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Kein Zweifel, die schönste Blütezeit ist schon vorüber – aber wir sind erst jetzt am 3. Juli zur Runde um den St. Veiter Staff gekommen. Angeregt durch die herrlichen Bilder von den Roten Waldvöglein von “Alpinem Kluftknacker”!

AB Morgen im Brillergraben

Weil tagsüber nun die Hitze ganz schön arg wird, beginnen wir den Rundgang schon vor sieben Uhr – keine lange Zufahrt, echter Heimvorteil! Beim Briller sind alle Wiesen längst gemäht, sogar alle Wegränder und Waldwinkel, also wirtschaftlich gesehen bestens… Aber es bleibt in unserer Gegend ohnehin noch genug Natur über, wo alles wachsen und wuchern kann, wie es will!

Rückblick zum Hof Briller (kommt von "Brühl" = eher feuchter Talgrund) und die Riesenlinde in der Saustein-Mulde

Wo es sonst bunt und üppig blüht, steht nun auf den ungemähten Bergwiesen nur mehr das hohe Gras, zu nass vom Tau, um darin nach Blumen zu suchen. Einzelne Blüten neben der Forststraße und am “alten Burgweg” zum Staff auffallend.

AB Gilbweiderich und Pfirsichblättrige Glockenblume

AB Oberhauser

Auch die Oberhauser-Wiesen sind schon bis an die Ränder gemäht, von den Waldsteppen-Windröschen sieht man nur mehr die flockigen Samenstände. Die Zeit für alle Orchideen scheint schon vorbei zu sein – ausgenommen die Roten Waldvöglein, und sogar die schon etwas am Verblühen.

Weil wir bei Blumenaufnahmen immer wieder Probleme mit der Makroeinstellung haben, tauschen wir diesmal (wie bei der Pfingstrosentour) die Kameras. Leider stellt sich tatsächlich heraus, dass der Autofokus bei Nahaufnahmen in beiden Modellen nicht ausreichend funktioniert. Wir haben uns auch schon umgeschaut und uns eine Lumix vorführen lassen, die für diese Verwendung besser geeignet sein dürfte (wie die Coolpix für Teleaufnahmen).

Der Querweg an der Staff-Westseite dürfte etwas verbessert worden und daher auch bei Nässe besser gangbar sein. Die Staffwiesen sind restlos gemäht, aber wegen der malerischen Aussicht und der hohen Birke trotzdem ein reizvoller Standort.

Vom Staffweg zu den Bergwiesen

Der Abstiegsweg über den Briller verläuft nun recht angenehm, und trotz der fehlenden Blumenpracht war die Staffrunde wieder eine ganz hübsche Wanderung!

Bei der Heimfahrt vom Wörthersee (wieder einmal) nicht in Klagenfurt-Nord von der A 2 Richtung St. Veit an der Glan – Friesach – Neumarkt abgefahren, sondern gleich weiter auf der Autobahn bis ins Lavanttal. Dort geht es aber bei Wolfsberg über Obdach endgültig ins Murtal hinüber, eine günstige Verbindung zur Schnellstraße im Murtal und weiter nach Mürzzuschlag, wo uns dann schon die heimatlichen Berge aufnehmen…

Stadttor von Obdach

Vom Murtal zwischen Knittelfeld und Judenburg stechen uns dann immer die Seetaler Alpen mit dem Zirbitzkogel ins Auge (zwar schon oben gewesen, aber dringend zu wiederholen!) und östlich davon ein breiter Gipfel, den ich immer mit Ameringkogel angesprochen  und ebenfalls schon als Tourenziel vorbereitet habe. Bei dieser letzten Fahrt über den Obdacher Sattel hatten wir noch Zeit genug, um das Gelände dort zu erkunden. Die Gegend ist sehr weitläufig, das heißt – um hoch hinauf zu kommen – möglichst weit hinauffahren! Ein Wegweiser ist uns zum Glück aufgefallen – zur Weißensteinhütte.

Auf einer von Obdach kommenden Straße in den Lauslinggraben hinein und nach dem Tirolerwirt rechts hinauf zu den Gehöften von Kleinprethal – Ende der Asphaltstrecke, hier beginnt auch der Wanderweg über die Weißensteineben (aber so viel Zeit haben wir nicht). Die anschließende Sandstraße mit MTB-Route zur Hütte führt in den schluchtartigen Graben des Lobenwaldbaches, steile und felsdurchsetzte Waldhänge, irgendwo unten der Bach, eine Kehre hinaus ins weniger steile Waldgelände – Bürgerwald genannt. Bei jeder Abzweigung steht zum Glück ein Wegweiser, sonst hätten wir uns rettungslos verfahren. Weiter oben kommt uns ein Auto mit Einheimischen entgegen (ein Holzlaster wäre fatal gewesen…) – ja, die Forststraße kann ohne Einschränkung befahren werden! Zuletzt mit einigen Ausblicken links einen hohen Hang entlang zum kleinen Parkplatz bei der anheimelnd wirkenden Weißensteinhütte, Höhe 1702 m.

Ausblick vom Wanderweg 521 A zur Hirschegger Alpe

Ein breiter Treibweg leitet durch den Bergwald zu einem Sattel voll mit Kühen – abseits des Weges auf der Flur “Melcheben”. Noch ein Stück die Wiese hinauf, dann gabelt sich der Weg, direkt geht es zum Weißenstein hinauf (2160 m).

Dieser bildet einen Zweitausenderkamm mit dem nördlich anschließenden Ameringkogel und dem Größenberg (“Größing”), diesen hatte ich vom Tal aus als Ameringkogel angesprochen, jetzt weiß ich´s besser – wie mein Geografieprofesser in der LBA uns eingebläut hat: “Die Korte sogt eich olles!” Südöstlich schließt der Kamm zum Speikkogel an, der dann zum Hirschegger Sattel mit dem Salzstiegelhaus einbiegt.

Am Weg Richtung Speikkogel

Vom Gipfel kommende Wanderer weisen uns schon darauf hin, wie es dort oben zugeht! Denn das angekündigte Schönwetter hat sich wohl anderswohin verschlagen – hier weht ein bergwärts immer stärkerer Nordwestwind, der dichte Wolken herantreibt. Daher nehmen wir den Weiterweg an der südlichen Bergflanke, zuerst eine Forststraße, bald aber ein hübscher alter Almweg, auf dem wir zum Speikkogel gelangen würden. So kommen wir über die Waldgrenze hinaus und gerade zurecht für die Almrauschblüte! Aber auch sonst blüht es recht nett…

Berg-Nelkenwurz und ein letzter noch blühender Enzian

Eine ganz eigenartige Art von Günsel wächst hier – winzige Blüten zwischen den breiten Deckblättern! Auch die Höswurz kommt vor, als Weißzüngel bezeichnet gibt es sie in zwei Arten – hier die auf Silikat wachsende Subspezies, wie ich später nachlesen konnte, aber nur wenig von unseren bekannten kalkalpinen Form unterschieden.

Noch vor dem Almkreuz unter dem Hofalmkogel drehen wir dann um, denn schöner wird´s nicht, und Mittag ist auch schon längst vorbei. Der Weg zurück zur Weißensteinhütte ist wieder ganz angenehm, und jetzt kann man auch schon die südlichen Seetaler Alpen und den Zirbitzkogel erkennen.

Bei der Talfahrt kommt uns glücklicherweise kein Auto entgegen (vor allem kein Lastwagen), und so landen wir wieder gut unten im sonnigen, nun vom milden Südwind durchblasenen Tal. Jetzt erst “Labungsaufenthalt” in Obdach, auf dem hübschen Marktplatz (daher würde das obige Bild das Markttor zeigen) im Schanigarten vom Gasthaus Grillitsch. Hier könnte man sich recht gut für Wanderungen im “Zirbenland” einquartieren! Aber unser Urlaub ist schon vorbei… Vielleicht schauen wir uns diese Berge demnächst von der anderen Seite her an.

Halbzeit unserer Frühsommerwoche in Velden. Nach einem kalkalpinen Berg und dem “Urgesteinsmugel” Gerlitzen  noch eine Vormittagswanderung. Denn für die nächsten Tage sind nur mehr Badetemperaturen angesagt, und wenn man sich schon am Wörthersee aufhält, sollten doch eher die Sonnenstunden am Wiesenstrand ausgenützt werden.

Aber zuvor noch eine abschließende Wanderung in Talnähe, wo es wieder anders blühen sollte als auf den Bergen. Das Keutschacher Seental  liegt nahe, und so begeben wir uns in eine “Erinnerungslandschaft. Nach Aufenthalten am Hafnersee und in den Folgejahre bei Familie Loitsch in der Keutschacher Pension Vogtland, sind wir nun schon neugierig, wie es dort ausschaut…

AB Gotische Kirche von Keutschach und das idyllische Pfarrhaus

Also im Gegensatz zu den größeren und berühmteren Kärntner Seen geht es hier voll ländlich zu. Eine kleine Idylle rund um Kirche und ehemaliges Schloss, alles recht gepflegt und sehr verschlafen. Macht nix – wir sind ohnehin eher auf Natur und nicht auf Schickeria eingestellt!

Den Wanderweg Nr. 20 A sollten wir eigentlich schon gegangen sein, denn bei den Spintikteichen waren wir schon seinerzeit. Aber erinnern können wir uns kaum noch, und so wird die leichte Wanderstrecke sogar zu einer Neutour.

Rotes Waldvöglein

Gleich oberhalb der historisch bemerkenswerten Kirche geht es in den Wald hinein, auf den Lichtungen folgen verstreute Häuser. Ein Waldrand mit typischer Flora (die frühere Blumen leider bereits abgeblüht, wie etwa der nette Flügel-Ginster).

Der Puschnikteich ist immerhin eine kleine Einstimmung auf das bekannte Naturschutzgebiet. Dichtes Schilf umgibt die kleine Wasserfläche, aus dem mit Wasserpflanzen und Seerosen bedeckten Teich klingt das irre Konzert von Naturstimmen, wohl gemischter Chor von Vögeln und Amphibien.

Dann geht es bergab in eine weitgespannte Waldmulde, und plötzlich sind wir beim Spintikteich (wir erkennen nur einen). Sehr schöne Stimmung entlang der Uferwege, die wir in beiden Richtungen nachgehen.

AB Spintikteich, Uferweg rund um das Naturschutzgebiet

Für die weitläufige Umrundung haben wir keine Lust, zumal die Ausblicke über das idyllische Gewässer zwar malerisch, aber  spärlich sind. Die Blumenwelt ist eher bescheiden, wenn man sich an den Wanderweg halten muss, und auch die in der Karte eingezeichnete Runde für den Rückweg finden wir nicht. Also zurück auf demselben Weg…

Immerhin haben wir unser tägliches Wanderpensum “abgeleistet”,  und außerhalb der Baumschatten wird es nun  gegen Mittag auch schon ganz schön warm. Gehzeit und Rückfahrt halten sich in bequemen Grenzen, und als erstes nach unserer Ankunft in Velden gönnen wir uns gleich eine Abkühlung im See – bei aktuell gemessener Wassertemperatur von 26 Grad!

Viel mehr ist von unserem Seeurlaub nicht mehr zu berichten – außer dass es schön sommerlich  und angenehm erholsam war. Erst bei der Heimfahrt konnten  wir etwas Wandermäßiges unternehmen. Von jahreszeitlich späteren Urlauben brachten wir meist noch nebenbei gepflückte Schwammerl mit, aber dafür war es diesmal zu früh. Immerhin lernten wir noch ein bisher  nur in der Theorie bekanntes Berggebiet kennen – bei Obdach mit der Weißensteinhütte. Aber das ist – wie fantasielos und trivial ausgedrückt – wieder eine andere Geschichte…

Anders als der Dobratsch (Südliche Kalkalpen, aber tektonisch als “Drauzug”  die im Süden verbliebene Wurzelzone der Nördlichen Kalkalpen – kompliziert und für geologisch Interessierte daher umso interessanter!) gehört die Gerlitzen zu den Zentralalpen. Zwei Gründe für uns, diesen “einfachen” Berg aufzusuchen – Gesteine völlig anders als auf dem kalkigen Dobratsch (daher auch Unterschiede in der Flora), und wir waren noch nie auf der Gerlitzen! Dazu kommt noch, dass man aus der sommerlich heißen Seeniederung hoch hinauf ins Kühle fahren kann.

AB Ausblick zu den Nockbergen und Gipfelrundweg

Wir wählten zur Auffahrt die vom Ossiacher See bei Bodensdorf abzweigende Bergstraße (asphaltiert und gut abgesichert, geringe Maut bei einem Schranken, an den man ganz nah heranfahren muss, damit er sich öffnet… wir mit der “langen Leitung” brauchten sogar den Notruf…). Es geht in vielen Kehren unglaublich hoch hinauf, der See versinkt förmlich in der Tiefe, wenn sich Ausblicke ergeben – zuerst noch von einzelnen Gehöften und Landhäusern auf steilen Wiesen, dann aus dem immer mehr mit Lärchen durchmischten Fichten-Bergwald.

Endstation ist auf dem “Feuerberg”, einer neuen Hotel- und Hüttendestination mit Standard eines Wellnessbetriebes, und das an der Baumgrenze um die 1700 m! Der Gipfelbereich ist eigentlich als Natur&Erlebnis&Park ausstaffiert, vom Asiatischen Garten bis zur “Norischen Himmelsleiter”. Immer wieder kreuzen Lifte das noch nicht beweidete Almgelände, aber wenn man den richtigen Weg aussucht, erlebt man eine schöne, vor allem durch den fantastischen Ausblick bevorzugte Gipfelregion.

Bei der Himmelsleiter-Station "Almrausch", Banksitz mit Steinplatten, vormittags schon schön erwärmt...

Zur “Höhenanpassung” nach der Auffahrt gehen wir nicht gleich steil bergwärts, sondern spazieren die Kehren des Himmelsleiter-Weges hinab zur “Felsenkapelle” und zum “Felsensee”. Die Anlagen wirken recht esoterisch, eher wenig naturkundliche Information, was aber sicher auch recht ergiebig wäre.

Danach biegen wir in die Südhänge ein, die eher naturbelassene Matten aufweisen, mit höchsten Lärchen, Zwergstrauchheiden und alpinen Rasen. Die frühe Blüte etwa von Gentiana acaulis (der “Urgesteins-Enzian”, wie er auch im Gartenbau verwendet wird, im Kalkalpenbereich der Clusius-Enzian wie am Dobratsch) ist schon vorbei. Aber immer noch finden sich hübsche Blüten, und vor allem der Steig entlang der freien Berghänge ist ganz wunderbar!

Durch die gegen Abend aktiver werdenden Gewitterwolken ist der Fernblick zu den Karawanken und Julischen Alpen leider etwas verschleiert, doch im Nahbereich gibt es immer wieder etwas Schönes…. (Bilder ABwandertipp).

Abgesehen von den dicht blühenden Preiselbeeren fallen nur wenige Blüten auf’!

Alpen-Anemonen und Höswurz

Resedablättriges Schaumkraut

Alles nicht sehr spektakulär, denn der große Auftritt ist den Rostblättrigen Alpenrosen (Urgesteinsform, Blattunterseite rostbraum; in den kalkalpinen Bereichen die Wimper-Alpenrose, blüht etwas später) kommt erst beim Abstiegsweg. Nun sind wir erst einmal froh, dass das Wetter hält, obwohl sich einzelne Haufenwolken (Foto AB) schon riesig auftürmen. Zum Wandern auf fast 2000 m ist es ideal, schön frisch, samt Bergwind, und gerade noch ohne Anorak!

Wir bleiben trotzdem auf dem rund um den Gipfel verlaufenden Almweg und wandern erst vor der von Arriach heraufkommenden Straße zum Zentrum von Lift-Bergstationen und Gastbetrieben auf der hohen Gerlitzen. Beim Abstieg gibt es dann von der Wetterkreuz-Pyramide an nur mehr Almrausch, wohin man sich auch wendet – Märchenland, für die Kinder erst unten nahe dem Feuerberg-Parkplatz ein echter Märchenwald mit bunten Holzfiguren.

Talfahrt ohne viel Gegenverkehr, und dann nichts wie ins Wasser…

In früherer Zeit verbrachten wir immer wieder Urlaube oder machten Kunst-Exkursionsfahrten in Kärnten und lernten so dieses vielfältige und reizvolle Bundesland recht gut kennen. Eher zufällig ergab es sich, dass wir jetzt in der zweiten Juniwoche eine Ferienwohnung in Velden (und direkt am Wörthersee) ergattern konnten.

Schon die Vorfreude war groß, noch dazu weil das heiße Wetter schon Badetemperaturen versprach! So landeten wir am 7. Juni nach der gemütlichen Anfahrt über Mürz- und Murtal bereits nachmittag am Wiesenstrand gleich unterhalb unserer Terrasse, allerdings im lockenden Wasser des Wörthersees erst am nächsten Tag.

Irgendwie war es ein “Erinnerungsurlaub” an viele schöne Erlebnisse, und so wollten wir am nächsten Tag gleich schnell hinauf zu den Höhen – Blumenerlebnisse versprach der Villacher Alpengarten am Dobratsch.

Die Bergstraße schlängelt sich ja langgezogen bis nahe an den letzten Gipfelanstieg heran, aber wegen der angekündigten Wolkenverdichtung hielten wir uns eher ans Herumbummeln zu den Blumenwiesen als an den uns schon bekannten höchsten Punkt des Dobratsch (obwohl dort sogar eine Wallfahrtskapelle steht, eigentlich eine Weiterführung meiner “Pilgerwege”).

Ausblick zu den Julischen Alpen und Geologischer Lehrpfad

Am Panoramaweg und Herzblättrige Kugelblumen samt Sonnenröschen (? doch ein Gold-Fingerkraut oder ein kleiner Hahnenfuß, alle die haben jedenfalls üppig geblüht).

Von den facebook-Berichten aus den niederösterr.-steir. Kalkalpen verwöhnt, kam uns die Blütenfülle auf dem Dobratsch eher nicht so überwältigend vor. Oder hätten wir doch hinauf zu den höchsten Graten gehen sollen? Vielleicht war aber auch gerade “Übergangszeit” vom Bergfrühling zum Frühsommer, denn etwa Enzian blühte nur noch an schattigen Stellen, und den Alpen- Steinquendel gibt es sogar in den niedrigeren Voralpenlagen.

Aber dafür fanden wir einige typische südalpine Arten in voller Blüte! Das Dreiblatt-Windröschen gibt es zwar auch auf dem Dürrenstein und andernorts in den Ybbstaler Alpen, aber den Zwergseidelbast Daphne striata kann man in Niederösterreich wohl kaum finden.

Der Normalweg auf den Dobratsch folgt ziemlich einem staubigen Fahrweg zu den Senderanlagen auf dem Gipfel. Ich glaubte mich erinnern zu können, dass wir hier mit den Kindern (also vor etwa 30 Jahren) sogar einen Sessellift benützen konnten. Jetzt ist hier heroben alles Naturpark – soweit nicht Servicewagen der Elektrofirmen sich über die Steilhänge hinauf quälen (ein PKW sogar im Retourgang, der Teufel weiß, warum der auf diese Idee kam…).

AB Landschaftseindrücke abseits der staubigen Gipfel(privat)straße

Am schönsten waren die Wiesenhänge in der Nähe der südlichen Randabstürze, und dort fanden wir zahlreiche Orchideen, allerdings nur weniger Arten.

AB Holunder-Knabenkraut (?) und Grüne Hohlzunge, beides keine Offenbarungen, ebenso wie die nicht fotografierte Höswurz, und die Mücken-Händelwurz war noch nicht aufgeblüht.

Am späteren Vormittag wanderten wir schon wieder zurück zum auf etwa 1700 m gelegenen Parkplatz, also von den steinigen Fluren an der Waldgrenze hinab in den Bergwald mit dem “Alpengarten”.

AB Herzblättrige Kugelblumen mit den Julischen im Hintergrund und Tiefblick vom Felsrand des Alpengartens über die Südwände, wo einst der gigantische Bergsturz hinab in die Schütt gedonnert ist (dieses Blockgelände am Bergfuß mit seltenen Arten kannten wir schon von früher).

Hier gab es noch schönen Enzian, auch seltenere Blüten (aber viel mehr Taferl als blühende Pflanzen, wohl auch aus der Erinnerung her zuviel erwartet…).

Jacquin´s Wundklee (in Niederösterreich nur beim Schneebergbankerl am Gösing in einem Exemplar gefunden, soll auch auf der Perchtoldsdorfer Heide vorkommen), dazu ein Frauenschuh aus einer voll im Schatten blühenden Gruppe.

Nachmittags lockte uns schon der Wörthersee, und die nächste Wanderung musste noch etwas warten… hier ist aber schon das Gegenstück zum Dobratsch im Bild, die Gerlitzen.

Auf Malta soll es rund ein Dutzend Orchideenarten geben, diese Summe kommt allerdings im Jahreslauf zusammen, denn wir sahen von Mitte März bis April fünf Arten, wobei uns aber nur eine bekannt war.

Zwar habe ich mir das Buch von Schönfelder “Mittelmeerflora” heruntergeladen (sehr mühevoll bei dem Umfang, am tolino noch das S/W, färbig am Tabl.). Also auf ins Internet – Orchideen Malta, was sich als Bildersammlung eines offensichtlich deutschen Orchideengärtners erwies. Richtig fündig wurde ich aber bei: www.maltawildplants.com

Diese botanische Datenbank wurde von einem wohl schon länger in Malta lebenden Botaniker bzw. Fotografen erstellt und bietet die Möglichkeit, nach Blütenfarben oder Pflanzenfamilien zu suchen, die Informationen und Bilder dazu sind für Normalverbraucher wie mich völlig ausreichend. Das gilt übrigens auch für diesen Bericht!

Doch nun zu den Orchideen die ich vorstellen will:

Zuerst das Wanzen-Knabenkraut (Orchis coriophora), schon gesehen im pannonischen Gebiet und vor allem auf Istrien. Auf Malta kommt die Subspezies fragans vor.

Nun wird es schon interessanter – es folgen Bilder von der uns noch mehr vertrauten Pyramidenorchis (Pyramidenständel, die Nomenklatur wechselt je nach Literaturherkunft), jedenfalls Anacamptis pyramidalis ssp. urvilleana, schon dem Habitus nach von unserer heimischen Art durch die blassere Blütenfarbe unterschieden.

Vollkommen neu waren für uns drei Ragwurzarten – hier die Braune Ragwurz / Ophris fusca. Sie war besonders zahlreich und in vollster Blüte!

Das Mal auf der Lippe ist etwas variabel, jedenfalls soll es die angelockten Insekten täuschen,  eine(n) Artgenossen/in zur Befruchtung vorzufinden… Beim genaueren Hinsehen entdeckten wir jedoch zwei weitere Arten, von welchen uns die Spinnenragwurz schon abgegangen war (diese sahen wir äußerst oft z. B. in Istrien oder auf Krk). Es handelt sich auch um eine Spinnenragwurz, allerdings um die Ophris sphegoides ssp. melitensis, eine auf Malta endemische Art.

Das Mal kann hufeisenförmig aussehen oder nur angedeutet aus zwei “Stricherln” bestehen!

Die “Highlights” kommen aber est jetzt!

Dieses kleine Ungeheuer heißt Drohnen-Ragwurz oder Ophris bombyliflora!

Teilweise schon im Abblühen begriffen, lichtet sich auch der “Pilzmantel”, und ich glaube, es war schon immer die gleiche Art!

Zu unserer größten Überraschung trafen wir mehrmals, aber nicht oft auf eine uns ebenfalls völlig neue Orchidee – eine von uns nicht näher zu bestimmende Art des Zungenständels / Serapis.

Fast hatte es den Anschein, als wäre die Knospe nicht ganz geöffnet, und daher fehlte der Vergleich mit den Bildern in der “Mittelmeerflora”: Schönfelder Ingrid und Peter, Kosmos Atlas Mittelmeer- und Kanarenflora. Die Bestimmung der anderen Arten war insofern erleichtert, als in diesem Buch die Verbreitungsgebiete kartenmäßig dargestellt sind (Malta = Sizilien bis Tunesien).

Bei unseren Wanderungen waren wir bezüglich Orchideen in bestimmten Gebieten besonders fündig – vor allem Dingli Cliffs, die Küste zur Paulusinsel, auch die Marfa Ridge; überraschend jedoch Pembroke, wo der teilweise ruderale Küstenstreifen als ehemaliges Militärgebiet nicht kultiviert werden konnte und sogar ein Heritage-Naturtrail besteht.

Insgesamt waren wir “botanisch” in Malta auch nicht mehr “fündig” als etwa bei unseren Frühjahrstouren in Istrien oder auf den Inseln Cres und Krk. Den überwiegenden Eindruck machten die üppigen und farbenfrohen Blütenflächen aus – gelb die Crown Daisy genannte Kronenwucherblume (Chrysanthemum /  Glebionis coronarium), der Nickende Sauerklee (begann im April schon zu verblühen) und vor allem die leuchtend roten Blütenköpfe des Kronen-Süßklees (Hedisarum coronarum).

Viele andere Blüten sieht man auch in unseren anderen Berichten über Wanderungen auf Malta!

Hinzufügen möchte ich noch, dass die Aufnahmebedingen durchwegs nicht einfach waren – steter und häufig heftiger Wind behinderte die Makro- und Autofukusfunktion. So mussten wir teilweise mit einer Hand die Blumen ruhig halten, mit der anderen fotografieren, und oft gelangen zur Bildwirkung nur die digitalen Ausschnitte. Wir waren selber jedenfalls überrascht durch diese Bildausbeute und behalten sie als Erinnerung an die Naturerlebnisse immer wieder bereit…

Eine der Besonderheiten im Reisalpengebiet – nämlich eine botanische! – ist das Vorkommen der sog. Korallen-Pfingstrose / Paeonia mascula. Janchen (Flora von NÖ …) schreibt darüber: Nordhang des Göllers (daher auch “Göllerrose”), oberstes Traisental auf der östl. Talseite zw. Kernhof und St. Aegyd, Südwesthang der hinteren Lilienelder Alpe (= Reisalpe!) gegen das Hohenbergtal (nach Halacsy 1896 !).

Ich weiß von der Wiederentdeckung dieses Vorkommens folgendes: Die Geschichte beginnt beim Rumpelbauern hoch über Innerhallbach, der über diese wild wachsenden Pfingstrosen dem dort zuständigen Rauchfangkehrer Josef Kram aus St. Veit berichtete. Dieser gab die Nachricht an den damaligen Gemeindearzt (vor mehr als 20 Jahren) MR Dr. Otto Hausleitner weiter, mit dem wir die Pfingstrosen aufsuchten. Inzwischen wurde dieses Vorkommen der Korallen-Pfingstrose auch offiziell begutachtet, und Prof. Manfred Fischer schreibt in der “Exkursionsflora”: Sehr selten, Berge um das obere Traisental, wohl lokale Neubürgerin (vermutlich ehedem angesalbt oder Verwilderung einer ehemaligen Zierpflanze, Heimat Südeuropa bis Westasien).

Voll aufgeblühte Korallen-Pfingstrose, im Vergleich dazu die gefüllten "Bauernpfingstrosen"

Unsere Merkhilfe war der 1. Juni als Hochzeitstag, an dem wir die Pfingstrosen in schönster Blüte antrafen, und jetzt war es wieder einmal Zeit für dieses Blumenerlebnis! Termin 4. Juni, ein trotz angekündigter Hitze frischer Morgen, Zufahrt über Hohenberg ins Andersbachtal. Unterhalb vom Stadlerhof stellen wir das Auto ab, und als wir den “Stadler” (Herr Günther) gerade im Hof antreffen, haben wir gleich Gelegenheit zu einem Plauscherl. Zuerst wegen dem Parken gefragt, kein Problem – was für eine angenehme Erfahrung!!!! – und gleich einige Auskünfte, die neu für uns waren. Erstens – ein Verwandter kennt die “Göllerrose”, weil er Halter auf der Hofalm war! Leider haben wir keinen anderen Hinweis auf das Vorkommen im oberen Traisental. Zweitens – der Standort ist Einheimischen bekannt, wird immer wieder aufgesucht und auch vom Herrn Günther vulgo Stadler sehr geschätzt. Während er mit dem Auto über die relativ neue Forststraße zum Vieh hinauffährt, nehmen wir den markierten Reisalpenweg.

Die “Stadler-Bergwiesen” (hier mit Blick zum Gippel und Göller) sind einmalig schöne Naturwiesen, blumenbunt und “unbewirtschaftet” – gemäht wird erst! Hier einige Aufnahmen von Anni (diesmal haben die Kameras getauscht, und tatsächlich hat sie mit “meiner” P 510 fast alle Bilder scharf bekommen, während ich mit “ihrer” P 500 bei den Makroaufnahmen nur unscharfe Bilder produziert habe… also?…..).

Vorher Akelei, hier Akeleiblättrige Wiesenraute und danach Stattliches Knabenkraut (riesige, bis über 30 cm hohe Blütenstände)

Der Weg zieht in weiter Kehre über die Wiesen hinauf, am Waldrand unter überhängenden Zweigen, dann als Waldpromenade und steiler Hohlweg weiter. Es ist wohl der alte Auftriebsweg zur Brennalm, tief in den Waldboden eingesenkt und von Steinwällen begleitet. Ein altes, leider arg vernachlässigtes Kreuz mit dem Hl. Leonhard ist ein weiterer Hinweis darauf.

Der am Südhang stockende Hochwald hat vielfach eine typische Flora, auffallend der viele Lorbeer-Seidelbast (jetzt fruchtend) und die massenhaften Waldvöglein – das Schwertblättrige schon fast über die Vollblüte hinaus, das Cremeweiße gerade im Aufblühen.

Schwert- oder Schmalblättriges Waldvöglein und dessen einem kleinen Ungeheuer gleichender Rachen!

Weiter oben kreuzen wir die Forststraße und biegen dann östlich auf die in der ÖK sehr gut dargestellte Wiesenfläche ab – ein überraschend flaches Plateau, als Almboden vor etlichen Jahren bearbeitet, vermutlich Standort des abgekommenen Gehöfts Peilsteiner.

Mein Tipp für alle Naturliebhaber und verantwortungsbewusste Besucher – beim Almzaun rechts herum gehen. Den kleinen und höchst verborgenen Standort zu finden, ist ohnehin nicht leicht! Sogar wir gehen zuerst links herum und gelangen im Wald auf die Felsabbrüche gegen den Schwarzenbachgraben gegenüber dem Rumpel.

In der südöstlichen Wiesenecke finden wir endlich den Zustieg, vorbei an Blockformationen, die auf alte Steinhütten zurückgehen könnten (inmitten der Almwiese befinden sich eine anscheinend intakte und wenige zerfallene Blockhütten). Der Herr Günther hat uns schon darauf hingewiesen, dass die vor einer Woche noch knospigen Pfingstrosen jetzt sicher voll aufgeblüht sein könnten. Tatsächlich haben sie auf den besonnten Plätzen der vielleicht 100 Quadratmeter großen, steil von der Bergflanke abfallenden Lichtung die Vollblüte schon überschritten. Der Standort ist auch ringsum weiter zugewachsen, vor langen Jahren konnte ich noch ein Bild mit der Rax im Hintergrund aufnehmen.

Anscheinend haben frühere Besucher ein paar Blütenstängel umgetreten, was keinesfalls passieren darf, denn jede Samenkapsel, die ausreifen kann, ist kostbar und sichert den Bestand (sehr positiv auffallend waren Jungpflanzen mit noch kleinen Blattaustrieben)! Eine abgebrochene Knospe haben wir zuhause eingewässert, und über Nacht ist sie wunderschön aufgeblüht, wie das Bild zeigt.

Nach einer “Fotoorgie” machen wir uns an den Rückweg, versäumen aber nicht, den nahen Parade-Aussichtsplatz zu besuchen – die Stadlerwand! Herrliches Panorama vom Felsabbruch mit Schneeberg, dem nahen Hohenberg Höger, Gippel und Göller, Traisenbergzug über Gschwendt bis zum Türnitzer Höger.

Sogar einen hölzernen Lehnstuhl gibt es! Ich glaube mich zu erinnern, dass auf der merkwürdig flachen Verebnung neben der Felskante im 2. Weltkrieg ein Flugbeobachtungsstand war – der südliche Horizont, von dem die aus Italien zufliegenden Bomber herankamen, ist ja hier perfekt auszumachen… Gott sei Dank leben wir inmitten einer verrückten, unmenschlichen und gewalttätigen Welt wie auf einer friedlichen Insel, vor allem auf so einsamen Bergen!

Für den Rückweg nehmen wir dieselbe Route, schön schattig im Wald und sogar auf den Wiesen trotz der Mittagszeit nicht zu heiß. Die “Göllerrosen” sind jedenfalls für dieses Jahr absolviert, und wenn ins facebook schaue, wo die schönsten Gipfelberichte mit einer unglaublicher Fülle von “Subalpinen” gezeigt werden, weiß ich – nichts wie hinauf zu den Höhen!

AB Ausblick vom Red Tower gegen die nordwestliche Küste

Inzwischen haben wir schon herausgefunden, wo die schönsten Wandergebiete auf Malta liegen. Im Osten (bei Marsaxlokk) und im Süden (Dingli, Haqar) auf den Küstenrändern, die in weitem Bogen die zentrale südöstliche Senke (mit dem Flughafen Luqa) umgeben. Im Nordwesten reihen sich, fast noch schöner und vor allem abgelegener,  weitgespannte Talmulden und  Höhenzüge  aneinander. Der letzte Bergrücken vor dem “Landende” gegen Comino und das fernere Gozo heißt Marfa Ridge und schließt an die Ghadira Bay beim bekannten Mellieha an.

Panorama von der Marfa Ridge aus gegen Comino und Gozo

Die Zufahrt ist sehr praktisch, denn dorthin verkehrt der direkte Bus zur Gozo-Fähre in Cirkewwa. Wir steigen aber nicht bei der Ghadira Bay aus, sondern erst oben auf der Anhöhe beim Kreisverkehr mit den seitwärts abzweigenden Straßen. Das Wetter ist zum Wandern ideal, klar und sonnig, aber mit heftigem kühlen Wind.

Erstes Ziel ist der weithin sichtbare Rote Turm, auch St. Agatha-Turm genannt,1649 erbaut und vor wenigen Jahren renoviert. Im Untergeschoß museal eingerichtet, ist die von Eckbastionen bewehrte obere Brüstung eine fantastische Aussichtsterrasse, samt den alten Kanonen und bereitliegenden Kugeln. Einerseits blickt man auf die teilweise kultivierte, vielfach aber auch öde Muldenlandschaft entlang der Küste. Am eindrucksvollsten ist die Ansicht über die kleine “Zwischeninsel” Comino gegen Gozo mit ihren felsigen Steilküsten.

Rasch geht es dann zurück zur Straßenkreuzung und dort gegenüber auf der Höhenstraße, die entlang der Marfa-Halbinsel ein paar Kilometer bis zur Landspitze bei einem kleinen, aber berühmten Marienheiligtum führt. Obwohl es die Sonne gut meint, bleibt es durch den scharfen Wind recht frisch, kaum dass man den Anorak entbehren kann. Beiderseits verlaufen mit Büschen und niedrigem Baumwuchs bestandene Flächen. Echte Akazien blühen in goldgelben Blütenkugeln, auf den Ruderal- und Brachflächen wuchern Wilde Gladiolen.

Die wenig befahrene Straße berührt dann neben den “Eselsklippen” eine schmale Heidefläche, wo sogar einige Orchideen zu finden sind und von der zerspaltenen Abbruchkante sich der Blick gegen Mellieha mit seiner hochgelegenen prächtigen Wallfahrtskirche öffnet. Zuletzt geht es zwischen Buschwald sogar noch etwas bergauf, bis der Asphalt auf einer freien Fläche am äußersten Klippenrand endet.

AB Eselsklippen und mediterrraner Pyramidenständel

 

Wanzen-Knabenkraut, kommt auch in Österreich vor

Eine Madonnenstatue steht hier, und daneben befindet sich die Kapelle der Unbefleckten Empfängnis. Großartig ist der Fernblick über die nördliche Küste bis gegen Pembroke (!) und der schwindelnde Abgrund über zerspaltene Klippen hinab zum wildbewegten und unglaublich blaugrün gefärbten Meer.

AB Madonnenstatue und Klippen-Tiefblick

Der brüchige Kalkstein der Klippen neigt – gefördert durch das anbrandende Meer und Kluftbildungen – zum Abbrechen der Felskante. Deshalb musste die etwa zur selben Zeit wie die Madonnenstatue (1870) erbaute Kapelle der Unbefleckten Empfängnis 1961 auf einem entfernteren und sicheren Platz  im Stil des ursprünglichen Baues erneuert werden. Sie erinnert an die Errettung eines Fischers aus Seenot und erfreut sich großer Beliebtheit als Wallfahrtsstätte.

Das folgende Plateau hast fast wüstenartigen Charakter, und von der Felskante abweigend gehen wir über steinige Heideböden weiter in Richtung des schon etwa näher gerückten “Weißen Turms”. Der Wind bläst hier ganz gehörig und lässt erst nach, als wir wieder zur Küste kommen. Rechts springt eine felsige Halbinsel vor, links hinauf geht es über blumenreiche Garigues zum nächsten Turm, dazwischen eine Bucht des unglaublich blauen Meeres.

Der nächste Turm – weithin leuchtend heißt er im Gegensatz zu unserem ersten und rot gefärbelten Bauwerk “Weißer Turm” – ist eher enttäuschend. Zwar nicht von der Aussicht her, diese ist einfach rundum fantastisch, sondern vom Erhaltungszustand. Dieser ist teilweise derart schlecht, dass wir nicht einmal bis zur höchsten Plattform hinaufsteigen. Wie die anderen Befestigungswerke entlang der Küste, wo wir dann noch vorbei kommen, stammt er aus dem 17. / 18. Jh., wurde aber lange Zeit schon vernachlässigt und (noch?) nicht renoviert. Zum Ausgleich finden wir am Hang unterhalb einen halbwegs windgeschützten Platz für die Mittagsjause.

Nun geht es hinab zum Strand und von Bucht zu Bucht weiter, Kleine und Große Armier Bay und wie sie sonst noch mit anderen (maltesisch zungenbrecherischen) Namen heißen mögen. Die Küste ist hier großteils besiedelt, die unglaublich einfachen einheimischen Strandhäuschen wechseln allmählich zu touristischen Anlagen, immer wieder Rückblick zum Weißen Turm.

AB Rückblick zu Weißen Turm und Strandvegetation (Große Mittagsblumen)

Die Beschreibung des Malta-Wandervorschlages “Wachtürme (Marfa)” sollte uns hier nützlich sein, aber wir suchen uns selbst den Weg, quer durch verwinkelte kleine Siedlungen, an Festungsmauern vorbei, dann wieder in Strandnähe. Besonders malerisch ist ein Stück durch heideartiges Brachland, und immer wieder wirkt der wahrlich betörende Ausblick auf die Nachbarinsel Comino mit ihren Felsabbrüchen.

Gerade rechtzeitig gegen die Ermüdung landen wir an einem schon für den Sommerbetrieb vorbereiteten Strand und im Restaurant “Bombo” – herrlich auf der Terrasse zu sitzen, Kaffee und Kuchen zu genießen und davon zu träumen, hier einmal in der Abenddämmerung zum Fischessen einzukehren…

Unglaublich, ein angeschwemmter dicker Baumstamm, schon halb versteinert – woher mag er wohl angeschwemmt worden sein und erst recht interessant, wo und wann er einst gewachsen ist?

Schon nahe der Hauptstraße mit der Busstation umgehen wir einen großen und ziemlich neuen Hotelkomplex, danach folgt ein “Abschneider” als günstigerer Weg zum Bus, wie wir glauben. Dabei passiert folgendes wie im Bild festgehalten:

Als wir bei dem eifrigen Knurrer und Kläffer vorbei sind, sehen wir erst die Warntafel – und Rückblick kann einem der gute Wächter eigentlich wirklich leid tun, überhaupt  wo er dann so klein ausschaut, aber in der unmittelbaren Situation schaut eine solche Begegnung eben anders aus…

Das letzte Stück vor der Straße ist dann sorgsam kultiviert, hier schon abgeerntet, vielleicht bald noch einmal bepflanzt, aber mit der zunehmenden Hitze wird auch das Windrad kein Wasser mehr fördern können – die Jahreszeit geht in die hochsommerliche Ruhezeit über, so wie bei uns im späten Herbst der Winter kommt. Krasser Gegensatz zwischen unseren mitteleuropäischen Verhältnissen und jenen Nordafrikas in Malta, bei uns bringt die Kälte die Natur zur Ruhe, dort ist es die Hitze!

Hier blickt uns noch eine Schöne nach, aber der Schein trügt, es ist nur die Abdeckung von irgendeinem Gerümpel vor den typischen Strandhütten!

 

Insgesamt war dieser Tag ein würdiger Abschluss unserer Wanderungen auf Malta, und wer glaubt, wir hätten keine Ideen mehr, könnte sich täuschen. Aber vielleicht täuschen wir uns selber – und sind das letzte Mal in Malta gewesen…

Bei der Bildersuche für einen Artikel über Schutzhütten sind mir jetzt  Aufnahmen vom Annaberger Haus untergekommen:

In die Zeit der Eröffnung der Mariazellerbahn fällt auch der Bau der Annaberger-Hütte auf dem Tirolerkogel. Der Gipfel war zuvor wohl eher für Jäger und Holzarbeiter interessant, und von Tiroler Holzknechten soll ja auch der Bergname herkommen. Seit Rodung der Höhenkuppen ist auch der Almbetrieb sicher intensiver geworden. Die Wanderer zogen wohl eher am Tirolerkogel vorbei, wie der 1903 angelegte Steig des Gebirgsvereins durch die Falkenschlucht belegt. Er diente für die Mariazellpilger, wenn sie nicht die hl. Mutter Anna besuchen wollten, zur Umgehung der belebten Straße durch den Türnitzgraben.

Das 1908 erbaute Schutzhaus auf dem Tirolerkogel wurde in der Folgezeit wiederholt ausgebaut. Das müsste man eigentlich in der Annaberger Chronik von Franz Hochreiter vulgo Heanester-Franz nachlesen können. Das Annaberger Haus war im Winter der Stützpunkt für Touren und Schikurse. Während des 2.Weltkrieges waren hier militärische Einschulungen an der Tagesordnung, wie mir jüngst Dr. Ernst Pfabigan berichtet hat.

Zu meiner Annaberger Lehrerzeit bin ich gern gegen Abend zur Entspannung auf den Kogel gelaufen. Die Einkehr war für mich insofern besonders interessant, weil der damalige Hüttenwirt (1961/62) ein ehemaliger Bergführer war. Mit ihm konnte ich über Hochtouren, die mir damals noch bevorstanden, schwelgen und etwa auch die bewegende Frage erörtern – was eignet sich besser für Eistouren, Pickel oder Eisbeil? Auf die damals neu aufgekommenen Eisschrauben zur Sicherung sind wir leider nicht gekommen, und so musste ich bei der Durchsteigung der Pallavicini-Rinne auf dem Großglockner im nächsten Sommer jeden Eishaken, den mein führender Freund Werner Tippelt zur Sicherung eingeschlagen hatte, wieder mühsam herauspickeln…

Auf den beiden letzten Bildern sieht man allerdings schon das Annaberger Haus, wie es bis vor zwei Jahren noch ausgeschaut hat. Das traditionelle alte und mehrstöckige  Schutzhaus ist nämlich 1976 abgebrannt. Die Sitzen auf der sonnigen Hüttenterrasse ist übrigens auch schon wieder vorbei, seit ein gigantischer Vorbau das Schutzhaus versteckt und damit ebenso den Panoramablick auf die Hochalpen zwischen Schneeberg und Gesäuse. Wie das ausschaut, muss ich erst noch besichtigen, und wenn jetzt die pfingstlichen Eismänner vorbei sind, ist die beste Zeit dazu – schönste Blüte der Bergwiesen vor dem Almauftrieb!

Schön langsam bin ich nun schon ziemlich am Ende unserer Erlebnisse und Wanderungen in Malta. Für einen letzten größeren Beitrag und die Blumenwelt wird zu den voraussichtlich verregneten Pfingstfeiertagen genug Zeit sein…

Palmsonntag, 29. März: In  Malta ein beliebter Ausflugstag, vor allem für´s Picknick an irgendeinem schön gelegenen Platz, wie wir noch erleben werden. Unser Ziel ist nämlich auch dazu passend – Buskett Gardens, der einzige bemerkenswerte Waldbestand der Insel. Aber sogar dieser ist künstlich angelegt, nachdem bereits in der Antike alle Wälder dem Holzbedarf für den Schiffsbau der Phönizier und Römer zum Opfer gefallen sind. 1570 als Jagdrevier für einen Großmeister angepflanzt, im Zentrum auf einer weithin sichtbaren Kuppe der Verdala-Palast von 1586, von den Briten 1858 renoviert und seit 1975 staatliche Residenz Maltas.

Fahrtziel in diesen Teil der Insel ist Rabat, aber diesmal nehmen wir nicht den direkten Bus, sondern fahren zuerst nach Valletta. Bei der Weiterfahrt über Attard sieht man immer wieder den sog. Wignacourt Aquaeduct, durch den Wasser vom Hochgelände bei Buskett in die Hauptstadt geleitet wurde. Umsteigen in Rabat, und nach der verwinkelten Busfahrt durch Dingli kündigt uns die Schofförin unser Ziel an – Buskett.

Ausblick gegen Dingli, überall blüht der Riesen-Fenchel

Auf dem von Felsplatten geprägten Gelände südlich von Buskett Gardens sind die angeblich eindrucksvollsten Cart-Ruts zu finden. Das sind tief in das Kalkgestein geprägte Rillen, die nach den aktuellen Forschungsergebnissen während der Bronzezeit entstanden sind – sie sollen durch Schleifkarren, die damals zum Transport dienten, ausgeschürft worden sein. Die Schleifspuren ähneln Eisenbahnschienen und verlaufen sich überkreuzend oder parallel  über die Steinflächen – insgesamt eine höchst mysteriöse Angelegenheit…

Der Zugang auf dieses urzeitliche  ”Schienenfeld” ist trotz Beschilderung nicht ganz einfach zu finden, aber ein freundlicher Autofahrer erweist sich auch hier als Wegweiser im wörtlichen Sinn! Dann sehen wir aber auch schon eine kleine Führungsgruppe, die dort auch die aus phönizischer Zeit (erstes Jahrtausend vor Christi Geburt!) stammenden Schachtgräber erkunden.

Die stark verkarsteten Kalkflächen weisen neben einer Fülle von Blumen noch eine Besonderheit auf. An mehreren Stellen sind Dolinen eingesenkt, und aus diesen tiefen Löchern führen Höhlengänge unter die Steindächer hinein. Ghar il-Kbira heißt der Komplex der “Großen Höhle”.

 Bis 1823 lebten hier einfache Menschen in ihren Höhlenwohnungen, bis sie von den Briten in umliegende Ortschaften ausgesiedelt wurden. Im 18. Jahrhundert waren solche Höhlensiedlungen sogar noch eine lokale Kuriosität Maltas, in der jüngeren Vergangenheit scheint man auf diese urtümlichen Lebensumstände anscheinend nicht erinnern zu wollen, um wohl den Eindruck von Rückständigkeit zu vermeiden. Tatsache ist dennoch, dass die einfache Bevölkerung in tiefster Armut und Primitivität ihr Leben fristen musste. Für die offizielle Geschichte existierten eben nur die mittleren und oberen Volksschichten…

Dieser Beobachtung entspricht auch, dass im Gelände keinerlei Hinweise auf diese Wohnhöhlen zu finden sind, während sonst alle Altertümer und natürlich die steinzeitlichen Tempel besonders hervorgehoben werden. Aber diese ”neuzeitlichen maltesischen Höhlenmenschen” (bei der Sommerhitze muss es sicher dort am angenehmsten gewesen sein) sind sicher nicht von vergleichbarer Bedeutung. Diese Kuriosität  wird von mir sicher  falsch eingeschätzt, wenn mich auch die Lebensumstände der Menschen in heutiger und früherer Zeit mehr interessieren als so manches Kulturdenkmal!

Besonders ausgeprägte Cart-Ruts und noch einige botanische Eindrücke

AB Mastixstrauch und Ophris fusca

In diesem Sinn waren auch Buskett Gardens und der Verdala-Palast eher enttäuschend. Ein prominentes Schaustück und Ausflugsziel, aber nicht etwas, das wir auf Malta unbedingt kennenlernen wollten. Trotzdem ein interessanter Tag mit typisch maltesischem Frühlingswetter – klar und volle Sonne, trotzdem etwas frisch, vor allem durch den heftigen Wind. Woher dieser den kühlen Hauch hernahm, sahen wir beim Heimflug – der Aetna, Siziliens hochragender Vulkan, zeigte sich bis weit hinab mit Schnee bedeckt!

Sonst erlebten wir die Natur auf Malta bereits Mitte März so wie jetzt Mitte Mai bei uns zuhause!

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