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Herbstliche Wanderung durch den östlichen Dunkelsteinerwald – wohl für längere Zeit die letzte Wachautour (zumindest bis zur Marillenblüte 2018)…

Am Mittwoch, 4. Oktober, zur schon bekannten Route gegenüber dem Stift Göttweig, nur diesmal in Gegenrichtung. Zufahrt bis Paudorf, dort Richtung Kleinwien (Landgasthof Schickh) und den Wegweisern Parkplatz “Mammutbäume” nach (oder vom Bahnhof über die Untere Zellerstraße – Hinweis auf den Wallfahrerweg nach Mariazell). Hinter dem “Urlaubsmarterl” schaut gerade noch das Stift Göttweig herunter, dann geht es hinein in den Bruckgraben.

Nach diesen komischen Wegweisern soll man sich orientieren! Jedenfalls steht bei der ersten Verzweigung des Bruckgrabenweges eine Infotafel für den Waldlehrpfad, dann ist aber “aus mit Lustig”, zumindest was die Markierungen betrifft. Ich halte mich jedenfalls dort an die links abzweigende Forststraße und gleich danach geradeaus (links wäre richtiger gewesen). Alle Eintragungen in der ÖK sind hier veraltet, denn von meinem in zwei Kehren höher führenden Forstweg sind keinerlei Abzweigungen eines sogar markierten Steiges zu bemerken. Auf dem Eichbergplateau angekommen (also wo es flach wird) links eine Hinweisschild, und kurz darauf stehe ich beim Pavillon – geeigneter Platz für Exkursionen und Führungsvortrag! Aber die gesamte Anlage ist schon lange nicht gewartet worden und dürfte halt allmählich dem Verfall entgegendämmern…

Auf jeden Fall bin ich bei den Mammutbäumen angekommen! Der Standort ist umzäunt und mit Rastplätzen ausgestattet. Aber hier will man ja mehr über diese seltene Baumart erfahren (Infotafeln belehren eher über das Verhalten im Wald…).

In der “Exkursionsflora” ist (ohne Standortangabe) vermerkt – Riesenmammutbaum: Echter oder Berg-M., Wellingtonie, Gebirgs-Rotholz, Bigtree / Sequoiadendron giganteum, Höhe 20 – 92 (135) m, größtes Lebewesen der Erde, Höchstalter 3200 Jahre, Heimat westliches Nordamerika.

Im Wikipedia habe ich noch gefunden: Die schwammige Rinde schützt bei den in der Urheimat öfters auftretenden Waldbränden das Holz vor dem Verbrennen, die Zapfen bleiben an den Zweigen, fallen erst nach Waldbrand ab und treiben erst  in dem von Konkurrenzpflanzen vorübergehend befreiten und durch Asche gedüngten Boden aus. Das größte Exemplar im amerikanischen Sequoia-Nationalpark (nach dem General Shermann benannt) soll in Brusthöhe einen Durchmesser von 8 m aufweisen! Da sind ja die Paudorfer Mammutbäume Babies dagegen!

Auf einer heideartigen Fläche sind etliche exotische Bäume später angepflanzt worden – hier im Hintergrund des Mammutriesen Kalabrische Schwarzkiefern. Leider sind die hölzernen Beschriftungstafeln schon teilweise so arg verwittert, dass man kaum etwas entziffern kann.

Schlangenfichte (wegen der schlangenartig gebogenen Äste)

Japanische Sicheltanne

1880 gepflanzt, sind die größten Mammutbäume gerade 137 Jahre alt, wie lange sie in unserem Klima noch weiter gedeihen werden, erscheint fraglich (wie der rechte “Steher” erkennen lässt). Auf jeden Fall ein kurioses Naturdenkmal “aus zweiter Hand”. Kurios ist für mich auch die unvermittelt auftauchende weiß-gelbe Markierung, die mir auch ein Stück den Weiterweg weist, aber dann nirgends mehr auftaucht!

Dieser schön begrünte Waldweg ist ein Genuss, aber bei der nächsten Kreuzung nützen mir sogar zwei Karten (ÖK und Wanderkarte Wachau) nichts, denn offensichtlich falsch abgezweigt würde ich im Kreis zurück zu den Mammutbäumen kommen. Also wieder ein Stück zurück zum P. 385 m der ÖK und diesmal auf dem wenig auffallenden, vielleicht in der ÖK gar nicht mehr eingezeichneten begrünten Waldweg weiter… belohnt werde ich am Ende dieser Strecke durch zwei große, aber noch kernige Herrenpilze (sonst zwar viele Schwammerl, aber keine “Pilze”).  Die nächste Verzweigung befindet sich westlich vom P. 385 m, und hier wähle ich zum Glück den (natürlich unbezeichneten, in der Wachau-Tourismuskarte mit F 2 angegebenen) strichpunktierten Weg scharf rechts ab nach Nordosten, ebenfalls eine Forststraße, aber nicht asphaltiert wie die aus dem Bruckgraben heraufkommende. Diese Route führt um den Waldhügel “Sandplatz” herum, kurz taucht das Stift Göttweig auf, dann geht es aber nach der ÖK eindeutig weiter zum P. 378 m. Da heißt es aufpassen, nicht rechts in den Heugraben hinab und auch nicht links weiter, sondern schräg links voraus führt die nun breite Forststraße im Bogen zur Sattelmulde “Schwarze Lacke” (von dieser ist nichts zu bemerken). Kurz davor ist in dem etwas lockereren Wald ein schöner Standort von Roteichen, am bemerkenswertesten auf der ganzen eher einförmigen Waldpartie (außer den auf Granulitboden schön ausgebildeten Föhrenbestände)!

Markierungstaferl in den Gegenrichtung weisen vereinzelt zu den Mammutbäumen, in meiner Gehrichtung zum Waxenberg, dem zweiten Hauptziel. Dort geht es auf einem Karrenweg bergan, und weil der Wald mehrfach abgeholzt ist, ergeben sich auch schöne Ausblicke.

Stein Und Krems

Kurz vor dem Gipfel gäbe es ein schönes Alpenpanorama, trotz dem dunstigen Fernblick sind der Unterberg und die Reisalpengruppe erkennbar, den Schneeberg muss ich erst digital im Bild “freimachen”, und am Seitenweg zum Südkamm schaut sogar noch ein Scherzerl vom Ötscher über die Waldhöhen.

Knapp unterhalb des Gipfels ist mir seinerzeit eine Art Wallform aufgefallen, die nur an der ganz steilen Göttweiger Seite unterbrochen ist, ein Hinweis auf einen historischen Wach- oder Stützpunkt, vielleicht sogar aus der Zeit als das Stift Göttweig noch gar nicht vorhanden war? Nun scheint der Schlaghang zur Rechten aber wohl von einem frisch ausgeschobenen Ziehweg durchquert. Kurz danach stehe ich jedoch schon beim Gipfelkreuz und habe das Stift Göttweig in Idealbeleuchtung vor mir!

Kurios ist die Parkbank auf dem Aussichtsplatzerl, und dann gibt es noch vor dem Gipfel einen echten “Steinmann” – mit Hut, Zigarre und Schal! Da vorbei bin ich aber schon wieder auf dem Abstieg, von den Gipfelblicken hinein in die dichten Wälder, die mich an diesem Tag 3 1/2 Stunden begleitet haben.

Nach dem weiteren Forststraßenmarsch, wo immer wieder auf die richtige Abzweigung geachtet werden muss, taucht endlich wieder hoch durch die Wipfel zu erblickend das Stift auf. Dazwischen kann ich mich nur wundern – am Rand der Forststraße ein Gartentisch mit Bank des Fremdenverkehrs- und Verschönerungsvereines Furth – mehr Ambitionen beim Markieren wäre besser gewesen als dieser dorthin gekarrte fast absurde Rastplatz…

Am Schluss der “Forsttour” folgt am Talrand des Fladnitzgrabens, gegenüber dem bekannten Landgasthof Schickh (Mittwoch und Donnertag geschlossen) die bemerkenswerte Kirche von Kleinwien, eine Infotafel gibt Auskunft dazu. Um die Straße zum Ausgangspunkt zu vermeiden, muss ich allerdings noch einen kleinen Irrweg auf mich nehmen. Hinter dem Weingut Dockner vorbei stehe ich an, ein freundlicher Arbeiter macht mich auf einen verwachsenen Weg aufmerksam, der mich zum neben der Kirche angelegten Friedhof hinaufbringt – gleich bei St. Blasien vorbei wäre es also richtig gewesen und einfacher….

So komme ich dann auf einem Waldweg zur Unteren Zellerstraße, die sich als Sackgasse entpuppt. Beim “Urlaubskreuz”, einem hohen Bildstock mit Relief und Figuren in den Nischen, endet dann diese Tour. War ganz nett und erholsam nach einem aufregenden Morgen, aber mehr als zweimal muss ich sie nicht gehen…. Der Dunkelsteinerwald ist wirklich nur dort interessant, wo er in der unmittelbaren Wachau zur Donau abfällt – hab´s eh schon gewusst!

Jetzt bin ich schon so lange und so oft in der Wachau unterwegs gewesen, ob bei Wanderungen oder Ausflügen, aber irgendein Stückerl fehlt halt doch noch immer. Aber am Samstag, 30. September, einem noch dazu vorhergesagten Schönwettertag, war es so weit – auf nach Mühldorf bei Spitz und was sich sonst noch ausgeht…

Erstes Ziel - Burg bzw. Schloss Oberranna

Aber zuvor noch in das Brotmuseum!

Gegenüber dem Gasthaus “Weißes Rössl” geht es über den Florianisteig zum Burgsteig und bald diesen hübschen Wanderweg entlang zum Weißen Kreuz. Zuerst gibt es noch etwas Ausblick gegen den Jauerling, dann folgen schon recht bunte üppige Marillengärten.

Bei der Burg Oberranna, eher einem Schloss, finden wir keinen Einlass – wie schon im Internet angekündigt sind die Besitzer auf Auszeit. Obwohl die Außenansicht auch beeindruckend ist, bleibt das eigentliche Wunschziel unerfüllt. Der kunsthistorische Höhepunkt hier, fast einmalig in Österreich, ist nämlich die Schlosskapelle mit ihrer romanischen Krypta (nur auf Infotafel zu sehen).

Also machen wir uns an den Weiterweg, beim stattlichen Meierhof und einigen schon leeren Nussbäumen vorbei zu der schon von weither sichtbaren Pfarrkirche in Mitterranna. Ausgerechnet im Friedhof, aber an der windgeschützten und sonnigen Kirchenmauer, gibt es dann die Mittagsrast…

Nach der Ortsstraße folgt dann bei der Marienkapelle der Abstieg über eine Steinstiege in den Graben, offensichtlich ist das ein alter Kirchenweg von Mühldorf herauf, und dorthin gelangen wir auf der Seitengasse im Ledertal.

Damit ist Mühldorf sozusagen “erledigt”, und noch dazu haben wir hier eine “Kleine Welterbe-Runde” entlang der Markierungen nachgehen können. Nun talauswärts, aus dem freundlichen Kessel in die vielfach gewundene Enge des Spitzergrabens – teilweise schöne alte Häuser, Weingüter nacheinander und steile Riedenterrassen. Hinauf über Radlbach zur Quitten (der aussichtsreiche Terrassenweingarten Nothnagel hat leider geschlossen) und auf der schmalen Straße am Friedhof vorbei hinunter nach Spitz. Nächstes Ziel ist der Weinweg zum Roten Tor und der Aussichtsplatz in den Rieden oberhalb vom Schloss Spitz.

Die Weintrauben hängen ideal in den wertvollen Rieden von Singerriedel und Axpoint, aber das Gegenlicht lässt sich für die Fotos mit der Pfarrkirche nur digital einigermaßen überlisten, ebenso beim Roten Tor, wo man froh sein muss, wenn nicht andere Besucher durchs Bild laufen…

Am Weinweg oberhalb von Spitz sind die Lichtverhältnisse dagegen ideal, vor allem über Spitz hinweg auf Hofarnsdorf, und mit Glück schwimmt gerade auf der Donau eines der riesigen Kreuzfahrtschiffe daher.

Anni war schnell genug! Die Aussicht stromaufwärts über Ruine Hinterhaus und die Rote Wand hinweg bedarf jedoch schon wieder einiger Fototricks!

Weiterfahrt nach Schwallenbach, wo das auf Plakaten angekündigte Höfefest stattfinden soll. Also passend für die Nachmittagseinkehr, und endlich kommen wir zu einem Wachauer Fest zurecht. Schwallenbach kennen wir nur von einer langen Wanderung von Spitz her, wo wir dann per Autostop zurückgefahren sind – heute kein Problem, denn in dichtem Takt verkehren nun  die Autobusse!

Schwallenbach ist wirklich eine Überraschung, auch wegen der Kirche, aber noch mehr durch einige wirklich imposante historische Gebäude und die idyllische alte Ortsstraße. Das später durchquerte Aggsbach-Dorf hat uns kaum begeistert, aber total interessant war das dazwischen gelegene Willendorf. Zwar war das VENUSIUM (Museum für diese einmalige altsteinzeitliche Kultstätte) geschlossen, aber die Fundstelle gab durch ihre ausführlichen Infotafeln und die gesamte Anlage einen echten Ausgleich dazu.

Hier noch ein paar Bilder aus Schwallenbach mit der gegenüber sichtbaren Kirche St. Lorenz:

Das "Glöckerl von Schwallenbach" - das Haus gefunden, aber nicht die Bedeutung dieses Glöckerls entdecken können...

… der schönsten Wanderwege der Wachau am Mittwoch, 13. September 2017

Am Morgen herrlich strahlendes Wetter, aber als wir in die Wachau kommen, ziehen leider bereits einige der für nachmittags angekündigten Wolken auf. In Weißenkirchen geht es lebhaft zu, aus den Kellern schallen die Arbeitsgeräusche der Lesevorbereitungen, und die Radfahrer sausen ununterbrochen vorbei. Wir gehen die uns längst bekannte Runde diesmal verkehrt an, parken aber doch in einem kleinen Winkel an der Abzweigung des “Höhenweges” und gehen die Kremser Straße entlang. Unglaublich, dass hier vor wenigen Jahrzehnten (aber immerhin schon so lange her) der ganze Verkehr der alten Wachaustraße dahinrollte…

Malerisches Ortsbild, allerdings muss man stets wegen der vielen Radfahrer und sich ebenfalls durch die engen Gassen drängenden Autos aufpassen, dann zum Kirchenplatz. Die Theateraufführungen im Teisenhoferhof sind vor wenigen Tagen zu Ende gegangen, dann die alte hölzerne Kirchenstiege hinauf zur Wehrkirche.

Die Ummauerung der am Rand der Hochterrasse stehenden Wehrkirche ist noch gut erhalten, eigenartig eine kleine Statue in der Kirchenmauer (selbst im Dehio nichts darüber gefunden), mit 1385 befindet sich hier die älteste noch immer im Betrieb stehende Schule des Landes. Die Kinder sind mit ihrer Frau Lehrerin am Abmarsch zum Markt hinunter – auf Wandertag? Nein, zum Turnunterricht…

AB Wehrmauer und Statue

Dann geht es auf dem Kirchensteig und dem Weitenbergweg weiter zum nächsten vorzüglichen Aussichtsplatz – er heißt nach den alten Taferln “Kienberger-Olle” (was das heißen soll?), die Kügerlwand ist übrigens mehrfach, aber unkoordiniert angeschrieben. Obwohl wir in Weißenkirchen mehrere schöne Routen ausgekundschaftet haben (kommen aktualisiert im neuen “Ausflugs-Erlebnis Wachau”), ist der Panoramaweg Achleiten die einzige sozusagen offizielle Wanderung der Gemeinde.

Dann geht es auf einem Fahrweg hinein ins Kainrichstal und im Bogen hinauf zum Panoramaweg unterhalb der Kügerlwand – dorthin eine etwas verzwickte und gerade deswegen interessante Herumkraxlerei – wunderbarer Ausblick um die Bergecke herum vom Panoramaweg, wo wir gemütlich weitergehen.

Der Weingartenwächter - "Hiata" gibt es wohl nicht mehr, dafür sind die Trauben am Wegrand entweder weiß amgespritzt oder mit (noch dazu blauen) Netzen verhüllt

In wechselnder Neigung geht es unterhalb vom Weingarten “Himmelreich” und den Achleiten-Felsen (mit fixen Haken für die Sportkletterer) zum “Rebgarten Stockkultur” des Weingutes Prager-Bodenstein, einem Musterweingarten in der “alten Erziehungsform” mit 15 000 Weinstöcken pro Hektar (wie ich vom Besitzer vor einiger Zeit erfragen konnte). Immer mehr öffnet sich nun der Ausblick gegen Osten mit dem Donaubogen bei Rührsdorf (um 1970 wollte man dort eine Donaukraftwerk anlegen – heute nicht nur wegen dem UNESCO Weltkulturerbe völlig undenkbar).

In einem Bild sind sogar Dürnstein, Rossatz, Loiben und das Stift Göttweig zu erwischen! Leider ist das Wetter schon eher trüb, und ohne Digitalbearbeitung wäre überhaupt nichts fotografisch anzufangen…

Inzwischen fängt es sogar leicht zu tröpfeln an, und so machen wir uns ohne Zögern an den Rückweg, obwohl der Abstecher zum Heurigen Pomaßl verlockend wäre (wird anschließend mit Zufahrt nachgeholt).

Dann landen wir wieder bei unserem Ausgangspunkt an der Kremser Straße und beim abschließenden Idealblick (einem von vielen) in Weißenkirchen. Mit der Auffahrt über die enge Asphaltstraße nach Schildhütten endet dieser trotz Wetterverschlechterung hübsche Wandertag. Beim Heurigen Pomaßl werden wir sogar von Familie Schneeweiß angesprochen, ob ich “der Baumgartner” bin… erkannt am Strohhut! Danke für die schönen Bilder, die uns zugesendet wurden (leider konnte ich das Gruppenbild nicht abspeichern)! Sehr gut geschmeckt – Schildjause, Sturm und Veltlinerachterl…

Nicht nur weil das Wetter auf der Schlossalm beim “Gipfelgondeln” am Vortag nicht optimal war, sondern überhaupt wie bei jedem unserer Besuche: Das Fulseck ist der Höhepunkt unter den “befahrbaren” Gipfeln des Gasteiner Tals!

Zwar gondelt man bis hinauf zum Zweitausendergipfel auch mit einer Umlauf-Kabinenbahn, und auf dem höchsten Punkt steht eine großzügig erbaute “Hütte” – aber schon wenige Meter daneben überwiegt die Natur. Am Kamm entlang bergab zum Arltörl gibt es neben dem teilweise anfangs als Promenade ausgebauten Weg im Frühsommer einen üppig blühenden “Alpenblumengarten”. Gegen den Herbst zu verwandeln sich die flächendeckenden Zwergstrauchheiden in ein Beerenparadies mit Heidel- und Preiselbeeren und Almrauschbüschen. Dazu kommt die Rundsicht – vom Dachstein über die Radstädter Tauern zu den Dreitausendern der Goldberg- und Glocknergruppe, im Nordwesten ragen über den rundlichen Schieferbergen die Felsburgen von Hochkönig, Steinernem Meer und den Leoganger Steinbergen.

Mittwoch, 23. August:

Dieser Tag verspricht doch schöner zu werden als beim gestrigen “Gipfelgondeln” – aber wie es in der dritten Augustwoche typisch zugeht, wird dauernd eine Hitzewelle angesagt, wobei noch immer ein kühler Nordwest weht. Vormittags gibt es sogar eine ziemlich geschlossene Wolkendecke, als wir bereits um 9 Uhr in Dorfgastein die Bergbahn besteigen. Nach unserer Erfahrung zwischen Stubnerkogel und Angertal, entschließen wir uns daher zu einer ähnlichen Unterbrechung: Bei der Mittelstation ausgestiegen, den Rucksack deponiert, und schon geht es hinein in die Wälder…

AB Gipfelpanorama am Fulseck gegen Radstädter Tauern über dem Großarltal

Bei unserem letzten “Ausstieg” habe ich im Wald mit einem freundlichen Forstmann getratscht, der seinerzeit beim Orkan Kyrill sogar in meinen Heimatbergen unterwegs war. Was er zum Schwammerlsuchen meinte, bewahrheitet sich nun in den nächsten zwei Stunden – wo´s am schlechtesten zu gehen ist, findet man die schönsten Pilze!

Tatsächlich verirren wir uns, gar nicht so weit von der Seilbahn entfernt, fast in den endlosen Hangwäldern. Dort gibt es nicht nur hohe Baumbestände mit moosigen Böden, sondern auch dicht verwucherte Wasserrinnen, steile Querungen und nur schwer begehbare Abholzungen! Irgendwie landen wir so bei einer kleinen Jagdhütte und entdecken später den einfachen Zugang in unser gefundenes Schwammerlparadies.

Um die Mittagszeit landet unser “fliegender Teppich” = Seilbahngondel auf dem Fulseck, und zugleich kommt auch die Sonne heraus. Großglockner und Wiesbachhorn stecken mit ihren Gipfeln zwar noch in den Wolken, aber der Ankogel lüftet schon ein bisschen seinen “Schlechtwetterhut”.

Was macht man nun dort oben? Am einfachsten ist der Abstieg zur Mittelstation, das letzte Steilstück hinunter nach Dorfgastein wieder mit der Gondel, genug Höhenmeter für die Knie! Die Route folgt zunächst dem Nordkamm bergab bis zum Arltörl, einem idyllischen Platz und altem Übergang vom Großarltal ins Gastein. Ein Stück anfangs ist als “Kraftweg” gestaltet, wo es sogar Führungen zu Meditationsplätzen gibt. Für uns war die schönste Tour aber, vom Arltörl auf den Schuhflicker anzusteigen. Dieser in den Klammkalken gelegene Gipfel schaut viel wilder aus, der Steig hinauf über die Felsen ist aber sehr gut ausgebaut, der Tief- und Ausblick einfach gigantisch. Mit dem Rückweg über das Arltörl kommt schon eine ganz respektable Wanderung zusammen, noch dazu mit dem Abstieg Richtung Dorfgastein.

In der letzten Zeit haben wir uns aber mit dem Höhenweg Richtung Arltörl begnügt, und weil dabei so viel Zeit mit dem Heidelbeerpflücken aufgegangen ist, war eigentlich der Wiederaufstieg zum Fulseck die logischeste Möglichkeit. Heuer haben uns die Blaubeeren aber voll im Stich gelassen, nur von den Rauschbeeren hätten wir jede Menge pflücken können. So blieb uns nur der angenehme Gipfelspaziergang mit seinem trotz einiger Wolken wunderschönen Ausblick.

Ausblick zu den Radstädter Tauern und zur Ankogelgruppe

Der aus Schiefergestein aufgebaute Gipfelkamm weist (wohl durch Zerrungsvorgänge der beiderseits abgleitenden Steilhänge) eine Art von “Bergzerreißung” auf. Das heißt, es bilden sich im Kammverlauf nahe dem Grat weithin verfolgbare Mulden, die sogar mit kleinen Lacken oder bei Verlandung mit Moorsenken aufwarten können. Die Flora ist jetzt im bald kommenden Frühherbst und nach dem heißen Sommer eher spärlich, nur das Heidekraut blüht ganz üppig.

Die Zeit vergeht wie im Flug, bald ist es Nachmittag, und mit dem letzten Blick über den Dorfgasteiner “Spiegelsee” (kein Natursee wie bei Schladming, sondern ein Speicherbecken für die Beschneiungsanlagen) geht es ebenfalls wie im Flug hinunter nach Dorfgastein.

Nach der erlebnisreichen ersten Jahreshälfte wäre eigentlich “Sommer zuhause” angesagt gewesen. Aber die knapp aufeinander folgenden Hitzewellen haben diesen Vorsatz gekippt – Hochsommer ist zwar in unserem Haus und Garten fast niemals unangenehm, aber am besten verbringt man die heißesten Tage des Jahres doch im Gebirge…

Die fast pünktlich an Wochenenden aufziehenden Schlechtwetterfronten hielten es auch am 20. August so – bei unserem Eintreffen in Bad Hofgastein zeigte sich der fast 3000 m hohe Silberpfennig sogar schon im Neuschneekleid! Über Nacht zum Montag klarte es zwar etwas auf, aber immer noch gab es eine Menge Wolken, dazu frischen Nordwestwind und herbstlich wirkende Temperaturen. Aber immerhin, am Morgen zeigte sich der Balkonblick schon etwas freundlicher…

Inzwischen hatten wir schon die Ferienwohnung im Haus Erika am Eisenstein Nr. 11 in Bad Hofgastein bezogen – mit der Villa Erika daneben ein äußerst komfortables Urlaubsdomizil der SOWEGENO (Info im Internet). Am nächsten Tag (Montag, 21. August) machten wir die für uns schon traditionelle Wanderung ins Angertal  - ein bisschen aklimatisieren und schauen, was die Natur so “hergibt”. Gleich vorweg genommen, Schwammerl gab es heuer schon, aber Heidelbeeren leider überhaupt nicht, also eine Hälfte der urlaubsmäßigen Nebenbeschäftigungen war damit ausgefallen…

Im Vorjahr war eine touristischer Höhepunkt im Gasteiner Tal das “GIPFEL GONDELN” zwischen Schlossalm und Stubnerkogel. Diese Veranstaltung hat wohl solch großen Anklang gefunden, dass heuer bereits mehrfach der Termin dazu angesetzt war, für uns gleich passend am nächsten Tag, Dienstag 22. August. Das Wetter hielt zwar nicht, was es anfangs versprach, vor allem waren die Dreitausender in Wolken gehüllt. Aber immerhin blieb es ganzen Tag trocken, die übrige Aussicht war nicht schlecht, und dazu gab es eigentlich gutes Wanderwetter von den Temperaturen her. Unser “Gipfel-Schaukel-Tag” (pro Person Tageskarte 27 Euro) verlief folgendermaßen:

Start mit Auffahrt per Schrägaufzug und Gondelbahn zur Schlossalm, dort geht es um 10 Uhr ans fast schon zu gemütliche Wandern. Die beiden vorigen Bilder zeigen die Verhältnisse – der große Speicherteich gehört zu den gut ausgebauten Spazierwegen dort oben. Die Natur ist von der Hitze des bisherigen Sommers gezeichnet – das Heidekraut blüht zwar recht nett, aber sonst ist die Blumenwelt doch schon recht mitgenommen und herbstlich wirkend. Das Panorama von Tischlerkar und Ankogel fehlt uns heute. Daher geht es gleich mit der Kasereckbahn hinunter ins Angertal und gegenüber mit der Senderbahn hinauf zum Stubnerkogel.

AB Seilbrücke am Stubnerkogel

Während man fast immer allein in der Gondel sitzen, spielt es sich bei den Berg- und Talstationen wirklich recht ab. Bergeinsamkeit ist bei einer solchen Veranstaltung selbstverständlich nicht zu erwarten! Wenn man aber etwas abseits der Gipfelspazierwege ins Gelände hinaus “grast”, lässt man den Trubel bald hinter sich. Nicht aber bei der Hauptattraktion des Stubnerkogels, der Seilbrücke, einem besonders bei der ersten Begehung imposanten Erlebnis. Wir haben vor kurzem eine solche Anlage am Hochkar kennengelernt und sind daher nicht überrascht. Die Gasteiner Seilbrücke kann auch nicht mehr als die am Hochkar, nämlich etwas schaukeln, und der wegen dichterer Bewölkung etwas getrübte Ausblick (ganz im Gegensatz zu unserem Besuch 2016) hebt auch nicht gerade die Stimmung.

Der Stubnerkogel ist wirklich total verbaut, und auf den Gipfelwegen wimmelt es nur so von Besuchern. Wir gehen nur das kleine Stück bis zur Aussichtskanzel mit Tiefblick auf Böckstein, und an diesem Tag wollen wir nicht nach Badgastein hinunterfahren zum Autobus nach Hofgastein. Sondern wir machen die “Gipfelschaukel” auch gleich wieder retour – vielleicht klart es nachmittags doch etwas auf?

Das ist leider alles, was sich vom “Ankogel im Neuschneekleid” zu zeigen beliebt… daher spazieren wir wieder zurück zur Senderbahn und sehen uns die Seilbrücke noch einmal an.  Bei der Talfahrt ins Angertal gibt es aber für uns einen “Ausreißer”, denn Anni hat schon bei der Auffahrt am Waldrand aus der Gondel heraus etliche Eierschwammerl leuchten gesehen… daher: SEILBAHNGONDEL MIT PILZUNTERBRECHUNG !

Bei der Mittelstation der Senderbahn, etwas oberhalb vom Angertal auf etwa 1400 m, steigen wir aus der Gondel und wechseln in die steilen Bergwälder. Mit etwas Glück finden wir ein paar Stellen mit Eierschwammerln, immerhin hat sich so die Unterbrechung ausgezahlt. Und schon wieder geht es bergwärts, etliche hundert Höhenmeter bis aufs Kasereck. Zum geplanten Herumbummeln auf der Schlossalm reicht aber das Wetter nicht, eher schaut es nach einem “Spritzer” aus, und daher gehen wir  zügig auf dem gewöhnlichen Weg beim Speicherteich vorbei zur Bergstation an der Niederen Scharte. Bei der Talfahrt sind dann die bereits im Bau befindlichen Veränderungen der Schlossalm-Erschließung zu sehen, etwa ein riesiger Speicherteich, dazu Fundamente und Betonteile von Tragstützen und Stationen. Der Berg wird richtig zerwühlt dadurch! Im nächsten Sommer soll der Betrieb völlig eingestellt werden, und los geht es auf der Schlossalm (zumindest so die Planung) erst wieder in der Wintersaison 2018/19. Na, wenn wir eventuell dann nicht Pistenfahren, wollen wir uns die neuen gigantischen Anlagen zumindest anschauen…. also Winterurlaub doch noch vorprogrammiert!

AB Zur Bucht Duboka draga

VIR – Trauminsel oder Alptrauminsel ?

Vir war bei unserem Aufenthalt in Seline / Starigrad im Mai 2017 die am leichtesten erreichbare Dalmatinische Insel. Vor allem wegen der Zufahrt über die Stadt Nin und die Inselbrücke, also keine Fähre notwendig… Allerdings war auch im Reiseführer (Müller-Verlag) schon darauf hingewiesen, dass Vir vor allem als Sommerfrische für die städtischen Bewohner Zadars von einem “Wildwuchs” an Bautätigkeit befallen war. Aber unser Interesse galt ja vor allem der Natur, und davon ließen wir uns ja auch an anderen Zielen nicht abhalten.

Donnerstag, 18. Mai 2017 – die Insel Vir für uns mit einmaligen und überraschenden Entdeckungen

Das Endziel unserer Fahrt zur Insel Vir stand schon im Vorhinein fest – diesmal müssten wir in Nin beim Restaurant Sokol “ordentlich” einkehren, nachdem wir uns einige Tage zuvor nach einer langen Tour dort nur wiederbelebt hatten… außerdem war das unser vorletzter Urlaubstag!

AB Blick zum Velebit und zum "Archipel von Zadar"

Der Tag war wolkenlos und heiß, dazu aber luftiger Nordwestwind, einfach herrliches Wetter! Daher bereits Abfahrt um 9 Uhr und auf der Autobahn bis Zadar 1, weiter auf der recht gut ausgebauten Straße, immer den Wegweisern Otok Vir nach, an Nin vorbei. Dann tauchte schon die Brücke auf, und in hohem Bogen mit Ausblick über die marschenartige Landschaft der beiderseitigen Küste ging es hinüber nach Vir. Erster Eindruck – ganz schön dicht verbaut, zwar etwas winkelig, aber der größeren Straße nach durch die Ortsgebiete, Betrieb noch vorsaisonal (zum Glück). Mit der einfachen Straßenkarte und den Angaben im Führer schon vorbereitet, hielten wir uns bei einer anscheinend markanten Abzweigung nach links auf den Put Laterne und kamen in den Ortsteil Torovi mit dem Friedhof und der Kirche Sveti Ivan (früher die Hauptkirche der Insel aus dem 13. bis 14. Jahrhundert). Dann wir Schluss mit der regellos wirkenden Verbauung, bergwärts tauchte der von gelblich gefärbten Trockenrasen und Buschwerk geprägte Hohenrücken der Insel auf. Wegen der prallen Sonne hatten wir eigentlich kein Interesse, dort hinauf zu marschieren, vielleicht dadurch etwas versäumt…

AB Heideböden entlang der Straße Put Laterne und Ziestrosen als beherrschende Flora!

Wie abgeschnitten endet dann die Verbauung, beiderseits der Straße nur mehr Natur, Heideböden mit einzelnen Büschen und kleinen Piniengeständen, aber beherrschend überall die tiefrosa Blüten der Roten (Kretischen) Ziestrosen! Eine für uns nicht recht durchschaubare Einschränkung der Befahrbarkeit hält uns nicht von der Weiterfahrt ab, doch nun müssen wir uns endgültig entscheiden – hinauf zum Berg (nicht verlockend, weil die Abzweigung dorthin schon versäumt, und ohne Weg sicher nicht angenehm) oder hinunter zum Strand. Eine Straßenabzweigung enthebt uns des Zweifels, kurz links abgebogen und das Auto neben einem spärlich beschatteten Platz mit höheren Pinien abgestellt. Jetzt nur rasch den Marsch beginnen, ehe uns irgendwer davon abhalten soll (diese Bedenken waren ohnehin unnötig).

Distelblüte vor Lotwurz-Hintergrund

AB Rote Kretische und weiße Salbeiblättrige Ziestrosen, dazu die "busigen" Früchte (bei Rosen würde man sie "Hetscherl" oder Hagebutten nennen...

Die Sandstraße zieht schnurgerade bergab auf die Küste zu, daneben üppige Flora mit Pinien und Hartlaubgewächsen, dazwischen allerlei mediterrane Blüten, ein reizvolles Dahinwandern, immer wieder botanisch und fotografisch unterbrochen…

Am Ufer vor dem Leuchtturm (AB Bildausschnitt) und Panorama

Der Leuchtturm an der Uvala Stinica ist sogar in unserer Straßenkarte verzeichnet, trotzdem eine überraschend große Anlage, bereits 1881 erbaut, als Verbindungspunkt der Partisanen zwischen Inseln und Festland 1944 zerstört und 1950 renoviert, heute als “Villa Virski” sogar zu mieten (müsste einen überaus idyllischen Aufenthalt ergeben…). Wir kommen auf der breiten Sandstraße zwischen hohem Pinienbestand dorthin, immer wieder und natürlich beim Leuchtturm selbst ein reizvoller Ausblick über das tiefblaue Meer zu den Insel (Molat und Ist).

Doch nun ist Schluss mit den gebahnten Wegen, aber trotzdem wollen wir noch ein Stück den Strand entlang wandern, vielleicht ergibt sich doch eine Möglichkeit…

Die Küste entlang fahren immer wieder Schiffe vorbei, wir sind hier völlig allein, steigen mit Vorsicht bei den Dornsträuchern (ohne Schlangen!) über die scharfen Kalksteine, immer dem dicht verwachsenen Waldrand entlang, typische Strandvegetation (und relativ wenig Müll…).

AB Dornnelke und beim Leuchtturm ein auf Malta gesehener Strauch mit ungewöhnlicher Blütenzier

Wieder zurück in der Bucht Stinica, die ferne Insel ist wohl Dugi otok. Nun heißt es die langgezogene, zum Glück mäßige Steigung, in der Sonnenhitze auf der Sandstraße zurück zum Auto. Die Blumen entschädigen uns  für die geringe Mühe ebenso wie der Rückblick über die Ziestrosen-Heiden auf das Meer.

Schmalblättriger Lein und Pyramidenständel

Zurück zum Put Laterne fahren wir weiter gegen das Nordende der Insel zu, obwohl in unserer Karte keine Straße eingezeichnet ist – aber welch ein Glück, es gibt eine Fortsetzung um das Rt. Vralja herum! Das Steingelände welchselt dann, wo das Velebitgebirge hinter der Insel Pag in Sicht kommt zu einer sanften Wiesenfläche, die zu einem bogenförmigen Strand abbricht. Hier ist der richtige Platz für unsere Mittags- oder Rastpause. Allerdings dauert sie nicht lang, denn am Felsabbruch entlang wird es richtig spannend. Vögel schwirren herum, ähnlich großen Schwalben, und ziehen sich auf die nächsten Klippen zurück…

Erst beim Näherkommen ist zu bemerken, dass die obskuren Vögel ihre Nester in den Felsen haben müssen, aber welche es sind? Das Rätsel löst sich erst nach Ausschnitte aus den Teleaufnahmen – es sind Bienenfresser! Davon war im Reisführer allerdings nicht die Rede, und gleichfalls nicht von der wunderbaren Natur, die den Nordteil der Insel Vir einnimmt.

Ohne Spezialausrüstung sind wohl keine besseren Bilder zu erwarten, was sie zeigen hat sich überhaupt im Nachhinein herausgestellt! Vorläufig müssen wir uns mit dem Landschaftserlebnis begnügen, und der Gesteinsaufbau des Strandes mit seinen eigenartig rötlichen Formationen über den Kalksteinen an der Wasserlinie ist allein schon interessant genug, dazu kommt noch der Fernblick über Pag gegen den Velebit. Bald geht es jedoch weiter…

Die Asphaltstraße verläuft nun etwas höher am Hang entlang, und bei einem kleinen Sattel gibt es zwei Abzweigungen – und weitere Überraschungen! Fast am Straßenrand blüht eine (erst einmal auf Cres gesehene) Orchidee – Bertolinis Ragwurz!

Wir wenden uns zuerst an einer Fahrspur entlang bergwärts. Dort ist Schutt abgelagert worden, zu unserem Glück, sonst hätten wir nicht so leicht dorthin steigen können. Hier ziehen hochstehende Federgrasfluren zum höchsten Gipfel, dem 116 m hohen Barbinjak, schwierig zu begehen, aber eine tolle Mischung von fruchtendem Federgras, Ziestrosen und Astlosen Graslilien (Anthericum liliago), dazu blühender Ginster als Vordergrund für das Panorama!

AB Graslilien und Sommerwurz

Zurück zur Straße Put Rastavca gehen wir einem Fahrweg in Richtung Strand nach, und hier finden wir zahlreiche Exemplare der Ragwurz Ophrys Bertolinii, die bald verblüht sein werden, aber trotzdem noch sehr fotogen sind!

Die weiträumige Bucht könnte Duboka Draga heißen, und sie soll mit ihrem tieferen Wasser (wahrscheinlich bei Tauchern) recht beliebt sein. Um diese Zeit verirren sich aber höchstens ein paar Vogel- oder Blumenbeobachter hierher und natürlich die der Straße folgenden Radfahrer. Auch bei uns geht es danach weiter, bergab auf der Put Rastavca in immer mehr bearbeitetes (und devastiertes) Gelände, bis sich die Ortschaft Lozice mit ihren in die Natur hinaus wuchernden Neubauten und Verhüttelungen ausbreitet. Wir haben genug gesehen von der Insel Vir, die zur Zeit der Zugehörigkeit zu Italien Puntadura geheißen hat – ein wahrlich “harter” Ort, und während der Kriege zwischen Türken und Venezianern immer wieder umkämpft. Die renovierte Festung aus dieser Zeit bekommen wir allerdings nicht mehr zu Gesicht, denn wir müssen  durch das Gewirr von Gassen und Einbahnen zur Inselbrücke finden. Nach 15 Uhr langen wir in Nin an, ohne allerdings die Sehenswürdigkeiten zu besichtigen (schon erledigt, auffallend ähnlicher Betrieb wie an Wallfahrtsorten z. B. unser steirisches Mariazell). Auto bei zwischen Salinenbecken und alter Stadtmauer abgestellt und zur schon ersehnten Einkehr und Labung im Restaurant Sokol (heißt wohl Adler oder Falke wie in Tschechien). Jedenfalls bestens gespeist und erfrischt für die Rückfahrt nach Seline / Starigrad, wobei es noch einen Abstecher nach Zadar gibt.

Damit endet mein “Tourenbuch Dalmatien” von 2017 im Blog, mit dem ich den “Sommer zuhause” ganz nett ausfüllen konnte. Aber nun wird es allmählich höchste Zeit, wieder auszuschwärmen und neue Erlebnisse einzufangen…

Ein Vorteil von Seline / Starigrad ist die Nähe zur Autobahn, wodurch man erstens bei der Anreise profitiert (ausgenommen das noch immer im endlosen Ausbau begriffene slowenische Stück zwischen Ptuj und der kroatischen Grenze), außerdem kann man Ausflugsziele wie Zadar, Sibenik oder Split relativ rasch erreichen. Dazu gehört auch der Nationalpark Krka.

AB Skradinski bug

Schiffsfahrt mit Wasserspülung und Roski slap

Erste Begegnung mit der Krka – 10. September 2014 – per Schiff auf dem “Seefluss” von Skradin bis zum Ros(ch)ki slap. Ein herrlicher Ausflug samt der Klosterinsel Visovac, aber bei der Rückfahrt mit einem Wolkenbruch… unter einem Regenschirm, aber pratschnass zurück zum Parkplatz in Skradin. Also Krka auf dem Fluss erlebt.

Diesmal wollten wir die Krka “von oben her” erleben – also vom Beginn der  Schluchtstrecke des Nationalparks bis zu unserem Endpunkt von 2014 beim Katarakt Roski slap.

Dienstag, 16. Mai 2017: Krka “von oben”

Im Anschluss an den Wolkenstau über dem Velebit am Vortag, scheint nun wettermäßig alles bestens zu passen – gering bewölkt und sehr warm bei heftigem Südostwind. Urlaubsmäßig sind wir allerdings etwas spät dran, Abfahrt von Seline erst um 10 Uhr. Dafür geht es auf der Autobahn “maimäßig” ohne viel Verkehr Richtung Sibenik, Ausfahrt aber nicht bei Skradin (wie “normal” für die Krka), sonder schon vorher bei Pirovac (32 km wie im Flug…). Nun geht es aber nicht so unkompliziert weiter, zwar am einfachsten auf der Hauptstraße Nr. 59 Richtung Knin, aber erstmal zu früh abgezweigt und retour (Richtung Skradin falsch), dann die Abzweigung Richtung Nationalpark / Roski slap ignoriert (gut so).

Der nächste größere Ort heißt Kistanje, und hier haben wir einen unfreiwilligen Aufenthalt wegen einer Baustelle. Aber die Zeit wird genützt, Spaziergang am Ortsrand mit typischen Eindrücken, wie eine ummauerte Wasserstelle, schaut ganz historisch aus, daneben kahlgegraste Weiden, neben den Gebüschen und Steinmauern blüht der Wein… Endlich machen die Baumaschinen Platz, und an der modernen Kirche vorbei geht es zur Nationalpark-Abzweigung Richtung Samosan Krka. Bei einem Kiosk kurz danach werden wir freundlich betreut, kaufen gleich Eintrittskarten für das Kloster, Führung inbegriffen. Keinerlei Verkehr auf der Seitenstraße, wo man sich etwas mühsam orientieren muss, und es ist kurz vor Mittag – hoffentlich passt das zum Besuch der Sehenswürdigkeit!

ab Kloster Krka

Das Kloster Krka liegt inmitten von Garten- und Parkanlagen oberhalb einer Bucht des Flusses und ist ein geistiges Zentrum der orthodoxen Gläubigen, eine weit in die Vergangenheit zurückreichende und höchst lebendige Einrichtung zur Ausbildung von jungen Männern für den Priesterberuf. Wir werden von einem Englisch sprechenden Führer schon erwartet, und die Besichtigung verläuft überaus interessant und animiert, großartige Kunstwerke und Einblicke in das tägliche Leben des Klosters.

Fotografieren scheint hier nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht zu sein! Nur bei zwei Geistlichen, würdevolles Gehaben und schwarz gekleidet, der ältere Priester sogar leicht freundlich lächelnd, während der jüngere tieferst und abweisend dreinschaut… Wir haben sozusagen eine Privatführung, denn es gibt keine anderen Gäste, und auf alle Fragen gibt der Führer (wir verstehen ihn zum Glück recht gut) nicht nur bereitwillig Auskünfte, sondern noch zusätzliche Erklärungen, etwa über die Zahl der Priesterkandidaten (ich glaub mich an mindestens 30 zu erinnern).

Erinnerungstafel an den Besuch des damaligen Königs und im Speisesaal gerade nach dem Ende des Mittagstisches

Wir kommen uns vor wie in einem “lebendigen Museum”, ein Blick durch ein Zeitfenster in die fernste Vergangenheit und gleichzeitig das aktuelle Leben (leider ist gerade dieses eine Bild verwackelt). Urkundlich erwähnt ist das Kloster im Jahr 1402, doch in den Katakomben weist der Führer auf wohl antike Ritzzeichnungen mit dem Fischsymbol und auf die Grabanlagen hin (in der Nähe befand sich ja auch ein Römerlager, das wir noch besichtigen werden).

Danach werden wir vom Führer entlassen und können noch frei um das Kloster herumwandern, insgesamt haben wir noch selten ein so eindrucksvolle Erlebnis von Kunstgeschichte und gleichzeitig lebendigem Glaubensleben vermittelt bekommen!

Anschließend geht es zurück zur Hauptstraße, wo nach kurzer Strecke die antiken Grabungsstätten auftauchen.

AB Amphitheater des römisches Stützpunkte Burnum und ein Gefreiter a. D. des Österr. Bundesheeres als Legionär

Etwas grimmiger hätte ich schon dreinschauen können… Von einem Infoplatz am Straßenrand geht man ein Stück in noch “unverdächtigem” und sonnenheißen Gelände weiter, und steht dann plötzlich vor frischen Ausgrabungen des Militärlagers und dem instandgesetzten Riesenoval des Amphitheaters, alles von Infotafeln (leider nur Kroatisch und Englisch, obwohl hier viel mehr Italiener und Deutsch sprechende Gäste herkommen).

Schön langsam wird es anstrengend, vor allem wegen der Mittagshitze, aber ein Abstecher zum angeblich schönsten Wasserfall steht uns noch umittelbar bevor!

AB Reste einer römischen Anlage und Erinnerungstafel an den "Kaiserbesuch" von Franz Joseph und Elisabeth

Von einem kleinen Parkplatz (überall Infotafeln des Nationalparks) zweigt ein kurzer Weg zum Plateaurand ab, wo sich ein wirklich grandioser Blick in die Krkaschlucht öffnet. Der Manojlovacer Wasserfall mit Berrieren zwischen 30 und 50 m ist zwar nur aus der Ferne zu bewundern, aber das digitale Tele zieht jedes Detail fast in Greifweite heran. Außerdem gibt es eine artenreiche mediterrane Flora (auch auf Infotafeln beschrieben), für die wir aber leider jahreszeitlich etwas spät dran sind.

Zwischen den blau schimmernden ruhigen Flussabschnitten beiderseits des Tafelberges  stürzt die Krka in mehreren Wasserfällen über die Steilstufe der Talbiegung, im Hintergrund ein hoher Gipfel des Dinarischen Gebirges bei der Stadt Knin (Zentrum der von Serben bewohnten Region Krajina, heiß umkämpftes Kriegsgebiet… der Berg heißt vermutlich Orlovac und ist über 1700 m hoch).

Ich weiß jetzt gar nicht mehr, wann und wo wir gerastet und uns gestärkt haben – die Ausdauer erscheint mir im Nachhinein erstaunlich groß, aber es war wohl auch der Drang, nichts von diesem einmaligen Erlebnis des Flusses Krka zu versäumen. Dazu bedarf es aber noch eines Abstechers entlang der Hauptstraße Richtung Knin, wo uns Wegweiser (sogar mit Querung der Bahnstrecke, die aus dem Landesinneren in weitem Bogen zur Küste in Zadar führt – erbaut zur Zeit der Österr.-ungar. Monarchie und damals eine Pionierleistung der Erschließung Dalmatiens).

Das Dorf, nachdem dieser (oberste?) Katarakt der Krka benannt ist, liegt abseits von Hauptstraße und Bahnlinie am Ende eines Seitenweges mit kleinem Parkplatz zwischen Steinmauern der anschließenden Weiden, Felder und Olivengärten. Hier scheint wirklich die Welt zu Ende! Auf einem Wanderweg von etwa einer halben Stunde müssen wir vom Plateau hinab in den Schluchtgrund der Krka. Üppige mediterrane Vegetation, hohe Felsen, eine alter steingepflasterter Karrenweg und – Nachmittagshitze! Trotzdem gehen wir (im Gedanken an den wieder erforderlichen Aufstieg…) wirklich bis zum Ende am Flussufer, wo verfallene Mühlengebäude stehen. Nochmals über Steinblöcke tiefer, und dann öffnet sich das phantastische Bild auf den Bilus(ch)ica buk… alle Mühe hat sich damit gelohnt!

Noch ahnen wir nicht, welche Irrfahrt zurück zur Autobahn uns noch bevorsteht… Aber zunächst heißt es, den Aufstieg aus der Schlucht zu bewältigen, zum Glück haben wir genug Wasser und Kraftnahrung dabei… Dann zurück mit Querung der offensichtlich frisch befahrenen Bahngeleise zur Hauptstraße und zurück bis zur Kreuzug, wo die Straße das Krkatal quert – noch ein schöner Ausblick zum Abschied (aber dieser war es noch gar nicht…)!

Jedenfalls halten wir uns nun an die Wegweiser, zuerst Richtung Drnis, um die über Knin führende  Strecke abzukürzen. Baustelle bei einem neuen Kreisverkehr – akurat dürften wir die falsche Ausfahrt erwischt haben und landen mit Talfahrt über die verkarsteten Hänge unversehens wieder am Krkafluss. Vor uns ein bekanntes Bild, die Klosterinsel Visovac! Wie wir uns hierher verirren konnten, bleibt schleierhaft, aber wieder ein wunderschöner Eindruck der Krkalandschaft…

AB Krka bei der Klosterinsel Visovac

Anni hat zum Glück noch fotografiert, aber danach war uns nicht mehr nach weiteren Aufnahmen… nur fahren, fahren und ja die richtigen Abzweigungen erwischen! Zunächst wieder aus dem Tal heraus auf das Plateau, eine schon bekannte Strecke zurück und bei der Kreisverkehr-Baustelle nun doch richtig abgebogen. Die Weiterfahrt ist immer noch landschaftlich sehr ansprechend, vor allem als wir noch ein schluchtartiges Tal queren, mit dem zur Krka mündenden Fluss Cikola – auch das wäre noch einen Halt wert gewesen… Allmählich beleben sich die Siedlungen, die Küstennähe lässt sich immer mehr spüren, und dann biegen wir durch steile und felsige Szenerien hinab zur Autobahn bei der Auffahrt Sibenik. Insgesamt sind wir an diesem Tag 290 km gefahren, aber auch mehrere Stunden gewandert, unerwartet interessantes Neues erlebt – und zum Schluss blicken wir von der Autobahnbrücke bei Skradin noch einmal hinab zur Krka mit ihrem großen Wasserfall. Inzwischen ist es Abend geworden… und als nächstes wartet sicherlich eine absoluter “Strandtag” in Seline auf uns!

AB Vielleicht hätten wir statt mit unserem CX-5 doch lieber per Luftfahrt unterwegs sein sollen? Der Hüpfer ist jedenfalls schon startbereit...

Strand in Seline: K & K (Kies und Klippen)

Seline liegt auf dem Schwemmkegel aus der Velebit-Schlucht Mala Paklenica, daher ist hier mehr Platz als sonst an der oft engräumigen Gebirgsküste. Naturbelassen (zumindest weitgehend) ist der Strand, zu dem man von der Hauptstraße im Ortszentrum nahe der Kirche am Camp Pisak vorbei kommt. Links geht es zum Leuchtfeuer an einer kleinen Landspitze, und das stellenweise mit knorrigen Tamarisken bewachsene Ufer setzt sich als Kiesstrand weiter fort. Auf dem Erdboden oberhalb verläuft ein schmales Wegerl, Fahrspuren weisen landeinwärts über teils sumpfigen Boden oder dazu gegensätzlichen Heißländen (je nach dem Schotteruntergrund) in das bald dichter bewachsene Gelände. Dahinter jedoch folgen schmale “Kulturflächen”, von den Besitzern parzellenartig gegliedert und bebaut – junge Olivenkulturen wechseln mit Ackerfrüchten und Gemüse. Dazwischen gibt es aber auch blumige Flächen mit Gladiolen, strandnah  Salbei, und vor allem einen üppigen Bestand der Hummel-Ragwurz.

Geht man am Strand weiter, folgt eine kleine Kiesbucht, und danach ist das Ufer felsig – mehrere Meter hohe Klippen! Dahinter gibt es aufgelassene Kulturterrassen, weiter landeinwärts ein Ruderale aus Steinblöcken und Gebüschen, zur Hauptstraße hin eine Pinienaufforstung. Am Ufer kann man vom hohen Rand der Sstrandt errassen immer wieder hinabsteigen zu kleinen Kiesbuchten und teilweise überhängenden Felsplatten – alles ganz wunderschön und ursprünglich. Weiter südöstlich verflacht das Ufer und besteht aus teilweise bizarr durchlöcherten Felsen und kleinen Kiesbänken als intimen Badeplätzen.

Blick vom Strand über die Schlucht Mala Paklenica gegen einen der höheren Gipfel des südlichen Velebit (Sveto brdo, 1751 m), ein beeindruckender Höhenunterschied!

Noch weitläufiger als  zwischen Strand und Hauptstraße ist das Gelände bis zum Berganstieg, ortsseitig neben dem von der Paklenicaschlucht einmündenden Schotterbett locker bebaut, südöstlich jedoch als verstreute “Kulturflächen” genutzt. Während wir Richtung Strand (wie bei unseren früheren Endsommer-Aufenthalten 2014 und 2015) schon genug herumspaziert sind, nehmen wir uns nun die “Bergseite” von Seline vor.

Donnerstag, 11. Mai 2017: Zur Mala Paklenica

Von unserem Apartement, bei der gastlichen Familie Juric in der Velebita Nr. 1, marschieren wir zunächst auf dem Gehsteig aus dem Ort hinaus, um am Haus Austria (zweimal unser Aufenthalt) vorbei ins freie Gelände abzuzweigen.

Kleine Ackerflächen, Olivengärten, hübsche Blumen (aber nichts Besonderes), quer über das Schotterbett des Schluchtabflusses, das nur im Frühjahr und nach Starkregen Wasser führt, zur Nationalparkzufahrt. Bequemer als auf Asphalt daneben auf dem Rasenstreifen weiter – und plötzlich bleiben uns sozusagen die Augen stecken – mehrblütige Bienen-Ragwurz!

Gleich durch eine Lücke in der Steinmauer zum benachbarten Olivengarten, danach auch jenseits der Straße, überall finden wir die schönsten und üppig blühenden Exemplare der Bienen-Ragwurz. Dazu gibt es außerdem noch eine Schildkröte und mehrere Schlangen… Für die frühe Jahreszeit sind die Rasenflächen schon ganz schön vertrocknet, aber kein Hindernis für die Orchideen!

Bei der folgenden Kreuzung quert der als Rad- und Wanderweg markierte “Pouzna Stezka”, auf dem man links am Bergrand recht hübsch zur Kirche von Seline gehen kann. Rechts verläuft die Naturpark-Zufahrt, von der der “Naturweg” bald rechts in die Talmulde abzweigt und neu ausgebaut über die nächste Anhöhe mit hübschen Fels- und Buschfluren weiterführt. Gleich nach der Abzweigung klettern wir vom Seitenweg über die begrenzende Steinmauer und kommen in ein leicht verbuschtes Wiesengelände hinein – Höhepunkt botanisch mit Illyrischer Schwertlilie und Purpur-Knabenkraut!

AB Illyrische Schwertlilie und Purpur-Knabenkraut

Die Nationalpark-Schlucht Mala (Kleine) Paklenica haben wir dann erst gegen Abend durchwandert, nicht etwa um uns das Eintrittsgeld zu sparen (der geringe Beitrag kann auch als Förderung des Projekts verstanden werden), sondern weil uns nach dem vormittägigen kleinen Marsch zwischen Seline und dem Bergrand schon die Hitze zu arg wurde – und das Mitte Mai, allerdings bei Sonne und Südwind. Man parkt also beim Nationalpark-Eingang Mala Paklenica und steigt gleich danach in eine Steinrinne ab. Dann folgt aber ein sehr hübscher Wanderweg, der zwischen Waldbestand (Kiefern, Wacholder, Französischer Ahorn, Mannaeschen, Hopfenbuchen u. a.) und trockenrasigen aufgelassenen Kulturflächen dahinzieht. Die Steigung ist noch moderat, irgendetwas Interessantes blüht noch immer, obwohl scheinbar die beste Blütezeit jetzt Mitte Mai schon vorbei ist!

Die Luft ist nach der Tageshitze etwas abgekühlt, es riecht würzig nach all den mediterranen Kräutern, und sogar die Fauna – diesmal ohne Schlangen – macht sich bemerkbar.

Zikaden und Smaragdeidechsen

Eine hohe Steinmauer verweist auf eine alte, längst aufgelassene Kulturfläche, dann gibt es nur mehr den Steig durch urige Natur, der bald in den Schluchtgrund hineinquert.

AB Schluchtsteig und kahles Schotterbett, daneben üppiger Bewuchs

Blütenstand der Hopfenbuche und Wilde Weinreben

Bei einer Geröllsperrmauer muss man rechts herum ein bisschen hinaufklettern, dann geht es im Schotterbett weiter bis die roten Markierungen steil den felsigen Hang hinaufweisen. Hier ist Schluss für die einfache Wanderung, denn der weitere Aufstieg ist exponierter und der Rückweg mit Übergang zur Velika Paklenica oder auf einer anderen Markierung über die Höhen zurück nach Seline einfach zu weit für uns. Wir verfolgen aber noch das mit Geröll und Riesenblöcken bedeckte Bachbett, immer wieder gibt es interessante Pflanzen und Ausblicke zu den Felsgipfeln oberhalb der Schlucht, das genügt uns eigentlich…

Der Rückweg ist im abendlichen Gegenlicht immer wieder recht malerisch, und so haben wir an einem Tag in zwei Etappen Seline vom Strand bis in den Nationalpark mit der Schlucht der Mala Paklenica erwandert.

P A G Auf einer Länge von 60 km und 2 bis 10 km breit ist die mehrfach durch langgestreckte Buchten gegliederte Insel Pag dem Küstengebirge Norddalmatiens vorgelagert, getrennt durch den Velebit-Kanal. Dem Velebit weist Pag seine von Stürmen der Bora kahlgefegte Nordostseite zu, während gegen das offene Meer mit seinen vorgelagerten Inseln eine zwar auch vielfach verkarstete, aber doch “grünere” Landschaft vorherrscht.

AB Blick vom grünen Velebit auf die verkarstete "Mondlandschaft" der Nordostküste von Pag

Neben der durch ihre Salinen bedeutende Stadt Pag, geographisch und historischer Mittelpunkt der Insel, ist das weiter nördlich gelegene Novalja das touristische Zentrum. Dorthin fuhren wir 2015 von Seline über Karlobag bis zur Fähre ca. 10 km danach bei Gradina, um die Insel von Norden her zu erkunden. Heuer wollten wir wieder von Süden her die Insel befahren und vor allem einige kleine, wenig bekannte Küstenorte an der “lieblicheren Seite” von Pag besuchen.

Freitag, 12. Mai 2017

Südwind bringt zwar dunstige und diesige Bewölkung, aber dabei ist es immerhin warm und trocken. Bei Posedarje (Richtung Zadar) zweigt die Hauptstraße nach Pag ab, als meist benützte Zufahrt von der Autobahn her gut ausgebaut und auf einem Höhenrücken verlaufend, jenseits des Velebit-Kanals ragen die kahlen Berg über den Paklenica-Schluchten auf. Auch entlang der Pagser Straße wird die Landschaft immer mehr verkarstet, bis an der Ljubacka vrata nur Felsen überwiegen. Der trennende Meereskanal wird von einer bei starkem Sturm gesperrten Brücke übersetzt, und unten auf den Klippen erinnert eine Festungsruine an diesen in Kriegszeiten strategischen Punkt. Dann führt die wie eine Bergstraße am Hang der nächsten Bucht verlaufende Strecke bald wieder in eine freundlichere Landschaft. Die kanalartige Bucht setzt sich nämlich über eine verlandete Zone in den Meeresarm bzw. die Salinen von Pag fort, vorwiegend grün und beiderseits begleitet von steinigen Anhöhen.

Die Abzweigung der Seitenstraße zur Südwestküste der Insel kann leicht übersehen werden, und wenn bereits die Salzbecken vor Pag auftauchen, ist es schon zu spät. Überhaupt empfiehlt es sich auf Pag, abseits der Hauptstrecke wegen des verwirrend gegliederten Geländes von Buchten, langgestreckten Meereskanälen und Halbinseln immer gut auf die Beschilderungen zu achten und im Auge zu behalten, wo man sich momentan überhaupt auf der Straßenkarte befindet… auf dieser Fahr gleich mehrmals erlebt!

Ein seltener Vogel? Sumpfgelände geht Richtung Pag bald in die Salinen über.

An der Überbrückung des hier schon vielfach sumpfigen Geländes in der Längstalmulde steht sogar ein steinernes Denkmal mit Kreuz, den daneben sitzenden Vogel können wir leider nicht bestimmen. Nach kurzem Aufenthalt für die Fotos biegen wir am jenseitigen Talrand links ab, und nach Aussicht zum Binnensee Veliko Blato kommt (von eher spärlich bewirtschaftetem Kulturland begrenzt) das erste von uns angepeilte Dorf in Sicht – VLASICI. Nach dem Reiseführer liegen hier die saftigsten und grünsten Wiesen von Pag!

Der Ort zieht sich am Hang hinauf, neben der relativ stattlichen Kirche, wo sogar Ausgrabungen stattfinden, gibt es um einen kleinen Platz gedrängte Häuser, hinter schmalen Gassen geht es bald wieder hinaus ins teilweise ruderale, aber auch als Gärten kultivierte Gelände. Auf jeden Fall wollen wir das Auto hier stehenlassen und ein ordentliches Stück marschieren. Überraschend stellt sich Begleitung ein – der freundlich wedelnde Köter lässt sich nicht verscheuchen und folgt uns unablässig. Daneben läuft er auch in Häusgärten hinein oder sogar Balkonstiegen hinauf, ist sicher ortsbekannt und oftmals verscheucht worden, unten am Strand nimmt er ein Bad, zuletzt friss er sogar noch unsere vom Vortag übrig gebliebene Jause – aber erst nachdem er seine Kumpane beschnuppert hat. Zum Bellen hat jetzt keiner der Buschen mehr Zeit…

Auf der oberen Ortsstraße geht es meerwärts hinaus, vorbei an unterschiedlich erhaltenen Häusern, vom mühsam renovierten Altbau bis zu fast pompösen Landhäusern und Ruinen von im Krieg vor einigen Jahren beschädigten oder auf der Flucht verlassenen Gebäuden. Manche Gärten sind intensiv bebaut, neben Blumen vor allem auch Lebensnotwendiges wie Gemüse, Naturblüten auch an den Steinmauern…

Giftiges Bilsenkraut, Feigenkaktus und Große Mittagsblumen

Wir haben den richtigen Fahrweg erwischt, denn er führt uns geradewegs zum Strand hinab, zu einer Mole mit Sport- und Fischerbooten, bei einem werden gerade die Reusen zum Fang von Scampi oder Tintenfischen vorbereitet, wenn ich den stolz in seinem Boot stehenden freundlichen Herrn richtig verstanden habe.

Im Hintergrund des letzten Bildes erkennt man schon, was sogar der Reiseführer anmerkt – ein Feinkiesstrand und darüber die Konoba-Bar (alles noch in Ruhezustand der Vorsaison). Was unser Entzücken weckt, ist aber der Hang oberhalb des Strandes! Da kommen Ton-, Geröll- und Erdschichten zum Vorschein, wie sie typisch in den Mulden zwischen den verkarsteten Höhenrücken abgelagert sind. Sie vermögen das Wasser der winterlichen Niederschläge aufzusaugen, noch verstärkt von Quellen an der Unterseite der Kalkmassen, und darauf erstrecken sich nicht nur die Kulturflächen mit Wein oder Gemüse, sondern bei großer Feuchtigkeit auch seltene Orchideenwiesen.

Blumenbilder von Anni!

Nach dem wunderhübschen Strandspaziergang steigen wir beim Lokal, das sich in der Sommersaison sicher als beliebtes Gasthaus mit Gästezimmern präsentieren wird, hinauf zur Seitenstraße bei den üppig grünen Talwiesen und spazieren zurück in die Ortschaft zu unserem Auto.

AB Ende der Runde um Vlasici mit seinem hübschen Strand.

Auf der Straße zurückfahrend, geht es an einem großen, aber desolaten Erholungsheim und einigen Sportanlagen vorbei, danach haben wir die Karte zu wenig beachtet oder eine Richtungstafel übersehen. So entgeht uns die kleine Bucht von Smokvica, vielleicht gerade diese recht idyllisch, aber nahe dem Veliko Blato vorbei stoßen wir dafür auf eine riesige Herde von Schafen.

AB Schafherden nahe dem Veliko Blato, dem "Großen Binnensee", einem bedeutenden Schutzgebiet für Zugvögel, von Schilf und Sumpfwiesen umgeben mit sich im Winter verfünffachender Wasserfläche

So landen wir wieder an der Kreuzung nach der anfänglichen Talquerung und nehmen die besser ausgebaute Straße über die Anhöhen hinweg, dabei ganz nah am See vorbei, bis zur nächsten gar nicht so kleinen Ortschaft POVLJANA. Hier kämen wir rechts zum Kap Dubrovnik mit einer neu gebauten üppig aufstrebenden Feriensiedlung (solche Investoren könnten kleine Orte wie Vlasici brauchen, verlören aber dadurch wohl ihre spezielle Anziehungskraft). Wahrscheinlich haben uns Wegweiser durch das Ortsgebiet geführt, auf welchen eine uralte Kirche angekündigt wird. Oder wir haben selber mit Glück die richtige Spur gefunden, jedenfalls stehen wir bald an einem wiesigen Strand mit sommerlich betriebenen Anlagen, daneben aber ein wahrlich historisches Bauwerk!

Die alt-kroatische Sveti Nikola Kapelle aus dem 11. Jahrhundert, vom alten Friedhof umgeben; am nächsten Bild dahinter die neue Ortskirche.

Der von feuchten Wiesen mit vielen Orchideen (Orchis laxiflora) gesäumte Strand wäre sicherlich ein schöner Badeplatz. Am nächsten Hügel stehen die Ruinen etwa von Hotelanlagen aus der Zeit vor dem letzten Jugoslawienkrieg.

Inzwischen naht schon die Mittagszeit, für ein Bad ist es noch zu kühl, und den Appetit wollen wir uns für ein Restaurant in Pag aufheben. Also geht es flott weiter, von der Zufahrtsstraße Pofljanas abzweigend am Kleinen Binnensee (Malo Blato) vorbei. Dann nehmen wir aber nicht den Seitenweg am Bergrand (obwohl in der Straßenkarte eingetragen, aber im Gelände nur eine wenig Vertrauen weckende Fahrspur), sondern fahren zur Hauptstraße und an Pag vorbei den Berg hinauf zu einem der schönsten Aussichtspunkte des Gebietes.

Von der vorzüglich ausgebauten Hauptstraße Richtung Kolan und Novalja geht es aber bald seitwärts bergab nach KOSLJUN, eine öde geradlinige Strecke durch Ödland und Macchie bis zu dem an einer großen gleichnamigen Bucht gelegenen Ort. Dieser soll einst sogar eine Schiffstation des Österreichischen Lloyd gewesen sein, und aus solch alter Zeit stammt auch der Wald aus Aleppo-Kiefern. Aber wie die einst wehrhafte Burgen, Schlösser und Villen allmählich zu Ruinen werden, scheint es auch diesem Kiefernwald zu gehen. Auf dem weitläufigen freien Platz am Strand parken wir mit dem einzigen Auto, aber die Bauten lassen auf einen sonst belebten und bevorzugten Platz von Touristen oder besser Freizeitsitzern schließen. Für uns bliebt Pofljana in Erinnerung durch den flotten Wind, der das Meer aufgischten lässt und durch einen kleinen Spaziergang am Ufer entlang.

In der Ferne sieht man die Insel Vir, eines unserer nächsten Ziele, im Sommer würden wir uns wohl trotz des steinigen Strandes einen Platz zum Baden suchen, so aber streben wir – mit Umweg – unserem Tagesziel Pag zu. Zuerst nochmals die Gerade durch die karstigen Hänge hinauf zur Hauptstraße, dann diese durch eine aussichtsreiche Gegend mit viel blühendem Salbei (sonst kaum gesehen) entlang. In den Hafenort Simuni fahren wir nur ein kleines Stück hinein, nichts als Neubauten und Bootsanlagen. Zum Glück erwischen wir eine kleine Seitenstraße am Meer entlang und finden die Abzweigung zum nächsten Küstenort MANDRE.

Auch diese Ortschaft ist vollflächig mit Neubauten überzogen und offensichtlich sehr beliebt, hat aber eine kleine Strandpromenade neben dem Fischerhafen, was Mandre ein recht malerisches Flair verleiht.

Nikolauskapelle neben einer alten Säule, dem Beschützer der Fischer und Seefahrer geweiht, und zum Trocknen ausgelgte Fischernetze

Interessant wäre noch der Ort Kolan als Käsereizentrum des Paski Sir, aber nun geht es endgültig zielstrebig nach Pag, wieder die Bergstraße hinauf zum Aussichtspunkt über der Bucht von Pag, dann hinab zur Stadt zum Parkplatz neben dem Salinen-Museum. Über die hohe Steinbrücke spaziert man von dort durch die Vela Ulica (rechts auf der Promenade kämen wir zum empfehlenswerten Restaurant Natale – leider Ruhetag). Auf dem Platz mit der Basilika (ab 1483 in zwanzigjähriger Bauzeit errichtet, daneben der nie vollendete Turm von 1562) und dem Museum, zuerst an der Käsehandlung vorbei, geht es durch die Kraja Zwonimira mit dem Fürstenplatz zur Hafenmole. An das alte Benediktinerkloster schließen sich hier Richtung Ausgangspunkt eine ganze Galerie von Restaurant an, in einem davon essen wir Traditionelles, sehr gastfreundlich betreut.

Die Rückfahrt nach Seline verläuft auf den gut ausgebauten Straßen und beim geringen Verkehr der Vorsaison recht zügig, aber immerhin sind 188 km zusammengekommen, ein voll ausgefüllter Tag auf der bekannten Insel Pag mit einigem (für uns) Neuentdecktem!

BUKOVICA Im “unteren” Nord-Dalmatien erstreckt sich zwischen den Städten Obrovac – Benkovac – Knin bis auf über 300 m Seehöhe dieses nach den ursprünglichen Buchenbeständen (Bukva = Buche) benannte Karstgebiet. Nur mehr teilweise randlich bewaldet oder verbuscht, wird es von steinigen Heideböden und spärlichen Kulturflächen bestimmt. Einzelne Karsttäler ziehen von Westen, aus dem Karinskoje More, in das abgeflachte Hochland, eines davon heißt KARISNICA. Vom gleichnamigen Karstfluss entwässert und durch artenreiche Fauna und Flora ausgezeichnet gilt es als Natura-2000-Gebiet.

Hummel- und Bienen-Ragwurz (AB)

Wir waren durch den Führer “Norddalmatien” (Müller-Verlag, mit Wanderrouten) auf den Poucna staza Karisnica aufmerksam geworden, vor allem weil dieses Tal als Standort der Ophrys lutea angegeben wurde, die wir noch nie (nicht einmal auf Malta) gesehen hatten. Das Franziskanerkloster nahe der Mündung (schon vor Jahrhunderten immer wieder zerstört und wieder aufgebaut, zuletzt 1991) war uns allerdings vom Vorbeifahren schon bekannt und damit der Ausgangspunkt des Naturweges.

Dienstag, 15. Mai 2017

Trotz oder gerade wegen Wolkenstau über dem Velebit ist es gering bewölkt und warm. Die Karisnica erscheint uns als Halbtagestour günstig (noch unwissend, dass wir am Nachmittag die Fahrt bis über Krupa anschließen werden). Wegen Baustelle an der Bundesstraße für wenige Kuna auf der Autobahn bis zur nächsten Abfahrt (Posedarje) und auf Uferstraße mit hübscher Küstenlandschaft das Novigradsko more entlang bis zur Kreuzung oberhalb der Stadt Novigrad, dort Tiefblick auf den fjordartigen Hafen und die imposante, sehenswerte und gerade renovierte Festung. Dann geht es schon auf die Höhen von Prigrada und zur Kreuzung mit der Obrovac und Benkovac verbindenden Hauptstraße Nr. 27, hier Abzweigung zur Küste hinab, wo es bei Karin-Slana einen günstigen Badestrand gibt. Wir halten aber bereits oberhalb von Karin-Plaza in der Straßenkehre vor dem Kloster bei der Infotafel des Naturschutzgebietes.

Der gepflegten Anlage merkt man an, dass alles nach den Kriegszerstörungen von 1991 erst wieder neu aufgebaut werden musste (der Orden der Franziskaner verfügt wohl über reiche Geldmittel und Förderer). Eine Forststraße zweigt hier in das Tal ab, und eine Infotafel (wie zwei weitere) bietet auch eine Orientierungshilfe. Beim Wandern halten wir unermüdlich Ausschau nach der Gelben Ragwurz, leider vergeblich, dafür zeigen sich aber bald wahre Unmengen anderer Ophrys-Arten (wahrscheinlich haben wir nicht die richtige Blütezeit erwischt für die Ophrys lutea – bei Schönfelder angegeben I bis VI, die gesehenen Arten III bis VII).

(AB) Bienen-Ragwurz und Hummel-Ragwurz

Außerdem finden wir noch mehrfach leider ziemlich abgeblühten Violetten Dingel.

Auf die einstigen Wirtschaftsverhältnisse weisen mehrere Mühlenruinen hin, aus einer Zeit als in der Gegend noch mehr Ackerbau betrieben wurde, während in der Gegenwart auf dem verkarsteten Boden der einstigen Buchenwälder Viehzucht überwiegt. Nicht nur Schafe und Ziegen werden extensiv gehalten, wir sahen auch mehrfach Kühe, die sich sogar auf den Straßen herumtrieben! Bei der ersten Ruine sind wir am Fluss angelangt, der durch üppig grüne Ufer und wuchernden Bewuchs mit Moosen und Wasserpflanzen besticht, vor allem aber durch sein kristallklares Wasser. Die Talhänge hingegen sind überaus trocken und vor allem mit Kiefern bewachsen.

Wir kommen uns fast wie Naturforscher vor, so unermüdlichen suchen wir die Gelbe Ragwurz, aber es bleibt “nur” bei “Hummeln” und “Bienen”, allerdings in blütenreichen und zahllosen Exemplaren. Auf Felsplatten und im Dolomit- oder Kalkschutt entdecken wir auch eine selten gesehene Pflanze: die Krug-, Becher- oder Büschelglocke / Edraianthus (die Art lässt sich schwer entscheiden, wohl graminifloius agg., vielleicht (H)edraianthus croaticus), ferner gibt es auch hier den Amethyst-Blaustern, daneben noch andere hübsche mediterrane Pflanzen, darunter auch ein Tausendguldenkraut, das wir womöglich auch in Malta gesehen haben (Centaurium erythrea oder spicatum, zu littorale passt der Standort eher nicht).

Bei einer Talweitung gehen wir unter der hohen Betonbrücke der Hauptstraße hindurch, und jetzt schon meist direkt neben dem Bachbett ins Tal weiter hinein. Außer den Infotafeln ist von Markierungen oder Wegpfeilen nichts zu bemerken, im Talschluss verleiten uns sogar einige schwache Farbpunkte zu einem Irrweg! Abgesehen von den engeren Nationalpark-Bereichen scheint das Fehlen von Markierungen in diesem Gebiet Kroatiens ein echter touristischer Mangel zu sein. Genaue Karten habe ich außerhalb der Nationalparks nicht vorgefunden, und das nächste Mal sollte ich mich wohl am besten in den reichlich vertretenen Internetbeiträgen schlau machen….

Ein markanter Punkt erfordert eine Wegentscheidung – über eine alte Steinbrücke biegt die Forststraße nach links ab, vor uns gibt es eine der alten Mühlen. Hier verleiteten die alten Farbzeichen zum Weitergehen auf dem rechts daneben höher führenden Steig, statt unser Ziel – die Karstquelle – direkt hinter der Paulica mlinica zu suchen… Durch lockeren Kiefernwald, später über Wiesenlichtungen, steigt der Weg ziemlich stark an und biegt dann links in den zunehmend freien Hang hinaus.

Beim Weiterweg würden wir auf die Hochfläche hinaus kommen, auf keinen Fall zu einer Quellhöhle! Allerding sieht man auf dem Bild, dass stellenweise Felsstufen aus dem Talrand heraustreten, und nachträglich habe ich im Internet nachgelesen, dass weiter nördlich (bei Minari) die Bijelaschlucht verborgen ist und sogar ein bekanntes Sportkletterrevier bietet. Uns bleibt aber nur der Rückweg ins Tal zum Beginn des Steiges bei der Steinbrücke und der Mühle. Erst am Ende der Tour haben wir von zwei Campern erfahren, dass die Quellhöhle der Karisnica hinter der Mühlenruine versteckt ist (auch auf dem Übersichtsplan der ersten Infotafel wäre das ersichtlich gewesen, aber leider nicht beachtet…).

Nun gehen wir über die Steinbrücke und auf der links wendenden Forststraße bis in den nächsten Taleinschnitt. Hier scheint kaum ein Ausweg zu bestehen, aber doch – beim genauen Hinsehen führt am Gegenhang eine Art Steig talab entlang, mit viel Phantasie sogar mit verstreuten alten Markierungen. Was soll´s – ohne Wagnis kein Erfolg – wir vertrauen uns dieser Spur an! In vorläufig noch überschaubar urigem Gelände kommen wir bis zur Unterquerung der Straßenbrücke, und jetzt gibt es auch kein Zurück mehr, wollen wir nicht über die hoch oben verlaufende Brücke an das anfangs der Tour begangene Ufer wechseln. Zum Durchwaten scheint die Karisnica ja nicht recht geeignet…

Also folgen wir den spärlichen Spuren weiter hinab ins Tal, begleitet von einer Fülle der schon bekannten Orchideen und immer mehr auch von mediterranen Pflanzen (wie dieser Winde). Das Gelände wird nun voll urig, ab und zu sind aber hemmende Sträucher oder Totholz etwas ausgeschnitten, dass die Steigspur verfolgt werden kann. Einmal geht es sogar höher am Hang entlang und immer wieder durch einen Windbruch, aber alles lässt sich irgendwie überwinden, auch wenn es immer heißer wird. Was wir sonst vielfach angetroffen haben, davon bleiben wir bei der Mittagshitze und in diesem “verdächtigen” Gelände verschont – von den sonst so häufigen Schlangen… hier soll es sogar die Leoparden-Schlange geben (Zamenis situla). Dann kommt aber die untere Talweitung in Sicht, wo wir beim Aufstieg höher am Hang auf der Forststraße gegangen sind.

Hier verkehren anscheinend schon die Jäger und Fischer, denn an einen Jagdsteig schließt ein Karrenweg auf der rechts folgenden Plateauhöhe an. Zuletzt landen wir auf der Straße zwischen Karin Plaza und Slana, vor uns das hier von einem Verlandungsgürtel umgebene Karinsker Binnenmeer.

Dieses mit Schilf und Flachmoor bedeckte Ufergebiet heißt Tuvina und ist bekannt für seinen reichhaltigen Lebensraum – diesen Silberreiher haben wir allerdings schon etwas flussaufwärts gesehen.

Über diese (wohl aus der Kriegszeit stammende) Behelfsbrücke kommen wir zurück zum Ausgangspunkt – zuerst am noch leeren Plaza-Camping vorbei, dann neben dem Kloster zur Straßenkehre mit der ersten Infotafel und unserem geparkten Auto. Um 11 Uhr sind wir losmarschiert, nun ist es bald halb drei Uhr – gerade in der heißesten Mittagszeit waren wir unterwegs. Trotzdem verlässt uns nicht der Tatendrang, und nach einer Rastpause machen wir uns an die Fahrt zur Zrmanja und Krupa, wie im Teil IV meines Blog “Tourenbuches Dalmatien” berichtet.

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