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Um die Landschaften Niederösterreichs kennenzulernen, empfiehlt sich – ausgenommen im “Gebirgigen” (wenn radelnder Normalverbraucher) – das Fahrrad, wobei ein E-Bike bewirkt, dass von der aufgewendeten Energie nicht zu viel an die Betätigung der Beinmuskeln (auch von “Sitzfleisch” und anderen Körperregionen) verbraucht wird. Im Waldviertel zum Beispiel hat mir schon lange “geschwant”, dass bei vielen Strecken der Radfahrer (noch dazu stromverstärkt) eindeutig im Vorteil ist. Also das Waldviertel haben wir heuer schon genossen, speziell im Thayatal von Drosendorf aus. Am letzten Wochenende war die Qual der Wahl – Leiser Berge im Weinviertel oder Bucklige Welt samt Forchtenstein? Die nebelverdächtige Wetterlage hat dann den Ausschlag gegeben, und so fuhren wir am Samstag, 12. Oktober, über Triestingtal (schon im Nebel) – Südautobahn (bis Seebenstein) – Wechselstraße – Scheiblingkirchen (benannt nach der romanischen Rundkirche) – Thernberg (bekannt als zeitweiser Sitz von Erzherzog Johann) nach BROMBERG.

In Bromberg (bekannt durch das Sommertheater, vor wenigen Jahren aufgeputzt mit dem Neun-Schätze-Star Barbara Karlich (als Hexe) Parkplatz nahe am Spar, höher oben die sicher wehrhafte Kirche. Denn kaum ein altes Gotteshaus kommt in der Buckligen Welt ohne die gegen die Türkengefahr angelegten wehrhaften Zubauten aus. Wir starteten aber im Tal, gleich zur ersten Herausforderung – 400 Höhenmeter Steigung, speziell auf dem ersten Teil der neun Kilometer hinauf nach Kaltenberg. Aber der E-Motor schnurrte so eifrig bei Turbo und Schaltstufe eins bis zwei, dass sogar die anfangs wirklich steilen Kurven kein Hindernis waren. Über den Höhenrücken mit einzelnen Weilern und dem kleine Dörfchen Schlag ging es dann schon moderater zur Höhe, aber immer noch bergauf von einem Hügel zum nächsten, statt flach oder abfallend immer nur steigend. Endlich Kaltenberg erreicht und herrlicher Blick auf die uns vom Wandern bekannte kuriose Wallfahrtskirche von Maria Schnee (Pilgerwege und Großes Niederösterreich). Die vier “Stricherl” unserer Akku-Anzeige waren inzwischen auf zwei geschrumpft – ach, hätten wir doch voll aufladen sollen… So bleibt uns nur der Ausweg, den langen Hügelbogen etwas abzukürzen, also entfällt die Schleife von Wiesmath über Hochwolkersdorf, was sich nachher zeitmäßig sogar als Vorteil herausstellen sollte.

Eigentlich wollten wir bis Lichtenegg mit seiner urigen Wehrkirche weiterfahren, so nahmen wir notgedrungen gleich gegenüber der Kaltenberg-Kreuzung die Abzweigung Richtung Hollenthon. Eine Kurve leicht bergab durch die Ansiedlung Tafern, dann schon wieder ein sanfter Anstieg zur Pesendorfer Höhe mit dem uns schon bekannten Windpark – schöner Rastplatz mit Aussichtskanzel, die Windräder schnurren gerade wegen Windmangel kaum, der riesengroße Propeller rührt sich überhaupt nicht. Das sonstige Wetter zeigt sich hingegen ideal, klare Fernsicht, vor allem auf den Hochwechsel und über die Randhöhen der Buckligen Welt auf die Nebelmeere der Niederungen. Bei der Weiterfahrt überwiegen bald die Gefällsstrecken, und dichter Wald wechselt die Feldlandschaften ab. Einzelne am Straßenrand abgestellte Autos wecken den Verdacht, es könnte hier Schwammerl geben. Aber das Absteigen hat sich nicht gelohnt, es ist wie vielfach heuer im ganzen Land viel zu trocken. Das durchfahrene Waldmassiv gehört zum Stickelberg, 881 m hoch, was dem Niveau der Buckligen Welt durchschnittlich entspricht. Eigentlich hätten wir diese Landschaft bei hochstehenden Getreidefeldern durchfahren wollen. Aber das ist sich im Hochsommer nicht ausgegangen, und nun präsentiert sich die Landschaft schon abgeerntet und voll herbstlich, wenn auch mild und angenehm freundlich wirkend.

Inzwischen geht es schon auf Mittag zu – nach längerer Abfahrt im etwas niedriger auf einem Sattel gelegenen Hollenthon angekommen, hat das Geschäft schon zugesperrt, also nichts ist es mit einer Jause. Sonst wirken die Ortschaften überraschend rege, aber Samstag ist ab Mittag geschlossen (ganz im Gegensatz bei uns zuhause, wo bis abends geöffnet ist). Kontrolle der Reichweite bei der Akku-Anzeige – noch genug Saft, dass wir nicht schon die Talfahrt nach Bromberg antreten müssen. Wäre schade gewesen, denn die folgende Strecke bis Wiesmath ist trotz Anstieg die Weiterfahrt wert gewesen. Freie Ausblicke in alle Richtungen, über die Hügelränder der “tausend Buckeln” schwappen noch die Talnebel, darüber Paradeblick vom Wechsel bis zur Hohen Wand, Schaustücke sind natürlich Rax und Schneeberg. Dann tauchen gleich zwei Kirchen auf – die entferntere ist Annaberg in Richtung Hochwolkersdorf, der nähere Zwiebelturm gehört zu Wiesmath, das auf einer Marktstraße mit Handwerksbaum bergab durchfahren wird. Nun aber links abzweigend zur Talfahrt, wobei wir bei einem Aussichtsbankerl noch eine Rast einschieben, die Landschaft ist einfach zu malerisch, um weiterzusausen.

Weiterzusausen wäre hier keine Kunst, denn zügige Kurven führen hinab ins Schlattental, nur ein kurzer Waldstopp – und gleich fünf Parasole gefunden (erster Teil des Natur-Nachmahls). Nach Einmündung der Straße von Hollenthon herab geht es beschwingt im Tal weiter, kaum Verkehr, und so landen wir nach gerade 30 km (aber mit manch Steigung gespickt) beim Ausgangspunkt in Bromberg. Zeit genug, um wie geplant über die Rosalia nach Forchtenstein weiterzufahren (mit aufgeladenen Rädern natürlich). Vorbei an der von Unmengen Autos wie belagerten Festung kommen wir in die Ortschaft hinunter und können uns im Café beim Sparmarkt endlich laben. Von der netten Wirtin erfahren wir – die Trockenheit hat sowohl den Nüssen als auch den Edelkastanien gar nicht gut getan. Noch dazu ist der uns bekannte Maronihain hinter der Kirche abgesperrt – also zurück den Berg hinauf bis zum nächsten Sattel, wo ein Fahrweg an der Nordseite abzweigt. Dort kommen wir endlich zu den ersehnten Kastanienbäumen und damit zum zweiten Teil unseres Natur-Nachtmahls. Dazwischen aber dehnt sich noch die Heimfahrt, allerdings durch die Schnellstraße über Sauerbrunn nach Wr. Neustadt gar nicht so endlos, wenn man von der nun schon aufkommenden Müdigkeit absieht… jedenfalls ein höchst erfolgreicher Aktivtag°

BRUNNLUST: Panorama gegen Südwest bis Nordwest, am Horizont der Schneeberg, die Gutensteiner Alpen und der Wienerwald.

Am 8. Oktober ein herbstlicher Kontrapunkt zur Exkursion am 10. Februar 2016 (damals zwischen Spätwinter und Vorfrühling). Nun beginnende Laubfärbung und erster Schnee auf den hohen Bergen, an Blüten ist kaum etwas zu erwarten, trotzdem zu diesem Eigengrund des Naturschutzbundes NÖ unterwegs. Diesmal weiß ich im Vergleich zur damals im Blog geschilderten Tour endlich genau, wie man zur Brunnlust kommt: Von der S 1 Abfahrt Leopoldsdorf an Maria Lanzendorf und Himberg vorbei (insgesamt fünf Kreisverkehre), ebenso noch am Gutenhof vorbei, bei der Kreuzung auf der Anhöhe nach der langen Geraden geradeaus und bergab nach Moosbrunn. Ich schildere den Start von der Kirche in Moosbrunn weg, also auf der Hauptstraße durch das typisch langgezogene Straßendorf, bei Kreuzung nicht rechts abzweigen, sondern links über die Brücke (Parkmöglichkeit links in der Glasfabrikstraße, ehemals Cafè Rosenblattl), hier rechts Abzweigung und Wegweiser zum Sportplatz. Auf Fahrweg den kanalisierten Neubach entlang zur Piesting/Neubach-Wehranlage.

Nun kann man beliebig die kurze Wanderung fortsetzen. Wir sind über den Wehrsteg ans gegenüberliegende (westliche, orografisch = in Fließrichtung linke) Ufer gegangen und haben eine Wiesenweg entlang der Piesting verfolgt. Bals wird eine Brücke erreicht (auffallend durch weiße Betongeländer), und nun folgt ein Stück Asphaltweg. Links der Fluss mit seinem von Hochstauden bestandenen Ufer, rechts Wiesenflächen mit teilweise abgemähten Schilfstreifen.

Dann wendet sich der nun schottrige, von einer Stromleitung begleitete Fahrweg in einen kleinen Auwaldbestand hinein, und hier befindet sich die Infotafel des Naturschutzbundes. Im dichten Gehölz haben sich noch Tümpel der einstigen Fischaschlingen erhalten, die sicher vor allem für das Tierleben wesentlich günstiger sind als das mit Betonblöcken kanalisierte Flussbett der “neuen” Piesting. Wechselnder Laubholz- und Strauchbestand, Wilder Hopfen wächst hier fast so häufig wie Waldreben, leider sind auch unerwünschte Zuzügler zu bemerken (Drüsen-Springkraut vor allem, die Kanadischen Goldruten schätzt man heute ja fast schon als einheimisch ein). Übrigens blüht öfters noch das Kanadische Berufskraut – ich erinnere mich, dass es um 1950 in meinem heimischen Gölsental erstmals aufgetreten ist und damas als zierende Wildblume eher geschätzt wurde…

Infos über die Brunnlust gibt es im Internet bei MOOSBRUNN; außerdem liegt ein Folder des NÖ Naturschutzbundes “Alte Fischa und Fischawiesen” bei Gemeinden (?) oder Museen oder ähnlichen Stellen auf, in dem die europaweite Bedeutung der Naturschätze in der Feuchten Ebene des nördlichen Wiener Beckens dargestellt wird. Die frisch grünen, weil im Spätsommer gemähten, Flachmoorwiesen wechseln mit Streifen von hohem Schilf (teilweise frisch abgemäht), das ohne Mahd sicher die ganze Fläche überwuchern würde (Berichte von Mäh-Einsätzen sind noch gar nicht so lange her, nun sind die Feuchtwiesen augenscheinlich maschinell gemäht worden). Beim nächsten Waldstreifen, wo man links vorne jenseits der Piesting die Anlage eines Filterbrunnens erblickt, wendet sich der Fahrweg nach rechts und führt den Baumbestand entlang bis zur nächsten Ecke. Wie schon vorher zeigt sich der frisch angeschneite Schneeberg hier in voller Pracht, nicht gestört von Bauwerken oder Hochspannungsleitungen (fast ein Wunder….). Selbstverständlich – besonders vom Frühjahr bis zum Hochsommer sollten die Feuchtwiesen nicht betreten werden (Brutgebiet seltener Vögel), was bei weniger Trockenheit als gerade in diesem Herbst ohnehin nur mit Gummistiefeln möglich wäre.

Das Naturschutzgebiet BRUNNLUST besteht aus  weitläufigen Sumpfwiesen, die am westlichen Rand von kleinen Bächlein durchzogen werden (Grundwasserquellen, aber bei hoher Feuchtigkeit auch flächenhafter Grundwasseraustritt). Diese bemerkt man nur, wenn der hohe Bewuchs entfernt ist, sonst verdecken Schilf und Pfeifengras sowie begleitende Sträucher und einzelne Bäume diese Gerinne. Im Herbst sind es vor allem die schon bunten Wildsträucher mit ihren Früchten (Gewöhnlicher Schneeball, Roter Hartriegel, etwas Liguster u. a.) und der Gegensatz der gelblichen Riedbestände zu den grünen Sumpfwiesen, die den Reiz des Landschaftsbildes ausmachen. Wo im Frühsommer Sumpf-Gladiolen und ähnliche Besonderheiten blühen, erstreckt sich nun ein nur hie und da etwas wässriger Wiesenboden auf tiefschwarzer (aus Schlamm hervorgegangener) Erde, wie an einzelnen Maulwurfshaufen zu bemerken (eher spärlich, wohl zu feucht in der längsten Zeit des Jahres).

Für den Rückweg nehmen wir dieselbe Strecke bis zur “Weißen Brücke”, queren dann ans Ostufer und gehen dieses entlang bis zur Wehranlage. Links befinden sich neben dem Fahrweg hohe Baumbestände vor allem mit Pappeln, rechts liegen zwischen Weidenbüschen einzelne, meist gemähte Wiesen oder Schilfstreifen. Insgesamt beträgt die Strecke von der Straße und zurück vier Kilometer, Zugang von der Moosbrunner Kirche (dort auch Einkehrmöglichkeiten) 500 m bis zur Sportplatzabzweigung. Zuletzt noch der herrliche Schneebergblick!

Der vorige Bericht endete nach der St. Anna-Kapelle an der Romai-utka mit der Weiterfahrt, hier die Bilder zum Abschluss der Tour:

Letzte Bilder – Aufblick von der St. Anna-Kapelle zum Ranolder-Kreuz auf den Basaltklippen des Badacsony (ein toller Ausssichtspunkt).

Wir fahren weiter Richtung zu unserem Ausgangspunkt, dabei erwischen wir ein falsche Abzweigung, gelangen aber dann doch über NEMESGULACS (am Fuß des Gulacs-Vulkankegels) gut zurück nach Kaptalantoti mit unserem Parkplatz bei der Kirche der kleinen Ortschaft. Ein gut ausgefüllter Tag – morgens schon Gymnastik im Hotel und nach der Radfahrt noch Wassergymnastik, Fahrt samt Rastaufenthalten von 10.30 bis 15 Uhr, aber nur 29 km (eigentlich sollte das opulente Abendbuffet im Pelion ausfallen, wegen geringem Kalorienverbrauch beim Radfahren).

Dienstag, 24. Oktober 2019: Start nicht gleich von Tapolca aus (um die belebten Ausfallsstraßen zu vermeiden), sondern Zufahrt mit aufgeladenen E-Bikes in das kleine Dorf KAPLANTOTI im Norden der beiden Vulkanspitzen Gulacs und Toti-hegy. Gleich unterhalb der Kirche bietet sich ein Parkplatz an, und dann radeln wir schon aus dem Ort hinaus Richtung Hauptstraße nach Zanka, die aber nur ein kleines Stück verfolgt wird. Nicht über den Bergrücken hinweg ins  Kali-Becken, sondern gleich rechts hinunter durch ein Waldtal in die weite nördlich des Plattensees eingelagerte Hochmulde. Neben Mineralquellen (wie das berühmte Kekutti) sind die “Steinmeere” (ungar. Kötenger) das Besondere an dieser mit Heideböden, Sümpfen und kleinen Seen bedeckten riesigen Senke. An der Westrand liegt die Ortschaft SALFÖLD, zu der eine Seitenstraße abbiegt.

Eine Infotafel vor dem Ort weist auf die Eigentümlichkeit des “Steinmeeres” hin – ich habe sie abgebildet (leider nur in Englisch), jedenfalls sind diese Steinformationen in einer trockenen Zeit der Erdgeschichte entstanden und durch Winderosion geformt worden (wenn ich mir richtig übersetzt habe). Der Platz ist als Exkursionspunkt gestaltet, und im frühen Jahr müssen die Heideböden daneben sicher blumenreich sein. Jetzt ist alles herbstlich verdorrt und leider auch das eigentlich recht einladende Gasthaus geschlossen.

Nach kurzer Rast geht es zurück zur Hauptstraße und – bergab / stromsparend – weiter Richtung Balaton, wo wir bei ABRAHAMHEGY am Ufer landen bzw. den  Balaton-Rad-Rundweg erreichen. Dieser führt natürlich nicht direkt am See entlang, sondern direkt neben der Hauptstraße Nr. 71. Interessant wäre hier der Seitenweg auf den Berg mit dem Foly-Arboretum, das wir schon ein paarmal angekündigt gesehen haben. Von hier aus bemerkt man nur einige riesige silbrige Nadelbäume auf dem  sonst mit Laubholz bestandenen Hang (typische Arten der Hügelstufe, wie Eichen, Hainbuchen, vielfach Robinien, dazu pannonisch-illyrische Arten – Hopfenbuche z. B.).

Bei einer Bucht zwischen den Massiven von Badacsony und Örsi-hegy mündet eine Senke vom Hochland her ein, und zwischen den Uferorten Badcsonyörs und Badacsonytomaj gibt es eine Abzweigung Richtung Tapolca über Kaplantoti. Das wäre uns aber zu wenig (wir bekommen ohnehin für eine E-Bike-Tour direkt lächerlich geringe Kilometer zusammen), so zweigen wir Richtung Tapolca ab, um bei einem Kreisverkehr Richtung Basaltkirche abzuzweigen (ein berühmter historisierender Bau aus dem Basaltstein des darüber aufragenden Berges). Dort ist schon die ROMAI-UTKA erreicht, die am Hang um den Badacsony herumführende alte Römer- und Weinstraße. Hier gibt es nur wenig Verkehr, und noch dazu Autofahrer, die gemütlich unterwegs sind. Wenn man hier zum Badacsony hinauf will, darf man die Abzweigung der Straße zum Kisfaludy- und Szegedy Roza-Haus nicht übersehen, denn alle anderen der engen und steilen Bergstraßen enden irgendwo bei hochgelegenen Häusern und Weingärten. Wir erwischen aber denn mit etwas Glück eine Seitenstraße zwischen Weingärten zu einer auffallenden schön renovierten (gelb gefärbelten) Kapelle. Diese stellt sich als St. Anna-Kapelle heraus und stammt bereits aus dem 18. Jh. – für uns wichtig, daneben ein Rastplatz mit Steintisch und Steinsitzen, zwar hart, aber gemütlich für die schon dringend erwartete Rast…

Anschließend geht die Fahrt auf der Romai-utka weiter, die sich nun an die Westseite des Berges wendet und schöne Ausblicke auf den (ehemaligen) Inselberg von Szigliget bietet. Von dort her mündet dann eine Seitenstraße ein, die uns über das langgestreckte Straßendorf Badacsonytördemic – mit einem Stück unangenehmem Basalt-Stöckelpflaster – weiterführt.

Der in die weiten Flachländer der Ungarischen Tiefebene eingelagerte Plattensee (Balaton = eigentlich “Platter” See) ist für uns Alpenländler irgendwie exotisch. Zwar unvergleichlich leichter erreichbar (220 km Fahrstrecke) als ferne Weltgegenden, aber doch noch mehr pannonisches Gefühl als im östlichen Österreich. Erstmals in den 1980er Jahren, dann zum Milleniumswechsel, 2009 im etwas zu zeitigen Frühjahr, 2012 dann passend zur beginnenden Baumblüte, 2013 im Oktober. Das Ergebnis dieser (vor allem Wander-)Urlaube war ein großer Artikel im Outdoormagazin Land der Berge – voll nachzulesen in der Seite BALATON bei diesem Blog.

2017 und 2018 war (wie schon vorher) das Hotel Pelion in Tapolca das Standquartier für Osterurlaube mit den “Baumis” (Astrid & Andreas & Bernie & Veronika & Clemens), immer ganz lustig und selbstverständlich wandernd unterwegs. Heuer hat sich bei uns eine gravierende Änderung ergeben, indem wir nun auch begeisterte E-Biker sind, und die Anmerkung, manche Balaton-Vulkan-Touren seien wohl per Rad genussreicher zu machen. Nach einzelnen Tagesfahrten und einem Radurlaub im Waldviertel (Drosendorf bis Slavonice / Zlabings) meinten wir, es doch endlich mit den Rädern am Plattensee versuchen zu sollen. Im Hotel ein günstiger Termin, und schon waren wir gegen Ende September dorthin unterwegs…

DIE BALATON-RADUMRUNDUNG

lockt zwar die meisten “Biker” nach Ungarn, wir legten unseren Radurlaub aber anders an.  Denn wahrscheinlich wie am Neusiedler See (den wir aber per Rad umrundend noch nicht kennen) verläuft die Strecke viel zu oft abseits von den entweder mit Schilf verwachsenen oder mit Ferienhäusern verbauten Ufern. So konzentrierten wir uns auf drei unterschiedliche Strecken zum Ausprobieren, und dabei kamen ja auch auf Teilstücke der Balatonrunde. Quartier wieder im schon bewährten und empfehlenswerten Hotel Pelion in Tapolca (direkt buchen über Hunguesthotels empfehlenswert, am besten vier = zwei mal zwei Tage). Zu unseren Startpunkten fuhren wir allerdings mit dem Auto, um die Hauptstraßen zu vermeiden. Sehr günstig für die Planung waren die (derzeit nicht erhältliche) Kompaß-Karte Balaton und der uns von Andreas spendierte Radführer BALATON www.frigoriakiado.hu mit seinen guten und aktuellen Karten. Allerdings Achtung – die “extrigen” Radwege sind wirklich solche, während die (sonst vorgeschlagenen) Routen hingegen meist auf Nebenstraßen verlaufen, die aber keineswegs wenigbefahren sind, sondern eher vom zügigen Lokalverkehr etwas belastet. Aber auf weiten Strecken bei allen drei Touren begegneten uns nur wenige Autos, ein paar Busse und noch weniger Laster. Meine, von Anni immer wieder bekrittelte Vorsorge – eher nicht zu sehr am Straßenrand fahren (dort gibt es auch die meisten Schlaglöcher bei schlechtem Asphalt), um beim Überholtwerden noch seitlich Platz genug zu haben. Übrigens waren die Autofahrer durchwegs rücksichtsvoll, wie überhaupt die Kontakte mit “Eingeborenen” wie immer sehr amikal verlaufen sind.

… am Wahltag 29. September 2019 – müsste dem Wahlergebnis nach eigentlich “Türkisberg” heißen, auch ist die wunderschöne Runde vom Schwarzenbacher Gscheid aus echt eine KURZ-Tour, steiler Aufstieg in weniger als einer Stunde und danach über Alm und Waldgelände (etwas ausgeklügelt) zurück zum Ausgangspunkt.

Die beiden gegensätzlichen Panoramen zeigen allein schon den besonderen Reiz des Schwarzenbergs – Ausblick gegen Süden in Richtung Hochalpen (von links: Göller, Tirolerkogel, winzig am Horizont Hochschwab – Gemeindealpe – Ötscher hinter dem vom Kögelberg beherrschten Waldhochland Richtung Annaberg / Idealblick der Voralpen von den Thorstallwiesen auf Türnitz, dahinter Muckenkogel, Reisalpe, Unterberg, Türnitzer Höger, Traisenberg, das Eibel schiebt sich dann noch in den Vordergrund.

Von der Sattelhöhe des Schwarzenbacher Gscheids (Parkplatz der Straßenmeisterei, im Sommer frei) neben der Baumzeile auf den südlichen Wald zu, dort leicht rechts hinein (aber nicht zu viel) auf eine gar nicht so schwache Steigspur, sogar mit einer älteren Markierung. In einigen Kehren zieht dieser Steig den sehr steilen Waldhang hinauf, nirgends zu verfehlen, und wendet sich zuletzt rechts zur Kehre in etwas weniger steilem Gelände (hier einzelne rot aufgespritzte Wegmarken). Nun wird es interessant, denn wir befinden sich im Bergbaugebiet des Schwarzenbergs, wo vom 18. zum 19. Jahrhundert Blei und Zink gefördert wurde. Nach Annaberg geführt, wurden dort in der SCHMELZ die Erze verarbeitet (der Annaberger Ortsteil Schmelz entstand schon in Maria-Theresianischer Zeit nach Entdeckung der Silbervorkommen auf dem Hocheck).

Gut zu erkennen die Abraumhalde eines Erzstollens!

Der Weg ist hier breiter und mit Steinen geschlichtet.

Knapp neben dem Steig eine Erzgrube und das alte Stollenloch.

Die geologischen und historischen Anmerkungen sind in meinen Führern zu finden, speziell in der Heimatkunde (seinerzeit bei Jugend & Volk erschienen und der “Überbau” zu den Wander- und Landschaftsführern vom NP-Buchverlag bzw. NÖ Pressehaus St. Pölten).

Der Steig führt aus dem Wald hinaus ins Schlaggelände, quert recht gut ausgetreten einen Forstweg mit Ausblick ins Pielachtal bzw. zum Eisenstein und erreicht kurz danach die Gipfelmulde mit dem schon sichtbaren Kreuz und Rastplatz.

Das Wetter ist ideal, ein Föhntag mit klarer Sicht und angenehmer Temperatur für die Gipfelrast! Der Ötscher schaut über das Waldhochland her, und hinter dem Göller und dem Hochschwab stauen sich die von Süden herandrängenden Wolken.

Beim Abstieg über die Almwiesen wird erst so richtig deutlich, wie trocken es heuer ist. Trotzdem ist noch das Weidevieh aufgetrieben und hält sich um die Almhütte mit dem Brunnen auf, lauter Mutterkühe mit ihren Kälbern und Galtvieh, die sich aber kaum stören lassen. Von der Hütte voraus bergab in die Mulde (nicht auf der Forststraße) kommt man zu einer bei Höhlenforschern berühmten Schachthöhle unter mächtigen Rotbuche. Uns interessiert links davon am Waldrand der ausgetrocknete und begrünte Rest einer ehemaligen Tränklacke (als Rechteckfläche und von Farnkraut umgeben leicht zu erkennen). Denn dort geht ins links in den Wald hinein zum alten Treibsteig, der uns die weite Kehre der Forststraße erspart. Im Gegensatz zu unserer letzten Tour ist dieser gut erkennbare Karrenweg nicht durch Windbruch versperrt, diesmal zwar ein forstliches Sperrgebiet, aber schon von den gefällten Riesenfichten freigemacht. Den Arbeitsspuren nach geht hinaus zum Rand der Thorstallwiesen, wo gerade die Kinder vom Glasberger in einem Baumwipfel herumturnen, während der Vater beim Holzmessen beschäftigt ist. Als sie merken, dass wir über die Wiesen weitergehen wollen, rufen sie uns noch zu: “Dort sind die Kühe!” (echt ohne Mundart!). Wir müssen aber ohnehin auf dem Fahrweg weiter, der den tollsten Blick auf Türnitz eröffnet. Erst vor dem nächsten geschlossenen Wald steigen wir links über die Wiese hoch zu unserem Übergang Richtung Gscheid – der Sattel ist diesmal sogar markiert – durch einzelne dürre, vom Borkenkäfer befallene Fichten, sogenannte Käferbäume, heuer im Waldviertel fast schon eine Katastrophe, hier in den Voralpen zum Glück noch weniger auffallend.

Auf diesen Wiesen erfreut uns die einzige Krokusart unserer näheren Umgebung – es sind zahlreiche voll aufgeblühte Herbstzeitlosen! Die Bauern haben keine Freude damit, als Fotograf sind sie echt ein Hit in dieser schon recht blütenarmen Jahreszeit. Über den Sattel mit den Käferbäumen hinweg, erwartet uns aber noch eine größere und sogar (im Gegensatz zu den schwer giftigen Herbstzeitlosen) genießbare Überraschung – zuerst noch giftig und eigentlich ein Hinweis auf Herrenpilze (gibt es allerdings nicht), danach die “Schnitzelhüte” der Parasole, die wir abends noch verspeisen…

Anni meint immer wieder einmal – was sie fotografieren soll, wenn ich wie ein Wilder herumschieße!

Aber die beiden Parasolbilder zeigen ganz deutlich, wie gut es ist, nicht auf einen Fotoblick angewiesen zu sein (Anni hat sich sogar unter den Schirm geduckt).

Der Routenverlauf unter den Felsen des Schwarzenbergs und durch die (auf Lunzer Schichten, wo ein Pilzfinder vielfach “geschnitten” hat) feuchte Hangmulde hinauf zum Gscheid geht erst auf meine Begehungen für das letzte Voralpenbuch zurück. Dieses Stück zieht sich noch etwas, weil am Ende der Tour bergauf, aber immerhin durch die extreme Trockenheit nicht so gatschig wie sonst. Vorher gibt es nahe der putzigen Jagdhütte noch ein malerisches Herbstbild als Ausklang für diesen bergigen Wahltag!

Gemeint ist der Hochstadelberg zwischen dem Annaberger Lassingtal und Wastl am Wald.

Nicht gemeint sind der Idealblick auf den Ötscher und das Panorama bis zu den Hochalpen – sondern der “Minisee” (eigentlich eine kleine Lacke) zwischen dem Westgipfel mit dem Kreuz und dem Ostgipfel mit Rastbank und Gipfelbuch:

Doch zuerst der Reihe nach – am 20. September – Schwammerlkontrolle vergeblich… Daher, wenn schon an Ort und Stelle, gleich hinauf zu unserem kleinen Lieblingsgipfel (übrigens mein erster Tausender vor SIEBZIG Jahren, mit Karl Reitmayr und den Erlaufbodner Buben).

Am Parkplatz stehen schon mehrere Autos, alle Wanderer schon unterwegs zur Anna-Alm, für die der “Stadelberg” eigentlich nur ein Irrweg oder ein kleiner Abweicher ist. Die Wegstücke abseits der Forststraßen sind viel begangen und stark ausgetreten, nur der alte Steig über den Schlag hinauf (Abkürzung der Forststraßenschleife) beginnt schon immer mehr zuzuwachsen. Im oberen Wald, neben dem Steig zum Gipfelkamm wurde etwas gerodet, aber “keine Schwammerl angebaut” – weder auf den hier eingestreuten versauerten Heidelbeerböden noch auf den saftigen Moospolstern.

Im Gipfelbuch finden sich bei diesem schönen, fast spätsommerlichen (aber nur in der Sonne!) Wetter fast jeden Tag Eintragungen. Heute wäre der richtige Termin für ein Gipfelpicknick, doch haben wir überhaupt nichts dazu mitgenommen. Schade, so bleibt nur der Genuss der weithin klaren Aussicht… und der Weiterweg. Etwas hat sich geändert hier heroben, denn der Waldrand wurde gleich neben dem Kreuzgipfel ein Stück abgeholzt, und ebenso sind in der folgenden Gipfelmulde einige der Riesenfichten entfernt worden. Erstaunlich, dass die Mulde zum kleinen Teich hinab – für uns das “Wunder vom Stadelberg” – sogar abgemäht wurde. Die Wollkopf-Kratzdisteln sind daher dort frisch aufgewachsen noch gar nicht verblüht und außerdem meterhoch, wenn´s stimmt, deutet das wieder auf einen schneereichen Winter hin.

Dass auf dieser Höhe ein gar nicht so kleines Gewässer sich gebildet hat, wirkt wirklich erstaunlich, denn der gesamte Gipfel besteht ja aus Gutensteiner und Reiflinger Kalk. Allerdings haben diese Kalke einen wohl nur leichten tonigen Anteil, der bewirkt, dass sich beim Verwittern sogar ein lehmiger Boden bilden kann. Auf ähnlichen Gipfeln der Lilienfelder Alpen hat man sogar (unter Zuführung von Lehm) die typischen Tränklacken angelegt: In einer (mit den Boden verdichtenden Lehmschichten versehenen) Mulde wurden Rinder  so lang im Kreis getrieben, bis der Untergrund relativ wasserdicht war und das Regenwasser festhalten konnte (berichtete mir einmal ein Bauer aus Obermitterbach). Hier ist die nordseitige Senke zwischen den beiden Stadelberggipfeln anscheinend ein durch die Gesteinsschichtung begünstigter Quellhorizont, in dem kaum bemerkbare Quellen oder einfach das gipfelnahe Grundwasser hervortritt – paradoxerweise höher oben nahe dem Sattel die gar nicht so kleine Lacke bildend (trocknet anscheinend nie aus, obwohl eher seicht) und anschließend bergab eine sumpfige Rinne. Libellen schwirren da herum, außergewöhnliche Pflanzen konnten wir aber (noch!) nicht beobachten. Der Alpenrachen / Tozzia alpina wächst nämlich auch die Hänge hinauf und eher nicht im sumpfigen Gelände, die Orchideen halten sich  an den felsigen Gipfelhang. Ob im Winter oder wie heute an einem strahlenden Herbsttag – die Stimmung bei dieser Lacke hat immer etwas Besonderes, gerade zur Mittagszeit, wenn sich die noch hochstehende Sonne im grünlich oder schwärzlichdunkel schimmernden Wasser spiegelt.

Nachdem ich im heurigen Frühjahr das südliche Niederösterreich in Bezug auf Naturschätze durchgearbeitet habe, ist geradezu angeraten, besonders die drei Viertel im Norden und Osten wieder “aufzufrischen”. Denn seit den intensiven Touren dort, etwa für das NATURERLEBNIS NÖ ist es schon recht lange her. Für Mittwoch, 4. September, war mit dem ausgezeichneten Wetterbericht also schon eine solche Tour fällig. Sollte es das südliche Waldviertel sein, um die neuen E-Bikes wieder zu mobilisieren? Oder vielleicht doch etwas ganz anderes, so nach dem auf dem Fulseck gekosteten Vorgeschmack? Nun, wir entschieden uns für das zentralalpine Stück im Südosten, noch dazu, weil ich Bilder von dort erst mühsam für einen Beitrag in letzter Zeit zusammensuchen hatte müssen. Und außerdem gab es im neuen SCHAUFENSTER der Volkskultur gerade meinen Blumenartikel über das Heidekraut…

Erster Schritt bei der Abfahrt – Jause bei “Baldrian” (Bäckerei Elisabeth Käppl) gekauft, dann durch das endlose Triestingtal zur Südautobahn, wo es recht flott bis ins Aspanger Tal weiterging. Die Landschaft bei Feistritz und Kirchberg am Wechsel schon länger nicht gesehen – wirklich anmutig – Voralpen in den Zentralalpen… Durch den Molzbachgraben dann auf der schmalen Bergstraße hinauf zur Steyersberger Schwaig, Überraschung – großzügig als Langlaufzentrum für die Panoramaloipe eingerichtet und voll stark besucht. Eigentlich war die Zufahrt dann doch nicht so lang erschienen, wie sie tatsächlich ist (kein Wunder, dass wir lieber ins Waldviertel oder ins Mariazeller Land fahren als in die südöstliche Ecke des Landes).

Das Wetter ist wirklich voll passend, klarer Himmel und Fernsicht (wenn auch etwas dunstig), vom Morgen her kühl mit angenehmer Tageswärme und dazu ein leicht frischer Südostwind. Schwalbenwurzenzian blüht, am Wegrand die hübschen “G´sichterl” vom Augentrost. An der gut besuchten Kranichberger Schwaig vorbei ist bald das Dreiländereck erreicht, nun geht es auf dem alten Bergweg den Schöberlriegel hinauf, begleitet von den Fichten der oberen Waldzone, dazwischen vielfach Heidelbeerstauden und die niedrigen Zwergstrauchheiden von Gämsheide (Blüte leider im Frühsommer versäumt) und Krähenbeeren. Sogar einen einzelnen Herrenpilzwinzling entdeckt Anni am Wegrand.

Die Pfade über den Hochwechsel sind typisch für “Urwege”, die seit ältesten Zeiten über das sanfte Gebirge nach Süden führten – abseits des “Hartbergs” bei Mönichkirchen und dem seit dem Mittelalter geförderten Semmeringpass. Eigentlich wirken sie wie seichte Hohlwege, die sich durch ihren mit abgerundeten Steinen wie gepflasterten Grund von den daneben entlang ziehenden kargen Silikatrasen (Bürstling u.a.) und Zwergstrauchheiden abheben. Zuerst am Schöberlriegel entlang, dann auf dem breitflächigen Umschussriegel wandert man über ausgebleichte Wiesenböden und zwischen darin eingelagerten dunkelgrünen, sich schon allmählich ins Rötliche verfärbenden Heidelbeerbüschen. Über der weitläufigen Höhenlandschaft wölbt sich ein der Himmel in unglaublichem Blau, einzelne Haufenwölkchen wirken wie darin schwimmende Schiffchen, und am Horizont tauchen die Alpengipfel auf – Rax und Schneealpe, dann der Schneeberg, und im Süden erkennt man das Steirische Randgebirge mit Hochlantsch und Schöckel.

Hier an der Waldgrenze befindet sich die eigenartigste Landschaftsszenerie und Pflanzenwelt des zentralalpinen Wechselgebietes, wie man sie in den Nordalpen nur auf den Schieferbergen der Grauwackenzone (etwa Turnauer Alm) finden kann. Die nur mehr bescheidene Wuchshöhen erreichenden Fichten haben häufig einen sogenannten Teppichwuchs mit am Boden ausgebreiteten untersten Ästen, aus den Rasen- und Heideböden stechen immer wieder Gneisblöcke hervor, meistens eigenartig abgerundet ähnlich den Waldviertler Wackelsteinen. Kaum eine Mulde ist trocken, denn abseits des Kammrückens sickern immer wieder kleine Rinnsale aus dem blockigen Grund, bilden spärliche Bachläufe oder verrieselnde Quellen und durchsetzen den Wald- und Almboden mit sumpfigen Stellen. Jetzt im Herbst blüht natürlich kaum mehr etwas – außer dem Heidekraut (Calluna), daneben fruchtende Heidel- und Preiselbeeren, spärlicher Rauschbeeren, Krähenbeerenfrüchte waren keine zu sehen, dafür die Blattrosetten der Arnika. Wenn man den Nordhang in der flacheren Zone unter dem Hochwechsel hinüberquert zum Wiesenhang oberhalb der Marienseer Schwaig, wird ein besonders intensiv ausgeprägtes Areal dieser zentralalpinen Block-Heide-Feuchtmulden durchquert. Dort gibt es dann sogar seltene Arten von kleinwüchsigen Weideröschen, Felsgruppen, trockene Stellen mit Bärlapp und verschiedenen Flechten (Rentierflechte und Isländisches Moos). Gemeinsam mit Prof. Karl Oswald ist diese eigenartige Gipfelflur im “Naturerlebnis NÖ” (Residenzverlag 2000) dokumentiert.

Vom schon nahen Hochwechselgipfel mit dem Wetterkoglerhaus blinken die dort abgestellten Autos herunter, wir wollen aber lieber abseits des durch die Mautstraße vom Steirischen her vielbesuchten höchsten Punktes bleiben und lassen uns daher auf dem im letzten Bild gezeigten Platzerl nieder – eine angenehme Mittagsrast mit Blick über den weiten Wechselkamm gegen Osten. Für den Abstieg bietet sich später der am Dreiländerweg abzweigende Forstweg durch die Wechselgrube an – neuerdings als Gegenstück zur Panoramaloipe als WEXL TRAIL eine bezeichnete Mountainbikeroute, die ganz schön frequentiert ist und von Mönichkirchen bis zum Feistritzsattel zieht, sogar hier herauf zum Wetterkoglerhaus (allerdings ziemlich holprig). Die Böschungen sind hier durch die Heidekrautblüte ebenso attraktiv wie der Blick über das Marienseer Tal gegen den Kampstein und die Berghöfe von Innerneuwald und St. Peter am Wechsel.

Die Wanderung geht ganz gemütlich zu Ende, allerdings ohne die erhoffte Beute an Heidelbeeren und Pilzen, und endet nach der Talfahrt durch den Molzbachgraben in Kirchberg am Wechsel. Womöglich ist Mittwoch nachmittags großer Ruhetag in diesem sonst recht netten Ort, aber kein einziges Gasthaus ist geöffnet, weder die “Tausendjährige Linde” noch der “Grüne Baum” oder der “Stiegenwirt”. Auffallend am kleinen Marktplatz die alten Fassaden mit Spruchband von 1913, eher dem nationalistischen Pfarrer Kernstock zuzuschreiben….  also machen wir uns ungestärkt an die Heimfahrt, dichter Verkehr auf der Südautobahn, aber zum Glück kein Stau… Als wohl letzter Tag des heurigen sonnigen und trockenen Almsommers hätte diese Tour nicht passender sein können und frischt die Erinnerung an die Wandererlebnisse dort wieder auf!

In Kärnten sagt man zum Schwammerlsuchen meist “klauben”, sonst geht es eher um Jagd auf Pilze (viel zu oft im Konflikt mit den Jägern und Waldbesitzern), während für Heidelbeeren das “Sammeln” besser passt. Bei einem Bergurlaub mit gemischtem Wetter kann das zum zeitfüllenden Zeitvertreib geraten, so etwa bei unserem letzten Tag im Gasteiner Tal am 22. August. Wie am ersten Urlaubstag zeigte sich das Wetter (wenn auch nicht so ganz) freundlich, also endlich hinauf in Gipfelhöhe, aber leider nicht mit der neuen Schlossalmbahn, sondern wie schon oft bewährt auf das Fulseck bei Dorfgastein.

Nach dem leicht regnerischen Vortag hatte sich über Nacht ein Nebeldecke ins Gasteiner Tal gelegt. So verschwanden die Seilbahngondeln bald oberhalb der Talstation in den Wolken, um sie unterhalb des Gipfels zu durchstoßen – ein Nebelmeer bedeckte die Täler unter uns, aber oberhalb dehnte sich ein ziemlich klarer und föhnig gestimmter Bergraum mit prachtvoller Fernsicht. Das Fulseck als einzeln stehender Höhepunkt in dem nordwärts auf den Schuhflicker (dort die Klammkalke des Tauernfenster-Rahmens) ziehenden Kamm, ist wirklich ein grandioser Panoramagipfel!

Panoramen: 1. Bild = Hohe Tauern zwischen Ankogel und Großglockner, 2. Bild = Dachsteingruppe und Radstädter Tauern, 3. Bild = gegen Norden mit Schuhflicker, 4. Bild = Goldberggruppe mit Scharek und Hohem Sonnblick

Der Großglockner ist gerade noch frei, ebenso das Wiesbachhorn, bevor diese Giganten sich unversehens einen kleinen Wolkenschal umgürten!

Die Nebeldecke liegt in den nordseitigen Tälern etwas tiefer als im Süden, daher brandet mit dem Südostwind vom hintersten Lungau und Murwinkel das Weiß wie ein Wasserfall über den Tauernkamm, ein noch kaum jemals gesehenes und hier überhaupt trotz vieler Besuche noch nie erlebtes Phänomen! Die Hauptbeschäftigung bei der Kammwanderung leicht bergab Richtung Arltörl besteht daher aus Fotografieren…

Vor dem letzten steileren Stück hinab zum Arltörl quert ein Almzaun den Bergrücken, und hier finden wir rechts abseits die ergiebigsten Heidelbeerreviere. Allerdings brocken / sammeln wir händisch, also nicht mit einem “Reffel” (was ja eigentlich verboten ist), sondern einzeln mit den Fingern. Das dauert halt seine Zeit, und daher ist schon Mittag vorbei, als wir wieder zur Bergstation hinaufwandern. Unser Sammel- und Jägertag ist aber noch nicht zu Ende – denn nun folgt die Talfahrt, und zwar nur bis zur Mittelstation. Dort warten nämlich die feuchten und teilweise steilen Bergwälder auf uns mit ihren Schwammerlschätzen! Es lohnt sich auch dieser Zwischenstop, die Eierschwammerl werden zwar entgegen dem Wochenanfang schon etwas weniger, dafür gibt es ganz schöne und frische Herrenpilze. So schließt dieser “Bergtag mit Technik” für uns zu vollster Zufriedenheit!

Dieser wie alljährlich um oder nach Mitte August angesetzte Hochsommerurlaub fällt mit meinem Geburtstag zusammen. “Vermischt” war er heuer in mehrfacher Hinsicht: Zunächst kein “runder”, sondern die angebliche Glückszahl 7 nebeneinander (ganz schön fortgeschritten, so dass man sich jedes der kommenden Jahre nach Möglichkeit vorausschauend, aber doch unsicher, einplanen sollte). “Vermischt” war auch das Wetter – der erste und der letzte Tag einer Woche prima bis annehmbar interessant. “Vermischt” waren die Urlaubsorte – Bad Hofgastein und München…

Samstag und Montag, 17. und 19. August – ANGERTAL

Gleich nach der Ankunft (Zufahrt nicht über Salzburg, sondern durch das Ennstal mit nostalgischem Stop in Altenmarkt) eine erste Waldtour – es gibt Pilze! Nach dem herrlichen Badetag beim Teich in der Alpentherme Bad Hofgastein war wieder das Angertal als Standardziel dran – diesmal bis zum Angergrund und mit einer botanischen Überraschung – dichte Bestände vom Straußfarn / Matteuccia struthiopteris – so kompliziert der lateinische Name, so leicht eindeutig zu identifizieren. Die Sporangien befinden sich nämlich (nur?) bei dieser Art nicht auf der Unterseite der Farnblätter, sondern in einem eigenen Trieb in der Mitte der trichterförmigen aufragenden Farnwedel. Bemerkenswert auch der Jäger-Gedenkstein, für den man einen Kalkblock mit Korallenstock wohl aus dessen Heimat hergeholt hat.

Dienstag, 20. August – ANLAUFTAL

Dieses auf den Ankogel zulaufende schluchtartige Tal im Nationalpark Hohe Tauern hatten wir schon einmal durchwandert. Damals war die Radeckalm allerdings noch ein beliebtes Ausflugs- und Einkehrziel, nun ist es “privat” – wohl ein Jagdhaus der Bundesforste für betuchte Gäste. An Wild haben wir allerdings nur eine Rehfamilie gesichtet. Dafür war uns gar nicht in Erinnerung, wie großartig wild das Anlauftal sich präsentiert – hochgetürmte Felsmassen der Höhe zu, am Fuß der steilen Waldhänge ein uriger Fichtenbestand auf dicht mit Moosen und Farnen bewachsenen Granitblöcken, daneben braust der Wildbach über die engen Stufen bzw. hat er flachere Böden mit Schuttmassen aufgefüllt, aus denen die verbliebenen Baumstämme bizarr herausragen. Neben dem Fahrweg gab es noch ausgedehntere Bestände des Straußfarns als im Angertal, und als Besonderheit fanden wir mehrfach fruchtende Blau-Heckenkirschen / Lonicera caerulea, typisch für frische, saure Nadel-Block-Wälder (leider nicht gekostet, soll ähnlich wie Heidelbeeren schmecken, die wir aber andernorts reichlicher fanden). Auf etwa halber Strecke zweigt der Steig zum Korntauern mit dem Hannoverhaus und dem Römerweg ab (schon auf der Südseite von der Ankogel-Seilbahn aus begangen, vom Anlauftal aus für uns etwas zu anstrengend….). Hinter der Alm endet die zuletzt steinig-holprige Zufahrt, der weiterführende Steig war durch Baumbrüche versperrt, aber neben dem genug Feuchte liefernden Wildbach (in diesem trockenen Sommer wichtig) gab es eine Menge Eierschwammerl und sogar Herrenpilze – diese  zum Geburtstagsmenü paniert aufgetischt, köstlich!). Mit dem Rückweg zum Parkplatz gleich neben der Einfahrt des Tauerntunnels ergab dieser Tag eine ganz schöne Wanderstrecke, wobei es bei diesem Gasteinaufenthalt nicht einmal auf die Schlossalm ging, weil die Berge meist in Wolken steckten.

Donnerstag, 22. August – FULSECK

Nach dem etwas verregneten eigentlichen Geburts-Tag versprach das Wetter endlich einen abschließenden Sonnenblick! Als letzte Gelegenheit wählten wir nicht die Schlossalm, sondern das für uns  sogar etwas reizvollere Fulseck bei Dorfgastein. Während der Auffahrt stießen die Seilbahngondeln durch den dichten Hochnebel, und oben am Gipfel erwartete uns eine tolle Szenerie, wie wir sie dort (anderwärts natürlich schon öfter) erlebt hatten – ein Nebelmeer über den Tälern, die Gipfel von Hohen und Niederen Tauern samt den Kalkalpen zwischen Wildem Kaiser und Dachstein in föhnig klarem Licht! Sogar der Glockner wartete ungetrübt auf unser Foto, ehe er sich einen Wolkenschal umhing…

Unser Fulseck-Programm mag manche Bergfreunde erstaunen (wir haben natürlich von dort aus auch schon den Kalkgipfel Schuhflicker bestiegen und sind vom Arltörl talwärts gewandert): Nach dem Gipfelrundblick auf dem einmalig schönen Kammweg mit Panoramapunkten Richtung Arltörl entlang, bis sich rechts abseits die Heidelbeerreviere anbieten. Das dauert nun bis zum frühen Nachmittag, dann wieder hinauf zur Bergstation und Talfahrt bis zu Mittelstation. Dort Stop – denn hier wissen wir die Pilzreviere in den feuchten Wäldern, diesmal hauptsächlich Herrenpilze, die später zuhause getrocknet werden, soweit sie nicht in München zum familiären Abendmenü verspeist werden.

Das war´s also mit Bad Hofgastein, diesmal eher ein Gebirgs-Talurlaub, und am Freitag, 23. August ging es weiter nach München. Von unseren Tagesfahrstrecken die geringere, aber landschaftlich sehr schön über Zell am See – Mittersill – Kitzbühel (dann ein Schleichweg über Reith zum “Stanglwirt”) – Wörgl – Inntalautobahn – Achensee – Deutsche Alpenstraße – Lenggrieß – Bad Tölz. Die Wahl, auf die A 95 zuzufahren, erwies sich als sehr glücklich, denn mit Vorbereitung samt Schummelzettel und ohne Navi fuhren wir schnurstracks in München ein und landeten gut im Olympiaviertel bei der Wohnung von Hannes & Sonja & Elena und unserem Hotel ADAGIO, diesmal in diesem Aparthotel sehr gut untergebracht und zufrieden.

Samstag, 24. August – KLOSTER ANDECHS und AMMERSEE

Das von Hannes ausgesuchte Ausflugsziel war mir nur vom Historischen her irgendwie bekannt – tatsächlich handelt es sich bei dem Benediktinerkloster auf dem “Heiligen Berg” von Andechs um das nach Altötting bedeutendste Wallfahrtsziel in Bayern. Der Tag versprach also einiges Interessantes, und so war es auch… Zufahrt ca. 50 km von München nach Südwesten in die anmutige Hügellandschaft der bayrischen Alpenrandseen. Vom überdimensionalen Parkplatz aus (meist überfüllt wegen des zahlreichen Besuches) erblickt man schon auf dem Berg die ins 13. Jahrhundert zurückreichende Anlage mit dem markanten Turm. Die Kirche gehört zu den schönsten Renaissancebauten des Landes, interessant vor allem der Kirchenraum mit zweistöckigem Altar samt umlaufender Galerie – für Pilger und “gewöhnliche” Kirchenbesucher eingerichtet. Das tollste Erlebnis war der Aufstieg im Kirchenturm bis in die  hölzernen Turmzwiebel, wo uns ein Anschlag der Glocke fast umhaute… Der Gastgarten des Klosterrestaurants bot einen stimmungsvollen Rahmen für die Mittagszeit, bis es nachmittags weiterging – zum nahen Ammersee, dem Nachbarn des vielleicht berühmteren Starnberger Sees, jedenfalls ein Musterbild von Sommerfrische nahe den Alpen. Der Abend blieb Anni und mir noch übrig für eine Shoppingtour zwischen Karstadt am Hauptbahnhof und dem Marienplatz…

Sonntag, 25. August – TIERGARTEN / ZOO HELLABRUNN

Mit einem viereinhalbjährigen Kind, das noch dazu mit der Kindergartengruppe erst jüngst im Botanischen Garten war, bietet sich natürlich vorrangig der Tiergarten an (wodurch leider Nymphenburg diesmal nicht dran war, wie sonst immer). Spannend war es vor allem durch den Entdeckerdrang von Elena, die uns mehrfach im Menschengewimmel fast abhanden kam und immer wieder “eingefangen” werden musste. Schon leicht erschöpft auf einer Bank nahe dem Ausgang rastend, waren für Anni und mich vor allem die vorbeiflanierenden Besucher  – aus aller Herren Länder samt trächtigen Bayernburschen – von Unterhaltungswert. Allerdings nicht so gut zu fotografieren wie die Tiere in den weitläufigen Gehegen und bei manchen Nationalitäten sicher weniger gefährlich für den Fotografen. Während sich am Isarufer die Münchener Freizeit abspielte, ließen wir uns im Thaxis-Biergarten bei Gern nieder. Mit dem Auto in München nichts unterwegs, sondern alles öffentlich mit U-Bahn und Bus. Erst bei der Heimfahrt am Montag, 26. August, trat das Auto wieder in Aktion, diesmal über Landshut und Passau nach Oberösterreich – alles gut gegangen…. und erst bei der Ankunft für Lilienfeld mit der Anzeige “Reifendruck kontrollieren” (was mich die letzten drei Tage beschäftigt).

Insgesamt eine angenehme, wenn auch “vermischte” Urlaubsreise mit Familienkomponente, alles gut gegangen und danke an alle Beteiligten!

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