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Als Abschluss meiner Berichte über die Frühlingstour nach Tapolca und zum Balaton habe ich meinen Artikel aus dem Land der Berge Heft 3 / 2014 in meine Seite BALATON gestellt. Dort sind alle Wanderziele beschrieben und auch Karten beigefügt.

Bei der Fahrt von Österreich zum Plattensee, dem Ungarischen BALATON, egal ob über Sopron oder Köszeg (die bessere Route) – dabei durchquert man die Kleine Ungarische Tiefebene. Über die Grenze hinaus ist das Land zwar nicht absolut flach, hie und da gibt es sogar niedrige Hügel, etwa in der Nähe des aus der Steiermark (Raabklamm !) kommenden Flusses Raab / Raba. Bei klarer Sicht erscheint sogar der schon ferne Schneeberg wie ein Himalayagipfel, überhaupt wenn er noch weiß über die grünende Ebene leuchtet. Erst von der gequerten (von Sarvar her) oder befahrenen (von Vasvar her) Hauptstraße Nr. 8 kommt man auf die Hügelberge des Bakonywaldes zu. Aber halt – da erhebt sich im Nordosten über der “brettlebenen” Niederung ein echter Gipfel, die pyramidale Gestalt eines tertiären Vulkanberges, wenn auch nicht von alpinem, sondern von pannonischen Format – der SOMLO ! In der niedrigen Ebene wirken sogar seine 432 m Gipfelhöhe imposanter als es das nächste Bild zeigt.

Dieses Bild haben wir bei unserem ersten Besuch Ende Oktober 2013 aufgenommen, Stimmung damals schon sehr herbstlich, trotzdem starker Besuch wegen eines in Ungarn schulfreien Tages. Dass der über den sanft ansteigenden Weingärten schroff und teilweise sogar felsig aufragende Steilrand ein doppeltes Plateau verbirgt, wo allerhand Merkwürdigkeiten zu entdecken sind, haben wir damals schon bemerkt. Erst beim nachträglichen Stöbern im WEB hat sich herausgestellt, dass dieser SOMLO nicht nur das kleinste, aber womöglich feinste Weinbaugebiet Ungarns ist, sondern sicher auch seit uralten Zeiten kultische Bedeutung und Siedlungs- wie Schutzfunktion hatte. Aus diesem Grund wollten wir bei unserem letzten Frühlingsaufenthalt noch einmal dorthin kommen (Wein habe ich leider wieder nicht mitgenommen… daher vielleicht nicht das letztemal dort gewesen….).

Hier sind noch ein paar Bilder von 2013, die Tafel bezüglich EU-Förderungen verweist auf die Erschließung als Schutzgebiet im Jahr 2011 (ebenso groß sind die derzeitigen Werbetafeln der Orban-Regierung für Widerstand gegen die EU…). Bei der Anfahrt war uns das Wetter noch zu schlecht für den Abstecher zum Somlo, dafür zeigte sich der Tag der Heimfahrt am 10. April mit den besten Verhältnissen. Also fuhren wir von Tapolca auf der Nebenstraße über Nyirad (vorbei an Straßenrändern voll Frühlingsadonis und neben sicher auch botanisch interessanten Kalkhügeln, leider zu wenig Zeit…) nach Devecser an der Hauptstraße Nr. 8. Ein kleiner Orientierungsfehler (zu früh abgebogen) brachte uns noch dazu quer durch das Dorf Somlovasarhely, immer wieder interessant, solche abseitigen Orte zu sehen. Wieder auf der Hauptstraße zweigten wir nahe einer auffälligen Raststation in Richtung zum schon ganz nahen Somloberg ab.

Unser Ziel war die südlich des Gipfels stehende Margit-Kapelle (wie bei unserem letzten Besuch), aber zuerst näherten wir uns dem Berg von Westen her, wo sich auch eine Kirche auf einem Weingartenhügel befindet. Die Auffahrt ist nicht unspannend, weil durch Hohlwege zwischen martialischen Basaltsteinmauern, zwar asphaltiert, aber ziemlich schmal und bei Gegenverkehr unangenehm (trotz Rückfahrkamera unseres Mazda CX/5). Doch dann landeten wir gut am Parkplatz neben der richtigen Kapelle, wie schon bekannt etwas ruderal und säuberungsbedürftig, aber insgesamt ist der Eindruck der verstreuten Kelterhäuser gut (kleine Weinbaubetriebe und vielleicht Wochenendsitze, verwilderte Grundstücke gäbe es bestimmt leicht zu erwerben, wenn auch die derzeitige Regierung solchen Ambitionen eher feindlich gegenüber zu stehen scheint).

Neben der Margit-Kapelle die "Ruine" eines uralten, aber wieder frisch austreibenden Lindenbaums

Vor allem die Kirschbäume stehen in vollster Blüte, und vom Steilhang unterhalb der Basaltfelsen leuchten die Wilden Weichseln herunter. Neben einer im Gelände beschilderten Fotogalerie beginnt die (wie immer gute) Markierung auf den Somlo, die bald aus den Weingärten hinaus durch einen idyllischen Hohlweg den Hang hinaufweist.

Grete und Anni startbereit!

Dann kommen wir auf eine breite Terrassenfläche hinaus, die jetzt im Frühling wie ein verwachsener Brachacker wirkt, im Herbst aber von einigen Blumen bewachsen war. Geradeaus geht es auf den letzten Gipfelanstieg zu, der zwischen Strauchwerk steil und mit Stufen auf der rötlichen Erde “bezwungen” wird (poröses vulkanisches Tuffgestein im Gegensatz zum harten Basalt).

Bunte pannonische Wolfsmilch

Auf dem Gipfelplateau gibt es dann schon wieder etwas Neues, nämlich eine Gedenktafel (wie im Bild), das steinerne Schutzhaus mit seiner Aussichtswarte ist an einem so gewöhnlichen Tag natürlich geschlossen. Aber interessanter ist ohnehin das riesige, aus Holz konstruierte Kreuz mit der Heiligenstatue daneben. Bei einer Natur-Lehrpfad-Tafel würde der direkte Weg zu der am Nordhang weiter unten ragenden Burgruine / Vhar führen, den wir leider (wieder) nicht begehen.

Die überlebensgroße Figur des Sv. Istvan stellt den Nationalheiligen und Patron Ungarns dar, den Heiligen Stephan, der im 11. Jh. die Magyaren einigte und das ungarische Königtum mit der symbolisch so bedeutenden Stephanskrone (diese in Kopie im Budapester Parlament, Original in Wien bei den habsburgischen Herrschaftsinsignien) begründete. Zimperlich waren dieser heilige, die Ungarn zum Christentum bringende  Herrscher sicher nicht (wie ich dem WEB entnehme), denn als die Nachfolge seiner Familie durch Verwandte in Frage gestellt wurde, ließ er diese blenden und ihnen die Ohren mit Blei ausgießen…..

Was soll das bedeuten? Sicher ist es ein wichtiges Symbol....

Wir spazieren nun (statt zur Ruine, auch ein Grund zum Wiederkommen) westlich über die Wiese hinunter, wo sogar schon Kastanien (und der Flieder sowieso blühen) und kommen zum westlichen Bergrand mit einer weiten Aussicht über die Kleine Ungarische Tiefebene. Leichter Dunst verhindert, dass wir etwa den Schneeberg sehen könnten, aber von den südseitigen Aussichtspunkten sind die Vulkangipfel bei Tapolca gut auszunehmen. Die grüne Wiesenfläche und ihre blühende Umrahmung mit Bäumen und Sträuchern ist jedenfalls ein sehr hübscher Eindruck!

Pimpernuss und Kirschen

Der markierte Lehrpfad wendet sich hier links zur Südseite und kommt an einer interessanten Infotafel vorbei. Entsprechend der österreichischen Katasteraufnahme von ca. 1820 wurde in Ungarn um 1870 (nach dem Ausgleich zwischen Österreich & Ungarn, Beginn der K. u. K. Habsburgerherrschaft, Franz Joseph als Kaiser von Österreich und König von Ungarn) eine ebensolche Vermessung durchgeführt. In dieser Karte sind am oberen Bergrand entlang zahlreiche Weinkeller / Pincen mit Namen versehen eingetragen! Die Weinberge sind hier heroben allerdings verschwunden und die Gebäude nur mehr als Steinhaufen erhalten. Interessant ist, dass der Somlo eher kleinbäuerlich bewirtschaftet war, sich aber in der Ebene darunter zwei riesige neue, teilweise unter der Erde verbaute Betriebe befinden (einen davon konnten wir als Brennerei vermuten). Was in der Landwirtschaft unter den Kommunisten als eine Art “Kolchosen” betrieben wurde, scheint sich nach der “Entstaatlichung” und dem Übergang zum kapitalistischen System wieder rückschreitend zu verändern, so wie einst der Adel der ungarischen Magnaten seine Großgrundbesitzungen hatte.

Eine "Puchinger-Pince" gibt es auch neben der Margit-Kapelle!

Nun kommen wir schon in den Nachmittag hinein, und durch den malerischen Hohlweg geht es wieder hinunter zu den Weingärten und zum Rastplatz bei der Margit-Kapelle. Dabei sehen wir sogar eine Smaragdeidechse, die wegen der angenehmen Wärme höchst lebendig und kaum zu fotografieren ist.

Nach ausgiebiger Rast bei mildem Wind und Sonnenschein machen wir uns dann an die Rückfahrt. Leider erwischen wir einen anderen “Zufahrtshohlweg” und versäumen das vorher gesehene Weingut, also geht es ohne zusätzliches Gepäck (unser Auto platzt ohnehin schon aus allen Nähten) an die Heimfahrt. Diesmal Richtung Sopron, aber bei Kophasa nach Deutschkreuz abzweigend und über die Burgenland-Schnellstraße nach Wr. Neustadt und ins schon heimatliche vertraute, mit zahlreichen Radarfallen versehene Triestingtal. Alles gut gegangen, nichts Unangenehmes passiert, und schön war´s!

Beim nachösterlichen Wintereinbruch, der alles frische Grün und alle Blumen mit einer dicken Schneeschicht überdeckt hat, bleibt nur die Flucht zurück in den Frühling, wie wir ihn im März und Anfang April erleben konnten. Dazu passt die Tour vom Palmsonntag, 9. April 2017 bestens – auf den mächtigsten Vulkanberg nördlich des Plattensees im Nationalpark Balaton-Oberland.

Im Bild erhebt er sich, beidseitig vom Seespiegel begrenzt, mit 438 m Höhe über das westliche Drittel des Plattensees. Während die unteren Hänge zwischen Badacsonytördemic im Nordwesten und Badasconytomaj im Südosten fast ausschließlich mit Weinrieden bedeckt sind, ist der von Felswänden gesäumte und oben abgeflachte Gipfelaufbau ein Waldberg. An der Grenze von Wein und Wald, von sanften offenen Hängen und steilem Waldhang, befindet sich im Süden der beliebteste Ausgangspunkt für die Besteigung oder sogar die Überschreitung des Gipfels. Dort stehen das Kisfaludy-haz und das ebenfalls museale Haus der Muse des ungarischen Dichters. Hätte ich diese Sehenswürdigkeiten besser im Gedächtnis gehabt, wäre uns eine kleine Irrfahrt erspart geblieben. Die Erfahrung dazu, als wir von Badacsonytördemic den Anstieg aufspürten, war mir leider nicht mehr bewusst. So fuhren wir von Tapolca nach Badacsonytomaj und zweigten, an der neoromanischen rötlichen Kirche vorbei, auf die Romai-utka ab, die schon auf die Römerzeit zurückgehen soll. Ich kann nur empfehlen und mir für allfällige weitere Besuche merken – diese Straße entlang fahren, eine lange Strecke, vorbei an der auffallenden Anna-Kapelle und einem guten Restaurant im Csarda-Stil. Ja nicht vorzeitig hinauf in das Gewirr der irgendwo in den Weinbergen endenden schmalen Hohlweggassen! Erst beim Wegweiser “Kisfaludy-has” bergwärts abzweigen, die nächsten Parkmöglichkeiten nicht beachten und  bis zu den Waldrändern, auch wenn die Zufahrt immer schmäler wird, denn dort oben wartet ein guter Parkplatz (mit Gebühr, die sich auszahlt).

Unter wir meine ich diesmal nicht nur Anni, Grete und mich, sondern im zweiten Auto die ganze Familie Baumgartner aus Maria Lanzendorf – Veronika, Andreas, Bernie, Astrid und Clemens. Übrigens sind deren männliche Angehörige, egal welchen Alters, ausdauernde BARFUSSWANDERER !

Als Einleitung wird eine Mauer entlang des Stiegenaufganges (solche Strecken sind typisch für den Badascony) begangen, also ein kurzweiliger Beginn. Dann folgt die Lichtung mit dem “Rosa-Stein”, jenem sagenumwobenen Basaltblock, auf dem sich jung oder alt verliebte Paare mit dem Rücken zum See setzen sollen, worauf sie ein Jahr darauf verheiratet sein werden. Für uns eine gute Gelegenheit, endlich einmal Familienfotos zu schießen, bevor es am linken Wanderweg zu den Weingartenrändern mit Blick auf den westlichen Balaton und zum Berg und Burgplatz von Szigliget geht.

Von hier aus hätte man auch die Möglichkeit, rechts weiterzugehen und den Gipfel entlang der roten Markierung zu umrunden, bis die steile Basaltschlucht-Passage des Kökapi (Steintor) zum Plateau hinauf und zum Kisfaludy-Aussichtsturm führt. Wir halten uns aber an den linken Weg, anfangs richtig zum Laufen für die Kinder und dann über eindrucksvolle 460 Stufen der “Flüchtlingsstiege”  auf den Berg. Alle diese Örtlichkeiten sind mit historischen Erinnerungen verbunden und entsprechenden Tafeln ausgestattet.

Über die Stiege kommen wir alle mehr oder minder ins Schnaufen, aber der Tiefblick und die Basalttürme nahe daneben machen den Aufstieg auf jeden Fall spannend, was für die Kinder am wichtigsten ist. Und oben befindet sich ohnehin gleich ein Rastplatz für die schon dringend erwartete Jause!

Dann leitet uns die blaue Markierung am Bergrand rechts entlang,  an schönen Aussichtsplätzen vorbei, bis zum Pseudo-Gipfelpunkt beim Ranolder-Kreuz (einem Gedenkpunkt aus dem 19. Jahrhundert, eigentlicher Gipfel ist der Kisfaludy-kilatu, der 2011/12 errichtete hölzerne EU-Aussichtsturm; paradox – auf riesigen Reklametafeln wirbt Regierungchef Orban gerade für EU STOP….).

Hier steht man auf den Achteck-Platten von riesigen Basaltpfeilern und hat einen wunderbaren Blick über den Plattensee.

Später verläuft der Wanderweg eher im typischen pannonischen Laubwald, beim “Steinhaus” gibt es aber noch einmal ein ebenso schönes Panorama und außerdem ziemlich verlässlich Smaragdeidechsen in den Spalten des alten Steinbaues.

Das ist nun der letzte Blickpunkt, denn bald schlängelt sich der Steig über viele Steinstufen und über eine Basaltkanzel nur mehr im Wald bis zum Rozsa-kö, dem “Heiratsstein”, hinunter. Aus dem urigen Wald mit seinen verstreuten Basaltblöcken geht es dann hinaus zum parkartigen Gelände nahe dem Ausgangspunkt.

Der Rest des Wanderausfluges zum Badacsony verläuft getrennt, denn wir drei wollen schon zurück in die Therme, und den “Baumis” ist die Luft ausgegangen – ein platter Reifen (hoffentlich nicht wegen meiner vorausgegangenen Irrfahrt durch die steinigen Hohlwege). Damit nähert sich unser wirklich lohnender Aufenthalt in Tapolca allmählich dem Ende – noch einmal in die jetzt schon spärlicher frequentierte Therme, Abend- und Frühstücksbuffet viel zu üppig, am letzten Tag schon um 7 Uhr morgens ins Bad, wo wie angekündigt, aber nicht wirklich erwartet alle drei Kinder auftauchen… eine rührige Gesellschaft, die den Bademeister immer etwas in Spannung hält….  wir gehören auch zu euch? Jedenfalls schön und abwechslungsreich war´s auf jeden Fall!

Das Gebiet um den Plattensee hatten wir schon ein paarmal als Urlaubs- und Wanderziel gewählt, hochsommerlich 2000 und 2001, aber auch schon in den 1980er Jahren. Schöne Angebote führten uns im Frühjahr 2009 nach Balatonfüred, und nach Tapolca kamen wir im April 2012 und Oktober 2013. Als Ergebnis der letzten Aufenthalte gab es sogar einen Beitrag im Heft 3 / 2014 des Outdoor-Magazins “Land der Berge”.

„Vulkanwandern“ – ohne Weltreise!

Text und Bilder: Bernhard Baumgartner

Im Nationalpark „Balaton Oberland“ ragen schroffe Basaltklippen aus Weingärten, Laubwäldern und pannonischen Steppenböden – ungewöhnliche Wanderziele über dem schimmernden Plattensee.

Tihany und Basaltberg Hegyestü

Also hatte wir viele nennenswerten Ziel schon besucht und allerlei Naturbesonderheiten im NP Balaton Oberland erkundet. Aber der angekündigte Kurzurlaub von Astrid & Andreas & Bernie & Veronika & Clemens bewog uns doch wieder, im Hotel Pelion Tapolca zu buchen, begleitet von unserer Nachbarin Grete.

Bei der Anreise am Donnerstag 6. April – diesmal über Oberpullendorf und Köszeg auf angenehmer Route – war das Wetter noch sehr gemischt, und wir konnten die beiden ersten Tag voll zum Baden in der Hoteltherme ausnützen.

Das empfehlenswerte Hotel Pelion ****sup zur Erholung und als Ausgangspunkt für viele Touren und Ausflüge

Am Samstag, 8. April, begann sich anscheinend die verkündete Wetterbesserung durchzusetzen, außerdem war die Therme wochenendmäßig stark besucht. Also machten wir uns nach der Mittagszeit zu einer naheliegenden Tour auf: CSOBANC, 376 m hoher tertiärer Vulkankegel mit einer im 13. Jh. angelegten Höhenburg, die im Zug der Niederschlagung ungarischer Aufstände 1709 zerstört wurde.

Csobanc, von der Hangterrasse bei der Donatkapelle (schon auf halber Berghöhe) gesehen

Das Wetter war zwar nicht sehr verlockend, aber immerhin mit etwas Sonne und noch mehr Wolken und vor allem starkem Nordwestwind. Die kurze Zufahrt erfolgt auf der Richtung Plattensee (Badacsonytomaj) führenden Straße bis zum Nachbarort Gyulakeszi, wo neben der Kirche ein Fahrweg zum Bergfuß abzweigt (Parkmöglichkeit, markierter Fahrweg zur Burg = Vhar).

Unsere (schon vom Herbst 2013 bekannte) Route führt aber nicht auf dem Burgweg bergwärts, sondern wir gehen gleich rechts am Bergfuß entlang, an Kelterhäusern vorbei und kurz durch einen Garten hindurch, zu dem von Westen her einmündenden Fahrweg. Die Rieden sind noch völlig kahl, aber daneben blühen Sträucher und Bäume schon recht hübsch, und den Hintergrund bilden der Georgsberg und der spitzigere Gulacs.

Gulacs und Badascony

Der Fahrweg windet sich durch ein Seitental zwischen teilweise gut bewirtschafteten, anderseits verwilderten alten Kulturflächen hinauf und berührt dabei einen Geopunkt mit Basaltblöcken. Dann geht es links wendend an weiteren Kelterhäusern (Kleinhäuser in Weingärten, mitunter samt Keller und selten mit Ausschank) vorbei bis zu einer Kreuzung.

Die Kreuzung markiert eine typisches Steinkreuz mit Marienfigur. Hier könnten wir links am steilen Bergfuß zum Ausgangspunkt zurück gelangen, wir wollen aber den Gipfel komplett ersteigen und überschreiten. Also rechts auf einem flacheren Weg und bei angenehmer Sonnenwärme im Windschatten des Csobanc zur Anhöhe bei der St. Donat-Kapelle. Diese ist dem Weinheiligen Donatus geweiht, daneben befindet sich ein Brunnen, ebenso intakt und hergerichtet wie mehrere Landhäuser entlang der folgenden Wegstrecke.

Da sind mir nun zwei Herbstbilder dazwischen gerutscht! Bei unserer aktuellen Wanderung blühten die Nussbäume, ein eigentümlicher Strauch daneben, und die Aussicht gegen den Plattensee war eigentlich ganz vorzüglich.

Alle diese Bilder von Anni!

Teilweise sogar etwas bergab geht es nun auf dem von Kaptalantoti heraufkommenden Fahrweg neben einzelnen sehr schön gelegenen Häusern am Oreghegy bis zum Waldrand – dort befindet sich die links hinauf weisende blaue Markierung, entlang der wir durch niedrigen Wald und Gebüsch immer steiler und mit einigen Kehren gegen den Gipfel ansteigen.

Hier gibt es blühenden Milchstern, die Breitblättrige Weißwurz und auf den Graslichtungen eine stattliche Wolfsmilch. Sonst ist der Berg anscheinend botanisch recht dürftig, entweder ruderaler Wald oder alter Kulturboden wie auf der bald erreichten Hochfläche. Dort erkennt man an Gruben und Wallformen, dass das Gipfelplateau wohl zur Gänze einst als Schutzraum befestigt war, aber nur mehr einige Mauerreste der Burg sind erhalten und teilweise denkmalschützerisch saniert.

Gedenktafel an die Erstürmung der Burg

Die umfassende Aussicht ändert nichts an den unwirtlichen Wetterverhältnissen, der stürmische Wind treibt uns sozusagen an den Abstieg, wo der Burgweg etwas geschützter verläuft. So kommen ganz gemütliche, aber auch ganz schön “ausgeblasen” wieder zum Auto am westlichen Bergfuß und fahren zurück zum Hotel Pelion in Tapolca, wo schon das warme Thermalwasser und das opulente Abendbuffet auf uns warten (übrigens haben wir zu Dritt an den vier Abenden zwei 1,5 Liter Magnum Rotwein geschafft…).

Nach meinem ersten Waldviertelführer von 1994 (zweite Auflage 1998) folgte 2002 ein neues Waldviertelprojekt in eigentlichem Führerformat und unter Einbeziehung der Wachau (2. Auflage 2005).

Nach dem wegen der ausgiebigen Einleitungen eigentlich ein “Waldviertler Geschichtenbuch” darstellenden ersten Führer traten nun die Wanderrouten in den Vordergrund, und jedesmal (2008 und 2012 erweitert) wurden es mehr Touren!

Eine Tour zwischen Waldviertel und Wachau habe ich in jeder Auflage beibehalten, nachdem ich sie (heute für mich als Extremwanderung erscheinend) für 2002 erwandert hatte: Spitz / Hinterhaus – Jauerling – Mühldorf – Spitzergraben. Angeregt zu dieser Route hat mich vielleicht eine alte Wachauer Touristenkarte und wohl eher die Notwendigkeit, die Runde über den Jauerling zurück nach Spitz zu schließen. Inzwischen hat sich jedoch im Spitzergraben allerhand geändert. 2008 markierte die Winzervereinigung MARIVINO mit orange-grün den Spitzergraben-Höhenweg, und seit 2012 verläuft dort der Wachau-Welterbesteig zwischen Spitz und Mühldorf. Über unsere Begehung (mit neuer Routenbeschreibung) am 25. Oktober 2016 – schon für den neuen Führer “Ausflugserlebnis Wachau” habe ich bereits im Blog berichtet.

Provisorisches Cover des neuen Wachau-Führers

Wie schon bei meinem Beitrag über den Michaelerberg berichtet, ergab sich nun durch die Verschiebung des Wachauer Erscheinungstermines die Möglichkeit, zu den schönen Herbstbildern noch einige neue Aufnahmen aus der frühlingsmäßigen und frühsommerlichen Wachau hinzuzufügen. Aber andere Termine und das Wetter spielten nicht mit, und so war in der Karwoche, genauer gesagt am Karfreitag 14. April, anscheinend die einzige Chance gekommen, die Baumblüte auch noch im Spitzergraben zu erwischen. Zwar bei  wechselhaftem Wetter, aber etwas Sonne bei der Anfahrt durch St. Pölten ermunterte uns, die Fototour doch anzugehen. Mit viel Glück ist diese auch gelungen, noch dazu kam bei den letzten Bildern zwischen Bruckhütte und Hochleiten immer mehr Sonnenlicht ins Spiel. Hier sind nun die Ergebnisse dieses Tages:

Diesmal sind alle Bilder von mir, und vielleicht könnte sogar ein neues Titelbild für den Wachauer Ausflugsführer dabei sein?

Die “Hauptblüte” der Marillenbäume in der Wachau war mit bestem Wetter intensiv und werbewirksam angekündigt – Wochenende zum Aprilanfang, wechselnde geringe Bewölkung, bei Südostwind sehr warm, sogar bis 25 Grad in Föhnlagen… Wer kann da einem Ausflug in die Wachau widerstehen, ausgenommen man sucht eher die Einsamkeit in den Voralpen oder im höheren Waldviertel?

Ausgerechnet bei diesem Bild erwische ich eine Pfirsichblüte!

Wenn schon in die Wachau, muss man unbedingt ein ruhigeres Fleckerl erwischen. Diese gibt es genug auch nahe dem Strom in den Obst- und Weingärten, aber nicht unbedingt an der prominenten Waldviertler Seite. Viel eher schon am Fuß des Dunkelsteinerwaldes, und da bieten sich Schönbühel-Aggstein, die Arnsdörfer mit ihrem Mariellenweg zum Glauberkreuz oder das von uns gewählte Rossatz an.

In der Spitzenposition der Ausblicke hat Rossatz das einzigartige Bild von Dürnstein mit der Ruine gegenüber. Dorthin kommen wir auch am schnellsten, nur bei der Ortseinfahrt und schon davor erkennen wir das Hauptproblem dieses “Supertages”. Das Durchfahren ist schon mühevoll genug, aber das Auto überhaupt erst abstellen zu können…. Indem ich in Rossatz besonders gut bewandert bin, weiß ich den sicher freien Platz – beim Friedhof! Einen Anrainer daneben gefragt und erfahren, der “Gottesacker” in von öffentlichem Gut gesäumt. Und obwohl es keine Hinweistafel wie “Parken nur für Friedhofsbesucher” gibt, würde uns das voll genügen, aber Anni besucht noch dazu das Grab von den Eltern ihrer (in St. Veit begrabenen) Freundin Monika Hausleitner geb. Moser.

Von den “Nussbankerln” nach dem Weingut Sigl (beim Wasserreservoir) geht es schon hinauf in den Bergwald, denn der von uns angepeilte Panoramaweg verläuft nicht unten in den Weingärten (wie der Welterbesteig), aber auch nicht so hoch oben wie der Jankerlweg. Dieser bringt uns allerdings nach kurzem Aufstieg im steilen Muglergraben zur anschließenden Querung und dem Abstieg Richtung “Sonnwendkugel”.

Inzwischen weiß ich´s – der Platz heißt wirklich “Sonnwendkugel” und nicht wie von mir ursprünglich angenommen Sonnwendkogel (da war ich wie öfters skeptisch, unbegründet diesmal…), nach dem dort markant platzierten Wackelstein auf Wachauer Art. Dieser Platz ist wirklich großartig und sogar nicht als einfacher Spaziergang erreichbar – entweder über den Jankerlweg oder von Rührsdorf her vom Muglerweg oder Welterbesteig abzweigend. Fotogen unabhängig von Jahreszeit so um Mittag wegen dem dekorativen Seitenlicht, morgens und abends ungünstiges Gegen- oder Auflicht.

Von meinem neuen Wachau-Headerbild-Standort geht es dann auf der Forststraße am “Gott´s Ackerl” vorbei, wie schon bei der Wanderung zur Waldandacht beschrieben. Ich habe angenommen und nachgefragt, ob diese Bezeichnung etwas mit dem Geheimprotestantismus während der Gegenreformation zu tun hat, aber keine Auskunft abgewartet. Diesmal bin ich auf die Seitenkuppe hinaufgestiegen und dort auf eine Ansammlung kanzel- oder altarartiger Steinblöcke gestoßen, die auch allein schon an einen Friedhof voll zyklopischer Grabsteine erinnern. Vielleicht genügt das zur Namenserklärung, jedenfalls hat der Flurname sicher einige Bedeutung, sonst wäre er nicht angeschrieben….

Nach einem kurzen Stück auf der Muglerstraße bergab zweigen schon der Welterbesteig und der Rührsdorfer Panoramaweg ab, und damit sind wir schon an der “Marillenmeile” angelangt. Hier merkt man erst, dass die Wanderwege zwar weniger, aber alle Parkplätze vor den Heurigen und ihre Zufahrten voll zugeparkt sind! Dieses besonders hübsche Wegstück zurück nach Rossatz zeigt zuerst Weißenkirchen und nach dem “Steinkompass” die Wächterwand in ganz malerischer Ansicht.

Nach kurzer Waldpassage geht es schon bergab auf Rossatz zu. Während Anni aber gleich links zum Friedhof-Parkplatz weitergeht, zweige ich rechts am Welterbesteig ab und marschiere in die Weingärten hinaus bis zum Aussichtsplatz mit der Skulptur “Smaragdeidechse”.

Auf direktem Weg hinab zum “Hintaus” von Rossatz beschließe auch ich die Tour. Unterwegs begegnet mir noch ein Gast aus Salzburg, der sich aus der stockenden Kolonne in der Ortsdurchfahrt herausgerettet hat. Das machen wir ebenfalls, indem wir beim “Hintaus” gegen Rossatzbach entweichen und ungehindert von den Marillenblütenfans nach Hause fahren. Anni und mich als Bildautoren habe ich diesmal leider zu trennen übersehen!

Da meine Arbeiten für den Kral-Verlag-Führer “Ausflugserlebnis Wachau” im Anschluss an die Fertigstellung des neuen “Wandererlebnis Waldviertel  GRENZENLOS mit Südböhmen & Südmähren” schon ziemlich in den Spätherbst hinein geraten sind, ist das neueste Bildmaterial zu sehr herbstlich geworden. Also kam mir die Verzögerung mit der Wachau (ich selbst hatte schon alles fertiggestellt) nicht ungelegen, und ich lauerte förmlich schon darauf, endlich wieder und vor allem digital die blühende Wachau zu erwischen!

Den ersten Versuch startete ich schon drei Tage nach dem Kreischberg-Urlaub am Dienstag, 28. März, mit dem Ziel – von Spitz über den Michaelerberg zum Roten Tor. Bei der Zufahrt waren in Loiben (wie auch in den Medien schon angekündigt), die ersten Marillenblüten zu bemerken. Aber sonst wirkte die Wachau noch sehr vorfrühlingsmäßig! Da meine Route hauptsächlich als Fototour beabsichtigt war, musste ich mich auch an die Lichtverhältnisse halten. An diesem Tag zwar Superwetterbericht, kein Reif morgens im Gölsental, Temperatur bis 20 Grad, also herrlich – aber: in der Wachau muss man auch immer wieder mit leichtem Dunst rechnen, vor allem bei windschwachem Wetter.

Als daher St. Michael im passenden Seitenlicht auftauchte, biege ich gleich rechts ab und stelle das Auto am Parkplatz der Heurigenschenke neben der alten Wachaustraße ab. Vom idyllischen kleinen Ortsplatz zweigt die rote Markierung in einen schmalen Durchgang zwischen den Häusern ab und überquert die Bahnstrecke. Dann geht es gleich steil hinauf zu den Trockenrasen oberhalb des Ortes.

Blick über die Donau auf Arnsdorf und das Kupfertal, eigenartige Lössablagerungen am Steilhang

Der gut markierte Steig erreicht dann durch steilen Wald die Hochwiese am Michaelerberg mit Trockenrasen samt noch schön blühenden Nickenden Kuhschellen. Die Großen Küchenschellen (Pulsatilla grandis) blühen im Gegensatz zur Pulsatilla pratensis nur mehr im Schatten.

Pulsatilla grandis und P. pratensis / nigricans

Mit dem einmündenden Welterbesteig geht es dann über eine Blockkante sogar teilweise bergab im Hangwald weiter, bis der nächste felsige Bergvorsprung mit idealem Blick auf die Donau zwischen Arnsdorf und dem Spitzer Tausendeimerberg auftaucht.

Im trockenen Hangwald mit Eichen, Hainbuchen und Föhren (sogar einzelne Schwarzföhren!) gibt es noch nicht viel Blühendes zu sehen, außer der Echten Primel (Primula officinalis) und der hier typischen Fels-Schaumkresse (Cardaminopsis petrea). Diese Querung zieht sich – entgegen meiner Erinnerung – ziemlich lang, bis der vorspringende Hangrücken am Arzberg mit dem historischen Kupferstollen erreicht ist. Das zum Spritzen in den Weingärten benötigte Kupfer wurde einstens hier abgebaut. Weitere Querung bis zu einem Forstweg, wo die Markierung hinauf zur Buschandlwand abzweigt, hier jedoch mit einigen Kehren talwärts bis zum Mieslingbach.

Kurz taleinwärts, dann links neben massenhaften Leberblümchen ansteigend zum Roten Tor, das Licht leider nicht mehr ideal. Aber immerhin steht diesmal kein Minitraktor oder Anhänger im Bildfeld!

Hier gibt es die erste Rast, danach gehe ich nicht auf dem Asphaltweg weiter, sondern gleich links durch einen Hohlweg bergab – dem Weinweg und Welterbesteig entsprechend. Wie das Milzkraut im feuchten Mieslingtal typisch war, ist es jetzt an den trockenen Weinterrassen der früh blühende Reiherschnabel.

In Vollblüte steht das Felsen-Steinkraut, und neben dem mauergesäumten Hohlweg entdecke ich in den Obstgärten die ersten sich gerade öffnenden Marillenblüten.

Das ziemlich ausgestorben wirkende Ortszentrum gibt mir diesmal Gelegenheit zur Kirchenbesichtigung, denn wie in St. Veit an der Gölsen gibt es hier eine gotische Apostelgruppe, allerdings etwas jünger und an der Orgelempore.

Der Weiterweg führt mich auf der alten Kremserstraße durch den Ort und zuletzt auf dem Radweg wieder zurück nach St. Michael.

Schon wieder im Rückblick: Erster ganzer Tag unseres “Schiurlaubes” am Kreischberg (wie immer im Relax Resort bestens untergebracht, immer dasselbe Zimmer mit Kreischbergblick hoch oben, einzige Herausforderung – und das dann noch viermal – das opulente Abendbuffet…).

Im Wetterbericht schon angekündigt – auf den milden Anreisetag des Frühlingsbeginns (genau am 20.) folgt am 22. März eine Störung mit kühlem Nordwestwind und starker Bewölkung. Für uns eine gewohnte und leicht zu bewältigende Angelegenheit, denn wir sind ja auf  Winter- und nur zum Teil auf Schiurlaub. Eigentlich wären wir versucht, über die Berge gegen Süden zu fahren und im unteren Lavanttal die Hundszahnlilien zu suchen. Aber das nahe liegende St. Lambrecht war uns dann doch lieber…

Der in den Waldbergen südlich des oberen Murtals gelegene Ort (mit dem Beigeschmack des Dynamithwerkes, das dort schon vor längerer Zeit versteckt angelegt wurde) ist durch sein Benediktinerstift berühmt. Es ist das Mutterkloster von Mariazell, und der “Mariazeller Gründerweg” steht uns als Pilgerroute noch bevor…

AB Stift St. Lambrecht vom Aufstieg nach Maria Anger aus

Was wir noch nicht kennen – die kleine Wallfahrtskirche am Hang der Grebenzen. Also stellen wir das Auto nach der hübschen Anfahrt durch die Hochtäler der Kärntner und Steirischen Lassnitz beim Stift ab. Einer von vielen beschilderten Wanderwegen leitet uns aus dem hübschen Ort hinaus in Richtung Schipiste, die sogar noch verschneit ist. Dann nimmt uns ein romantischer, sehr pilzverdächtiger Wald auf.

Beim “Engelsbrunn” beginnt nicht nur der Kalvarienberg mit seinen Stationen, sondern vom Gegenhang dröhnen ohrenbetäubende Sprengschüsse herüber (wird das Dynamith ausprobiert?). Doch der weitere langgestreckte Aufstieg über eine Forststraße mit den einzelnen Kapellen wird dann wieder waldruhig, und nach einem gemütlichen Dahinwandern – sogar noch über vereiste Stellen – taucht unvermittelt die Bergkirche auf.

Der flache Sattel am Abhang der Grebenzen heißt Schönanger, wirklich ein schöner kleiner Wiesengrund neben der Kirche und dem für eine Wallfahrtsstätte typischen Gasthaus, das allerdings in Winterruhe verharrt (nur ein paar vereinsamte Kätzchen streichen herum, arm und auf die Kirchen- oder Wirtsmäuse angewiesen…).

Die Pilgerstätte geht auf einen bereits in der Barockzeit oder sicher schon früher aufgesuchten heiligen Ort zurück. Das gar nicht so kleine Kircherl entstand im 19. Jahrhundert, als viele solche lokale Heiligtümer in Mode kamen und gefördert wurden. Hier werden noch regelmäßig Gottesdienste abgehalten und besondere Tage, wie eine Tafel Auskunft gibt, speziell begangen (Kirchweihfest am Sonntag nach dem 15. August). Anni hat die Wallfahrtskirche im Bild so festgehalten:

Nach kurzem Aufenthalt in der überaus gepflegten Kirche (gegen eine entsprechende Spende kann man die Pilgerkerzen und das Weihwasser vom Engelbrunn mitnehmen) machen wir uns an den Abstieg. Diesmal gehen wir nicht auf dem Kalvarienbergweg zurück, sondern auf der zum oberen Rand der Lambrechter Schipiste führenden Zufahrtsstraße.

Oberhalb vom Hof Stern mit seinem umfassenden Blick über den Talkessel wechseln wir auf die bäuerlichen Güterwege, die uns über die windausgesetzten Wiesenhänge hinab leiten, bis wir wieder nach St. Lambrecht hinein kommen. Als Abschluss halten wir noch für einen kurzen Besuch des Stiftes inne – die von Dunkelheit geprägte Basilika mit ihren hochragenden Gewölben kennen wir zwar schon, aber damals war ein Fotografieren analog nicht möglich, digital geht alles…

Für den weiträumig und schön angelegten Garten ist es uns aber nun wirklich zu kalt, ebenso für einen Abstecher in die nahe Klamm, wo vielleicht die Korianderblättrige Schmuckblume blühen könnte. Uns lockt eher schon das “Wellness” im Hotel, um uns wieder aufzuwärmen. Aber die Kühle ist schon recht, denn mit der für den nächsten Tag versprochenen Sonne wird es endlich ans Schifahren gehen… wenn auch der Schnee schon gegen die Zweitausendergrenze hinauf sich zurück gezogen hat. Die Kreischberg-Pisten reichen jedoch noch bis ins Tal vor´s Hotelportal – kein Wunder, dass bis nach Mitternacht die Pistenraupen am Werken sind!

Eine Urlaubsfahrt in die obere Steiermark hat zwei entschiedenen Vorteile: Erstens fährt man auf wenig stressigen Strecken, und zweitens bleibt bei drei Stunden Anfahrt immer noch Zeit für den einen oder anderen “Abstecher” zu interessanten Orten oder Naturplätzen, für die man sonst nicht eine so weite Fahrt auf sich nehmen würde. So haben wir etwa schon den Häuselberg bei Leoben mit der Blüte der Steirischen Küchenschelle besucht oder das Stift Seckau (aber dort immer noch nicht die Wallfahrtskirche Maria Schnee hoch oben am Berg).

Das parallel zum oberen Murtal am Fuß der Niederen Tauern dahinziehende Tal  haben wir bei Ranten und St. Peter am Kammersberg schon kennengelernt. Aber bei jenem Ausflug (vom Kreischberg aus) hat uns ein heftig ausbrechendes Schlechtwetter gehindert, noch nach Oberzeiring weiter zu fahren. Daher diesmal bald nach Judenburg abgezweigt, und schon bald war der historisch so berühmte Bergwerksort OBERZEIRING erreicht.

Das Schaubergwerk mitten im Ort war gleich gefunden, ein Cafèhaus für die Mittagseinkehr gegenüber dem Kurhotel der bekannten Wagner-Resorts (wie in Perchtoldsdorf, wo ich meine Knie-Reha absolvierte, und im nahen heimatlichen Salzerbad bei Kleinzell). Das Lokal entpuppte sich als Bäckerei mit gut ausgestatteter, allerdings in Mittagsruhe gähnender Backstube. Dann gingen wir hinauf zum Heilstollen. Dieser ist sozusagen die Rettung dieses heutzutage ziemlich verschlafenen Ortes! Schon vom Altertum her bis ins Mittelalter war Oberzeiring für sein Silbervorkommen berühmt, bevorzugt noch dazu durch die Lage an der Römerstraße über die östlichen Tauern. Im 14. Jahrhundert jedoch legte ein Wassereinbruch in die wohl zu tief abgeteuften Stollen den Bergbau lahm. In den Chroniken werden 1400 Witwen in diesem Ort nach der Katastrophe erwähnt… Als Münzstätte bedeutend, aber später vom Bergsegen nicht mehr begünstigt, hat Oberzeiring erst durch den in den letzten Jahrzehnten eingerichteten Heilstollen (vor allem zur Behandlung von Asthma) wieder wirtschaftlich einigermaßen Fuß gefasst.

Weil wir uns noch die Füße vertreten wollten, wie es so für den Bewegungsdrang bei einer längeren Autofahrt heißt, spazierten wir oberhalb der Kuranlagen  den Sonnenhang hinauf. Angenehm frühlingsmäßig und etwas südlicher wirkend als bei uns zuhause im Nordosten! Noch dazu entpuppte sich der Spazierweg zu einem “Pfad der inneren Einkehr”, wo nicht nur Kreuzwegstationen sondern auch einzelne Punkte zum Stehenbleiben und Besinnen einluden.

Von den sonnigen Wiesen führt der Weg an alten Baumriesen vorbei zur Anhöhe mit der Kalvarienbergkirche. Diese ist zwar kunsthistorisch nicht so bemerkenswert wie die großmächtige Pfarrkirche und die ehemalige Knappenkirche im Friedhof, steht aber auf einem sehr stimmungsvollen Platz.

Nach dem gemütlichen Abstieg schauten wir uns noch das kleine, aber sehr feine Mineralienmuseum mit dem dazugehörigen Shop an. Es wird gerade neu eingerichtet und bietet neben schönen Steinen auch einen übersichtlichen Einblick in die Geschichte.

Die Pfarrkirche hat den Hl. Nikolaus als Patron

Also, der erste Stop war schon sehr ansprechend! Dann ging es durch einsame Waldtäler – vorbei an der Abzweigung ins Lachtal (schon einmal besucht) – zum eigentlichen Höhepunkt – nach OBERWÖLZ.

Oberwölz - am Fuß der gleichnamigen Gebirgsgruppe der Niederen Tauern.

Schon vom frühen Mittelalter her hatte dieser Ort als königliche Schenkung an das Bistum Freising überregionale Bedeutung, nachdem urzeitliche und römische Besiedlung hier Spuren hinterlassen hatten. Vor allem zog die bereits 1300 zur Stadt erhobene und etwa zur gleichen Zeit ummauerte Stadt aus dem bis Nürnberg und Italien reichenden Fernhandel steten Gewinn, wenn auch der Bergbau wesentlich geringer war als etwa in Oberzeiring. Erst als nach den Napoleonischen Kriegen die Geistlichen Besitztümer aufgelöst wurden, sank der Ort zur Bedeutungslosigkeit herab. Aber gerade dadurch hat sich sein altertümliches Aussehen wie kaum sonstwo erhalten und gilt als großartiges und gepflegtes Kulturdenkmal.

Schon bei der Einfahrt ins Ortszentrum waren wir voll überrascht, was sich hier an Baudenkmälern bot. Vor uns die mächtige, eine ursprünglich romanische Anlage verratende Pfarrkirche, auf dem Platz dahinter hochragende Gotik! Wir spazierten aber zuerst den langgestreckten Hauptplatz entlang – wie vielfach in solchen Orten einige nach Verwendung dürstende Geschäfte, aber alles sorgsam renoviert und gediegen, vor allem auch die Gasthäuser!

Rathaus und Mariensäule

Auslage für die frisch gebackene Weltmeisterin Niki aus dem Lachtal!

Vom Hauptplatz geht es durch das nördliche, nach Schöttl und zum Glattjoch (dem vom unwegsameren Sölkerpass aus Jagdgründen übertrumpften alten Tauernweg) führende Stadttour und entlang der in Gebäuden noch immer erkennbaren Stadtmauer entlang zurück zu den beiden hervorragenden Kirchen.

Nach dem Naturbild neben der Stadtmauer gibt es bald das Glanzstück von Oberwölz – die mittelalterliche Ummauerung ist fast vollständig erhalten; zwei Türme und drei Tore stehen noch aufrecht, darunter das Hintereggertor, das im Zusammenspiel mit der Brücke (samt Nepomuk) und den beiden dahinterliegenden Kirchen ein typisches steirisches Stadtbild bietet (nach Reclams Kunstführer).

Durch das wahrlich wehrhafte Stadttor kommen zum Kirchenplatz und betreten linkerhand die St. Sigmund-Kirche, einst zum Spital gehörend und ein Glanzstück der Gotik, hochragende Gewölbe im von einem schlanken Pfeiler geprägten Langhaus. Die Details sind ebenso beeindruckend wie der gesamt Raumeindruck!

Emporenbrüstung mit Motiven und Gedenktafel des Baumeisters von 1430

Schutzmantelmadonna in der rechten Seitenkapelle und Grabstein

Die Stadtpfarrkirche zum Hl. Martin, eine romanische Basilika mit mächtigem Ostturm und vorgebautem gotischen Chor, hat durch die barocke Gestaltung viel an Eindruck verloren. Der Pfarrhofgarten daneben ist aber umso stimmungsvoller…

Stadtpfarrkirche und Wallfahrtkirche St. Pankratius

Wir könnten nun (auf schon bekannter Strecke) über die Talstraßen weiter nach Murau fahren, aber uns lockt noch ein Kircherl auf dem Berg südlich von Oberwölz, wo es hinüber nach Katsch geht. Diese Wallfahrtskirche steht auf einem Anger über dem Talgrund, von Waldrändern umgeben und angesichts der hohen Tauernberge – wahrhaft ein bezaubernder Eindruck! Eigenartig sind die Kritzeleien auf der östlichen Außenwand, die bei der gediegenen Renovierung nicht übertüncht sondern freigelegt und geschützt wurden!

Votivbild mit allen nur möglichen Heiligen und Fürsprechern - uns locken schon die schneebedecktem Berge im Hintergrund!

Zu unserer Überraschung gibt es bei der Fahrt über die Berghöhe keine einzige Krokuswiese! Aber durch das schluchtartige Tal hinab nach Katsch sind noch Eisbildungen der strengen Wintertage zu sehen. Wie das Wetter weitergeht, das wissen nicht einmal die Frösche (oder Kröten, jedenfalls nicht mit Wetterprognose beschäftigt…) am Besinnungsweg von Oberzeiring, jedenfalls schaut der Abend angesichts des Kreischbergs gar nicht so schlecht aus…

Heuer und in den folgenden Jahren fällt der kalendarische Frühlingsbeginn auf den 20. März. Phänologisch wäre aber 2017 der meteorologische Start in den Frühling am 1. März passender gewesen. Denn zu diesem Zeitpunkt waren die Erstblüher bereits voll entwickelt:

Winterlinge, Schneeglöckchen, Hamamelis

Bis Mitte März voll blühend erhalten hat sich nur der Zaubernussstrauch / Hamamelis, ja und Anfang März sind noch die Märzenbecher d. h. Frühlingsknotenblumen dazu gekommen, ja natürlich auch die Krokusse.

Inzwischen sind alle diese “Erstlinge” schon verblüht, nur im Schatten haben sie sich länger gehalten. Und während in der “freien Natur” die Schneerosen schon vollst aufgeblüht und bisweilen dazu noch etwas verfärbt sind, haben ihre Verwandten – die anderen Helleborus / Nieswurz-Arten die schönste Zeit.

Schneerosen, hier noch in Vollblüte Mitte Februar, deutlich erkennbar die grünlichen Nektardrüsen!

Helleborus atrorubens / Violette Nieswurz und Orientalische N. / H. orientalis - Gartenformen

Diese schon gezeichneten  Garten-Lenzrosen stammen aus den Ländern südöstlich der Alpen. Die übrigen Nieswurz-Arten haben grünlichgelbe Kronblätter.

Dazu gehören die Grüne Nieswurz / Helleborus viridis, auch “Güllwurz” genannt (aber nicht weil zu ihrer Blütezeit im März bei uns im Gölsental so fleißig gegüllt wird…). Diesen Namen verdankt sie die heute fast absonderlich klingende Verwendung als natürliches Immunisierungsmittel in der Schweinezucht. Den Ferkeln wurde nämlich eine Wurzel der Grünen Nieswurz durch ein ins Ohr gestanztes Loch gefädelt. Der Giftstoff der Pflanze führte zu einer Entzündung und der Bildung von Abwehrstoffen, wodurch diese wertvolleren “gegüllten” Ferkel gegen die Schweinepest immun waren! Daher erklärt sich vielleicht auch das häufigere Vorkommen in den Obstgärten von Bauernhöfen. Die getrockneten Wurzeln der Schneerosen / Helleborus niger sollen einst sogar als Ersatz für den teuren Schnupftabak verwendet worden sein, was den Namen erklärt.

U. a. in der südlichen Steiermark kommt die Hecken-Nieswurz / Helleborus dumetorum vor, die derzeit zugleich mit den letzten Frühlingsknotenblumen und (auf slowenischem Gebiet südlich von Mureck) der Hundszahn-Lilie blüht. Dort gibt es auch eine besondere Krokusart – Crocus vittatus (exiguus) / Illyrischer Krokus mit besonders hübsch gezeichneten Kronblättern.

Zu den weniger bekannten Nieswurzarten, die sehr wüchsig ist (kräftig aussamend) und auch in der Umgebung von Wien vorkommt, gehört die Stinkende Nieswurz / Helleborus foetidus, am Aussehen und am tatsächlich unangenehmen Geruch leicht erkennbar – sie heißt auch “Bärwurz”. Woher soclhe Volksnamen oft abgeleitet werden, wäre interessant!

Ebenfalls geruchsintensiv ist der Bärlauch, im Volksmund als “Knofelkraut” bekannt und für Frühlingsspeisen sehr beliebt. Kaum ein Restaurant, wo nicht mehrere Speisen mit Bärlauch angeboten werden! Aus eigener Erfahrung jedoch – besser gekocht essen, denn roh in einem Aufstrich hat das Knofelkraut einmal so sehr auf den Magen geschlagen, dass ich nächtens mit der Taschenlampe in den Garten (woher die Blätter stammten) kontrollieren ging, ob es wirklich Bärlauchblätter waren… Denn Verwechslung mit Maiglöckchen oder Herbstzeitlosen können tödlich ausgehen, obwohl man bei so geringer Kenntnis der Pflanzenwelt besser nicht auf “Kräuterernte gehen sollte!

Da kann schon weniger passieren oder gar nichts, denn neben der Hochstängeligen Schlüsselblume / Primula eliator wächst ganz simpler – wilder Schnittlauch! Eigenartig ist übrigens (abseits der Gärten) die Verbreitung der Primelarten: Die vorhin abgebildete gibt es, neben der etwas späteren Arznei-Primel / Primula officinalis, recht verbreitet, während die Zwergprimel / Primula acaulis etwa im Gölsental kaum vorkommt, jedoch an der Triesting und Pielach in der Nachbarschaft besonders häufig.

Nun ist auch die Zeit für spezielle Blumenexkursionen gekommen – etwa zur wunderschönen Schachblume im südlichen Burgenland bei Luising oder im nahen Groß-Steinbach, wo sogar ein Naturdenkmal dieser (von mir im Pflanzenmarkt gekauften und hier abgebildeten) seltenen illyrischen Blume gewidmet ist.

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