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Die ServusTV-Sendung über den Ötscher mit meinen kurzen Einschaltungen als “Volkskundiger und Autor” hat so richtig wieder auf unsere engere Bergheimat eingestimmt!

Am Mittwoch, 17. September, eine Runde über den Trefflingfall

Allein unterwegs, aber von einem freundlichen Wanderer fotografiert! Von der Panoramastraße in der Brandgegend bin ich über den Sulzbichl ins Trefflingtal marschiert. Der Abstieg über den Trefflingfall war atemberaubend – so viel Wasser!

Eine Spur von Regenbogen im Gesprühe des Trefflingfalls!

Die Fotoauswahl wäre sehr umfangreich – ich habe halt das “Suchbild” mit dem Regenbogen in der Gischt genommen. Anschließend durch die Toreckklamm flussaufwärts in den Vorderen Tormäuern weiter bis zum Kirchensteg und wieder hinauf zur Panoramastraße.

Vor der Toreckklamm - wäre wirklich schade, wenn hier wie vor 1970 geplant eine Staumauer stünde...

Für den Lassingfall reichte an diesem Tag meine Energie nicht mehr. Aber heute (Samstag, 20.9.) war eine Tour mit den Enkeln Jakob und Felix dran – nicht wie vorgesehen auf die Gemeindealpe. Denn das ergäbe zu wenig Gehzeit, also Start von Wienerbruck aus – das Ötscher-Camp für die nächstjährige Landesausstellung voll im Bau und echt hunderte von parkenden Autos…

Lassingfall und Ötschergräben sind anscheinend momentan die überlaufenste Modetour!

Beim Lassingfall gibt es jedenfalls mehr Touristen als Wassertropfen (sicherlich übertrieben…). Aber auf den Steigen herrscht ein Gedränge! Wir stiegen gemeinsam (wieder mit vielen, aber nicht so attraktiven Bildern wie beim Trefflingfall) nach Stierwaschboden ab. Eine nette Familiengruppe erlaubte mir ein Foto zum Thema “Kinderwandern” – besten Dank!

Zwar hatten wir selber zwei Burschen mit, aber die gefallen sich im Wetteifer, wer beim Fotografieren am dümmsten dreinschauen kann…

Hintere Tormäuer

Beim Kraftwerk trennten wir uns – Anni marschierte mit Jakob und Felix durch die Hinteren Tormäuer weiter. Dort geht es ganz ruhig zu, und die Szenerie ist auch ganz hochalpin, allerdings mit weniger Wasser als in den Ötschergräben. Ich stieg inzwischen wieder über den Lassingfall nach Wienerbruck auf, fuhr mit dem Auto nach Erlaufboden und kam mit dem “Saftladen” im Rucksack den Wanderern entgegen. Insgesamt drei Stunden unterwegs und bis nachmittag spätsommerlich warmes Schönwetter!

Persönliche Anmerkung: Wegen starker “Arbeitsüberhäufung” dauert es mit meinen Berichten etwas länger, denn Termine für den Ötscher drängen. Aber ich freue mich schon selber am meisten auf die Bearbeitung des Dalmatienurlaubes, werde kurz gefasst damit (noch vor dem ausführlichen Blog) ins facebook einsteigen.

Link: facebook “Bernhard Baumgartner” (Kral-Verlag / Autor … sonst kommen die Dutzenden Namensgleich…) oder Bilderalben auch in facebook “Wandertipp bernhard baumgartner”

Übrigens danke für die erfreulichen Rückmeldungen zur Sendung über den Ötscher im ServusTV! Heute in Annaberg beim Meyer zu Mittag gegessen, und dort hat man voll gestern servusferngesehen… Mein Auftritt in Annaberg nach 53 Jahren, als ich dort als Junglehrer in die Volksschule einzog!

Bevor ich mit meinen neuen Berichten beginne, ein wichtiger Hinweis:

Freitag, 19. September 2014, 20.15 Uhr im Servus TV

BERGWELTEN

Ötscher – Majestät im Osten

Ich war als “Volkskundler und Autor” auch bei den Aufnahmen dabei, selber schon sehr gespannt…

Link: www.servustv.com

Der langgestreckte Bergzug vom Türnitzer Höger bis zum St. Aegyder Traisenberg ist für mich der “Traisentaler Mitterkamm”, und als solcher bietet er eine der lohnendsten Überschreitungen in der “Lilienfelder Waldmark” (noch eine treffende Bezeichnung für die Voralpen im Traisen- und Gölsengebiet – Gutensteiner Alpen ist ja wirklich bei den Haaren herbeigezogen).

Am liebsten ist uns als leichte Wanderung der Wancurasteig von St. Aegyd zur Zdarskyhütte, die hier sogar einen Hüterhund hat! Noch besser ist die Tour als Runde über den Traisenbergsattel, egal in welcher Richtung. Aus dem Tal der Unrechten Traisen hat die Gipfelsammlung über den ganzen Mitterkamm hinweg  den (leichten) Nachteil, dass Start und Ziel nicht dasselbe sind, also eine Busfahrt nötig ist. Von Türnitz her hingegen lässt sich eine perfekte Runde ziehen, wenn man mit dem Auto in die Traisenbachrotte zufährt.

Für die “Monsterrunde” (aus meiner heutigen Sicht) bleibt man dazu bei der Kreuzung vor dem Ebnerhof stehen und landet nach Zdarskyhütte, Gschwendthütte und Türnitzer Hütte ebenfalls wieder dort. Ehrlich gestanden, das ist uns zu anstrengend – also halbieren wir die Runde und fahren noch ein Stück weiter bis zur Kreuzung nach dem Waldsteighof (wie de Hof In der Klaus ein Landsitz und längst kein Bauernhof mehr). Dort steht dieses interessante Rote Kreuz mit der Jahreszahl 1835 – ein Hinweis darauf, dass früher hier ein wichtiger Übergang zwischen Türnitz und St. Aegyd bestand, noch aus der Zeit vor dem Eisenbahnbau übrigens (immerhin fährt heute noch ein Bus, seit die Bahn in Schrambach endet).

Hier steht schon das nächste Kreuz, noch dazu ein ganz neues, schon weit oben im Wallersbachgraben. Durch diesen ist übrigens auch eine Hochspannungsleitung gezogen worden! Schon längst geplant, ist letzten Sonntag (24. August) endlich der Termin für diese Tour reif geworden. Allerdings ziehen dichte Wolken dahin, verraten den stürmischen Wind auf den Bergen, aber immerhin soll es nachmittags auflockern, und trocken ist es zum Glück die ganze Zeit geblieben.

Wir marschieren auf der Forststraße in den Wallersbachgraben hinein, und weiter oben stellt sich heraus, dass die Markierung in der ÖK (wieder einmal, oder nur in meiner Version der AMAP) nicht stimmt. Denn der obere Graben wird auf einem alten Karrenweg begangen, und von der Jagdhütte geht die (ausgezeichnete) Markierung Richtung Zdarskyhütte nicht über den Traisenbergsattel, sondern direkt gegen die Glinzenmauer hinauf. Wir sind froh, dieses Stück bergauf nehmen zu können, denn talwärts wäre der erdige und verwurzelte Steig noch unangenehmer.

Der Bergwald unter der Glinzenmauer ist voll urig und noch dazu voll Schwammerl! Eine solche Fülle haben wir schon lange nicht gesehen, aber leider nicht von Herrenpilzen und Pfifferlingen (um die Wortwiederholung zu vermeiden…). Sogar die “Bärentatzen” wachsen in Hexenkreisen…

Nur einmal begegnen wir anderen Wanderern, die sich wundern, dass da wer aus der Traisenbachrotte heraufkommt. Aber der Weg ist (wie schon angemerkt) bestens markiert, und eine Tafel mit “Barbaras Stecka Reith” verrät einige Beliebtheit – aber wahrscheinlich vom Traisenbergsattel und aus der Unrechttraisen her.

Oben auf der Bürgeralm bläst der Wind schon recht heftig, und er steigert sich sogar noch samt der immer niedrigeren Temperatur, dass wir richtig angetrieben werden. Einkehr ist diesmal nicht vorgesehen, wir gehen gleich weiter Richtung Gschwendt und Paulmauer. Aber – auf der Starkhöhe, wo der Kamm verflacht, steht abseits im Fichtenforst der einzige Herrenpilz des Tages! Wir nützen die Gelegenheit zum Verlassen der Markierung und gehen gleich links haltend weiter. Der Almweg vermittelt nämlich die Verbindung zu unserem Abstieg auf der “halben Monstertour”.

Vier Haxn vorne? Nein, es ist natürlich die Mutterkuh mit zwei Kälbern - die Rinder sind hier schon eher von Wanderern beunruhigt (obwohl wir keinen Hund dabei haben) als vorne auf der mehr begangenen Bürgeralm.

Jetzt weiß ich endlich wieder, wo ich vor einigen Jahren die schönen Ausblicke zum Tirolerkogel und zum Eisenstein fotografiert habe! Leider ist das Wetter nicht optimal, aber sogar bei diesen Verhältnissen wirken die hohen Wollkopf-Kratzdisteln und der Eisenhut recht imposant. Dazu blüht überall ganz herrlich der Schwalbenwurz-Enzian – es ist wahrlich schon Herbst geworden…

Hier kommen wir schon zum Höllboden, der Wiesenmulde vor der Paulmauer und der Grabenalm. Normalerweise hätten wir die Felskanzel der Paulmauer noch mitgenommen, aber bei dem Sturm – inzwischen setze sogar ich mein Wanderkappel mit dem Schirm nach hinten auf!

Mein Trick für die “halbe Monstertour” ist der Abstieg auf der Forststraße durch den Brunstgraben. Irgendwann vor langer, langer Zeit waren wir hier schon unterwegs, aber die Erinnerung daran ist längst verblasst – jetzt weiß ich, wie sich für Anni und mich 6,5 km Forststraße bergab mit 600 m Höhenunterschied anfühlen…

Von der Kehre am Brunstriegel an ergibt sich ein prächtiger Blick (mit ein wenig Sonne) auf die steilen Waldhänge der Höllmauer und einmal sogar auf den Göller mit seiner Wolkenhaube. Die Felsstufen der Höllmauer reichen mit ihren Schuttrinnen bis an die weithin unterhalb querende Straße herab – ein bequemes Gehen in wilder Landschaft, wenn gerade nicht ein paar Steine herabkollern…

Diese Forststraße gibt es schon sehr lange, eigentlich ist es auch die Zufahrt für die Alm am Höllboden. In meinem Führer “Die Voralpen an Traisen und Gölsen” von 1976 habe ich sie nämlich schon erwähnt. Ausblicke gibt es immer wieder einmal, vor allem auch endlich auf die gegenläufige Kehre weit unten! Und im Geröll oberhalb der Böschung stehen prächtige Hirschzungen-Farne, ein Hinweis auf den Extremstandort dieses Steilhanges (sonst eher in den Schluchten zu finden).

Die Streifen an der Blattunterseite sind die Sporenträger.

Jetzt sind wir schon weit mehr als drei Stunden fleißig unterwegs, und außer ein paar Schlucken aus der Flasche hat es noch nichts zur Stärkung gegeben. Bei der Kehre packen wir dann unser einziges Packerl Schnitten aus, und schon kommt uns der Hochwald wieder ganz romantisch vor und das Gehen funktioniert wieder lockerer…

Rückblick zur von hier aus waldigen Paulmauer und die Felsen der Höllmauer. Nach der nächsten Kehre, wo der Graben schon das Wasser der Türnitzer Traisen führt (diese wurzelt oben in der Höllbodenmulde, sichtbar nur als Viehtränke!), ziehen weitere Windungen hinab in den Brunstgraben. Die Szenerie ist wirklich romantisch, Felsstufen und alte Baumriesen, das ausgewaschene Bachbett, Dolomitrasen mit im Frühsommer sicherlich reichem Blumenflor.

Altholz mit Baumschwämmen und Moospolstern, hier modert so mancher Stamm vor sich hin und wird nicht gleich “entsorgt” – auf Buchenholz halte ich immer nach dem blauen Alpenbock Ausschau, aber es ist wohl nicht die richtige Zeit für diesen selten Käfer, um einen Spaziergang zu unternehmen….

Nun reicht die Gehzeit schon längst über vier Stunden hinaus – endlich wird der Talboden flach, und die Wiesen beim Klaushof kommen in Sicht. Der Besitzer stellt sich auf Tafeln als Stützpunkt der Berg- und Naturwacht vor, hat alles schön renoviert und mit NÖ-geförderten Obstbaumreihen bepflanzt (wir konnten ein Schild mit Klarapfel entziffern).

Nach etwas weniger als fünf Stunden landen wir wieder bei unserem Auto am Ausgangspunkt – unbehelligt! Ich bin diesmal ganz locker, weil ich von einem “jagerischen” Studienkollegen weiß, dass wir hier beim Roten Kreuz auf öffentlichem Gut geparkt haben und gefahren sind. Was dann die Fahrverbotstafeln bei der Abzweigung Ebnerhof (ist ja ein Bauernhof-Pension) sollen, ist mir nicht ganz klar – oder doch? Von Seiten der Gemeinde sollte man da nicht so nachlässig mit solchen Gewohnheiten umgehen, denn eine öffentlicher Weg ist nur allzu bald privatisiert und mit ein paar Caterpillarschüben in eine Forststraße zu verwandeln… Hier das letzte Bild dieser eindrucksvollen Tour:

Durch die Medienberichte waren wir schon neugierig geworden, wie das neue Terzerhaus auf der Gemeindealpe  und sein “Rundherum” nun ausschaut! Besonders Werner drängte es zur Besichtigung, denn er soll ja alle Neuigkeiten für die (endlich kommende) Neuauflage seines Ötscherbuches zusammenstellen.

IchBB, Wolfgang Wald (Santiagopilger) und Werner Tippelt (mein Partner von den jugendlichen Klettereien bis zu den gemeinsamen Büchern) - insgesamt sieht man hier 216 Jahre versammelt, Geburtstage demnächst!

Die Mann- samt Frauschaft für dieses Unternehmen war schnell beisammen, und bereits den ersten möglichen Termin am Samstag, 9. August, haben wir uns nicht entgehen lassen, noch dazu bei dem herrlichen Wetter. Besonderes Zuckerl – ich konnte unser Auto am Zellerrain abstellen und wurde von Werner nach Mitterbach mitgenommen, ideal für die sommerliche kleine Höhentour!

Hier sind wir schon nach Sessellift-Auffahrt auf der oberen, freien Terrasse des neuen Terzerhauses, gesehen im Rundum-Panorama (360 Grad, mit der Coolpix 510 kein Problem, ganz einfach zu handhaben). Aussicht wie Wetterverhältnisse traumhaft!

Panorama in unserer anschließenden Wanderrichtung gegen Felswies und Ötscher

Neben einem Vormittagskaffee mit wirklich g´schmackiger Mehlspeis gab es eine Hausbesichtigung und ein nettes Gespräch mit dem "neualten" Hüttenwirt Thomas Wallner

Ein Blick über die Terrasse, neben dem neuen Terzerhaus ein toller Kinderbergsteiger-Spielplatz und neu angelegte Spazierwege für Liftbesucher

Werner schon wieder in Termingedränge, aber wir (Anni, Helga und Wolfgang Wald) drängten uns schon zum Wandern – Bergabwandern von der Gemeindealpe geht ideal, hinüber zum Eisernen Herrgott und hinab zum Erlaufsee und zurück nach Mitterbach. Mir kommt diese Runde über Feldwies bzw. Breimauer und über den Zellerrain noch schöner vor – für uns Schlaue ganz “suprig”, weil wir vom Gasthaus am Zellerrain nicht noch bis Mitterbach gehen mussten, sondern dort nach der Einkehr schon unser Auto bereit stand!

Vom Gipfelrand geht es gleich südwestlich auf einem Serpentinensteig hinab zu dem im Bild sichtbaren wunderschönen Rasenkamm (Blick gegen Gesäuse, Hochkar und Dürrenstein).

AB Unser Grüppchen am Wiesenkamm Richtung Eiserner Herrgott, beherrschender Gipfel - der Dürrenstein

Die sonst hier üppige Bergblumenpracht ist schon etwas abgeblüht, allerdings sahen wir später (auf der Hechtbauerwiese oben) den herrlichsten Pannonischen Enzian. Hier waren vor allem die bizarren Wollkopf-Kratzdisteln reizvoll, ihre Höhe soll die Schneehöhe im nächsten Winter voraussagen… Übrigens fand mein bergsteigerischer Nachbar Wolfram Täuber auf diesem Kamm eine Stelle mit Frühlingkrokus (nächst gelegener Höhenstandort vor der Feldwiesalm) – ein Anreiz für eine Frühjahrstour im nächsten Jahr!

AB Wollkopf-Kratzdisteln

Für den Ausblick vom Eisernen Herrgott, der Anhöhe mit Kreuz neben der Almhütte “Auf der Brach”, der nach kurzer Gegensteigung auf schmälerem Grat erreicht wird, greife ich wieder zu einem Panorama und zu den “almerischen” Hauptdarstellern!

Panorama mit Ötscher und Gemeindealpe, dazwischen Ausblick über den "Ötscherkessel" mit den Ötschergräben zum Puchenstubner Hochland mit der Brandmauer

Das "ötscherische" Dreimäderlhaus und der traumhafte Blick von der Almhütte am Eisernen Herrgott (neuerdings Auf der Brach)

Jetzt um die Mittagszeit war es immer noch sehr schön, freundliche bis etwas imposantere Haufenwolken, Gewitterstimmung nur über dem fernen Gesäuse.

Eigentlich wäre jetzt die beste Route westwärts von der Brach zur Breimauer gewesen, eventuell bis zur Feldwiesalm, oder besser gleich von der Breimauer südlich zum Almsattel und dann auf der blauen Markierung zum Brunnstein-Sattel. So hätten wir den Marsch auf der Forststraße vermeiden können (sogar bei Abstieg zum Erlaufsee ist diese Runde möglich uns sehr empfehlenswert, allerdings über die Breimauer nicht markiert).

So marschierten wir halt gemütlich über die Forststraße bis zur Abzweigung des Erlaufsee-Abstieges und gleich danach rechts an der Tränklacke vorbei über den Brunnstein-Sattel zum Waldeinstieg des Zellerrainweges. Wenn man diesen nicht kennt, sollte genau geschaut werden, denn nur der schmale, aber durch Wegpfeile gekennzeichnete Waldsteig vermittelt den richtigen Abstieg zur Hechtbauernwiese. Übrigens kommt hier auch der hübsche markierte Steig von der Feldwies herüber. Nach der Waldquerung folgt jedenfalls der Traumblick über die (nicht gemähte und daher etwas verwildert wirkende) Wiese mit dem “Hechtbauer”, so im Volksmund und richtiger “Höchbauer”, bis vor etwa 50 Jahren als höchst gelegener Bauernhof der Gegend bewirtschaftet. Interessant daneben eine quadratische Steinschlichtung inmitten der Wiese – vielleicht eine ehemaliger Hausgarten?

Lugauer - das "steirische Matterhorn - und die Hochtorgruppe mit dem Admonter Reichenstein und dem Tamischbachturm

Inzwischen schien es immer gewittriger zu werden, aber während unserer Einkehr am Zellerrain (gut gegessen und getrunken und genachspeist…) kaum wieder die Sonne mehr hervor! Beim Abstieg fanden wir entlang der Forststraße noch die Blätter vom natürlich längst everblühten Frauenschuh. Derzeit ist die auffälligste Orchidee in mehreren Varianten die Ständelwurz, und den schönen Falter hat Wolfgang dann als Kaisermantel bestimmt. Er hat sich wohl ebenso kaiserlich gefühlt auf der Bertramblüte wie wir bei dieser Genusswanderung!

Nicht nur das Gamseck auf der Rax hat eine “Wilde” Version, sondern eine solche konnte ich am 2. August auch am Preineck erleben…

Oberhalb vom Preinecksattel, Blick zum Schwarzauer Gippel / Gippelmauer und Gippel

Eigentlich war ich gar nicht auf eine Tour eingestellt, eher für einen Relaxtag nach einem starken Arbeitseinsatz rund ums Haus und bei der zu erwartenden Hitze, sogar ein freundliches Angebot zu einer Sulzbergtour (herzlichen Dank und bitte Angebot aufrecht halten!) habe ich nicht gleich wahrgenommen…

Doch der Samstagmorgen begann so schön und so früh, dass ich mich doch zu einer Tour aufgerafft habe – noch dazu Abfahrt bereits nach 5.30 Uhr! Erste Verzögerung zwischen Hohenberg und St. Aegyd wegen der Sperre in der Lurg. Umleitung bis halb auf den Ochsattel hinauf – nicht in Traisen und  als großes Ärgernis nicht einmal in Freiland angekündigt!!! Nach Mariazell könnte man dort schon die Annaberger Strecke wählen…

Immerhin kam ich so zu den Morgenstimmungen von der Ochsattelstraße aus, gegen Hinteralm und Reisalpe. Im Weißenbachgraben hinter St. Aegyd gleich noch einmal verfahren – von der “Herzerlmitzi” (bzw. der Hinweistafel) ablenken lassen und statt rechts und dann geradeaus gleich geradeaus durch die Langeau bis zum Oberhof. Immerhin hat mir dort der freundliche Bauer ohne Murren, dass ich in seinem Hof gelandet war, die richtige Auskunft erteilt (Werner hatte schon vor Jahren ein anderes Erlebnis mit einem “Verteidiger der von Touristen bedrohten Jagdreviere”).

Gippel vom Preinecksattel-Aufstieg (4. Forstwegquerung) und Talblick an der markanten Felssäule vorbei

Beim Zögernitzer die nächste unliebsame Überraschung – Normalaufstieg zum Gippel über den Treibsteig gesperrt – noch dazu bereits seit 7. Juli bis 8. August! Die angebotene Umleitung über “blaue Markierung und Schwarzauer Gippel” ist wohl ein Witz, wenn man denselben Weg heruntergehen müsste… Aber ich hatte ohnehin das Preineck im Sinn, denn meine Routenbeschreibung von den seinerzeitigen “Voralpen” ist echt historisch, und bei den NÖ Extremtouren von Csaba Szepfalusi (neu im Kral-Verlag) war mir auch einiges nicht klar. Also Auto vor dem Gipplerhof abgestellt, und dann an den Aufstieg gemacht.

Die beiden vorigen Bilder sind schon am etwas spärlich, aber ausreichend blau markierten Steig zum Preinecksattel aufgenommen, das Panorama bei der obersten Forststraßenquerung. Deren gibt es insgesamt fünf! Aber dazwischen ist der Steig halt so wie er ist – steil und immer steiler, verwurzelt und zunehmend mühsam, in kurzen Kehren oder pfeilgrad kompromisslos bergwärts… Aber Behinderungen fand ich keine (solche hatte ich in meiner alten Beschreibung erwähnt), nirgends ein Windbruch oder sonstwas Unliebsames. Nach einer Stunde (noch unterhalb des vorigen Panoramaplatzes) eine schwache Verflachung mit Ausblick zu den östlichen Felszipfeln unter dem Preineck, davor fünf Stammerl von Fichtenspargel – ganz selten, Foto für den Abstieg verschoben und dann vergessen… Die oberste Forststraße war für mich im weiteren Verlauf der Tour wichtig, um nicht zu sagen fast verhängnisvoll! Aber vorerst kraxelte ich über die felsige Böschung hinauf zum letzten Stück des Steiges, der am Hang nach rechts zum Sattel quert. Eigentlich “ganz normal” für dieses Gelände, aber doch schmal und teilweise etwas abschüssig, ein paarmal sogar etwas bergab, also aufpassen – zuletzt in kurzen Kehren überraschend schnell zur Kammhöhe, 1 3/4 Std. vom Tal, kein Wunder, dass mein Kartenausdruck sich in der Hemdtasche schon aufzulösen begann…

Aufstieg vom Sattel zum Preineck, der Göller hat sogar noch eine Wolkenkappe, und Ausblick zum Schneeberg

Der Kamm vom Preinecksattel bis zum 1 1/2 Stunden entfernten Obersberg (Routenbeschreibung in meinem “Großen Wandererlebnis NÖ” – neu samt den “stoasteirischen” Gipfeln und Almen) ist zwar nicht “einmalig”, aber doch überaus “schön”, solche hohen Wege findet man wirklich selten in unseren Vor- und Hochalpen! Zwischen Wetterbäumen und sogar Latschen zieht sich ein Rasensaum dahin, üppig blüht der trivial hübsche Klappertopf, aber dazwischen auch etwa das Eberwurz-Greiskraut und vor allem der prächtige Pannonische Enzian.

Die rot markierte Steigspur läuft ungehindert den Kamm Richtung Preineck hinauf, ich desgleichen – beschwingt vom luftigen Wind, den bunten Rasenflächen und der herrlichen beiderseitigen Aussicht.

Ausblick von den Kammwiesen gegen Schwarzauer Gippel und Schneealpe, dann der Sonnleitstein mit "Wolkenkragen" und rechts daneben der Ameisbühel

Auf dem nahen Vorgipfel des Preineckkogels steht ein Gedenkkreuz – gut dass sich mein Puls nach dem Steilaufstieg schon beruhigt hat, denn der der 66-jährige Hans Eder ist hier 1989 an Herzversagen gestorben… Dazu passt auch der Waldschaden auf diesem Kogel, wo eine Menge junger Bäume abgestorben sind.

Als ich vor rund 40 Jahren (oh Schreck!) mit Anni denselben Weg zum Preineckkogel aufgestiegen bin (und nachher die Verbindung zum Treibsteig entdeckt habe, was bei dieser Tour nicht gerade günstig war…), habe ich in meinen “Voralpen” geschrieben: Der Gippel mit der Gippelnase wirkt von hier aus wie das Gesicht eines schlafenden Riesen. Diesmal habe ich diese “Gippelnase” im Profil festgehalten.

Für´s Fotografieren nehme ich mir genug Zeit (wer weiß, wann ich wieder hier heraufkomme, am ehesten noch bei einer Überschreitung vom Obersberg her), aber schon drängt es mich zum Abstieg. Wäre der Treibsteig frei, könnte ich die Tour über den Schwarzauer Gippel fortsetzen, aber so müsste ich denselben “Weg” wieder hinunter… Also lasse ich mich von meinen Erinnerungen leiten (zuhause dann bei mir selbst nachgelesen) und versuche den Abstieg von der westlichen Höhe des Preinecksattels hinunter zur obersten Forststraße. Nachträglich schimpfe ich mit mir selber und nehme mir vor, nie mehr !!! ein solches Wagnis einzugehen (obwohl mein repariertes Knie hier seine Meisterprüfung abgelegt hat). Jedenfalls in einem Anfall von Kühnheit nach dem Sattel rechts in den Waldhang gequert – steil und abschüssig, zur Sicherheit von Baum zu Baum, von einem Windwurfstrunk zum nächsten, umgestürztes Totholz als Abstiegshilfe. Endlich lande ich in der Rinne vor den Felszacken am nordöstlichen Pfeiler des Schwarzauer Gippels (bzw. der Gippelmauer). Dort geht es tief verwachsen tiefer – bis ich vor dem Abbruch oberhalb der langsam näher gerückten Forststraße stehe. Dieser ist Richtung Osten (also zu meinem markierten Aufstiegsweg) durchwegs als kleine Felswand aufgeprägt – und wo komm ich da hinunter? Also Kamera in den Rucksack, Fliesjacke angezogen (um beim Abrutschen allfälligen Abschürfungen vorzubeugen). Das Glück hat mich aber nicht verlassen, denn nach mühsamer Weiterquerung finde ich kurz vor der sperrenden Felsmauer eine leichten Durchstieg. Es ist nun 10 Uhr, also 3/4 Stunde für diese Eskapade gebraucht. Vom alten und gar nicht so schlechten Jagdsteig war nach den Jahrzehnten selbstverständlich nichts mehr zu bemerken, so wie damals vom Gewirr der heutigen Forststraßen…

Noch am Preieckkamm und (trotz kurzer Luftlinie) eine Stunde später unten auf der "rettenden" Forststraße

Jetzt erst packe ich die Kamera wieder aus, auch erstmals meine Trinkflasche aus (bin noch vom alten Schlag der nicht dauernd “drannuckelnden” Bergsteiger) und stärke mich mit zwei Müsliriegeln, das war´s. Durch eine “Funklücke” erreiche ich telefonisch Anni, die mir schon das köstliche Mittagessen ankündigt… horuck, nun nichts als an den schnellen Abstieg!

Noch ein Panorama von der bereits durch herabfallende Steine zumindest stellenweise erschwert befahrbaren Forststraße (beim Felszacken bin ich in dieses trotzdem sichere Gelände – für Wanderer – ausgestiegen). Wozu solche brutalen Bauten in die steilen Gebirgshänge? Das zweite Bild zeigt eine (der auch verständlichen) Ursachen – am Nordwestkamm des Preinecks, wohin die vom Treibsteig kommende Forststraße führt…

Bei der (von unten) vierten Forststraßenquerung nehme ich den alten Forstweg, und bis auf einen alten Ziehweg im unteren Teil bleibe ich auf der bequemeren Forststraße. Aber das oberste und steilste Stück der markierten Route, also zwischen oberster Straße und dem unteren Forststraßensystem, bleibt mir nicht erspart. Im Abstieg auch ganz schön anstrengend, trotzdem kommt mir eine gemischte Partie Bergsteiger entgegen, um etwa 10.30 Uhr, tüchtig und unerschrocken bei der schwülen Feuchte. Die Damen sind froh, als ich für die Höhe ein luftiges Lüfterln ankündige! Und woher und wohin ich unterwegs bin, schon wieder ins Tal, und woher ich komme, vielleicht “gar aus Holland”? Na, so ein Witz, aber indem ich nicht mit Holzschuhen unterwegs war, dafür mit einer voll “vererdeten” Hose von meinem wilden Variante – kann es wohl nur der Strohhut gewesen sein!

Nach vier Stunden wieder gut im Tal gelandet, und wegen der schönen Erinnerung (noch einmal) die zwei besten Bilder!

Mein neues Headerbild zeigt schon die urige Berglandschaft und den schönen Ausblick vom höchsten Gipfel der Türntzer Alpen, dem Sulzberg. Hier möchte ich neue Bilder und alte Routenbeschreibungen bringen (aus meinem mit Werner Tippelt verfassten Wander- und Landschaftsführer “Ötscherland und Pielachtal”, NÖPressehaus St. Pölten 1977).

Der "beschriftete" Gipfel mit Wandertipper und Ötscherblick

Das Fichterl vor dem Gipfelkreuz hat die "Behandlung" durch den Wildverbiss schon überstanden und darüber hinaus gewachsen

Der Sulzberg erhebt sich in einem ausgeprägten Kamm zwischen Ulreichsberg im Osten und der Sattelzone über den Sabel im Westen (der P. 1066 m der ÖK heißt Sabelstuben). Die ÖK nennt den Sabel nördlich davon “Am Säbel”, aber es dürfte keine Einigkeit über den “richtigen” Namen bestehen – in Annaberg hörte ich allerdings öfters “Säbel”. Dieser soll von einer säbelförmigen Felsrippe am unteren Nordostkamm der Bichleralpe herrühren, die zwar momentan noch zwischen hohen Bäumen versteckt ist, aber sogar im Katasterplan von 1825 eingezeichnet ist!!! Es könnte aber auch noch eine andere Wurzel bestehen, nämlich Erinnerungen an Kriegszeiten wie beim Kriegskogel nahe dem Lahnsattel aus der Türkenzeit oder an die Epoche der Franzosenkriege, die auch in der Annaberger Chronik und Überlieferung (Sage von geisternden erschlagenen Franzosen beim Annakreuz nahe Reith) auftauchen.

Ausblick zum Göller und gegen Osten Richtung Gippel und Schneeberg

Panorama ins Mariazeller Gebiet und zum Ötscher

Die Beschreibungen im genannten Führer sind nach so langer Zeit überwiegend “historisch”. Die Bichleralpe von Josefsberg mit Rundtour über die Sabelstuben habe ich allerdings nach einer jüngsten Begehung mit Anni im Blog gebracht. Im alten “Ötscherland” steht sogar eine Tour von Werner “Von Friedenstein über den Ameisenkogel”, vielleicht bei Einheimischen schon, aber sonst kaum (mehr) üblich. Ich bringe nach einigen Bildern, die auf die Verwüstungen durch den Orkan Kyrill 2007 hinweisen, den meiner Ansicht schönsten Steig auf den Sulzberg.

Den Westkamm entlang bestehen noch immer "Windbrüche", und sogar vor dem Gipfelkreuz wurden einige Baumleichen liegen gelassen (wohl eher wegen der Grundgrenze und nicht als Erinnerung)

Der Ostkamm bis über den Kleinen Sulzberg wirkt wie abgeschoren!

Tour 208 (verfasst 1976):

Von Ulreichsberg:

Alter Almsteig bis zu den Kammflächen, landschaftlich hervorragnd, schönster Anstieg, 2 Std.

Damals sogar noch erwähnt: Zufahrt mit Postauto (nur in der Sommersaison) und anschließende Überschreitung nach Josefsberg oder Schmelz am günstigsten.

Vom nördlichen Ortsende (gegenüber der roten Markierung nach Türnitz) über den Rottenbach und westlich über die Weidefläche in ein kleines Seitental mit einer verfallenen Keusche. Am rechten Waldrand aufwärts und noch vor dem steileren Berganstieg rechts in den Fichtenwald, durch den ein guter Steig ziemlich flach in den Wiesengrund des vom Sulzbergsattel herabziehenden Grabens gelangt (in umgekehrter Richtung hier kurz vor ende der Wiesenzunge rechts in den Wald, etwas schwieriger zu finden!).

Im Graben auf einem Fahrweg mit kurzer Kehre steiler empor, und genau wo dieser wieder den Grabengrund erreicht, scharf links über die Böschung auf einen Steig. Diesem folgt man ansteigend in die freie Bergflanke mit schönem Blick auf den Tirolerkogel bis zum Kammrücken (oberhalb Felsstufen!), wo rechts ein deutlicher Steig abzweigt, der im teilweise recht abschüssigen Nordhang des Kleinen Sulzberges, zuletzt durch einen gut begehbaren Holzschlag, den “Sulzbergsattel” erreicht (ca. 1220 m, 1 1/4 Std., zwishen Großem und Kleinem Sulzberg gelegen).

Nun auf dem Waldrücken (Steigspuren) nordwestlich steil zum Hochflächenrand, der beiderseits dieser Route felsig abbricht, und auf die “Sulzbergalm”. Links haltend über diese wundervollen, von Wetterbäumen gesäumten Bergwiesen mit Rückblick auf Göller, Gippel und Schneeberg weiter (wegen des Wildes äußerst ruhig verhalten – Hirsche und Mufflons!).

Auf dem westlich abbiegenden Kamm (Achtung, Drahtreste eines Wildzaunes!) zum Gipfelkreuz (1400 m, 3/4 Std., 1970 errichtet) mit packender Fernsicht ins südliche Gebirge, im SW das Gesäuse mit dem Hochtor.

AB Ausblick zum Scheiblingberg, Hennesteck und Kögelberg vom freien östlichen Gipfelkamm

AB Ötscherblick vom Gipfel und "Rundumpanorama" (360 Grad)

Bei der Originalbegehung (1976) hatte ich übrigens ein ganz tolles Erlebnis (während meiner Tour marschierte übrigens Anni damals noch mit ihrer Mutter von Ulreichsberg nach Mariazell): Als ich den Wiesenboden der Sulzbergalm erreichte, stand vor mir in geringer Entfernung ein Hirsch mit riesigem Geweih. Schnell geduckt (leider nicht fotografiert, damals waren alle Bilder noch s/w) und gestaunt, was aber mit der Zeit etwas langwierig wurde, denn der Riese rührte sich nicht von der Stelle! Schließlich machte ich mich zögernd bemerkbar, aber erst nach einer Weile setzte der Hirsch in langen Sprüngen in den angrenzenden Wald…

Panorama vom östlichen Gipfelkamm ins Traisengebiet

Das waren also noch Zeiten ohne (zu) viele Forststraßen, die jetzt alle Waldgebiete zerschneiden, vom Erzgraben sogar bis auf den Kleinen Sulzberg führen (in einem meiner Bilder zu sehen)! Das letzte Bild (bevor ich in meinen anderen alten Erinnerungen krame) zeigt das Gebäude im Zentrum des neu (2013/14) im Lärchentrog eingerichteten “Wildschutzgebietes” – behördlich genehmigt, Betreten (sogar) der Forststraßen verboten! Und was fanden Anni und ich letzten Winter unmittelbar hinter dem Schranken einer Forststraße, gleich neben der in die Walster führenden Straße? Eine Menge von Tierkadavern, Gerippe, Fellüberreste… ich möchte das gar nicht erklärt haben, leider nicht fotografiert…

Zu hochsommerlichen Touren auf die Heimatberge komme ich eigentlich selten, denn zur heißen Jahreszeit sollte es eigentlich auch besser “hoch hinaus” gehen. Doch diesen Sommer ist alles anders, und die Tourenauswahl richtet sich eher nach den täglichen Wetterverhältnissen.

Göller vom Gsenger

Letzte Woche war täglich Hitze angesagt, aber die beschränkte sich eher auf den Westen, über den Voralpen hielten sich hartnäckig die Wolken – bis es am Samstag, 19. Juli, wirklich schön wurde. Was macht man bei heißem Wetter? Hoch hinauf – also Göller, und früh aufstehen – Abmarsch am Gscheid um 6.30 Uhr (hätte auch früher sein können).

Das schöne an der Route vom Gscheid – vom Auto weg auf einen Waldsteig und auf der ganzen Tour keine Forststraße! Das anfangs gemütliche Gelände könnte zum “Wegsprinten” verleiten, aber besser hält man sich etwas zurück und hebt sich  Energie für den Gipfelaufschwung auf. Der Waldboden ist üppig begrünt, und botanisch wandert man vom Hoch- in den Frühsommer. Türkenbund neben ersten Zyklamenblüten, überall das gelbe Rindsauge, weniger bekannt sind als Doldenblütler das Schmal- und das Breitblättrige Laserkraut und die Österreichische Bibernelle mit ihren vergrößerten Randblüten.

Braunrote Ständelwurz, eine hochsommerliche Orchidee

Zuerst gibt es immer wieder Flachstücke, und an die allmählich zunehmende Steigung gewöhnt man sich, sodass beim Abstieg erst auffällt, wie stark es bergauf gegangen ist! Der Nadelmischwald geht dann immer mehr in Rotbuchenbestände über, und wo Fichten stehen, treten Lichtungen mit Totholz auf.

Nach 1 1/4 Stunden bin ich bereits auf dem Gsenger, mehr als die halbe Höhendifferenz ist schon bewältigt, und nicht nur wegen einer kurzen Rast lohnt sich der kurze Seitenaufstieg auf die an der Ostseite steil und felsig zur Schindleralm abbrechende Kammerhebung.

Blick vom Gsenger auf den weiterführenden Kamm und den Göller-Haupthang mit den drei charakteristischen Rinnen

Erster Ötscherblick und der Gippel im morgendlichen Gegenlicht

Trotz mancher Lichtungen am letzten Stück auf den Gsenger, die ich gar nicht so ausgeprägt in Erinnerung hatte, ist dieses erste Wegstück vom Wald beherrscht und von der Blüte der Hochstaudenflora.

Alpendost und Alpenmilchlattich

Am weiteren Anstieg treten immer mehr Dolomitfelsen hervor, und auf dem steinigen Boden fallen die ersten subalpinen Pflanzen auf. Nach kurzem Steilstück folgt ein wunderhübscher Rasenkamm, bevor die letzten Wetterbäume zurückbleiben und es endgültig ins Krummholz hineingeht.

Ausblick vom Kamm nach dem Gsenger auf die Schindlermauern und die Traisentaler Voralpen

Wie später auf dem Gipfelplateau trifft man hier mitten zwischen den Latschen auf einen hochstehenden Wiesenboden, aber das ist ein letztes Flachstück, bevor der ernsthafte letzte Gipfelaufschwung angegangen wird.

Letztes Flachstück mit Ausblick gegen Osten, am Rand des steinigen Steiges blühen bereits viele Alpennelken und das leicht übersehene zarte Pflanzchen - die Simsenlilie

Der Wiesenboden wird im folgenden Steilanstieg unvermittelt von Dolomitschutt abgelöst, der zwischen den lückigen Rasen hervorkommt. Die spärliche Steigspur windet sich in kurzen Kehren über den Schotter höher, und wegen der interessanten Flora lohnt es sich durchaus, gleich weglos den Aufschwung anzugehen, was ich im Abstieg unternommen habe. Der abschließend wieder bessere Steig quert dann durch die Latschen nach links, plötzlich legt sich das Gelände zurück, und schon taucht das hohe Gipfelkreuz auf.

Der Rundumblick vom Göller ist ganz gewaltig, stehen doch alle Gipfel, die voralpinen wie auch die Hochalpen in Respektabstand aufgereiht. Allerdings ist der Fernblick hochsommerlich - leicht dunstig, was besonders gegen den Ötscher zu (mit Göllergipfelkreuz als Schatten) und zum Hochschwab auffällt. Gippel und Schneeberg stecken als Schatten im Gegenlicht.

Der hochstehende, üppige Wiesenboden auf dem Hochgöller überrascht wirklich – 1766 m – trotzdem wie eine Almweide, aber von Gemsen und Schneehasen besucht (der Losung nach zu schließen). Wo der Rasen spärlicher ist, stehen üppige Blütenpolster, vor allem von den Alpennelken, an den verblühten Exemplaren lässt sich noch erkennen, welche Pracht hier vor einigen Wochen noch geherrscht hat – Silberwurz, Großer Enzian, Clusiusprimeln, einige wenige Alpenanemonen.

Nach Silberwurz das Kopfige Läusekraut, an Orchideen die Höswurz und ein einziges gefundenes Kohlröschen!

Ich gehe noch über das Plateau bis zum Rand der südöstlich abfallenden Karlgrube, wo der Steig zur Göllerhütte hinab zieht. Auffallend die Namensverschiedenheiten – von den Schitouren mit meinem Vater her kenne ich den östlich vorgelagerten Gipfel als Kleinen Göller, jetzt heißt er nach der ÖK Roßkopf… aber das habe ich auch schon am Dürrenstein erlebt…

Dort blüht neben den Latschen auch der schönste Almrausch, und das Panorama über die östlichen Vor- und Hochalpen mit dem nahen Gippel ist ein Bild wert – allerdings eher bei klarer Sicht im Herbst und bei weniger Gegenlicht!

Für den gesamten Aufstieg habe ich samt Rast und Fotografieren 2 1/4 Stunden gebraucht, für den Abstieg sind es 1 3/4 Stunden. Mit all dem Herumstreunen auf dem Hochgöller komme ich gerade zurück zum Gscheid, als vom Marienkircherl die Mittagsglocken läuten… Ein “blumiger” Vormittag ist das gewesen, und auch als Tour war der Göller trotz gleichem Rückweg – mit wieder anderen Blickwinkeln! – respektabel, immerhin 800 Höhenmeter hinauf und hinunter.

Wie im gesamten Waldviertel, samt Südböhmen und der Wachau, sind wir schon wirklich viel gewandert. Ein Ziel – nämlich die Rosenburg – gibt es aber seit zehn Jahren einmal im Juli ohne Wanderung! Es sind die Shakespeare-Festspiele mit Alexander Waechter, die uns jedesmal wieder zu diesem malerischen Schloss locken.

Nur beim “Hamlet” waren wir nicht dabei, dafür 2012 gleich mit der ganzen Familie bei der Kindervorstellung. Heuer hat der Intendant befunden – Shakespeare im Shakespearejahr…. – genau weiß ich den Wortlaut des FS-Interviews nicht mehr; jedenfalls hat er es besser gefunden, das populäre Stück von Moliere zu bringen.

Nach 94 km Anfahrt von St. Veit an der Gölsen – wir wählen immer die früher angesetzte Sonntagsvorstellung, damit es beim Heimfahren noch heller ist – sind wir hier schon auf der Rosenburg gelandet. Die ersten Aufführungen (zumindest 2005) fand noch im Turnierhof statt. Nun ist das einem Zirkuszelt nachempfundene Theaterzelt neben dem Schloss aufgebaut, regensicher, zumindest ziemlich, deshalb können wir uns auch für die Rosenburg “erwärmen”…

Bevor es losgeht bleibt noch Zeit für einen Spaziergang in das Schloss hinein – martialisch geschmückt ist das Portal, der vor einigen Jahren angelegte Senkgarten ist schon hübsch verwachsen, wie überhaupt die ganz Anlage sorgsam gepflegt erscheint.

Vom Turnierhof, wo sich der Zugang für die Greifvogel-Vorführungen befindet (ein tolles Erlebnis für die Kinder 2012), geht man ganz romantisch in den Inneren Burghof mit seiner steingepflasterten Brücke, darunter der Fischkalter und ein neu angelegter Rosengarten.

Da ertönt schon das Signal für den Beginn der Vorstellung, schnell zurück zum Theaterzelt… wie jedes Jahr schöne Plätze in der ersten Reihe, nur – sind wir breiter oder die Sesselanordnung schmäler geworden? Wer diese Anordnung von Zuschauerrängen rings um die Bühne in der Mitte noch nicht gesehen hat, kann nur so staunen. Oder an einen Zirkus denken, denn der “originale Shakespeare” soll ja auch weniger eine “klassisches Theater” gewesen sein…

Kaum haben wir Platz genommen, geht es beim dritten Signal schon los! In das “Krankenzimmer” (heuer eine einfachste Bühnenform gegenüber anderen Jahren) tritt der jedes Jahr als ein Hauptdarsteller auftretende Bernhard Majcen als der “eingebildete Kranke” und kontrolliert seine Arztrechnungen…

Seine Gegenspielerin ist die Zofe Toinette, gespielt von der großartigen Nancy Mensah-Offei, die seit vorigem Jahr dabei ist. Hier im Bild mit der Tochter des eingebildeten Kranken Angélique, dargestellt von der liebreizenden (!) Antonia Sotelsek.

Sie liebt den Musiker Cléante – dieser heißt Lois Nostitz und ist Leadsänger von Bands und Komponist, und außerdem ist er ein fantastischer Schauspieler (wir werden bei seiner Pausenbeschäftigung noch beobachten…).

So entwickelt sich die Komödie lebhaft und amüsant, gespickt mit aktuellen Anspielungen auf das Mediziner(un)wesen, zügig weiter. Die schöne Angélique soll nach dem Wunsch des hypochondrischen Vaters einen Arzt heiraten – im Bild rechts oben verlockende Aussichten… Alexander Waechter als der Bruder des Kranken bemüht sich, diesen von seinem u. a. “Klistierwahn” zu befreien. Ganz toll kommen uns die mehreren Runden vor, die er auf dem Rad in der Arena dreht, noch dazu in der Schräge etwas bergauf und mit dem alten Gaul, sportlich… Da darf er sich in der Pause ruhig hinter den Kulissen zu einem Tratscherl niederlassen…

Wir oder ich als Paparazzi – empfehlenswert ist die Programmbroschüre mit den Profibildern! Mich wunderte, dass keine Hinderung an meinen (blitzlosen) Digitalaufnahmen zu bemerken waren…

Die Komödie löst sich nach allerhand Turbulenzen und pfiffigen Entwicklungen so auf, dass der Eingebildete Kranke selbst zum Doktor avanciert – köstlich die szenische Einfälle, bevor es nach nicht zwei ganzen Stunden an den Schlussapplaus geht.

Links der beabsichtigte doktorale Bräutigam und die elfjährige Alina Koch als Louison, die kleine Schwester der Braut - überaus talentiert und quirlig, die dem Vater hinterrücks gezeigte Lange Nase perfekt wie der ganze Auftritt!

Die drei schon genannten Hauptdarsteller!

Die Wetterverhältnisse waren ideal, der Besuch recht gut – aber sogar gute Sitze waren noch frei, kein Wunder – Finale der Fußballweltmeisterschaft… Uns hat es wieder sehr gut gefallen, einmal etwas Einfacheres, auch wenn die Shakespeare-Stücke auch immer mit mehr oder weniger Unterhaltungsfaktor gespielt waren. Wer uns abgegangen ist ? Natürlich Frau Erni Mangold, die Unübertreffliche! Insgesamt etwas weniger aufwändig als sonst (auch etwas kürzer, hätten leicht die noch auf volle zwei Stunden fehlende Viertelstunde vertragen, aber vielleicht wollte das Team auch schon “nach Brasilien”…).

Hoffentlich gibt es die Shakespearespiele auf der Rosenburg noch längere Zeit, es muss ja nicht so lang dauern, bis der Herr Intendant so vor seinem Publikum steht wie der alte Ritter in der Turnierhofmauer…

Übrigens habe ich während des Theaters das Konzert aus Brasilien anlässlich des Abschlusses der Weltmeisterschaft aufgenommen – eine volle Wucht, die Künstler ebenso wie das temperamentvolle Publikum. Für uns die beste Übertragung…. wie Barbara Rett im Vorspann bemerkte, auch das großartige ORF III ist nicht ohne Fußball ausgekommen.

Allerhand Dringlichkeiten (wie Marillen, Ribisel, längere Autopflichtfahrten und Projektarbeit) haben die Fortsetzung der Urlaubsberichte von Kirchberg in Tirol etwas verzögert. Heute will ich mit meinem Blog-Tourenbuch weitermachen, aber nicht mit dem Höhepunkt am Fronleichnamstag, sondern mit dem letzten Urlaubstag am 21. Juni.

AB Blick aus der Moorlandschaft am Pass Thurn gegen die Hohen Tauern im abziehenden Schlechtwetter, dazu die Moosbeeren-Blüte

Tagszuvor war pünktlich zum Sommeranfang eine Kaltfront durchgezogen, ganzen Tag regnete es, als ob die Kitzbühler Triathlon-Meisterschaften dasselbe Abbonement auf Regenwetter hätten wie das Wiesenfelder Sonnwendfest oder der St. Veiter Straßenlauf…

Als letztes Wunschziel dieser Urlaubswoche war uns nur mehr der Ausflug zum Pass Thurn geblieben, wo wir schon einige Male eine nette Runde machten, im Winter auf der Loipe und im Hochsommer mit einer Menge Eierschwammerl… Beides würde für diesen Tag nicht zutreffen, das war immerhin sicher, aber dass ein derart eisiger Nordwind trotz erster Sonnenstrahlen von der Kaltfront übrig bliebe – das hätten wir nicht erwartet!

Einstieg in den Nationalpark-Naturweg Wasenmoos

Parkplatz beim Breitmoos, wo die Gondelbahn von Hollersbach heraufkommt, aber keine Idee, bei dieser Kälte zur Resterhöhe hinauf zu fahren und dort oben zu wandern! Wir wendeten uns gleich dem vertrauten Weg in die Moormulde südöstlich vom Pass Thurn zu, und zu unserem Erstaunen trafen wir bald darauf den nun bereits einige Jahre bestehenden Naturlehrpfad an, den wir noch nicht kennengelernt hatten.

Im Wasenmoos

In einer eiszeitlichen Hangvertiefung hat sich dort ein Hochmoor gebildet, das bereits um 1800 und von 1901 bis 1963 abgebaut wurde, wie die ausführlichen Infotafeln berichten. So ist vom ursprünglich hoch aufgewölbten Torfmoor nur mehr ein flacher Rest übrig geblieben, der aber durch Latschenbewuchs, Sumpfflächen und rötliche Wassertümpel auch noch eindrucksvoll ist.

Geflecktes Knabenkraut und Alpen-Haarbinse

Der bestens angelegte Weg führt mit mehreren Beobachtungspunkten an den Südrand des Moores, wo ein Aussichtsturm mit Museumsraum errichtet wurde. Daneben stehen noch die Rollwagen für den Torftransport, und außerdem wird neben naturkundlichen Schautafeln auch von der Entstehung des Lehrpfades berichtet (aus einem Schulprojekt heraus, die Lage am Nationalpark hat daneben wohl dazu beigetragen, dass dieses Naturrest-Juwel noch erhalten geblieben ist und für Besucher erschlossen wurde).

AB Ausblick zu den Hohen Tauern und von Birken umgebenes Moorwasser

Zu unserer Überraschung gelingen nicht nur ein paar ansprechende Bilder, sondern auch noch eine gar nicht so geringe Blüte typischer Moorpflanzen:

Rundblättriger Sonnentau (ohne Blüten)

Die letzte Fieberkleeblüte des ausgedehnten Bestandes

Gewöhnliches Fettkraut (das Alpen-Fettkraut hat weiße Blüten)

Moor-Preiselbeere oder "Moosbeere" - die amerikanische Form ist als Cranberry sehr bekannt und beliebt, aber auch unsere heimische Moosbeere entwickelt aus den zyklamenähnlichen kleinen Blüten essbare rote Früchte

AB Zwergbirke - ganz selten zu finden (vielleicht hier neben dem Beobachtungsturm angepflanzt?) und auf dem Orangeroten Habichtskraut ein Kaisermantel - oder doch ein Perlmutterfalter?

Schließlich machen wir uns – fast etwas durchgefroren trotz Berggewand – wieder an den Rückweg und erleben die Moorwelt so ein zweites Mal, immer wieder etwas Neues zu entdecken!

Sumpf-Läusekraut

Am Ende des Lehrpfades befindet sich am nordwestlichen Rand des Moorbeckens ein Quellaustritt, und dadurch hat sich dort kein nur aus den Niederschlägen gespeistes Hochmoor, sondern ein Flachmoor entwickelt. Diese Bucht ist völlig mit Sumpf-Schachtelhalm bewachsen, und auf den nicht so ausgeprägt moorigen Flächen blüht der Arnika.

AB Einblütiges Wintergrün oder "Moosauge"

Beim Rückweg zum Parkplatz an der Pass Thurn-Straße entdecken wir im Hochwald noch ein kleines und nicht allzu häufiges Pflänzchen, das aus dem Ameisen-Blickwinkel besonders nett wirkt. Insgesamt ein schöner Urlaubsabschluss, aber einen botanischen Höhepunkt gibt es noch zu berichten – den Alpengarten auf dem Kitzbühler Horn!

Bei unserem letzten Schiurlaub sind wir an einem Rasttag rund um den Wilden Kaiser gefahren und haben beim Walchsee nahe Kössen und rund um den Hintersteiner See bei Scheffau auch eine Wanderung unternommen. Jetzt im Sommer (18. Juni) sollte es aber “ins Herz” des Kaisergebirges gehen!

BB Griesner Alm

Die Zufahrt führte über St. Johann und den Sattel bei Gasteig zum Eingang des Naturschutzgebietes Kaiserbachtal in der Griesenau. Ein paar Kilometer Asphaltstraße (mit geringer Maut) leiten dann in die Hochgebirgslandschaft hinein. Zur Rechten Alm- und Latschenhänge, links ragen bereits die riesigen Kalkklippen in den Himmel hinauf. Bei der Griesner Alm mit Gaststätten und Kiosk und allem Zubehör eines beliebten Ausfluszieles ist bei weiträumigen Parkplätzen Schluss mit der Autofahrt. Wochentags ganz moderat, aber an freien Tagen muss hier allerhand los sein!

BB Die östlichen Felsgipfel des Wilden Kaiser, wohl Ackerl- und Maukspitze

Vom hohen waagrechten Felssaum im Talschluss schaut das Stripsenjoch Haus herunter, wohl das beliebteste einfache Wanderziel hier im Kaisertal, denn an der Südseite geht es überall höchst schroff hinauf zu den Klettergipfeln. Für uns, die wir ja noch mehr an diesem Tag vorhaben, ist die Schutzhüttenwanderung ideal – ein gut ausgebauter Weg mit packenden Ausblicken, Höhenunterschied gerade über 500 m, dazu sonnig-lüftiges Wetter. Also machen wir uns an den Aufstieg.

AB Blick ins Kaiserbachtal von den Bergwiesen an der ersten Wegstrecke

Zuerst geht es an riesigen Rotbuchen vorbei aus dem tief gefurchten Kaiserbach hinaus und in Kehren die blumigen Bergwiesen hinauf. Doch schon berrühren wir einen aus den Wänden herabkommenden Schuttstrom (im Internet als “Russenleiten” bezeichnet, was das wohl bedeuten soll?). Dann folgt zunehmend steiler Bergwald mit überwiegenden Rotbuchen, vom Steig in etlichen Serpentinen bewältigt. Am oberen Waldsaum stehen wir wieder neben dem mit Riesenblöcken und Schutt angefüllten Wildbach und sind schon am Rand des alpinen Geländes angekommen.

BB Der Predigtstuhl wirf seinen zackigen Schatten über die Steinerne Rinne hinweg an die Fleischbank-Ostwand

BB Zum Ellmauer Tor hinauf öffnet sich die Steinerne Rinne

Die Felslandschaft ist wahrlich gigantisch (ich hoffe, nach der Karte die richtigen Bergnamen gefunden zu haben)! Unser breiter Weg zieht aber im Vorfeld der Wände und Kare zügig bergwärts und führt dann den Wildanger entlang – herrliche Trollblumenblüte! Auch so blüht allerhand, u. a. der Bergbaldrian wie in Annis Bild.

Nun kommen wir schon in die Latschenfelder, und der schrofige Schlusshang rückt immer näher. Unglaublich, wie geschickt sich der Weg in Kehren zwischen Schutt, Felsvorsprüngen und steilem Rasen hinauf windet. Es sind gerade 1 1/2 Stunden vergangen, da sind wir schon vor der Stripsenjoch Hütte auf 1577 m Höhe angelangt. Eigentlich ist es eine Gruppe von sichtlich auf schlimmstes Wetter abgestimmten Berghäusern, die sich schlicht “Hütte” nennt. Für die Nordseite des Wilden Kaisers wohl der Hauptstützpunkt für die Kletterer, auf die aber auch ein Klettergarten am nahen Stripsenkopf, gegenüber den ganz hohen Routen der Nordwände, wartet.

AB Bergwiese mit Trollblumen und Storchschnabel hinter der Stripsenjoch Hütte

Wir halten unsere “Zielrast” in der Blumenwiese oberhalb der Hütte mit herrlichem Blick ins westliche Kaisertal und auf die Felsgrate am Totenköpfl. Wo aber soeben noch himmelblaue Löcher die Mittagswolken durchsetzten, wird jetzt das Gewölk immer dichter. Obwohl weder Regenschauer noch Gewitter drohen, machen wir uns doch bald an den Abstieg, nicht ohne vorher noch das berühmte Fotokreuz des Stripsenjochs anvisiert zu haben. Wohl kaum einer der berühmten Bergfotografen, wie etwa Heinz Müller-Brunke, hat dieses Motiv nicht festgehalten, na ja, wir erst recht, wenn auch nicht so kunstfertig und nur als Schnappschuss während der Wanderung…

AB Predigtstuhl und Fleischbank vom Stripsenjoch

BB Oberhalb vom Stripsenjoch Haus

BB Der hohe Grat am Totenköpfl

BB Stripsenjoch-Kreuz mit Predigtstuhl

Der über die Grate streichende Wind wird mit den spärlicheren Sonnenstrahlen zunehmend frischer, und so machen wir uns rasch an den Abstieg, der bei einem plötzlichen Regenguss oder Gewitter gar nicht angenehm wäre, so mitten durch die Schuttrinnen und Schrofen. Aber es bleibt schön, und bald nehmen wir die Wegkehren entlang des Wildangers nicht mehr so eilig in Angriff.

AB Verblühter Alpen-Milchlattich

BB Der "Riesenrachen" der Steinernen Rinne, gespenstisch - wenn man sich das Bild aufgestellt denkt, sicher eine gigantische tektonische Struktur in den steil stehenden Kalkklippen

AB Kar unterhalb der Steinernen Rinne

Vom Wildbach, der aus dem Kar unter der Steinernen Rinne kommt, geht es wieder in den schattigen Bergwald, und eine Menge Kehren sind noch zu bewältigen, bis wir bei der Griesner Alm ankommen.

BB Gipfelblick aus den Wäldern des Kaiserbachtals bei der Griesner Alm

Am frühen Nachmittag fahren wir schon wieder durch das Kaiserbachtal hinaus zur Griesenau und wenden uns auf der malerischen Strecke nach Norden Richtung Kössen. Diese Landschaft im “Kaiserwinkel” ist höchst malerisch und liegt schon nahe der Grenze zu Baiern bzw. zum Chiemgau. Unser Nachmittagsziel ist der Walchsee – diesmal allerdings nicht “bewandert”, sondern mit einer schon ersehnten Kàffeepause (oder sollte es für uns hier eher exotisch wirkende “Össis” besser Caféjause heißen?) in einem gut besuchten Ferienhotel samt Badestrand. Frisch gestärkt bewältigen wir nachher zügig die restliche “Kaiserrunde” über Kufstein zurück nach Kirchberg.

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