigen Jahr) war eigentlich schon der Umbruch für das neue Buch: “Wandererlebnis Waldviertel grenzenlos mit Südböhmen & Südmähren”. Erscheinungstermin 1. Oktober wird kaum halten, ebenso nicht der veranschlagte Umfang von 228 Seiten (es werden um ca. 8o Seiten mehr, obwohl die Wachau weggefallen ist). Jedenfalls schaut das weitgehendst erneuerte Buch wirklich prächtig aus! Sonja Franzke (vielseitig.co.at) meinte sogar – das Waldviertel ist nun völlig “verbaumgartnert”; so wie wir uns schon “verwaldviertelt” vorkommen! Silvia Wahrstätter (buchgestaltung.at) hat für die einfühlsame  Bildbearbeitung gesorgt, und ein weiterer Höhepunkt sind die Spezialkarten der ÖK50 von Lisa Veverka (kamchatka.cc). Mein bester Dank für die gute Zusammenarbeit!

Aber – hoffentlich nicht zum Entsetzen des Kral-Verlag Produktionsteams – so lange nicht die Druckerei am Werk ist, fällt mir immer noch etwas zum Verbessern ein! Von Anni gibt es jetzt schon absolutes Waldviertelverbot! Trotzdem wollte ich auf eine Abschlussfahrt dorthin nicht verzichten, und diese stand am Samstag, 24. September, am Programm.

Erster Halt in Münichreith, bemerkenswerte Kirche und vor allem auch wichtig die Wirtshausbrauerei Haselböck! Seelisch und physisch kann man sich hier stärken, wenn man auf meinem Waldviertler Pilgerweg von Unserfrau bei Weitra schon dem Ziel Maria Taferl nahe gerückt ist. Auch die nette Tour durch die viel zu wenig bekannte Steinbachklamm von Marbach aus liegt ganz nahe.

Eigentlich ging es um die Rundtour über den Ostrong zwischen Laimbach und Münichreith, und den Ostrong bekamen wir (leider bei nicht optimaler Beleuchtung) bei Ulrichschlag ins Bild. Welches nun den Blick von der Schneidermauer auf Laimbach (eine Diascan, den ich nicht ordentlich zusammengebracht habe) ersetzten wird, ist den “vielseitig-Damen” überlassen. Es ist halt wirklich viel leichter auf einen spärlichen Bildervorrat zurückgreifen zu müssen, als auf eine Fülle von Motiven, wie es mir vor allem beim später noch folgenden Tannermoor ergeht…

Das Motiv würde ideal passen, aber leider habe ich dieses Bild nicht digital zur Verfügung...

Oder doch das folgende Bild von Anni? Das ideale sommerliche Ostrongmotiv ist ja beim Höfeweg über dem Yspertal schon verbraucht…

Für die Weiterfahrt zu den eigentlichen Zielen (Luagaluckaweg in Altmelon und Tannermoor) war es sehr vorteilhaft, dass wir die kürzesten “Schleichwege” schon kennen. In diesem Fall gelangten wir von Laimbach über Ulrichschlag nach Gutenbrunn und frischten danach unsere Erinnerungen an die schöne Tour des heurigen Sommers bei Bärnkopf auf (neu in der Ausgabe 2016). Über dieses Gipfeldorf hinweg zum Marchstein und gleich zum nächsten Waldvierteler Gipfel (mehr Streusiedlung als Dorf) – Kleinperthenschlag. Diese Ansiedlung südlich von Altmelon ist nicht nur geografisch ein “besiedelter” Gipfel, sondern auch ein Höhepunkt hinsichtlich der Steinformationen!

AB Typisches "Steinhaus" an der Straße in Kleinperthenschlag - mit der dort wohnenden Frau konnten wir ein nettes Gespräch führen, auch über die Gartenarbeit und die besonderen Herausforderungen dabei im Waldviertel auf 9oo m Seehöhe!

Gegenüber ragt oberhalb der Straße ein “Wackelstein”, der noch dazu in die “gärtnerische Gestaltung” der Blockflur einbezogen ist!

Kurz davor befindet sich ein altes, aber vorzüglich renoviertes Haus, dessen Anordnung mit Wohnbau und Wirtschaftsgebäude fast an einen typischen Waldviertler Dreiseithof im Miniformat erinnert. Normalerweise sind solche “Holzknechthäuser” – auch als Kleinhäusler bezeichnet – in Streckform angeordnet (vom Wohnteil über den Stall bis zum Stadel unter einem Dach).

Dazu die Bilder von Anni:

Interessantes Detail – schön weiß gekalkter Kamin bzw. Rauchfang am Wohnhaus und der Giebel des Wirtschaftsgebäudes, einst wohl Stall und Stadel, nun teilweise Garage; und bis an die Hauswände heran ragen die Granitblöcke aus dem Boden! Unter dem Verputz des Wohnhauses versteckt sich wahrscheinlich ein Blockbau, denn bei den “fest” gebauten Häusern sieht man sehr dekorativ die weiß ausgefugten Granitblöcke.

Anschließend führt uns der nächste “Schleichweg” Richtung “Luaga-Lucka”, dem wohl attraktivsten Blockgebilde des Waldviertels, wenn auch nicht so bekannt wie etwa die Gmünder Blockheide. Vom Gipfeldorf Kleinperthenschlag Richtung Schönbach bergab bis Großperthenschlag, wo ein asphaltierter Güterweg links abzweigend zum Schmerlinghof führt. Dort steht schon oberhalb die Hauskapelle mit ihrem schönsten Panormablick vom Luaga-Lucka Weg, und kurz danach folgt der Gaubitzhof mit dem Einstieg in die “Luaga-Lucka”. Über diese und eine von mir zuletzt ausgeklügelte Wegvariante von Altmelon her im nächsten Beitrag!

Bei den von mir beschriebenen und abmarschierten Wanderungen füge ich – speziell im Waldviertel und anderen eher flachen Gegenden – gern den Hinweis dazu: Auch für Radfahrer empfehlenswert! In einer der vorigen Auflagen meines Waldviertelführers war sogar das Motto HIKE & BIKE ein lokaler Schwerpunkt (etwas zwischen Raabs und Eibenstein oder für etliche Streckenwanderungen, wo keine Rückfahrmöglichkeit mit Bus oder Bahn besteht). Noch im August, angenehm daher bei den hochsommerlichen Tagen, wollten wir den Praxistest dazu unternehmen.

Neben dem nördlichen Waldviertel und dem angrenzenden Trebonsko (Chlum), wo wir Radtouren wohl erst nächstes Jahr machen werden, verlockten mich vor allem die eher sanften Routen bei Schweiggers, nordwestlich von Zwettl. So starteten wir am 18. August von diesem schönen Marktort nahe der Thayaquelle.

Florianistatue und gotische Pfarrkirche am Hauptplatz von Schweiggers

Schon bei der ersten Fahrstrecke zeigte sich, dass in Schweiggers bezüglich Wanderwegen sich allerhand geändert hat. Das heißt – die Wege sind zwar gleich geblieben, aber ihre Bezeichnungen und vor allem auch die Nummern verändert. Nicht gerade hilfreich für die Benützung über einen längeren Zeitraum, als ob man bei uns in den Voralpen alle Markierungsfarben verändern wollte (ist durch die Umstellung auf rot-weiß-rot und Wegnummern sowie durch die neuen gelben Richtungstafeln aber ohnehin schon passiert).

Der sogenannte Grasungweg existiert zwar (Wanderrouten vielfach auf asphaltierten Güterwegen), aber nicht auf den Wegweisern! Also müssen wir uns an Hand der ausführlichen Infotafeln orientieren – auch kein Problem, über Schwarzenbach geht es weiter, die Thayaquelle lassen wir aus. Aber danach folgt eine kitzliche Stelle, wo wir uns noch dazu durch das Schwammerlsuchen ablenken lassen (wie heuer schon mehrmals sonst seltene Brätlinge gefunden). An einer Waldrandecke, wo der Feldfahrweg geradeaus ins Gehölz hineinführt, fehlt der wirklich wichtige Markierungspfeil! Wenn man dann auf der Karte den Punkt, an dem man sich gerade befindet, nicht mehr sicher orten kann, da werden weniger geübte Wanderer wohl starke Probleme bekommen!

Wir kommen dann nach Überquerung taufrischer Wiesen und Waldränder doch wieder an die richtige Stelle Richtung Siebenlinden. Aber nicht direkt auf dieses Ziel zu, sondern uns verlockt die asphaltierte Seitenstraße über den kleinen Weiler Vierlings (im Bild – neu gebaute große Bauernhöfe, Landhäuser und sogar eine Kapelle neben einem ebenfalls neu angelegten Teich, also zwar weltfern, aber nicht weltfremd…). Noch dazu haben wir hier einen sanfteren Anstieg zum Holmberg, und vom Wasserscheidenstein (im Bild) an ist Schluss mit den Steigungen.

Weil die Abfahrt so zügig vonstatten geht, sausen wir gleich an den Abzweigungen zum Jahrtausendlebensturm und zur Moatakapelle vorbei – ich kann Anni erst wieder auf der Anhöhe neben Siebenlinden “einfangen”. Hier hat man einen fantastischen Blick über die Landschaft gegen Süden zum “Hohen Waldviertel”, gekennzeichnet durch den Ruinenturm von Arbesbach. Die schöne Herbstaufnahme von den malerischen Streifenfluren kann ich jetzt durch ein aktuelles Bild ersetzen:

Siebenlinden ist ein etwas magischer Ort – ein ausgedehntes, fast unübersichtliches Dorf mit einer beachtlichen Kirche und dem noch auffallender großen Pfarrhof daneben (gerade in Renovierung). Zuerst zum Gedenkstein und Gehöft unterhalb des Kirchhügels – hier wirkte als Lehrer der geschätzte Waldviertler Dichter Wilhelm Szabo. Die Kirche selbst, vielmehr die davor wachsenden riesigen Bäume, geben dem Ort seinen Namen. Die “Siebenlinden” sollen der Sage nach an sieben lasterhafte Tempelritter erinnern, deren Burgkapelle schließlich zur Pfarrkirche wurde. Das kleine Salettel oberhalb (bei den Feuerwehrfesten als Bar beliebt) ist ein stimmungsvoller Platz, wo man sich in die Vergangenheit versetzen kann.

Vorher sind wir noch den Seitenweg zum Meridianstein gefahren, neben der Europäischen Hauptwasserscheide ein markanter geografischer Punkt in Schweiggers / Siebenlinden. Weil die Mittagszeit schon näher rückt und wir neben der Labung in Schweiggers noch ein zweites Ziel für den Nachmittag haben, lassen wir uns von den neuen Wanderrouten danach nicht mehr ablenken – auf der wenig befahrenen Asphaltstraße geht´s  hurtig zurück nach Schweiggers. Diesmal kommen wir nicht bei der “Nymphe Thaya” (Skulptur eines ortsansässigen Künstlers) vorbei, sondern direkt zum Hauptplatz mit der gerade noch offenen Bäckerei. Übrigens gibt es in Schweiggers, wie es sich anscheinend für einen stattlichen ländlichen Marktort gehört, etliche Gasthäuser und gegenüber vom Bäcker auch ein Café. Ich schaue dort gerade noch hinein, um mich nach der Besonderheit dieses Lokals zu erkundigen – die freundliche Besitzerin hat nämlich Bilder der Künstlerin Sieglinde Layr gesammelt, selbst die Kopien im Kaffeehaus sind wunderschön stimmig für die Landschaft des Waldviertels (nächstesmal werden werden wir nicht vorher zum Bäcker gehen, obwohl dort die Auswahl vorzüglich war, sondern gleich den Kunstgenuss im Café vornehmen, jedenfalls danke für das Entgegenkommen bei der Nachfrage ohne Konsumation).

Schon bei meiner Erkundungs- und Fototour durchs Waldviertel am 3. August bin ich zuletzt noch zum Schloss Waldreichs gekommen. Den Teichkettenweg von diesem durch die Greifvogel-Sation bekannten Ausgangspunkt zum Schloss Ottenstein wollen wir noch mit dem Rad ausprobieren. Das Ergebnis gleich vorweg – diese Route ist zu Fuß sicher empfehlenswerter! Denn wegen der vielen Beobachtungs- und Fotohalts steigt man ununterbrochen vom Rad auf und ab, und die Naturfahrwege sind zwar recht gut, aber beim Strampeln muss man halt doch mehr aufpassen als die Ausblicke und Eindrücke zu genießen. Trotzdem ist die Ausbeute an Bildern recht ergiebig geworden, zumal das Nachmittagslicht sehr stimmungsvoll wirkt.

Meergrabenteich

Steckenteich (Bilder von Anni und mir gemischt)

Im Vergleich mit meiner Routenbeschreibung habe ich nur ein Problem – wie üblich sind die Pfeilmarkierungen nur in einer Richtung angebracht, und diese verläuft vom Schloss Ottenstein nach Waldreichs! Erst im späteren Verlauf ist die Markierung dann reichhaltiger und einfacher nachzuvollziehen. Wir kommen aber trotzdem gut weiter und haben beim Stronesteich und Plattenteich noch schöne Motive, bevor wir auf der Alleestraße wieder zum Schloss Waldreichs zurückfahren.

Wenn man in einen (womöglich) fremden Ort kommt, ist es auch immer wieder interessant oder sogar aufschlussreich, den Friedhof zu besuchen. Ich denke etwa an Zlabings / Slavonice in Südmähren (an der Strecke nach Telc) oder an das gemischtsprachige Gebiet in Kärnten, also überall wo verschiedene Volksgruppen aufeinander treffen und nach oft lebenslangem Zwist dann im Friedhof unweigerlich nebeneinder zu liegen kommen…

Teilweise erhalten - Kirche und Friedhof in Buchers

Noch eindringlicher wird ein solcher Friedhofsbesuch im Grenzland von Tschechien, wo viele Siedlungen entlang dem Eisernen Vorhang nach dem 2. Weltkrieg großteils abgekommen oder sogar völlig verschwunden sind. Ein typisches Beispiel dafür ist Buchers, das wir schon mehrfach und zuletzt beim Kirtag am 11. September besuchen konnten. Ich möchte den für mich besonders eindringlichen Bildern nur ein paar Gedanken hinzufügen…

Am Kirtag ist der von uralten Bäumen umgebene Friedhof selbstverständlich ungleich mehr als sonst besucht und gepflegt, soweit es in der eigentlich verfallenen Anlage möglich ist. Wieviele Besucher aus Interesse kommen oder ob sie ihre alten Familiengräber aufsuchen, lässt sich schwer abschätzen. Denn die zum Zeitpunkt der Vertreibung Geborenen, sind heute auch schon in den Siebzigern, von den damals Erwachsenen werden nur mehr wenige am Leben sein (ich wiederhole das folgende Bild, weil es so eindringlich dazu passt).

Die meisten noch erhaltenen Grabsteine oder Kreuze mit Inschriften stammen von Sterbedaten im späten 19. Jahrhundert, so im Bild das Grab eines Priesters mit dem von seiner Schwester gestifteten Stein.

Um dieses Grab dürfte sich noch jemand kümmern, denn obwohl das Kreuz nur aus Holz besteht, ist ein aktuelles Gedenkbild hinzugefügt – Hilda Altmann * 1934 und + 2015. Und wer wird noch der Kinder gedenken, die in diesem frisch hergerichteten Grab liegen? Koppenberger Friedrich * 1937 und + 1942, Hermine * 1939 und + 1940…

Viele Gräber in dem gar nicht so kleinen, von einer (nur) teilweise gut erhaltenen Mauer umgebenen Areal sind bereits völlig im Boden versunken oder nur mehr als mit Gras bewachsene Hügel erkennbar. Von manchen ist der Granitsockel  übrig geblieben, das meist gusseiserne Kreuz oft nur mehr in Resten erhalten, die aber ihre ursprüngliche Form noch gut erkennen lassen. Stein und Eisen überdauern eben Zeiten länger als ein Jahrhundert…

Das aus der Erde lebendig gewachsene Holz kehrt wie die vergehenden Reste der einst Lebenden wieder in den Erdboden zurück, und bald wird von diesem Kreuz nur mehr der Korpus übrig bleiben.

Wie das alte, vor 70 Jahren ausgelöschte Buchers leben die hier Begrabenen nur im Gedenken ihrer Nachfahren weiter, wenn sie auch in alle Richtungen verstreut wurden und manche nur zum Kirtag vielleicht hierher kommen – bald nicht einmal mehr die Kinder, und ob die Enkel und Urenkel sich an die alte Heimat ihrer Familien erinnern ?

Sonntag, 11. September: Wieder ein wunderschöner Morgen in Gratzen! Wir haben vor, die Route für die Heimfahrt über Buchers zu nehmen und uns dort wieder ein wenig “umzuschauen”. Beim Besuch von Annis Freundin Dorli haben wir allerdings gehört, dass um diese Zeit der Bucherser Kirtag angesetzt ist. Nicht ein gewöhnlicher Kirtag, sondern zugleich das Treffen der vor gerade 70 Jahren vertriebenen deutsch sprechenden Bewohner des Ortes, der seither fast völlig verödet ist.

Das Rathaus als Symbol der (irgendwie) aufblühenden Stadt Nove Hrady / Gratzen und der granitene Stadtbrunnen unter den acht Linden auf dem historischen "Ringplatz".

Ein Besuch des  Grenzlandes auf der tschechischen Seite, das jetzt wegen der rückentwickelten Natur als “Grünes Band” bezeichnet wird, gleicht fast einer Expedition in die Vergangenheit. Man wandert durch Waldeinsamkeiten, wo bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts noch Dörfer und Siedlungen bestanden, die zu einem Großteil von sogenannten Sudetendeutschen bewohnt wurden. Der Begriff ist allerdings völlig falsch und wurde wohl aus politischen Gründen verallgemeinert, denn in Südböhmen und Südmähren handelt es sich um “Altösterreich”, wie es bis zu den Friedensregulierungen nach dem 1. Weltkrieg bestanden hat. Noch eine Klärung zum Ortsnamen Buchers, auch tschechisch Pohore na sumava – wir befinden uns hier in den Gratzener Bergen / Novohradske hory, die geographisch mit dem benachbaren Waldbergland im Wald- und Mühlviertel als “Freiwald” zusammengefasst werden. Der Weinsberger Wald (wie man auf örtlichen Infotafeln lesen kann) befinden sich weiter im Osten, der Böhmerwald / Sumava jedoch noch entfernter im Westen jenseits der von Linz nach Prag führenden Senkung und am Dreiländereck Österreich / Deutschland / Tschechien.

Unsere Fahrt geht wieder über die Wallfahrtskirche Brünnl / Dobra Voda und den historischen Kur- und heutigen Wochend-Ausflugsort Heilbrunn / Hojna Voda nach Cerne Udoli / Schwarztal, diesmal aber nicht ins verlockende Zofin, sondern weiter ins Grenzeck zwischen Tschechien bzw. Ober- und Niederösterreich hinein nach Pohorska Ves / Theresiendorf. In dieser Ansiedlung, die wahrscheinlich gerade noch außerhalb der Sperrzone am Eisernen Vorhang gelegen war, ist der Rückstand gegenüber den entwickelteren Gebieten am Gebirgsrand überaus spürbar. Die nächste Siedlung ist Leopoldov / Leopoldsdorf, die Siedlungsnamen erinnern an die Erschließungszeit vor 300 bis 400 Jahren unter den Buquoit, den Gratzener Grundherren. Danach verschließt sich das Tal zu einem von dichten Wäldern umgebenen Graben. Wo es aus den Engstellen hinaus geht ins flachere und waldfreie Gelände vor Buchers, sehen wir links den hübschen Teich, wo wir vor einigen Jahren sogar gebadet haben – wie viele Autos uns unterwegs begegnet sind, können wir an einer Hand abzählen!

Zwischen brachen und gemähten Wiesen den Hügel hinauf zum von uralten Baumreihen umschlossenen Dorf Buchers – plötzlich befinden wir uns einem fast schockierenden Trubel! Überall parken (vom österreichischen Stadelberg zugefahrene) Autos, Standeln und ein Festzelt sind aufgestellt, Menschen strömen zusammen, viele in “Dirndlg´wand”, aber ganz unterschiedlich wie die Altersgruppen.

Kirchgang in Buchers 2016, die alte Frau am Arm der Dirndlträgerin wird wohl das alte Buchers noch erlebt haben...

Wir kommen gerade zurecht, denn in einer Viertelstunde beginnt die Kirtagsmesse, schon marschiert die Musikkapelle heran, die später im Festzelt aufspielen wird (aus Leopoldstein), und die Bankreihen in der “Kirche unter freiem Himmel” füllen sich zusehends.

Die Messe wird von einem Diakon sehr einfühlsam gestaltet, Besinnung ohne Bitterkeit und mit aktuellen Bezügen, vorher die Ansprache vom Obmann des Bucherser Vereins aus Stadelberg. Insgesamt eine ganz eigenartige Stimmung, vor allem wenn um die Hintergründe dieser Veranstaltung weiß, und die ich mit den folgenden Bildern einzufangen versucht habe…

Ein Lichtblick in Ruinenmauern?

Was sich nicht alles in Buchers verändert hat! Wo 2011 noch rohe Ziegelmauern waren, ist jetzt alles sauber verputzt, und ein altes Bild hingegen zeigt den vom Dach schon entblößten Kirchenraum und darin aufwuchernde Jungbäume. Dazu ein Hinweis auf eine Quelle (die sonstigen Erinnerungen sind in der Bucherser Kapelle bei der Grenze in Stadelberg gesammelt), die ich im Internet entdeckt habe:

Google: www.novohradsky.info > myslivna > Pohori na Sumave > dort ein pdf über eine tschechische Proseminararbeit von Tomas Pokorny

Die Arbeit von 2008/2009 “Vysidlena obec” (anscheinend eine Serie über die wissenschaftliche Aufarbeitung des Grenzraumes am ehem. Eisernen Vorhang?) enthält nicht nur interessante Bilder (Luftaufnahme von Buchers um 1940 u.a.), sondern vor allem auch drei Karten der wesentlichen Landesaufnahme zur Zeit der Österr.-Ungar. Monarchie (Josephinische Kriegskarte 1764/68, Katasterkarte von 1836 – 1852, Alte Landesaufnahme 1 : 75 000 von 1877 / 1880). Zwar konnte ich mich mit Hilfe des Google-Übersetzers nur halbwegs durch den Text hanteln, aber eine kurze Zusammenfassung über die Geschichte Buchers gibt es auch in meinem “Wandererlebnis Waldviertel mit Wachau & Südböhmen” von 2012, die durch die demnächst erscheinende Neuauflage im Kral-Verlag erhalten bleiben wird.

Zurück zum Bucherser Kirtag! Ich habe den Schmied, der hier seine sehenswerten Waren anpreist, und Anni die Kleiderln fotografiert. Bevor ich die Bilder vom “neuesten Buchers” zeige, noch ein Hinweis – über den Friedhofsgang bringe ich einen eigenen Beitrag.

Das Kriegerdenkmal von 1919 mit der Aufschrift "Nie wieder Krieg" vor der Volksschule, die bei Pokorny 1991 in einem Foto noch zu sehen ist, später aber abgerissen wurde.

An der Stelle eines 1991 abgebildeten ruinösen Hauses (Pfarrhof ?) steht nun ein pompöses Landhaus mit anschließendem Park.

Übrigens – kurz vor dem Bucherser Kirtag fand die Hubertusmesse der Tschechischen Forstverwaltung statt, wie dieses Plakat zeigt.

Während immer noch eine Autokolonne über die Staubstraße von der Grenze herab zum völlig zugeparkten Kirtag strömt, verlassen wir Buchers und lassen diesen “Tripp in die Zeitgeschichte” hinter uns… Es waren interessante Tage, sportlich und touristisch sehr ergiebig, dazu der angenehme Aufenthalt in Gratzen, den wir möglichst im Frühjahr wiederholen werden. Das Waldviertel empfängt uns abschließend mit Sonne am Frauenwiesteich bei Langschlag, mit letzter Schwammerlausbeute rund um die “Goaß” und einer opulenten Pizza mit netter Gastlichkeit in Groß Gerungs.

Präsentation eines Projekts der Polytechnischen Schule Griesbach am Frauenwiesteich

Samstag, 10. September: Wettermäßig verspricht das Wochenende noch schöner (und wärmer) zu werden als die letzten Tage! Für Samstag ist der Besuch von Dorli Major, Annis Freundin aus Gmünd, angesagt (sie verbringen den Vormittag in Brünnl). Mein Programm sollte eigentlich der Myslivna sein! Aber weil wir so energiegeladen diesen Gipfel bereits am Vortag “mitgenommen” haben, ergibt sich für mich die Gelegenheit, wieder den “Kuhberg” bei Heilbrunn mit dem berühmten “Napoleonkopf” aufzusuchen. Bei unserer letzten Begehung 2011 war das Wetter nämlich grauenhaft mit Nebel und Nieseln, obwohl sich eigentlich recht eindrucksvolle Bilder ergaben (enthalten in der Auflage 2012 meines “Wandererlebnis Waldviertel mit Wachau & Südböhmen”, Kral-Verlag).

Also fahre ich über Strobnitz und durch die schöne tunnelartige Baumallee wieder hinauf nach Heilbrunn / Hojna Voda, diesmal aber bis zum Ortsende bei der Kapelle unter den zwei Linden. Hier rechts an den Infotafeln (auch in Deutsch) vorbei zum Parkplatz am Waldrand.

Der erste Markierungspfeil an der weiterführenden Forststraße zeigt zwar Richtung Kuni hora / Roßberg (Gehrichtung für den einfachen Aufstieg zum Kühberg), aber hier zweigt exakt rechts die grüne Markierung für den direkten Gipfelweg ab. Im Fichtenforst, wo riesige und vereinzelt Sarkophagen ähnliche Granitblöcke herumliegen, ist die Wegspur nur schwer auszumachen. Das habe ich gar nicht so heikel in Erinnerung, muss daher mehrfach die grünen Wegzeichen nachsuchen (und nicht mit den weißen Doppelstrichen der Forstmarkierungen verwechseln).

Wo der Kühberg richtig steil wird und sich zwischen die Granitblöcke einige Windbrüche mischen, ist der Steig dann erstaunlicherweise besser erhalten. Felsen um Felsen, Block um Block geht es höher bis – inmitten des Hochwalds eine unglaublich geformte Steinsäule aufragt – der “Napoleonkopf”. Für den Fotografen eine Herausforderung, bis man draufkommt, dass die im Auflicht kaum zu bändigenden Gesteinsstrukturen nur im Gegenlicht wirkungsvoll eingefangen werden können. Nur so zeigt sich das Profil des Korsen unverwechselbar!

Es fehlt nur ein Wanderer neben der Figur zum Größenvergleich – aber aufteilen als Komparse und Fotograf, das gelingt mir halt beim besten Willen nicht… Anschließend kraxelt man entlang der grünen Markierung noch über ein etwas abschüssiges Granitriff und steht dann auf dem höchsten Block, der den völlig unpassenden Namen Kühberg trägt. Höher ist nur der Stahlturm dahinter, einst eine Senderanlage und gesperrt, nun über eine Wendeltreppe als Aussichtswarte zu erklimmen. Weil ich schon oben war, habe ich – im Rückblick leider! – auf diese einzigartigen Gipfelbilder verzichtet und muss mich nun mit den schlichten Waldszenen des Abstiegs begnügen…

Schon geht es auf die Mittagszeit zu, und durch die einzigartig (für eine Landstraße) zugeschnittene Baumallee fahre ich hinunter nach Udoli zum Eingang des Naturparks Theresiental. Dieser geht auf die gräfliche Familie der Buquoit zurück, die jeweils dem Zeitgeist entsprechend dieses an sich nicht hervorstechende Tal in einen Landschaftspark mit allen möglichen Bauwerken verwandelt haben. Mächtige Baumgestalten konkurrieren mit verspielten weißen Bänken, Spazierwege begleiten den Bach, leider ist die Zufahrt für die zwei Gaststätten für Autos nicht gesperrt. Passender wären Kutschen oder Sänften oder zumindest Damen und Herren hoch zu Ross!

Geformte Natur...

Das “Laznicky” war bei unserem letzten Besuch 2011 erst in Renovierung, nun wird gerade für eine Hochzeit oder eine andere Feierlichkeit angerichtet, höchst kapitalistisch auf jeden Fall, und zum Glück hat dieses Tal die 1989 abgeschlossene Aera gut überdauert. Höhepunkt für alle Besucher ist der “Vodopad” – der vom Talbach weiter oben abgeleitete Zufluss des Wasserfalls verläuft wie ein südtiroler Waal am Hang bis zum Felsabsturz, ein nebenbei angelegtes Becken diente sogar als gräfliches Schwimmbassin! Nun ein Blick auf die “Wasserspiele!

Abschließend wäre noch zu bemerken – das Essen im Restaurant “Hamr” (einem einstigen Hammerwerk) ist wirklich “ein Hammer”, mit diesem Lokal können selbst bei uns zuhause so manche Gasthäuser nicht konkurrieren! Bei angeregter Unterhaltung vergeht der Nachmittag wie im Flug, danke für die nette Gesellschaft, und wir werden einen solchen Besuch möglichst bald wiederholen…

So klingt der Tag aus, und unser Urlaub in Gratzen ist schon fast zu Ende (vorher probieren wir aber noch das Wellness im Rezidenc-Hotel aus, sehr einladend für einen Aufenthalt im nächsten Frühjahr).

Freitag, 9. September: Einer klaren Nacht mit Abkühlung folgt (wieder) ein spätsommerlicher Tag, und dieser soll für eine ausgedehnte Tour genützt werden!

Morgenstimmung am "Ringplatz" / Namesti republiky in Gratzen und Wallfahrtskirche Brünnl von der Straßenauffahrt nach Stropnize

Nach ausgiebigem Frühstücksbuffet im Hotel Rezidence verladen wir die Räder und fahren hinauf in die Berge. Unser Ziel ist das Hotel-Restaurant Zofin, Abzweigung dorthin in Schwarztal / Cerne Udoli, voll hinein in die einsamsten Wälder, nur wenige Kilometer von der österreichischen Staatsgrenze bei Joachimsthal und Schwarzau entfernt. Auf 720 m Seehöhe in einer Hochtalmulde gelegen, entstand 1854 das nach der damaligen Herrschaftsinhaberin von Gratzen benannte Sophienschloss. Davon erhalten sind leider nur mehr (oder immerhin zum Glück) die im Restaurant und auf Infotafeln erhaltenen Bilder der im “Schweizerstil” aus Holz erbauten Anlage. Unglaublich die Jahreszahl 1980, denn erst damals wurden die wertvollen historischen Gebäude von der Grenzwache abgerissen!

Historisches Sophienschloß und Hotel-Restaurant Zofin ("Schoffin")

Trotz der relativ langen Anfahrt auf den Waldstraßen sind wir schon vor 10 Uhr startbereit und haben nun den ganzen langen Tag zur Verfügung! Räder abladen, und schon geht es auf der asphaltierten Forststraße los (Fahrverbot für Autos und Motorräder, nirgendswo ein Schranken oder weitere Verbotstafeln, Radfahren erlaubt – E-Bikes? haben wir nirgends gesehen…). Vom kleinen Teich unterhalb des Hotels wendet sich die Straße hinein in das obere Tal des Schwarzbaches und beginnt bald gehörig anzusteigen. Mit E-Bikes wären wir ideal bedient gewesen, so bleibt es beim Motto “Wer sein Rad liebt, der schiebt” bevor uns die Luft ausgeht…

AB Hutsky Teich

Das erwartete Landschaftsbild erfüllt alle Fotowünsche! Hier treffen wir ein deutsches Paar, das mit riesigen Rucksäcken unterwegs ist. Unser Gepäck ist ganz bescheiden – nicht einmal eine Radpumpe oder Pickzeug haben wir mit! Das kann man wohl Überoptimismus nennen – passiert ist uns wirklich bei allen letzten Radtouren trotz “überwutzelter” Reifen noch (!) nichts…

Zur Auswahl stehen jetzt zwei Varianten – die asphaltierte führt an der Nordseite um den Teich und das anschließende, von Sumpfwiesen geprägte, aber sonst wie eine Alm wirkende Tal zum “Waldsattel”, wie ich in Ermangelung eines Begriffes aus der Karte den Übergang vom Schwarzbachtal ins “Silbertal” nenne. Wir nehmen aber den Asphalt nur kurz rechts (wo auch eine Radroute weiterverläuft), dann folgt jedoch links talein abbiegend  bald eine schottrige Forststraße mit einigen Schiebestrecken – sogar bergab, wenn es zu steil und geröllig ist, zur Sicherheit!

Das Jagdhaus vor dem “Waldsattel” und die Pseudoalm (unbewirtschaftete Sumpfwiesen, im Frühsommer sicher nicht uninteressant).

Zum Teich hinauf haben wir schon 100 Höhenmeter bewältigt, bis zum “Waldsattel” kommen wir auf 835 m Seehöhe. Dort empfängt uns ein sicher historisches Wegkreuz, zwar ohne Jahreszahl, aber dafür mit auffallender Inschrift und rostigen Eisenstücken auf dem Sockel. Man darf nicht vergessen, dass in diesen menschenleeren Waldgebieten bereits im 18. Jahrhundert Siedlungen entstanden sind, vorzüglich für Glashütten oder als Holzknechtdörfer durch die Gratzener Herrschaft Buquoit angelegt. So bestand beim Hutsky rybnik (= Teich) das Dorf Tercina hut / Theresienhütte, der Teich wurde 1784 zur Holzschwemme angelegt, im 18. Jh. bestand eine Glashütte. Jenseits des “Waldsattels” gab es von 1794 bis 1881 die Glashütte Skelna hut oder nach dem Gründer “Bonaventura” benannt, noch 1930 mit 56 “deutschen” (eigentlich altösterreichischen) Bewohnern in 10 Häusern.

Für uns heißt es jetzt entscheiden – gleich weiter auf der Runde nach Zofin oder seitwärts auf den Gipfel Myslivna ? Aber da genug Zeit ist und wir trotz Schiebestrecke Energie eingespart haben, entscheiden wir uns für den Seitenweg zum Gipfel. Dorthin setzt sich nämlich die am “Waldsattel” erreichte asphaltierte Forststraße in südlicher Richtung fort. Also aufsteigen, kräftig in die Pedale treten, absteigen, schieben, wieder in den Sattel… So bewältigen wir wohl die Hälfte der (ja bescheidenen) 200 m Höhenunterschied, und es wäre auch noch ganz gut weitergegangen, wie wir nach dem Abstellen der Räder marschierend bemerken. Aber immerhin ergibt sich so eine Abwechslung, und außerdem hätten wir kaum beim Radeln die Eierschwammerl entdeckt, die am Waldrand mehrfach auf uns gewartet haben!

Der Routenverlauf ist ganz einfach – immer auf Asphalt und bei jeder Kreuzung auf der bergauf führenden Straße weiter. Bei der vierten Kreuzung sind wir schon am Gipfelplateau angelangt, und den teils überaus mächtigen Hochwäldern folgen nun freie Flächen – verwachsene Holzschläge und Jungforste, alles nach der Sturmkatastrophe des Orkans Kyrill von 2007 entstanden.

Durch eine Mulde kommen wir zum Hochwald am südlichen Bergrand, dort macht die Straße eine scharfe Rechtsbiegung, und eine Tafel signalisiert das Natura-2000-Gebiet der (oder des) Myslivna. Das eigentliche Schutzgebiet befindet sich aber an der Nordwestseite des Gipfels, hier an der von uns begangenen Ostseite regeneriert sich die Pflanzenwelt erst wieder nach der Naturkatastrophe des Kyrill-Orkans. Auffallend sind riesenhafte Rotbuchen mit völlig zerzausten Kronen, die offensichtlich den Orkan überstanden haben.

Auf der höchsten Gipfelkuppe endet der Asphalt vor einer Jagdhütte, deren Geschichte man im Internet nachlesen kann: Zur Zeit des Eisernen Vorhangs war hier eine Beobachtungsstation zur elektronischen Überwachung, später gab es Pläne für eine Sternwarte, geblieben ist der Stützpunkt der Staatsforste, wie ein abgestellter Dienstwagen beweist. Obwohl der Myslivna (ich bleibe jetzt beim “der” für Berg) nach dem Kamenec bei Pohori na sumava (Steinberg bei Buchers) der zweithöchste der drei Tausender der Novohradske Hory in Tschechien ist (dritter ist der Vysoka), genießt er keine Bekanntheit. Nicht einmal im Standardführer von Helmfried Knoll (meinem sehr geschätzten alpinliterarischen Vorgänger in den Steirisch-niederösterreichischen Alpen) “Wandern im Grenzland” NÖ Pressehaus 1991 ist er erwähnt. Dafür habe ich aus einer Diplomarbeit über Buchers, die ich beim Beitrag über den “Bucherser Kirtag” am 11. September anführen werde, den altösterreichischen (deutschsprachigen) Namen entnommen – “Fahrenberg”, also ein Berg mit vielen Föhren analog zu den niederösterreichischen Voralpen (aus Katasteraufnahme des 19. Jahrhunderts).

Der "wild dreinschauende" Gipfelblock des Myslivna und Ausblick gegen das Mühlviertel hinter den Grenzbergen des Freiwaldes.

Das soll alles gewesen sein auf dem Myslivna? Beim Umrunden der Gipfellichtung kommen wir aber zu dem vom Jagdhaus gerade noch zu entdeckenden Blockgipfel. Erst von diesem herabkletternd,  entdecken wir das einfache “Rundherum”, hinauf krieche ich durch eine Blocklücke und Anni schlängelt sich um den “Granitbauch” auf einer schmalen Leiste herum. Eigenartig sind die Waldverhältnisse auf dem Gipfel – der Kiryll muss hier einen Haken geschlagen haben, denn inmitten halbhoher Fichten steht eine stattliche Rotbuche! Begegnet haben wir übrigens außer dem Forstbeamten aus dem abgestellten Auto und zwei Mountainbikern (wir weisen ihnen die Route hinunter nach Buchers) keinen einzigen Menschen…

Ein selten noch blühender und noch dazu weißer Fingerhut, und das Kreuz am "Waldsattel"

Die Einteilung hat im Abstieg bestens gepasst, anfangs ersparten wir uns das Bremsen, und im unteren Teil waren wir froh, wieder die Räder besteigen zu können. Beim “Waldsattel” angelangt, hätten wir die Weiterfahrt leicht gehabt, aber wir wählen die Radroute 1193, und die zweigt kurz danach rechts talwärts auf einen Schotterweg ab. Im letzten Teil müssen wir sogar absteigen, aber inzwischen ist schon der zur Lainsitz führende Talboden in Sicht gekommen. Noch dazu verläuft die Forststraße durch eine phänomenale Baumallee!

In diesem Talwinkel, wo die aus der Richtung von Buchers her kommende Lainsitz / Luznice bei Joachimsthal östlich abbiegt, befand sich einst ein nicht unbedeutender Bergbauort – Silberberg / Stribrne Hute, Name von Silberbergbau, von 1782 bis 1881 eine Glashütte, Fundstücke liegen bei der Infotafel talaufwärts neben der Lainsitz auf). Für uns ist dieser Punkt etwas heikel, denn erstens sind wir wieder auf der Seehöhe von Zofin angelangt (720 m) und müssen über den Achthunderter hinaus dorthin noch einen Sattel überqueren. Außerdem birgt der Straßenzustand doch ein Überraschungsmoment.

Wer sich hier nicht auskennt, muss bei dieser Abzweigung gehörig aufpassen! Aber wir wissen schon, bevor wir zur ersten Infotafel (vom Joachimsthaler Grenzübergang über die Lainsitz kommend kurz westwärts) kommen, müssen wir die linke Forststraße nehmen. Eine danach irreführende rechte Abzweigung erübrigt sich, den die “Hauptstraße” ist eindeutig – aber sie führt auch kompromisslos bergauf! Also wieder schieben! Wenn es jenseits des Sattels nicht besser wird, kommen wir wohl kaum vor der Dämmerung nach Zofin… Unser doppeltes Glück besteht darin, dass eine ganz schöne Menge Eierschwammerl von der Anstrengung ablenkt und oben am Sattel die vom “Waldsattel” kommende (unbezeichnete) Forststraße erreicht wird. Im Bild sieht man schon Anni mit dem Schwammerlsackerl… (heute, am 16. September, die letzten verspeist). Für den Abstecher zum historischen Grenzstein von  1754 beim Stein IV/16 der Staatsgrenze bleibt mir leider zu wenig Zeit.

Auf der Asphaltbahn geht es jetzt zum Glück ganz zügig dahin, meist bergab und ohne Aufenthalt, bis eine hohe Holzplanke auf langer Strecke das Urwaldreservat Zofinsky prales / Sophienurwald anzeigt. Das Schutzgebiet auf ca. 100 Hektar wurde bereits 1838 (!) von den Gratzener Grafen eingerichtet, ebensobeim kleineren Urwald nordöstlich des Vysoka, wie am Lahnsattel durch die Hoyos vom Abholzen ausgenommen, damit zu den ältesten Naturschutzgebieten Europas gehörend. Der Eindruck im Vorbeifahren ist zwar nicht überwältigend, aber an einer Stelle, wo nur die kahlen Steher abgestorbener Fichtenriesen an das Waldsterben erinnern, sogar erschreckend!

Abgesehen von einer ausgesprungenen Radkette beim zu schnellen Schalten verläuft die Talfahrt zur besten Zufriedenheit – um 16 Uhr halten wir vor dem Restaurant Zofin. Noch vor dem Verladen der Räder lassen wir uns auf der Terrasse nieder und stärken uns mit einem kräftigen Großen Braunen (so stark, dass der Löffen drin steckenbleibt, wie wir immer sagen) und  Pfanntalken” (= Palatschinken) mit Heidelbeeren samt ausreichendem Flüssigkeitsnachschub… Nach der sechsstündigen Tour, für die wir zu Fuß wohl viel länger gebraucht hätten, genießt man die gemütliche Autofahrt zurück nach Gratzen, vorbei an der Wallfahrtskirche Dobra Voda mit Auftanken beim Brünnl. Dass tagsüber Wolken aufgezogen sind, hat außerdem die schon ausbrechende Hitze verhindert.

Ich überspringe jetzt alle Tourentage von Gastein bis zur Adria, denn wegen Fertigstellung des neuen Führers “Wandererlebnis Waldviertel GRENZENLOS Südböhmen und Südmähren” war ich einfach zu ausgelastet (aber Berichte folgen, Bilder schon in meinem facebook Wandertipp bernhard baumgartner).

Ringplatz in Nove Hrady / Gratzen

Noch bei der Auflage 2012 von “Wandererlebnis Waldviertel mit Wachau & Südböhmen” schrieb ich: “Achtung – die beiden folgenden Touren (= Myslivna und Tercina Hut) müssen als “Abenteuerwanderungen” gelten, da die Routen vom Autor nur in Teilstrecken begangen werden konnten!”

Gipfelfelsen auf dem / der Vysoka - "Hochstein" - ähnlich den "Vogelsteinen" bei Pretroruck und Altmelon im Waldviertel, nur viel größer und unendlich einsamer!

Daher hatte ich schon das ganze letzte Jahr im Sinn, dieses Manko durch einen Urlaub in Gratzen (ich bleibe bei der altösterreichischen Schreibweise) zu beheben. Endlich jetzt (im eigentlichsten Sinn = am Ende der Arbeit für die Neuauflage oder besser Neufassung) war es so weit – ein Mail an das Rezidence-Hotel in Gratzen, zum Glück noch ein Zimmer frei für die nächsten drei Tage, sofort gebucht (Näheres zum Hotel werde ich noch berichten).

Rast- oder Präsentationsplatz der "Via Verde" in Hojna Voda / Heilbrunn

Donnerstag, 8. September: Anfahrt über Zwettl – Weitra nach Harbach, zwischen Bad und Ortschaft auf schon gut bekannter Strecke über die Grenze (dort ein bemerkenswertes völkerverbindendes lokales Denkmal) nach Seiby / Scheiben und auf der schmalen, aber immerhin asphaltierten Waldstraße hinauf nach Brünnl / Dobra Voda. Erste Aktion – die Wasserflaschen beim “Kirchenquell” gefüllt und von den 1200 in Zwettl eingewechselten CS-Kronen beim Kiosk ein Glas Honig gekauft, um tschechisches Kleingeld zu bekommen (obwohl meist Euro willkommen sind, sind Kronen etwa für Parkautomaten unverzichtbar; Kurs 1 € = 25 Kn, im Hotel sogar 27 Kn).

Rückblick vom Wanderweg zur / zum Vysoka auf den historischen Kurort und nunmehrigem Ausflugsziel Heilbrunn

Nächster Akt – es ist gerade Mittagszeit – die in Zwettl gekaufte Jause, dann kann es losgehen. Und nun wird es raffiniert, dank der eigenen genauen Ortskenntnis! Wo wir vom Gipfel herunterkommen werden, verläuft rings um den Berg eine asphaltierte Forststraße, daher dort unsere Räder abstellen…

Dann vom Parkplatz mit der Glocke hinein in die Wälder, die eigentlich so ausschauen sollten wie in unserem Waldviertel, aber doch viel mächtiger erscheinen – nicht so forstlich ausgebeutet, wahrscheinlich auch durch den Jahrzehnte langen Schutz am “Eisernen Vorhang”. Als “Grünes Band” zieht ja diese einstige Sperrzone, seit 1989 als historische Schutzzone (so auch von den Kommunisten gesehen – Schutz vor den westlichen Kapitalisten) quer  durch Europa, von der Ostsee bis zur Adria (wenn auch im ehemaligen Jugoslawien nicht so ausgeprägt).

Hat sich seit unseren Begehungen von 2011 etwas geändert? Wir kommen bald darauf – im unteren Bergbereich entlang der Forststraßen sind die Markierungszeichen “verdünnt”, daher das Zurechtfinden erschwert. Trotzdem kommen wir gut über die erste Straßenstrecke, und wo der eigentliche Wanderweg beginnt, befinden sich auch reichlich Markierungen. Nur nicht zu verwechseln: Weiße Doppelstriche (=) sind die Forstmarkierungen, die Wanderzeichen sind diagonal halbierte Rechtecke mit der jeweilen Farbe im unteren Dreieck (zumindest ziemlich regelmäßig).

Steiganlage auf den alten Promenadenwegen des Kurortes aus dem 19. Jahrhundert

Überall in den Wäldern um Heilbrunn findet man noch die Spuren des einstigen, von einem Arzt mit Hilfe der Grafen Buquoit eingeführten Kurbetriebes. Dazu gehörte neben dem Heilwasser auch die Bewegungstherapie im Gelände, wofür vielfach Wege ausgebaut wurden. Unser Steig ist ein dürftiger Rest davon, wohl einst ein Reitweg (wie der Kaisersteig auf Rax und Schneealpe bei uns), aber von der Natur schon wieder sehr zurückerobert…

Windbruchgelände an der Nordseite der / des Vysoka

Wie überall hier sind die Berge eher ebenmäßig geformt, und die in Gruppen oder Gratlinien angeordneten Blockformationen stehen wie von Riesenhand ausgestreut inmitten der Wälder. Unschwer erkennt man daran ihre Entstehung als “Restlinge”, indem harte Graniteinschlüsse  der Verwitterung standgehalten haben und der umschließende weniger dichte Gesteinsgrus abgetragen wurde.

Das Gelände wirkt durchaus urwaldartig, obwohl es sich hier nicht um ein solches Schutzgebiet handelt, "Stockschwammerl" nisten auf modrigem Holz, Moos und Farne überziehen die Steinblöcke.

Schließlich wendet sich der Steig steil hinauf, an geschichteten Blockmauern vorbei (daher eher Gneis als Granit mit Feldspataugen wie im Weinsberger Wald – so bezeichnet auf Infotafeln, nicht Böhmerwald, der sich weiter im Westen ausbreitet).

Der Gipfel selbst zeigt sich als eingemuldetes Plateau, dicht bewaldet und ohne Ausblick. Am höchsten Punkt ragt allerdings aus dem flachen Waldboden eine Art “Vogelstein” auf (wie wir ihn aus dem Waldviertel in Pretrobruck oder Altmelon kennen, nur massiger und von unendlicher Einsamkeit umgeben….).

Anni auf dem Vogelkopf!

Nach der Gipfelrast folgen wir dem gut markierten Weg entlang von weiteren gratartigen Felstürmen und gelangen schließlich wieder auf einen zweifellos in fernerer Vergangenheit angelegten Promenadenweg.

Überall stehen die bis zu zwei Meter hohen Stängel des Roten Fingerhuts herum, schon mit reifen Samenkapseln und nur mehr vereinzelten Blüten. Große Blattrosetten bereiten sich schon auf die nächstjährige Blütezeit vor, und dazwischen – ein paar Eierschwammerl!

Aus dem winzigen Fichtensprössling soll einst, vielleicht in erst in einem Jahrhundert, ein mächtiger Baumriese entstehen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, denn die tschechischen Staatswälder werden offensichtlich behutsam bewirtschaftet (zumindest haben wir hier diesen Eindruck). Erst weiter unten gehen die alten Promenaden in Forststraßen über. Bei Punkt “Lukov” (eine alte Schutzhütte bezeichnet die Stelle eines einstigen Walddorfes) besteigen wir dann unsere Räder und rollen flugs auf der Asphaltstraße hinaus nach Heilbrunn zum Ausgangspunkt, damit fast eine Stunde Fußmarsch angenehm abgekürzt!

Wallfahrtskirche Brünnl / Dobra Voda, ein prächtiger Barockbau, jüngst renoviert, daneben ein Kloster eines Schwesternordens

Kurzer Aufenthalt noch bei der Wallfahrtskirche mit ihrem schönen Ausblick ins flachere, von Teichen geprägte Gratzener Land. Dann aus den Wäldern hinaus ins freie Gelände, durch den Ort Strobnitz / Horni Stropnice mit seiner interessanten Kirche hindurch, weiter durch tunnelartig ausgeschnittene Lindenalleen ins Tal von Udoli unterhalb von Gratzen.

Auf dem malerischen “Ringplatz” mit seinem Steinbrunnen unter acht Linden sehen wir das Rathaus, und gegenüber befindet sich im renovierten Stadtpalais der Grafen Buquoit das **** Wellness Hotel REZIDENCE als “erstes Haus am Platz”. Kurz gefasster Kommentar – überaus interessante architektonische Lösung, blitzsauber, Personal freundlich und fürsorglich, ohne das übertriebene Getue österreichischer Hotels dieser Kategorie, etwas einfach in der Einrichtung, aber alles zweckdienlich, unglaublich niedriges Preisniveau, das Essen eher “gutbürgerlich” und nichts für ausgepichte Feinschmecker, aber alles in Ordnung, die ganze Atmosphäre eigenartig nostalgisch und anheimelnde – also voll zufrieden und unseren Erwartungen entsprechend.

Am dritten Tag unseres Gastein-Urlaubes (24. August) hatte sich das Wetter vollends zum besten bewendet – klarer Himmel, noch frisches Lüftchen, voll sonnig den ganzen Tag… Also stand nun unsere Standardwanderung im Gasteinertal am Programm (nach vier Jahren Unterbrechung wirkt jede Unternehmung wie neu…).

Ausblick vom Wetterkreuz bei der Biberalm am ersten Urlaubswandertag 2012

Wetterkreuz bei der Biberalm

Vom Bahnhof Bad Hofgastein über Breitenberg Auffahrt bis nach dem Gehöft Brandeben auf 1152 m, dann Forststraße mit Gebühr (automatische Kassa und Schranken) bis zur Biberalm auf 1735 m. Die schönste Tour von dort aus führte zum Wetterkreuz an der Hohen Scharte und über den Sattel zwischen Scheiblingkogel und Schwarzwand hinunter zur Schmaranzeralm, eine ideale Runde.

Aber diesmal empfing uns beim Parkplatz neben dem Brandebenhof eine Tafel mit der Neuigkeit – keine Auffahrt zur Biberalm, höchstens mit MTB. Na, darauf konnten wir verzichten! Nicht aber auf den Versuch, die Tour noch von diesem niedrigen Ausgangspunkt zu unternehmen. Aber der Vormittag war schon zu weit fortgeschritten, und wir verfingen uns in den Wäldern um die Wasserebenhütte beim Schwammerlsuchen…

Malerwinkel im Kötschachtal mit Himmelwand und Tischlerkar

Am Nachmittag (den Schwammerlgenuss schon hinter uns) packte uns doch noch ein spärlicher Unternehmungsgeist. Wir wollten hinein ins Kötschachtal, weil uns dort von der Schloßalm aus eine eigenartig helle große Fläche aufgefallen war. Außerdem ist das Kötschachtal im Nachmittagslicht ohnehin fast unübertrefflich!

Statt Nachmittagskaffee also Fahrt über Badgastein auf der einen weiten Umweg beschreibenden Seitenstraße zum “Grünen Baum”. Zu unserer nächsten Überraschung wirkte dieses kleine romantische Hoteldorf wie ausgestorben! Das finanzielle Schicksal hat dem früher lebhaften und sogar etwas mondän wirkenden Treiben ein Ende bereitet, zwar nicht unser Geschmack gewesen, aber dennoch schade…

Wie berühmt dieses wirklich einzigartig Platzerl war, erkennt man am Begriff “Malerwinkel” und dem Trenker-Kreuz. Diese Arbeit eines Grödener Schnitzers (aus den 1980er Jahren) sowie die Bindung an den alpinistischen Methusalem des vorigen Jahrhunderts, alles zusammen weist auch auf die nostalgische Vergänglichkeit solcher Örtlichkeiten hin… Was “ewig” besteht, sind nur die Gipfel im Talhintergrund mit Tischlerspitze und Tischlerkarkopf! Und sogar darin täuscht der Anschein!

Schon am Kötschachbach neben dem Seitenweg zum Trenker-Kreuz bemerkt, auf dem flachen Talboden vor der Jausenstation Himmelwand wird es augenscheinlich: Lebendige Geologie – so könnte man es fast bezeichnen: Am 30. Juli (wie uns zwei Männer der Wildbachverbauung sagten) hat ein katastrophales Unwetter diesen Bergwinkel heimgesucht. Eine Blitzlichtaufnahme der abtragenden Kräfte sozusagen. Die Gipfel werden zwar kaum niedriger geworden sein, aber die Unmengen herabgeschwemmten Schuttmassen von einer kurzen Stunde – umgerechnet auf Jahrmillionen – lassen erkennen, wie sogar Gebirge im Lauf der Erdgeschichte eingeebnet werden können.

Wie durch ein Wunder ist die Jausenstation – wie eine Insel im Meer der Verwüstung – von den Fluten und Gesteinsmuren verschont geblieben. Näheres können wir nicht erfahren, denn Mittwoch ist hier Ruhetag, aber die in Schönschrift verfassten Tafeln mit den Speisenangeboten (die Wirtin ist eine Lehrerin!) stehen wie immer bereit. Ein Stück gehen wir noch weiter, manche Brücken haben standgehalten, einige sind schon erneuert, weil es sich um den wichtigen Zugang bzw. die Zufahrt zum Gasthaus in der Prossau handelt. Die Waldbäume stehen jedenfalls in Schutt- und Sandflächen, in Gräben staut sich der beim Austrocknen stinkende Schlamm, kein schöner Anblick jedenfalls…

Der Stadel mit dem Schutzengelbild zwischen Himmelwand und Grünem Baum ist wie die angrenzenden Wiesen unversehrt, und die Bauern sind schon wieder fleißig am Mähen. Denn hier ist der Bach in seinem Bett geblieben, aber wie es weiter talab auf Bad Bruck zu ausschaut, das soll ganz arg sein…

“Bankerl sitzen” – statt Gipfelrast – drei Tage nach dem vor dem 75er kommenden Geburtstag, da hätte ich mir Spannenderes vorstellen können… Durch die weggerissene Brücke erfüllt sich nicht einmal die Hoffnung für den Aufstieg zum Reedsee. Trotzdem ein schöner Lebenstag, und so lernt man immer mehr, sich nach der Decke zu strecken, wie es tröstlich heißen soll.

Was man im Winter als “Schisafari” unternimmt, ist neuerdings auch als touristische Sommerattraktion möglich: Bad Hofgastein – Schloßalm – Almspaziergang – Kasereben – Angertal – Senderbahn – Stubnerkogel – Badgastein.

Touristisches Zentrum Schloßalm – der Speicher für die Beschneiungsanlagen wird zum “Bergsee” samt allerlei Wasserspielen und Spazierrunde!

Als wir am Sonntag, 21. August, in Bad Hofgastein ankamen, wendete sich gerade das Wetter. Am Montag passte es gerade gut genug, um ins Angertal hinein zu wandern und die erste Pilzmahlzeit zu erbeuten!

AB Aufklaren am Dienstag über dem Hölltorkamm

Beim abendlichen Spaziergang entdeckten wir die für den nächsten Tag angekündigte Veranstaltung – die “Wanderschaukel” von der Schloßalm zum Stubnerkogel. Dafür werden die Kasereckbahn und die Senderbahn in Betrieb gesetzt, und mit den übrigen zwei Bergbahnfahrten zum Gesamtpreis von 25,50 € (die Schloßalm würde allein 36 € kosten). Also ein schnelles Gipfel(panorama)erlebnis, noch dazu bei angekündigtem Schönwetter!

"Dreitausenderblick" zum Schareck

Schon um 9 Uhr geht es los, mit Schrägaufzug und Gondelbahn (werden 2017 durch eine neue Seilbahn vom Tal bis hinauf ersetzt) zur Schloßalm, begrüßt vom Blick auf das frisch verschneite Schareck.

Zwar haben einzelne Gipfel noch Wolkenfahnen von der letzten Störung, etwa der Ankogel, aber sonst wird das Wetter immer besser. Der Spaziergang über die Almböden hinüber zum Ochsenriegel ist wie immer ein Traum.

AB Fruchtstände der Berganemonen ("Grantige Jager" oder auch "Haarimarsch" genannt, laut Hegi / Alpenflora!) vor dem Hintergrund des Kölnbreinkars und nächster Gipfelblick auf Hocharn und Ritterspitze

Der schönste Rastplatz befindet sich am Ochsenriegel oberhalb der Kasereck-Bergstation. Rund um das Bankerl des Almenweges ziehen Zwergstrauchheiden den Rücken hinauf, jetzt im Spätsommer leuchtend von lila Heidekrautblüten und sich in immer dunkleres Rot verfärbenden Heidelbeersträuchern.

Dann geht es mit der Kasereckbahn “ruckzuck” hinab ins Angertal und gleich wieder mit der uns noch gar nicht bekannten Senderbahn hinauf zum Stubnerkogel. Einzige Belastung – der Höhenwechsel von womöglich 1000 m für den Kreislauf. Daher schnaufen wir uns auf dem Stubnerkogel einmal aus, ganz kurzweilig, denn zum Anlass des “Gipfelschaukelns” spielt natürlich beim Bergrestaurant eine “Almmusi” auf. Sonst geht es hier zu wie auf einem Jahrmarkt!

AB Auf der Terrasse mit Musikbegleitung und die berühmte Hängebrücke

Hauptattraktion ist vor allem die Hängebrücke vom Sendergipfel zur Stubnerkogel-Bergstation, dicht bevölkert, samt Fotoautomat, alles touristisch professionell. Mit ein paar Schritten abseits ist man jedoch schon wieder in der etwas einsameren Natur, und die Ausblicke sind ohnehin das eigentliche Naturerlebnis dieses Gipfels.

Das Gewimmel setzt sich noch bis zum Südgipfel fort, wo eine Panoramaplattform aufgebaut ist, dann geht es zurück zur Seilbahn-Bergstation und in gemütlicher Fahrt hinunter nach Badgastein. Dort zwischen Talstation und Felsenbad gelandet, geht es erst recht zu! Aber praktischerweise ist auch der Autobus gleich bereit, der uns zurück nach Bad Hofgastein bringt. Insgesamt vier Stunden “Bergzirkus” – ein Gipfelerlebnis der “anderen Art”, das aber die meiste Anziehungskraft zu haben scheint – “Spielplatz Alpen pur”!

Die Überraschungswoche dieses Sommers – zum Glück gerade während unseres Aufenthalts im Gasteiner Tal, geruhsam durchs Nassfeld (Sportgastein) und phänomenale Gipfelblicke vom Fulseck !

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