Feeds
Artikel
Kommentare

Heute (Freitag, 20. Februar) war ja wieder ein herrlicher Tag. Aber vorgestern nichts als Nebel- und Wolkendickicht, nieseln – wenn es wenigstens geschneit hätte… Hat es, allerdings nur ab 600 m und in Annaberg drinnen beachtlich, so gegen 20 cm. An einem so trüben Tag überkommen mich die Erinnerungen: Donnerstag, 9. Oktober 2014, letzter Badetag unseres Herbstaufenthalts in Malta.

Blick auf die Bucht Ghajn Tuffieha Bay, hinter dem kleinen Tafelberg sichtbar die Gnejna Bay

Ziel ist die Nachbarbucht von Golden Bay, die wir in direkter Busverbindung erreichen. Vom letzten Badeausflug dorthin wissen wir schon – nicht bei der Endstation aussteigen, sondern von der vorletzten geht es viel kürzer zum Ausblick über diese herrliche Küstenlandschaft – Ghajn Tuffieha (“ain tufieha”). Eine lange Stiegenreihe führt tief hinunter zum ebenfalls goldenen Sand.

Strandbetreung einfach, aber gut organisiert – um 12 Euro für den ganzen Tag werden Sonnenschirm und Liegen gebracht, soweit man nur will! Und durch eine einfache, aber patent geführte Gaststätte gibt es alles, was man einen Tag lang so braucht…

Uns lockt vor allem das Wasser – klar und so warm, dass wir insgesamt (von 11 bis 16 Uhr) dreimal “schwimmen gehen”!

Dazwischen in der Sonne, das heißt unter dem Sonnenschirm (so warm ist es) dahindösen, Mittagessen, herumspazieren, das lockere Strandleben beobachten.

An den halbmondförmigen Sandstrand schließen meerwärts hohe Klippen an. Die rechte mit dem Wachturm werden wir zum Abschluss noch besteigen, der Tafelberg zur Linken sollte im Frühjahr zur Blütezeit ganz interessant zu erwandern sein (das Wasser ist im Herbst lange warm, mindestens 25 Grad bis weit in den Oktober, aber nach dem Winter trotz ständigen Plusgraden dauert es schon länger bis zu der von uns vorausgesetzten Badetemperatur). Sehr interessant für uns als Blumenfreunde – an der Wand der Gaststätte befinden sich mehrere Bildtafeln mit den wichtigsten Blütenpflanzen Maltas!

Besonders die Klippen an der rechten Seite der Bucht wirken wie gigantische Bauklötze aus klüftigem Kalk

Das wird doch nicht der gestrandete Odysseus sein (aufgetaucht aus der antiken Welt)?

Vielfältiger Wassersport ist hier möglich! Aber auch wenn man nur das Faulenzen und die Ausblicke genießt, vergeht der Tag wie im Flug...

Erst nach fünf Stunden brechen wir auf – eine kleine Bergtour, aber für einen Strandtag ein hoher Aufstieg – das erwartet uns jetzt noch bis hinauf zur Hochebene…

Wir haben uns gedacht – wenn wir bei der Endstation einsteigen, wird der Bus vielleicht noch mehr Platz bieten. Also wandern wir am historischen Wachturm vorbei – die Insel war ja für sich immer wie eine vom Meer umgebene und von steilen Klippen bewachte Festung, von den Türken über die Seeräuber bis zum 2. Weltkrieg, damals allerdings nur aus der Luft angegriffen und viele Monate ununterbrochen bombardiert…  Vom Wachturm also hinüber zur Golden Bay…

Hier sieht man erst den Unterschied zwischen den beiden Buchten – über dem Goldenen Strand die 2005 erbauten Radisson Hotels “Golden Sands”. Der Bus ist aber dann schon voll, und immer noch warten Gäste für die Rückfahrt in die Wohnorte (also in einem solchen Hotel ganz “paschahaft” zu wohnen, wäre auch verlockend). Die Wartezeit macht uns aber nichts, denn neben der Busstation gibt es das Restaurant “Apples” mit irgendwie britischen Spezialitäten, die wir noch genießen – dann aber schnell beim Bus angestellt und noch ein Abschiedsblick hinaus auf das dem Abend zuschimmernde Meer…

Mittwoch, 8. Oktober 2014, auf Gozo: Der Tag war schon sehr fortgeschritten, aber noch lange nicht zu Ende (so endete mein letzter Bericht)…

Egal, in welche Ecke der Insel Gozo man will (abgesehen vom östlichen Teil) – immer wieder Rabat, quer durch oder zumindest durch die Stadtperipherie. So kommen wir über Fontana (bekannt durch das Mineralwasser) in ein ausgeprägtes südwestliches Seitental. Immer weiter bergab, die Berghänge beiderseits zunehmend höher – am Ende der Fahrt wie ein Traumbild riesige Palmen, als seien wir in eine Oase gekommen. Aber dahinter bereits Hotels und andere hohe Bauwerke und – ein schmaler Fjord, der im späten Licht wie Silber glitzert.

Xlendi (“schlendi”) – einst ein kleiner Fischerhafen, nun ein beliebter Badeort mit besonderem Flair. Allein schon die Felsen rechts vom Hafen haben es mir angetan, und den markant hinaufführenden Steig lasse ich mir nicht entgehen!

Die Stiegenreihe endet an einer Bergschulter und setzt sich als Steig über dem Abgrund fort bis in eine Höhle, wo die Wellen aus dem Meer hereingischten. Ghar ta´Karolina heißt dieser einmalig stimmungsvolle Platz, noch dazu einsam, abgesehen von dahinhuschenden Eidechsen und einer zutraulich-neugierigen Taube bin ich völlig allein.

Hier geht es noch bis hinunter zum Wasser, und die Stiegenreihe endet im Halbdunkel einer Wasserhöhle – für Taucher muss das besonders verlockend sein, und in den Hafengassen trifft man alle paar Schritte dafür ausgerüstete Touristen und Geschäfte.

Der Strand direkt im Hafen ist winzig, zum Baden geht man an der linken Seite der Bucht bis zum Xlendi Tower, einem Wachturm von 1658 mit großartigem Blick auf die Steilküste. Dafür reicht die Zeit bei weitem nicht mehr, aber umso verlockender erscheint es, sich in Gozo einmal für einen längeren Urlaub aufzuhalten. Anni und Hannes haben sich einstweilen beim ‘”Churchill” niedergelassen – Kaffee oder sonstwas an der linken Hafenpromenade mit ihren eigenwilligen Bildern…

Das Mädchen übt anscheinend schon früh, einmal Künstlerin zu werden, und zu ihren Füßen schnappen rundmäulige Fische nach Futter und gegen einander.

Fischer gibt es hier sicher auch, aber zahlreicher sind die Ausflugsboote. Auf der Hafenmauer stapeln sich allerdings Netze und anderes Zubehör, während die zu passender Zeit arbeitseifrigen Männer sich mit ihrer Geruhsamkeit von den eher hektischen Touristen abheben…

Schon müssen wir wieder aufbrechen, denn eine Besonderheit steht uns noch bevor! Wieder quer durch Rabat ins Marsalfornvalley zum “Ta Mena” – Weinquelle und Produktionsstätte von allerhand heimischen Spezialitäten. Und noch einmal quer durch Victoria (zur Abwechslung = aber dasselbe wie Rabat), diesmal aber Richtung Fähre zurück nach Malta.

Aber wie schon vormittags kommen wir gerade als zweites Auto nicht mehr auf das Fährschiff, und das bedeutet 1,5 Stunden Wartezeit – und weil gerade die richtige Zeit ist, Einkehr in einer Pizzeria gleich am Fährhafen. Inzwischen zieht schon die Abenddämmerung herauf, und das Licht auf den Klippen der Nachbar- und Hauptinsel wird immer weniger, bis der Steilanstieg von Gozo in unserem Rücken schon völlig nächtlich wirkt.

So vergeht die Wartezeit angenehm, und nachdem die sich wie Riesenfischmäuler öffnenden Fährschiffe wieder zum Start bereit sind, begeben wir uns an Bord.

An der Reling lehnend, vor uns das im Vollmond glitzernde Meer, an der kleinen “Zwischeninsel” Comino verbei und auf die Lichter des maltesischen Fährhafens zu, so verfliegt die Überfahrt wie ein flüchtiger Zauber, linde Nachtluft und Sternenglanz… das wird wohl als einmaliges Erlebnis in unserer Erinnerung bleiben.

Freitag, 13 – für uns eher ein Glückstag! Denn nichts sonst am “Programm” als ein Sporttag – vielleicht doch zum Schifahren auf die Gemeindealpe? Aber eigentlich haben wir mehr Gusto auf eine Bergtour… Und Annis Bild zeigt schon, wohin es geht, auf den Berg “für alle Verhältnisse” – den Tirolerkogel.

Wir haben nur einen Fehler gemacht – nach einem Bericht von ein paar Tagen zuvor, dass die Abfahrt sehr zerspurt und eher beschwerlich war, haben wir uns entschlossen, zu Fuß hinaufzugehen… Doch nach den Schneestürmen am letzten Wochenende wurde die ganze Trasse, sowohl die Loipe als auch der Aufstieg zum Schutzhaus ganz prächtig gespurt! Aber immerhin ist der Aufstieg ganz angenehm, und auf die Schiabfahrt müssen wir eben verzichten (besonders gut wäre es zum Rodeln!).

Nach der frostigen Strecke im Schatten des Scheiblingbergs geht es beim Gscheid hinaus in die Sonne. Hier ist der Schnee noch kompakter und in der festen Spur sehr gut zu gehen. Bei der Ecke mit der Lawinengefahr-Tafel gibt es den ersten schönen Ausblick – zum Schneeberg und (im Bild) zum Göller. Und so hoch liegt der Schnee entlang der Forststraße über dem Specktal (AB)!

Bei der Halterhütte bzw. dem Jagdhaus, wo es ins Freie hinaus geht, zeigen sich die außergewöhnlichen Wetterverhältnisse – extrem klare Luft mit weitester Fernsicht, zugleich extremer Kontrast zwischen Licht und Schatten. Grelles Weiß und fast schwarzes Waldgrün, ein echtes Problem beim Fotografieren. Und ausgerechnet, wo jetzt erst die schönsten Motive folgen…

Der Sulzberg mit seinem von den Stürmen der letzten Jahre kahl geschorenen Gipfelrücken, rechts guckt gerade noch die Gemeindealpe hervor. Die gespurte Trasse zieht schnurgerade über den ziemlich abgewehten Gipfelhang hinauf – wie immer eher fader “Hatscher”, wäre nicht die umfassendere Aussicht…

Hier sind wir schon beim Gipfelkreuz, und ganz ungewohnt (wegen der neu umgebauten südlichen Terrasse) betreten wir durch den “Hintereingang” das Annaberger Haus. Für einen Wochentag (wenn auch Freitag) ist der Besuch ganz schön zahlreich! Wir bekommen aber noch einen “Stammtischsitz” neben dem Ofen und versuchen erstmals die “Küche nach der Vroni”. Kleine Wartezeit, dafür alles frisch zubereitet (soweit möglich) – Standard ohne Knödel! Wie wir später erfahren, ist die Hüttenwirtin/Köchin nicht scharf auf Knödel – macht nichts, die gibt es ohnehin überall und am besten zuhause bei Anni mit Originalwaldviertelrezept… Die Linsen sind in Ordnung, dazu frisch und luftig das Semmelknödel. Bald wird es ruhiger, und wir können noch ein paar Worte mit den Wirtsleuten wechseln, dann hinaus in die Sonne und zum Abstieg!

Meist wird das sogenannte Gipfelkreuz gegen den Himmel fotografiert, aber mit ein paar Schritten hinauf kommen auch die “Ödhofmäuer” ins Bild (auf den Seitenweg dorthin im Frühsommer freue ich mich jetzt schon). Dazu gibt es ebenfalls mit kurzer Suche nach dem besten Standort eine Serie von Panoramen.

Der Abstieg statt der heute so günstigen Schiabfahrt geht aber auch recht locker vonstatten – kleiner Trost: Was wiegt mehr, der unbeschwerte Aufstieg ohne Schi (und vor allem Schischuhe, besonders beim “Dahinplatteln” auf den flachen Strecken) oder der Verzicht auf das flotte Hinabsausen? Vor ein paar Wintern sind wir noch mit den Backcountry-Skiern da hinunter gefahren, aber das ist uns inzwischen zu steil geworden oder zu anstrengend beim vielen Bremsen…

AB Letzter Blick zum Schneeberg, rechts der Waldhang des Törlsteins – möglichst unser nächstes Ziel als Kombination von Langlauf- & Schneeschuhtour!

Außerdem wollen wir dem ”Kanzler” des Törlsteins, dessen Gesicht mit dem steinernen Blick wir erst mit dem Tele entdeckt haben, auf die Kappe steigen…

Es ist nun schon einige Zeit vergangen, als ich meinen Bericht über die Ausflugsfahrt zur Insel Gozo gebracht und mit der Mittagszeit abgebrochen habe. Heute soll es nun weitergehen – mit einem Zeitsprung auf den 8. Oktober 2014, an den ich mich noch erinnere, als sei es gestern gewesen…

Nach dem Vormittag in der Ramla Bay und bei den Gigantia Temples sitzen wir also in der späten Mittagszeit an der Hafenpromenade von Marsalforn, unter dem Sonnenschirm eines Restaurant, wo wir vorzüglich bewirtet werden – Anni, Sohn Hannes (als Guide und Schofför und Maltainsider – berufsbedingt). Strahlender könnte der Himmel nicht sein, nicht milder das Lüftchen und anscheinend nicht wärmer das Meer, denn immer wieder gehen Menschen ins Wasser, und nicht nur als Taucher!

Ein traditionell bunt gestrichenes Fischerboot kommt dahergefahren, und fern auf den bizarr geformten Kalksteinklippen tummeln sich die Badegäste.

 

Noch ahnen wir nicht, dass uns der Tag zu kurz werden wird! Dabei gibt es ununterbrochen etwas Neues zu sehen (und zu fotografieren). Zunächst geht es nicht gleich zur Inselhauptstadt Rabat (unter britischer Herrschaft zur Erinnerung an einen Besuch der Königin Victoria genannt, gleichen Namens wie die alte, arabisch geprägte Hauptstadt der Insel Malta). Sondern Hannes fährt mit uns aus dem Hafen Marsalforn heraus zu einem überaus malerischen Küstenstreifen, den man von der Bergstraße Richtung Zebbug wunderbar überblicken kann.

Anni “erwischt” sogar eben aus dem Meer steigende Taucher!

Die an den flachen Küstenabschnitten in den leicht zu bearbeitenden Kalksandstein (dieser baut auch die eigentümlichen Klippen vor dem Hafen von Marsalforn auf) gebrochenen Becken dienten als “Salinen” zur Salzgewinnung. Übrigens hat Gozo mehr Süßwasser in seinem Kalkmassiv gespeichert als Malta und ist daher stellenweise viel fruchtbarer – jetzt im Herbst herrscht allerdings überall wüstenhafte Trockenheit und Dürre.

Die Fahrt geht nun kreuz und quer rings um Rabat herum, denn Hannes will uns noch markante Punkte an der Küste zeigen, und für unsere geplagten Füße (vor allem die von Anni) zahlt sich eine Besteigung der Zitadelle von Rabat (leider, leider… wann werden wir jemals wieder dorthin kommen?) nicht aus. Verwirrende Straßen und Abzweigungen, eine überaus berühmte Wallfahrtskirche in Sichtweite, immer wieder der Ortsname San Lawrenz – ha, da geht es endgültig zum Meer an der Westseite der Insel hinab. Zu einer der größten Natur-Sehenswürdigkeiten von Gozo!

Azure Window – das “Blaue Fenster” – wie eine solche Erosionsform entstanden sein mag, erscheint schleierhaft! Wohl im Zusammenwirken von Naturgewalten und unterschiedlich verwitterndem Gestein, oder durch urweltliche Riesen, zyklopisch wäre dieses Felsfenster genug, und schwebten  nicht Odysseus und Calypso über diesen Gefilden…? (Homer hätte es besser ausgedrückt, und natürlich gereimt…).

Während Hannes dieses Foto für uns macht und dabei sogar einen Schwimmer ins Bild bekommt (rechts seine Wasserfontäne, ober war es ein Delphin, na so viel Glückstreffer wäre zu viel verlangt), gehen wir zum “Inlandsee” hinab. Das ist eine von hoher Felsmauer überragte rundliche Wasserfläche, aber eigentlich kein See, sondern eine Meeresbucht. Denn durch einen schmalen Felsspalt, wie eine Wasserhöhle und von dort zu mietenden Schiffen pausenlos durchfahren, steht dieses Gewässer mit dem Meer in Verbindung! Das zweite Naturwunder also!

AB Das ist ein Schnappschuss, Boot im Vordergrund und ein zweites am anderen Ende des Tunnels!

Berühmt sind die von Meereskanälen wie “Wasserschluchten” durchzogenen hohen Felsklippen am südlichen Ende der Dwejra Bay.

AB "Fungus Rock" - die geheimnisvolle Insel vor der Felsküste

Auf der den senkrechten Felswänden der Steilküste und den steinigen Landzungen vorgelagerten Insel wächst seit jeher ein seltene und eigentümliche Pflanze – Cynomorium coccineum, dunkelbraun, etwa 20 cm hoch, pilzähnlich, daher auch als “Malteserschwamm” bezeichnet. Als Allheilmittel des großen Spitals der Johanniter in Valletta wurde dieser für horrende Summen an die Fürstenhöfe Europas verkauft, weil man ihm blutstillende Eigenschaften zuschrieb – so heißt es im DUMONT. Im 18. Jh. durch einen Wachturm an der Küste abgeschirmt, Diebstähle wurden mit Frondiensten auf den Galeeren bestraft! Als man 1968 den Extrakt dieser Pflanze analysierte, konnten keine Wirkstoffe gefunden werden…. Dass allein der Glaube auch Blutungen stillen kann, wer hielte das für (un)möglich!?

AB (Hannes) Abschied von der Dwejra Bay

Aber der Tag geht zwar schön langsam (und viel zu schnell) zu Ende, aber das Abenteuer Gozo ist für uns noch nicht beendet…

An “Hausbergen” herrscht bei uns in St. Veit an der Gölsen wahrlich kein Mangel! Da braucht man nicht einmal an den Staff zu denken… denn wenn wir durch das “hintere Zauntürl” auf die wahrscheinlich nur den St. Veitern bekannte Eberlwiese hinaussteigen, geht es gleich auf unseren direkten Hausberg hinauf:

Da marschiert Anni schon beim derzeit nicht beschmückten Wegkreuz vorbei bzw. wartet sie gerade auf den “Feriengast” Checky. An einem schönen Sonnentag, noch dazu mit etwas Schnee, ist sie gerade bestens auf einer Spazierwanderung unterwegs – mehr ist der Hipplerkogel unmittelbar nördlich von St. Veit nicht, aber sogar bei zu viel Schnee mit Schneeschuhen oder bei genug Schnee mit Backcountryski eine Einstimmung für eine ausgiebige Tour!

Wie es sich fast gehört im Wiesenwienerwald, stehen bis hinauf zur Gipfelkuppe vielfach Obstbäume wie als Landschaftszierde herum (und oben auf dem höchsten Punkt gibt es einen Sendermast… aber der stört zwischen den hohen Fichten und Rotbuchen versteckt nicht einmal).

Zwischen den verschiedensten, sogar neu gesetzten und auch ganz alten Obstsorten (ein ruinöser, aus einem  auswachsenden Weißdorn ragender Asperlbaum ist auch dabei), steht eine stattliche Linde, und von dieser Stelle gibt es einen netten Tiefblick auf den Markt mit dem “Dom des Gölsentals”. Den Namen hat diese Bergkuppe von dem oben stehenden Bauernhof Hippler, das kommt vom mittelalterlichen Wort “hubel” = Hügel, passt also bestens.

Panorama über den Kerschenbach vom Güterweg unterhalb der bekannten und beliebten "Schussluckn"

AB Erster Ausblick nach dem Start beim einstigen "Milchbankl" (nun dem Parkplatz für das Molkereiauto) im Kerschenbach

Da schaut schon tief verschnet der erste Höhenzug der Lilienfelder Voralpen mit Hinteralm – Muckenkogel – Klosteralm über den Hochreiterkogel (im Wiesenbach) und den “Schwoahofer” (Gehöft Schweighof im Kerschenbach) herüber. Unser Bergziel heißt Großer Steinberg – nicht gerade ein wirklich Großer, aber doch ein echter Steinberg! Denn auf seiner Nordkante, die in dichtem Wald verborgen ist, steht man wirklich auf einer Felskanzel – noch dazu aus Sandstein und mit einem höhlenartigen Kluftspalt, das ist eine der wenigen natürlichen Höhlen in der Wienerwald-Flyschzone (mehr darüber beim Abstieg).

AB Auf den Wiesen oberhalb vom Wagnerberger

Unsere Runde beginnt unten im Kerschenbach vor der Kreuzung mit der “Moarkapelle” (ich hoffe, sie heißt wirklich so, könnte aber im St.Veiter “Kapellenbuch” von Frau Juliane Hofecker nachschauen…). Der Güterweg führt noch im frostigen Schatten hinauf zum Berggasthof “Schussluckn” und vorher rechts abzweigend zum Gehöft Wagnerberger. Anschließend haben wir Glück, dass die Bauern fleißig beim “Holzen” sind, denn so finden wir in den Traktorspuren einen leichten Aufstieg. Erst oben, auf der vorhin fotografierten Wiese, geht es ans Stapfen – auch wenn die etwas abgewehten Flächen ausgenützt werden. Dazwischen gibt es knietief zusammengewehten Schnee, und unser Wegweiser sind – die Hasenspuren! Die wissen auch, wo man am leichtesten über die Schneeflächen hinwegkommt!

Diese mächtig Eiche steht schon am Beginn der flacheren Wiesen, wo es zum Haus Kleinsteinberg hinübergeht. Dort kommt auch die seit einigen Jahren dankenswerter Weise beschilderte Route über die “Teufelsstiege” von Rohrbach herauf – das ist der alte, sagenumwobene Kirchensteig der Steinbergbauern! Und beim Überqueren der zu jeder Jahreszeit prächtigen Wiesenfläche öffnet sich auch bereits der Ausblick -

AB Von Anni fotografierte "Teleblicke" zum Ötscher und zum Schneeberg

Das Wirtschaftsgebäude vom Kleinsteinberg-Hof fällt schon immer mehr zusammen, ebenso wie die wie Blitzableiter daneben aufragenden (und sicher als solche angepflanzten) Hauslinden zunehmend morscher werden. Allerdings gibt es über dem alten Hauskeller einen hübschen Neubau, der schon einige Zeit über den Rohbau nicht hinausgekommen ist.

Danach folgt das “Rohrbacher Firmlingskreuz”, an dem die Firmlinge dieser Gölsentalpfarre verewigt sind (das gepflegte und robuste Kreuz wird sicher noch etliche Jahre überdauern, bevor es erneuert werden muss). Wir tragen uns in das dort angebrachte “Gipfelbuch” ein und stapfen dann auf dem Waldweg hinüber zum Haus Großsteinberg.

Hier heroben sind die Haseln, im Gegensatz zum Tal unten, noch nicht in die Blütezeit gekommen. Wir könnten oberhalb durch dichten Wald den nordseitigen Felssaum erreichen, aber das ist schon ohne Schnee etwas beschwerlich. Der beschilderte Weiterweg bietet vom Waldrand oberhalb noch einen prächtigen Blick auf den südlichen Berghorizont.

AB Haselsträucher und Bergpanorama mit Unterberg, Hainfelder Kirchenberg, Schneeberg, Schwarzwaldeck, Hochstaff und Reisalpe (im Panorama aber etwas "verschwindende")

Jenseits der Berghöhe, die über einen kleinen Satteleinschnitt überschritten wird, beginnt ein ganz interessantes Gelände. Nach den freien Ausblicken folgt nun der steilere nordseitige Bergabfall, und dieser ist auf einer langen Strecke geprägt von teilweise riesigen Sandsteinblöcken. Richtung Kerschenbach, beim Gehöft Tisch etwa, haben Geologen sogar einen “historischen” Bergrutsch oder sogar Bergsturz festgestellt. Im Wald liegen auch genug Steinformationen herum, und sogar die Wiesen unterhalb sind immer wieder in Bewegung, wie mir einmal Herr Leopold Birkner erzählte. Denn beim Mähen sind von Jahr zu Jahr immer wieder veränderte Hügel und Gruben in den scheinbar unveränderten Wiesen zu bemerken.

Der schattseitige Wald ist hier tief verschneit und vermittelt ein ganz besonderes "Wintergefühl", das wir schon viel zu selten erleben dürfen!

Auf die freien Wiesen beim Kleinsattler hinaus öfnnet sich wieder der Ausblick – hinter dem Hohenstein ragt der ferne Ötscher, und mit einer ganz eigentümlichen Erscheinung -

AB Noch einmal oder schon wieder Fernblick zum Ötscher - der hat sich eine Wolke bei sonst wolkenlosem Himmel umgehängt, dass er fast wie ein Vulkan wirkt!

In Annaberg heißt eine solche Wettererscheinung – beim Ötscher “waht´s ummi”, und das bedeutet Schlechtwetter – war auch diesmal richtig! Die folgende bequeme Wanderung über den teils verscheiten, teil vereisten, teils aperen Güterweg bildet fast einen erholsamen Abschluss der kleinen Tour – fast wie das Auslaufen nach einem Geländelauf…

Beim "Dürrhäusl" neben dem Gehöft Tisch vorbei, danach folgt eine wunderschöne und hoffentlich noch lange nicht umgeschnittene Reihe von hohen Mostobstbäumen

AB Das Gehöft Berger mit dem Berggasthaus "Schussluckn" - noch ganzen Februar geöffnet, Freitag und Samstag nachmittag, sonntags auch schon zu Mittag.

Das letzte Wegstück liegt schon voll in der Sonne, und gibt es etwas Schöneres als an einem frostigen Tag in der Wintersonne dahinzuwandern?

Mittwoch, 28. Jänner, Zwischenhoch angesagt und schon die Schisachen für den längst überfälligen Start auf den Annaberger Pisten hergerichtet… Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!

AB Winterstimmung im Kerschenbach

Herunten in St. Veit liegt zwar auch noch Schnee, aber die Berge sind sehr verhangen (Sonne dürfte erst nachmittags kommen), also nur kurze Zufahrt und ein bisschen höher hinauf, passend für den nahen Kerschenbach – parken vor der “Moar-Kapelle”, wo man immer Platz für das Molkereiauto lassen muss (darum “Parken verboten”, aber es reicht daneben).

Eigentlich wird es eine “Höfewanderung”, wie schon die zahlreichen Tafeln zeigen. Wir zweigen aber schon vor der abgebildeten Tafelgalerie ab, und gehen gleich bei der Kapelle auf den Güterweg “Roßwürger”. So obskur klingende Hausnamen gibt es entlang der ganzen Strecke, und so schaut die typische Infrastruktur aus – Hoftafeln (in St. Veit seit Einführung der Straßenbezeichnungen, als ich dazu auch das “St. Veiter Häuserbuch” mit Mag. Wilfried Gramm verfasste, ganz vorbildlich), dazu Wegkreuz und – Postkasten!

Bei diesem Wegweiser (gegenüber dem vorher abgebildeten) hätte unsere längere Strecke geendet, aber wie schon geahnt – die Verhältnisse sind (nur wenig höher als im Gölsental) hier respektabel alpiner!

Das Obstgartengelände schaut ja ganz harmlos, fast malerisch, aus - aber wo wir von der geräumten und zugleich sehr eisigen Hofzufahrt abweichen, schaut es so aus...

So gehen wir noch unbeschwert über den “Roßwürger” bis hinauf zum “Lodn”, aber dann brauchen wir für das kurze Stück ohne Pfad bis zum “Nekam” glatt allein schon eine halbe Stunde. Bis zu den Knien im Pressschnee, dann einige abgewehte Stellen ausnützend bis zu einem ganz harmlosen Hindernis…

Die Berghöhe mit ihren Baumgruppen ist schon ganz nah, wir bleiben aber weiterhin unterhalb im "Höfegelände", und da stellt sich uns ein sonst mit einem Schritt zu bewältigendes Hindernis in den Weg!

Das “Stiegl” zwischen den Stacheldrahtzäunen ist nämlich total mit Glatteis überzogen! Unglaublich, welche Turnübung zum Übersteigen notwendig ist! Und an der folgenden Böschung gibt es beachtliche Wächten (ich bleib noch immer bei dieser vertrauten Schreibweise – wer sich das neue “Wechten” hat einfallen lasse…?).

Jedenfalls herrscht hier heroben eine Winterstimmung, wie man sich im Tal unten nicht vorstellen könnte! Wie wird es da erst in Annaberg drinnen zugehen? Hier im Bergbauerngelände wirkt die aufgelockerte Landschaft mit ihren Obstgärten, Rainen und Gehöften viel reizvoller als die geschlossenen Wälder weiter drinnen in den Voralpen, noch dazu bei dem etwas “wilden” Wetter!

Ein Kirschenbaum kurz vor dem nächsten Gehöft, dem "Nekam" - alle diese Bauernhöfe sind bereits im frühen Mittelalter angelegt worden und bis heute bewirtschaftet!

Dieses Bild zeigt echt, dass der “Wiesenwienerwald”, wo wir uns hier westlich vom Schöpfl befinden, zum Mostviertel gehört. Wenn auch diese Bezeichnung umstritten ist, ich bleibe doch bei meiner Wortschöpfung aus den 1980er Jahren – Wiesenwienerwald könnte nicht typischer sein!

“Actionkunst” – aus Bauernfleiß und Winterwetter – unter Schneegupferln verbergen sich die sonst so übel anzusehenden (und sogar zu riechenden) Siloballen! Wir sind nun schon beim nächsten Gehöft, dem “Moin” – und nun geht es wieder auf der Hofzufahrt ins Tal hinab. Ganz schön rutschig übrigens, überhaupt bergab, und jetzt kommen uns die speziellen Winterwanderstiefel wieder einmal besonders zugute – wir klappen die in der Sohle eingebauten Spikes aus und marschieren so ganz sicher und rutschfest weiter.

So kurios es klingen mag, beim “Moar” unten steht dieses kurzzeitige “Denkmal für Leopold Birkner” – von seinen Enkelkinder errichtet. Es erinnert uns an den “Moarbauern”, der ein begnadeter Naturfotograf und Naturkenner war und mit dem wir (zusammen mit unserem unvergesslichen “Otto” – Medizinalrat Dr. Otto Hausleitner, beide leider schon lange nicht mehr unter uns oder nur mehr im Geiste) viele schöne Erlebnisse hatten. Was man im Bild nicht erkennt – die Zweige sind nämlich eine Hinterlassenschaft vom “Birkner Poldi” (wie ihn Otto immer genannt hat) – gerade aufblühende Hamamelis!!! Rund um das Bauernhaus fallen immer noch einige seltene Sträucher auf, die Herr Birkner vor Jahren angepflanzt hat.

Nach fast zwei Stunden sind wir zurück von unserer Vormittagswanderung, und ganz ehrlich – als nachmittags die Sonne zuhause bei den Fenstern so freundlich hereinscheint, fühlen wir uns wahrscheinlich wohler als auf der Anna-Alm, die erst nach den Semesterferien drankommen wird! Vielleicht auch schon früher als Schitour wie der Tirolerkogel…

Am Samstag, 24. Jänner, schien sich endlich wieder der Winter durchzusetzen – zumindest auf den Bergen, denn von dort schaute er sogar schon ins Gölsental herunter. Leider blieb bis abends herunten noch nichts liegen, aber wir vertrauten fest auf die höhere Lage in Annaberg. Aber selbst in den Türnitzgraben hinein schaute es mit Neuschnee noch recht dürftig aus. Wir parkten bei der Tirolerkogel-Abzweigung und wollten die Loipe rund um den Scheiblingberg laufen (oder eigentlich flott “nachgehen”).

Nebel, heftiger Nordwestwind, leichtes Schneetreiben, aber kaum ein paar Zentimeter Neuschnee. Immerhin reichte es für eine Spur auf der vor einigen Tagen gespurten Loipentrasse, von unseren “Vorläufern” ins frische Weiß gezogen. Aber unter dichteren Bäumen kamen mehr Eisbrocken und Steine zum Vorschein… Wir hatten aber die Backcountry-Ski mitgenommen, und durch ihre etwas breitere Lauffläche und die Stahlkanten kamen wir über diese wenigen unangenehmen Stellen hinweg.

Bei der Wende mit Abzweigung Richtung Walster-Ursprung ging nur eine Raupenspur geradeaus weiter, hier hatte sich wer einen Spaß mit dem Schneemannbauen geleistet und ich einen mit “Schmäh-Telemark”. Wir folgten der Trasse zum Jochgrund und weiter bergauf zur Holzknechthütte.

Dort pfiff schon wieder heftiger Wind von Westen her, trotzdem liefen wir noch weiter, bis sich die Spur zum Oberstall hinabsenkt. Dann ging es retour, und immerhin bekamen wir bis zum Parkplatz 9 km zusammen. Bei schlechtem Wetter nehmen wir gern diese Loipenroute, weil sie ohnehin nicht viel Aussicht bietet, aber recht geschützt und bei Neuschnee recht stimmungsvoll ist. Sogar Fußgänger kamen uns entgegen und konnten die harte Spur mühelos begehen.

Hier hat das letzte Sturmtief “Felix” ganz schön gewütet!

Von der Holzknechthütte ging es an die Abfahrt – wo weicher Schnee lag, ganz gut abzufahren, aber auf dem eisigen Grund unter den Bäumen musste man schon sehr aufpassen und fest “einschleifen”, um nicht zu schnell zu werden… Eine gepflegte Pistenabfahrt ist jedenfalls viel schonender für die Knie! Beim “Schneemännchen” vorbei und ein Selfie mit dem Eiskopf, das war´s dann für den Samstag!

Schon am Abend begann sich auch im Tal der Schnee “anzulegen”, und am Sonntagmorgen (25. Jänner) war alles weiß vor der Haustür – und gar nicht so wenig, etwa 15 bis 20 cm, dazu hatte der Wind weiter aufgefrischt! Also keine Idee, weiter in die Berge hinein zu fahren…

Bei der Meiselhöhe

Für ein solches Wetter eignen sich auch die “Hügelberge”, etwa bei Eschenau. Zum Glück suchten wir uns nicht den Kaiserkogel aus (wie später zu sehen), sondern wir fuhren von Steubach zur Meiselhöhe hinauf und parkten dort. Der Weg führt nach Norden und rechts hinauf zur Berghöhe, wo die Markierung von Rotheau herüberkommt. Wie im Bild – teilweise abgeweht, dazwischen wieder tiefe Schneewächten (oder Schneewechten, wenn das Wort von “wehen” kommen soll…).

Eigentlich ein recht trüber Tag, aber mit Schnee und Wind ein bisschen abenteuerlich und erfrischend! Auf der Berghöhe gegen Westen über den Meiselberg hinweg stapfend, waren wir vorerst noch vom Waldrand vor dem hier heroben herrschenden Sturm einigermaßen geschützt.

Ein Dirndlstrauch, die schon dicken Knospen halten den Frost leicht aus, und wenn Zweige eingewässert werden, blühen sie fast sofort auf!

Doch über den Westrücken bergab, entfaltete der Sturm seine volle Stärke, und an der Leeseite der Strauchzeilen war kein Weiterkommen mehr…

Also wendeten wir uns durch den Rain an die andere Seite, wo der Schnee ziemlich weggeblasen war.

Weiter unten trotzt ein verwitterter Baum seiner ausgesetzten Lage, aber hat schon ein Loch und gespaltene Zweige, die ihn fast wie einen Krampus aussehen lassen – früher hätte man sich hier eine “Teufelsgeschichte” ausdenken können, wie sie in den Bauerngegenden als Sagen weiterleben (von freundlicherer Art allerdings über die “Ewigen Tränen” rund um Eschenau, Bericht von der Bärntaler Lacke im Blog > Suche: Bärntaler Lacke).

Mit den vom Sturmwind herangefetzten Eiskörnern und Schneeflocken voll im Gesicht, hielten wir uns bald danach über die Wiesen (mit Seitenwind) hinab zum Güterweg, der vom Wieshof am Plambacheck zur Meiselhöhe führt. Auch ganz schön verweht, aber immerhin nun den Wind im Rücken…

Unglaublich bei dem Wetter, aber nach der milden Wetterperiode nicht verwunderlich – die “Haselwürstel” beginnen schon zu stauben! Und dann bei der Meiselhöhe fast wie eine “Fatamorgana” – eine ganze Reihe von Autos, alle mit Kremser Kennzeichen, und die Wandererkollone sah man gerade zum Kaiserkogel hinaufmarschieren…

Wenn man so fest ausgeblasen wird, genügt schon eine kleinere Wanderung, um mit der frischen Luft zufrieden zu sein – der Rest des Sonntags verlief dann umso angenehmer! Und heute ist der Schnee noch nicht weggeschmolzen, und weitere Schneefälle sind angekündigt – vielleicht kriegen wir jetzt einen g´scheiten Winter? In den USA sind Blizzards angekündigt, und mein Vater meinte immer, dass wir dieses Wetter von Amerika auch herüberkriegen. Damals habe ich ihm selbstverständlich nicht geglaubt, aber wenn man die Wetterkarten anschaut und wie sich die Strömungen bewegen, dürfte er (hoffentlich) nicht unrecht gehabt haben…

Fortsetzung des “Urlaubstagebuchs” – 8. Oktober 2014 – auf der Insel Gozo.

Fähre zur Insel Gozo

An diesem Tag stand eine Fahrt zur Insel Gozo auf dem Programm, weil unser Sohn Hannes sich freinehmen konnte und sich als Reiseführer und Taxi (mit seinem schweren BMW) anbot. Rückblickend gesagt, was sich zeitmäßig ausging, hat er uns gezeigt und erklärt. Die Zufahrt zur Fähre in Cirkewwa ging aber so “maltesisch” flott, dass ich schon “kurvenmarod” dort ankam. Gerade nicht mehr auf das Fährschiff hinauf zu können, war vielleicht gar nicht schlecht in meinem Zustand… Auch muss ich etwas “langsam geschaut” haben, denn als ich endlich den Auslöser drückte, war das riesige Schiff unter der riesigen Klippe auch schon verschwunden…

So jedenfalls zeigen sich die verwegensten Klippen vielfach, wohin man auf Malta und Gozo auch kommt, besonders aber an den südlichen Küsten. Die gigantische Felstafel, aus der die Inseln bestehen, neigt sich im Großen nach Norden, und die “Brösel” als Reste der einstigen Landmasse ragen verstreut aus dem Meer. Der größere Brocken ist die im Kanal zwischen beiden liegende Insel Comino.

Comino

Daran steuern wir gerade vorbei, einzelne Ausflugsschiffe und Fischerboote verschwinden in der “Blauen Lagune” – strahlendes Blau rings um und über uns, ein unvergesslicher Eindruck! Die frische Brise auf dem Oberdeck beruhigt wieder mein Befinden, und Anni meint zu Hannes:”Schau, er fotografiert schon wieder, also….” – allgemeine Beruhigung und zugleich Spannung, denn schon nähern wir uns dem Ziel.

Vor uns liegt  Mgarr (“imdschar”), allerdings nicht im Bild mit der Gegenfähre, denn oberhalb des Hafens befindet sich eine neugotische hohe Kirche, daneben die Mauern einer Festung (1820 erbaut, unbeliebte Garnison, später sogar Nervenheilanstalt, nun Touristendestination…). Die hier abgebildete Kirche liegt schon weiter “inseleinwärts”, hat aber das typische Aussehen der mit starker Untertreibung so bezeichneten “Dorfkirchen” auf Gozo (und Malta). Diese hier kann nur Xewkija (“schoukija”) sein – immerhin die drittgrößte Kuppel Europas, nicht so breit wie jene in Mosta, doch dafür viel höher (lese ich gerade “rückwirkend” im Du Mont). Charakterzug der Malteser und noch mehr der Ghawdxi (“audschi” – Bewohner Gozos) -  die aus Stahlbeton gegossene Kirche und Kuppel ab 1951 innerhalb von 20 Jahren in Eigenarbeit und durch Spenden der “Dörfler” errichtet!

Ein ganz ungewohntes Bild – ein Hochtal mit Kulturterrassen geht in einen dicht mit Röhricht verwachsenen Talboden über, aus dem das Wasser durch Sand und Kies hindurch ins Meer síckert… Hier sind wir schon in Ramla Bay, dem angeblich schönsten Sandstrand der Insel Gozo.

Die Zufahrt vom Fährhafen Mgarr ging schnurgerade hinauf nach Nadur,  wo wir auf die Abzweigung in den interessanten östlichen Zipfel der Insel leider verzichteten, und über die Anhöhen zur Nordküste. Dort öffnet sich die Ramla Bay wie eine goldene Mondsichel zwischen den begrenzenden felsigen Anhöhen. Wir können uns kaum der Angebote an Liegen und Strandmaterial erwehren, wollen aber nur kurz bleiben. Obwohl man es hier leicht einen ganzen Tag aushalten würde – warmes Wasser, feiner Sand, milde Sonne, und das Anfang Oktober!

Sanddünen, altes Gemäuer aus der Zeit, als man sich noch gegen die Seeräuber wehren musste, oben am Berghang eine Felsnische – die sogenannte “Grotte der Kalypso”, in der die göttliche Nymphe  den gestrandeten Odysseus sieben Jahre lang als ihren Gespielen festgehalten haben soll. Wir bewundern eine seltene Blüte, die Dünen-Trichternarzisse (Pancratium maritimum), einen seltenen Herbstblüher, dann verabschieden wir uns schon wieder von der zauberhaften Ramla Bay.

Dann geht es über Bergstraßen hinauf nach Xaghra (“schara”) zu den gigantischen Megalithkomplexen der Ggantija Temples am Rand des Dorfes. Quer durch das stille (aber stadtähnlich dicht verbaute) Dörfchen weisen uns Tafeln zu dieser ältesten neolithischen Stätte des maltesischen Archipels. Es  eines der schönsten Denkmäler aus dem 4. vorchristlichen Jahrtausend, auch weil die Monumente nicht überdacht worden sind. Die touristische Erschließung ist sonst auch hier vorbildlich – ein Eingangsbereich  mit Erläuterungen und Ausstellungsstücken, die man sonst nur im Archäologischen Museum in Valletta zu sehen bekommt.

Eigenartig geformte Statuetten von Gottheiten, die rechte ohne Kopf, und die "Sleeping Lady" aus dem Hypogeum.

Schon dröhnt es wieder im Kopf, also hinaus ins Freie – dort herrscht afrikanische Hitze, kurz vor der Mittagszeit, gerade noch durch ein Lüftchen gemildert. Aber die Landschaft ist von großartiger Weite, und mitten darin erheben sich die zyklopischen Steinmauern der urzeitlichen Tempel.

Wie durch ein Zeitfenster blickt man durch ein sicher mystisch bedeutsames Loch in der Steinwand in die Urgeschichte, und neben den Steinmauern öffnet sich der Blick in die Gegenwart.

Im Inneren einer mehrere Meter hohen Steinummauerung befinden sich die Reste einiger Altarräume, die man auf dem bezeichneten Weg durchschreitet, und dann steht man wieder draußen in der afrikanisch wirkenden Landschaft. Palmen im Vordergrund, auf den Tafelbergen am nahen Horizont die Umrisse von barocken Kirchen.

AB Baumwollpflanze im Herbstkleid

Nun geht die Fahrt wieder quer durch Xaghra und über die Hügelzüge nordwärts, wo die verspätete Mittagsrast auf uns wartet. Vorher aber noch Eindrücke der Landschaft mit ihren Trockentälern und Tafelbergen, von der Sommersonne verbrannt und schon auf die herbstliche Regenzeit wartend…

In der Ferne die Zitadelle der Inselhauptstadt Rabat, früher nach Besuch der britischen Königin Victoria benannt

Dann senkt sich das Gelände dem Meer zu, und wie eine Fatamorgana taucht nach all dem ausgedörrten Gestein wieder das Meer auf – die Bucht von Marsalforn.

Wenn ich heute rings um Haus ganz schön viel Schnee liegen sehe und weiß, dass drinnen in Annaberg etwa noch viel mehr ist, möchte ich nicht weit im Süden sein. Wenn aber mit den angekündigten Stürmen und der mittelatlantischen Warmluft der Winter wieder verschwunden sein wird, wünschte ich mir vielleicht doch wieder einen solch schönen Tag in Malta, wie wir ihn am 7. Oktober erleben konnten…

AB Im Hafen von Marsaxlokk

Die Hop On * Hop Off Touren mit den Sightseeingbussen sind eigentlich eine Supereinrichtung. Da kann man alle Sehenswürdigkeit anfahren, beliebig aussteigen und sich aufhalten, dann wieder weiterfahren zum nächsten Halt. Nur darf man nicht übersehen, dass die Zeitspanne der Busrunden von 9.30 bis 17.00 Uhr dauert, und allein für die reinen Fahrzeiten werden 2 1/4 Stunden verbraucht, wenn alles gut geht… An unserer “gemischten” Erfahrung sind wir wohl selbst schuld, denn wir starteten erst mit zwei Stunden Verspätung am Valletta Waterfront Terminus, den wir allerdings nach überraschend kurzem Suchen finden konnten. Obwohl wir im weiteren Verlauf zwei Stationen ausließen, blieb uns zum Schluss bis zum letzten Bus zu wenig Zeit – ausgerechnet für den Mnajdra Temples…

Zu den eindrucksvollsten historischen Eindrücken auf Malta gehören die Megalithbauten, hier Hagar Qim Temples.

Nachdem wir schon ein paar Tage unterwegs gewesen waren und noch immer keine der berühmten steinzeitlichen Kultbauten gesehen hatten, war es jetzt höchste Zeit dafür. Was uns zur Südroute der Citysightseeingtour verlockte, war auch gleich der erste Stop – Tarxien (“Tarschien”).

Eintritt in die Ausgrabung des Tarxien Temples

Nach etwa 15 Minuten rasanter Fahrt landeten wir mitten in einem Stadtgebiet, und erst mühsam mussten wir nach spärlichen und unauffälligen Wegweisern diese berühmte archäologische Stätte suchen. Zunächst kamen wir zum Hypogeum, der am eigenartigsten und tief in den Untergrund reichenden Anlage. Sie ist das unterirdische Abbild der Megalithtempel Maltas, wurde inmitten von einem überbauten Gebiet 1902 beim Bau einer Zisterne entdeckt und wird als Grabhöhle oder Kultstätte eingeschätzt. Aber um durch zu intensiven Besuch keine Schäden anzurichten, ist der Zugang nur mit Führung möglich, und dafür muss man sich schon Monate vorher anmelden (bei einer organisierten Tour würde es wahrscheinlich nicht so lang dauern, und auch deshalb sollte man am besten ein solches Unternehmen – auch rechtzeitig – buchen). Immerhin dürften wir das Schicksal,  davor zu stehen und nicht hinein zu dürfen, mit vielen anderen Besuchern teilen, denn der Portier hatte schon einen Handzettel mit Wegweiser zum nächsten Schauplatz bereit…

AB Details der Tarxien Temples, besonders wertvoll sind die Reliefs und der kunstvoll behauene Riesenblock mit den kleinen Füßchen.

Diese bedeutendsten Funde aus der megalithischen Zeit Maltas von 3000 bis 2500 v. Chr. sind vorbildlich zur Besichtigung zugänglich gemacht, Stege führen quer durch die Steinbauten und ganz nahe an die wichtigsten Details heran. Bizarr ist der Hintergrund dieser steinzeitlichen Bauten, nämlich die Häuserfronten des umliegenden Stadtteils Paola. Inzwischen aber war es bereits Mittag vorbei, pralle Sonne und Wartezeit bis zum nächsten Bus fast eine Stunde… Unsere Stimmung sank trotz Cola und Sandwich immer tiefer, und unsere Beine fühlten sich bald so an, wie die “Füßchen” des Tempelbaues unter dessen Gewicht gestöhnt haben könnten.

AB Rest einer Tempelfigur mit "Füßchen"

Endlich kam der Bus, wir hinauf aufs Oberdeck, und weiter ging die Fahrt in weitem Bogen durch dicht verbautes Gebiet zurück zur Bucht bei Valletta, wo die Landzunge von Vittoriosa mit ihren eindrucksvollen Kirchen und Festungsbauten sicher überaus sehenswert wäre. Wir “schwänzten” diesen Stop aber, um etwas Zeit zu gewinnen, blieben auf dem Bus sitzen und stiegen erst beim nächsten Halt in der “Fishing Village” Marsaxlokk (“marsa-schlock”) aus.

Von der Busstation neben der Kathedrale zieht die Mole in weitem Bogen um den Hafen herum, wahrlich malerisch! Alle paar Schritte wird man zum Fischessen eingeladen oder besser aufgefordert, und schon höchst labungsbedürftig lassen wir uns auch unter den sogar Anfang Oktober noch angenehmen Sonnenschirmen nieder.

AB Ausblick während der Mittagsrast und "Standeln"

Marsaxlokk ist ein ausgeprägter Fischereihafen, voll mit den typisch bunten Booten, und das  anscheinend nicht nur als Staffage für den Fremdenverkehr, denn selbst die primitivsten Schifferl sind hier wie selbstverständlich in Gebrauch. Die Anlage vor dem Hafen mit ihren Schloten stört kaum den Eindruck, man muss halt nur beim Fotografieren etwas aufpassen, nicht diesen unpassenden Hintergrund mit ins Bild zu bringen…

AB Das "Horusauge" soll die Boote schützen, und hier werden die Netze nach der nächtlichen Ausfahrt wieder hergerichtet

Gerade noch rechtzeitig für einen längeren Spaziergang durch den Hafen erheben wir uns aus dem Schatten, und zu sehen gibt es hier noch Stimmungsvolles genug.

Alle möglichen und unmöglich erscheinenden Wasserfahrzeuge sind hier zu sehen - AB sogar einem Waschtrog ähnlich! Und noch einmal ein Hafenblick von Marsaxlokk

Pünktlich geht die Fahrt dann quer über den Südostteil der Insel weiter, am Flughafen vorbei und Richtung Südküste.

Typische Landschaft mit noch sommertrockenen Kulturen, und hier geht es schon die Steilküste hinab

Durch ein typisches Trockental führt die Straße bergab auf die Küste zu, die Steinmassen wachsen beiderseits immer höher, dann öffnet sich der Felsspalt und der Blick geht hinaus aufs Meer.

Unterhalb öffnet sich die berühmte "Blaue Grotte"

Die Kalkformationen sind wirklich gewaltig, besonders natürlich hier an der südlichen Steilküste. Die Bootsfahrt in die Blue Grotto wird vormittags empfohlen, weil die Höhlung mit ihrem blau schimmernden Wasser von der Sonne ausgeleuchtet wird. Am Nachmittag sind wir leider schon zu spät dran, und außerdem läuft uns die Zeit förmlich davon – nächstes Ziel sind die beiden Tempelanlagen Hagar Qim und Mnajdra.

Eine gigantische Überdachung soll die 5000 Jahre alten Steinmonumente vor weiterer Verwitterung schützen.

Die mehrere Meter messenden tonnenschweren Steinquadern aufzustellen und übereinander zu schlichten, diese Leistung nur mit den Hilfsmitteln der Steinzeit scheint unglaublich!

Der gelblich-ockerfarbene Kalksandstein gilt als der “Schatz Maltas” und als seine einzige Rohstoffquelle. Leicht zu bearbeiten, ist er das ideale, bis heute bevorzugte Baumaterial, und seine Eigenschaften übertreffen den modernen Beton sicher weitaus. Die hohen Sommertemperaturen konnten so Jahrtausende lang überstanden werden, während beim gegenwärtigen Bausystem Klimaanlagen vorausgesetzt werden – wahre Stromfresser, und das nicht über den “Erdölseen” in der Tiefe wie am Persischen Golf… Übrigens ist Wasser auf Malta sicher kostbarer als Erdöl, denn die Insel gilt als die Weltgegend mit den geringsten Wasservorkommen!

Blick aus dem Steinmonument Hagar Qim auf die Felsinsel Fiflia, die wir auch schon von den Dingli Cliffs aus gesichtet haben.

In älteren Reiseführern (vor 2000) wurde schon angedeutet, dass so berühmte archäologische Stätten (wie etwa das Hypogeum) für Besucher gesperrt werden müssten, um langfristige Umweltschäden zu vermeiden. Hier im freien Gelände könnte es wohl auch der weltweit “saurer” gewordene Regen sein, der die Steine schneller verwittern lässt als in den vorindustriellen Epochen. Seit dem Beitritt Maltas zur EU haben sich die Finanzierungsverhältnisse so verbessert, dass große Schutzprojekte verwirklicht werden konnten. So sind die beiden Tempel Hagar Qim (“hadschar-`im”) und Mnajdra (“imnajdra”) seit 2009 unter riesigen Zeltdächern verschwunden. Den ursprünglich viel gewaltigeren Eindruck muss man sich also nach Abbildungen ausmalen (im zweiten Bild dieses Berichtes ist ein Rest von Hagar Qim frei stehend zu sehen).

Das Panorama zeigt das Gelände zwischen Hagar Qim mit dem befestigten Zugang zum ziemlich entfernten Mnajdra-Tempel, der ebenfalls überdacht ist. Hier müssen wir leider “passen”, die Zeiger der Uhr rücken schon auf 16.00 vor, und um 16.15 fährt der letzte Bus zurück nach Valetta. So machen wir nur einen kurzen Rundgang und nehmen uns vor, wie zur Blauen Grotte sicher (und nicht “einmal” irgendwann) wieder zu kommen.

Absolute Trockenheit beherrscht die Steinflächen mit ihrem spärlichen, jetzt im Herbst völlig vertrockneten, von der Sonne verbrannten Bewuchs.

Im Gegensatz dazu der Blick über nichts als Wasser rings um den “wie ein Planet im Weltall” im Mittelmeer ausgesetzten Inselfelsen von Malta. Hier wirkt die Einöde fast beklemmend, und wie sehr müssen einst die hochragenden Megalithbauten die Menschen beeindruckt haben!

Eine zwar nur halbstündige Autobusfahrt zurück zum Phoenicia Hotel in Valletta bildet den Abschluss dieses Tages. Trotz heftigem Wind, der zum Glück wüstenhaft warm ist, sitzen wir auf dem Oberdeck und lassen die Landschaft und zuletzt die Stadtgebiete an uns vorbei ziehen. Ein interessanter Tag, aber wahrlich anstrengend, noch dazu weil uns als Abschluss noch die Busfahrt von Valletta über Sliema nach Paceville zu unserem Domizil bevorsteht… Aber am nächsten Tag soll es trotzdem auf die Insel Gozo gehen, denn unser Sohn Hannes hat sich dafür frei genommen, also “alle Viere” von sich strecken und “Gute Nacht!” Als Schlummertrunk dient wie täglich der MARSAMENA, ein köstlicher Rotwein von Gozo, dessen Herkunft wir bald kennenlernen sollen…

Wie oft wir schon auf dem Hochstadelberg (so heißt dieser Gipfel eigentlich, Bergname kommt von der einem Stadeldach ähnlichen Form)?! Es war der erste hohe Berg, als ich auf Nachkriegserholung einen Sommer lang bei der “Koller Pepperl” gewesen bin. Ob der Schneeberg mit meinen Eltern noch vorher war, weiß ich gar nicht, denn auf dem uralten Bild gibt es keinen Hinweis…

Vermutlich 1948 mit meinem Vater Peregrin auf der Fadenwiese nach Abstieg vom Schneeberg.

Jedenfalls hatte ich zünftige “Scheankenschuhe”, richtig mit den speziellen Nägeln beschlagen! Aber zurück zum Stadelberg (wie ich ihn einfach nenne). Einmal war der Ötscherblick vom Gipfel samt mir und damals modischer Bergkleidung sogar das Cover vom letzten der klassischen Ötscherführer (1998).

Aber jetzt zu unserer aktuellen Tour am Freitag, 2. Jänner 2015. Nach der Eiseskälte zum Jahreswechsel und beim angekündigten Zwischenhoch vor dem nächsten Tauwetter wollten wir unbedingt noch höher hinauf. Für uns keine Quahl der Wahl, wenn es nachmittags nicht mehr so schön soll wie an diesem zweiten Jännermorgen, und wir außerdem nicht zu weit fahren wollen, gibt es nur den Stadelberg. Um 10 Uhr starten wir schon am neuen Parkplatz beim “Ötscherblick” vor der Wastl-Passhöhe. Zur Sicherheit haben wir die Schneeschuhe mitgenommen – der Schnee wäre zu Fuß auch etwas tief, aber vorerst leitet uns entlang der blauen Markierung (von Gösing bis zur Anna-Alm und nach Annaberg) bequem in den Wald hinauf. Als wir jedoch von der Forststraße in den steilen Schlag abzweigen (die bisher immer begangene Route), müssen wir schon die Schneeschuhe anlegen. Das dauert länger als gedacht, denn schon längste Zeit haben wir sie nicht benützt, voriges Jahr war ohnehin zu wenig Schnee, und sonst waren wir am Stadelberg überhaupt lieber mit Backcountry-Ski unterwegs. Das aber nur auf der Forststraße, und spannender ist der direkte Aufstieg allzumal…

Nach dem ersten Steilaufstieg queren wir die Forststraße (Bild AB wie auch das nächste) und bleiben anschließend am Nordwestkamm

Früher sind wir (bevor die Forststraße gebaut wurde) immer auch über den unteren Nordwestkamm angestiegen, eine recht steile und steinige und verwachsene Angelegenheit. Nun benützen wir nur den oberen Teil dieser ausgeprägten Bergkante (günstig an der Grundbesitzgrenze verlaufend, wenn es irgendwelche Schwierigkeiten geben sollte…). Dort führt ein schwacher Steig die schmalen Lichtungen entlang, und am besten hält man sich auf diesen Wegspuren. Heute kommen wir etwas links in den Wald ab, wo einige Schispuren verlaufen, und außerdem pfeift an der Bergkante der Nordwestwind ganz stark und eisig – ein Gruß vom Ötscher? Also nach Tauwetter schaut es noch nicht aus.

AB In den dunklen "Eiskanal" schimmert immer mehr die Sonne herein, und mit den Eiskristallen an den Zweigen ergibt das ganz bizarre Bilder (AB).

AB Wie Christbaumkugeln... und Kristallasterl...

Die letzten Schritte hinaus zum Gipfel sind immer die schönsten am Stadelberg – vom Wald heraus auf die freie Fläche zum Gipfelkreuz, während sich rechts der Tiefblick auf Gösing und Erlaufboden öffnet, darüber mit weit über tausend Meter Höhenunterschied das “Felsenhaupt” des Ötschers.

Diesmal gehe ich voraus und Anni kommt dadurch zu den Gipfelstürmerbildern!

AB Mühsame Anstiegsfigur, als ob wir schon einen viel höheren Berg "bezwungen" hätten - und so sieht sich der Gipfelstürmer selbst am liebsten...

Für einen so schnell erreichten Gipfel ist die Aussicht einfach fantastisch und eigentlich von der Leistung her noch gar nicht verdient! Aber zum noch tolleren Panorama auf der Gemeindealpe muss man anderseits nur ein paar Schritte vom Sessellift zum Gipfelkreuz machen… Übrigens der Gipfel mit der malerischesten Aussicht, vor allem bis zu den Gesäusebergen und natürlich zum Ötscher ist die Bichleralpe! Vom Stadelberg überblickt man auch die niedrigere Region zwischen Annaberg und Gösing und dazu kommt noch der Hochalpenhorizont vom markanten Schneeberg bis über den Hochschwab hinaus. Ganz rechts meinte ich immer, einen Felszacken als den Traunstein zu erkenne, aber ein anderer Bergsteiger belehrte mich einmal, dass ich damit recht falsch liege. Diesmal konnte ich bei der klaren winterlich-föhnigen Sicht diesen Gipfel ganz deutlich erkennen, aber was es wirklich ist…?

Wie sich ein nur wenig geänderter Bildwinkel auswirkt, zeigt dieses Bild von mir und die folgenden von Anni:

AB Das "Felsenhaupt des Mostviertler Altvaters" - und Details mit dem Tele (BB)

 

Also, da fühle ich mich auf dem gemütlichen Stadelberg schon wohler als auf den Zacken des Rauhen Kamms (vor der im Schatten aufragenden Ötscher-Nordwand), auch wenn der eisige “Zuckerguss” fehlt! Wir kommen dann am Kamm entlang zum Sattel vor dem Ostgipfel (dort wäre der zweite Gipfelplatz, ganz besonders idyllisch), wegen dem eisigen Wind haben wir uns in kein Gipfelbuch eingeschrieben.

Vom Sattel durch die idyllische Mulde (mit einer jetzt tief verschneiten Lacke) zur Forststraße am Nordhang des Stadelbergs

Auf der ausreichend verschneiten Forststraße, noch dazu eher Pulverschnee als Bruchharsch oder Pappschnee, wären wir als Schifahrer schneller und müheloser wieder hinab zum Parkplatz gelangt. Ich halte mit den Schneeschuhen bis zum Auto durch, aber Anni ist bei Erreichen der festen Spur auch ohne diese gut zurecht gekommen. Noch ein letzter “Durchblick” zum Ötscher, und schon wieder ist die erste Tour des neuen Jahres nur mehr Erinnerung…

AB Ausblick zum Ötscher, in den Wäldern um den "Wastl" nicht zu häufig, aber umso markanter (besonders von den Böden, wo es jetzt keine Markierung mehr gibt); und mein "optisches" Sonnenbild; lang sind wir nicht unterwegs gewesen (2 1/4 Stunden insgesamt, ohnehin eine recht üppige Gehzeit), aber wir waren zufrieden und hoffen bald auf mehr...

Ältere Artikel »