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Durch die Medienberichte waren wir schon neugierig geworden, wie das neue Terzerhaus auf der Gemeindealpe  und sein “Rundherum” nun ausschaut! Besonders Werner drängte es zur Besichtigung, denn er soll ja alle Neuigkeiten für die (endlich kommende) Neuauflage seines Ötscherbuches zusammenstellen.

IchBB, Wolfgang Wald (Santiagopilger) und Werner Tippelt (mein Partner von den jugendlichen Klettereien bis zu den gemeinsamen Büchern) - insgesamt sieht man hier 216 Jahre versammelt, Geburtstage demnächst!

Die Mann- samt Frauschaft für dieses Unternehmen war schnell beisammen, und bereits den ersten möglichen Termin am Samstag, 9. August, haben wir uns nicht entgehen lassen, noch dazu bei dem herrlichen Wetter. Besonderes Zuckerl – ich konnte unser Auto am Zellerrain abstellen und wurde von Werner nach Mitterbach mitgenommen, ideal für die sommerliche kleine Höhentour!

Hier sind wir schon nach Sessellift-Auffahrt auf der oberen, freien Terrasse des neuen Terzerhauses, gesehen im Rundum-Panorama (360 Grad, mit der Coolpix 510 kein Problem, ganz einfach zu handhaben). Aussicht wie Wetterverhältnisse traumhaft!

Panorama in unserer anschließenden Wanderrichtung gegen Felswies und Ötscher

Neben einem Vormittagskaffee mit wirklich g´schmackiger Mehlspeis gab es eine Hausbesichtigung und ein nettes Gespräch mit dem "neualten" Hüttenwirt Thomas Wallner

Ein Blick über die Terrasse, neben dem neuen Terzerhaus ein toller Kinderbergsteiger-Spielplatz und neu angelegte Spazierwege für Liftbesucher

Werner schon wieder in Termingedränge, aber wir (Anni, Helga und Wolfgang Wald) drängten uns schon zum Wandern – Bergabwandern von der Gemeindealpe geht ideal, hinüber zum Eisernen Herrgott und hinab zum Erlaufsee und zurück nach Mitterbach. Mir kommt diese Runde über Feldwies bzw. Breimauer und über den Zellerrain noch schöner vor – für uns Schlaue ganz “suprig”, weil wir vom Gasthaus am Zellerrain nicht noch bis Mitterbach gehen mussten, sondern dort nach der Einkehr schon unser Auto bereit stand!

Vom Gipfelrand geht es gleich südwestlich auf einem Serpentinensteig hinab zu dem im Bild sichtbaren wunderschönen Rasenkamm (Blick gegen Gesäuse, Hochkar und Dürrenstein).

AB Unser Grüppchen am Wiesenkamm Richtung Eiserner Herrgott, beherrschender Gipfel - der Dürrenstein

Die sonst hier üppige Bergblumenpracht ist schon etwas abgeblüht, allerdings sahen wir später (auf der Hechtbauerwiese oben) den herrlichsten Pannonischen Enzian. Hier waren vor allem die bizarren Wollkopf-Kratzdisteln reizvoll, ihre Höhe soll die Schneehöhe im nächsten Winter voraussagen… Übrigens fand mein bergsteigerischer Nachbar Wolfram Täuber auf diesem Kamm eine Stelle mit Frühlingkrokus (nächst gelegener Höhenstandort vor der Feldwiesalm) – ein Anreiz für eine Frühjahrstour im nächsten Jahr!

AB Wollkopf-Kratzdisteln

Für den Ausblick vom Eisernen Herrgott, der Anhöhe mit Kreuz neben der Almhütte “Auf der Brach”, der nach kurzer Gegensteigung auf schmälerem Grat erreicht wird, greife ich wieder zu einem Panorama und zu den “almerischen” Hauptdarstellern!

Panorama mit Ötscher und Gemeindealpe, dazwischen Ausblick über den "Ötscherkessel" mit den Ötschergräben zum Puchenstubner Hochland mit der Brandmauer

Das "ötscherische" Dreimäderlhaus und der traumhafte Blick von der Almhütte am Eisernen Herrgott (neuerdings Auf der Brach)

Jetzt um die Mittagszeit war es immer noch sehr schön, freundliche bis etwas imposantere Haufenwolken, Gewitterstimmung nur über dem fernen Gesäuse.

Eigentlich wäre jetzt die beste Route westwärts von der Brach zur Breimauer gewesen, eventuell bis zur Feldwiesalm, oder besser gleich von der Breimauer südlich zum Almsattel und dann auf der blauen Markierung zum Brunnstein-Sattel. So hätten wir den Marsch auf der Forststraße vermeiden können (sogar bei Abstieg zum Erlaufsee ist diese Runde möglich uns sehr empfehlenswert, allerdings über die Breimauer nicht markiert).

So marschierten wir halt gemütlich über die Forststraße bis zur Abzweigung des Erlaufsee-Abstieges und gleich danach rechts an der Tränklacke vorbei über den Brunnstein-Sattel zum Waldeinstieg des Zellerrainweges. Wenn man diesen nicht kennt, sollte genau geschaut werden, denn nur der schmale, aber durch Wegpfeile gekennzeichnete Waldsteig vermittelt den richtigen Abstieg zur Hechtbauernwiese. Übrigens kommt hier auch der hübsche markierte Steig von der Feldwies herüber. Nach der Waldquerung folgt jedenfalls der Traumblick über die (nicht gemähte und daher etwas verwildert wirkende) Wiese mit dem “Hechtbauer”, so im Volksmund und richtiger “Höchbauer”, bis vor etwa 50 Jahren als höchst gelegener Bauernhof der Gegend bewirtschaftet. Interessant daneben eine quadratische Steinschlichtung inmitten der Wiese – vielleicht eine ehemaliger Hausgarten?

Lugauer - das "steirische Matterhorn - und die Hochtorgruppe mit dem Admonter Reichenstein und dem Tamischbachturm

Inzwischen schien es immer gewittriger zu werden, aber während unserer Einkehr am Zellerrain (gut gegessen und getrunken und genachspeist…) kaum wieder die Sonne mehr hervor! Beim Abstieg fanden wir entlang der Forststraße noch die Blätter vom natürlich längst everblühten Frauenschuh. Derzeit ist die auffälligste Orchidee in mehreren Varianten die Ständelwurz, und den schönen Falter hat Wolfgang dann als Kaisermantel bestimmt. Er hat sich wohl ebenso kaiserlich gefühlt auf der Bertramblüte wie wir bei dieser Genusswanderung!

Nicht nur das Gamseck auf der Rax hat eine “Wilde” Version, sondern eine solche konnte ich am 2. August auch am Preineck erleben…

Oberhalb vom Preinecksattel, Blick zum Schwarzauer Gippel / Gippelmauer und Gippel

Eigentlich war ich gar nicht auf eine Tour eingestellt, eher für einen Relaxtag nach einem starken Arbeitseinsatz rund ums Haus und bei der zu erwartenden Hitze, sogar ein freundliches Angebot zu einer Sulzbergtour (herzlichen Dank und bitte Angebot aufrecht halten!) habe ich nicht gleich wahrgenommen…

Doch der Samstagmorgen begann so schön und so früh, dass ich mich doch zu einer Tour aufgerafft habe – noch dazu Abfahrt bereits nach 5.30 Uhr! Erste Verzögerung zwischen Hohenberg und St. Aegyd wegen der Sperre in der Lurg. Umleitung bis halb auf den Ochsattel hinauf – nicht in Traisen und  als großes Ärgernis nicht einmal in Freiland angekündigt!!! Nach Mariazell könnte man dort schon die Annaberger Strecke wählen…

Immerhin kam ich so zu den Morgenstimmungen von der Ochsattelstraße aus, gegen Hinteralm und Reisalpe. Im Weißenbachgraben hinter St. Aegyd gleich noch einmal verfahren – von der “Herzerlmitzi” (bzw. der Hinweistafel) ablenken lassen und statt rechts und dann geradeaus gleich geradeaus durch die Langeau bis zum Oberhof. Immerhin hat mir dort der freundliche Bauer ohne Murren, dass ich in seinem Hof gelandet war, die richtige Auskunft erteilt (Werner hatte schon vor Jahren ein anderes Erlebnis mit einem “Verteidiger der von Touristen bedrohten Jagdreviere”).

Gippel vom Preinecksattel-Aufstieg (4. Forstwegquerung) und Talblick an der markanten Felssäule vorbei

Beim Zögernitzer die nächste unliebsame Überraschung – Normalaufstieg zum Gippel über den Treibsteig gesperrt – noch dazu bereits seit 7. Juli bis 8. August! Die angebotene Umleitung über “blaue Markierung und Schwarzauer Gippel” ist wohl ein Witz, wenn man denselben Weg heruntergehen müsste… Aber ich hatte ohnehin das Preineck im Sinn, denn meine Routenbeschreibung von den seinerzeitigen “Voralpen” ist echt historisch, und bei den NÖ Extremtouren von Csaba Szepfalusi (neu im Kral-Verlag) war mir auch einiges nicht klar. Also Auto vor dem Gipplerhof abgestellt, und dann an den Aufstieg gemacht.

Die beiden vorigen Bilder sind schon am etwas spärlich, aber ausreichend blau markierten Steig zum Preinecksattel aufgenommen, das Panorama bei der obersten Forststraßenquerung. Deren gibt es insgesamt fünf! Aber dazwischen ist der Steig halt so wie er ist – steil und immer steiler, verwurzelt und zunehmend mühsam, in kurzen Kehren oder pfeilgrad kompromisslos bergwärts… Aber Behinderungen fand ich keine (solche hatte ich in meiner alten Beschreibung erwähnt), nirgends ein Windbruch oder sonstwas Unliebsames. Nach einer Stunde (noch unterhalb des vorigen Panoramaplatzes) eine schwache Verflachung mit Ausblick zu den östlichen Felszipfeln unter dem Preineck, davor fünf Stammerl von Fichtenspargel – ganz selten, Foto für den Abstieg verschoben und dann vergessen… Die oberste Forststraße war für mich im weiteren Verlauf der Tour wichtig, um nicht zu sagen fast verhängnisvoll! Aber vorerst kraxelte ich über die felsige Böschung hinauf zum letzten Stück des Steiges, der am Hang nach rechts zum Sattel quert. Eigentlich “ganz normal” für dieses Gelände, aber doch schmal und teilweise etwas abschüssig, ein paarmal sogar etwas bergab, also aufpassen – zuletzt in kurzen Kehren überraschend schnell zur Kammhöhe, 1 3/4 Std. vom Tal, kein Wunder, dass mein Kartenausdruck sich in der Hemdtasche schon aufzulösen begann…

Aufstieg vom Sattel zum Preineck, der Göller hat sogar noch eine Wolkenkappe, und Ausblick zum Schneeberg

Der Kamm vom Preinecksattel bis zum 1 1/2 Stunden entfernten Obersberg (Routenbeschreibung in meinem “Großen Wandererlebnis NÖ” – neu samt den “stoasteirischen” Gipfeln und Almen) ist zwar nicht “einmalig”, aber doch überaus “schön”, solche hohen Wege findet man wirklich selten in unseren Vor- und Hochalpen! Zwischen Wetterbäumen und sogar Latschen zieht sich ein Rasensaum dahin, üppig blüht der trivial hübsche Klappertopf, aber dazwischen auch etwa das Eberwurz-Greiskraut und vor allem der prächtige Pannonische Enzian.

Die rot markierte Steigspur läuft ungehindert den Kamm Richtung Preineck hinauf, ich desgleichen – beschwingt vom luftigen Wind, den bunten Rasenflächen und der herrlichen beiderseitigen Aussicht.

Ausblick von den Kammwiesen gegen Schwarzauer Gippel und Schneealpe, dann der Sonnleitstein mit "Wolkenkragen" und rechts daneben der Ameisbühel

Auf dem nahen Vorgipfel des Preineckkogels steht ein Gedenkkreuz – gut dass sich mein Puls nach dem Steilaufstieg schon beruhigt hat, denn der der 66-jährige Hans Eder ist hier 1989 an Herzversagen gestorben… Dazu passt auch der Waldschaden auf diesem Kogel, wo eine Menge junger Bäume abgestorben sind.

Als ich vor rund 40 Jahren (oh Schreck!) mit Anni denselben Weg zum Preineckkogel aufgestiegen bin (und nachher die Verbindung zum Treibsteig entdeckt habe, was bei dieser Tour nicht gerade günstig war…), habe ich in meinen “Voralpen” geschrieben: Der Gippel mit der Gippelnase wirkt von hier aus wie das Gesicht eines schlafenden Riesen. Diesmal habe ich diese “Gippelnase” im Profil festgehalten.

Für´s Fotografieren nehme ich mir genug Zeit (wer weiß, wann ich wieder hier heraufkomme, am ehesten noch bei einer Überschreitung vom Obersberg her), aber schon drängt es mich zum Abstieg. Wäre der Treibsteig frei, könnte ich die Tour über den Schwarzauer Gippel fortsetzen, aber so müsste ich denselben “Weg” wieder hinunter… Also lasse ich mich von meinen Erinnerungen leiten (zuhause dann bei mir selbst nachgelesen) und versuche den Abstieg von der westlichen Höhe des Preinecksattels hinunter zur obersten Forststraße. Nachträglich schimpfe ich mit mir selber und nehme mir vor, nie mehr !!! ein solches Wagnis einzugehen (obwohl mein repariertes Knie hier seine Meisterprüfung abgelegt hat). Jedenfalls in einem Anfall von Kühnheit nach dem Sattel rechts in den Waldhang gequert – steil und abschüssig, zur Sicherheit von Baum zu Baum, von einem Windwurfstrunk zum nächsten, umgestürztes Totholz als Abstiegshilfe. Endlich lande ich in der Rinne vor den Felszacken am nordöstlichen Pfeiler des Schwarzauer Gippels (bzw. der Gippelmauer). Dort geht es tief verwachsen tiefer – bis ich vor dem Abbruch oberhalb der langsam näher gerückten Forststraße stehe. Dieser ist Richtung Osten (also zu meinem markierten Aufstiegsweg) durchwegs als kleine Felswand aufgeprägt – und wo komm ich da hinunter? Also Kamera in den Rucksack, Fliesjacke angezogen (um beim Abrutschen allfälligen Abschürfungen vorzubeugen). Das Glück hat mich aber nicht verlassen, denn nach mühsamer Weiterquerung finde ich kurz vor der sperrenden Felsmauer eine leichten Durchstieg. Es ist nun 10 Uhr, also 3/4 Stunde für diese Eskapade gebraucht. Vom alten und gar nicht so schlechten Jagdsteig war nach den Jahrzehnten selbstverständlich nichts mehr zu bemerken, so wie damals vom Gewirr der heutigen Forststraßen…

Noch am Preieckkamm und (trotz kurzer Luftlinie) eine Stunde später unten auf der "rettenden" Forststraße

Jetzt erst packe ich die Kamera wieder aus, auch erstmals meine Trinkflasche aus (bin noch vom alten Schlag der nicht dauernd “drannuckelnden” Bergsteiger) und stärke mich mit zwei Müsliriegeln, das war´s. Durch eine “Funklücke” erreiche ich telefonisch Anni, die mir schon das köstliche Mittagessen ankündigt… horuck, nun nichts als an den schnellen Abstieg!

Noch ein Panorama von der bereits durch herabfallende Steine zumindest stellenweise erschwert befahrbaren Forststraße (beim Felszacken bin ich in dieses trotzdem sichere Gelände – für Wanderer – ausgestiegen). Wozu solche brutalen Bauten in die steilen Gebirgshänge? Das zweite Bild zeigt eine (der auch verständlichen) Ursachen – am Nordwestkamm des Preinecks, wohin die vom Treibsteig kommende Forststraße führt…

Bei der (von unten) vierten Forststraßenquerung nehme ich den alten Forstweg, und bis auf einen alten Ziehweg im unteren Teil bleibe ich auf der bequemeren Forststraße. Aber das oberste und steilste Stück der markierten Route, also zwischen oberster Straße und dem unteren Forststraßensystem, bleibt mir nicht erspart. Im Abstieg auch ganz schön anstrengend, trotzdem kommt mir eine gemischte Partie Bergsteiger entgegen, um etwa 10.30 Uhr, tüchtig und unerschrocken bei der schwülen Feuchte. Die Damen sind froh, als ich für die Höhe ein luftiges Lüfterln ankündige! Und woher und wohin ich unterwegs bin, schon wieder ins Tal, und woher ich komme, vielleicht “gar aus Holland”? Na, so ein Witz, aber indem ich nicht mit Holzschuhen unterwegs war, dafür mit einer voll “vererdeten” Hose von meinem wilden Variante – kann es wohl nur der Strohhut gewesen sein!

Nach vier Stunden wieder gut im Tal gelandet, und wegen der schönen Erinnerung (noch einmal) die zwei besten Bilder!

Mein neues Headerbild zeigt schon die urige Berglandschaft und den schönen Ausblick vom höchsten Gipfel der Türntzer Alpen, dem Sulzberg. Hier möchte ich neue Bilder und alte Routenbeschreibungen bringen (aus meinem mit Werner Tippelt verfassten Wander- und Landschaftsführer “Ötscherland und Pielachtal”, NÖPressehaus St. Pölten 1977).

Der "beschriftete" Gipfel mit Wandertipper und Ötscherblick

Das Fichterl vor dem Gipfelkreuz hat die "Behandlung" durch den Wildverbiss schon überstanden und darüber hinaus gewachsen

Der Sulzberg erhebt sich in einem ausgeprägten Kamm zwischen Ulreichsberg im Osten und der Sattelzone über den Sabel im Westen (der P. 1066 m der ÖK heißt Sabelstuben). Die ÖK nennt den Sabel nördlich davon “Am Säbel”, aber es dürfte keine Einigkeit über den “richtigen” Namen bestehen – in Annaberg hörte ich allerdings öfters “Säbel”. Dieser soll von einer säbelförmigen Felsrippe am unteren Nordostkamm der Bichleralpe herrühren, die zwar momentan noch zwischen hohen Bäumen versteckt ist, aber sogar im Katasterplan von 1825 eingezeichnet ist!!! Es könnte aber auch noch eine andere Wurzel bestehen, nämlich Erinnerungen an Kriegszeiten wie beim Kriegskogel nahe dem Lahnsattel aus der Türkenzeit oder an die Epoche der Franzosenkriege, die auch in der Annaberger Chronik und Überlieferung (Sage von geisternden erschlagenen Franzosen beim Annakreuz nahe Reith) auftauchen.

Ausblick zum Göller und gegen Osten Richtung Gippel und Schneeberg

Panorama ins Mariazeller Gebiet und zum Ötscher

Die Beschreibungen im genannten Führer sind nach so langer Zeit überwiegend “historisch”. Die Bichleralpe von Josefsberg mit Rundtour über die Sabelstuben habe ich allerdings nach einer jüngsten Begehung mit Anni im Blog gebracht. Im alten “Ötscherland” steht sogar eine Tour von Werner “Von Friedenstein über den Ameisenkogel”, vielleicht bei Einheimischen schon, aber sonst kaum (mehr) üblich. Ich bringe nach einigen Bildern, die auf die Verwüstungen durch den Orkan Kyrill 2007 hinweisen, den meiner Ansicht schönsten Steig auf den Sulzberg.

Den Westkamm entlang bestehen noch immer "Windbrüche", und sogar vor dem Gipfelkreuz wurden einige Baumleichen liegen gelassen (wohl eher wegen der Grundgrenze und nicht als Erinnerung)

Der Ostkamm bis über den Kleinen Sulzberg wirkt wie abgeschoren!

Tour 208 (verfasst 1976):

Von Ulreichsberg:

Alter Almsteig bis zu den Kammflächen, landschaftlich hervorragnd, schönster Anstieg, 2 Std.

Damals sogar noch erwähnt: Zufahrt mit Postauto (nur in der Sommersaison) und anschließende Überschreitung nach Josefsberg oder Schmelz am günstigsten.

Vom nördlichen Ortsende (gegenüber der roten Markierung nach Türnitz) über den Rottenbach und westlich über die Weidefläche in ein kleines Seitental mit einer verfallenen Keusche. Am rechten Waldrand aufwärts und noch vor dem steileren Berganstieg rechts in den Fichtenwald, durch den ein guter Steig ziemlich flach in den Wiesengrund des vom Sulzbergsattel herabziehenden Grabens gelangt (in umgekehrter Richtung hier kurz vor ende der Wiesenzunge rechts in den Wald, etwas schwieriger zu finden!).

Im Graben auf einem Fahrweg mit kurzer Kehre steiler empor, und genau wo dieser wieder den Grabengrund erreicht, scharf links über die Böschung auf einen Steig. Diesem folgt man ansteigend in die freie Bergflanke mit schönem Blick auf den Tirolerkogel bis zum Kammrücken (oberhalb Felsstufen!), wo rechts ein deutlicher Steig abzweigt, der im teilweise recht abschüssigen Nordhang des Kleinen Sulzberges, zuletzt durch einen gut begehbaren Holzschlag, den “Sulzbergsattel” erreicht (ca. 1220 m, 1 1/4 Std., zwishen Großem und Kleinem Sulzberg gelegen).

Nun auf dem Waldrücken (Steigspuren) nordwestlich steil zum Hochflächenrand, der beiderseits dieser Route felsig abbricht, und auf die “Sulzbergalm”. Links haltend über diese wundervollen, von Wetterbäumen gesäumten Bergwiesen mit Rückblick auf Göller, Gippel und Schneeberg weiter (wegen des Wildes äußerst ruhig verhalten – Hirsche und Mufflons!).

Auf dem westlich abbiegenden Kamm (Achtung, Drahtreste eines Wildzaunes!) zum Gipfelkreuz (1400 m, 3/4 Std., 1970 errichtet) mit packender Fernsicht ins südliche Gebirge, im SW das Gesäuse mit dem Hochtor.

AB Ausblick zum Scheiblingberg, Hennesteck und Kögelberg vom freien östlichen Gipfelkamm

AB Ötscherblick vom Gipfel und "Rundumpanorama" (360 Grad)

Bei der Originalbegehung (1976) hatte ich übrigens ein ganz tolles Erlebnis (während meiner Tour marschierte übrigens Anni damals noch mit ihrer Mutter von Ulreichsberg nach Mariazell): Als ich den Wiesenboden der Sulzbergalm erreichte, stand vor mir in geringer Entfernung ein Hirsch mit riesigem Geweih. Schnell geduckt (leider nicht fotografiert, damals waren alle Bilder noch s/w) und gestaunt, was aber mit der Zeit etwas langwierig wurde, denn der Riese rührte sich nicht von der Stelle! Schließlich machte ich mich zögernd bemerkbar, aber erst nach einer Weile setzte der Hirsch in langen Sprüngen in den angrenzenden Wald…

Panorama vom östlichen Gipfelkamm ins Traisengebiet

Das waren also noch Zeiten ohne (zu) viele Forststraßen, die jetzt alle Waldgebiete zerschneiden, vom Erzgraben sogar bis auf den Kleinen Sulzberg führen (in einem meiner Bilder zu sehen)! Das letzte Bild (bevor ich in meinen anderen alten Erinnerungen krame) zeigt das Gebäude im Zentrum des neu (2013/14) im Lärchentrog eingerichteten “Wildschutzgebietes” – behördlich genehmigt, Betreten (sogar) der Forststraßen verboten! Und was fanden Anni und ich letzten Winter unmittelbar hinter dem Schranken einer Forststraße, gleich neben der in die Walster führenden Straße? Eine Menge von Tierkadavern, Gerippe, Fellüberreste… ich möchte das gar nicht erklärt haben, leider nicht fotografiert…

Zu hochsommerlichen Touren auf die Heimatberge komme ich eigentlich selten, denn zur heißen Jahreszeit sollte es eigentlich auch besser “hoch hinaus” gehen. Doch diesen Sommer ist alles anders, und die Tourenauswahl richtet sich eher nach den täglichen Wetterverhältnissen.

Göller vom Gsenger

Letzte Woche war täglich Hitze angesagt, aber die beschränkte sich eher auf den Westen, über den Voralpen hielten sich hartnäckig die Wolken – bis es am Samstag, 19. Juli, wirklich schön wurde. Was macht man bei heißem Wetter? Hoch hinauf – also Göller, und früh aufstehen – Abmarsch am Gscheid um 6.30 Uhr (hätte auch früher sein können).

Das schöne an der Route vom Gscheid – vom Auto weg auf einen Waldsteig und auf der ganzen Tour keine Forststraße! Das anfangs gemütliche Gelände könnte zum “Wegsprinten” verleiten, aber besser hält man sich etwas zurück und hebt sich  Energie für den Gipfelaufschwung auf. Der Waldboden ist üppig begrünt, und botanisch wandert man vom Hoch- in den Frühsommer. Türkenbund neben ersten Zyklamenblüten, überall das gelbe Rindsauge, weniger bekannt sind als Doldenblütler das Schmal- und das Breitblättrige Laserkraut und die Österreichische Bibernelle mit ihren vergrößerten Randblüten.

Braunrote Ständelwurz, eine hochsommerliche Orchidee

Zuerst gibt es immer wieder Flachstücke, und an die allmählich zunehmende Steigung gewöhnt man sich, sodass beim Abstieg erst auffällt, wie stark es bergauf gegangen ist! Der Nadelmischwald geht dann immer mehr in Rotbuchenbestände über, und wo Fichten stehen, treten Lichtungen mit Totholz auf.

Nach 1 1/4 Stunden bin ich bereits auf dem Gsenger, mehr als die halbe Höhendifferenz ist schon bewältigt, und nicht nur wegen einer kurzen Rast lohnt sich der kurze Seitenaufstieg auf die an der Ostseite steil und felsig zur Schindleralm abbrechende Kammerhebung.

Blick vom Gsenger auf den weiterführenden Kamm und den Göller-Haupthang mit den drei charakteristischen Rinnen

Erster Ötscherblick und der Gippel im morgendlichen Gegenlicht

Trotz mancher Lichtungen am letzten Stück auf den Gsenger, die ich gar nicht so ausgeprägt in Erinnerung hatte, ist dieses erste Wegstück vom Wald beherrscht und von der Blüte der Hochstaudenflora.

Alpendost und Alpenmilchlattich

Am weiteren Anstieg treten immer mehr Dolomitfelsen hervor, und auf dem steinigen Boden fallen die ersten subalpinen Pflanzen auf. Nach kurzem Steilstück folgt ein wunderhübscher Rasenkamm, bevor die letzten Wetterbäume zurückbleiben und es endgültig ins Krummholz hineingeht.

Ausblick vom Kamm nach dem Gsenger auf die Schindlermauern und die Traisentaler Voralpen

Wie später auf dem Gipfelplateau trifft man hier mitten zwischen den Latschen auf einen hochstehenden Wiesenboden, aber das ist ein letztes Flachstück, bevor der ernsthafte letzte Gipfelaufschwung angegangen wird.

Letztes Flachstück mit Ausblick gegen Osten, am Rand des steinigen Steiges blühen bereits viele Alpennelken und das leicht übersehene zarte Pflanzchen - die Simsenlilie

Der Wiesenboden wird im folgenden Steilanstieg unvermittelt von Dolomitschutt abgelöst, der zwischen den lückigen Rasen hervorkommt. Die spärliche Steigspur windet sich in kurzen Kehren über den Schotter höher, und wegen der interessanten Flora lohnt es sich durchaus, gleich weglos den Aufschwung anzugehen, was ich im Abstieg unternommen habe. Der abschließend wieder bessere Steig quert dann durch die Latschen nach links, plötzlich legt sich das Gelände zurück, und schon taucht das hohe Gipfelkreuz auf.

Der Rundumblick vom Göller ist ganz gewaltig, stehen doch alle Gipfel, die voralpinen wie auch die Hochalpen in Respektabstand aufgereiht. Allerdings ist der Fernblick hochsommerlich - leicht dunstig, was besonders gegen den Ötscher zu (mit Göllergipfelkreuz als Schatten) und zum Hochschwab auffällt. Gippel und Schneeberg stecken als Schatten im Gegenlicht.

Der hochstehende, üppige Wiesenboden auf dem Hochgöller überrascht wirklich – 1766 m – trotzdem wie eine Almweide, aber von Gemsen und Schneehasen besucht (der Losung nach zu schließen). Wo der Rasen spärlicher ist, stehen üppige Blütenpolster, vor allem von den Alpennelken, an den verblühten Exemplaren lässt sich noch erkennen, welche Pracht hier vor einigen Wochen noch geherrscht hat – Silberwurz, Großer Enzian, Clusiusprimeln, einige wenige Alpenanemonen.

Nach Silberwurz das Kopfige Läusekraut, an Orchideen die Höswurz und ein einziges gefundenes Kohlröschen!

Ich gehe noch über das Plateau bis zum Rand der südöstlich abfallenden Karlgrube, wo der Steig zur Göllerhütte hinab zieht. Auffallend die Namensverschiedenheiten – von den Schitouren mit meinem Vater her kenne ich den östlich vorgelagerten Gipfel als Kleinen Göller, jetzt heißt er nach der ÖK Roßkopf… aber das habe ich auch schon am Dürrenstein erlebt…

Dort blüht neben den Latschen auch der schönste Almrausch, und das Panorama über die östlichen Vor- und Hochalpen mit dem nahen Gippel ist ein Bild wert – allerdings eher bei klarer Sicht im Herbst und bei weniger Gegenlicht!

Für den gesamten Aufstieg habe ich samt Rast und Fotografieren 2 1/4 Stunden gebraucht, für den Abstieg sind es 1 3/4 Stunden. Mit all dem Herumstreunen auf dem Hochgöller komme ich gerade zurück zum Gscheid, als vom Marienkircherl die Mittagsglocken läuten… Ein “blumiger” Vormittag ist das gewesen, und auch als Tour war der Göller trotz gleichem Rückweg – mit wieder anderen Blickwinkeln! – respektabel, immerhin 800 Höhenmeter hinauf und hinunter.

Wie im gesamten Waldviertel, samt Südböhmen und der Wachau, sind wir schon wirklich viel gewandert. Ein Ziel – nämlich die Rosenburg – gibt es aber seit zehn Jahren einmal im Juli ohne Wanderung! Es sind die Shakespeare-Festspiele mit Alexander Waechter, die uns jedesmal wieder zu diesem malerischen Schloss locken.

Nur beim “Hamlet” waren wir nicht dabei, dafür 2012 gleich mit der ganzen Familie bei der Kindervorstellung. Heuer hat der Intendant befunden – Shakespeare im Shakespearejahr…. – genau weiß ich den Wortlaut des FS-Interviews nicht mehr; jedenfalls hat er es besser gefunden, das populäre Stück von Moliere zu bringen.

Nach 94 km Anfahrt von St. Veit an der Gölsen – wir wählen immer die früher angesetzte Sonntagsvorstellung, damit es beim Heimfahren noch heller ist – sind wir hier schon auf der Rosenburg gelandet. Die ersten Aufführungen (zumindest 2005) fand noch im Turnierhof statt. Nun ist das einem Zirkuszelt nachempfundene Theaterzelt neben dem Schloss aufgebaut, regensicher, zumindest ziemlich, deshalb können wir uns auch für die Rosenburg “erwärmen”…

Bevor es losgeht bleibt noch Zeit für einen Spaziergang in das Schloss hinein – martialisch geschmückt ist das Portal, der vor einigen Jahren angelegte Senkgarten ist schon hübsch verwachsen, wie überhaupt die ganz Anlage sorgsam gepflegt erscheint.

Vom Turnierhof, wo sich der Zugang für die Greifvogel-Vorführungen befindet (ein tolles Erlebnis für die Kinder 2012), geht man ganz romantisch in den Inneren Burghof mit seiner steingepflasterten Brücke, darunter der Fischkalter und ein neu angelegter Rosengarten.

Da ertönt schon das Signal für den Beginn der Vorstellung, schnell zurück zum Theaterzelt… wie jedes Jahr schöne Plätze in der ersten Reihe, nur – sind wir breiter oder die Sesselanordnung schmäler geworden? Wer diese Anordnung von Zuschauerrängen rings um die Bühne in der Mitte noch nicht gesehen hat, kann nur so staunen. Oder an einen Zirkus denken, denn der “originale Shakespeare” soll ja auch weniger eine “klassisches Theater” gewesen sein…

Kaum haben wir Platz genommen, geht es beim dritten Signal schon los! In das “Krankenzimmer” (heuer eine einfachste Bühnenform gegenüber anderen Jahren) tritt der jedes Jahr als ein Hauptdarsteller auftretende Bernhard Majcen als der “eingebildete Kranke” und kontrolliert seine Arztrechnungen…

Seine Gegenspielerin ist die Zofe Toinette, gespielt von der großartigen Nancy Mensah-Offei, die seit vorigem Jahr dabei ist. Hier im Bild mit der Tochter des eingebildeten Kranken Angélique, dargestellt von der liebreizenden (!) Antonia Sotelsek.

Sie liebt den Musiker Cléante – dieser heißt Lois Nostitz und ist Leadsänger von Bands und Komponist, und außerdem ist er ein fantastischer Schauspieler (wir werden bei seiner Pausenbeschäftigung noch beobachten…).

So entwickelt sich die Komödie lebhaft und amüsant, gespickt mit aktuellen Anspielungen auf das Mediziner(un)wesen, zügig weiter. Die schöne Angélique soll nach dem Wunsch des hypochondrischen Vaters einen Arzt heiraten – im Bild rechts oben verlockende Aussichten… Alexander Waechter als der Bruder des Kranken bemüht sich, diesen von seinem u. a. “Klistierwahn” zu befreien. Ganz toll kommen uns die mehreren Runden vor, die er auf dem Rad in der Arena dreht, noch dazu in der Schräge etwas bergauf und mit dem alten Gaul, sportlich… Da darf er sich in der Pause ruhig hinter den Kulissen zu einem Tratscherl niederlassen…

Wir oder ich als Paparazzi – empfehlenswert ist die Programmbroschüre mit den Profibildern! Mich wunderte, dass keine Hinderung an meinen (blitzlosen) Digitalaufnahmen zu bemerken waren…

Die Komödie löst sich nach allerhand Turbulenzen und pfiffigen Entwicklungen so auf, dass der Eingebildete Kranke selbst zum Doktor avanciert – köstlich die szenische Einfälle, bevor es nach nicht zwei ganzen Stunden an den Schlussapplaus geht.

Links der beabsichtigte doktorale Bräutigam und die elfjährige Alina Koch als Louison, die kleine Schwester der Braut - überaus talentiert und quirlig, die dem Vater hinterrücks gezeigte Lange Nase perfekt wie der ganze Auftritt!

Die drei schon genannten Hauptdarsteller!

Die Wetterverhältnisse waren ideal, der Besuch recht gut – aber sogar gute Sitze waren noch frei, kein Wunder – Finale der Fußballweltmeisterschaft… Uns hat es wieder sehr gut gefallen, einmal etwas Einfacheres, auch wenn die Shakespeare-Stücke auch immer mit mehr oder weniger Unterhaltungsfaktor gespielt waren. Wer uns abgegangen ist ? Natürlich Frau Erni Mangold, die Unübertreffliche! Insgesamt etwas weniger aufwändig als sonst (auch etwas kürzer, hätten leicht die noch auf volle zwei Stunden fehlende Viertelstunde vertragen, aber vielleicht wollte das Team auch schon “nach Brasilien”…).

Hoffentlich gibt es die Shakespearespiele auf der Rosenburg noch längere Zeit, es muss ja nicht so lang dauern, bis der Herr Intendant so vor seinem Publikum steht wie der alte Ritter in der Turnierhofmauer…

Übrigens habe ich während des Theaters das Konzert aus Brasilien anlässlich des Abschlusses der Weltmeisterschaft aufgenommen – eine volle Wucht, die Künstler ebenso wie das temperamentvolle Publikum. Für uns die beste Übertragung…. wie Barbara Rett im Vorspann bemerkte, auch das großartige ORF III ist nicht ohne Fußball ausgekommen.

Allerhand Dringlichkeiten (wie Marillen, Ribisel, längere Autopflichtfahrten und Projektarbeit) haben die Fortsetzung der Urlaubsberichte von Kirchberg in Tirol etwas verzögert. Heute will ich mit meinem Blog-Tourenbuch weitermachen, aber nicht mit dem Höhepunkt am Fronleichnamstag, sondern mit dem letzten Urlaubstag am 21. Juni.

AB Blick aus der Moorlandschaft am Pass Thurn gegen die Hohen Tauern im abziehenden Schlechtwetter, dazu die Moosbeeren-Blüte

Tagszuvor war pünktlich zum Sommeranfang eine Kaltfront durchgezogen, ganzen Tag regnete es, als ob die Kitzbühler Triathlon-Meisterschaften dasselbe Abbonement auf Regenwetter hätten wie das Wiesenfelder Sonnwendfest oder der St. Veiter Straßenlauf…

Als letztes Wunschziel dieser Urlaubswoche war uns nur mehr der Ausflug zum Pass Thurn geblieben, wo wir schon einige Male eine nette Runde machten, im Winter auf der Loipe und im Hochsommer mit einer Menge Eierschwammerl… Beides würde für diesen Tag nicht zutreffen, das war immerhin sicher, aber dass ein derart eisiger Nordwind trotz erster Sonnenstrahlen von der Kaltfront übrig bliebe – das hätten wir nicht erwartet!

Einstieg in den Nationalpark-Naturweg Wasenmoos

Parkplatz beim Breitmoos, wo die Gondelbahn von Hollersbach heraufkommt, aber keine Idee, bei dieser Kälte zur Resterhöhe hinauf zu fahren und dort oben zu wandern! Wir wendeten uns gleich dem vertrauten Weg in die Moormulde südöstlich vom Pass Thurn zu, und zu unserem Erstaunen trafen wir bald darauf den nun bereits einige Jahre bestehenden Naturlehrpfad an, den wir noch nicht kennengelernt hatten.

Im Wasenmoos

In einer eiszeitlichen Hangvertiefung hat sich dort ein Hochmoor gebildet, das bereits um 1800 und von 1901 bis 1963 abgebaut wurde, wie die ausführlichen Infotafeln berichten. So ist vom ursprünglich hoch aufgewölbten Torfmoor nur mehr ein flacher Rest übrig geblieben, der aber durch Latschenbewuchs, Sumpfflächen und rötliche Wassertümpel auch noch eindrucksvoll ist.

Geflecktes Knabenkraut und Alpen-Haarbinse

Der bestens angelegte Weg führt mit mehreren Beobachtungspunkten an den Südrand des Moores, wo ein Aussichtsturm mit Museumsraum errichtet wurde. Daneben stehen noch die Rollwagen für den Torftransport, und außerdem wird neben naturkundlichen Schautafeln auch von der Entstehung des Lehrpfades berichtet (aus einem Schulprojekt heraus, die Lage am Nationalpark hat daneben wohl dazu beigetragen, dass dieses Naturrest-Juwel noch erhalten geblieben ist und für Besucher erschlossen wurde).

AB Ausblick zu den Hohen Tauern und von Birken umgebenes Moorwasser

Zu unserer Überraschung gelingen nicht nur ein paar ansprechende Bilder, sondern auch noch eine gar nicht so geringe Blüte typischer Moorpflanzen:

Rundblättriger Sonnentau (ohne Blüten)

Die letzte Fieberkleeblüte des ausgedehnten Bestandes

Gewöhnliches Fettkraut (das Alpen-Fettkraut hat weiße Blüten)

Moor-Preiselbeere oder "Moosbeere" - die amerikanische Form ist als Cranberry sehr bekannt und beliebt, aber auch unsere heimische Moosbeere entwickelt aus den zyklamenähnlichen kleinen Blüten essbare rote Früchte

AB Zwergbirke - ganz selten zu finden (vielleicht hier neben dem Beobachtungsturm angepflanzt?) und auf dem Orangeroten Habichtskraut ein Kaisermantel - oder doch ein Perlmutterfalter?

Schließlich machen wir uns – fast etwas durchgefroren trotz Berggewand – wieder an den Rückweg und erleben die Moorwelt so ein zweites Mal, immer wieder etwas Neues zu entdecken!

Sumpf-Läusekraut

Am Ende des Lehrpfades befindet sich am nordwestlichen Rand des Moorbeckens ein Quellaustritt, und dadurch hat sich dort kein nur aus den Niederschlägen gespeistes Hochmoor, sondern ein Flachmoor entwickelt. Diese Bucht ist völlig mit Sumpf-Schachtelhalm bewachsen, und auf den nicht so ausgeprägt moorigen Flächen blüht der Arnika.

AB Einblütiges Wintergrün oder "Moosauge"

Beim Rückweg zum Parkplatz an der Pass Thurn-Straße entdecken wir im Hochwald noch ein kleines und nicht allzu häufiges Pflänzchen, das aus dem Ameisen-Blickwinkel besonders nett wirkt. Insgesamt ein schöner Urlaubsabschluss, aber einen botanischen Höhepunkt gibt es noch zu berichten – den Alpengarten auf dem Kitzbühler Horn!

Bei unserem letzten Schiurlaub sind wir an einem Rasttag rund um den Wilden Kaiser gefahren und haben beim Walchsee nahe Kössen und rund um den Hintersteiner See bei Scheffau auch eine Wanderung unternommen. Jetzt im Sommer (18. Juni) sollte es aber “ins Herz” des Kaisergebirges gehen!

BB Griesner Alm

Die Zufahrt führte über St. Johann und den Sattel bei Gasteig zum Eingang des Naturschutzgebietes Kaiserbachtal in der Griesenau. Ein paar Kilometer Asphaltstraße (mit geringer Maut) leiten dann in die Hochgebirgslandschaft hinein. Zur Rechten Alm- und Latschenhänge, links ragen bereits die riesigen Kalkklippen in den Himmel hinauf. Bei der Griesner Alm mit Gaststätten und Kiosk und allem Zubehör eines beliebten Ausfluszieles ist bei weiträumigen Parkplätzen Schluss mit der Autofahrt. Wochentags ganz moderat, aber an freien Tagen muss hier allerhand los sein!

BB Die östlichen Felsgipfel des Wilden Kaiser, wohl Ackerl- und Maukspitze

Vom hohen waagrechten Felssaum im Talschluss schaut das Stripsenjoch Haus herunter, wohl das beliebteste einfache Wanderziel hier im Kaisertal, denn an der Südseite geht es überall höchst schroff hinauf zu den Klettergipfeln. Für uns, die wir ja noch mehr an diesem Tag vorhaben, ist die Schutzhüttenwanderung ideal – ein gut ausgebauter Weg mit packenden Ausblicken, Höhenunterschied gerade über 500 m, dazu sonnig-lüftiges Wetter. Also machen wir uns an den Aufstieg.

AB Blick ins Kaiserbachtal von den Bergwiesen an der ersten Wegstrecke

Zuerst geht es an riesigen Rotbuchen vorbei aus dem tief gefurchten Kaiserbach hinaus und in Kehren die blumigen Bergwiesen hinauf. Doch schon berrühren wir einen aus den Wänden herabkommenden Schuttstrom (im Internet als “Russenleiten” bezeichnet, was das wohl bedeuten soll?). Dann folgt zunehmend steiler Bergwald mit überwiegenden Rotbuchen, vom Steig in etlichen Serpentinen bewältigt. Am oberen Waldsaum stehen wir wieder neben dem mit Riesenblöcken und Schutt angefüllten Wildbach und sind schon am Rand des alpinen Geländes angekommen.

BB Der Predigtstuhl wirf seinen zackigen Schatten über die Steinerne Rinne hinweg an die Fleischbank-Ostwand

BB Zum Ellmauer Tor hinauf öffnet sich die Steinerne Rinne

Die Felslandschaft ist wahrlich gigantisch (ich hoffe, nach der Karte die richtigen Bergnamen gefunden zu haben)! Unser breiter Weg zieht aber im Vorfeld der Wände und Kare zügig bergwärts und führt dann den Wildanger entlang – herrliche Trollblumenblüte! Auch so blüht allerhand, u. a. der Bergbaldrian wie in Annis Bild.

Nun kommen wir schon in die Latschenfelder, und der schrofige Schlusshang rückt immer näher. Unglaublich, wie geschickt sich der Weg in Kehren zwischen Schutt, Felsvorsprüngen und steilem Rasen hinauf windet. Es sind gerade 1 1/2 Stunden vergangen, da sind wir schon vor der Stripsenjoch Hütte auf 1577 m Höhe angelangt. Eigentlich ist es eine Gruppe von sichtlich auf schlimmstes Wetter abgestimmten Berghäusern, die sich schlicht “Hütte” nennt. Für die Nordseite des Wilden Kaisers wohl der Hauptstützpunkt für die Kletterer, auf die aber auch ein Klettergarten am nahen Stripsenkopf, gegenüber den ganz hohen Routen der Nordwände, wartet.

AB Bergwiese mit Trollblumen und Storchschnabel hinter der Stripsenjoch Hütte

Wir halten unsere “Zielrast” in der Blumenwiese oberhalb der Hütte mit herrlichem Blick ins westliche Kaisertal und auf die Felsgrate am Totenköpfl. Wo aber soeben noch himmelblaue Löcher die Mittagswolken durchsetzten, wird jetzt das Gewölk immer dichter. Obwohl weder Regenschauer noch Gewitter drohen, machen wir uns doch bald an den Abstieg, nicht ohne vorher noch das berühmte Fotokreuz des Stripsenjochs anvisiert zu haben. Wohl kaum einer der berühmten Bergfotografen, wie etwa Heinz Müller-Brunke, hat dieses Motiv nicht festgehalten, na ja, wir erst recht, wenn auch nicht so kunstfertig und nur als Schnappschuss während der Wanderung…

AB Predigtstuhl und Fleischbank vom Stripsenjoch

BB Oberhalb vom Stripsenjoch Haus

BB Der hohe Grat am Totenköpfl

BB Stripsenjoch-Kreuz mit Predigtstuhl

Der über die Grate streichende Wind wird mit den spärlicheren Sonnenstrahlen zunehmend frischer, und so machen wir uns rasch an den Abstieg, der bei einem plötzlichen Regenguss oder Gewitter gar nicht angenehm wäre, so mitten durch die Schuttrinnen und Schrofen. Aber es bleibt schön, und bald nehmen wir die Wegkehren entlang des Wildangers nicht mehr so eilig in Angriff.

AB Verblühter Alpen-Milchlattich

BB Der "Riesenrachen" der Steinernen Rinne, gespenstisch - wenn man sich das Bild aufgestellt denkt, sicher eine gigantische tektonische Struktur in den steil stehenden Kalkklippen

AB Kar unterhalb der Steinernen Rinne

Vom Wildbach, der aus dem Kar unter der Steinernen Rinne kommt, geht es wieder in den schattigen Bergwald, und eine Menge Kehren sind noch zu bewältigen, bis wir bei der Griesner Alm ankommen.

BB Gipfelblick aus den Wäldern des Kaiserbachtals bei der Griesner Alm

Am frühen Nachmittag fahren wir schon wieder durch das Kaiserbachtal hinaus zur Griesenau und wenden uns auf der malerischen Strecke nach Norden Richtung Kössen. Diese Landschaft im “Kaiserwinkel” ist höchst malerisch und liegt schon nahe der Grenze zu Baiern bzw. zum Chiemgau. Unser Nachmittagsziel ist der Walchsee – diesmal allerdings nicht “bewandert”, sondern mit einer schon ersehnten Kàffeepause (oder sollte es für uns hier eher exotisch wirkende “Össis” besser Caféjause heißen?) in einem gut besuchten Ferienhotel samt Badestrand. Frisch gestärkt bewältigen wir nachher zügig die restliche “Kaiserrunde” über Kufstein zurück nach Kirchberg.

Anfang Juli im Garten – hier blüht es vielleicht noch toller als draußen in der “Natur” ?! Und die Früchte reifen – Erdbeeren fast schon vorbei, Himbeeren, die ersten Stachelbeeren und Ribisel… Dass der Kirschbaum nicht zu viel Arbeit macht, dafür haben schon das Wetter und die Vögel gesorgt. Nur wenige Früchte sind nicht aufgesprungen oder angeknackt. Und die Andenbeere zeigt auch schon ihre Blüten und Fruchtampeln.

Der Schlangenlauch ist kaum auszurotten, sobald er einmal im Garten ist, schaut am wenigsten attraktiv aus.

Der Rosslauch ist vor allem wegen der beiden, bald weit abstehenden Hüllblütter ganz hübsch, in der Blüte (fast) nur Brutknospen.

Dieser schöne Lauch heißt wirklich "Schöner Lauch", kommt aber erst bei voller Entfaltung richtig zur Geltung, ein Gast aus südlicheren Gefilden.

Die Zwiebel vom Kugellauch habe ich erst letzten Herbst "gestupft", ganz eigenartig, wie sich die Blüte allmählich öffnet.

Die “Haussorten” wie Winterzwiebel, Schalotte usw. werden bald zu ernten sein. Die Vielfalt der Arten hat uns vor allem in Schiltern bei der “Arche Noah” (nun Weltkulturerbe !!!) beeindruckt. Ein spezieller Schnittlauch ist leider schon für´s Fotografieren ziemlich verblüht – gerade habe ich ihn Anni gezeigt – Schnittlauch aus dem Gebirge, ssp. sibiricus steht im Pflanzenbuch. Gekostet habe ich ihn zum Glück nur selber, denn der hat eine Schärfe wie intensivster Zwiebel!

Physalis oder Andenbeere, bei uns als Lampionblumen mit roten Fruchthüllen bekannt und sehr dekorativ, auch die Blüte.

Die Fruchtbeere in den roten Lampions soll auch essbar sein, haben wir noch nicht probiert (vielleicht geht das nur einmal?), aber wenn die Physalis-Lampione papieren-trocken werden, befinden sich darin die wohlschmeckenden gelblichen und sehr gesunden Andenbeeren.

Bei den Lauch-Bestimmungen bin ich mir nicht völlig sicher, aber dafür habe ich doch noch den Alpen-Schnittlauch fotografiert:

Daneben blühen im Alpinum eine relativ seltene, aber im Wienerwald häufiger vorkommende und daher bei uns eingewanderte Nelke – die Rau(h)e Nelke / Dianthus armeria.

Außerdem hält sich an einigen “Urgesteinsblöcken” (gemeint sind silikatische Gesteine) ein hübsches Blümchen, wo ich immer auf Steinbrech oder Mannsschild tippe – es ist aber eine Fetthenne – der “Bucklige” Mauerpfeffer, wie an den Blättchen zu erkennen /Sedum dasiphyllum. Wie würden wir uns freuen, sie jetzt am Standort im Maltatal oder sonstdortwo zu sehen…

Im Gegensatz zum ersten sonnigen Wandertag rund um den Hintersteiner See, lässt der folgende Tag (Dienstag, 17. Juni) nur grauen Himmel sehen. Also kein hohes oder weites Ziel, gleich von Kirchberg hinein ins Spertental nach Aschau. Dort haben wir schon im Winter gesehen, dass für die Fahrt in den Unteren Grund ein Mautschranken eingerichtet wurde. Auf unsere Frage, wie weit man um die vier Euro fahren dürfe, lautet die Auskunft – 9 1/2 km! Also das ist schon ganz schön weit drinnen… besser im Hochtal herumzuspazieren als hier herunten…

AB Almrauschblüte auf über 1500 m Höhe und Rückblick zum Wilden Kaiser

Bald haben wir die im Winter gestapfte Strecke bis zum Wegkreuz unterhalb der Hintenbachalm hinter uns gebracht. Die Schaukäserei wäre hier verlockend, aber wir folgen noch der asphaltierten Straße und zweigen sogar rechts über den Seitenhang hinauf zur Labalm ab. Irgendwo müssen wir da vor einigen Jahren auf den Tanzkogel gestiegen sein, aber genau lässt sich das nicht mehr ausmachen. So fahren wir zurück zum Tal, und nun geht es auf sandigem Fahrweg talein weiter. Ein gewaltiger Erdrutsch hat das Verlegen der Straße an den Hang notwendig gemacht, das kennen wir alles noch nicht und ebenso wenig den weiteren Talverlauf.

AB Großer Blick zum Rettenstein und kleiner Blick in die Alpenrosen

Bei der Karalm weitet sich der Talboden, hier sind am vorhergehenden Wochenende als festliches Ereignis wunderschöne Pferde auf die Alm gekommen. Voraus schaut die Kar-Hochalm vom steilen Hang herab, und schon kann es nur mehr vorwärts gehen – schmal und ausgefahren ist die Wegtrasse, und man kann nur hoffen, keinen Gegenverkehr zu haben! Schließlich landen wir in einer Kehre kurz nach der Abzweigung zur Steinfeldalm, wo sich der Fahrweg an einer gerade wiederkäuenden Kuhherde vorbei nach rechts zur Stallbach Hochalm wendet. Nun ist Schluss! Gerade genug Platz, um das Auto abzustellen, und schon geht es los – mit Bergschuhen und Wetterschutz natürlich, aber sonst völlig ungerüstet, was Jause und Getränk betrifft. Aber was soll´s, wir steigen eben weiter hinauf, so lange es geht und trocken bleibt…

Der Steig verläuft den gischtenden Bach entlang, und ringsum “glühen” die Hänge in der Almrauschblüte! Also ganz einmalig und überraschend für uns, die wir nur mit einem kleinen Spaziergang gerechnet haben. Bei einem Block teilt sich der Weg, links geht es den Steilhang hinauf zur Herrensteigscharte als Übergang in den oberen Pinzgau. Zum Glück haben wir wenigstens eine genaue Karte mit (beim Mautschranken frei erhältlich!), und diese weist uns ins Tal hinein Richtung Geigenscharte. Kurz vor diesem zweiten Übergang in den Pinzgau bzw. dem Zustieg zu den Gipfeln Geige und Gamsbeil befindet sich die Westerachalm, das könnte ein für uns gerade noch passendes Ziel sein.

Im bald schluchtartigen Taleinschnitt wird es bald vorfrühlingshaft – Schneebrücken verdecken noch teilweise den Bach, und daneben blühen die “Eisglöckerl”, die Alpen-Soldanellen. Der schmale Steig quert übers Wasser und windet sich zwischen Felsblöcken hindurch, neben weißem Hahnenfuß (Platanen- oder Eisenhutblättrigem), der noch ganz klein ist, herrschen Dotterblumen vor! Dann leuchtet es weiß vom Steilrand neben einem Wasserfall – es sind eine ganze Menge von Alpen-Anemonen.

Dann steigt der teilweise verrutschte Steig am linken Steilhang hinan, bis sich das Gelände unvermittelt zurücklegt und die Almmulde mit zwei Hütten erreicht ist. Von ca. 1500 m sind wir inzwischen schon auf fast 1900 m heraufgekommen! Nur mehr wenig mehr hundert Höhenmeter wären es bis zur Scharte hinauf. Aber wir bleiben bescheiden – kein Sonnenstrahl, aber auch kein Regentropfen… und keine Jause… also genug gewandert, müssen wir doch auch wieder hinunter.

AB Die Westerachalm kommt in Sicht!

Neben dem großen Stall (mit Blechdach) steht die alte, etwas notdürftig wirkenden, aber steinerne alte Almhütte

Und geht Anni vielleicht fensterln???

AB Aber es sitzt nur der BB drinnen...

Also zur Not könnten wir trotz der spärlichen Einrichtung hier unterschlüpfen, wenn etwa ein plötzliches Gewitter sich zu entladen drohte! Brennholz und sogar ein Sofa vorhanden, Zündhölzer hätten wir selber im Rucksack, Kerzerl stehen am Tisch… Aber indem es immer noch trocken bleibt, wenn auch vom Pinzgau ein scharfes Lüfterl herüber weht, ziehen wir doch unsere gemütliche Fewo in Kirchberg vor!

Der Große Rettenstein beherrscht das Tal, aber auch das nahe Gamsbeil wäre wie die Geige oder die Geigenscharte bei Schönwetter ein lohnendes Ziel. Wir streben nun über den sumpfigen Almboden wieder der Schlucht zu, und dort gibt es beim Anemonen-Standort neben dem kleinen Wasserfall allerlei Verrenkungen, um die Blüten schön ins Bild zu bekommen.

Anni gelingt dann in Gegenrichtung (talab) ein ganz schönes Bild!

Bald kommen wir wieder zu den Schneebrücken in der Schlucht – wie aus einem kleinen Gletschertor gischtet der Bach hervor, und auch beim Überqueren des Wassers braucht es einen mutigen Schritt!

Die größte Überraschung erleben wir jedoch knapp vor unserem in der Kehre abgestellten Auto, wo sich inzwischen die Rinderherde (lauter sanfte Kalbinnen) zusammengeriegelt hat – ein Traktor mit Güllefass ist gerade unterwegs zur talaus am Hang gelegenen Hochalm! Nicht einmal hier heroben sind wir von dem aus dem heimatlichen St. Veit immer wieder so “vertrauten” Duft sicher… Stimmt so nicht, hier schnuppern wir nur am betörenden Almrausch!

Vor dem Bericht über die Tour mit Jakob, der bei seiner zweiten Begehung bereits als Führer für seinen Bruder Felix agieren konnte, stehen zuerst die in der Teufelskirchen-Halbhöhle (Rauwackenfels an der Basis der Reisalpendecke) heute beobachteten Streifenfarne im Vordergrund:

Mauerraute / Asplenium ruta-muraria

Vom Habitus her spreche ich die als erstes abgebildete Farnpflanze als Mauerraute an. Dann habe ich gleich zwei Bilder, wo ich mir nicht sicher bin, ob es sich nicht um den Drüsigen Streifenfarn handeln könnte! In meinem Naturführer “Flechten, Moose, Farne” (Steinbach) heißt es auch sehr beziehungsvoll: “… in der Tracht der Mauerraute ähnlich”.

Ddrüsiger Streifenfarn oder Mauerraute?

Aufmerksam bin ich vor allem durch dieses nachfolgend abgebildete Exemplar:

Asplenium lepidum / Drüsiger Streifenfarn

Zwar heißt es in meinem Naturführer: Nur in der Bergstufe der Südalpen, der südöstlichen Karpaten sowie in den Gebirgen der Apenninen- und Balkanhalbinsel. Aber im Janchen sind einige Standorte in NÖ aufgelistet (Alpenostrand bei Fischauer Bergen und Höllental, Hohe Wand), und in der Teufelsluke und an einem anderen Portal der Kremstalhöhlen (auf Marmor) habe ich den Drüsigen Streifenfarn selbst schon entdeckt. Es heißt auch bei Janchen: Voralpenstufe Niederösterreichs.

So, und jetzt wird es erst lustig, denn es folgt das Wanderabenteuer!

Beim Teufelskirchensteg - Fliegenfischer (?) in der Erlauf, Gäste im Naturpark Ötscher-Tormäuer aus Frankreich!

Für die beiden sportlichen Buben ist das Blockspringen eine Herausforderung!

Unser eigentliches zweites Ziel (nach der Teufelskirche) war der nahe davon in die Erlauf mündende Trübenbach: Das von Gips-Ausschwemmungen an der Basis der Ötscherdecke getrübte Wasser hat dem Seitenbach von der Bärenlacken her und der zur Gemeinde Gaming gehörenden Streusiedlung (einst von Holzknechten angelegt) den Namen gegeben. Nach starken Niederschlägen ist das Wasser sogar altrosa gefärbt! Heute war es weniger auffällig – das Trinken haben wir nicht probiert – bei den alten Expeditionen um 1590 zum Geldloch am Ötscher sind diese Wasser sogar als “giftige Quellen” genannt. Wir finden hier immer wieder interessante Steine, vor allem gipshältige und daher bunt gefärbte.

Um die Mittagszeit weiß man nicht mehr genau - brauchten wir nun noch den Sonnenhut oder schon den Regenhut! Die "Plutschen" sind in beiden Fällen nützlich (riesige Blätter der Pestwurz)!

Das Gasthaus in der "Alten Schule" (zu meiner Annaberger Lehrerzeit um 1963 noch als einklassige Schule in Betrieb) ist zum Glück geöffnet, und Frau Gold sorgt für unsere Mittagsatzung!

Dann zeigt Jakob dem Felix noch das Holzknechtmuseum, wirklich sehenswert, hier die Schiabteilung, heimatkundlich überaus wertvoll!

Im aufliegenden Gästebuch trägt sich natürlich auch Felix ein, obwohl er erst im Herbst Schulanfänger ist (gut dass er in einer Zeit zur Schule kommt, wo nicht mehr die Linkshänder gewaltsam umtrainiert werden müssen…)!

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