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… am Wahltag 29. September 2019 – müsste dem Wahlergebnis nach eigentlich “Türkisberg” heißen, auch ist die wunderschöne Runde vom Schwarzenbacher Gscheid aus echt eine KURZ-Tour, steiler Aufstieg in weniger als einer Stunde und danach über Alm und Waldgelände (etwas ausgeklügelt) zurück zum Ausgangspunkt.

Die beiden gegensätzlichen Panoramen zeigen allein schon den besonderen Reiz des Schwarzenbergs – Ausblick gegen Süden in Richtung Hochalpen (von links: Göller, Tirolerkogel, winzig am Horizont Hochschwab – Gemeindealpe – Ötscher hinter dem vom Kögelberg beherrschten Waldhochland Richtung Annaberg / Idealblick der Voralpen von den Thorstallwiesen auf Türnitz, dahinter Muckenkogel, Reisalpe, Unterberg, Türnitzer Höger, Traisenberg, das Eibel schiebt sich dann noch in den Vordergrund.

Von der Sattelhöhe des Schwarzenbacher Gscheids (Parkplatz der Straßenmeisterei, im Sommer frei) neben der Baumzeile auf den südlichen Wald zu, dort leicht rechts hinein (aber nicht zu viel) auf eine gar nicht so schwache Steigspur, sogar mit einer älteren Markierung. In einigen Kehren zieht dieser Steig den sehr steilen Waldhang hinauf, nirgends zu verfehlen, und wendet sich zuletzt rechts zur Kehre in etwas weniger steilem Gelände (hier einzelne rot aufgespritzte Wegmarken). Nun wird es interessant, denn wir befinden sich im Bergbaugebiet des Schwarzenbergs, wo vom 18. zum 19. Jahrhundert Blei und Zink gefördert wurde. Nach Annaberg geführt, wurden dort in der SCHMELZ die Erze verarbeitet (der Annaberger Ortsteil Schmelz entstand schon in Maria-Theresianischer Zeit nach Entdeckung der Silbervorkommen auf dem Hocheck).

Gut zu erkennen die Abraumhalde eines Erzstollens!

Der Weg ist hier breiter und mit Steinen geschlichtet.

Knapp neben dem Steig eine Erzgrube und das alte Stollenloch.

Die geologischen und historischen Anmerkungen sind in meinen Führern zu finden, speziell in der Heimatkunde (seinerzeit bei Jugend & Volk erschienen und der “Überbau” zu den Wander- und Landschaftsführern vom NP-Buchverlag bzw. NÖ Pressehaus St. Pölten).

Der Steig führt aus dem Wald hinaus ins Schlaggelände, quert recht gut ausgetreten einen Forstweg mit Ausblick ins Pielachtal bzw. zum Eisenstein und erreicht kurz danach die Gipfelmulde mit dem schon sichtbaren Kreuz und Rastplatz.

Das Wetter ist ideal, ein Föhntag mit klarer Sicht und angenehmer Temperatur für die Gipfelrast! Der Ötscher schaut über das Waldhochland her, und hinter dem Göller und dem Hochschwab stauen sich die von Süden herandrängenden Wolken.

Beim Abstieg über die Almwiesen wird erst so richtig deutlich, wie trocken es heuer ist. Trotzdem ist noch das Weidevieh aufgetrieben und hält sich um die Almhütte mit dem Brunnen auf, lauter Mutterkühe mit ihren Kälbern und Galtvieh, die sich aber kaum stören lassen. Von der Hütte voraus bergab in die Mulde (nicht auf der Forststraße) kommt man zu einer bei Höhlenforschern berühmten Schachthöhle unter mächtigen Rotbuche. Uns interessiert links davon am Waldrand der ausgetrocknete und begrünte Rest einer ehemaligen Tränklacke (als Rechteckfläche und von Farnkraut umgeben leicht zu erkennen). Denn dort geht ins links in den Wald hinein zum alten Treibsteig, der uns die weite Kehre der Forststraße erspart. Im Gegensatz zu unserer letzten Tour ist dieser gut erkennbare Karrenweg nicht durch Windbruch versperrt, diesmal zwar ein forstliches Sperrgebiet, aber schon von den gefällten Riesenfichten freigemacht. Den Arbeitsspuren nach geht hinaus zum Rand der Thorstallwiesen, wo gerade die Kinder vom Glasberger in einem Baumwipfel herumturnen, während der Vater beim Holzmessen beschäftigt ist. Als sie merken, dass wir über die Wiesen weitergehen wollen, rufen sie uns noch zu: “Dort sind die Kühe!” (echt ohne Mundart!). Wir müssen aber ohnehin auf dem Fahrweg weiter, der den tollsten Blick auf Türnitz eröffnet. Erst vor dem nächsten geschlossenen Wald steigen wir links über die Wiese hoch zu unserem Übergang Richtung Gscheid – der Sattel ist diesmal sogar markiert – durch einzelne dürre, vom Borkenkäfer befallene Fichten, sogenannte Käferbäume, heuer im Waldviertel fast schon eine Katastrophe, hier in den Voralpen zum Glück noch weniger auffallend.

Auf diesen Wiesen erfreut uns die einzige Krokusart unserer näheren Umgebung – es sind zahlreiche voll aufgeblühte Herbstzeitlosen! Die Bauern haben keine Freude damit, als Fotograf sind sie echt ein Hit in dieser schon recht blütenarmen Jahreszeit. Über den Sattel mit den Käferbäumen hinweg, erwartet uns aber noch eine größere und sogar (im Gegensatz zu den schwer giftigen Herbstzeitlosen) genießbare Überraschung – zuerst noch giftig und eigentlich ein Hinweis auf Herrenpilze (gibt es allerdings nicht), danach die “Schnitzelhüte” der Parasole, die wir abends noch verspeisen…

Anni meint immer wieder einmal – was sie fotografieren soll, wenn ich wie ein Wilder herumschieße!

Aber die beiden Parasolbilder zeigen ganz deutlich, wie gut es ist, nicht auf einen Fotoblick angewiesen zu sein (Anni hat sich sogar unter den Schirm geduckt).

Der Routenverlauf unter den Felsen des Schwarzenbergs und durch die (auf Lunzer Schichten, wo ein Pilzfinder vielfach “geschnitten” hat) feuchte Hangmulde hinauf zum Gscheid geht erst auf meine Begehungen für das letzte Voralpenbuch zurück. Dieses Stück zieht sich noch etwas, weil am Ende der Tour bergauf, aber immerhin durch die extreme Trockenheit nicht so gatschig wie sonst. Vorher gibt es nahe der putzigen Jagdhütte noch ein malerisches Herbstbild als Ausklang für diesen bergigen Wahltag!

Gemeint ist der Hochstadelberg zwischen dem Annaberger Lassingtal und Wastl am Wald.

Nicht gemeint sind der Idealblick auf den Ötscher und das Panorama bis zu den Hochalpen – sondern der “Minisee” (eigentlich eine kleine Lacke) zwischen dem Westgipfel mit dem Kreuz und dem Ostgipfel mit Rastbank und Gipfelbuch:

Doch zuerst der Reihe nach – am 20. September – Schwammerlkontrolle vergeblich… Daher, wenn schon an Ort und Stelle, gleich hinauf zu unserem kleinen Lieblingsgipfel (übrigens mein erster Tausender vor SIEBZIG Jahren, mit Karl Reitmayr und den Erlaufbodner Buben).

Am Parkplatz stehen schon mehrere Autos, alle Wanderer schon unterwegs zur Anna-Alm, für die der “Stadelberg” eigentlich nur ein Irrweg oder ein kleiner Abweicher ist. Die Wegstücke abseits der Forststraßen sind viel begangen und stark ausgetreten, nur der alte Steig über den Schlag hinauf (Abkürzung der Forststraßenschleife) beginnt schon immer mehr zuzuwachsen. Im oberen Wald, neben dem Steig zum Gipfelkamm wurde etwas gerodet, aber “keine Schwammerl angebaut” – weder auf den hier eingestreuten versauerten Heidelbeerböden noch auf den saftigen Moospolstern.

Im Gipfelbuch finden sich bei diesem schönen, fast spätsommerlichen (aber nur in der Sonne!) Wetter fast jeden Tag Eintragungen. Heute wäre der richtige Termin für ein Gipfelpicknick, doch haben wir überhaupt nichts dazu mitgenommen. Schade, so bleibt nur der Genuss der weithin klaren Aussicht… und der Weiterweg. Etwas hat sich geändert hier heroben, denn der Waldrand wurde gleich neben dem Kreuzgipfel ein Stück abgeholzt, und ebenso sind in der folgenden Gipfelmulde einige der Riesenfichten entfernt worden. Erstaunlich, dass die Mulde zum kleinen Teich hinab – für uns das “Wunder vom Stadelberg” – sogar abgemäht wurde. Die Wollkopf-Kratzdisteln sind daher dort frisch aufgewachsen noch gar nicht verblüht und außerdem meterhoch, wenn´s stimmt, deutet das wieder auf einen schneereichen Winter hin.

Dass auf dieser Höhe ein gar nicht so kleines Gewässer sich gebildet hat, wirkt wirklich erstaunlich, denn der gesamte Gipfel besteht ja aus Gutensteiner und Reiflinger Kalk. Allerdings haben diese Kalke einen wohl nur leichten tonigen Anteil, der bewirkt, dass sich beim Verwittern sogar ein lehmiger Boden bilden kann. Auf ähnlichen Gipfeln der Lilienfelder Alpen hat man sogar (unter Zuführung von Lehm) die typischen Tränklacken angelegt: In einer (mit den Boden verdichtenden Lehmschichten versehenen) Mulde wurden Rinder  so lang im Kreis getrieben, bis der Untergrund relativ wasserdicht war und das Regenwasser festhalten konnte (berichtete mir einmal ein Bauer aus Obermitterbach). Hier ist die nordseitige Senke zwischen den beiden Stadelberggipfeln anscheinend ein durch die Gesteinsschichtung begünstigter Quellhorizont, in dem kaum bemerkbare Quellen oder einfach das gipfelnahe Grundwasser hervortritt – paradoxerweise höher oben nahe dem Sattel die gar nicht so kleine Lacke bildend (trocknet anscheinend nie aus, obwohl eher seicht) und anschließend bergab eine sumpfige Rinne. Libellen schwirren da herum, außergewöhnliche Pflanzen konnten wir aber (noch!) nicht beobachten. Der Alpenrachen / Tozzia alpina wächst nämlich auch die Hänge hinauf und eher nicht im sumpfigen Gelände, die Orchideen halten sich  an den felsigen Gipfelhang. Ob im Winter oder wie heute an einem strahlenden Herbsttag – die Stimmung bei dieser Lacke hat immer etwas Besonderes, gerade zur Mittagszeit, wenn sich die noch hochstehende Sonne im grünlich oder schwärzlichdunkel schimmernden Wasser spiegelt.

Nachdem ich im heurigen Frühjahr das südliche Niederösterreich in Bezug auf Naturschätze durchgearbeitet habe, ist geradezu angeraten, besonders die drei Viertel im Norden und Osten wieder “aufzufrischen”. Denn seit den intensiven Touren dort, etwa für das NATURERLEBNIS NÖ ist es schon recht lange her. Für Mittwoch, 4. September, war mit dem ausgezeichneten Wetterbericht also schon eine solche Tour fällig. Sollte es das südliche Waldviertel sein, um die neuen E-Bikes wieder zu mobilisieren? Oder vielleicht doch etwas ganz anderes, so nach dem auf dem Fulseck gekosteten Vorgeschmack? Nun, wir entschieden uns für das zentralalpine Stück im Südosten, noch dazu, weil ich Bilder von dort erst mühsam für einen Beitrag in letzter Zeit zusammensuchen hatte müssen. Und außerdem gab es im neuen SCHAUFENSTER der Volkskultur gerade meinen Blumenartikel über das Heidekraut…

Erster Schritt bei der Abfahrt – Jause bei “Baldrian” (Bäckerei Elisabeth Käppl) gekauft, dann durch das endlose Triestingtal zur Südautobahn, wo es recht flott bis ins Aspanger Tal weiterging. Die Landschaft bei Feistritz und Kirchberg am Wechsel schon länger nicht gesehen – wirklich anmutig – Voralpen in den Zentralalpen… Durch den Molzbachgraben dann auf der schmalen Bergstraße hinauf zur Steyersberger Schwaig, Überraschung – großzügig als Langlaufzentrum für die Panoramaloipe eingerichtet und voll stark besucht. Eigentlich war die Zufahrt dann doch nicht so lang erschienen, wie sie tatsächlich ist (kein Wunder, dass wir lieber ins Waldviertel oder ins Mariazeller Land fahren als in die südöstliche Ecke des Landes).

Das Wetter ist wirklich voll passend, klarer Himmel und Fernsicht (wenn auch etwas dunstig), vom Morgen her kühl mit angenehmer Tageswärme und dazu ein leicht frischer Südostwind. Schwalbenwurzenzian blüht, am Wegrand die hübschen “G´sichterl” vom Augentrost. An der gut besuchten Kranichberger Schwaig vorbei ist bald das Dreiländereck erreicht, nun geht es auf dem alten Bergweg den Schöberlriegel hinauf, begleitet von den Fichten der oberen Waldzone, dazwischen vielfach Heidelbeerstauden und die niedrigen Zwergstrauchheiden von Gämsheide (Blüte leider im Frühsommer versäumt) und Krähenbeeren. Sogar einen einzelnen Herrenpilzwinzling entdeckt Anni am Wegrand.

Die Pfade über den Hochwechsel sind typisch für “Urwege”, die seit ältesten Zeiten über das sanfte Gebirge nach Süden führten – abseits des “Hartbergs” bei Mönichkirchen und dem seit dem Mittelalter geförderten Semmeringpass. Eigentlich wirken sie wie seichte Hohlwege, die sich durch ihren mit abgerundeten Steinen wie gepflasterten Grund von den daneben entlang ziehenden kargen Silikatrasen (Bürstling u.a.) und Zwergstrauchheiden abheben. Zuerst am Schöberlriegel entlang, dann auf dem breitflächigen Umschussriegel wandert man über ausgebleichte Wiesenböden und zwischen darin eingelagerten dunkelgrünen, sich schon allmählich ins Rötliche verfärbenden Heidelbeerbüschen. Über der weitläufigen Höhenlandschaft wölbt sich ein der Himmel in unglaublichem Blau, einzelne Haufenwölkchen wirken wie darin schwimmende Schiffchen, und am Horizont tauchen die Alpengipfel auf – Rax und Schneealpe, dann der Schneeberg, und im Süden erkennt man das Steirische Randgebirge mit Hochlantsch und Schöckel.

Hier an der Waldgrenze befindet sich die eigenartigste Landschaftsszenerie und Pflanzenwelt des zentralalpinen Wechselgebietes, wie man sie in den Nordalpen nur auf den Schieferbergen der Grauwackenzone (etwa Turnauer Alm) finden kann. Die nur mehr bescheidene Wuchshöhen erreichenden Fichten haben häufig einen sogenannten Teppichwuchs mit am Boden ausgebreiteten untersten Ästen, aus den Rasen- und Heideböden stechen immer wieder Gneisblöcke hervor, meistens eigenartig abgerundet ähnlich den Waldviertler Wackelsteinen. Kaum eine Mulde ist trocken, denn abseits des Kammrückens sickern immer wieder kleine Rinnsale aus dem blockigen Grund, bilden spärliche Bachläufe oder verrieselnde Quellen und durchsetzen den Wald- und Almboden mit sumpfigen Stellen. Jetzt im Herbst blüht natürlich kaum mehr etwas – außer dem Heidekraut (Calluna), daneben fruchtende Heidel- und Preiselbeeren, spärlicher Rauschbeeren, Krähenbeerenfrüchte waren keine zu sehen, dafür die Blattrosetten der Arnika. Wenn man den Nordhang in der flacheren Zone unter dem Hochwechsel hinüberquert zum Wiesenhang oberhalb der Marienseer Schwaig, wird ein besonders intensiv ausgeprägtes Areal dieser zentralalpinen Block-Heide-Feuchtmulden durchquert. Dort gibt es dann sogar seltene Arten von kleinwüchsigen Weideröschen, Felsgruppen, trockene Stellen mit Bärlapp und verschiedenen Flechten (Rentierflechte und Isländisches Moos). Gemeinsam mit Prof. Karl Oswald ist diese eigenartige Gipfelflur im “Naturerlebnis NÖ” (Residenzverlag 2000) dokumentiert.

Vom schon nahen Hochwechselgipfel mit dem Wetterkoglerhaus blinken die dort abgestellten Autos herunter, wir wollen aber lieber abseits des durch die Mautstraße vom Steirischen her vielbesuchten höchsten Punktes bleiben und lassen uns daher auf dem im letzten Bild gezeigten Platzerl nieder – eine angenehme Mittagsrast mit Blick über den weiten Wechselkamm gegen Osten. Für den Abstieg bietet sich später der am Dreiländerweg abzweigende Forstweg durch die Wechselgrube an – neuerdings als Gegenstück zur Panoramaloipe als WEXL TRAIL eine bezeichnete Mountainbikeroute, die ganz schön frequentiert ist und von Mönichkirchen bis zum Feistritzsattel zieht, sogar hier herauf zum Wetterkoglerhaus (allerdings ziemlich holprig). Die Böschungen sind hier durch die Heidekrautblüte ebenso attraktiv wie der Blick über das Marienseer Tal gegen den Kampstein und die Berghöfe von Innerneuwald und St. Peter am Wechsel.

Die Wanderung geht ganz gemütlich zu Ende, allerdings ohne die erhoffte Beute an Heidelbeeren und Pilzen, und endet nach der Talfahrt durch den Molzbachgraben in Kirchberg am Wechsel. Womöglich ist Mittwoch nachmittags großer Ruhetag in diesem sonst recht netten Ort, aber kein einziges Gasthaus ist geöffnet, weder die “Tausendjährige Linde” noch der “Grüne Baum” oder der “Stiegenwirt”. Auffallend am kleinen Marktplatz die alten Fassaden mit Spruchband von 1913, eher dem nationalistischen Pfarrer Kernstock zuzuschreiben….  also machen wir uns ungestärkt an die Heimfahrt, dichter Verkehr auf der Südautobahn, aber zum Glück kein Stau… Als wohl letzter Tag des heurigen sonnigen und trockenen Almsommers hätte diese Tour nicht passender sein können und frischt die Erinnerung an die Wandererlebnisse dort wieder auf!

In Kärnten sagt man zum Schwammerlsuchen meist “klauben”, sonst geht es eher um Jagd auf Pilze (viel zu oft im Konflikt mit den Jägern und Waldbesitzern), während für Heidelbeeren das “Sammeln” besser passt. Bei einem Bergurlaub mit gemischtem Wetter kann das zum zeitfüllenden Zeitvertreib geraten, so etwa bei unserem letzten Tag im Gasteiner Tal am 22. August. Wie am ersten Urlaubstag zeigte sich das Wetter (wenn auch nicht so ganz) freundlich, also endlich hinauf in Gipfelhöhe, aber leider nicht mit der neuen Schlossalmbahn, sondern wie schon oft bewährt auf das Fulseck bei Dorfgastein.

Nach dem leicht regnerischen Vortag hatte sich über Nacht ein Nebeldecke ins Gasteiner Tal gelegt. So verschwanden die Seilbahngondeln bald oberhalb der Talstation in den Wolken, um sie unterhalb des Gipfels zu durchstoßen – ein Nebelmeer bedeckte die Täler unter uns, aber oberhalb dehnte sich ein ziemlich klarer und föhnig gestimmter Bergraum mit prachtvoller Fernsicht. Das Fulseck als einzeln stehender Höhepunkt in dem nordwärts auf den Schuhflicker (dort die Klammkalke des Tauernfenster-Rahmens) ziehenden Kamm, ist wirklich ein grandioser Panoramagipfel!

Panoramen: 1. Bild = Hohe Tauern zwischen Ankogel und Großglockner, 2. Bild = Dachsteingruppe und Radstädter Tauern, 3. Bild = gegen Norden mit Schuhflicker, 4. Bild = Goldberggruppe mit Scharek und Hohem Sonnblick

Der Großglockner ist gerade noch frei, ebenso das Wiesbachhorn, bevor diese Giganten sich unversehens einen kleinen Wolkenschal umgürten!

Die Nebeldecke liegt in den nordseitigen Tälern etwas tiefer als im Süden, daher brandet mit dem Südostwind vom hintersten Lungau und Murwinkel das Weiß wie ein Wasserfall über den Tauernkamm, ein noch kaum jemals gesehenes und hier überhaupt trotz vieler Besuche noch nie erlebtes Phänomen! Die Hauptbeschäftigung bei der Kammwanderung leicht bergab Richtung Arltörl besteht daher aus Fotografieren…

Vor dem letzten steileren Stück hinab zum Arltörl quert ein Almzaun den Bergrücken, und hier finden wir rechts abseits die ergiebigsten Heidelbeerreviere. Allerdings brocken / sammeln wir händisch, also nicht mit einem “Reffel” (was ja eigentlich verboten ist), sondern einzeln mit den Fingern. Das dauert halt seine Zeit, und daher ist schon Mittag vorbei, als wir wieder zur Bergstation hinaufwandern. Unser Sammel- und Jägertag ist aber noch nicht zu Ende – denn nun folgt die Talfahrt, und zwar nur bis zur Mittelstation. Dort warten nämlich die feuchten und teilweise steilen Bergwälder auf uns mit ihren Schwammerlschätzen! Es lohnt sich auch dieser Zwischenstop, die Eierschwammerl werden zwar entgegen dem Wochenanfang schon etwas weniger, dafür gibt es ganz schöne und frische Herrenpilze. So schließt dieser “Bergtag mit Technik” für uns zu vollster Zufriedenheit!

Dieser wie alljährlich um oder nach Mitte August angesetzte Hochsommerurlaub fällt mit meinem Geburtstag zusammen. “Vermischt” war er heuer in mehrfacher Hinsicht: Zunächst kein “runder”, sondern die angebliche Glückszahl 7 nebeneinander (ganz schön fortgeschritten, so dass man sich jedes der kommenden Jahre nach Möglichkeit vorausschauend, aber doch unsicher, einplanen sollte). “Vermischt” war auch das Wetter – der erste und der letzte Tag einer Woche prima bis annehmbar interessant. “Vermischt” waren die Urlaubsorte – Bad Hofgastein und München…

Samstag und Montag, 17. und 19. August – ANGERTAL

Gleich nach der Ankunft (Zufahrt nicht über Salzburg, sondern durch das Ennstal mit nostalgischem Stop in Altenmarkt) eine erste Waldtour – es gibt Pilze! Nach dem herrlichen Badetag beim Teich in der Alpentherme Bad Hofgastein war wieder das Angertal als Standardziel dran – diesmal bis zum Angergrund und mit einer botanischen Überraschung – dichte Bestände vom Straußfarn / Matteuccia struthiopteris – so kompliziert der lateinische Name, so leicht eindeutig zu identifizieren. Die Sporangien befinden sich nämlich (nur?) bei dieser Art nicht auf der Unterseite der Farnblätter, sondern in einem eigenen Trieb in der Mitte der trichterförmigen aufragenden Farnwedel. Bemerkenswert auch der Jäger-Gedenkstein, für den man einen Kalkblock mit Korallenstock wohl aus dessen Heimat hergeholt hat.

Dienstag, 20. August – ANLAUFTAL

Dieses auf den Ankogel zulaufende schluchtartige Tal im Nationalpark Hohe Tauern hatten wir schon einmal durchwandert. Damals war die Radeckalm allerdings noch ein beliebtes Ausflugs- und Einkehrziel, nun ist es “privat” – wohl ein Jagdhaus der Bundesforste für betuchte Gäste. An Wild haben wir allerdings nur eine Rehfamilie gesichtet. Dafür war uns gar nicht in Erinnerung, wie großartig wild das Anlauftal sich präsentiert – hochgetürmte Felsmassen der Höhe zu, am Fuß der steilen Waldhänge ein uriger Fichtenbestand auf dicht mit Moosen und Farnen bewachsenen Granitblöcken, daneben braust der Wildbach über die engen Stufen bzw. hat er flachere Böden mit Schuttmassen aufgefüllt, aus denen die verbliebenen Baumstämme bizarr herausragen. Neben dem Fahrweg gab es noch ausgedehntere Bestände des Straußfarns als im Angertal, und als Besonderheit fanden wir mehrfach fruchtende Blau-Heckenkirschen / Lonicera caerulea, typisch für frische, saure Nadel-Block-Wälder (leider nicht gekostet, soll ähnlich wie Heidelbeeren schmecken, die wir aber andernorts reichlicher fanden). Auf etwa halber Strecke zweigt der Steig zum Korntauern mit dem Hannoverhaus und dem Römerweg ab (schon auf der Südseite von der Ankogel-Seilbahn aus begangen, vom Anlauftal aus für uns etwas zu anstrengend….). Hinter der Alm endet die zuletzt steinig-holprige Zufahrt, der weiterführende Steig war durch Baumbrüche versperrt, aber neben dem genug Feuchte liefernden Wildbach (in diesem trockenen Sommer wichtig) gab es eine Menge Eierschwammerl und sogar Herrenpilze – diese  zum Geburtstagsmenü paniert aufgetischt, köstlich!). Mit dem Rückweg zum Parkplatz gleich neben der Einfahrt des Tauerntunnels ergab dieser Tag eine ganz schöne Wanderstrecke, wobei es bei diesem Gasteinaufenthalt nicht einmal auf die Schlossalm ging, weil die Berge meist in Wolken steckten.

Donnerstag, 22. August – FULSECK

Nach dem etwas verregneten eigentlichen Geburts-Tag versprach das Wetter endlich einen abschließenden Sonnenblick! Als letzte Gelegenheit wählten wir nicht die Schlossalm, sondern das für uns  sogar etwas reizvollere Fulseck bei Dorfgastein. Während der Auffahrt stießen die Seilbahngondeln durch den dichten Hochnebel, und oben am Gipfel erwartete uns eine tolle Szenerie, wie wir sie dort (anderwärts natürlich schon öfter) erlebt hatten – ein Nebelmeer über den Tälern, die Gipfel von Hohen und Niederen Tauern samt den Kalkalpen zwischen Wildem Kaiser und Dachstein in föhnig klarem Licht! Sogar der Glockner wartete ungetrübt auf unser Foto, ehe er sich einen Wolkenschal umhing…

Unser Fulseck-Programm mag manche Bergfreunde erstaunen (wir haben natürlich von dort aus auch schon den Kalkgipfel Schuhflicker bestiegen und sind vom Arltörl talwärts gewandert): Nach dem Gipfelrundblick auf dem einmalig schönen Kammweg mit Panoramapunkten Richtung Arltörl entlang, bis sich rechts abseits die Heidelbeerreviere anbieten. Das dauert nun bis zum frühen Nachmittag, dann wieder hinauf zur Bergstation und Talfahrt bis zu Mittelstation. Dort Stop – denn hier wissen wir die Pilzreviere in den feuchten Wäldern, diesmal hauptsächlich Herrenpilze, die später zuhause getrocknet werden, soweit sie nicht in München zum familiären Abendmenü verspeist werden.

Das war´s also mit Bad Hofgastein, diesmal eher ein Gebirgs-Talurlaub, und am Freitag, 23. August ging es weiter nach München. Von unseren Tagesfahrstrecken die geringere, aber landschaftlich sehr schön über Zell am See – Mittersill – Kitzbühel (dann ein Schleichweg über Reith zum “Stanglwirt”) – Wörgl – Inntalautobahn – Achensee – Deutsche Alpenstraße – Lenggrieß – Bad Tölz. Die Wahl, auf die A 95 zuzufahren, erwies sich als sehr glücklich, denn mit Vorbereitung samt Schummelzettel und ohne Navi fuhren wir schnurstracks in München ein und landeten gut im Olympiaviertel bei der Wohnung von Hannes & Sonja & Elena und unserem Hotel ADAGIO, diesmal in diesem Aparthotel sehr gut untergebracht und zufrieden.

Samstag, 24. August – KLOSTER ANDECHS und AMMERSEE

Das von Hannes ausgesuchte Ausflugsziel war mir nur vom Historischen her irgendwie bekannt – tatsächlich handelt es sich bei dem Benediktinerkloster auf dem “Heiligen Berg” von Andechs um das nach Altötting bedeutendste Wallfahrtsziel in Bayern. Der Tag versprach also einiges Interessantes, und so war es auch… Zufahrt ca. 50 km von München nach Südwesten in die anmutige Hügellandschaft der bayrischen Alpenrandseen. Vom überdimensionalen Parkplatz aus (meist überfüllt wegen des zahlreichen Besuches) erblickt man schon auf dem Berg die ins 13. Jahrhundert zurückreichende Anlage mit dem markanten Turm. Die Kirche gehört zu den schönsten Renaissancebauten des Landes, interessant vor allem der Kirchenraum mit zweistöckigem Altar samt umlaufender Galerie – für Pilger und “gewöhnliche” Kirchenbesucher eingerichtet. Das tollste Erlebnis war der Aufstieg im Kirchenturm bis in die  hölzernen Turmzwiebel, wo uns ein Anschlag der Glocke fast umhaute… Der Gastgarten des Klosterrestaurants bot einen stimmungsvollen Rahmen für die Mittagszeit, bis es nachmittags weiterging – zum nahen Ammersee, dem Nachbarn des vielleicht berühmteren Starnberger Sees, jedenfalls ein Musterbild von Sommerfrische nahe den Alpen. Der Abend blieb Anni und mir noch übrig für eine Shoppingtour zwischen Karstadt am Hauptbahnhof und dem Marienplatz…

Sonntag, 25. August – TIERGARTEN / ZOO HELLABRUNN

Mit einem viereinhalbjährigen Kind, das noch dazu mit der Kindergartengruppe erst jüngst im Botanischen Garten war, bietet sich natürlich vorrangig der Tiergarten an (wodurch leider Nymphenburg diesmal nicht dran war, wie sonst immer). Spannend war es vor allem durch den Entdeckerdrang von Elena, die uns mehrfach im Menschengewimmel fast abhanden kam und immer wieder “eingefangen” werden musste. Schon leicht erschöpft auf einer Bank nahe dem Ausgang rastend, waren für Anni und mich vor allem die vorbeiflanierenden Besucher  – aus aller Herren Länder samt trächtigen Bayernburschen – von Unterhaltungswert. Allerdings nicht so gut zu fotografieren wie die Tiere in den weitläufigen Gehegen und bei manchen Nationalitäten sicher weniger gefährlich für den Fotografen. Während sich am Isarufer die Münchener Freizeit abspielte, ließen wir uns im Thaxis-Biergarten bei Gern nieder. Mit dem Auto in München nichts unterwegs, sondern alles öffentlich mit U-Bahn und Bus. Erst bei der Heimfahrt am Montag, 26. August, trat das Auto wieder in Aktion, diesmal über Landshut und Passau nach Oberösterreich – alles gut gegangen…. und erst bei der Ankunft für Lilienfeld mit der Anzeige “Reifendruck kontrollieren” (was mich die letzten drei Tage beschäftigt).

Insgesamt eine angenehme, wenn auch “vermischte” Urlaubsreise mit Familienkomponente, alles gut gegangen und danke an alle Beteiligten!

Jedes Jahr komme ich bei meinen hochsommerlichen Wandervorschlägen (etwa für die Arbeiterkammer-NÖ-Zeitschrift) auf ein Thema zurück – mit Aufstiegshilfe hinauf zu den hohen Gipfeln in Niederösterreich, wo es um diese Jahreszeit am angenehmsten ist – etwa Rax oder Schneeberg oder Hochkar, diesmal mein Wandertipp auf den SOMMERGIPFEL ÖTSCHER:

So wie am zweiten Bild hatte ich mir das Ötschererlebnis nicht vorgestellt, noch dazu weil heuer so viel Winterschnee war und wir vor einigen Wochen am Hochkar auch noch beachtliche Schneefelder antrafen. Aber die (bis zum heutigen Tag) vierte Hitzewelle hat alle Schneereste radikal wegschmelzen lassen, und der Tipp zu den Schneelöchern und zum kleinen Eistor am Herrenstand hätte besser für den Juni gepasst, als für den relativ späten Erscheinungstermin des “treff” (Zeitschrift der AKNÖ).

Als frische E-Bike-Besitzer hat sich inzwischen dazu eine neue Option für heiße Tage aufgetan – nämlich Radtouren! Einen solchen Kurzurlaub im Waldviertel hatten wir schon hinter uns, auch einige Kurzfahrten im Nahbereich. Dazu sollte nun ein weiterer Ausflug kommen, dessen Ziel nicht das ursprünglich angepeilte Waldviertel oder die Bucklige Welt war, sondern das Herzstück der Ybbstaler Alpen mit dem Naturpark Eisenwurzen im Mendlingtal. Die nach der ÖK vorbereitete Runde versprach Abwechslung und poposchohnende 43 km, also folgende Runde:

Göstling – Lassing – Mendlingtal – Sandgraben – Hammerbachtal – Hollenstein – Ybbstalradweg – Göstling.

Freitag, 9. August: Zufahrt mit aufgepackten Rädern über Gaming nach Göstling (82 km), Parkplatz gleich beim abschließend geplanten Einkehrschwung beim “Schnessl”… Trotz angekündigter Hitze ein relativ frischer Morgen, Start um halb zehn. Die ersten 8 km müssen wir leider auf der B 25 zurücklegen, nicht gerade wenig Verkehr, aber alle Autofahrer in rücksichtsvollem Bogen ausweichen (was mich fast wundert und freudig erstaunt…).  Gleich nach der Ortschaft Lassing, noch vor dem Parkplatz und Zugang zur “Holztrift”, erfolgt unvermittelt die Abzweigung auf die gewählte Seitenstraße Richtung Hollenstein, zum Glück nicht übersehen. Dann geht es gleich ziemlich bergan am Hang entlang in das Mendlingtal hinein – mit E-Kraft-Unterstützung überhaupt kein Problem, eher ein Vergnügen, und warum sollten wir uns das nicht gönnen? Wir sind doch keine “Strampelfanatiker” und verwenden das Rad ja zum besonderen Zweck. Um Kraft zu sparen und eine Strecke in der schönen Natur zurückzulegen, die als Fußmarsch gar nicht in Frage käme – beim Radfahren sind jedenfalls keine Fußprobleme, die beim sommerlichen Wandern leider ziemlich sicher auftreten, zu erwarten, im Gegenteil ist die runde Kniebewegung fast wie eine Therapie (wenn auch mit leichtem Muskelkater, weil nicht gewohnt).

Nach dem ersten Anstieg folgt eine Abfahrt in das nun breitere Mendlingtal hinein, vorbei am zweiten Zustieg zur musealen Holztriftanlage. Die Straße ist sogar asphaltiert (entgegen meiner Erwartung), steigt dann aber mit einer Kehre noch gehörig an bis zum Promau-Sattel auf etwas über 800 m. Dort befindet sich ein Rastplatz, zwar mit einem Eisenkunstwerk, aber sonst etwas vernachlässigt wirkend. Wenn Anfang August die Rastbänke schadhaft sind, zeigt das nicht gerade von intensiver Betreuung, wie es in einem erklärten Naturpark selbstverständlich wäre. Aber die Landschaft ist hier großartig, eine malerische Wiesenmulde zwischen den hohen Bergzügen von Gamsstein und Königsberg, voraus das Idealbild der Voralpe mit der felsigen Stumpfmauer und dem Tanzboden. Mittagszeit naht, daher passt die Rast, aber dann folgt die Abfahrt – auf der bald besseren Asphaltstraße (der ursprünglichen Zufahrt zum geplanten und eingestellten Schigebiet) hinab in den Sandgraben, vorbei an den Resten der Talstation und einem romantischen Jagdhaus. Der Graben wird noch enger und steiler, bei der Bärenmauer sogar felsig, und danach ragen als wahres Naturdenkmal scharfe Klippen in den tiefblauen Himmel. Talaus belebt sich dann die Szene, bei der mir als Kursstandort bekannten (ehemaligen?) Bauernschule vorbei, wo das Seitental Richtung Enns und die Zufahrt nach Wenten (für den Aufstieg zur Voralpe) abweigen. Hollenstein an der Ybbs (mir eher als Großhollenstein vertraut) besticht durch historische Bauten von Hammerwerken und Gewerkenhäusern. Die Kirche steht abseits auf einem Hügel, wir fahre auf Seitengassen an einem bemerkenswerten Kalvarienberg vorbei, aber hinunter zur Ybbs, wo bei der ehemaligen Bahnstrecke der Ybbstalradweg zu erreichen sein sollte.

Die Einbindung in den vor kurzer Zeit (2018?) angelegten Ybbstalradweg erfolgt über die Bundesstraße hinweg, und dann geht es noch ein Stück auf einer schmalen Seitenstraße die Ybbs flussaufwärts entlang. Die ehemalige Bahntrasse ist aber schon zu erkennen, und dann folgt der Radweg dieser (wie im Waldviertel schon erlebten) idealen Trasse für Genussradler. Bei der in ein kleines Landhaus umgewandelten Haltestelle Blamau ergibt sich ein Seitenweg bis zu einer Kapelle am Ybbsufer, wo man gleich auch ins kühle und hier auch tiefe Nass eintauchen könnte. Hier zweite Rast und dann dem in hübschen Windungen verlaufenden Fluss entlang. Hier blüht es intensiv, vor allem die (Kanadischen) Goldruten sind spektakulär, wenn auch ein alteingeführter Neophyt, trotzdem eine Belebung der Hochsommerflora. Weite Wiesenböden werden auf Eisenbahnspuren überquert, es geht vorbei an behäbigen Bauernhäusern, die nächste Ortschaft heißt St. Georgen am Reith mit der hinter Bäumen verborgenen Kirche. Hier gibt es eine Straßenabzweigung nach Ybbsitz, die wir uns für eine der nächsten Touren vormerken. Der eigentlich durchquerte Ort ist Kogelsbach, bevor nach der Wendung des Ybbstals die Engstelle vor Göstling folgt. Hier knapp an der gut ausgebauten Ybbstalstraße entlang, dann verläuft der Radweg abseits von Göstling, wir aber queren zum Solebad mit seinem Ybbsflussstrand – voll einladend! Nach drei Stunden und nun tatsächlichen 45 km landen wir wieder am Parkplatz im Ortszentrum von Göstling und können in die Konditorei Schnessl fast hineinfallen… So müde sind wir allerdings nicht, denn die Fahrt war überaus angenehm, für uns nicht zu schwer weil mit E-Bike, und landschaftlich ein Hochgenuss!

KONTRA stimmt eigentlich nicht, denn für Genussradler kann es keine bessere Kombination geben als es eine zum Radweg umgebaute Bahnstrecke! Vom Standort Drosendorf aus war uns die östliche Thayarunde natürlich naheliegender, daher zuerst von Dobersberg nach Zlabings / Slavonice, mit “unbemerkter” Grenzüberschreitung und Rückfahrt durch die Dörfer bei Reibers. Schon am folgenden Tag die westliche Runde…

Freitag, 5. Juli: Anfahrt zur westlichen Thayarunde über Groß-Siegharts nach Windigsteig, einem hübschen Ort an der alten Bahnstrecke von Göpfritz an der Wild nach Waidhofen an der Thaya. Wir parken auf dem Marktplatz unterhalb der Pfarrkirche, gleich neben dem Gemeindeamt. Dann geht es auf dem gut beschilderten Radweg Richtung Waidhofen, wobei die Strecke wie herkömmlich über Nebenstraßen und asphaltierte Güterwege verläuft. Bergab geht es von den Ackerhügeln bald wieder zum Thayafluss bei Vestenpoppen, den ungewöhnlichen Ortsnamen kannte   ich schon von der Wandertour über die nahen Sieghartser Berge.

In die Bezirksstadt hinein wird es ungleich lebhafter als auf der Dörferstrecke, in einem großen Kreisverkehr verlieren wir uns sogar. Aber dann kommen wir doch zum Bahnhof, dem Endpunkt der wohl nur mehr für Güterverkehr (wenn überhaupt) genutzten Zweigbahn, die noch bis nach dem 2. Weltkrieg bis nach Zlabings führte, wobei Waldkirchen wohl die Endstation vor dem Eisernen Vorhang war.  Übrigens sind bei einzelnen Haltestellen der ehemaligen Bahnstrecke ausführliche Infotafeln mit Bildern angebracht, die den einstigen Bahnverkehr dokumentieren.

Von Waidhofen verläuft die Thayarunde als neuer Bahntrassen-Radweg sehr hübsch am Talrand nahe oder sogar neben der Thaya dahin. Wo einst die Lokomotiven kräftig gedampft hatten, radeln wir mit den E-Bikes genau so wie die unelektrifizierten Radler mühelos dahin. Die asphaltierte Trasse ist auch breit genug für den lebhaften Gegenverkehr, ein voller Genuss also. Markant ist dann der auf einem Hügel angelegte Marktort Thaya mit seinem hohen Kirchturm. Bei einer Waldvierteltour habe ich dort im Gasthof Haidl sehr gut übernachtet. Die stattlichen Häuser erinnern an den durch Viehhandel bis nach Ungarn hinein zu Reichtum gekommenen Ort. Der großmächtige Brunnen  auf dem Hauptplatz stand übrigens ursprünglich in Waidhofen und wurde einst an die kleineren, aber wohlhabenderen Nachbarn verkauft. Wir passieren nach dem Rastplatz bei der ehemaligen Bahnstation eine Eisenbrücke mit malerischem Blick auf den Fluss. Dann geht es die Feldhügel mit blühenden Erdäpfeln und rosafärbigem Buchweizen und schon gelblich reifende Kornäcker entlang.

Dobersberg kündigt sich mit mehreren  Infotafeln, vor allem über den mit großen Bemühungen betriebenen Naturpark, unübersehbar an. Hier könnte man schon ui diesem Ausflugsziel  abzweigen, die ehemalige Bahnstation mit der Infostelle des Thayalands befindet sich jedoch am anderen Ortsende.Im Markt mit seinen Einkehr- und Einkaufsmöglichkeiten steht auch das renovierte Schloss und bietet Heimat- und naturkundliche Ausstellungen.

Unsere vorgesehene Tour endet für diesen Tag, weil wir von Dobersberg schon am vorigen Tag nach Zlabings auf gefahren sind – aber die Fahrt ist noch nicht zu Ende, weil wir ja noch nach Windigsteig zurückmüssen. Die Fahrt nach Waidhofen geht ebenso leicht wie bei beim Herkommen, man merkt überhaupt kaum – wegen der fast ebenen Bahntrasse – ob es bergauf oder bergab geht. In Waidhofen fahren wir, weil schon Mittag vorbei ist, bis ins Zentrum beim “Thayapark”, wo wir auf dem Platz bei der Raiffeisenkassa sehr nett unter Sonnenschirmen uns laben können. Frisch gestärkt geht es dann zügig auf dem herkömmlichen Radweg bis Windigsteig, unserem Ausgangspunkt für die lohnenden 50 Tageskilometer.

GRENZSCHRITTE VOM WALDVIERTEL-NORDOST

Donnerstag, 4. Juli: Nachmittagsausflug im Anschluss an die Radfahrt von Dobersberg nach Slavonice / Zlabings

Von meinem dritten Waldviertel-Führer an habe ich auch immer wieder versucht, das “Land jenseits der Grenze” einzubeziehen. Zuerst war es das Gebiet um Gratzen / Nove Hrady, dann im Anschluss an die länderübergreifende Landesausstellung 2008 auch das “Böhmische Kanada” bei Slavonice / Zlabings und Teltsch, ebenso zuletzt der gesamte Nationalpark Thayatal / Podijy zwischen Vranov / Frain und Znaim. Eigentlich gehören diese Gegenden jenseits der Grenze im Nordosten Niederösterreichs nach einer neueren tschechischen Gebietsordung zu Mähren, bis 1918 und von 1938 bis 1945 bestand hier das Land der Südmährer, überwiegend deutsch-(altösterreichisch)-sprachig. Erst mit dem Aufbau des Eisernen Vorhangs in den späten 1940er Jahren, nachdem die “Volksdeutschen” schon am Kriegsende vertrieben worden waren, entstand nicht nur der Todesstreifen entlang der Grenze, sondern auch das tiefer ins tschechische Binnenland reichende Sperrgebiet. Die dort gelegenen Dörfer – alle mit altösterreichischen Namen (sogar in der offiziellen Österr. Karte noch enthalten) – wurden systematisch entsiedelt und großteils zerstört. Erst mit dem Ende des kommunistischen Regimes 1989 und schließlich durch die Vereinigung in der EU kam es wieder zu einigermaßen normalen nachbarschaftlichen Beziehungen.

Das Schloss Vranov / Frain hatten wir schon anlässlich einer Tour besichtigt – äußerst eindrucksvoll, wie meine Diaaufnahmen von damals festgehalten haben. Von Frain flussaufwärts hat sich durch den Bau des Schwellkraftwerkes die Thaya in einen endlos langen Fjord verwandelt, der ziemlich den gesamten tschechischen Thayabogen zwischen den (entfernteren Orten) Drosendorf und Hardegg einnimmt. Im Gegensatz zu den eintönigen Feldlandschaften der Hochfläche ist dieser vielfach gewundene Tallauf mit seinen Schlingen und Umlaufbergen eine landschaftliche Besonderheit erster Güte, ähnlich wie im Nationalpark. Obwohl die Ufer infolge der restriktiven Reisepolitik der Kommunisten als Ausweichziel für die tschechischen Urlauber im eigenen Land dienten und daher stellenweise unglaublich “verhüttelt” wurden, ergeben sich hier lohnende Wanderrouten, vorbei an den Wahrzeichen alter Burgruinen und Schlösser. Mich wundert selbst, dass wir dort noch nie unterwegs waren, und beim aktuellen Aufenthalt in Drosendorf bot sich endlich die beste Gelegenheit dazu!

Nach der Radtour am Vormittag des 4. Juli fuhren wir von Dobersberg gleich auf folgender Route zu unserem Ziel, dem Ort und Schloss Bitov / Vöttau: Dobersberg – Karlstein – Weikertschlag an der Thaya – Schaditz (die Strecke über Fratres war durch die Baustelle bei Drosendorf-Altstadt zu vermeiden) – Hluboka – Mesovice – Uhercice (dort gibt es auch ein beachtenswertes Schloss, das in den letzten Jahren renoviert worden sein sollte) – Vysocany. Damit sind wir am Ende der Feldgegenden und fahren in die Wälder am nördlichsten Thayabogen mit dem tief und steil eingeschnittenen Tal. Die Straße windet sich eine Anhöhe hinauf, führt rechts hinab zur Thaya, über eine Brücke und wieder über dem Ufer hoch zu einer Kreuzung. Hier erwischen wir die falsche (rechte) Abzweigung und müssen umkehren, dabei umfahren wir die mächtige Ruine Zornstein. Weiter ins Tal hinab zur nächsten Brücke (auf obigem Bild zu sehen) und dann steil in Windungen hinauf nach Bitov, einem recht lebhaften Touristenort. Da bereits die Mittagszeit überschritten ist, halten wir nach einer Einkehrmöglichkeit Ausschau und finden sie gleich neben dem Parkplatz – Pension und Restaurant Tesar mit eigener Brauerei. Anfangs macht das Personal in diesem gut ausgestatteten Lokal einen etwas reservierten Eindruck, aber sobald sie uns die deutsche Speisekarte gebracht haben, geht alles ganz vorzüglich. Über das Bier und die Böhmische Küche brauche ich mich ja nicht zu verbreiten, auffallend und immer noch selbstverständlich – die Rechnung (in Kronen und Euro ausgewiesen) beträgt gerade so viel, wie wir in Waidhofen an der Thaya anderntags bei “Oswald´s” für einen  Imbiss bezahlt haben… (zwei Hauptspeisen, Getränke, Nachspeisen kaum 25 Euro).

Frisch gestärkt geht es dann weiter und von der Landstraße abzweigend Richtung Burg Bitov, die wir bei spärlichen Ausblicken während der Zufahrt schon imposant gesichtet haben. Nach einem Restaurant mit Aussichtsturm folgt gleich ein großer Parkplatz, und dann hat man die Wahl zwischen Waldweg und Asphaltstraße, jedenfalls bergab zum Eingang der Burg. Die Besichtigung bezahlt man nun je nach den gewünschten Etagen – die niedrigste bietet selbstverständlich am wenigsten, nur den weitläufigen Burghof, allerdings ohne jede Ausblicksmöglichkeit! Daher wäre eine Führung bis hinauf zur höchsten Etage sicher am besten gewesen, bei uns machte sich jedoch allmählich die Nachmittagsmüdigkeit bemerkbar, so verzichteten wir (leider!) auf die große Besichtigung. Irgendwie haben sich im Lauf der Geschichte die Dimensionen umgekehrt – früher riegelte man sich in der Burg vor den Feinden außerhalb halb ab, jetzt sind die Besucher innerhalb der hohen Mauern eingesperrt…

Nach dieser leichten Enttäuschung ging es an die Weiterfahrt, nicht ohne eine Empfehlung abzugeben: Den Thayabogen bei Bitov muss man erwandern. Ich entdeckte nachher im Buch des von mir sehr geschätzten Vorgängers als Voralpenwanderautor eine wahrscheinlich schöne Tour, wo man wirklich zu allen interessanten Plätzen kommen müsste, und die Markierungen dazu sind ja wie üblich bei den tschechischen Wanderorganisatoren mehr als vorzüglich!

Helmfried Knoll konnte ich selbst bei meiner Anfangstätigkeit in den 1970er Jahren beim Pressehaus St. Pölten / NP Buchverlag kennenlernen. Er war ein genauer und sehr ambitionierter Autor, allerdings Nichtautofahrer, und in Begleitung des Lektors Dr. Horst Trimmel hat er etwa in der Zeit, als der Eiserne Vorhang Geschichte wurde, die gesamte Grenzregion der tschechischen Seite von der Mühlviertler Nachbarschaft bis nach Bratislava erkundet und genau beschrieben. Das Buch ist sicher schon längst vergriffen, es taucht aber (wie meine eigenen frühen Werke) jetzt immer öfter aus Nachlässen antiquarisch auf. Für Liebhaber der altösterreichischen Gebiete als Wanderer ein wahrer Schatz, auch von ziemlichem historischen und kulturellen Wert! Leider habe ich zu beiden genannten Personen keine Kontaktmöglichkeit gefunden.

Weil der direkte Rückweg über Fratings nach Drosendorf durch die lästige Baustelle versperrt war, blieb nichts anderes übrig, als den weiten Bogen über Frain zu nehmen. Von der Nebenstraße bei der Weiterfahrt von Bitov auf die Hauptstrecke Richtung Znaim abzweigend, dann bei Lesna Richtung Frain mit tollem Schlossblick und nostalgisch-morbiden Eindruck einer alten Sommerfrische. Bei Safov geht es wieder über die Grenze nach Langau bzw. über Riegersburg, bis wir nach 130 km Autofahrt wieder in Drosendorf einlangen.

Für unsere “grenzüberschreitenden” Wanderungen – 2012 nach dem “Grenzland-extra” (2008) als “Waldviertel & Wachau & Südböhmen” verarbeitet – sind wir  vor rund zehn Jahren  auch um Slavonice und Teltsch unterwegs gewesen. Schon damals bemerkt, dass die Bahnstrecke im nordöstlichen Winkel von NÖ nicht nur teilweise bereits eingestellt war, sondern von Dobersberg Richtung Grenze die Schienen bei Straßenquerungen bereits zuasphaltiert waren. Die Lage hat sich allerdings anders entwickelt als bei der Südwestbahn über den Gerichtsberg bei Hainfeld (Strecke stillgelegt und dem Verfall überlassen), sondern so erfreulich wie zwischen Türnitz und Freiland – zu einem Radweg umfunktioniert, übrigens wie schon länger in der Steiermark bei der Feistritztalbahn. Einen Herrn, den ich als Nachbar von MOKA-Christian Schweiger in Drosendorf kurz kennenlernen konnte, gab es dort anscheinend als “Hauptmachatschek” für die neue THAYARUNDE. Diese 111 km lange Radparadies verbindet in fünf Etappen Göpfritz an der Wild (Franz-Josephs-Bahn) mit dem südmährisch-altösterreichischen Zlabings) Slavonice, davon 51 km auf der ehemaligen Bahntrasse. Die Infrastruktur ist hervorragend überlegt – Radtaxidienste, Busservice, Erlebnispunkte und kulturelle Attraktionen, Unterbringung sogar in “Schlafwaggons” usw. www. thayarunde.eu

Ich wähle für die Detailarbeit an Weitwanderwegen, Pilgerrouten und Radtouren besonders intensiv die “Zuckerstückerl” aus – das wollten wir auch bei der Thayarunde so halten. Ausgerüstet mit dem Infomaterial des MOKA-Nachbarn machten wir uns am Donnerstag, 4. Juli, an unsere erste spezielle Etappe – von Dobersberg bis Slavonice. Zufahrt mit aufgepackten Rädern über Eibenstein – Raabs – Karlstein nach Dobersberg. Die Einstiege in die Thayarunde findet man beim Streckenverlauf auf der Bahntrasse am besten selbstverständlich bei den ehemaligen Bahnhofen und Haltestellen, in Dobersberg dort (wie auch sonst oft) ein genauere Dokumentation über den ZUKUNFTSRAUM THAYALAND.

Start um 9.30 Uhr ab Bahnhof Dobersberg, Wetter traumhaft, ein wenig Wind, nicht heiß trotz voller Sonne. Ich merke an meiner Bildauswahl, dass ich beim Zufußwandern viel mehr fotografiere als beim Radfahren, nicht die Stationen im Bild, sondern Landschaftsdetails und Naturschönheiten. Dabei gäbe es gerade auf dieser Etappe z. B. in Waldkirchen an der Thaya etwas Interessantes, das sogar schon im ORF gezeigt wurde – das kleine Waggondorf, wo man in zu Schlafwägen umgebauten alten Waggons nächtigen kann. Aber die Fahrt ging so schnell dahin, kaum merkbare Steigung (für uns Radfahrer, noch dazu mit E-Bike, wo sich die Dampfloks schon gehöriger anstrengen mussten), immer wieder sind Brücken die Blickpunkte. Vor 11 Uhr kommt dann Slavonice in Sicht, dekoriert von den prächtig blühenden Schmalblättrigen Weidenröschen. Im Zielort trifft die ehemalige Bahn- und nun Radtrasse auf die sogar modern bestückte tschechische Bahnstrecke. Wir fahren allerdings nicht in die uns schon gut bekannte und überaus sehenswerte Altstadt hinein, sondern biegen gleich in der Peripherie (typisch aussehend für die tschechischen Ansiedlungen…) zur Rückfahrt in das Straßennetz ein. Eines muss man den Tschechen lassen – beim Markieren und Beschildern sind sie Meister! Wir fahren die Straße Richtung Stare Mesto (führt zur gigantischen Burgruine Landstein, in meinen letzten beiden Waldviertelausgaben genau beschrieben) ansteigend eine Kirschenalle mit glänzenden Früchten entlang und biegen dann zu dem Grenzdorf Mariz (Meyers) ein. In solchen grenznahen Dörfern ist erst nach 1989 mit dem Fall des Eisernen Vorhangs wieder Leben eingezogen, vorher Sperrgebiet, entsiedelt und devastiert, nun scheint sich dort eher eine alternative Szene installiert zu haben, mit Kunsthandwerk, Einkehrmöglichkeiten usw.

Für uns gilt es jetzt, die Abzweigung zurück nach Österreich zu finden. Nach der Karte gelingt es, denn die Trasse auf einer schmalen Landstraße macht eine markante Rechtsbiegung, hier ohne Wegweiser links durch eine Allee ohne Asphalt leicht steigend zum Höhenrücken und hinab zum Waldrand, wo die Staatsgrenze verläuft – kein Hinweis, nur der weiße Grenzstein, ein Rastplatz und ein Kirschenbaum als Raststation. Wir wollen auf der RRR-Dörfer-Route (Reinolz, Rudolz, Reibers) zurück nach Dobersberg, werden aber vorerst durch schmuck blühende Mohn- und Getreidefelder aufgehalten. Ebenso schmuck sind die Dörfer, in Reibers haben wir sogar in dem anscheinend nun aufgelassenen Wirtshaus bei einem Urlaub (ebenfalls mit Radfahrten) genächtigt, die Reibererwirtin ist uns mit ihrer Küche noch gut in Erinnerung (am ersten Tag noch voll bekocht, weil eine “Zierung” = Leichenschmaus am Programm stand, dann nicht mehr so ambitioniert). Wir versäumen aber irgendeine Abzweigung und kommen wieder nach Waldkirchen. Auch kein Pech, denn von dort führt uns die Bahnradtrasse wieder zurück nach Dobersberg, wo wir um ca. 13. einlangen, schon ganz schön heiß um die Mittagszeit! Dazu noch Glück gehabt, denn als sich Anni zur Rast auf einem dicken Bloch (gefällter Baumstamm) niederlässt, rollt der den Abhang hinab, Anni kopfüber hinüber, und der schwere Stamm wird nur durch einen quer dazu liegenden aufgehalten. Also lauert immer wieder, unversehens am gefährlichsten, eine üble Überraschung, aber dies war an diesem Tag die vorletzte…

Was an Winterschnee auf den Hochalpen von Schneeberg, Rax und Schneealpe schmilzt, gelangt – durch den Regenreichtum der Hochregion verstärkt – als Hochquellenwasser nach Wien, eine Köstlichkeit, um die viele Großstädte die Wiener beneiden können. Aber dennoch fließt ein viel größerer Teil der Bergwässer hinaus in die Ebene des (inneralpinen) Wiener Beckens. Im Steinfeld bei Wiener Neustadt noch tief unter den Schotterablagerungn der Alpenbäche verborgen, tritt das kalte und kalkreiche Grundwasser nördlich davon in der sog. Feuchten Ebene zu Tage. Nicht umsonst ist die Mitterndorfer Senke der größte Wasserspeicher für die Bundeshauptstadt. Dort erstrecken sich über leicht hügeligem Gelände fast endlose Ackerfluren, von spärlichen Baumreihen und Windschutzgürteln und Laubwaldrestbeständen unterbrochen. Einst dehnten sich Hutweiden, Gras- und Baumsteppen zwischen noch spärlicherem Ackerland aus, seit der Industrialisierung auch vielfach in Betriebs- und Wohngebiete verwandelt. Nur in spärlichen Resten hat sich die ursprüngliche Landschaft mit ihrer typischen Vegetation (und Tierwelt) erhalten – dazu gehören als Flachmoor- und Feuchtwiesen die Brunnlust bei Moosbrunn und – das mehrfache Ziel meiner Exkursionen – das Naturschutzgebiet Pischelsdorfer Wiesen des Naturschutzbundes Niederösterreich.

Zum Vergleich die aktuelle Österr. Karte (im grünen Kreis das Naturschutzgebiet) und eine alte Landesaufnahme von derselben Gegend. Die Pischelsdorfer Wiesen heißen eigentlich Fischawiesen, wie daraus hervorgeht, und die Geländeformen gehören nicht zu der nordöstlich verlaufenden Fischa, sondern zum kleinen Fürbach, der nur wenig in Erscheinung tritt (außer zwischen den begrenzenden Baum- und Strauchzeilen). Die Zufahrt erfolgt über Grammatneusiedl, von Himberg kommend beim Kreisverkehr in der Ortsmitte geradeaus weiter, dann bald zwischen den alten Wohnhäusern von Neu-Reisenberg. Dort befand sich bis in die Zwischenkriegszeit eine Spinnerei, heute noch an einem hohen Schornstein erkennbar, und um 1930 wurde eine überaus bekannte und wichtige Sozialstudie über die notleidenden Bewohner dieser Örtlichkeit verfasst – die Arbeitslosen von Marienthal. Geradeaus auf der Straße Richtung Reisenberg weiter (Bahnübersetzung) weiterfahrend, erblickt man linksseitig auf einer jüngst abgeholzten Fläche (2017) das Wasserwerk der EVN. Gleich an deren Ende zweigt links ein Feldfahrweg ab, der den Fürbach entlang führt, zweimal von Fahrwegen (beim ersten typischer Brückenrest) gequert, zuletzt in einem kleinen Waldvorsprung, bis nach einer Kurve (Infotafel des Naturschutzgebietes) der Bahndamm der viel befahrenen Ostbahn auftaucht.

Bei meinen Verwandtschaftsbesuchen in Maria Lanzendorf habe ich immer wieder zu verschiedenen Jahreszeiten diesen Ausflug unternommen, einmal sogar mit dem ortkundigen Naturschützer und Botaniker Herrn Palme (Neu-Reisenberg). Allerdings ist das Schutzgebiet nicht zum Herumwaten in den Grasfluren geeignet (obwohl ich sogar einmal ein Riesenpicknick von Motorradfahrern erlebt habe…). Es ist nicht die Vegetation, die darunter leiden würde, sondern die seltene Vogelwelt, die nicht gestört werden darf. Im späten Jahr wird übrigens die größte Fläche einfach abgemäht bzw. gemulcht, um die Flora vor dem Überwuchern einzelner Invasivarten und dem randlichen Verbuschen zu bewahren.

Exkursion am 9. Juli: Vom Frühjahr an mit Kuhschellen u. a. pannonischen Frühblühern, auch mit Orchideen, bieten die Fischawiesen ein prächtiges Bild. Im Hochsommer sind jedoch die erhöhten Flächen schon ausgetrocknet und teilweise verdörrt. Meine Ausbeute – Graslilien mit verschiedenen Flockenblumen, Pannonische Kartäusernelke auch mit eingefangenem Pappus, ein Lauch (Kantenlauch?), Österr. Lein (oder Zottiger Lein? eher nicht), Gelb-Lein. Den Schachbrettfalter konnte ich gerade noch erwischen, denn der Wind war zu schwach, dass sich die Schmetterlinge anklammern mussten und so leichter zu fotografieren wären. Die Krabbenspinne auf dem abgeblühten Natternkopf war da nur ein geringes Problem, und sonst hüpfte und schwirrte es ringsum, dass einem Insektenkundler das Herz aufgegangen wäre!

Ich halte mich eher an die Botanik, und vor allem muss ich meine Besichtigung möglichst schonungsvoll anlegen – obwohl Fahrspuren quer über die Flächen führen und ich sogar schon einmal ein Großpicknick übel aussehender Motorradbiker beobachten konnte! Von erhöhten Flächen habe ich deshalb vorher gesprochen, weil in das eigentlich brettlebene Relief mehrere Mulden bogenförmig eingelagert sind. Diese rühren aber sicher nicht von der viel weiter im Nordwesen fließenden Fischa her, sondern eher vom heute so bedeutungslosen, vielleicht einmal mächtigeren Fürbach her. Im Gegensatz zu den eher bleich wirkenden Flächen sind diese Mulden noch frisch grün, denn auf ihren Grund tritt kaltes und kalkhaltiges Grundwasser an die Oberfläche. Jetzt sind sie freilich längst trocken und damit auch etwa die Mehlprimeln und der nur mehr an Restblättern erkennbare Weiße Germer verschwunden. Dafür gibt es Besonderheiten – zunächst noch eher trivial Gilbweiderich und Blutweiderich, hoch stehender Teufelsabbiss, dann aber noch schon ziemlich abgeblühte und bereits fruchtende Gladiolen. Eine Pracht bietet der Lungenenzian, und sogar tatsächlich konnte ich mehrere Prachtnelken entdecken. Mir fehlte nur noch die absolute Besonderheit – die Becherglocke / Adenophora, ein Glockenblumengewächs mit charakteristisch lang aus der Blüte hängenden Narben, vielfach schon ausgestorben und (wie die Standort) sehr selten geworden, ein einziges Exemplar gefunden…

Gegen den Bahndamm zu befindet sich links ein trockene ehemalige Senke, von Birken begrenzt, an deren Boden Bachschotter hervortritt. Rechts des Fahrweges gibt es neben Weiden und Baumreihen eine Feuchtwiese mit Schilf am Rand und zu gewissen Zeiten (nicht jetzt) einem stattlichen Bestand von Sumpf-Wolfsmilch. Am Rückweg kam ich, neben zum Teil schon abgeernteten Getreidefeldern auch an einem Acker mit dekorativ blühenden Sonnenblumen vorbei – auch eine Pracht, wenn auch vom Agrarbestand herrührend…

Über die Feldwege kann man übrigens eine schöne Radrunde von Neu-Reisenberg oder von Grammatneusiedl unternehmen!

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