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Heute (15. März) Besuch von Wandergruppen der Bank Austria aus Wien in St. Veit an der Gölsen. Ich wandere mit einer Gruppe bei recht windigen und kühlen Verhältnisse am Marterlweg an der Sonnleiten. Nach Mittag im Gasthaus Nathaniel zur Kirchenbesichtigung mit großartigem Vortrag – kunstgeschichtlich, biblisch und spirituell – von unserem Pastoralassistenten Mag. Wille Erber. Danach vor der Verabschiedung zum Voni in Rainfeld noch ein kurzer Besuch im Steingarten.

FRÜHLING FÜHLT SICH ANDERS AN !

Malteserschwamm

Der “Malteserschwamm” / Cynomorium coccineum ist eine botanisch und vor allem auch historisch überaus interessante pilzähnliche Pflanze. Ihr bekanntestes Vorkommen ist der Fungus Rock an der Westküste der maltesischen Insel Gozo – an der Dwejra Bay, wo vor ein paar Tagen ein Wahrzeichen Maltas – das “Blaue Fenster” / Azure Window durch allmähliche Verwitterung und bei orkanartig auftretendem Sturm eingestürzt und im Meer versunken ist. Hier im Bild sieht man es noch in voller Schönheit!

Anni Baumgartner am 5. April 2015

Bilder von dieser geologischen “Katastrophe” findet man im Google unter > azure window collapse

Zurück zum “Malteserschwamm”:

AB Fungus Rock in der Dwejra Bay auf Gozo

Der “Malteserschwamm” ist kein Pilz, sondern eine chlorophyllfreie Schmarotzerpflanze auf salzliebenden Küstenpflanzen und -sträuchern. Aus einem verzweigten Rhizom eentwickeln sich die endständigen Blütenstände – rötlichbraune, phalloid-pilzähnliche Kolben, gebildet aus zahllosen winzigen Schuppenblättern, in deren Achseln die eingeschlechtlichen Blüten (die männlichen Teile mit nur einem Staubblatt) sitzen.

Der schwer erreichbare Felsen wurde mittels eines 35 m langen, über den schmalen Meeresarm gespannten  Seiles erschlossen, um die “Malteserschwämme” in Körben an Land holen zu können. Ein noch heute über der Dwejra Bay sichtbarer Wachturm sicherte den Fungus Rock vor dem unbefugten Betreten. Wagte dennoch jemand einen Diebstahl von “Malteserschwämmen”, bestand die Strafe aus der Verbannung auf die Rudergaleeren…

Die Ritter des Malteser Hospitals auf Malta erzeugten aus den “Malteserschwämmen” eine Essenz, die als blutstillendes, wundenheilendes und noch dazu als Potenz förderndes Mittel berühmt wurde und zu ungeheuren Preisen an die Fürstenhöfe Europas verhandelt wurde. Als man in den 1960er Jahren jedoch eine wissenschaftliche Untersuchung vornahm, stellte sich heraus, dass diese Substanz keinerlei Wirkung hatte…

Außer auf der maltesischen Insel Gozo am “Pilzfelsen” / Fungus Rock der Dwejra Bay kommt der “Malteserschwamm” noch auf Salzmarschen und maritimen Sanden vor, wo eben seine Wirtspflanzen wachsen – so auf den italienischen Inseln, im Süden Korsikas und Spaniens sowie in Nordafrika. Das Verbreitungsgebiet reicht vom Mittelmeergebiet bis über Vorderasien hinaus. Zu sehen wird man den “Malteserschwamm” wohl kaum jemals bekommen – oder doch?

… die Braune Ragwurz / Ophrys fusca agg. (group oder complex)

BB 25. März 2015 bei Buskett und den Kabir-Höhlen

Diese Ansicht zeigt alle typischen Farb- und Formenelemente (sehr vereinfacht formuliert) –  geteilte, samtig behaarte  dunkelbraune Lippe (namengebend), gelb bis gelbgrünliche Kronblätter, wesentlich die Zeichnung des “Mals”.

AB 25. März 2015 Dingli Cliffs

BB 25. März 2015, ebenso die folgenden Bilder

Besonders fündig wurden wir am 25. März 2015 auf den Dingli Cliffs, wo sich beiderseits der Straße (vor allem links von der Kapelle und nahe der Busstation) ausgedehnte steinige Flächen erstrecken. Hier stand ein Exemplar der Braunen Ragwurz neben dem anderen, oft sogar mehrblütig. Trotz des windigen Wetters und unterstützt von ein wenig Sonne (wie bei den meisten Exkursionen) gelangen zu unserem eigenen Erstaunen doch einige typische Bilder. Allerdings stellte sich dann heraus, dass die Blüten  wie beschrieben sehr variabel sind. Insgesamt kann man nur die Bezeichnung aufrecht erhalten: Ophrys fusca agg. (in Malta als group oder complex bezeichnet).

BB 29. März 2015 bei Buskett und den Kabir-Höhlen

Zum genaueren Bestimmen hielten wir uns an die “einheimische” Quelle im Internet:

Wildpflanzen Maltas

Diese von Stephen Mifsud zusammengestellte und präsentierte  Sammlung bezieht sich nur auf die Maltesischen Inseln, gibt genaue Angaben mit vielen Bildern und Bestimmungshilfen (am besten im “Color Index”). Übrigens wie überhaupt in der Literatur und selbst bei profunden Bildpräsentatoren – die Namen sind (wie die Blüten selbst!) überaus uneinheitlich! Treffend fand ich in Schönfelders Mittelmeerflora folgende Charakteristik zur Art Ophrys fusca bzw. ssp. fusca: 50 verschiedene Unterarten oder Varietäten, die aber meist als Synonyme zu betrachten sind. Die Variabilität ist nur zu erkennen, wenn die variierenden Exemplare gemeinsam vorkommen…

BB 5. April 2015 Pembroke (Malta Herittage Trail)

Wegen des stark strukturierten Mals, in beiden Bildern ganz typisch, traue ich mir die genauere Bezeichnung zu (obwohl bei den Bilderserien im facebook als Kommentar erschien – alles dasselbe, nämlich Ophrys fusca…):

Regenbogen-Ragwurz / Ophrys eleonore oder Ophrys iricolor ssp maxima (nach Mifsud).

Mifsud unterscheidet außerdem bei Ophrys fusca unter Ophrys iricolor complex (group): ssp. lojaconoi (stark gezeichnetes Mal) und ssp. hospitalis (Mal gering strukturiert, benannt nach den Rittern des Malteser-Hospitals auf Malta), dieses vielleicht im nächsten Bild:

AB 29. März 2015 bei Buskett und Kabir-Höhlen

Genannt wird außerdem bei Malta-Wild-Plants die Unterart – Ophrys pectus (Mal gleichförmig, nicht strukturiert, aber mit rötlichem Fleck beiderseits am oberen Rand der Lippe).

BB 29. März 2015 bei Buskett und Kabir-Höhlen

Insgesamt also alles reichlich verwirrend, aber vielleicht gerade deshalb besonders interessant! Die Ophrys fusca taucht übrigens in den facebook-Gruppen (Wildwachsende Orchideen Europas / Freunde wildwachsender Orchideen Europas) derzzeit aus allen Mittelmeergebieten relativ am häufigsten auf.

Die Braune Ragwurz bleibt aber letztlich den botanischen Spezialisten überlassen (sofern sie sich einigen können), für mich etwa als fotografierender und wandernder Blumenfreund reicht auch die Freude an diesen wunderbaren “Blumenkindern”, auch wenn ich sie nur mit einem Sammelnamen zu benennen weiß…  Jedenfalls freue ich mich schon auf die Zeit im Frühsommer oder vorher noch im Spätfrühling, wenn unsere mitteleuropäisch-”donauländischen und alpinen” – Orchideen zu blühen beginnen!

Die Nachricht hat wirklich und auch im übertragenen Sinn wie eine Bombe eingeschlagen:

Das “Blaue Fenster” (Azure Window) auf der maltesischen Insel GOZO ist eingestürzt!

Damit ist eines der attraktivsten Ziele für den Tourismus in Malta unwiederbringlich verloren… Aus diesem Anlass krame ich meine Bilder und Erinnerungen an den Karsamstag, 4. April 2015, aus und berichte, wie wir an diesem Tag den Ausflug nach Gozo mit dem Hauptziel Azure Window erleben konnten.

Während der Überfahrt

Zeitpunkt der Aufnahme 6.51 Uhr, wir landen bereits in Mgarr, dem Fährhafen von Gozo, Tagwache war um 6 Uhr, BMW-Rekordzeit von St. Julien nach Cirkewwa 25 Minuten mit unserem Sohn Hannes als Pilot und Guide, Frühstück auf der Fähre… Später wird sich herausstellen, dass diese Einteilung sehr sinnvoll war!

AB Salinen (historische Salzpfannen) an der Nordküste

So blitzschnell wie möglich “schoffürt” uns Hannes weiter nach Victoria, der zentralen Stadt Gozos, doch die anschließende Hauptstraße zur Westküste ist gesperrt! Also müssen wir über Marsalforn ausweichen – dadurch lernen wir auch diesen wilden und einsamen Küstenabschnitt kennen. Mehrfach geht es an alten Salzbecken vorbei, außerdem bewirkt der Wechsel von harten zu weichen Gesteinsschichten ganz abenteuerliche Geländeformen.

Im Gegensatz zu einem früheren Ausflug fahren wir nicht nach Zebbug hinauf, sondern bleiben an der siedlungsleeren Küste, wo aber bald eine typische Landschaft für das liebliche Gozo anschließt.

Hier gäbe es ein überaus seltenes und lockendes Ziel (das wir allerdings in unserem Leben leider nicht mehr erreichen werden) – Ghasri Bay – völlig einsam und abgeschieden. Bei Stürmen aus Nordwest (wie sie auch in den letzten beiden Tagen letztlich zum Einsturz des allerdings schon etwas bröckligen Azure Windows geführt haben) wird das Meerwasser weit in dieses enge Tal hinein gedrückt und füllt es mit einer katastrophalen Flutwelle  aus! Gut, das hätten wir nicht erleben wollen, vielmehr die wunderbar bunte Frühlingsflora dieses Jahres.

Vom Berg schaut wohl Zebbug herunter (mit typisch maltesischer Kirchenkuppel und ebenso charakteristischen Neubauten). Aber neben der schmalen Nebenstraße, die noch dazu kurz danach durch Bauarbeiten noch einmal zu einer Umleitung zwingt, steht ein turmartiger Bau inmitten der Kulturen. Solche wehrhafte “Burgus” stammen noch aus der arabischen Zeit Maltas im Mittelalter, Wohntürme mit Viehstall im Untergeschoß und darüber der gesicherte Raum für die Bewohner.

AB Dwejra Bay

Endlich durchfahren wir San Lawrenz (die Kirche dort hat ganz eigenartige Seitenkuppeln über den Langhauskapellen), und es geht bergab zur Küste. Vor uns öffnet sich die von Felsmassiven gesäumte Dwejra-Bucht mit Merkwürdigkeiten, die man sich nicht einmal erträumen würde!

Da ist zunächst der “Inlandsee” – durch eine Felsspalte mit dem offenen Meer verbunden hat sich in einer großen Karstmulde ein See gebildet, und wenn nicht zu hohe Wellen branden, fahren die Ausflugsboote vom See durch diesen Spalt hinaus aufs Meer und ein Stück die Felsküste entlang. Ob sie auch zum sogenannten “Pilzfelsen” kommen, weiß ich nicht, jedenfalls nicht an diesem stürmischen Tag. Dabei wäre diese schroffe Felsinsel der nächste Höhepunkt – auf ihr wachsen nämlich die “Malteser Schwämme”, ein pilzartiges Gewächs, dessen Fruchtkörpern Wunderkräfte zugeschrieben wurden. Von den Ordensrittern wurden sie u. a. zum Behandeln von Wunden als Blutstiller eingesetzt. Ihr Wert war derart hoch, dass der “Fungus Rock” streng bewacht wurde (die Türme oberhalb der Bucht sind noch erhalten) und Diebstähle mit Verbannung zum Rudern der Galeeren bestraft wurden. Die Einkünfte mit dem “Pilzhandel” werden wohl auch ungeheuer gewesen sein! Eine wissenschaftliche Untersuchung in den 1960er Jahren ergab jedoch die Wirkungslosigkeit…

Das ist nicht der Malteser Schwamm, sondern eines von unzähligen bis handgroßen Fossilien auf den Kalkfelsen der Bucht

Vom Fungus Rock – dem “Pilzfelsen” – wenden wir uns nun der wichtigsten Attraktion zu – anschließend an den schroff und scharf zerklüfteten Felsstrand erblickt man zur Rechten das “Blaue Fenster”, eine Felsbrücke zu einem hochragenden Steinpfeiler über dem tobenden Meer. Unser Vorteil (wegen dem frühen Aufbruch) – dieses Schaustück ist völlig menschenleer! Sonst krabbeln dort oben und davor die Touristen herum, seit Jänner war jedoch das Betreten wegen der zunehmenden Erosion und Einsturzgefahr verboten!

AB Fungus Rock und Azure Window

Nachdem wir immer noch nicht genug herumgestiegen sind und zahllose Bilder geschossen haben, wird es Zeit für den Abschied, zugleich mit dem Eintreffen der ersten Touristenbusse. Nach diesem extrem wilden Küstenwinkel wollen wir noch einen typischen Hafen an der Südküste besuchen!

Die Fahrt dorthin geht wieder über San Lawrenz und Victoria, dann hinab zu einem malerischen Fjord mit dem alten Fischerort Xlendi (“Schlendi”).

Bei unserem letzten Besuch im Oktober 2014 bin ich über den Felsensteig vom Kai aus zu einem luftig-eindrucksvollen Aussichtspunkt hinaufgestiegen. Diesmal wollen wir den Fjord entlang wandern und die herrliche Frühlingsflora genießen.

Bei einem Wachturm an der Einfahrt in den Fjord kommen wir zu ganz absonderlichen Felsformationen, harte Korallenkalkplatten im Gegensatz zum Globigerinenkalk, dem weicheren Hauptbaustoff des alten Malta. Aus der Fülle von Blumen zeige ich nur diese wild wachsende Felsen-Levkoje.

Ein Traum, im Hotel am Hafen den Sonnenuntergang zu genießen und hier spannende Tage zu verbringen… Die anschließende Einkehr in einem traditionellen Fischrestaurant muss uns genügen… Als Abschluss des Tages fährt Hannes mit uns nach zum Gut Ta Mena, wo er den herrlichen Wein bezieht und wo es alles gibt, was man aus Feigen, Paradeisern, Kapern, Oliven und den saftigen Naturorangen machen kann.

So zeigte sich die Frühlingslandschaft von Malta und Gozo im üppigen Frühjahr 2015, weithin leuchten die Berghänge im Rot der Süßkleebüsche, und an den Rainen blüht die sonnengelbe “Daisy”… Stimmungsvoller können Erinnerungen nicht sein, noch dazu weil die Rückfahrt mit der Fähre Bilder zeigt, die malerischer nicht sein könnten…

Von unseren Bildern aus Malta habe ich nachträglich die Orchideen herausgesucht. Unsere Ausbeute war eigentlich nicht so überwältigend, denn von den angeblich 15 Orchideenarten Maltas konnten wir nur vielleicht die Hälfte sehen. Obwohl wir fünfmal und insgesamt gute zwei Monate in Malta verbracht haben (jetzt leider nicht mehr, da die Berufstätigkeit unseres Sohnes dort geendet hat – wir waren ja seine Gäste, dankenswerterweis…).

Bevor ich auf den “Complex” der besonders vielfältigen Braunen Ragwurz / Ophrys fusca agg. komme, möchte ich noch zwei Arten vorstellen, die wir auch aus Österreich kannten.

Es ist zuerst das Wanzen-Knabenkraut / Orchis coriophora – wir kennen es aus dem Nordburgenland, kommt aber auch in Niederösterreich vor (nach Janchen: östliches NÖ, sogar Wienerwald, bei Spitz in der Wachau und am Jauerling). In Malta ist es, im Gegensatz zur gewöhnlichen und als Stinkendes Knabenkraut bezeichneten Art die subsp. fragans / Duft-Knabenkraut, wächst aber dort nicht auf feuchten Wiesen, sondern auf den trockenen Heideböden, etwa besonders oft gesehen, auf der Marfa Ridge im Nordwesten Maltas. Das obige Exemplar habe ich am 30. März 2015 in Pembroke fotografiert.

Diese zwei Blüten hat Anni mehr als eine Woche später (4. April 2015) auf der Marfa Ridge (unterwegs zur Marienkapelle) fotografiert, vom selben Ort und Datum stammen auch meine beide folgenden Bilder:

Als Einschub zwischen diesen beiden Bildern wäre noch nachzutragen: In der Österr. Exkursionsflora (Standardwerk von Fischer / Adler / Oswald) findet sich die Bezeichnung Hundswurz / Anacamptis und rangiert in einer Gattung mit Pyramidenständel und Salep-Knabenkraut / Orchis moria – nur als Hinweis angeführt, dass nicht nur das “Aussehen” der Orchideen vielgestaltig ist, sondern auch die Nomenklatur!

Die Ausbeute an Maltesischen Orchideen war beim ersten Frühlingsaufenthalt von Mitte März bis Anfang April 2015 – einem überaus üppig grünenden und blühenden Frühling – wesentlich reichhaltiger als im Jahr 2016 von Mitte April an, wo die Natur schon sommerlich vertrocknet war (nach einem zu warmen und zu trockenen Winter). Doch fündig – wenn auch spärlich – wurden wir sogar im Herbst:

Die Herbst-Wendelähre / Spiranthes spiralis (Blütenanordnung im Bild sehr schön sichtbar). Nur diese Art kommt auf Malta vor, bezeichnet als Spiranthes autumnalis. Die Sommer-Wendelähre / Spiranthes aestvalis soll in Niederösterreich vielleicht schon ausgestorben sein, wir entdeckten sie schon vor längerer Zeit im Keutschacher Seental in Kärnten in einer sumpfigen Wiese. In Malta wächst sie auf extrem trockenen und felsigen Boden,  beide folgenden Bilder konnte ich am 22. Oktober 2015 in Pembroke fotografieren (im Herbst 2016 fanden wir trotz intensiver Bemühungen dort nur ein einzelnes sehr schwaches Exemplar), Blütezeit in Österreich später August bis Sepember!

Mir ist erst durch die facebook-Gruppen EUROPÄISCHE WILDWACHSENDE ORCHIDEEN und FREUNDE WILDWACHSENDER EUROPÄISCHER ORCHIDEEN bewusst geworden, dass die Blütezeit der Orchideen schon längst eingesetzt hat. Selbstverständlich nicht bei uns in Mitteleuropa und schon gar nicht in den Alpenländern, sondern im gesamten Mittelmeergebiet! Alle Ziele wären eigentlich leicht erreichbar, von Zypern bis zu den Balearen, in Süditalien mit Sardinien und Sizilien sowieso.

Unsere eigenen Erfahrungen mit diesen südlichsten Gefilden Europas beschränken sich auf Malta, denn selbst im schon relativ nördlich gelegenen Istrien waren wir erst spät im April und Mai. Aber dieses Bild von der Drohnen-Ragwurz/Ophrys bombyliflora hat Anni schon am 25. März 2015 auf den Dingli Cliffs, mit rund 250 m Seehöhe der höchste Gipfel Maltas, fotografieren können. Für uns schien dieser Termin schon recht früh, aber weit gefehlt – dort gibt es nicht nur die berühmte Mandelblüte bereits im Februar, und ebenso haben die Orchideenfreunde zu dieser Zeit schon die schönsten Blüten aufgenommen. Ich musste erst bei diesen Gruppen mit der Kommentarfunktion nachfragen, wann diese Bilder entstanden sind, denn nicht alle  Beiträge geben neben den Namen zwar die Kameradetails an, aber am wichtigsten sind – exakter Name, Aufnahmedatum, Ort.

AB Maltesische Spinnen-Ragwurz / Ophrys melitensis / 30. 3. 2015 / Malta Pembroke

Bis hierher der Entwurf von vor drei Tagen, heute am 7. März aktualisiert: Es hat wieder heruntergeschneit bis etwa 900 m, und der Sengenebnerberg in unserem Blickfeld von St. Veit an der Gölsen aus ist schon wieder weiß. Daher beschäftige ich mich nach der Wiesenwienerwald-Exkursion zu den Frühlingsknotenblumen wieder mit den mediterranen Orchideen:

Diese Spinnen-Ragwurz (wie im vorletzten Bild) ist eine Besonderheit Maltas, auf den Maltesischen Inseln als Endemit auftretend: Ophrys melitensis / O. sphegoides ssp. melitensis. Das Mal auf der Lippe kann hufeisenförmig sein (wie “normal” bei dieser Art), aber auch nur aus zwei “Stricherln” bestehen. Interessant vor allem, weil es sich um eine für Malta typische Unterart handelt.

Diese schon anfangs gezeigte Ophrys bombyliflora / Drohnen-Ragwurz (wegen des speziellen Mimikries = Insektentäuschung auch Hummelschweber- oder Bremsen-Ragwurz genannt) habe ich am 30. März 2015 am Malta-Heritage-Trail in Pembroke aufgenommen. Sie ist im Mittelmeergebiet (im Gegensatz zur vorigen Unterart) weit verbreitet, wobei es aber wahrscheinlich bis sicher auch von dieser Art spezielle und womöglich bei jedem Standort wenig anders aussehende Unterarten geben wird.

Als wir diese Pyramiden-Ständel gesehen haben, hat uns sehr gefreut, dass wir in der Fremde eine uns aus der Heimat vertraute Orchidee entdecken konnten. Ganz genau stimmt das nicht, denn die von Anni am 8. April 2015 auf der Marfa Ridge aufgenommenen Blüten gehören zu einer ebenfalls auf Malta endemischen Unterart: Anacamptis pyramidalis ssp urvilleana / Maltesische Pyramidenorchis, die auf verschiedenen Standorten leichte Variationen zeigt.

08-04-15 Marfa Ridge

AB 21-04-16 Pembroke

25-03-15 Hagar Qim Mnajdra

AB 21-04-16 Pembroke

Völlig neu für uns, auch in Istrien noch nicht gesehen, war der Zungen-Ständel / Serapis, den wir am 5. April 2015 in ein paar Exemplaren am Malta-Heritage-Trail in Pembroke entdecken konnten. Dieses steinige, vielfältig aber lückenhaft bewachsene Areal erstreckt sich an der Nordküste unterhalb der ehemaligen britischen Kasernen weitläufig hinab bis zum felsigen Strand. Einst diente es als Übungsgelände für die Truppen, heutzutage werden aber dort auch Schießübungen abgehalten, worauf mit Fahnen und Warnschildern hingewiesen wird (gejagt wird dort wohl nicht). Eine Naturlehrpfad zieht vom Sport- und Erholungsgelände am Ostrand nahe den großen Hotels gegen Westen, mit Infotafeln versehen und als betonierter Spazierweg, gegen das Meer zu befindet sich eine große Wasserentsalzungsanlage mit riesigen Rohrleitungen. Außerdem sieht man ruinöse Unterstände und Baureste aus der Militärzeit. Aber diese Anlagen bedeuten keine Beeinträchtigung der Gegend, denn abseits davon gibt es typische Naturflächen, wenn auch ebenfalls typisch stellenweise etwas ruderal. Diese setzen sich weiter westwärts fort bis zu einem in der Ferne sichtbaren Wachturm.

30-03-15 Pembroke

Am 5. April danach zeigte sich der Zungen-Ständel schon weit mehr entwickelt, ob das allerdings die Vollblüte ist, weiß ich nicht. Laut der informativen Quelle www.maltawildplants.com gibt es auf Malta den Echten oder Pflugschar-Zungen-Ständel / Serapis longipetala od. vomeracea und die folgende Art (aus anderen Berichten der Orchideenfreunde wahrscheinlicher ?): Serapis parviflora oder Serapis lingua ssp. parviflora / Kleinblütiger Zungen-Ständel.

Jedenfalls hat uns dieser Fund besonders gefreut, und jetzt muss ich den Beitrag wegen des schon großen Umfangs abschließen, Fortsetzung folgt jedoch!

Wir haben diesen einsamen und kaum den Anrainern bekannten Standort schon vor (unglaublich!) einem halben Jahrhundert entdeckt, als wir bei einer Wanderung aus der hintersten Perschenegg von der Kukubauerhütte wieder ins Tal hinabstiegen. Damals habe ich noch ein Dia mit Anni vor den schon etwas austreibenden Rotbuchen gemacht.

Inzwischen in St. Veit an der Gölsen ansässig, sind wir immer wieder dorthin gegangen (auf unserem Insiderweg vom Kerschenbach) und waren jedesmal gespannt, wie weit oder überhaupt die “Märzenbecher”, wie wir hier die Frühlingsknotenblumen / Leukojum vernum nennen, schon in Blüte seien. Von Schneeflecken mit knospenden Märzenbechern bis zu mehr Grün ringsum, bereits austreibenden Buchen und schon vielfach abgeblüht, so haben wir alle Stadien erlebt und fotografisch dokumentiert. Erwähnt ist dieser Standort mit anderen nahe gelegenen botanischen Besonderheiten auch im Naturfreunde-Führer “Wandern im Wiesenwienerwald” (2003 und 2004, Seite 48).

Vollblüte und am kleinen Gerinne (alter Entwässerungsgraben)

Fotos Anni (AB)

Einmal waren wir sehr erschrocken, als der Besitzer vom Göllersreiter-Hof (der uns gut bekannte Büchinger Leopold) versucht hat, diesen Wiesenwinkel wirtschaftlich nutzbar zu machen. Der Sumpfboden, in den man nicht einmal zu den trockensten Zeiten mit einem Traktor hineinfahren kann, widerstand jedoch allen Bemühungen. Im ersten Bild, das die ungestörte Wiese zeigt, befindet sich inmitten der grünenden Blumenfläche nun der Entwässerungsgraben. Diesen entlang und in den Wald hinein gedeihen jedoch die Märzenbecher umso üppiger und zahlreicher!

In den letzten Tagen – wir wollten ohnehin schon dringend zur “Märzenbecherwiese schauen gehen” – kam eine über die Marktgemeinde vermittelte Anfrage von Blumenfreunden zu diesem Standort. Bei der Gelegenheit habe ich die Karte mit dem offiziellen Zugangsweg zusammengestellt und gleich einmal wieder nachgelesen: Interessant wurde das im “Janchen / Flora von Wien, NÖ und Nordburgenland”, denn dort entdeckte ich, dass im Wienerwald überhaupt keine Frühlingsknotenblumen vorkommen! Mir war dieser Standort bisher nur deshalb so bedeutend erschienen, als hier die Flora der inneren Kalk-Voralpen auf die Flyschzone übergreift. Die schwach giftigen Frühlingknotenblumen sind nämlich bodenvagierend, das heißt nicht an den Kalkgehalt des Bodens gebunden. Es gibt sie nämlich auch im Dunkelsteinerwald und im Waldviertel, jedoch – mit Ausnahme unserer “Märzenbecherwiese” – nicht im Wienerwald!

Ich habe in der Karte den sozusagen offiziellen Zugangsweg eingetragen: Von der Sattelhöhe am Durlaß zwischen Rohrbach an der Gölsen und Michelbach (Parkplatz) am Grubbauer vorbei auf Asphaltstraße zum letzten Parkplatz bei der Rechtswendung zum Brennhof und der Sternwarte Anthares. Von hier zu Fuß auf dem Fahrweg weiter über die Jubiläumsweide zur Kukubauerhütte und auf dem markierten Wanderweg-404 zum malerischen “Alpenblick” und bergab zur Sattelwiese mit Kapelle (derzeit wieder gelb, vorher länger blau gestrichen) und dem dahinter befindlichen, von der Familie Knoll vulgo Hochedler jüngst erneuerten “Windkreuz” (historischer Grenzpunkt, Rotes Kreuz, nördlichster Punkt des Bezirkes Lilienfeld). Dann im Wald weiter zum nächsten Sattel nach Punkt 705 m der Österr. Karte, wo der Wanderweg leicht rechts in den Wald weiterführt, während die MTB-Donaublick-Strecke leicht links zum Gehöft Göllersreiter führt (zugleich Wanderweg von St. Veit an der Gölsen). Vom Sattel mit Blick über St. Pölten bis ins Waldviertel und Kamptal mit Stift Göttweig geht man am rechten Waldrand entlang in nördlicher Richtung weglos bergab bis zum flachen Sumpfboden am unteren Waldrand. Bei den Vegetationsverhältnissen im zeitigen Frühjahr kann es keine Bedenken wegen der Begehbarkeit geben, später in der Vegetationsperiode ist die Örtlichkeit ohnehin nicht interessant. Noch etwas ist mir beim Erstellen der Karte aufgefallen – die “Märzenbecherwiese” befindet sich noch auf  St. Veiter Gemeindegebiet!

Blick auf die "Märzenbecherwiese" = die flache Waldlichtung, rechts Abstiegsrichtung, Rückweg am linken Waldrand aufwärts

Eigentümlich ist, dass die von mir als “Märchenbecherwiese” bezeichnete Lichtung, also der flache Sumpfboden, zumindest zum Zeitpunkt dieses Besuches keine Frühlingsknotenblumen aufwies, was wir aber anders in Erinnerung haben. Vielleicht kommen sie dort später, wie es bei vielen Frühlingsblumen üblich ist, die zuerst in den Gebüschen und an den Waldrändern blühen? Jedenfalls ist der linke (= westliche) Waldrand der Lichtung auch bemerkenswert und wartet – anfangs unverdächtig – mit einer Überraschung auf. Im Gebüsch ist nämlich ein kleiner Tümpel aufgestaut (vielleicht im Sommer botanisch etwas Interessantes?), der von einer oberhalb am Ende des Waldzwickels  entspringenden dauerhaften Quelle gespeist wird. Ein kleines Stück oberhalb befindet sich im Unterholz am zufließenden Bächlein ebenfalls ein überaus kräftiger Bestand von Frühlingsknotenblumen (wie in den vorigen beiden Bildern).

AB Blick ins Innenleben der Blüten und eine fototechnisch fast obskure Aufnahme - das Hauptmotiv schwebt in Unschärfe vor dem Gewimmel der scharfen Blüten!

Unseren Rückweg in den Kerschenbach wählen wir über die Kammhöhe südlich der Bauernhöfe Göllersreiter – Molln – Nekam (alle mit Hausgeschichte im St. Veiter Häuserbuch von Mag. Wilfried Gram und mir, erhältlich im Gemeindeamt St. Veit, eine Fundgrube für alle lokalhistorisch Interessierten). Von diesem Hauptkamm des südwestlichen Wienerwaldes (ich benenne ihn westlich von der Klammhöhe mit dem von mir kreierten geographischen Begriff “Wiesenwienerwald”) ergibt sich ein fantastisches Alpenpanorama mit den Schaustücken Schneeberg und Ötscher!

Blick über das Hallbachtal zum Schneeberg, davor links Jochart und rechts Schwarzwaldeck

Hohenstein und rechts dahinter der Ötscher

Die Wetterverhältnisse waren zwar nicht grandios, aber immerhin gut zum Fotografieren und mit relativ klarer Fernsicht. Diese und nächste Woche, vielleicht auch noch länger, wird die Märzenbecherblüte noch anhalten!

Im beginnenden Frühling ein Rückblick auf die intensiven Wintertage Mitte Februar!

Freitag, 10. Februar – Tourenlauf auf dem Ebenwald:

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Während im Tal die Schneelage etwas geringer geworden ist, aber sich noch immer eine geschlossene Schneedecke hält, liegt auf den Bergen förmlich noch “meterweise” das komprimierte Weiß. Im Bild ersichtlich  auch unsere Backcountry-Ski mit den von Thomas Schweiger (Ski-Sport-Hainfeld) renovierten Steigfellen. Auf dem Ebenwald vermuten wir einen sonnigen Tag ohne den jetzt häufigeren Hochnebel, und das wollen wir ausnützen, um die “Pracker” (unsere liebevolle Bezeichnung für die BC-Ski) auszuprobieren.

Nach leidlich guter Auffahrt zum Ebenwald-Parkplatz biegen wir entlang der Loipenspur gleich rechts (westlich) Richtung Schönbodner ab. Zu unserer Überraschung gibt es eine gute Spur (eine Woche davor war sogar ein Langlaufrennen, das von einer italienischen Gruppe gewonnen wurde!). Wir benützen gleich die BC-Ski samt Steigfellen, das ist von Vorteil, weil wir nicht genau in der Spur laufen, sondern meist daneben. Aber auch nicht zu weit ins Unverspurte hinein, denn wie die vereisten Grasstängel zeigen besteht die Schneefläche aus glasig splitterndem Bruchharsch. Dieser liegt wie ein Deckel auf dem unterhalb grieslichen Schnee – grauslich für eine Tour im freien Gelände!

Hochstaff und Blick zur Reisalpe mit der schönen Loipenspur!

Inzwischen sind wir schon beim Kaltenreiter vorbei und folgen der Spur über den breiten Sattel beim Draxler. Es scheint zwar die Sonne, aber der Südostwind ist eiskalt und scharf, dass echt polare Gefühle aufkommen können. Beim folgenden Anstieg, wo sich gerade noch der Unterberg aus den Wolken schält, wird uns schon wärmer, und dann kommen wir ohnehin in die geschützten Mulden hinüber zum Egger Sand.

Nach dem nächsten Anstieg folgt eine kurze Abfahrt zu den weiten Mulden beim Kaltenreiter. Sowohl bergan als bergab sind wir bei diesen Schneeverhältnissen froh über die Steigfelle – ich habe sie noch dazu mit einem Spezial-Fellwachs behandelt, und sie gleiten ausgezeichnet.

Der Rest der “Tour” entlang der Ebenwald-Loipe verläuft durchaus angenehm, obwohl der Wind auch noch zu Mittag grimmig kalt ist – das soll ein Föhn sein? Eher ein Polarlüfterl mit erhöhter Geschwindigkeit! Bei der Talfahrt nach Kleinzell haben wir nach diesem schönen Vormittag auch noch Glück, denn nur ein Auto kommt uns auf der stellenweise vereisten Bergstraße entgegen…

Sonntag, 12. Februar – auf den Schöpfl:

Nur zwei Tage später – Hochnebel und Wolken verhüllen zwar den Himmel, leichte Minusgrade dazu, eine Ahnung von Raureif an den höheren Berghängen. Vielleicht kommen wir am Schöpfl in die Sonne? Und die Anfahrt dorthin ist auch nicht zu weit. Über Gerichtsberg – Kaumberg – Altenmarkt kommen wir nach St. Corona am Schöpfl. Am Kaufgeschäft Huber vorbei beginnt die Tour. Leider wird dieser Nahversorger bald schließen, und es gibt schon Sonderangebote. Wenn man Wallfahrtsandenken von St. Corona haben will, muss man sich also beeilen – noch stehen Gläser und Fläschchen (für das Heilwasser aus dem kunstvollen Brunnen) zur Verfügung…

Wie gewohnt nehmen wir gleich den blau markierten Aufstiegsweg direkt vom Ort (nicht vom eher beliebten Rastbank-Sattel an der Straße Richtung Schöpflgitter). Vorbei an der “Kreuzwiese” kommen wir bald in den Wald und zugleich auch in die Hochnebeldecke. Ein großer Vorteil, wie sich herausstellt, denn zu dem bisschen wie angezuckerten Neuschnee kommt noch ein immer mächtigerer “Anraum”. Dieser Eisbehang an allen Zweigen verwandelt den Wald förmlich in eine Wunderwelt. Die kleinen Fichterl unter den hochragenden Buchenstämmen wirken wie die Schneemänner aus dem historischen und liebenswert-illustrierten Kinderbuch von Anneliese Umlauf-Lamatsch…

Beim Wegkreuz gehen wir gleich geradeaus den Spuren nach zur Berghöhe, und wie durch ein Eistor kommen wir hinaus auf die Wiese westlich der Matraswarte.

Ganz schön eisigkalt ist es auch schon hier heroben, und mir frieren schön langsam die Finger ab beim Fotografieren! Trotzdem kraxeln wir noch auf die vereiste Matraswarte hinauf, die sich auch ohne Aussicht bei diesen Verhältnissen als Höhepunkt erweist.

Dann geht es rasch zu der aus dem Nebel auftauchenden Schutzhütte hinunter. Zum Glück hat sie (nach der Sperre im Jänner) jetzt im Februar zum Wochenende geöffnet. Einkehr wie immer vorzüglich!

Über den Abstieg ist nicht mehr zu viel berichten, außer dass im Rückblick diese Tour trotz “schlechten” Wetters – oder vielleicht gerade deshalb – ein eigenartig wunderschönes Wintererlebnis war!

Ein Monat Rückblick – Mittwoch, 15. Februar: Eigentlich wäre Neuhaus am Programm gestanden, weil ich schon immer einen Tourenlauf durch die Gräben und Wälder im “Sibirien Niederösterreichs” machen wollte. Auch hatte ich dort schon Erfahrung mit Langlauftouren von meinen Lehrer-Kursen des Pädagogischen Instituts, so etwa 1997. Aber dann war der Wetterbericht so eindeutig mit klarer Fernsicht, dass ich statt der Waldtour in Neuhaus doch eine Gipfeltour vorziehen wollte.

Den Ausschlag gab dann diese Karte, wo bei der Route vom Lahnsattel-Pass zur Sulzriegelalm westlich vom Kriegskogel eine durchgehende Forststraßen-Linie eingezeichnet war. Nun, erstens diesen idealen Tourenlauf ausprobieren und zweitens schauen, ob es dort wirklich eine durchgehende Forststraße überhaupt gibt. Denn mir war nur der verbindende Waldsteig zwischen den Straßen bekannt… (Kreis in der Karte=

Zu unserer Überraschung ist der Parkplatz auf der Lahnsattel-Passhöhe schon rechts voll, alle Tourengeher Richtung Göller. Aber auch auf unserer Route gibt es Spuren, vor allem von Schneeschuhgehern. Bei der mit Pfeil bezeichneten Abzweigung des Waldsteiges gehen wir wie geplant (und von der unrichtigen Karte verführt) auf der Forststraße weiter. Diese endet jedoch exakt an der Landesgrenze, und der Weiterweg ist noch dazu von umgestürzten Bäumen verlegt! Wir kämpfen uns also durch das sperrige Geäst und steigen dann in der steilen Rinne, eigentlich  einer schmalen Lichtung, hinauf bis zur querenden Spur des Waldsteiges. Zum Glück ist der Schnee nicht zu hart für unsere Langlaufschuhe, und außerdem helfen uns einige Wildspuren…

Nun geht es einfach weiter, leicht bergab die Forststraße südwärts entlang, rechts wendend (wo sich im Sommer ein abkürzender Steig befindet) bis zur querenden, den Nordhang der Wildalpe entlang ziehenden Forststraße. Die Spuren helfen uns sehr, denn daneben herrscht vielfach immer noch Bruchharsch (wie wir ihn am Ebenwald vor ein paar Tagen erlebt haben). Die tief verschneite Almstraße (hier wird das Almvieh bis zur Sulzriegelalm mit Traktoren befördert) hat gerade die richtige Neigung für den bequemen Anstieg mit Steigfellen, ebenso später bei der Abfahrt. Dann kommen wir ins Freie, wo an urigen Baumgestalten vorbei sich der Blick zum Göller öffnet.

Leider liegt der Hang im Schatten der steilen Wildalmhänge, die Spur lässt sich jedoch leicht verfolgen, und an den Steilstellen ist sie sogar von einer kleinen Wächte wie von einem sichernden Geländer begleitet!

Über diesen, hier täuschend flach aussehenden Hang sind wir schon einmal mit Tourenschi von der Wildalpe abgefahren. Bei diesem Bruchharsch wäre das nicht empfehlenswert – die Zeiten des schönen Pulverschnees sind seit dem letzten Warmwettereinbruch im Jänner vorbei – gegenüber am Göller Südhang gibt es sogar schon Firn (wie im facebook nachzulesen).

Am Wegkreuz vorbei nähern wir uns schon der Sulzriegelalm und gleiten dann durch die Mulde hinüber zu den Almhütten.

Auf der Hüttenbank ist es wundervoll in der Sonne zu sitzen. Als einzige Tourengeher (mit Schneeschuhen) begegnen wir hier meiner Kollegin Hilscher aus St. Aegyd mit Begleiterin, sonst völlige Einsamkeit!

AB Panorama Göller

Die Rückfahrt führt noch mehr im Schatten dahin, aber es gleitet sich ganz wunderbar und nicht zu schnell bergab. Diesmal nehmen wir aber den Waldsteig und schnallen dazu die Schi ab. Am Lahnsattel hat sich inzwischen der Parkplatz geleert, die Tourengeher sind schon heimwärts unterwegs – und wir haben eine wunderschöne und eigentlich relativ mühelose Tour hinter uns – Backcountry hat sich wieder einmal bewährt!

Teleblick zum Ötscher

AB Bergahorne entlang der Spur

Hier folgt mein Tourenbericht von 2009 zum letzten Beitrag:

Oisschlucht mit Langlaufschiern – das ist Wildnis pur!

23. Januar 2009 von Bernhard Baumgartner Bearbeiten |

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Hart & zart

So war unsere Langlaufgruppe zusammengestellt, mit der ich bei einem PI-Kurs (= Pädagogisches Institut NÖ) eine Tour in die tiefste Wildnis unternommen habe. Typische Flurbezeichnung - “Auf der Bärtanne” – vielleicht hat dort einmal ein Holzknecht Zuflucht vor einem Bären auf einer Tanne gesucht… Hinter dieser Geländestelle, eigentlich knapp nordwestlich davon und in der Karte nur als kleine Lichtung ausgewiesen, verbirgt sich eines der ursprünglichsten und schönsten Hochmoore der nordöstlichen Alpen – das “Rotmösl” bei Neuhaus. Wir waren auch schon im Sommer dort und fanden das ungeheuer seltene Herz-Zweiblatt sogar blühend neben vielen anderen raren Moorpflanzen. Im Hochwinter mit seinen strengen Frosttagen kann man über das hoch aufgewölbte Moor laufen und erlebt dabei eine ganz besondere Naturerscheinung – vielleicht strömen feuchte Schwaden aus dem Torfgrund durch die dicke Schneeauflage und bewirken auf dieser die phänomenalen Raureifkristalle? Verirren darf man sich dort möglichst nicht, allerdings käme man an der dem Steilhang der “Bärtanne” gegenüber liegenden Nordwestseite zu einer Forststraße, die das Moor umrundet (und leider auch schon von Südwesten her Richtung Moor gebaut wurde – so eine Sauerei!!!!!).

Nach meiner Karte müssten man sich eigentlich gut orientieren können – aber ich werde bei meinem ResidenzVerlagBlog noch eine genaue Beschreibung erstellen. Vorerst nur ein paar Hinweise: Nach Durchquerung des Rotmösls Abfahrt auf Forststraßen zum Stausee Oisklause oder gleich zurRehberghütte. Die Durchquerung der eigentlichen Oisschlucht hat fünf (!) Schlüsselstellen, nämlich die Bachüberquerungen! Wo im Sommer nur Trittsteine zu finden sind, dazwischen beherzte Sprünge notwendig, ist jetzt eine trügerische Eiskruste. Wer mit den Langlaufschiern das Wasser berührt, kann die Tour aufgeben, denn dann pickt der Schnee erbarmungslos an. Aber Aufgeben gilt hier nicht, nicht in dieser Wildnis! In der Schlucht hat es ärgste Minusgrade – ein Kältesee! – nicht umsonst wachsen auf ihrem Grund die Latschen, während an den Hängen der stattliche Oisurwald stockt.

Von der Faltlhöhe würde eine direkte Forststraßenabfahrt zurück nach Neuhaus führen. Dort gibt es aber eine riesige Wildfütterung. Beim Kurs wurde durch Intervention bewirkt, dass die Sperrtafeln knapp daneben entlang der Forststraße postiert wurden und diese dadurch frei befahrbar war. Wie das jetzt ausschaut, müsste ich erst probieren? Wir nahmen jedenfalls eineHöhenroute auf Forststraßen gegen Westen bis zur Jägertalhöhe und fuhren von dort auf der alten Zufahrt des Oistals (Jägertalstraße) zügig hinab zum Ausgangspunkt. Auch beim Anstieg nahmen wir das unterste Stück dieser Forststraße (Wegkreuz) und kamen dabei gar nicht an der Wildfütterung vorbei.

Für Nachbegeher – wenn keine Sonne zu sehen ist, Kompass nicht vergessen, und Handyempfang gibt es dort wahrscheinlich nicht, eher die Begegnung mit einem der schon wieder fast ausgestorbenen Bären -keine Angst, die halten derzeit (wahrscheinlich !) noch Winterschlaf….

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