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Seit 10 Jahren befülle ich nun den Blog: www.wandertipp.at, und meine Rubrik: Bernhard Baumgartner´s Autorenblog ist sozusagen mein digitales Tourenbuch geworden, nachdem ich schon vor 1960 bis Mitte der 1970er Jahre fast zwanzig handgeschriebene Tourenbücher zusammenbekommen habe. Nun entdecke ich aber doch, dass einige wesentliche Reise- und Tourenerlebnisse nicht im Blog festgehalten wurden. Daran habe ich im heurigen Jahr schon gearbeitet (Istrien 2008 und 2010), und auch für die Insel Krk bin ich bei mir selbst im Blog fündig geworden (Blog Mai und Juni 2011, sogar als Wanderführer verfasst). Was aber bisher noch fehlt, kommt jetzt im Blog und als Bilderalben in meinem Facebook “Wandertipp bernhard baumgartner”! Eigentlich genieße ich damit meine von mehr oder minder ausführlichen Aufzeichnungen begleiteten Berichte als Erinnerung, anderseits erscheint mir schade, das Bildmaterial in irgendeiner Festplatte ungenützt abzulegen. Vielleicht sind unsere Touren- und Reisebeschreibungen auch eine Anregung für an diesen Gebieten interessierte Wanderer (denn wir waren großteils wandernd unterwegs).

Die “Einleitung für Istrien im Frühjahr 2008″ befindet sich ja seit 13. und 14. 9. 2018 im Blog bzw. im Facebook Wandertipp, nun geht es an die bisher noch nicht beschriebenen Tourentage:

Sonntag, 25. Mai: Vom Wetter lese ich aus dem Kalender – wechselnd bewölkt, nachmittag ein paar Tropfen, warm. Also ideal für eine Tour, die wir allerdings erst erkunden müssen!

Von Medveja geht die Fahrt Richtung Moscenice, Diptam blüht am Straßenrand (also botanisch vielversprechend), dann folgt der malerische Hafen von Moscenicka Draga mit feinem Kiesstrand und einer großen Hotelanlage. Eine Promenade führt die anschließende Felsenküste entlang, wir kommen bis zum Strand bei Sveti Ivan und zur Villa Istra – fast altösterreichische Gefühle!

Von Moscenicka Draga (ital. Val Santamarina)  mit Hafen und Hotels zweigt dann im Seitental eine schmale Straße durch die steilen Waldhänge hinauf zur Ortschaft Moscenice ab. Dort ist das Mittelalter noch lebendig (wie es im Kunsthistorischen Reiseführer ISTRIEN heißt), wenige Häuser, die sich am steilen Felsen eng an die Kirche drängen, Treppen, Gewölbe, Arkaden und kleine Straßen mit abgetretenen Pflastersteinen. Historische Erinnerung ist der Doppeladler beim Portal des Stadttores von 1634, die massiven Steinhäuser erwecken einen wehrhaften Eindruck. Die Pfarrkirche allerdings barock, der hohe Glockenturm reicht ins 12./13. Jahrhundert zurück.

Eine steile Treppe mit über 700 Stufen hätte vom Strand unten herauf geführt in das Bergdorf, durch die Autoauffahrt haben wir aber genug Zeit eingespart, um die Tour bergwärts fortzusetzen. In der Erinnerung geht es mir jetzt ebenso wie im Gelände – die doch recht genaue Karte des Ucka-Nationalparks enthält zwar selbst die kleinen Straßen und die Namen von Häusergruppen, aber in der Natur hält man sich dann viel mehr nach den örtlichen Gegebenheiten. Also ob so ein Fahrweg noch passierbar erscheint oder ins Nirgendwo hineinführt. Von der auf Hangterrassen und durch Grabeneinschnitte dahin führenden relativ breiten Straße (Richtung Golovik und Brsec) zweigen wir bald bergwärts ab – noch auf Asphalt – und passieren die Häusergruppen von Rovini, Kalac und Mihani, soweit unterwegs notiert und in der Karte verzeichnet. Danach gibt es nur mehr einen alten überwachsenen Fahrweg, und nun geht es zu Fuß weiter – weglos über Trockenrasen und Felssteppen bis hinauf zum Waldrand. Hübsche Flora und Aussicht gegen die Insel Cres! Im submediterranen Waldgelände und durch zwei Poljen kommen wir wieder hinunter zu einer schon vorher berührten Querstraße und zum Autoabstellplatz bei einer Kreuzung, eine Ruine und ein unbewohnter Hof heißen Dugici, immerhin haben wir eine Runde von 2 1/2 Stunden bewältigt!

Eine Orientierungshilfe bietet an der schon erwähnten Querstraße ein Pfeil Richtung Grabrova, das ist allerdings im Norden, und wir müssen aber südlich weiter. Hier besteht (im Nachhinein) ein starkes, von uns gar nicht vorausschauend eingeschätztes Risiko in Form einer wilden Schotterstraße, offensichtlich nur eine Forststrecke mit groben Blöcken und einer oder mehreren quer über die “Fahrbahn” gelagerten großen Schlangen! Eine Abzweigung weist zur Ucka, ist aber nicht einzuordnen, ebenso der Ortsname Gasparici, mühselige und vorsichtige Fahrt – nur ja keinen Reifenschaden herausfordern! Endlich wieder ein bewohntes Haus bei Rubinici und bald darauf wieder auf Asphalt zur hübschen Ansiedlung Rosici. Selbst so entlegene Örtlichkeiten haben meist eine asphaltierte Zufahrt, und wo es ohne Asphalt weitergeht, marschiert man besser zu Fuß… Bei Rosici zweigen wir daher talwärts ab und erreichen bei Sveti Jelena wieder die von Moscenice kommende Neben-Hauptstraße. Glück gehabt, denn nun geht es überaus hübsch durch die Hangmulden bei Golovik und Martina zur Küstenstraße hinab. Eigentlich schade, dass wir uns für diesen landschaftlichen Höhepunkt nicht mehr Zeit gelassen haben. Aber eine bemerkenswert Ansiedlung wartet ja noch auf uns - Brsec (ital. Bersezio), auf hohem Felsen über dem Meer, umgeben von terrassenförmigen Kulturen mit Wein, Oliven und Obst, ein wehrhaft wirkender Ort mit Prachtaussicht! Wenn wir unserem Reisführer gefolgt wären, hätten wir noch ans Meer hinunterfahren können, dort ein Hafen und feinsandiger Strand, überragt von einem Felsvorsprung mit einer Magdalenenkirche, einst ein kleiner Tempel für Seefahrer. Überhaupt gibt es in den verstreuten Siedlungen einige alte Kirchen zu entdecken, im der Pfarrkirche St. Georg (Hinweis auf eine nicht mehr existierende antike Burg) sogar gotische Fresken des Albert von Konstanz um 1470. Aber dafür hätte unsere Zeit sicher nicht mehr gereicht… und bringt mich auf die Idee, doch einmal in Moscenicka Draga Urlaub zu machen!

Eigentlich ist das Stilfserjoch unmaßgeblich für den italienisch-südtirolischen Nationalpark rings um den Ortler, der übrigens im dessen Namen gar nicht aufscheint. Bevor noch die heute schon zahlreicheren Gletscherschigebiete eingerichtet wurden, galt aber das Stilfserjoch als Hauptanziehungspunkt für Schitraining und selbst im Sommer schneehungrige Pistenfahrer. Als Nationalpark sind die Hochtäler rund um den Ortler – viel mehr noch als in den Hohen Tauern – durch die italienische Energiewirtschaft bereits ab den 1950/60er Jahren intensiv “bearbeitet” (d. h. verwüstet) worden, egal ob im Süden Richtung Trentino und Val di Sole oder auf der südtiroler Seite. Besonders im Ultental, das durch den Gletscherschwund eigentlich relativ unergiebig geworden ist. Sulden und Trafoi sind ja noch von Kraftwerken ziemlich verschont geblieben, wohl weil das Gelände dort einfach für große Stauseen ungeeignet ist. So erscheint es umso mehr als Glücksfall, dass im Martelltal nur ein großer Speichersee angelegt wurde und talabwärts und noch mehr in der Hochregion die Umwelt auf dem Status des frühen 20. Jahrhunderts verblieben ist. Daher gilt heute das Martell als schönstes Gebirgstal der Ortlergruppe, und nicht umsonst sind wir bereits dreimal dort gewandert, allerdings oberhalb des Zufrittstausees. Einmal waren wir sogar auf der Sattelhöhe zum Martell, nämlich 2002 von Sulden her auf dem Madritschjoch, wo man ganz leicht auf den Dreitausender Schöntaufspitze steigen kann. Heuer im September erwischten wir nur einen späten Halbtag mit einem Stück des neuen Plima-Schluchtweges (wie im Blog und im Facebook schon berichtet), Nun möchte ich mich auf eine Tour im Juni 2006 und im Oktober 2011 beziehen, weil mein digitales Tourenbuch darüber noch kaum etwas enthält.

Dienstag, 13. Juni 2006

Von Lana Zufahrt ins Vinschgau und durch das Martelltal bis zum Parkplatz vor dem ehemaligen Hotel Paradies. Hier heroben herrscht noch der Frühling – die Lärchen zeigen gerade ihr erstes Grün, in den Feuchtwiesen blühen Mehlprimeln, an den ebenfalls feuchten Wegrändern prangt der “Rote Speik” (wohl nach damaliger Bestimmung: Primula hirsuta / Behaarte Primel). Wir nehmen den “Schattentalweg” nahe der wild in Riesenblöcke und Gletscherschliffe eingerissenen Plimaschlucht (damals und auch 2011 noch nicht als Erlebnisweg präsentiert). Eigentlich ist das der Hüttenzustieg Richtung Martellhütte, den wir aber nur bis in das relativ flache Hochtal begehen. In dieser Höhenlage so um 2000 m ist die Flora einfach fantastisch! Dort wartet aber noch eine andere Überraschung auf uns… Zuerst aber zur Flora, die einige Besonderheiten aufweist:

Mehlprimeln, Behaarte Primel, Silikat-Glockenenzian, Schwefel- Anemone und (nicht im Bild) Steinröschen (Kahles / Daphne striata), Trollblumen… Das anschließende Hochtal (ein eiszeitlicher, von den Gletschern des Cevedale ausgeschürfter Trog) ist eigentlich noch im Vorfrühlingszustand, aber noch mehr beeindruckt eine weitgezogener Blockwall mit der Jahreszahl 1893 – es ist ein Schutzwall vor den im 19. Jahrhundert immer wieder ausbrechenden Eisseen! Darüber, wie auch über die weitere interessante Natur und Geschichte des Martells kann man beim Googlen besonders ausführlich nachlesen: Martelltal / Wikipedia Martell. Der Talname kommt von dem über die Steilstufe seitens der Martellhütte herabgischtenden gewaltigen Wasserfall (gespeist von den Eisfeldern der Veneziaspitzen) – “Zu Fall” gleichbedeutend mit Zufall, die nahe Schutzhütte heißt (neben ihrem italienischen Namen) daher auch Zufallhütte.

Der Weiße Frühlingskrokus wird wohl Crocus albiflorus sein, der Knospe nach zu schließen ist die weiße Anemonenblüte eher die Frühlings-Küchenschelle (Potentilla verna), typisch für die kalkfreien Gesteine dieses Abschnitts die eben blühende Gemsheide, aber die letzte weiße Blüte mit schmalen Blättern – hat sich dann gerausgestellt und zum Glück fotografiert, es ist der Pyrenäen-Hahnenfuß! Die Blockmauer haben wir zu wenig beachtet und erst im Nachhinein ihre Bedeutung erfahren (sie schützte nach dem verheerenden Gletscherausbruch von 1891 und vorher bereits im Jahr 1894 das Martelltal vor dem Wassersturz), die beiden Bilder sind entsprechend von später (Oktober 2011).

Den Abstieg nehmen wir dann, an der Zufallhütte vorbei, und kommen so wieder über die “Schluchtbrücke” zum Ausgangspunkt zurück. Ein ganz ausgiebiger Tag, aber fotografisch noch eindrucksvoller im Herbstkleid (Oktober 2011).

Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade mit Krücken (noch vor Knieoperation 2013) unterwegs, und trotzdem sind wir die gleiche Runde marschiert, sogar mit Einkehr in der Zufallhütte auf der Terrasse im noch angenehmen Herbstsonnenschein. Die Bilder kommen (zumindest vorläufig) nur in meinem Facebook: Wandertipp bernhard baumgartner (weil sie dort besser präsentiert werden können als im Kleinbildmodus der Blogseite, noch immer nicht ändern können…).

Auch nach einer längeren Tagesfahrt (wie mit 233 Bergstraßenkilometern zum Tonalepass und Tovelsee) dauert es nur ein paar Tage, bis wir wieder für eine solche Tour startbereit sind. Neben neuen Zielen pflegen wir natürlich auch die Erinnerungen, so waren  wir 2002 von Nauders in meinem “Sechzigerurlaub” in Sulden und sind dort bis auf den Dreitausender Hintere Schöntaufspitze hinaufgekommen. Überwältigend war das Gipfeldreigestirn von Ortler – Zebru – Königssspitze, noch dazu im Neuschneekleid eines späten Augusttages. Also nicht die lange Fahrt scheuen, sondern nachschauen, wie es aktuell dort ausschaut…  Gleich vorweggenommen – am eindrucksvollsten und eigentlich deprimiernd war der massive Gletscherschwund, den wir dort erlebten und an Hand unserer Vergleichsbilder auch nachvollziehen können. Motto: Schotter statt Eis!

Donnerstag, 27. September 2018

Warmluft und klare Sicht, mit diesen besten Voraussetzungen starten wir von Lana in den Vinschgau hinein. Diese Hauptstraße ist zwar recht ausgelastet, aber die Fahrt verläuft ohne wesentliche Verzögerungen, durch die wechselnden Bildern und die daran geknüpften Erinnerungen von unseren zahlreichen Touren allein schon abwechslungsreich. Von Prad geht es in die schluchtigen Täler der Ortlergruppe über Gomagoi nach Sulden hinauf, überraschend viele Radfahrer lösen die Autos ab und sind unterwegs zur Highlitghtstrecke Stilfser Joch. Sulden hat nur mehr wenig Altes und ist ein typisches Touristendorf – Hauptziel für die Besucher: die kühn angelegte Großseilbahn hinauf zur Schaubachhütte. 1985 m bis 2581 m, alles neu ausgebaut, die bekannte Schutzhütte versteckt sich eher am Rand. Dominierend sind hier die für Schipisten zerpflügten ehemaligen Almwiesen, eine steinige Angelegenheit und jetzt im Herbst auch sehr blumenarm. Wir fragen uns schon, was wir hier heroben anfangen sollen. Vor 16 Jahren war das noch anders, viel unberührter und eine schöne Wanderung trotz Neuschnee hinauf zum Madritschjoch auf 3148 m, wo sogar Mountainbiker ins Martelltal hinüber fuhren, und auf die nahe Schöntaufspitze.

Eigentlich ist uns die Lust vergangen, über diese alpine Ruderallandschaft zu wandern, bis wir endlich ins wirklich alpine Urland kommen! So entscheiden wir uns zu einer “Moränenrunde” im Nahbereich der Bergstation, sozusagen im Bannkreis des dreifachen Gipfelmajestät. Breite Wege führen über die Moränen hinweg, aber sie erreichen nicht einmal den Rand der von Schutt überdeckten Gletschermulde des einst so gewaltigen Suldenferners, die vom Ortler bis zur Königsspitze reicht. Eigentlich als eisbedecktes Hochgebirge zeigen sich die anschließenden Nebengipfel, wie die dem Cevedale vorgelagerten Eissee- und Suldenspitzen. Der Eindruck einer sterbenden Gletscherwelt herrscht allerdings unterhalb der hohen Grate und ihrer doch noch immer stattlichen Eisfelder.

Besonders die beiden letzten Bilder sind typisch – der Hängegletscher unterhalb der Königsspitze-Nordwand hat sich von einem geschlossenen Eisfall in einen mit Felsfenster verwandelt!

So schauen 2018 der Gletscherrand des Suldenferners und das Ortlerpanorama der Schaubachhütte aus! Nach einem einstündigen Spaziergang haben wir genug von dieser Ödnis und fahren mittags (gerade noch rechtszeitig vor dem Seilbahnstop) wieder hinunter nach Sulden, um dort das Messner-Mountain-Museum zu besuchen, leider wieder erfolgslos, denn dort wäre bis 14 Uhr Mittagspause. Diese halten wir halt davor, schauen uns ein wenig um und treten die Rückfahrt durch den Vinschgau talauswärts an.

Also Schluss mit Ortlernostalgie! Was sollen wir jetzt mit dem angebrochenen Nachmittag anfangen? Eigentlich ein Witz, bei all den Möglichkeiten, die der Vinschgau bietet. Aber marschiert sind wir auf jeden Fall noch viel zu wenig für die lange Anfahrt (von Lana nach Sulden 78 km, verhältnismäßig wenig km, aber langwierig). Also beschließen wir, die Nostalgie gleich fortzusetzen, und fahren von Latsch / Goldrain ins Martelltal hinauf, an das wir auch schöne Erinnerungen haben. Kurzer Aufenthalt noch durch einen gequerten Almabtrieb, dann immer höher die schmale Werksstraße und Ausflugsstrecke mit ihren vielen Kehren am Zufritt-Stausee vorbei bis zum Parkplatz Schönblick. Abmarsch zur Tour Richtung Zufallhütte erst um 15 Uhr, und das gegen Ende September! Nicht gerade klug, Ziel nicht erreicht, aber dafür die schönsten Vorabendstimmungen eingefangen….

Trotz des sich schon leerenden Parkplatzes haben wir bei der Auffahrt kaum Gegenverkehr, auch angenehm, und auf den Wanderwegen wird es auch schon ruhig – und kühler und vor allem schattig! Ein arger Nachteil für den neu eingerichteten Erlebnisweg entlang der Plimaschlucht mit seinen sensationellen Aussichts- oder besser Einblickpunkten. Gerade noch die ersten beiden Schaukanzeln können wir halbwegs nützen (mehr mit den Augen, kaum mit der Kamera), daher zweigen wir bald danach Richtung Payerhütte ab. Diese kleine Holzhütte ist museal dem Arktis- und Ortlererschließen Julius Payer gewidmet, der hier als militärischer Kartograph, Erstbesteiger und echter Forscher unterwegs war und sich in der dürftigen Unterkunft längste Zeit aufgehalten hat.

Oberhalb erstrecken sich noch knapp unter der Waldgrenze fantastische Lärchen-Zirben-Wiesen, neben den Gletscherschliffen gibt es sogar noch schön reife Preiselbeeren. Also “Arbeit” genug, und dazu sind wir gerade immer mehr am Rand der letzten Sonnenstrahlen, die von der Talkante der Zufallhütte herableuchten. Dazu noch Lärchengold und erste Schatten, vom hohen Grat im Süden leuchten die Eisfelder der selten besuchten Bergspitzen (u. a. Veneziaspitzen, alle über 3000 m hoch und völlig einsam, am ehesten von der Martellhütte zu erreichen, wo es ins Trentino nach Pejo hinübergeht – lauter Sehnsuchtsorte…).

Unser Querweg mündet zum Glück in den Hüttenweg der Zufallhütte, wir müssen uns aber schon im langsamen Dämmerlicht an den Abstieg machen – zum Glück haben wir das Gipfelpanorama von dort oben mit Cevedale und Madritschspitzen schon 2006 im Juni und 2011 im Oktober genießen können:

Herunter herrschen nun schon die Schatten, aber einzelne Lärchen leuchten trotzdem noch golden auf (wie im Oktober 2017 im Ultental zum Weißbrunnersee), die Herbststimmungen können zwar nicht die Blumenpracht des Frühsommers ersetzen, entschädigen aber doch in dieser späten Jahreszeit. Letzter Rückblick dann unten beim Zufrittsee, bevor wir an den zahlreichen Beerenobstplantagen vorbei durchs Martelltal hinaus zum Vinschgau gleiten, und zufrieden sind wir auch, hat doch unsere späte Wanderung auch noch mehr als zwei Stunden gedauert, länger ging´s wegen der einbrechenden Finsternis ohnehin nicht. Wieder gut in Lana gelandet, nach 203 Fahrkilometern, und nur mehr zwei “Lanatage” vor uns….

Wenn die sommerliche Hitze über den tiefliegenden Talkessel von Bozen hereingebrochen war, haben sich die begüterten Bewohner bergwärts in kühlere Gefilde begeben und auf dem Ritten ihre Sommerhäuser bezogen. So ist auf dem hoch gelegenen Plateau, zwischen Sarntal und Eisacktal und dem sanften Rittener Horn vorgelagert, eine ganz einmalige Kulturlandschaft entstanden. Eine Mischung von Bergbauernfluren und oft architektonisch auffälligen Feriensitzen, und dorthin kam man bis in die 1960er Jahre nur auf Saumwegen oder mit der Rittenerbahn.

Weil wir bei unserem heurigen Aufenthalt in Lana immer wieder vor allem neue Ziele aufsuchen wollten, war natürlich der Ritten ein bevorzugter Ausflug. Wie immer etwas voreilig, wählten wir am Mittwoch (26. September) zur Auffahrt dorthin die gut ausgebaute, aber auch viel befahrene Bergstraße statt der nostalgischen Reise mit der neuen Rittenseilbahn nach Oberbozen und mit der historischen Straßenbahn bis nach Klobenstein. Allerdings waren wir dadurch flexibler und konnten die Seilbahn zur Schwarzseespitze, dem vorgelagerten Gipfel des Rittener Horns, ganz einfach erreichen. Aber vorerst ging es nach Lengmoos bei Klobenstein, denn dort wartete der erste Panoramaweg auf uns. Vom großen Parkplatz, wo gerade Markt stattfand, konnten wir uns die Richtung der Rundwanderung aussuchen. Anfangs durch noch recht kühlen Schatten zu den Erdpyramiden – eigentlich nur ein Aussichtspunkt auf diese am Ritten mehrfach auftretende Naturerscheinung mit ganz großem Abstand. Ebenso zeigte sich später der Schlernblick, alles nur Vorgeschmack auf den Panoramweg am Rittner Horn, immerhin haben wir schon eine gute Wanderstunde hinter uns…

Mittags sind wir dann bei der Talstation der Rittnerhorn- Gondelbahn und kommen mit zunehmender Aussicht, noch dazu bei ganz klarem Wetter, ganz bequem bis über 2000 m auf der Schwarzseespitze. Bei den kahlen herbstlichen Wiesen hat sich der Aufstieg zum Horn nicht gelohnt, bei der Blütezeit hätten wir wohl nicht darauf verzichtet… Der Glanzpunkt bei den herbstlichen Verhältnissen ist hier heroben der breit ausgebaute Panoramaweg. Zuerst geht es vorbei an einer Aussichtstribüne südlich bergab, dann wendet sich die Route in weitem Bogen wieder zur Höhe und erreicht die Bergstation von Norden her. Der Schwarzsee entpuppt sich (wie so oft in Schigebieten) als großer Speicherteich, zumindest wurde in einen solchen verwandelt. Die Ausblick sind aber auf jeden Fall gigantisch, wenn auch die Panoramabilder im Blog nicht so voll zur Geltung kommen.

Gegenüber jenseits des Eisacktals die westlichen Dolomiten mit Langkofelgruppe und Seiseralm, dahinter aufragend die eisige Marmolata, links davon gegen Nordosten vermuten wir die Zillertaler Alpen und Hohen Tauern (Venedigergruppe):

Gegen Süden schwenkt der Blick von den Dolomiten über das im Dunst verblassende untere Etschtal hinweg nach Südwesten mit dem Horizont der vergletscherten Adamellogruppe und der schärferen Presanella, anschließend muss dort noch ebenfalls mit seinem hohen Gletscher der Ortler aufragen:

Im Nordwesten schließt an die Talfurche des Vinschgaues die Texelgruppe an, und wir sehen auch hinüber zu einer unserer letzten Touren im Gebiet von Meran 2000:

Die Latschenfelder gehen in der niedrigeren Schleife an der Ostseite des Berges in wunderschöne Zirbenbestände über, dazwischen sind immer wieder flachmoorige Riedgraswiesen und steinige Lichtungen eingelagert. Mit der allmählich sinkenden Sonne werden die Lichtverhältnisse nicht besser, aber da sind wir schon wieder bei der Bergstation und gondeln hinunter zum Parkplatz. Für das “richtige” Erleben des Ritten müsste man natürlich nicht ins Auto steigen und herumfahren, sondern ganz einfach über diese traumhafte Landschaft dahinwandern. Vielleicht gelingt ins das im Mai 2020 (schon in Lana gebucht) zur Hauptblütezeit. So machen wir uns an die Talfahrt, wobei einzelne faszinierende Ausblicke nicht jedesmal mit einem Fotohalt eingefangen werden können. Trotz des starken Verkehrs kommen wir bald zurück ins tiefe Eisacktal und fahren nach Bozen hinein. Da herrscht erst ein Verkehr, und vor allem die Parkmöglichkeiten sind ein riesiges Problem! Wir finden endlich einen Platz an der Straße ins Sarntal (bzw. nach Jenesien) und machen noch einen ausgiebigen Stadtbummel, sogar mit Einkehr am Waltherplatz und Stop am Obstmarkt. Bei der Rückfahrt über Siebeneich (auf der Staatsstraße), bis wir in die MeBo (Schnellstraße) einbiegen können, muss man dann schon froh sein, dass alle Kreuzungen gut überstanden sind. Trotzdem kann uns das nicht davon abbringen, am nächsten Tag eine weite Fahrt in den Vinschgau zu unternehmen. Beim letzten Bild von der Talferpromenade (an dem aus dem Sarntal kommenden Wildbach) strahlt hinter dem Schloss Maretsch schon der Rosengarten im späten Licht, das allerdings noch nicht zum sagenhaften Alpenglühen reicht…

In der historischen Literatur über den Alpenraum ist mir Castelfeder schon mehrfach untergekommen – eine rätselhafte Örtlichkeit, in die Zeit vor dem Mittelalter und sogar eine vorgeschichtliche Großsiedlung, dazu ein submediterraner Standort mit seltener Pflanzen- und Tierwelt… Bisher ist uns diese Exkursion noch entgangen, wirklich zu Unrecht, denn der Eindruck war trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit (im September 2018) überraschend und ebenso überwältigend!

Was an diesem Montag, 24. September, wirklich gut funktioniert hat war die Zufahrt: Von der MeBo in Bozen abzweigend auf die Staatsstraße Richtung Trient, an Leifers vorbei nach Auer, immer zügig, aber zuletzt wegen der vielen Abzweigungen etwas verwirrend. Nachdem ich mich von der Richtungstafel Fleimstal nicht mehr irritieren ließ, kamen wir unvermittelt zum Ausgangspunkt mit Parkplatz und erster Infotafel.

Ein steiles Wegerl führte uns rasch den Porphyrkegel empor, von einem Absatz der schönste Blick ins obere Etschtal bis zu den Sarntaler Alpen, dann waren wir schon auf dem Plateau angelangt. Plötzlich kam uns eine Ziegenherde entgegen, die clevere Geiß hat sogar gelernt, von den Blättern der Sträucher und Bäume zu naschen. Botanisch befinden wir uns hier in einem aufgelockerten submediterranen Buschwald, kennzeichnend die urigen Flaumeichen, im Herbst die dicht fruchtenden Weißdornbüsche, immer wieder die Fruchzapfen der Hopfenbuchen und selbstverständlich zahlreiche Mannaeschen. Der Holzbewuchs ist aber intensive Beweidung stark zurückgedrängt.

Zwischen den Felsstufen tritt immer wieder Mauerwerk hervor, das zu einer frühgeschichtlichen Großsiedlung und zu mittelalterlichen Wehrbauten gehörte. Information und Bausicherung sind hier gleichwertig verwirklicht! Dazu kommt der Ausblick auf den Mendelkamm oberhalb von Tramin und zu einem nahe gelegenen malerischen Kircherl (St. Daniel). Die Geschichte dieser Örtlichkeit gibt den Forschern noch immer Rätsel auf (wie in unserem DUMONT Südtirol ausgeführt). Nach dazu muss es im Frühling und Frühsommer nur so von wärmeliegenden Pflanzen und vielleicht sogar Orchideen wimmeln! Wir genießen vor allem die Landschaft und kommen bei einer Gipfelrunde sogar noch an einem Moor mit Teich und Quelle (auf dieser felsigen Höhe wirklich eine Rarität) vorbei.

Nach 1,5 Stunden haben wir das Gelände anscheinend ausreichend erkundet und steigen wieder zum Parkplatz ab. Hinzufügen sollte ich noch, dass nach einem alpennordseitigen Schlechtwetter übers Wochenende nun in Südtirol Nordföhn herrrscht, das heißt klare Sicht und frische Luft bei zeitweise lebhaftem Wind. Leider nützten wir den Rest des Tages dann gar nicht richtig aus. Wir hätten nur die in steilen Kehren den Berg hinaufführende Straße Richtung Fleimstal benützen müssen und wären dann über das angeblich so fantastische Höhengelände bei Deutsch- und Welschnofen und einem berühmten Wallfahrtsort wieder im Eisacktal heruntergekommen. So ließen wir uns vom nahen Tramin verlocken, das wir aber schon kannten (auch die gutsortierte Kellerei). Ebenso war der wiederholte anschließende Besuch in Kaltern nur ein schwacher Aufguss des Ersterlebnissen vor einigen Jahren… Aber dazu noch einige Bilder, aber keine intensiven Erlebnisse. Nach 15 Uhr waren wir schon wieder in Lana, vielleicht auch gut, denn Anni hatte sich inzwischen eine gesundheitliche Komplikation eingefangen und fühlte sich gar nicht gut, geschweige denn erlebnishungrig…

Für unseren heurigen Aufenthalt in Lana hatten wir uns vor allem auch neue Ziele vorgenommen. Besonders verlockend war selbstverständlich der Nonsberg, weil wir dort das Bergdorf Proveis so wunderschön erlebt hatten (Oktober 2017), für mich nostalgisch vor allem wegen der Grundschule mit den paar Kindern… Diesmal wollte ich mehr in diese Gegend vordringen, wobei allerdings aus Proveis nichts geworden ist. Vielmehr machte ich mit Karte und Internet schlau über das westlich anschließende Val die Sole mit den Abzweigung nach Madonna di Campiglio.  Vom Wetterbericht her passte der Tag nach unserer Wanderung bei Meran 2000 auch recht gut, also machten wir uns

am Freitag, 21. September

zur Fahrt über den Gampenpass auf. Mit Anni am Steuer (ich als “Navi” mit Karte daneben) ging es zügig über den Gampenpass hinauf, am Wallfahrtsort St. Maria und der Ortschaft St. Felix vorbei, dann aber in Fondo abzweigend (ich glaube Richtung Madonna di Campiglio). Über Castelfondo (dort sind wir immer noch nicht hingekommen) hätten wir nach Laurein und Proveis fahren können. Wir aber querten die weiten Hangterrassen über des Novellatales von Brez bis Revo, ein wahres Paradies von Apfel- und Weingärten. Nun waren wir schon über dem Beginn des St. Giustina-Stausees angelangt, wo man südwärts nach Cles gelangen kann (unsere Abzweigung bei der Rückführt), und es ging westwärts weiter in vielen Kurven oberhalb des tief eingeschittenen Schlucht des Noce-Flusses in das dann weitläufiger ausgebreitete VAL DI SOLE hinein. Hier kam wir schon rascher voran, fast auf einer Schnellstraße, die aber bald nach Malé wieder von einer normalen Talroute abgelöst wurde. Malé ist auch ein wichtiger Kreuzungspunkt, von uns allerdings nicht ausgenützt (nordseitig ins Rabbi-Tal, südseitig ins Schigebiet von Madonna über den Sattel Campo Carlo Magno) – wir fuhren durch die Touristenorte mit den Liftanlagen zur Folgarida  weiter immer auf den Tonalepass zu. Zuletzt auf einer etwas kühnen Bergstraße mit einem museal eingerichteten Sperrfort aus dem 1. Weltkrieg vorbei und ersten Blicken auf die wilden Presanellagipfel auf die Passhöhe. Fahrdauer zwei Stunden, geschätzte 80 km.

Das bis zum Sattel ansteigende Ortsgebiet von Passo di Tonale hat uns ziemlich enttäuscht, nicht nur wegen dem flauen Sommerbetrieb, sondern vor allem wegen der herabgekommen wirkenden Gebäude und noch dazu einiger Touristenburgen (Hochhäuser, wie sie in den Alpendestinationen Italiens und Frankreichs normal erscheinen). Wir landeten etwas an der Wasserscheide auf einem riesigen, ziemlich leeren Parkplatz neben einem monumentalen Kriegerdenkmal (hier ringsum herrschten die Gebirgskämpfe des 1. Weltkriegs wie in den Dolomiten). Noch dazu hatten wir uns auf sehr warmes Wetter eingestellt und mussten feststellen, dass hier heroben auf 1888 m durchaus keine sommerlichen Temperaturen herrschen. Um das Beste daraus zu machen, machten wir uns auf zu einem längeren Spaziergang, natürlich an der Sonnenseite, wo es noch halbwegs angenehm war. Vom Hang mit seinen Sessellift-Trassen schaute ein eigenartiges Gebäude herab, das uns interessierte. Es war zwar als Bar Mirandolina tituliert, aber insgesamt war es das alte Hospiz mit einem angebauten Kirchlein, denn der alte Saumweg führte nicht durch die versumpfte breite Passmulde weiter unten, sondern am besser gangbaren Hang entlang.

Nicht nur unsere Kleidung war mangelhaft, sondern auch die Vorinformation! Zwar ergaben sich bei unserem Spaziergang rechts überraschend hübsche Bilder, belebt von einer wie daherpreschenden Herde von Schafen und sogar Ziegen. Aber die Hauptattraktion haben wir leider versäumt (ich mit kurzer Hose habe sicher nichts versäumt…). Denn jenseits der Passhöhe, hinab in Richtung des berühmten Schiorte Ponte di Legno erkannten wir eine Seilbahntrasse, die hoch zur Dreitausenderzone der Presena geführt hätte. Ob wir es schaffen werden, wieder einmal in diesen Alpenwinkel zu kommen und dort hinauf zu fahren? Auf die Presanella sicher nicht, und auf dem Adamello waren wir ja schon 1969 oben!

Vor 14 Uhr machten wir uns dann an die Rückfahrt, vom Sperrfort noch ein letzter Blick auf die Eis- und Felswelt der wilden Presanella.

Unser nächstes Ziel, nach der Fahrt durch das schöne Val di Sole mit den Seitentälern nach Pejo und Rabbi am Südrand der Ortlergruppe, war die Stadt CLES auf den weitläufigen Kulturterrassen über dem Giustina-Stausee. Mit Glück erwischten wir die richtige Zufahrt zum Hauptplatz und konnten uns dort erst so richtig laben, zuerst Pizzeria und dann Café – überall freundlich und wohlschmeckend, wir hatten die Stärkung auch schon notwendig! Anschließend stimmten die Vorbereitungen – Zielort an einer Seitenstraße hinein in die Brenta die Ortschaft Tuenno. Dahinter scheint das Ende der Welt zu liegen, so wild erheben sich die Felsmauern der Brenta, tief unten eine gewaltige Schlucht, nach Äpfel- und Weingärten nur mehr steilstes Wald- und Felsgelände! Die Ausflugsstraße windet sich hinein in ein Hochtal mit Schutthalden und Bergstürzen, vorbei an einer Menge von Parkplätzen, zum Glück bis zum letzten hochgefahren. Nun sind wir im Nationalpark Brenta mit den Brentabären als Thema, zahlen die Parkgebühr und stellen das Auto auf nicht gefüllten, aber ausgedehntesten Parkflächen ab. Ringsherum Blockwald und südalpiner Laubmischwald, vorherrschend die urigen Rotbuchen, wie es der Höhenlage entspricht.

Hier am Lago di Tovel / Tobelsee befinden wir uns in einem Herzstück des Naturparks Adamello Brenta! Eine urgewaltige Natur, die am Licht des späten Nachmittags (es ist bereits 16 Uhr Sommerzeit) mit den letzten, zwischen Wolkenfetzen hereinleuchtenden Sonnenstrahlen einen überwältigenden Eindruck macht. Organisiert ist hier alles vortrefflich (wenn wir auch die Bären-Station auslassen müssen), ein kurzes Stück Zugang zum Seeufer und dann einen anfangs schwächer, dann breit ausgebauten Seerundweg entlang. Immerhin hat die Umwanderung gut zwei Stunden gedauert und uns einmalige Bilder geboten, wenn auch der Lichtkontrast fast nicht zu bewältigen war (am besten eine Mischung von Originalbildern und behutsamer Photoshop-Bearbeitung).

Die Rückfahrt in die Finsternis hinein über Sanzeno (wo wir voriges Jahr das Heiligtum des Romedio besucht haben) mit einer kleinen Irrfahrt, aber dann doch zügig über den Gampenpass nach Lana führt schon weit in die Abendfinsternis hinein und dauert noch zwei Stunden, insgesamt ein langer Tag mit 233 Fahrkilometern, einer kleinen Enttäuschung auf dem mit großer Erwartung angepeilten Tonalepass, aber dafür einem kaum wiederholbaren Erlebnis bei der Runde um den Tobel- oder Tovelsee!

Nicht

Nach dem Südtirol-Herbst bis Ende September gab erst fast zwei Wochen später wieder ein Naturerlebnis (vorher noch zum Zirkus Roncalli nach Wien am 7. Oktober) – nach einem erfolglosen Schwammerlsuchen – am Freitag, 12. Oktober zum

Stausee Erlaufklause:

Zufahrt nach Mitterbach (57 km) bis zum Naturpark-Eingang, schon seit der Landesausstellung (wie in Wienerbruck) mit Parkgebühr, gleich nach der Wegabzweigung die “Stauseetränke”. Dieser untraditionelle Holzbau hat eine Terrasse mit einem Stausee- und Ötscherblick, wie  kaum an einer anderen Stelle  zu finden. Auf breitem Promenadenweg weiter bis zur Hängebrücke, auch ein gutes Fotomotiv mitten über der fjordartigen Wasserfläche, sonst gibt es ja nur Uferblicke. Über die Bahnschienen und die große Wiese querend zum Landhaus Reitbauer, wo die teilweise asphaltierte Erlaufklause- oder eigentlich Ötscherstraße anschließt.

Beim geschlossenen Traditionsgasthaus Steiner und der Bahnstation vorbei ist der nächste Halt auf der Staumauer – Blick in die Zinkenschlucht (Steig dorthin nicht abgesperrt, Extremtour im Ötscherführer, passend zu den derzeit so gepuschten “Wilden Wegen”, da waren wir schon einige Zeit voraus…) und über die stark abgesenkte Wasserfläche. Gleich danach beginnt mit Abschrankung und Fahrverbot (selbstverständlich auch für die so naturschädlichen / jagdbehindernden Radfahrer) die eigentliche Ötscherstraße. Wir zweigen aber bald nach dem Parkplatz links ab. Dort kann man das Stausee-Ende ausgehen oder über eine alte Brücke abkürzen, wie bei der Hängebrücke die schönsten Aufnahmepunkte.

Das ötscherseitige Ufer des Stausees hat entschieden den reizvolleren Weg. Bunte Baumgruppen wechseln mit subalpinen Böschungen entlang der breiten Forststraße, sogar ein verspätetes Zwergalpenröschen und ein Alpenleinkraut sind zu finden, im Frühsommer ist es hier natürlich viel blumenbunter. Dann zweigt ein ganz hübscher Waldweg ab und bietet einen kurzen Blick auf die Mariazellerbahn, gerade rechtzeitig für die planmäßig vorbeifahrenden Züge so etwa 20 Minuten nach den vollen Stunden.

Die Ausblick vom wieder breiten Uferweg steigern sich dann bis sogar der Ötschergipfel über der schmalen Wasserfläche auftaucht. Zuletzt begehen wir noch abseits vom Hinweg den Wasser-Lehrpfad, auch dort ganz schöne Szenerien und Infopunkte als Ratespiel über Fischarten. Nach ganz gemütlichen 2 1/2 Stunden kommen wir wieder zum Ausgangspunkt, nun den Ötscher schon in Mittagsbeleuchtung einzufangen – wenn die ersten Schatten in die Felsrinnen beim Rauen Kamm (für mich als Eigenname “Rauhen Kamm”) eindringen ergibt sich hier ein plastischeres Bild als im Auflicht des Vormittags.

Sprung in den Spätherbst, aber immer noch Traumwetter, nach heftigem Föhnsturm Ende Oktober geht es am Allerheiligentag wieder in den Nahbereich des Ötscher -

Taltour nach Trübenbach mit TEUFELSKIRCHENRUNDE:

Eigentlich wollten wir auf die Bürgeralpe oder zumindest nahe bei Mariazell wandern, doch im Lassingtal blies der wind noch so stark, dass wir in die (nur vermeintlichere!) Taltiefe der Erlauf auswichen – von Reith an der im November gesperrten Mariazellerbahn hinunter nach Trübenbach. Überraschung, hier pfeift es auch ganz schön stark, und neben dem Parkplatz liegen einige vom orkanartigen Sturm abgerissene, aber schon zur Seite geräumte Fichten.

Hier sind wir schon beim Trübenbachsteg, wo der Sulzbach irgendwann in diesem Sommer (es ist uns gar kein solches Wetterereignis in Erinnerung) Holz und Schotter angeschwemmt hat. Gleich danach beginnt am schmalen Steilhangsteig gegenüber der Teufelskirche die Kraxlerei durch die herabgestürzten Bäume. Nicht nur Fichten, diese sogar mit Unmengen von Zapfen im heurigen Fruchtjahr, sondern auch mächtige Rotbuchen hat es erwischt.  Nach dem Teufelskirchensteg, an der Fortsetzung Richtung Vordere Tormäuer geht es so weiter, außerdem ist immer wieder das in den Mulden aufgehäufte tiefe Laub über knietief zu durchwaten. Bei den Halbhöhlen des tektonischen Teufelskirchenfensters (Beschreibung in den Ötscherführern) sind sogar Muren durch die Steilrinnen herabgerutscht. Durch den dichten Forst am Baumerboden mit einem ohne Zufahrt neu renovierten Holzknechthaus gehen wir noch bis zum Strudeleck. Kurz vor dem Haus Gerst (ebenfalls als Landhaus schön beisammen) gibt es dort den schönsten Ötscherblick von Norden aus dem gipfelnahen Erlauftal. Noch eine Überraschung – im Schatten blüht die erste Schneerose!

Auf demselben Weg geht es zurück. Begegnet sind nur zweimal anderen Wanderern – die ersten beiden wollten zum Mirafall (in den Ötschergräben!), das zweite Paar habe ich noch beim Teufelskirchensteg gewarnt, dass der Steig auf der Trübenbachseite durch die gestürzten Bäume fast versperrt ist… Gleich darauf steckten wir, an der Teufelskirche und der Rauwackenwand vorbei, ebenfalls wieder im Fichtenästedickicht. Immerhin ein Vorteil – so viele Zapfenäste von den Fichten hat es schon lange nicht gegeben!

Unsere anderen Unternehmungen seither sind bisher nur im Facebook von mir präsentiert: Wandertipp bernhard baumgartner

Und im Facebook ist an diesem Tag fast alles geplatzt von dem fantastischen Abendrot, bei mir mit den “angeblitzten” Blättern des Kirschenbaums, der inzwischen schon fast ganz kahl geworden ist.

… und natürlich in Südtirol noch lange nicht am höchsten! Denn der Ortler mit seinen 3905 m war immerhin der höchste Gipfel der Österr.-Ungar. Monarchie, wenn er auch den Großglockner nur wenig überragt. Um solche Größen geht es (selbstverständlich oder vielleicht ein wenig leider) nicht bei unseren Aufenthalten in Lana. Übrigens heuer schon zum achten Mal – so haben wir schon viele und eigentlich wenig bekannte Ziele ausgesucht, aber zu gewissen Orten kommen wir immer wieder,  etwa nach Grissian oder in die Botanischen Gärten von Schloss Trauttmansdorff. Heuer wollten wir aber, einen der letzten Lanaurlaube vor uns, auch noch andere “Köstlichkeiten” dieses wunderschönen Landes kennenlernen. So schaut jeden Tag der schroffe Iffinger herunter in den weitläufigen Talkessel, aber wir sind immer nur daran vorbei gekommen – nach Hafling oder zum abgelegenen Langfenn. Dabei schaut knapp an den Felsen des Iffinger sogar die Seilbahn-Bergstation von Meran 2000 bis in den Apfelgarten des Hofmannhofs.

Bei dem herrlichen spätsommerlichen Herbstwetter hatten wir die hohen Mittagstemperaturen in Trauttmansdorff und am Maiser Waalweg durch Unterwegssein am Vormittag gerade noch gut vermeiden können. Das Schönwetter lockt aber förmlich hinauf zu den Berghöhen – noch nie dort gewesen – am 20. September (3. Urlaubstag) nach MERAN 2000! Die Zufahrt ist auch kurz, die Seilbahn-Talstation liegt direkt an der nach Hafling führenden Straße, trotzdem (oder gerade weil es so bequem ist) beginnen wir unsere Höhenwanderung erst um 11 Uhr an der Bergstation. Die riesige Gondel, übrigens vollgestopft mit Touristen, hat uns in fast schwindelnder Fahrt bis auf 1900 m hinaufkatapultiert. Nach den Abgründen befinden wir uns nun in einer eher sanften, allerdings von wilden Felsen überragten Almlandschaft, Tiefblick auf den 1600 tiefer liegenden Talkessel mit Meran grandios, dahinter öffnet sich der Vinschbau und oberhalb ragen die bis in die Dreitausenderregion reichenden Felsgipfel der Texelgruppe (deren Marmorzacken stechen förmlich aus der dunkleren Umgebung der Zentralalpen heraus).

Wohin wir uns nun wenden sollen, wird ja fast durch den Strom der übrigen aus der Gondel entlassenen Wanderer bestimmt! Wenn man nicht dem Iffinger zustrebt oder der nahe an seinem Gipfelaufbau Kuhleitenhütte, bietet sich wie selbstverständlich der breite Weg am Fuß der Steilhänge entlang gegen den Hintergrund des Hochtals an, das als Schigebiet erschlossen ist. Der erwähnte Hüttenname täuscht übrigens – Kuhleiten nur im Vergleich mit den Granitzacken des Iffingers, zwar Wiesenhänge, aber voll steil hinauf zum Vorsprung mit der Schutzhütte, etwas darunter das Almkircherl St. Oswald. Das hätte uns eigentlich interessieren sollen, aber uns lockt mehr die weitläufige Almlandschaft, deren Reiz auch nicht zu unterschätzen ist – ein Stück Weg quert nämlich durch einen Schrofenkessel mit subalpiner Flora (leider septembermäßig schon abgeblüht) und gibt einen ersten Dolomitenblick zum Rosengarten frei. Überhaupt ist die Sicht auf den südlichen und westlichen Berghorizont über dem dunstigen Etschtal ganz fantastisch – der Ortler geht fast unter in diesem Gipfelgewirr, aber der Zacken der Königspitze ist unübersehbar.

Nächstes Ziel ist die breite Kammsenke am Missensteiner Joch, wo sich der Ausblick über das obere Sarnthal bis zu den Zillertaler Alpen öffnet. Während es beim Gedenkkreuz des Südtiroler Alpenverein dicht zugeht, findet sich nur wenig abseits einer hübscher Platz auf den Rasenpolstern für eine Mittagsrast. Eigentlich schade, dass wir so spät im Jahr dran sind, denn zur Blütezeit muss es hier prachtvoll sein. Der Weiterweg ist schon vorgezeichnet, am Kamm entlang weiter bis auf den letzten Gipfel des Hochtals, die Kesselwand.

Der Kammweg wird von einer Reihe großer Steinmänner begleitet, die mit allerhand Figuren verziert sind. Dann ist die Kesselwandhütte erreicht, und unter der besonnten Dachtraufe findet sich ein angenehmes Plätzchen für die Einkehr. Gegenüber sieht man zunächst als höheren Gipfel den Mittager, zu dem aus dem Hochtal von der Südtiroler Alpenvereinshütte sogar ein Sessellift hinaufreicht. Dieser ist sogar in Betrieb, und wenn wir etwas schlauer gewesen wären, hätten wir die Tour dort hinauf fortgesetzt, dann Talfahrt und kürzerer Weg nach MERAN 2000 als bei unserer nicht so reizvollen Durchwanderung des Hochtals, noch dazu anfangs entlang der Schipisten…. Aber im Nachhinein ist man ja immer gescheiter…

So genießen wir in der von einem milden Wind durchfächelten Sonnenwärme unsere Mahlzeit und den Blick auf die fernen Gipfel hinter dem Ultental und dem Nonnsberg im Südwesten. Von der Hüttenterrasse zeigen sich aber auch im Osten die Dolomitengipfel ganz wunderschöne, fotografisch festgehalten haben wir sie aber schöner später vom Ritten aus. Im Talgrund bei der Meraner Hütte (Alpenverein Südtirol) angekommen, wartet nun das nicht ganz süße Ende der Wanderung auf uns – es geht (wenn auch gemächlich) wieder bergauf bis zur Bergstation der Seilbahn. Aber unterwegs gibt es genug “Schaubares” zu genießen, vor allem die Wetterbäume entlang der Waldgrenze im nachmittäglichen Gegenlicht mit den südlichen Bergen im Hintergrund. Von der luftigen Höhe geht es dann wie im Sturzflug wieder von MERAN 2000 talwärts – die voll gedrängte Seilbahngondel gibt uns schon einen Vorgeschmack auf die Hitze unten in Meran…

Zu einem Aufenthalt in Südtirol, speziell bei Meran und im Vinschgau, gehört möglichst auch das Wandern auf Waalwegen. In meinem Autorenblog sind daher auch mehrfach solche Touren beschrieben, siehe > Suche: Waalwege

Voriges Jahr konnten wir noch am Vinschgauer Sonnenberg zwischen Juval und Tschars die hoch am Hang durch Trockenrasen und steile Wälder führende Waalroute begehen. Ganz anders bieten und viel seltener bieten sich Waale in Talnähe an, ein solcher ist der Maiser Waalweg am Eingang des Passeiertals unterhalb von Schenna. Für uns am Mittwoch, 19. September, die erste Wahl für einen Waal, den nach der erfrischenden leichten Morgenkühle stiegen die Temperaturn mittags bis über 30 Grad an. Neben dem Vormittagsschatten hat dieser Waal auch noch den Vorteil, dass man in als günstig verlaufende Rundwanderung begehen kann. Weil wir aber dort schon einmal im Oktober das Waalwasser “abgekehrt” erleben mussten, wollten wir auch den heurigen früheren Termin ausnutzen!

Leider versuchte ich über Schenna zum Ausgangspunkt zuzufahren, wohl auch verleitet durch eine Umleitung der Meranzufahrt bei Obermais mit selbstverständlichem Verkehrsstau. In Schenna mit Schloss und Begräbnisstätte von Erzherzog Johann (noch immer nicht besichtigt…) kam ich jedoch talwärts in immer schmälere und verwinkelte Hofzufahrten hinein, bis irgendwo hoch über dem Tal Schluss war. Zwar schöne Ausblicke und Glück mit gefürchteten Gegenverkehr, aber doch ein “Verhauer”! Also zurück und doch nach Obermais hinab, wo dann ohnehin ein Wegweiser zum Gasthaus Ofenbauer zu entdecken war. Weg von der Meran- und Passeierzufahrt und durch Seitenstraßen, bald zwischen Apfelgärten bis zum Parkplatz vor der erstaunlicherweise geschlossenen Gaststätte. Immerhin etwas aufgefallen – das mit dem Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer verbundene Passeiertal hat weitere (nicht so berühmte) Spuren aus den Franzosenkriegen (wie die beiden Bilder zeigen). Bei den Sportanlagen und dem Fischereizentrum waren wir vorbei, als wir bei der Riffianer Brücke den Fluss überschritten und durch die Apfelgärten taleinwärts wanderten. Bei der nächsten Brücke, ein Stück vor dem angeschriebenen Törgglhof ging es wieder ans östliche Ufer und hinauf zum Waalweg.

Anfangs noch knapp oberhalb am Hangfuß entlang, stieg der Waalweg allmählich immer mehr in die Höhe – aber nur scheinbar! Man wandert nämlich entlang des Waales fast eben dahin und glaubt so, das Wasser würde aufwärts fließen. In Wirklichkeit sinkt der Talboden viel stärker ab, und bald verläuft der Waal immer höher am Hang entlang, begleitet von riesigen Bäumen, um felsige Ecke herum in verrohrtem Lauf und ebenso bei zu querenden Steilrinnen. Diese Stellen sind hier übrigens von einem lokalen Verein informativ bezeichnet, was man sonst nicht oft findet. Als Betriebsanlagen findet man unterwegs eine “Abkehr” zum Ausleiten des Waalwassers und nach dem Waalerhof (dem Stützpunkt des Waalers, der den Wasserkanal zu betreuen hatte) eine “Waalschelle”. Da bewirkt ein Wasserrad, dass ein Hammer auf eine Metallglocke schlägt, deren regelmäßiger Klang das Funktionieren der Wasserführung anzeigt. Von ausgewanderten Vinschgauern wird berichtet, dass ihnen selbst im fernsten Übersee die Waalschellen den Klang der Heimat bedeuteten…

Nach dem Waalerhof kamen wir allmählich ins freie Gelände, damit auch in die bald ganz schön heftige Sonnenwärme, und überall war die Apfelernte voll im Gang. Nach spärlichen Ausblick gegen die am anderen Talhang ragenden Kirchtürme von Riffian und Kuens, öffnete sich nun der Blick ins Etschtal, und bald mussten wir von der Zufahrt eines großen Bauernhofs den richtigen Abstieg ins Tal hinunter suchen, wobei der Waal sich schon irgendwo verlaufen hatte. Wir zum Glück nicht, denn unweit des Ofenbauern langten wir nach drei netten Wanderstunden wieder bei unserem Ausgangspunkt an.

Jetzt erst fiel uns auf, wie ausdrucksstark der wohl naive Künstler den Christus am Franzosenkreuz beim Ofenbauer gestaltet hat. Südtirol ist ja voll von solchen “Kunststätten”, ob von Hochkultur oder lokaler Bedeutung, und das macht ja einen der vielfältigen Reize dieser Landschaft aus! In diesem “Urlaub” war der Maiser der einzige Waalweg für uns, aber dafür hatten wir etliche neue, noch nicht ausgenützte Ziele, gleich am nächsten Tag die Alm- und Gipfelwelt bei Meran 2000.

Nachdem es uns voriges Jahr in Lana bei Irmgard und Sepp Pircher / Hofmannshof so gut gefallen hat, bestellten wir auch für heuer gleich wieder (nach längerer Pause seit 2011) zwei Wochen die anheimelnde Ferienwohnung “unterm Dach”, allerdings diesmal schon im September (diesen Monat haben wir noch nie in Südtirol erlebt). Zur Anfahrt wählten wir diesmal mit Absicht die “Südroute”, nachdem wir letztesmal  über diese wegen der Sturmwarnung im Norden heimgefahren waren. Die Fahrt hat uns wieder viel besser gefallen als die Autobahnstrecken über Salzburg und Innsbruck, abwechslungsreicher und Wechsel von nicht zu dicht befahrenen Bundes- und Schnellstraßen. Es dauerte zwar insgesamt 10 Stunden für die 620 km, aber dabei war noch eine Runde in Krumpendorf, und in Sillian kehrten wir im Schokoladencafe´Pichler ein. Immerhin reichte es noch abends für einen Spaziergang durch die Apfelgärten zur Agathakirche.

Am ersten Aufenthaltstag, Dienstag 18. September, wollten wir gleich zum Schloss Trauttmansdorff, weil wir den relativ frühen Herbsttermin für die Blütezeit noch ausnützen wollten. Diesen 2001 eröffneten Botanischen Garten Südtirols haben wir bereits 2002 erstmals und dann eigentlich bei jedem unserer Aufenthalte in Lana (diesmal schon das achte Mal) besucht. Die ganze Anlage ist einfach fantastisch, wir vergleichen immer mit dem Botanischen Garten Nymphenburg in München und mit dem Alpengarten Belvedere in Wien. In TRAUTTMANSDORFF (ganz eigenartige altadelige Schreibweise) besticht der Gegensatz der präsentierten Pflanzenregionen – Wüstenanlage (im Winter unter Folien), Farnwälder Südostasiens, Südtiroler Bauerngarten und Wein- bzw. Obstrieden, Palmenstrand usw. Die unermüdliche personalintensive Pflege und stete Erneuerung der Pflanzungen ist bewundernswert!

Zuerst finden wir uns im späten Sommer, wenn auch die Rosen nach der heuer besonders heißen Jahreszeit den Höhepunkt schon überschritten haben. Dafür gehen wir zwischen Obstbaumreihen und Weinstöcken (unter sogenannten “Pergeln”) über den Hang Richtung See hinunter (dort gibt es eine sehr nette Einkehrmöglichkeit, wir waren aber etwas zu früh dran für eine Unterbrechung), und dabei tauchten wir in die “Urlaubswelt” der letzten Jahre ein – Kapernblüte und Feigenkaktusfrüchte wie in Malta! Besonders schön entwickelt sollte natürlich der Dahliengarten sein, wenn auch vielleicht nicht so üppig wie sonst oft noch im Oktober, der heiße Sommer hat halt seine Spuren hinterlassen…

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Im Bauerngarten wurden gerade Hühner und Zwerghasen gefüttert – auch so kleine Attraktionen gibt es hier, wie auch etwa die Vogelvoliere und den “Liebesgarten” zuhöchst  an dem zur Haflinger Hochfläche ansteigenden Steilhang.

Alles eitle Wonne und irgendwann grauer Alltag? Die Reihenfolge der vorigen Bilder könnte das so erzählen, aber zum Glück kann das LiebesLeben auch anders verlaufen… Wir näherten uns von den hohen Galerien her den botanischen “Sonderkulturen”, zunächst mit absonderlichen Blüten und Früchten, um später in das Tropenhaus einzutauchen.

Die fast beklemmende Urwaldatmosphäre im Orchideenhaus (ein solches gibt es noch viel großflächiger in der Orchideenwelt Raffeiner bei Terlan!) wird noch unterstrichen durch die in ihren Glaskammern herumwerkenden Insekten, Stabheuschrecken und Blattfresserameisen und sonstige…. Was wir sonst immer am Anfang gesehen haben, im Frühjahr mit  der Rhododendronblüte denRundgang beginnend, kommt diesmal als Abschluss – die urweltlichen Bestände der Farnwälder und die japanischen Bambusgärten. Eine der seltensten Pflanzen der Erde, ein Urweltgewächs namens Wollemia nobilis (durch Austausch mit Botanischen Gärten vermutlich in Australien hierher gekommen) ist schon gewaltig gewachsen, seit wir sie erstmals frisch gepflanzt gesehen haben, und daneben wächst schon ein junges Exemplar!

Drei Stunden waren wir (diesmal ohne Pause) in dieser Wunderwelt der Gewächse aus aller Welt und ihrer oft bizarren Blüten unterwegs. Ein Blicks über die Schlossanlage hinaus auf die Bergwelt, Weingärten mit ihren Lesehöfen und verstreuten Kirchen und Schlössern gibt schon einen Vorgeschmack, was uns in diesen beiden Wochen erwarten kann!

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