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Damals war der Hochstadelberg zwischen dem Annaberger Lassingtal und Wastl am Wald mein erster über 1000 m hoher Gipfel, bestiegen während meinem Erholungsaufenthalt bei der “Koller Pepperl”. Mit dem Jugendfreund meines Vaters, dem im Angerbachtal (zwischen Reith und Erlaufboden) ansässig gewordenen Karl Reitmayr,  und einigen einheimischen Buben sind wir hinaufgewandert zu dieser (neben Bichleralpe und Brandmauer) einmaligen Ötscher-Panorama-Stelle im östlichen Ötscherland.

Etwa in der Hälfte der seither vergangenen Zeitspanne haben wir den “Stadelberg” wieder entdeckt – vor allem als Tourenlaufziel mit den Backcountryski und als nette Schiabfahrt über den Südhang. Dazu kam das Interesse an diesem Gipfel als Blumenstandort, daher das ganze Jahr über ein lohnendes Unternehmen, vor allem wenn nicht viel Zeit ist… Im heurigen Winter mit seiner phänomenalen Schneelage “wie in der guten alten Zeit” ist der Hochstadelberg auch schon mehrfach im Facebook aufgetaucht. Meist zusätzlich bei der Tour zur Anna-Alm vom seit einigen Jahren neu angelegten Parkplatz Ötscherblick an der Wastlstraße. Die damit verbundene neue blaue Markierung berührt aber weder den Gipfel (führt am Nordhang vorbei) noch die wunderschönen Wastlböden (weil die Wanderer aus Jagdgründen von dort ferngehalten werden sollen). Unsere bevorzugte Art für die lange Strecke zur Anna-Alm im Schigebiet Reidllifte am Hennesteck mit dem gleichen Rückweg ist ein Langlauf, am besten mit Backcountryski.

Gestern, am 4. Februar, wollten wir nach Pistenfahren und Langlaufen endlich wieder die Tourenschi “entstauben”. Die Wolken haben nach den letzten Neuschneetagen wieder aufgelockert, der Ötscher hat sich aber leider erst am Nachmittag gezeigt. Die Schneelage war allerdings geringer als am Vortag, als wir die Lahnsattler Loipen besucht haben (Bericht folgt noch). Zufahrt also bis zum Ötscherblick-Parkplatz, und gleich entlang der blauen Markierung hinein in den Wald, wo immer wieder von den letzten Winterstürmen gefällte Bäume herumliegen. Es geht gut voran (Schuhe passen noch – überraschend leichtes Einsteigen, ebenso Tourenschi samt der praktischen Tourenbindung). Von der folgenden Forststraße zweigt man als Tourengeher (sommers wie winters) bei der nächste  Biegung ab, wo ein Steig bzw. Spuren über den steilen Schlag hinaufführen. Von Jungwald kann man hier noch nicht sprechen, obwohl Versuche zur Aufforstung schon unternommen wurden. Vielleicht blieb diese Aufstiegsmöglichkeit erhalten, weil oberhalb ein Hochstand erreicht werden soll… Also auf der freien Fläche halten oder am einfachsten (nur für Langläufer) auf der Forststraße bleiben und bei der nächsten Abzweigung rechts gehen. So erreicht man die Bergecke am Nordwestkamm, wo die Forststraße an die West- und Südseite wechselt. Dabei versäumt man aber ein kleines  ursprüngliches Waldstück mit einigen Riesenbäumen (Bergahorn, Rotbuchen). Vom Schlag ergibt sich übrigens ein hübscher Ausblick über die Passregion des “Wastls”  Richtung Brandmauer und Geißenberg, denn dieses Waldhochland bildet zugleich die Wasserschiede zwischen den tief eingeschnittenen Tälern von Erlauf und Pielach.

Während der untere Nordwestkamm über den Schlag umgangen wird, führt der Weiterweg direkt an der Bergkante entlang im Wald weiter (daneben die Steine der Grundgrenze). Wie schon weiter unten hängen Schneepolster und Raureifnadeln an den Zweigen, die ersten Strahlen der Vormittagssonne leuchten schon in die schmalen Lichtungen hinein. Dann tritt man auf die freie Gipfelfläche hinaus.

Auf dem kleinen Felsvorsprung steht das noch weihnachtlich geschmückte Gipfelkreuz, und die Aussicht ist trotz der auf den hohen Bergen hängenden Bewölkung bezaubernd – über das Lassingtal und bis zum Josefsberg im Süden, anderseits hinab nach Gösing.

Nun heißt es abfellen, Gipfelfoto mit schon klammen Fingern und die Bindung umstellen  für die Abfahrt. Diese führt östlich hinab in die Kammmulde, wo man weiter zum zweiten Gipfelpunkt gelangen und über den folgenden Kamm und später entlang der blauen Markierung das Hennesteck erreichen könnte. Was zwei Tourengeher, die uns mit ihrem Hund nachgekommen sind, auch vorhaben. Sonst trifft man hier eher Schneeschuhwanderer, und anfangs hat uns eine Gruppe Langläufer überholt.

Aus der Kammmulde geht es gleich links an die Nordseite. Vom interessanten und malerischen Feuchtbiotop ist nichts zu bemerken, und die Neuschneeauflage ist (im Gegensatz zum unebenen Waldboden) ganz locker zu befahren. Gleich danach wird das Ende der Forststraße erreicht, und links gilt es ein paar Meter anzusteigen, bevor die Abfahrt weitergeht. Wo es flacher wird, kommen uns die Tourenschi eigentlich unnötig vor, und wir hätten uns mit den Backcountryskiern leichter getan (oder die Bindung fürs Gehen im flache Gelände umstellen sollen). So kommt leider wieder Annis Schischuhproblem zum Vorschein, und wir sind froh nach dem letzten Waldstück wieder beim Parkplatz abschnallen zu können.

Resümee der Tour: Für die nächste Tourengeherroute ein steileres Gelände wählen (etwa Bichleralm vom Fadental oder den Hochanger oder die Turnaueralm, Hochalpineres kommt eher nicht in Frage, leider…). Oder eine flachere Gegend wie etwa den Ebenwald, aber Hauptsache höher gelegen und daher mit reichlich Schnee. Denn unten im Traisen- und Gölsental usw. wie auch im Vorland ist die kahle Winterzeit ohne Schnee eher eine triste Angelegenheit. Für die ersten Blüten ist es noch zu früh, sogar in der Wachau, und bunte Blüten bietet vorläufig nur der Garten!

Alle Routen im östlichen Ötscherland, von Puchenstuben bis Mitterbach und Walster sind auch in meinem “Wandererlebnis Voralpen” / Kral-Verlag zu finden!

Es ist schon endlos lange her- so wie unser Pistenfahren bei den Göllerliften – dass wir im Winter am Lahnsattel waren! Ich hatte nur in Erinnerung, dass wir dort eine recht anregende Loipe erleben konnten, die inzwischen als Zweiländertour bekannter geworden ist. Die Schneelage scheint nach den zuletzt von Süden kommenden Niederschlägen recht günstig zu sein, und auch die Temperaturen sind in dieser Höhenlage sicher im Minusbereich.

Also machen wir uns am Samstag, 3. Februar (einen Tag vor der Schitour auf den Hochstadelberg), auf zum Lahnsattel, um die Loipe zu erkunden. Zur Sicherheit Backcountryski (und Steigfelle) eingepackt), um auch im freien Gelände etwas anfangen zu können. Bei unserem Eintreffen beim historischen Kulturhaus in der kleinen Ortschaft finden wir jedoch bereits eine frisch präparierte Loipe vor! Übrigens standen oben auf der Passhöhe schon mehrere Autos, wohl eher für den Aufstieg zum Göller und weniger für die auch von dort erreichbare Wildalpe (macht man eher von der Ortschaft und über den steilen Hang zur Sulzriegelalm hinauf).

Los geht es also mit Langlaufschi, zuerst noch über die zur feuchten Mulde des Grenzbaches hinab ziehenden Wiesen. Im folgenden Wald sind vielfach die von den letzten Stürmen entwurzelten Fichten zu bemerken. Das ganze dichte Waldgebiet ist übrigens vielfach sumpfig und von zahllosen Bachläufen durchzogen, sodass ein wegloses Queren nicht gerade empfehlenswert ist. Ursache für das unwegsame Gelände sind die wasserhaltenden Werfener Schichten der sogenannten Puchberg-Mariazeller-Linie an der tektonischen Grenze zwischen Vor- und Hochalpen. Ihr Verlauf ist über die Mamauwiese, das Preintaler Gscheidl und das Halltal leicht zu bemerken, auch mit den entsprechenden “Bodenschätzen”, wie Gips bei Puchberg und das historische Salzvorkommen im Mariazeller Halltal.

Verlockend wäre die Waldloipe in Richtung Frein (aber nicht bis dorthin), wie der Name schon sagt immer auf Forstwegen im Gehölz verlaufend. Da klingt Göllerblick-Loipe schon besser, wenn sich auch der Göller in dichten Wolken versteckt. Diese Route führt aber teils im freien Gelände am Hangfuß von Sulzriegel und Kriegskogel entlang und hat mit ihren Schlingen einen wirklich sehr ansprechenden Verlauf. Die Beschilderung ist sehr gut, denn sonst würde man ich in dem unübersichtlichen Gelände wohl verlaufen.

Eine wahre Winterpracht sind die alten Schneewülste an den Böschungen von Wegen und Bächen,  und der Neuschnee wirkt zusätzlich zauberhaft. So legen wir eine zusätzliche Runde ein und kommen auf den so ausgiebig belaufenen (oder bewanderten) Spuren auf eine gute Gesamtzeit. Jedenfalls hat sich die Anfahrt zum Lahnsattel um den Göller herum wirklich ausgezahlt! Und Einkehr gibt es am Lahnsattel auch – im Loipenstüberl, urige wie die Gegend überhaupt, bei Schönwetter noch mehr lohnend, und vor allem weniger “zivilisiert” als das kürzer erreichbare Kernhofer Gscheid – obwohl des dort auch recht gut ausschaut!

Zwischen Wilhelmsburg, Traisen, Hainfeld und Laaben hat der Wienerwald nicht mehr viel Ähnlichkeit mit dem vorwiegend geschlossenen Waldgebiet “vor den Toren” der Stadt Wien. Deshalb habe ich auch in einem Führer für die Naturfreunde NÖ den Begriff WIESENWIENERWALD für dieses Gebiet geprägt, veröffentlicht auch in anderen meiner Bücher seit den 1980er Jahren. Gerade jetzt, wo die Schneeverhältnisse in den Voralpen, vor allem talwärts, nicht gerade ideal sind, bieten sich auf diesen “Hügelbergen” interessante Wandermöglichkeiten!

Am letzten Jännertag war für mich eine solche Gelegenheit, da ich mit Anni bis Wilhelmsburg mitfahren konnte. Ich wollte die schon einmal mit Langlaufski gemachte Tour über Rudolfshöhe und Haberegg nach St. Veit machen, allerdings erst nachmittags. Auf den knappen Zeitrahmen verwies mich auch Fritz Striberny (mit seiner Frau unterwegs), den ich in Kreisbach traf – wir sind Kollegen oder Leidensgenossen von der alten Lehrerbildungsanstalt St. Pölten. Bekannt ist Fritz auch als früherer Obmann der Alpenvereinssektion St. Pölten, jedenfalls eine überraschende und sehr nette Begegnung!

Wir trennten uns allerdings beim Seitenweg zum “Galgen”, weil ich direkt hinauf zur Ochsenburger Hütte wollte. Im Wald waren bereits die ersten “gatschigen” Wegstellen zu bewältigen, aber auf der Rudolfshöhe mit ihrer einzigen erhaltenen Riesenlinde (dafür allerhand sonstiges Beiwerk) gab es dann einen hübschen Ausblick, gegen den Ötscher aber durch die bereits tiefstehende Sonne verblendet. Sogar am Weiterweg waren eine Menge Wanderer anzutreffen, die das Frühlingswetter – am 31. Jänner – ausnützen wollten. Von der Draxelhofer Höhe an war ich aber völlig alleine beim Queren des Kreisbach-Talschlusses – das klingt so toll, aber die Wasserscheide hinüber gegen die Perschenegg ist wie die gesamte Gegend eine hügelige Angelegenheit, durch den Wechsel von Wiesen, Waldstücken und Feldern samt Obstgärten bei einzelnen Bauernhöfen eine idyllische “Heckenlandschaft”. Typisch für die Flyschberge des Alpenrandes mit viel Lehmboden, daher immer wieder feucht…

Aber immer wieder reizvolle Wegabschnitte, zwar Aussicht nur über die Wiesenwienerwaldhügel, zur Blütezeit gibt dieser Weg sicher mehr her als im kahlen Winterzustand. Dann ging es immer mehr bergauf zur Schwarzenbacher Höhe beim Hof Haberegg. Hier kommen wieder die Voralpengipfel in Sicht, herrlich klare Luft, aber schon recht tief stehende Sonne am späten Nachmittag, also marschiere ich flott weiter, nun Richtung Kukubauerhütte.

Nächster markanter Punkt ist der Sattel beim Göllersreiter, nun wird die Zeit bis zum Finsterwerden schon etwas knapp, obwohl ich erst drei Stunden bis hierher gebraucht habe. Aber über den Sonnhof nach St. Veit mit gut 1 1/2 Stunden würde es schon finster, der Vollmond reichte höchstens für den Straßenmarsch durch den Kerschenbach. Zum Glück kann ich Anni erreichen, und sie kommt mir mit dem Auto bis zum Mollenhof (eigentlich Mohnl oder “Moin”) entgegen, ist mir auch recht. Vorher aber gibt es über die Kammwiesen hinweg noch einen Tages- oder besser Abendhöhepunkt – den Sonnenuntergang! Und vorher noch den rosig überhauchten Schneeberg…

Der Tirolerkogel bei Annaberg ist ein “Familienberg” – nicht nur wegen der treuen Schar seiner Schitourengeher, sondern auch in geografischer Hinsicht: Auf dem Oberhaupt steht das Annaberger Haus, östlich davon der fast gleich hohe “Zwilling” Kalte Kuchel mit dem Karlstein, westlich vorgelagert der “Große Bruder” Ahornberg. Also ist der viel niedrigere Nebengipfel im Süden, der Törlstein, sozusagen der “Kleine Bruder”.

Ein schöner kalter Sonntag, 10. Dezember, allein unterwegs nach Annaberg, beim Tirolerkogel-Parkplatz oben gerade noch ein Platz frei (die beiden unteren Parkmöglichkeiten beim Bergbauern und bei der Jugendherberge beginnen sich gerade zu füllen). Daher kurz entschlossen als Ziel nicht das Annaberger Haus, wohin Scharen von Tourengehern ziehen, sondern der sicher einsame “Ausweichgipfel” Törlstein. Richtig, vom Gscheid auf der Loipe abwärts bin ich schon allein, von der Loipenkurve Richtung Oberstall gibt es eine gut ausgetretene Tourengeherspur, überraschend ebenso von der Walster-Usprung-Abzweigung geradeaus weiter.

Wo die tief verschneite Forststraße Richtung Ebenbaueralm stärker zu steigen beginnt, schnalle ich die Steigfelle auf die Backcountryski (das Trennen der zusammengeklebten Felle war die ärgste Anstrengung des Tages!). Dann geht es zügig hinauf bis zum Sattel mit dem hübschen Ausblick bis zum Gippel.

Hier stehe ich im tiefen Schatten, jedoch der folgende Hang mit dem Weiterweg zum Tirolerkogel strahlt in hellster Sonne, und dort marschieren einzelne Gruppen hinauf. Ich wende mich jedoch nach rechts zur Schneise mit dem Forstweg Richtung Törlstein – immer lebhafter wirken die Sonnenstrahlen zwischen den dunklen Fichten im Gegenlicht. Eine schon verschneite Schneeschuhspur erleichtert den Aufstieg, doch der Pulverschnee wäre auch gut zu spuren…

Erst hinaus zur Hochmulde östlich des Törlsteingipfels ist der Schnee teilweise etwas windverblasen, also halte ich mich eher am südlichen Waldrand entlang und steige mit einigen kurzen Kehren höher.

Als sich das Gelände zurücklegt und in das sanfte Gipfelplateau übergeht, wirft sich urplötzlich der Westwind über die Bergkante, dass der Schnee nur so aufstaubt!

Hier die einzige Begegnung, Schneeschuhgeher – er voraus in meiner Spur, sie tapfer hinterdrein: “Ich bin schon ganz fertig…” Aber trotz nicht tourenmäßigem Outfit weiter bis zum nahen Gipfel und bald wieder im Abstieg.

Dann stehe ich auch schon am Rand der Felskanzel – wie immer toll der Ötscherblick! Möglichst viele Fotos, denn meist geht es nur im “Blindflug”!

Plötzlich läutet mein Handy, ich kann Anni gerade zurufen: “Törlstein!” Dann bricht (wegen zu gering aufgeladenem Akku) die Verbindung auch schon zusammen… Zum gemütlichen Gipfelerlebnis ist nun kein Anlass, denn die Verhältnisse werden fast schon hochalpin, kein Mensch mehr unterwegs hier abseits der üblichen Routen, und hinunter muss ich auch noch – mit den “Prackern” (Backcountry, Langlaufschi, etwas breiter, mit Steigzone und Stahlkanten, Telemarkbindung, passende Steigfelle – für Aufstieg unerlässlich, bei unsicheren Abfahrten angenehm…)!

Über dem Göller wehen die Schneefahnen!

Wegen dem weichen Pulverschnee gelingt die Abfahrt über den steileren Hang und aus der Hochmulde zum Forstweg – allerdings mit ein paar Spitzkehren (mit den Alpintourenschi wäre das ein Genuss gewesen…) – doch relativ sicher. Und dann geht es in der etwas sanfteren Aufstiegsspur bis zum Sattel der Ebenbaueralm ohnehin ganz zügig.

Eine etwas heikle Stelle für Langlaufschi ist noch das Stück, wo die Forststraße von der Ebenbaueralm hinab zur Abzweigung Richtung Walster-Ursprung etwas steiler verläuft. Aber auch hier bremst der weiche Pulver abseits der Spur ausreichend, und für den folgenden Anstieg bis hinauf zum Gscheid benütze ich ohnehin weiter die Steigfelle. Noch ein Rückblick zum schon langsam im Dämmerlicht versinkenden Törlstein, dann ist die erste “Schitour” dieses Winters geschafft, und noch dazu als Tourenlauf mit den Backcountryskiern!

Hat sich jedenfalls gelohnt, die “Figur” wieder einmal gut durchgewalkt, und wegen dem fantastischen Ötscherblick zusätzlich!

Tourenbeschreibung in:

Auch für Schitouren und Langläufe brauchbar!

Fortsetzung meines letzten Berichtes über die Wandbilder in der Kirche St. Jakob in Kastelaz bei Tramin in Südtirol:

Das romanische Langhaus, in dem sich die im letzten Beitrag gezeigten und erläuterten Apsisbilder befinden, zeigt auf der gesamten Nordwand übereinander zwei monumentale Szenen. Im oberen Bereich befindet sich eine Kreuzigungsszene, im 14. Jahrhundert im Stil der Gotik gemalt, während die spätromanischen Fresken der Apsis um 1215 / 1220 datiert werden.

Unterhalb der Ornamentleiste sieht man schon in diesem Bild die Hauptattraktion – David hat den Goliath zu Fall gebracht und schlägt diesem, mit dem Schwert des Riesen, den Kopf ab.

Im 15. Jahrhundert kam es zu einer Vergrößerung der Kirche, indem man an die Südseite ein gotisches Seitenschiff anbaute und mit dem Turm verband. Der romanische Kirchenbau des 11. Jahrhunderts war an einem Höhepunkt der Wallfahrtsbewegung nach Santiago de Compostella entstanden. Wohl in Verbindung mit einer Burganlage, die 1279 durch Graf Meinhard II. von Tirol zerstört wurde, als er seinen Einfluss gegen die Bischöfe von Trient auszudehnen suchte.

Die gotischen Fresken im südlichen Seitenschiff sind mittels einer Inschrift auf 1441 datiert, noch bevor der heute als Hauptportal benutzte Eingang um 1500 entstand. Die gut erhaltene Szene zeigt eine Pilgergruppe, wie sie vom Kirchenpatron Jakobus empfangen wird.

Mit nur einem Schritt steigt man vom romanischen Langhaus in das gotische Seitenschiff – unter einem Gurtbogen hindurch, der mit einer medaillonartigen Bilderfolge bemalt ist. An dieser wird der belehrende und erzieherische Charakter der Fresken besonders deutlich. Im Scheitelpunkt des Bogens ist Gottvater abgebildet, dann folgen die fünf klugen und die fünf törichten Jungfrauen aus dem bekannten Gleichnis des Matthäusevangeliums als Mahnung für Standhaftigkeit und Bereitschaft. Die untersten Bilder illustrieren die Opfer von Kain und Abel.

Die Bogenwand des Seitenschiffs zeigt weitgespannt eine Marienszene – die Madonna mit dem Kind inmitten des von einer Mauer umgebenen “Paradiesgartens”. Diese Arbeit entspringt einer höfisch ausgerichteten und der Hohen Minne verwandten Religiosität der Hochgotik. Der zeitliche Wandel der Kunst wird hier im Vergleich zu den romanischen “Bestiarien” überaus deutlich, nur ein halbes Jahrhundert nach diesen Fresken beginnt doch bereits die Neuzeit mit ihren gewaltigen Umwälzungen. Der verschlossene Garten gilt als Sinnbild für die Jungfräulichkeit Mariens, Engel leisten ihr Gesellschaft, auf den Mauerzinnen ist der Text des “Gloria” zu lesen, und ganz rechts deutet der mit dem Fuchs spielende Hase den paradiesischen Frieden an.

Ganz reizend wirkt der kleine Engel, der links im Bild das Tor zum Paradiesgarten einladend geöffnet hält.

Das gemeinsam mit dem Bild des Gewölbebogens vorhin gezeigte Kreuzrippengewölbe ist mit besonders gut erhaltenen gotischen Fresken bedeckt. Während die Fresken der Altarwand erst nach 1973 zum Vorschein kamen,  wurden die Deckenfresken schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts freigelegt. Sie zeigen neben Evangelisten und Kirchenvätern auch vier Engel, die auf Schriftbändern das Lob Gottes verkünden. Kurios – drei davon sind mit wallenden Kleidern versehen, der Engel im altarnahen Ausschnitt aber nur mit seinen Flügeln! Wie bei mehreren anderen Szenen muss man genau hinschauen, und ohne Hilfe des Kirchenführers, aus dem ich zitiere, blieben Einzelheiten und selbstverständlich die Deutungen der Bilder nur unzureichend erlebbar…

Den Abschluss für meine Wandertipp-Kunstbetrachtung habe ich wieder aus dem kompakten und zugleich überaus informativen Kirchenführer herausgelesen, und zum Glück haben wir das Bild beim Fotografieren nicht übersehen!

Es befindet sich an der Westwand neben dem Kirchenportal und zeigt die erst Anfang des 15. Jahrhunderts greifbar gewordene “Hühnerlegende” (ich zitiere aus dem aufliegenden Kirchenführer nach Verena Friedrich, Kunstverlag Peda – Passau): In dieser Legende wird von einer Begebenheit berichtet, die einer Familie auf dem Pilgerweg nach Santiago widerfuhr. In einer Herberge versteckte der Wirt in deren Gepäck einen Silberbecher. Nach ihrer Abreise wurde der vermeintliche Raub bemerkt, der Sohn der Pilger gefangen genommen, verurteilt und schließlich gehängt. Die Eltern pilgerten allein weiter. Als sie nach 36 Tagen aus Compostela zurückkamen, fanden sie ihren Sohn lebend am Galgen hängen! Der hl. Jakobus hatte ihn die ganze Zeit über gestützt und so am Leben erhalten. Daraufhin wurde der Wirt zur Verantwortung gezogen und gehängt. Eine Ausschmückung der Legende (zur Zeit der Freskierung vermutlich aktuell) berichtet dazu – als die Eltern ihren Sohn noch am Leben fanden, teilten sie dieses Wunder dem Richter mit. Dieser saß gerade zu Tisch bei einem gebratenen Huhn. Er glaubte den Pilgern nicht und meinte: “Euer Sohn ist so lebendig, wie dieses Huhn auf meinem Tisch!” Daraufhin soll das Huhn davongeflogen sein, der Richter erkannte seinen Irrtum ebenso wie das Wunder und übte Gerechtigkeit für die falsche Beschuldigung des Wirtes…

So schließt sich der Kreis von den Jakobspilgern in der Kirche St. Jakob auf Kastelaz, und die zahllosen Pilger auf den modernen Jakobswegen werden ja wohl auch eigene Wunder während ihrer langen Wallfahrt zum hl. Jakobus erleben können. Erzählfreude gibt es ja aktuell dazu genug, auch wenn medienattraktiv nur kleine Stücke davon eingefangen werden. Anni hat eine solche Pilgerreise schon mitgemacht, allerdings ohne Kamerabegleitung und nur mit einigen Fotos für´s Familienalbum. Unsere Freunde Wolfgang und Helga Wald, beide ausdauernde Waldviertler und in Eschenau an der Traisen NÖ ansässig, sind aber wirklich in mehrjährigen Etappen von Wien bis nach Santiago und ans “Ende der Welt” (Finisterre) zu Fuß und ohne Marscherleichterungen unterwegs gewesen!

Aus DUMONT Kunstreiseführer: Auf einem mit Reben bedeckten Hügel knapp oberhalb Tramins erhebt sich weithin sichtbar die Kirche ST. JAKOB IN KASTEL(L)AZ. Sie enthält den bedeutendsten Kunstschatz des Unterlandes: einen Freskenzyklus aus dem frühen 13. Jahrhundert, der mit seinen Bestiarien eine in den erhaltenen Wandmalereien der Romanik einmalige Darstellung besitzt.

Waren wir bei unseren zweimaligen Besuchen in Kastelaz (so die einheimische Schreibweise) schon überaus beeindruckt von den überwiegend gut erhaltenen Wandbildern, so hat  die Deutung der teilweise obskur wirkenden Darstellungen (“Bestiarium” laut DUMONT) im dort aufliegenden Kirchenführer (Verena Friedrich / Kunstverlag Pada – Passau) mein äußerstes Interesse geweckt. Die Zusammenfassung in bezug auf unsere Bilder folgt nun:

Apsis in der Ostwand der Jakobskirche

Der unterste Bildstreifen (als eine Art “Bestiarium”) zeigt zwei Gruppen von Fabelwesen, getrennt durch freie Stelle des früheren Altars. Sie befinden sich sozusagen im Keller der Welt und wurden früher als Symbol für Bosheit und Genussucht interpretiert. Als Bildpredigten für des Lesens Unkundige – an erster Stelle stand die Warnung vor Fehlverhalten und dessen schädlichen Folgen. Die Mischwesen könnten auch die menschlichen Laster darstellen. Oder sie zeigen Vertreter jener geheimnisvollen Völker, die an den äußersten Grenzen der Welt siedelten und zu welchen die von den Aposteln (im mittleren Bildstreifen) verkündigte Lehre Christi (im Scheitel der Apsis) noch nicht vorgedrungen sei.

Das linke Mischwesen aus Mensch, Vogel und Fisch (durch die phrygische Mütze als heidnischer Bewohner der östlichen Erdgrenze erkennbar) besitzt unbändige Kräfte und kämpft gleichzeitig gegen einen Kentauren (Mischung aus Ross und Mensch, dieser versucht gerade eines der beiden Vogelbeine auszureißen) und gegen einen Bogenschützen (Fisch und Mensch), den er mit seinem Feueratem unschädlich machen will. Zudem hält er in der Rechten die gefürchtete indische Schlange Manticora, gegen deren Gift kein Kraut gewachsen ist. Welche Stellung der Hundsköpfige einnimmt (unheimlicher Kopf direkt auf dem Gesäß aufsitzend, dazu menschliche Beine in Strümpfen und Schuhen) bleibt offen…

Rechts von der ehemaligen Altarstelle treten als Nebenaktöre  zwei Wasserschlangen auf, die eine wird von dem Hundsköpfigen (sogenannter Kynokephale, ebenfalls Vertreter eines sagenhaften Grenzvolkes) verschlungen, die andere doppelschweifige beißt den Delfinreiter in die Wade – warum? was dem mittelalterlichen Bildbetrachter sicher bekannt, wir wissen es nicht mehr (müssen sogar die Fachleute zugeben). Die Hundsköpfigen waren Halbmenschen, die sich zwar nur durch Bellen verständigten und von Fischen lebten, aber nach Meinung mittelalterlicher Theologen bekehrenswürdig waren.

Die beiden mittleren Gestalten des rechten “Apsiskellers” sind in ihrem Symbolgehalt verwandt: Die Fischfrau oder Sirene ist die Vertreterin der weiblichen, der Delfinreiter der Vertreter der männlichen Sexualität. Die Sirenen galten als Meisterinnen der Verführung, weshalb sie auch mit geöffneten Flossen dargestellt wurden (man denke an das Odysseus-Epos), die Meerjungfrau von St. Jakob hat die Flossen gekreuzt, vermutlich eine Aufforderung zur Selbstbeherrschung. Der durch eine später angebrachte Nische (ähnlich einem Sakramentshäuschen) beschädigte Schattenfüssler ist eine nicht deutbare Kuriosität, von der schon griechische und römische Geschichtsschreiber wussten. Am Rand der Welt daheim, hielt er der glühenden Hitze (der Sahara) stand, dazu diente ihm der einzige Riesenfuß, den er wie einen Sonnenschirm ausbreiten und auf dem er vor Feinden blitzschnell davonhüpfen konnte. Die Attacke eines gehörnten Wesens (ein Meeresnashorn?) scheint er noch nicht zu bemerken.

Auf dem Bild vorher ist schon die Figur an der rechten Seite der Apsis aufgefallen. Sie ist wie ihr Gegenstück an der linken Seite der Apsis sehr groß dargestellt und stark gekrümmt von der mit Kopf und Händen getragenen Last. Beide sind als Atlanten anzusehen und wurden als das aus dem Paradies vertriebene Stammelternpaar angesehen, allerdings nackt und in offensichtlich vorgerücktem Alter (im Gegensatz dazu wurden Adam und Eva nach dem Sündenfall stets bekleidet dargestellt).

Auch die mittlere Zone der Apsis ist noch nicht von Fabelwesen frei, denn oberhalb des (mit Schuhen versehenen!) Adams befindet sich eine verführerische Vogelsirene (in der griechischen Mythologie auch Totenengel), und oberhalb von Eva ist das männliche Pendant zur Sirene abgebildet – ein Ziegenfisch, dessen einziges langes Horn wohl die sexuelle Aggressivität darstellen soll.

Doch nun begeben sich die Bilddarstellungen schon in die eher menschlichen Sphäre, wenn auch in überhöhter Form der zwölf Apostel. Diese sind zu Paaren beiderseits des Apsisfensters (dieses diente früher als symbolischer Lichteinfall hinter dem Altar) aufgereiht, aber nicht in Art von Ikonen, sondern in lebhaftem Disput vertieft.

Die bekrönende Apsiskalotte ist der Majestät Gottes gewidmet, die alles Leben überstrahlt, dargestellt in aus byzanthinischen und frühromanischen Kirchen bekannter Art. Christus als Weltenherrscher auf dem Thron, seine gottgleiche Herrlichkeit durch die regenbogenfarbige Mandorla ausgedrückt, umgeben von den Evangelisten. Johannes der Täufer und die Gottesmutter Maria daneben sollen beim Weltengericht Fürbitte für die Menschheit leisten. Dies höchste Bildzone ist allerdings (im Gegensatz zur tiefsten) in einem eher schlechten Zustand erhalten. Eine ähnliche Darstellung findet man auch in St. Jakob in Grissian, während wir die “Bestiarien” auch in der romanischen Kapelle von San Romedio am Nonsberg gesehen haben.

Was uns an Südtirol so interessiert, dass wir wie viele andere Gäste immer wieder gern dorthin kommen? Auf den einfachsten Nenner gebracht – Landschaft & Geschichte, dazu natürlich auch zu passender Zeit die Welt der Alpenblumen. So haben wir im Gästebuch von Irmgard und Sepp Pircher ( “Hofmannshof” in Lana) heuer schon den siebenten Aufenthalt gezählt!

Tramin an der Weinstraße – immer wieder ein bevorzugtes Ziel! Vom zentral neben Meran gelegenen Lana aus ist die Auswahl der Tourenmöglichkeiten außerdem sehr vielfältig. Ob der Vinschgau mit den Hochtälern bis in die Ortlergruppe oder die von uns geradezu “erforschten” Waalwege. Neben der näheren Umgebung lockt vor allem auch das Überetsch, von Eppan angefangen, sowohl wegen seiner lieblichen “Weinlandschaft” als auch mit seinen romantischen Ortsbildern. Am weitesten in dieser Richtung sind wir bis nach Tramin gekommen.

St. Jakob auf Kastelaz oberhalb von Tramin

Die Weine von Tramin haben seit jeher Weltgeltung, vergleichbar mit dem Ungarischen Tokayer oder einigen österreichischen Besonderheiten, der Gewürztraminer hält den Ort sozusagen in seinem Namen fest. Indem wir uns jedesmal auch einige kunsthistorische Ziele vornehmen, sind wir in Tramin auch am richtigen Platz, noch dazu weil die uns besser bekannten Jakobskirchen – an einem Jakobsweg nach Santiago de Compostella gelegen – mit ihren romanischen Fresken zu den bedeutendsten in Südtirol gehören. Über Grissian habe ich schon berichtet, und in diesem Urlaub fanden wir in San Romedio am Nonsberg gleich ein vergleichbares Bild.

Noch bevor die Hochblüte der Gotik in Baukunst und Malerei einsetzte, hat die Zeit der Romanik einzigartige Spuren hinterlassen, eine bizarre Bilderwelt, die in den religiösen Vorstellungen dieser archaisch wirkenden Kunstepoche wurzelt. Im vorigen Bild von San Romedio – eigenartige Mischwesen von Mensch und Tier, alle auch von symbolischer Bedeutung, wie sie besonders anschaulich im Kirchenführer von St. Jakob in Kastelaz nachzulesen ist. Wie immer muss ich mir bei dieser Gelegenheit vornehmen, vor einer Besichtigung die Spezialliteratur durchzusehen oder als allererstes den Kirchenführer anzuschauen! Das lohnt sich wegen dem besseren Verständnis und weil man nicht etwas ganz Hervorragendes übersehen kann. In Tramin hatten wir heuer den Vorteil, bereits 2008 fleißig fotografiert zu haben, die  damaligen Bilder (Olypus Superzoom) erwiesen sich nämlich als viel problemloser als die heurigen (Coolpix 500/510), wobei es selbstverständlich auf die Lichtverhältnisse ankommt, auch wenn an sich für mich stimmt “digital ist meist ideal”!

AB Blick von Tramin gegen Kastelaz und die Jakobskirche

So fuhren wir also in der Mitte der zweiten Urlaubswoche (25. Oktober 2017) auf der bekannten Route über Eppan und Kaltern gegen Tramin, auf der Südtiroler Weinstraße, allein schon das ein Landschaftserlebnis der Sonderklasse und aus unserer Sicht der überlasteten Autobahn über  Bozen vorzuziehen. Vorbei an den Abzweigungen zum Kalterer See gelangt man an eine Straßenkreuzung mit einer höher am Hang des “Mendelgebirges” verlaufenden Seitenstraße (dort besuchten wir einmal die Burgkirchenanlage von St. Peter), und hier geht es gleich rechts ab nach Kastelaz, sozusagen einem höher am Hang gelegenen Vorort von Tramin.

Wegweiser zeigen schon die Route zu der berühmten Kirche, ein großer Parkplatz steht zur Verfügung, und dann geht man gemütlich durch die malerische Ansiedlung bergwärts, nach freundlicher Auskunft etwas links haltend und dann eine Art Kirchenstiege hinauf. Die große Pfarrkirche von Tramin liegt schon tiefer, die Weinrieden sind zwischen alten Gehöften eingebettet, zuletzt erfolgt der Ausstieg zu einem kleinen Platz mit Brunnen, und mit ein paar Schritten rechts stehen wir vor der Jakobskirche von Kastelaz.

AB Brunnen und Jakobskirche

Fast rituell ist zunächst ein Rundgang um die Kirche, und dabei wird die Gliederung des im 11. Jh. (wie ich vermute auf einer frühgeschichtlichen und antiken Kultstätte) begonnenen und ursprünglich in eine Wehranlage einbezogenen Bauwerks deutlich:  Vor uns sehen wir den jüngsten Teil, das gotische südliche Seitenschiff aus dem 14. Jh., daneben der gut 300 Jahre ältere massive Turm. Dahinter und vom Zugang her versteckt befindet sich das romanische Langhaus, versehen mit einer Apsis und einem jüngeren Sakristeianbau.

AB Turmportal und Apsis

Die Kirche betritt man durch das südseitige Portal und wird – obwohl in den reich mit Fresken ausgestatten gotischen Teil tretend – sofort gefesselt von  einer liegenden Gigantenfigur, die fast die ganze untere Längswand des romanischen Langhauses einnimmt.

Der Hirtenjunge David hat mit einer Steinschleuder den Riesen Golith zu Boden gestreckt und vollendet seinen Sieg, in dem er dem Riesen mit dessen eigenem Schwert den Kopf abschlägt. Oberhalb dieser alttestamentlichen Szene steht das monumental wirkende Kreuzungsbild für das neue Testament. Nach dieser ersten Überraschung wendet sich der Blick nach rechts in die ostwärts vorgewölbte Apsis, die in dreistöckigem Aufbau die Geisteswelt von den niedrigsten Stufen bis zur höchsten Vollkommenheit darstellt.

In der untersten Zone bewegen sich zwei Gruppen von Fabelwesen, flankiert von Atlanten (Trägerfiguren), jeweils überhöht von einer weiteren obskuren Gestalt. Im Innern der Apsis finden sich in Paaren die Apostel ein, sozusagen als Stufe der Menschen, die aber bereits dem Höchsten nahe sind. Der thronende Christus im höchsten Abschnitt, dem sogenannten Kalottenfresko, stellt den aus frühromanischen und byzantinischen Kirchen bekannten Weltenrichter dar, außerhalb der Mandorla die Evangelisten sowie Johannes der Täufer und die Gottesmutter Maria.

In das ebenfalls großräumige südliche Seitenschiff zurücktretend, erfolgt der Schritt in die Zeit der Gotik. Die Fresken sind nach 1400 entstanden und südtiroler Künstlern zuzuweisen. Der Unterzug des Trennbogens ist mit zahlreichen medaillonartigen Darstellungen überzogen, das Kreuzrippengewölbe enthält sehr gut erhaltene Darstellungen von Engeln und der vier Evangelisten.

AB Romanisches Langhaus (links), Trennbogen und gotischer Teil

Das Fresko über dem Steinsockel dient zugleich als Altarbild und zeigt die Kreuzigungsszene. Eine Besonderheit haben wir diesmal übersehen, nämlich die Seitenwand des Gewölbes beim Eingangsportal. Auf unseren Bildern von 2008 habe ich diese  (im Kirchenführer gezeigte) Stelle allerdings gefunden und eine Ausschnittsvergrößerung anfertigen können. Es zeigt – dem schon im frühen Mittelalter hoch modernen Jakobsweg entsprechend – eine Pilgergruppe, die von der Erscheinung des Hl. Jakobus empfangen wird. Eine analoge Darstellung neben dem Außenportal haben wir jedoch einfach übersehen (oder sie war nicht mehr so augenfällig).

Eigentlich verwunderlich ist, dass die Jakobskirche offensteht und man nur zu einer Spende aufgefordert wird. Danach treten wir auf den Bergsaum unterhalb von Turm und Apsis hinaus, und von dort aus wird die hervorragende Lage der Kirche besonders fassbar. Weit geht der Blick gegen Norden vom Überetsch bis zu den Bergen im Hintergrund von Bozen und Meran, idyllisch ausgebreitet der Kalterer See, dahinter die Sarntaler Alpen und östlich gegenüber die Berge vor der Latemargruppe mit ihren Steilabstürzen gegen das Etschtal.

Hätten wir nicht zurück zum Parkplatz müssen, wäre die Wanderung gleich weiter ins Ortszentrum von Tramin gegangen. Darüber schreibt Lutterotti in der Südtiroler Landeskunde: Das Dorfbild von Tramin hat trotz der vielen neueren Bauten durchaus den Charakter eines behäbigen Weinbauernortes bewahrt – enge, oft miteinander verwachsene Häusergruppen mit tiefen Kellern und schönen, runden Torbögen, die in einen kleinen Hof führen, aber auch stattlichere Gebäude, denen man noch früheren Glanz ansieht.

Wir besichtigen zunächst noch die Pfarrkirche, deren Turm zu den höchsten in Südtirol gehört (Bilder von Anni), lassen wir uns auch zur Mittagsrast im Vorgarten eines alten, nun eher als Pizzeria fungierenden Gasthauses nieder. Gegenüber steht das Rathaus, und der Stolz Tramins auf seinen Wein ist offenkundig!

Wir wissen jedoch noch um ein weiteres kunsthistorisches Ziel in Tramin, die südlich außerhalb gelegene Friedhofskirche. Auf dem Weg dort hin durch die schmale alte Gasse wird der vorher geschilderte Charakter des Ortes  besonders deutlich:

Die Valentinskirche aus romanisch-gotischer Zeit steht in dem von Weingärten umgebenen Friedhof, leider ist sie versperrt, und außer einem schönen Blick über die Landschaft und einem spärlichen ins Kircheninnere wird uns hier nicht viel geboten. Trotzdem hat sich der Rundweg über die alte obere und untere Ortsstraße schon allein wegen der Bewegung ausgezahlt. Wir können uns auch ruhig Zeit lassen, denn beim Überstellen des Autos von Kastelaz ins Ortszentrum von Tramin haben wir schon die Weinkellerei aufgesucht, eine ganz moderne Anlage, und uns mit einigen Erinnerungsstücken eingedeckt… Übrigens ist uns vorgekommen (wir sind aber keine speziellen Weinkenner, sondern eher Geschmacksgenießer), dass uns jeglicher Traminer heuer besser vorgekommen ist als die Kalterer und Meraner Weine.

Der Pestpatron Hl. Rochus (? mit Hund und weil er auf seine Pestbeule zeigt?) und die Valentinskirche

AB Valentinskirche im Friedhof

Dieser erlebnisreiche Tag endet mit der (gar nicht so schlimmen) Rückfahrt über Kaltern und Eppan zur MEBO beim Schloss Siegmundskron. Abends gibt es “Schnellküche” mit Weißwurst, Forstbier und gebratenen “Keschtn”… dann noch Bilder speichern und nur mehr ausrasten…

Über die Deutung der Fresken von St. Jakob in Kastelaz bringe ich bald einen eigenen Bericht, auch im meinen facebook-Seiten: Bernhard Baumgartner / Autor / Kral-Verlag und Wandertipp bernhard baumgartner

Bei jedem unserer Urlaube in Lana haben wir eine Tour immer wieder unternommen – den alten Schnalstalweg hinauf zum Schloss Juval.

AB Schloss Juval

Blick ins Schnalstal

Seit etlichen Jahren befindet sich Juval im Besitz von Reinhold Messner und ist jetzt eines von mehreren “Messner-Mouintain-Museen” in Südtirol. Man geht aus dem Tal ein bis eineinhalb Stunden hinauf bis zum Schloss, das hoch über dem Vinschgauer Sonnenberg und der Talschlucht des Schnalsbaches förmlich auf einem Hangvorsprung “thront”. Früher führte der Weg ins Schnalstal über Juval, erst später wurde die Straße unten gebaut und neuerdings durch einen Tunnel ersetzt.

Das Wasser zu den Waalen am Sonnenberg wird übrigens vom Walchhof (eigentlich Waalhof) aus dem Schnalsbach entlang der Steilhänge hergeleitet, immer wieder von Steinschlägen  bedroht und daher in verrohrtem Lauf.

Ausgangspunkt für den “Juvalweg” ist der Ort Staben (nahe der Abzweigung ins Schnalstal gibt es einen Parkplatz und Shuttlebus über eine schmale Bergstraße zum Schloss). Als wir der Karte nach das erste Mal den Weg suchten, kamen wir unversehens in die Steilhänge hinein, bis wir entdeckten, dass gleich neben der alten Kirche von Staben an einem Haus der Weg sogar “beschildert” ist (sozusagen ein Straßenschild aus alter Zeit).

Zwischen alten Häusern im Bogen bergwärts, gelangt der vielfach mit Steinen gepflasterte, oft hohlwegartig in den Steilhang gegrabene Saumweg hinauf zum Sonnenberg. Vorher geht es noch zwischen Apfelgärten und unter den “Pergeln” der Weingärten durch. Eine Naturschutztafel weist auf das Biotop Sonnenberg hin – extrem trockene Steilhänge, von Felsstufen durchsetzt, bedeckt mit Trockenrasen und Gebüsch. Es gibt aber anfangs auch viele Edelkastanienbäume, und einmal konnten wir beobachten, wie die dort weidenden Ziegen ganz geschickt die Kastanien aus ihrer stachligen Hülle herausknabberten! Die Aussicht ist jedenfalls ununterbrochen fantastisch, hinab ins Tal auf die Ortschaften und die endlosen Apfelkulturen, gegenüber der Bergkamm gegen das Ultental. Im Frühsommer blühen hier viele seltene Blumen (darunter eine als Pulsatilla alpina angesehene Küchenschelle, die aber unser Freund Prof. Karl Oswald als Spezialist doch für eine Variante der Nickenden Küchenschelle / P. pratensis nigricans hält, die auch etwa in Niederösterreich vorkommt). Bei unserer letzten Tour am 19. Oktober war natürlich alles, noch dazu nach dem heißen und trockenen Sommer, weitgehend verdorrt, nur einzelne Sträucher zeigten ihre bunten Herbstfarben.

Dann queren wir einen Wasserlauf, den Stabener Schnalswaal, gehen aber auf dem Hauptweg weiter und kommen im Bogen durch immer freieres Gelände zum Gasthaus Sonnenhof. Die Wege sind hier gegenüber unserem letzten Besuch etwas verändert, wir gehen auf der neu angelegten Route direkt hinauf zum Schloss Juval und kommen dabei noch durch dessen “Bauerhofgelände” mit allerhand Tieren, dickbauchigen Schweinen und einer Menge Hühnern.

Kakibaum beim Sonnberghof

Das Schloss selbst und das Museum wollen wir nicht mehr besichtigen, aber bis zum Portal in den Gartenhof können wir noch vordringen, auch hier befinden sich überall Statuen aus Reinhold Messners Sammlungen.

Nach einem Blick ins Schnalstal gehen wir denselben Weg ein Stück zurück und rasten an einem einladenden Platz, wo uns ein kleines Tier als Beweis für die klimatische Gunst des Vinsch´ger Sonnenhangs auffällt.

Gottesanbeterin

Beim Gasthof trennen sich die Wege für den Abstieg, wir wählen geradeaus den oberen geradeaus führenden Tscharser Waalweg, zugleich “Vinschger Höhenweg” mit der netten Fußspur, der uns bis nach Kastelbell bringen könnte. Dieser Wanderweg ist bestens ausgebaut und quert mit einigen Aussichtspunkten die Wälder am Sonnenberg – ein ideales Dahinbummeln neben dem munter fließenden Waalwasser, wobei die Neigung manchmal so gering ist, dass man fast meint das Wasser bergauf fließen zu sehen.

In einem schluchtartigen Einschnitt wird das Waalwasser durch eine überbrückende Rinne zur Fortsetzung des Waals geleitet, dann geht es weiter wie gewohnt im flachen Verlauf. Wir verschmähen die abkürzenden Wege zu einem Gasthaus und könnten so bis Kastelbell weitermarschieren. Aber zuvor noch eine weithin zu hörende Besonderheit – eine Waalschelle: Von einem Wasserrad angetrieben schlägt ein Hammer unaufhörlich gegen eine Metallglocke und zeigt so an, dass der Wasserfluss nicht unterbrochen ist. Wenn der Waaler (zur Aufsicht bestellte Person) die Schelle nicht schlagen hört, muss er sich sofort aufmachen, um den Schaden zu beheben, meist den verlegten oder nach Unwettern ausgebrochenen Waal wieder zu reparieren. Man erzählt, viele ausgewanderte Südtiroler würden das Schlagen der Waalschelle selbst in der Ferne noch als “Klang ihrer Heimat” nachempfinden…

Dann führt der Waalweg aus dem Wald heraus zu einer Bergecke, wo ein Asphaltweg von Tschars heraufkommt. Hier brechen wir unsere Waalwanderung ab, denn wenn wir im Tal nicht gerade einen Zug erwischen, könnten wir auch zu Fuß auf dem Radweg nach Staben zurückgehen. Dieser Entschluss erweist sich jedenfalls als höchst angenehm – beim Durchqueren des malerisch am Hang gelegenen Ortes mit seinem hochragenden Kirchturm kommen wir nämlich am “Dorfcafe” vorbei. Die Buchweizentorte dort war ebenso köstlich wie der Kaffee, den wir uns schon ausreichend erwandert hatten!

Von dort oben sind wir hergekommen, und nach ein paar Minuten Wartezeit kommt auch schon ein Zug der famosen Vinscherbahn daher, ein ganz modernes Verkehrsmittel, das zwar den Durchzugsverkehr nicht vermindern wird (obwohl es sogar Pläne zum Anschluss an das Rätische Bahnsystem der Schweiz gibt), sich für Wanderer und sogar Radfahrer aber ganz ideal erweist.

Uns ist schon aufgefallen, dass die Apfelgärten jetzt eifrig bespritzt werden – von Irmgard haben wir dann in unserem Quartier erfahren, dass damit der Blattfall beschleunigt werden soll (indem die Blätter nicht an den Ästen verdorren). Am Sonnenberg (mit dem Stabener Kirchturm ganz rechts unten sichtbar) erkennt man am bunten Baumwuchs, wo die beiden Waale verlaufen, denn dazwischen sind die hellen Felsen und Trockenrasen deutlich zu sehen. Nach ein paar Minuten, kaum dass wir uns  niedergelassen haben, heißt es schon wieder auszusteigen – bequemer würden wir mit der Bahn nach Meran weiterfahren. Aber in Staben parkt ja unser Auto, und an der Töll gibt es wieder den schon im Radio angekündigten Stau…

Vor zwei Wochen hatten wir im Gölsental noch schöne Herbstfarben – golden allerdings nur die Lärchen, aber vor dem schon aufgeblühten Duft-Schneeball in tollem Orange die “durchgewachsene” Unterlage unseres Japanischen Ahorns. Inzwischen verlieren sich die Farben, im Gegensatz zu den Winterblüten samt den Perlen nächtlicher Regentropfen.

Vom Sengenebenberg und von den Wiesen in Höhe von Tarschberg und Staff schaut seit ein paar Tagen schon Schnee herunter, obwohl der angekündigte starke Wintereinbruch im Gölsental noch ausgeblieben ist. Aber vielleicht ist doch hoch oben schon alles verschneit und womöglich mit Raureif überzogen?

Der Wetterbericht versprach für heute (Montag, 27. November) einzelne Aufhellungen, also über Annaberg hinein ins Gebirge! Ötscher und Gemeindealpe sind aber noch völlig zugehüllt, erst am Zellerrain gibt es Hoffnung auf einzelne Wolkenlücken. Ich starte also Richtung Höchbauer (Hechtbauer) bzw. Eisernem Herrgott (Auf der Brach) mit dem Ziel Breimauer. Zunächst geht es die ein paar Zentimeter verschneite Forststraße entlang, und immerhin sind die Zellerhüte auszunehmen.

Riesenfichte vor der Hechtbauernwiese, so dick wie mein Bergstock lang ist!

Die Unterlage des Neuschnees ist inzwischen tiefer geworden, und als ich auf die Wiese hinausstapfe, breche ich schon weit über die Knöchel ein. Kein Problem – hätte ich die schon hergerichteten Schneeschuhe nicht zuhause liegen gelassen! So erspare ich mir den Aufstieg und die Querung zur Brunnsteinalm, denn über den Kamm ziehen immer noch dichte Wolken daher, es schneit immer wieder ein bisschen trotz vereinzelter (eher ganz seltener) Wolkenlöcher…

Die Wiese beim Höchbauern (als “Hechtbauer” früher als höchstes Gehöft Niederösterreichs angesehen) hat ein wunderbares Panorama – wenn die Aussicht halbwegs frei ist. Heute nicht einmal halbwegs, immerhin sieht man Schwarzkogel und Zwieselberg, aber die hohen Gipfel wie Dürrenstein und Kräuterin sind eher nur zu ahnen. Übrigens im Bild die eigenartige Steinschlichtung vor dem als Landhaus hergerichteten Gehöft – ob das der Küchengarten war? Oder ist ein kleiner Stadel einstens drauf gestanden? Näher am Passübergang hätte man sogar auf den Rest eines Wachturms schließen können… Der Bewuchs verrät auch nichts, Sedum könnte allerdings eher für Garten sprechen…

Also drehe ich um, das letzte Bild verrät warum… Eine  Runde um die Lichtung herum beschließt meine kleine “Schneeschnuppertour”. Pech gehabt, eine “meteorologische Fopperei” (wird sich erst noch bewahrheiten), hätte auch schlechter sein können, mit Nebel und Schneetreiben etwa.

So stapfe ich wieder zum Zellerrain zurück und fahre Richtung Erlaufsee – von der so schön am Hang angelegten Straße wirken die Zellerhüte in ihrer ganzen Breite zwar recht eindrucksvoll, aber höchstens als Panorama fotogen, und wo sollte man da auch stehenbleiben können? Beim Seehof vorbeifahrend, bleiben mir fast die Augen stecken – hinter der Gemeindealpe blaut der Himmel, und voller Sonnenschein umspielt den Gipfel!

Ein idealer Fotoplatz am Erlaufsee, wenn man den Brunnstein und die Gemeindealpe im Hintergrund haben will, ist genau bei der Tauchbasis am Seeende, wo man auch kurz parken kann. Also komme ich doch noch zu ein paar Schönwetterbildern, bevor ich über Mariazell und das  Gscheid diese ideale Ausflugsfahrt beschließe.

So stellt man sich eine ideale Alpenlandschaft vor, oder zumindest man wünscht es sich!

Tatsächlich aber werden die Alpen (besonders die vergletscherten) wie in Österreich auch in Italien und ebenso in allen Alpenländern für die Energiegewinnung ausgebeutet. Rücksichtslos? Das mag einmal gewesen sein, wobei ich in Italien den Reschensee mit dem darin versunkenen Dorf Reschen (die abgesiedelten Einwohner nicht einmal ordentlich entschädigt) als Negativbeispiel nennen kann. Auch rund um den Ortler gilt das, vor allem im Ultental, dessen vergletschertes Einzugsgebiet ohnehin eher unwesentlich ist und vom “Gletschersterben” wegen seiner geografischen Lage besonders betroffen wird (Seehöhe maximal 3000 m und keine großflächigen Eisgebiete, eher immer mehr im Erosionsschotter versinkende Hochlagen.

Dass uns dort ein wunderbares Naturerlebnis beschert wurde, hängt wohl am üppigst vorstellbaren “Lärchengold”, aber auch damit zusammen, dass bei der Routenwahl und bei den Fotostandpunkten immer auf Beeinträchtigungen wie Staumauern und leere Speicherbecken geachtet wurde!

AB Weißbrunnersee

Das beste Beispiel sind die vorigen Bilder vom Weißbrunnsee im obersten Ultental! In diesem urigen Gebirgstal waren wir heuer zum dritten Mal, vorher schon zur Krokuszeit auf dem Ultener Höfeweg, einer ganz netten talnahen Wanderung. Diesmal fuhren wir am 20. Oktober von St. Gertraud auf einer schmalen Bergstraße weiter bis zum großen Weißbrunnsee. Ohne diesen Stausee gäbe es wahrscheinlich keine Möglichkeit, bis zum Ausgangspunkt auf 1900 m aufzufahren, wenn auch auf einer asphaltierten und für den öffentlichen Verkehr freigegebenen ehemaligen Werksstraße. Mit Glück hat man keinen Gegenverkehr oder begegnet ihm gerade bei einer Ausweiche… Los ist hier (vor allem im Vergleich zum Sommer) überhaupt nichts, die vor Jahrzehnten mit dem Kraftwerksbau entstandenen “Hotels” sind womöglich nicht einmal in den Sommerferien belegt, trotzdem “Ausflugszielcharakter”. Mit den ersten Schritten in den Lärchenwald hinein, ist jedoch wirklich nur mehr Natur zu spüren.

Sogar das Marterl ist schon im “Winterschlaf”, und nur mehr wenige Wanderer sind unterwegs, die Jahreszeit ist einfach schon zu weit vorgeschritten, aber nur jetzt erlebt man die “goldenen Lärchen”, bevor sie mit dem ersten Schnee ihre Nadeln verlieren. Frost hat es schon gegeben, stellenweise ist sogar noch am späten Vormittag der Boden vereist. Vom aufgestauten Weißbrunnsee, dessen Wasser später talaus noch einmal in einem (jetzt herbstlich leeren) Stausee aufgefangen wird, führt eine Werksseilbahn hoch hinauf zum Grünsee. Der Wanderweg dorthin ist wegen Wintersperre der Höchster Hütte aber nicht begangen, und der Übergang übers Zufrittjoch ins Martelltal wird so spät auch nicht mehr gemacht. Unser klassisch gut ausgebauter Treibsteig wendet sich ohnehin einem näheren Ziel zu. Durch Lärchen-Zirben-Bestände geht es in gemächlichen Kehren hinauf zur Almhütte auf der Mittleren Weißbrunnalm.

Hier befinden wir uns schon in den weiten Karflächen, die oberhalb der Steilstufe vom Tal herauf sich hinzieht bis zum Anstieg der Grate und Gipfel. Im Juni 2006 sind wir ebenfalls hier heraufgewandert, allerdings bei drohenden Gewitterstimmungen, gerade noch bis zur Oberen Weißbrunnalm, wo die Passübergänge nach Rabbi im Val di Sole hinüberführen. Heute wollen wir den kleinen Fischersee aufsuchen, denn hier ist derzeit die ideale Höhe fürs “Lärchengold”, und außerdem haben wir diesen Seitenweg nicht in Erinnerung.

Über einen Hügel zum Seeufer und auf dem kurzen Steindamm weiter, wo ein extrahübscher Rundgang um den See anschließt.

Die alpine Szenerie ist perfekt, Vordergrund mit Seeufer, das die Gipfel im Hintergrund spiegelnde Wasser, dazu ein perfektes Licht – kein Wunder, dass wir vor lauter Fotomotiven schon fast überwältigt werden!

Hier unsere gemischten Bilder!

Die schönste Mittagszeit verfliegt nur so im Oktober, daher gehen wir nicht noch zur Oberen Weißbrunnalm hinauf, sondern folgen dem Zulauf des Fischersees…

AB Seezulauf - aus einer Wasserfassung, wo der Weg zur Oberen Weißbrunnalm hinaufgeht (ein verrohrter Waal eigentlich)

Vor dem Einlauf in den Fischersee haben sich dicke torfartige Ablagerungen gebildet!

Am Rand der spätherbstlich fahl färbigen Wiesen umrunden wir den Kessel der Mittleren Weißbrunnalm und zielen die alte Kaserhütte an, ununterbrochen die schönsten Ausblicke und Lärchen in allen Gestalten, allesamt goldgelb.

Auf der Bank hinter der arg zerfledderten Hütte – nur der Blockbau aus dicken Lärchenstämmen hält sich noch aufrecht – gibt es endlich die verspätete Mittagsjause, Panorama inklusive!

Im Nachmittagslicht geht es dann an den Abstieg, vorbei an der Hütte der Mittleren Weißbrunnalm und hinein in den traumhaft in den späten Sonnenstrahlen leuchtenden Lärchenwald.

Beim Weißbrunnsee angekommen, ist nur mehr spannend, wie die Talfahrt auf der schmalen Bergstraße nach St. Gertraud gelingt – alles bestens, kein Gegenverkehr! Und die Ultentalstraße kommt uns dann schon fast wie eine Autobahn vor… Immer noch ist der Tag klar und schön, wohl DER Höhepunkt dieses Herbstes!

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