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Teilnahme nur auf eigene Gefahr! So hätte die Einladung zu dieser Hochkartour entsprechend der Wetterprognose lauten können – einer der heißesten Tage des Jahres zu erwarten… Aber ein Blick ins Internet wirkte doch beruhigend, denn Hochkar am frühen Nachmittag 26 Grad, aber dazu noch auflebender Wind… Also konnten wir´s wagen!

Auf jeden Fall früh dran sein! Abfahrt um 7 Uhr, Ankunft am Hochkar-Parkplatz (Auffahrt ohne Maut!) um 9 Uhr. Noch angenehm frisch, daher gleich Start zum Gipfel. Ich wollte übrigens noch meinen Wandertipp in der Arbeiterkammer-Zeitschrift (“treff” 3 / 2017) aktuell ausprobieren, vor allem wegen des Skywalks am Sendergipfel. Für eine längere Wanderung (beim letzten Besuch über die Schmalzmauer) konnten wir uns doch nicht entschließen, daher Aufstieg über das Scheineck – ein ganz hübscher Weg, bald abseits der Schipisten, schöne Ausblicke. Vor allem sieht man von diese naturbelassenen Route aus, welch immensen Eingriffe in die Natur die Einrichtung eines Schigebietes bedeuten!

Abgeblühte Silberwurz und Pannonischer Enzian

Natürlich ist eine Hochkar-Blumentour Ende Mai oder im Juni ungleich attraktiver als am 1. August! Die meisten Frühsommerblumen sind schon im Fruchtstadium, aber jetzt ist die schönste Zeit etwa für den Pannonischen Enzian, daneben Gipskraut, Strahlensame, Österr. Bärenklau, Eisenhut  usw.

Ausblick gegen Nordosten (Leckerplan, Schmalzmauer, Dürrenstein) und zum Hochschwab

Der Tag war nahezu wolkenlos, die Fernsicht nur durch einen Dunstschleier behindert, vielleicht auch sogar durch einen sonst nicht wahrnehmbaren Einfluss von Saharastaub? Gehört hat man in den Medien allerdings nichts davon, also nur eine Vermutung, denn der föhnige Südwind hätte eigentlich klare Sicht bedeuten müssen.

Die Gesäuseberge also leicht verschleiert, im Vordergrund Alpendost statt Alpenrosen, im Panorama Kaiserschild, Lugauer, Hochtor und Buchstein gut erkennbar. Bei der Erstellung des Panoramainfos beim “Viewpoint” dürfte die Sicht auch leicht verschleiert gewesen sein, denn da hat man glatt das Hochtor mit dem Zinödl verwechselt…

Der zeitweise ziemlich heftige, aber typisch warme Südwind war insofern angenehm, als er bei der Gipfelrast die Insekten verweht hat und dann beim Mittagessen auf der Terrasse beim Geischlägerhaus so luftig war, dass wir dort in voller Sonne sitzen konnten. Vorher war aber noch der Skywalk angesagt – eine typische, von manchen Naturfreunden sicher unnötig empfundene “Anreicherung” für das Bergerlebnis… Aber bei der intensiven Bebauung des Hochkars (abseits der reichlich noch vorhandenen Naturrefugien) erscheint das auch schon egal. Immerhin eindrucksvoll, wenn unter der Hängebrücke 120 m Tiefe durch die Gitterroste schauen…

Meine Empfehlung für das Hochkar ist die soeben beschriebene Route, wobei man beim Weitergehen über die Häsing und den Leckerplan auch eine ganz schöne Runde zusammenbringt. Am lohnendsten ist natürlich die “Naturgegend” zur Schmalzmauer und möglichst noch weiter auf dem Alpinweg bis zum Ringkamp, zurück über Schwarzalm und Brunneckerhütte.

Die letzten Bilder stammen allerdings von einer Tour Ende Juni, und da hat es überall noch ganz großartig geblüht!

Kugelorchis und Kohlröschen

Auf jeden Fall hat mein Tipp HOCHSOMMER HOCHKAR gepasst, denn es war zwar warm, aber der Höhe entsprechend nicht heiß (wohl auch wegen dem luftigen Südwind). Wenn man jetzt angenehm wandern will, heißt es eben – hoch hinaus! Egal ob am Hochkar, auf den Schneeberg oder die Rax, den Ötscher und den Hochwechsel, Hauptsache man kommt aus den Niederungen mit Lift oder Bergstraße in die richtige Höhenlage!

Canyon und Unterlauf der Zrmanja

Zrmanja – von Karstquellen zum Meeresarm

Der überregional wenig bekannte Fluss Zrmanja entspringt an den südlichsten Ausläufern des Velebitgebirges (nahe den sogenannten Dinarischen Alpen) halbwegs zwischen den größeren Städten Gradac und Knin in einer einsamen, aber nahe den Hauptstrecken von Bahn und Straße gelegenen Berg- und Hügelgegend (Zrmanjo vrelo, Nadvrelo, südlich von Otric). Zuerst nach Süden fließend wendet sich die Zrmanja bald in westnordwestliche Richtung in einem dem Gebirgsstreichen entsprechenden Tallauf. Wo dieser sich dem Velebitgebirge annähert, ist in die eher hochflächenartige Landschaft ein markanter und völlig naturbelassener Schluchtlauf eingeschnitten – Hauptanziehungspunkt für Rafting- und Kajaksport! Die Schluchtstrecke endet bei einem Wasserkraftwerk (Pumpspeicherwerk Muskovci) mit Staubecken , das über einen Druckstollen aus dem Landesinneren bei Gracac versorgt wird (auch zur Aluminiumerzeugung aus den verstreuten Kaolingruben ausgenützt, vermutlich bis zu den Zerstörungen der Fabriksanlagen im Jugoslawienkrieg). Die erste größere Ansiedlung ist das noch immer mit den Kriegsfolgen ringende Obrovac. Nun verläuft das gewundene und sogar schiffbare  Flusstal weiter bis zur Mündung in das Binnenmeer Novigradsko more, das wiederum mit dem Velebit-Kanal in Verbindung steht (überbrückt von Straße und Autobahn Richtung Zadar). Insgesamt hat der Flusslauf eine Länge von 69 km, touristisch interessant ist vor allem die Schluchtstrecke mit ihren aus Kalksinter und Pflanzenablagerungen gebildeten Katarakten, ausgezeichnet durch smaragdgrünes klares Wasser zwischen den meist kahlen, felsigen Steilhängen. Zwar sind Katarakte und Canyon der Zrmanja nicht so berühmt und attraktiv wie etwa Plitvice oder Krka, aber dieses Naturgebiet steht jedenfalls unter Betreuung durch den Biosphärenpark Velebit.

Samstag, 13. Mai 2017

Berberov bug und Zrmanja-Canyon


Sveto brdo, das aus hartem Kalk aufgebaute Felsmassiv im südlichen Paklenica-Massiv, und Flussschlingen der Zrmanja zwischen Obrovac und der Meeresmündung

Noch vor der hohen Brücke über die Meerenge bei Maslenica biegen wir auf der Straße Nr. 54 (Richtung Gracac) ab und kommen bald zu einem Aussichtpunkt in den letzten Abschnitt der Zrmanja vor ihrer Mündung in das “Novogradsker Meer”. Wir befinden uns in einer herben Karstlandschaft – Geröll und Felsplatten, darauf Dornbüsche und Wacholder und Hartlaubgewächse, allerdings auch ein paar pannonisch anmutende Blumen. Die Szene ist aber reizvoll durch den Aufblick zu den Felszacken des Gebirges und dem im Talgrund sich dahinschlängelnden Fluss. Irgendwo müssen wir da hinunter, aber nicht nach Obrovac (das bleibt uns für die Rückfahrt). Die nächste Abzweigung ins Tal bei Muskovici endet (weil zu früh abgebogen) beim Kraftwerk, wo das abgearbeitete Wasser des Velebit samt dem Flusswasser mit überschüssigem Strom wieder in den Speicher bei Gracac hochgepumpt wird. Hier gibt es aber keine Weiterfahrt, nur abgesperrtes Werksgelände. Also wieder hoch zur Seitenstraße und in längerer Fahrt den Hang entlang bis zu einem scharfen Schluchteinriss. Da ist endlich der Fluss, und um eine scharfe Ecke biegend kommt unser erstes Ziel in Sicht.

Eine Gastwirtschaft mit allen Anlagen eines beliebten Ausflugszieles befindet sich am breiten Gewässer, das blau schimmernd zwischen die grünenden Hügel eingelagert ist. Und voraus stürzt die Zrmanja über eine hohe Fallstufe herab, ein gischtendes Hufeisen quer über den ganzen Talboden.

Wie auf einem “Wasserfallsteig” geht man von einem wunderbaren Blickpunkt zum nächsten, bis die obere Kante der Fallstufe erreicht ist und wieder ruhiges Wasser sich bis zur Eisenbrücke erstreckt. Dort kann die Fahrt talaufwärts weitergehen…

Am nördlichen (orographisch, in Fließrichtung, rechten) Ufer führt noch ein Güterweg zu zwei kleinen Weilern. Über die Eisenplatten ans gegenüber liegende Ufer holpernd, gelangt man zu einer Seitenstraße des gegen Bilisane verlaufenden Höhengeländes mit der Zufahrt über Obrovac. Soweit zur Orientierung, die nach den Straßenkarten nur mangelhaft erfolgen kann. Zum Glück steht hier eine Infotafel des NP Velebit mit einer genauen Karte… Wir gehen das ganze Gelände beiderseits der Eisenbrücke noch zu Fuß ab (die Örtlichkeit beim Gasthaus ist in der Karte mit Runjevi vrack bezeichnet, eher findet man sie als Ausgangspunkt für die Kajak- und Raftingfahrten angeschrieben). Dann zurück zum Auto und talaufwärts die noch asphaltierte Straße entlang. Nach einem überraschend pompösen Landsitz folgen über Svinjski Dolac eine Kehre mit schöner Aussicht und die recht armseligen Gehöfte Dramotici.

Dann geht es auf Schotter weiter, wir bleiben aber in der nächsten Biegung stehen, weil wir von unserem letzten Ausflug wissen wie schlecht die Weiterfahrt sein würde. Vom linken Bergrand aber ergibt sich hier der beste Blick in den Canyon der Zrmanja, und wir können im teils ruhigen, teils über kleine Schwellen verlaufenden Fluss sogar die Raftingboote beobachten.

Nun geht es an die Rückfahrt, die auch noch einen überraschenden, fast oskuren Eindruck bietet. Zuerst zur Kreuzung vor der Eisenbrücke, nun aber links (an derselben Talseite bleibend) auf der schmalen Asphaltstraße weiter. Dieser verläuft eine längere Strecke noch eine Mulde entlang, wo plötzlich ein kleines Kircherl auftaucht – Sveti Jovan, umgeben von einem alten und sogar noch aktuell in Benutzung stehenden Friedhof. Eine solche Stätte birgt immer wieder etwas Interessantes, und wenn es ein Gefühl für die Lebensverhältnisse der hier in der Einschicht verstreuten Menschen geht.

AB Blick durch ein Glasfenster ins Kirchenschiff von Sveti Jovan

Dann geht es denn Berg hinauf zur lokalen Hauptstraße in der Streusiedlung Bilisane und über Obrovac zurück nach Seline. Der interessantere Unterlauf der Zrmanja liegt hinter uns, aber es fehlt noch die wildeste Schluchtszenerie beim Karstwasser von Krupa…

Montag, 15. Mai 2017

Krupa – Tal und Kloster

Dieser Tag verlief anders als geplant, denn (anschließend an den Naturweg Karisnica) gab es nachmittags noch eine Weiterfahrt zur Krupa, dem wichtigsten Seitental der Zrmanja. Damit ist schon der Nachteil dieses Unternehmens gesagt – zwar sehr interessant, aber für die entscheidenden Passagen in der Krupa-Schlucht oder vorher noch zur Krupa-Quelle war es zu spät…

Um 15.30 Uhr Abfahrt vom Franziskanerkloster in Karin mit dem Ziel, durch das mittlere Tal der Zrmanja (oberhalb der Schluchtstrecke) zur Krupa zu kommen. Krupa bedeutet – eine mächtige Karstquelle, ein “fast schon verschollenes” Dorf, den wildromantischen Zubringer in die Zrmanjaschlucht. Also allerhand Programm für einen Nachmittag, der sich langsam bewölkt zeigte.

AB Karstberge südlich der Zrmanja

Die Strecke bis zur Querung der Zrmanja bei Kastel Zegarski (dort beginnen auch Raftingfahrten in die Schlucht) bedeutete über 30 km auf uns unbekannten Straßen durch sehr zerstreut besiedeltes Höhengelände oder menschenleere Waldgebiete. Von der Straße Nr. 27, die Obrovac mit Benkovac verbindet (Frontgebiet während des Jugoslawienkrieges), abzweigend durch Donji Karin (mit einer antiken Fundstätte namens Corinum) nach Popovici. Eine große Kirche taucht auf, irgendwie kommen wir ihr nicht nahe, aber Richtung Nordosten haltend erreichen wir eine in der Straßenkarte gelb eingezeichnete Strecke, die von Benkovac kommt. Die nächste im Nachhinein notierte Ortschaft ist Bruska, kaum ein paar Häuser, aber immer noch Busstationen. Nun soll es nur mehr ziemlich geradeaus, zumindest bei allen Kreuzungen, bis Kastell Zagorski gehen. Dann nähern wir uns dem Bergzug der Bukovica mit einem durch ein großes Kreuz bezeichneten Sattel beim Weiler Klanac, eher wie eine Alm wirkend als eine Ansiedlung. Plötzlich endet die Asphaltbahn, und es geht auf wechselnd grobem Schotter immer zügig bergab durch buschartige Waldbestände ohne irgendeine Ansiedlung, fast 10 km lang…

Zrmanja-Brücke in Kastell Zegarski

Endlich tauchen Häuser auf, eine Ortschaft mit dem Namen Kastell Zegarski. Man würde sich ein Burg- oder Schlossruine erwarten, aber es gibt nur halbwegs erhaltene und offensichtlich bewohnte Häuser neben leer stehenden oder ruinösen Gebäuden. Unten am Fluss jedoch eine massive steinerne Brücke. Sie wirkt wie ein Grenzposten und war es wohl auch in den immer wiederkehrenden Kriegszeiten (von Venedig und Österreich gegen die Türken bis zu Kroaten gegen Serben). Immerhin sind wir hier auf einer Asphaltstrecke gelandet, die von Obrovac in das Gebiet im Knin führt. Der folgende Berganstieg heißt Nadvoda (“Überwasser”), und eine Wegkapelle erinnert daran, dass es nun bald auf das Manastir Krupa zugeht, das hoch am Berg schon von fern sichtbare Kloster.

AB Wegkapelle zwischen Zegar und Krupa

Jenseits des dicht bewaldeten Bergrückens geht scharf rechts und leicht zu übersehen die Seitenstraße nach Krupa ab. Sie sollte weit hinauf führen, zu vielleicht schon unbewohnten Siedlungen auf den noch immer über 1000 m hohen Ausläufern des südlichen Velebit, deren Abhänge den Talschluss überragen. Wir bleiben aber nur, so weit der Asphalt reicht, und kommen in eine fast unwirkliche, aus fernen Tagen zurück gebliebene Welt – Krupa.

Am malerischen Fluss wechseln eher dürftige Häuser mit steinernen Ruinen, Schafe und Ziegen wohl als einzige Lebengrundlage der Bewohner, sicher aber zur sommerlichen Hauptsaison das Ziel von Ausflüglern, weil diese Karstgegend so berühmt ist. Wir halten vor einer altertümlichen, aber noch gut erhaltenen Mühle mit starkem Wasserzulauf durch einen aus Stein gefügten “Fluder” (Wasserkanal), unter dem Steinhaus der schon stillgelegte Mühlgang, daneben rauscht üppig das Wildwasser der Krupa daher. Woher es kommt? Es soll aus einer mächtigen Karstquelle entspringen, die wir anschließend suchen. Den mächtig Wasser führenden Bach bei der nächsten Abzweigung entlang gehend, kommen wir aber nur zu einer “renovierten Mühlruine”…

Dass sich anschließend ein umzäuntes Firmengelände mit Neubauten erstreckt, ermuntert uns auch nicht, einen Weiterweg zur Quellhöhle zu suchen, zumal auch noch das Kloster auf uns wartet… Wasser haben wir nun ja genug gesehen, also zurück zur Straße Richtung Kloster. Aber wo diese den noch immer jungen Fluss Krupa quert, gibt es wieder eine Steinbrücke und malerische Bilder.

Anni hat gerade noch die Stelle festgehalten, wo der Fluss Krupa aus den Hochtalmulden in das Felsinferno der Schlucht eintritt und später im sogenannten Krupa-Delta in die Zrmanja mündet. In zügiger Auffahrt geht es dann weiter zum Manastir Krupa, dem größten von fünf serbisch-orthodoxen Klöstern in Kroatien, 1317 gegründet und heute nur mehr vom Abt als einzigem Mönch bewohnt. Die Anlage ist höchst “altehrwürdig” und noch dazu offensichtlich in bestem Zustand, obwohl Serbisch und Orthodox nicht gerade gefragt sein dürfte in Kroatien (eigentlich ein Kompliment für dieses junge EU-Land).

Die ersten beiden Bilder von Anni...

Eine teils recht kühn angelegte Bergstraße führt dann hinauf zu den Hangflächen von Golubic. Hier könnte man hinab zum Krupa-Delta gelangen, an diesem Tag schaffen wir das aber nicht mehr, und wer weiß ob wir überhaupt wieder einmal hieher kommen… Jedenfalls gelangen wir auf der aussichtsreichen, von Gracac kommenden Hauptstraße durch die Steilhänge der Velebitausläufer wieder hinab zu den flacheren Gefilden nahe Obrovac und weiter zurück nach Seline.

Im Spätsommer 2014 und 2015 konnten wir von Seline / Starigrad aus den südlichen Velebit, bekannt durch die Schluchten und den Nationalpark Paklenica, kennenlernen und erwandern. Nach Pause im folgenden Jahr (durch die Reisen nach Malta) bereiteten wir uns heuer besonders auf das gesamte Gebiet Nord-Dalmatiens vor. Einschließlich des uns noch unbekannten Nationalparks SJEVERNI VELEBIT (Nördlicher Velebit).

Im Internet gibt es dazu eine Menge deutschsprachige Information mit zahlreichen Bildern und einer genauen Karte:

Nationalpark Nördlicher Velebit

Alles ausgedruckt auf die Reise im Mai nach Seline mitgenommen und gleich an den ersten Tagen beim Nationalpark-Zentrum in Starigrad die Spezialkarte besorgt! Beim Nachschlagen wegen der Flora war mir aber schon aufgefallen, die empfehlenswerteste Zeit für Blumenexkursionen auf die bis 1600 / 1700 m  aufsteigenden Berge soll eher der Hochsommer sein… Bei der Anfahrt über die Autobahn sahen wir nur einiges Blühendes an den Böschungen. Auf einem Parkplatz irgendwo nahe Gospic blühte in ca. 600 m Seehöhe an einer im Ruderalen übriggebliebenen Rasenstelle das Salep-Knabenkraut / Orchis morio… Außerdem schauten von den Gipfeln Schneefelder herab, etwa auf nur 1500 m trotz der bereits beachtlichen Südlage vom Winter noch erhalten. Wiesen und die vorherrschenden Laubwälder prangten zwar in üppigstem Grün, bergwärts waren die (vermutlichen) Rotbuchen noch nicht einmal belaubt!

Mittwoch, 10. Mai 2017

Durch den auf Südwest drehenden Wind war die nachtsüber noch heftige Bora etwas abgeflaut, und übrig blieb auf den Bergen eine frische Brise aus Nordwest bei 15 Grad, während es an der Küste und im Sonnenschein schon wärmer wurde. Wenn wir für eine Gipfelbesteigung im Nordvelebit zu früh dran wären, wollten wir dennoch in größere Höhe hinauf, und dazu bot sich der ca. 930 m hohe Pass Ostarijska Vrata für eine Rundfahrt an: Seline – Karlobag – Stara Vrata (Alte Pforte der Ostarijska, wobei ich nicht weiß ob dieser alte Name irgendwie mit Österreich zusammenhängt – das Gebiet gehörte im 17. Jh. in den Kriegen gegen die Türken bereits zum Habsburgerreich) – Gospic – Paklenicatunnel – Seline, insgesamt 168 km.

Karlobag liegt gegenüber einem Seitenteil der Insel Pag, von Seline erreicht mittels ca. 45 km Fahrt auf der vielfach äußerst romantisch zwischen Felsen und Steilbuchten verlaufenden Küstenstraße. Diese einstige Hauptverkehrsroute (Jadranska magistrala) ist durch den Autobahnbau im Landesinneren wesentlich entschärft worden und kann jetzt wohl eher als eine attraktive Ausflugsstraße gelten und nicht mehr als gefürchtete, besser zu meidende Lasterroute. Von der barocken Kirche steht nur mehr ein Mauerrest, nachdem dieser Küstenabschnitt wegen der wichtigen Verbindung ins Landesinnere im 2. Weltkrieg schon stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Hafen wirkt mäßig malerisch, bezaubert vor allem durch den Blick auf die “Mondlandschaft” der nahen Karstwüste der Insel Pag.

AB Ausblick von Karlobag zur Insel Pag

Wie schon bei einer früheren Fahrt (10 km  von Karlobag weiter führt eine Fähre nach Novalja auf Pag) wird hier getankt, um während der Passfahrt bis Gospic nicht in Treibstoff-Verlegenheit zu kommen. Ein paar Schritte noch auf der Hafenmole, dann geht es ohne weiteren Aufenthalt (dieser wäre sicher auch lohnend!) an die Bergfahrt!

AB Von Karlobag zur Passstraße

In anfangs engen Kehren, dann mit einer weiten Schleife, gewinnt die vorzüglich ausgebaute Straße rasch an Höhe, und der Ausblick wird immer traumhafter!

Tiefblick auf Karlobag und weithin über die dalmatinischen Küstengewässer.

Für uns ist es nicht wichtig, möglichst schnell über den Berg hinweg zu kommen, vielmehr wollen wir in geeigneter Höhe noch eine Blumenexkursion unternehmen. Dazu bietet sich die Abzweigung zu den Dörfern Ledenik und Kucista an, wo sich zwischen den steilen Küstenhängen und den eher sanften Gipfelrücken ein bewaldetes Hochtal einlagert. Abgesehen von der nahen Passstraße völlig abgeschieden, ein einsamer Wohnort für die verstreut siedelnden Einwohner, die sich wohl nur mit Schaf- oder Ziegenzucht ernähren können. Trotzdem gibt es Stromleitungen und eine Asphaltstraße, immerhin eine Grundstruktur, auch wenn sie noch so einfach ist…

AB Ausblick von der Passstraße und "Blumenmulde" oberhalb der steilen Küstenhänge

Wo sich die Straße in ein Hochtal wendet und der Meerblick verschwindet, zweigen wir auf der Zufahrt nach Ledenik und Kucista ab, immer noch auf Asphalt an einem Steinbruch vorbei, bis zur Gabelung Richtung Krasno. Dieses touristische Zentrum im Nördlichen Velebit ist 58 km entfernt, aber  nur über Schotterstraßen zu erreichen. Also bleiben wir besser hier stehen und wenden uns in die meerseitig gelegene Hochmulde hinein – voll Erwartung, was da alles blühen könnte! Und wir werden nicht enttäuscht….

AB Heckenrosen und Schwertlilien (noch genauer zu bestimmen...)

Gelbdolde und Alpen-Seidelbast

Eine Ginsterart und ein Milchstern (spez. ?)

Erdbeer-Wolfsmilch und Illyrische Schwertlilie

Am Nordrand der Mulde entlang wandernd, erreichten wir einen Sattel, wo sich ein ganz wunderbarer Ausblick öffnete. Dann steuerten wir die Mitte der Senke an und stießen ganz überraschend auf einen kleinen Weiher! Trotz des ringsum stark verkarsteten Kalkgesteins, gibt es auch im Velebit immer wieder andere, vor allem wasserhaltende Schichten. Dort finden sich Quellen und halbwegs fruchtbarer Boden als Voraussetzung für die spärlichen und sehr verstreuten Ansiedlung. Für uns war die nächste Überraschung zwei Orchideenarten!

Salep-Knabenkraut und Dreizähniges Knabenkraut

AB Illyrische Schwertlilie und Dreizähniges Knabenkraut

Inzwischen war es Mittag geworden, Zeit für die Weiterfahrt! Also zurück zur Hauptstraße, die uns in vielfachen Windungen hinauf zu einer almartigen Mulde führte. Vereinzelt einige Häuser, eher Hütten neben den erst schwach begrünten Weideböden. Neben den sonst vorherrschenden Laubbäumen, mediterran-illyrischen Arten (etwa Mannaeschen und Hopfenbuchen) sowie landeinwärts mehr verbreitete Rotbuchen, gab es hier auch Föhrenbestände, teilweise vermutlich aufgeforstet. Zum Herumstreifen reichte wohl die Zeit nicht, und außerdem ging es schon in weiten Schleifen auf die Passhöhe zu. Zuletzt durchbricht ein kurzer Tunnel den Sattel, zur Seite noch erkennbar die älteren Straßentrassen, deren Bedeutung durch ein ungewöhnliches Denkmal unterstrichen wird – der Vidicovac Kubus.

Die schon unter den Habsburgern im 17. Jahrhundert auf frühgeschichtlichen und antiken Spuren angelegte Straße wurde Mitte des 19. Jahrhundert auf leichter bezwingbarer Trasse erneuert, der letzte Ausbau erfolgte 1968, dem Zustand der Fahrbahn nach zu schließen hat man auch in letzter Zeit sich um weitere Verbesserungen bemüht. Für sportliche Fahrer ist diese Strecke von Karlobag nach Gospic (oder umgekehrt) ein wahres Eldorado, für Kurvenfanatiker selbstverständlich! Für uns war sie die beste Möglichkeit, rasch in die Hochregion zu kommen – leider mit nur mäßigem Erfolg hinsichtlich der Botanik. Denn jenseits des Passes blühten neben dem historischen Brunnen noch die Dotterblumen…

Ein auffallend zeltartiges mehrstöckiges Hotel verweist auf den Tourismusbetrieb, der hier sogar im Winter stattfinden soll. Zu dieser frühen Jahreszeit (Mitte Mai) herrscht sozusagen “tote Hose”, vor der Kirche parken wir als einziges Auto. Friedhof und Kriegerdenkmal daneben erinnern an üble Zeiten, eine Art Festplatz weist hingegen auf starken Besuch an Gedenktagen oder bei kirchlichen Feiern hin. Der relativ neue Kirchenbau entstand erst vor 1950, als eine weitgespannte Vereinigung von kroatischen Förderern die im 2. Weltkrieg (um 1943) zerstörte Wallfahrtskapelle wieder aufbauen ließ, übrigens in modernen, zugleich bodenständigen Formen.

Historisch ist der während der Bauzeit der “altösterreichischen” Straße errichtete Brunnen, aus einer Sumpfmulde entspringend, der übrigens wegen seines “Fruchtbarkeitswassers” geschätzt wird.

Sonst ist hier, von Almwirtschaft und einigen Ferienhäusern abgesehen, nicht viel los. Die Landschaft entspricht etwa den höheren Voralpen Österreichs – mit Wiesen bedeckte Mulden und sanftere Hänge wechseln mit felsigen Abschnitten, die eine interessantere Szenerie bewirken. Für Wanderer gibt es hier sicher ein vielfältiges Gelände, wenn auch weniger einzelne Gipfel anlocken, sondern ein Weitwanderweg über die Berghöhen des Velebit, der beworben und markiert ist. Man steht oder geht auf diesen Berghöhen immer “zwischen Meer und Land”, dem entsprechend packend sind auch die Ausblicke!

Nach Süden kommt man in das Gebiet der Paklenicaschluchten (diese sind bekannter als die Gipfel). Nordwärts folgt nach wechselhaft geformten Höhen der Nationalpark Sjeverni Velebit mit dem Symbol einer Bärenpfote, also sicher recht urtümlich wie der gesamte Gebirgszug. Höhepunkte sind dort die Höhenstandorte und Berghütten Alan und Zavizan (mit einer berühmten Wetterwarte). Wie in den NP-Informationen richtig angemerkt, lohnt sich die Begehung eher im Hochsommer, denn früher ist die Vegetation noch recht zaghaft entwickelt, am Pass haben wir etwa Kreuzblumen, Täschelkraut und Felsenbirnen blühend gefunden.

Aus der Baske Ostarije genannten Streusiedlung der Passmulde verläuft die Talfahrt bald über steile, von Dolomit und dichten Laubwäldern geprägte Steilhänge hoch über einem scharf eingeschnittenen Tal etwa 10 km hinab zur Hochebene des Landesinneren. Unvermittelt wird die Gegend flach und wieder besiedelt, allmählich kommen wir hinein in die weit ausgebreitete Stadt Gospic. Der Eindruck ist eher dürftig, sicher auch durch die Lage nahe der Frontlinie des “Jugoslawienkrieges” der 1990er Jahre. Zum Glück bemerken wir im Vorbeifahren eine schmucke Pizzeria, denn wir sind schon ausgedörrt und hungrig! Auf der Terrasse des einladenden Lokals werden wir bestens versorgt und genießen das schöne Wetter, luftiger Wind und hübsch am blauen Himmel dahinziehende Wolken.

Südlicher Velebit und Blick über die Hochebene gegen die Bosnischen Grenzberge

Die Orientierung ist hier einfach – vor der Baugruppe mit der Kirche biegt die Hauptstraße rechts ab, und dieser wollen wir auch noch ein Stück folgen, erst später zur Autobahn auffahren. Dabei fährt man über eine weitläufige Hochebene im Landesinneren zwischen dem Küstengebirge des Velebit und den Bergen an der Bosnischen Grenze. Mit Waldstreifen durchsetzte Wiesenflächen, kleine Äcker und Gärten dazwischen, ein nur wenig eingesenkter Flusslauf. Dieses Karstgewässer heißt Lika und hat nur einen “unterirdischen” Abfluss zum Meer. Ähnliche Verhältnisse gibt es nördlich davon bei der Stadt Otocac, wo das Wasser sogar zu einem Kraftwerk bei Senj zur Küste geleitet wird, oder etwa beim südlich gelegenen Gracac mit dem Druckstollen an der Zrmanja. Zur Orientierung – von Otocac bzw. Gospic weiter gegen Nordosten kommt man in den Nationalpark Plitvicka Jezera.

Einmal nähert sich die Straße einem Flussbogen der Lika, leider versäumen wir diese malerische Stelle, wohl weil es schon später Nachmittag wird… Rechtzeitig bemerken wir noch seitwärts eine steilen, nicht zu hohen Bergkegel, den wir leicht erklimmen können. Der vorletzte Höhepunkt dieses herrlichen Tages – herunten eine üppige Orchideenwiese, vom felsigen Trockenrasen des kleinen Gipfels eine umfassende Aussicht über diese schlichte, aber recht anmutende Landschaft östlich des Velebitgebirges.

Durch einsames Gebiet mit Wäldern, verstreuten Weiden und abgelegenen kleinen Ortschaften langen wir bei Sveti Rok an. Dort sollte eigentlich eine Bergkirche zu besuchen sein, aber dafür ist es zu spät. Wir fahren auf die Autobahn, und auf dieser geht es zügig über das Gebirge hinweg zur Küste – ein fast schon abendlicher Prachtblick über den Velebit-Kanal und das Novogradsker Binnenmeer. In dieses mündet der Fluss Zrmanja, der unser nächstes Ziel sein wird….

Sandbucht – Sumpfwiesen – Karsthügel

Das nördlich von Zadar an einer Meeresbucht gelegene Nin ist eine der ältesten und historisch bedeutendsten Siedlungen des kroatischen Küstenlandes. Von der Frühgeschichte unter den Illyrern über das römische Municipium Aenona bis zu den Venezianern, die es im Kampf gegen die Türken zerstörten, reicht die nach dem Wiederaufbau 1699 nicht wieder gewonnene Blütezeit dieses heute museal wirkenden Touristenziels. Um 800 von fränkischen Missionaren christianisiert, entstand hier die “kleinste Kathedrale der Christenheit” als vollständig erhaltenes Beispiel altkroatischer Baukunst, die Kirche Sveti Kriz (Heiligkreuz) aus dem 9. Jahrhundert.

Wir haben bereits 2014 Nin besucht, wirklich eindrucksvoll, also ging es diesmal mehr um die Umgebung, die sich zwischen der Küste bei Zadar und dem Velebit-Kanal ausbreitet. Diese Ravni kotari genannte Halbinsel setzt sich als schmaler Landstreifen nordwärts, immer gegenüber dem Velebitgebirge in der Insel Pag fort.

Dienstag, 9. Mai

Der Regen vom Vorabend hat zwar aufgehört, ist aber von einer ganz schön heftigen Bora abgelöst worden. Dieser Nordostwind stürzt vom Velebitkamm  über 1500 m herab zum Meer und erreicht als Fallwind erschreckende Windstärke – gut dass wir unser Apartment an der Meerseite haben, denn bergwärts könnten wir kaum ein Fenster oder geschweige denn die Balkontüren öffnen. Wir kennen dieses Wetterphänomen schon gut genug um zu wissen, dass Richtung Zadar sicher aufgelockerte Bewölkung und nur mäßiger Wind zu erwarten sind. Vielleicht geht sich sogar bereits der Besuch eines etwas geschützten Strandes aus…

Wolkenstau bei Bora mit dem Vorsprung des Kap Ljubljana (dort eine ebenfalls Starigrad genannte Ruine) und karge Weideflächen bei Gornja Slivica

Wir folgen zuerst der Hauptstraße Richtung Zadar, werden aber kurz nach der Maslenica-Brücke (im Jugoslawienkrieg zerstört, nun ein beliebtes Objekt für Seilspringer!) auf eine Umleitung befördert. Ursache ist eine Baustelle in Posedarje (später benützten wir gleich die nur wenige Kuna kostende Autobahn), und wir müssen auf den Berg oberhalb des kleinen Ortes Vinjerac hoch hinauf (direkt gegenüber von Seline und Starigrad). Bei der Kirche von Gornja Slivica halten wir an und schauen uns auf den kargen Fluren etwas um – erfolglos, denn es gibt nur von Schafen abgefressenes Gras, Steinböden und vertrocknete Dornstrauchhecken. Dass sich ein großer Baum (wie im Bild) halten kann, erscheint fast als Wunder! Bald geht es also weiter, hinab ins Tal mit der Hauptstraße Richtung Pag und diese rechts entlang. Nun kommen wir in eine freundlichere Landschaft – auf den Hügelketten hält sich etwas Wald, die Mulden dazwischen sind aber eher feucht, und wo kein Bambus oder Schilf wuchert, gibt es sogar kleine Felder und Weingärten. Unser Ziel ist nun die Bucht von Ljubac, und die Fahrt dorthin über den verstreuten Ort Radovin ist sogar recht abwechslungsreich. Hier könnte man überall im Gelände herumbummeln, gelb leuchtende Ginsterbüsche und verschiedenes Grün verlockt dazu, aber wir wollen zu “unserer” Sandbucht.

Von einer Anhöhe öffnet sich der Blick auf die südliche Bucht des Ljubacki zaljev, die für ihren flachen Sandstrand berühmt ist. Im Internet findet man dazu nur Unmengen von Ferienquartieren, aber nichts sonst Wissenswertes. Wir haben 2014 bei der Rückfahrt von Pag dort Station gemacht und gleich den Paski sir und die krossen Brotweckerl aus der dortigen Bäckerei verkostet, dabei auch das alte Ortszentrum von Ljubac mit der nostalgischen Kirche gesehen und weiter oben auf den Hügeln die angeblich auch alte Kirche Sveti Gospa. Da sind wir nun!

Bei dem schlichten Bau handelt es sich um die Friedhofskirche der Umgebung, in deren Umfriedung sich die eigenartigen “Kistengräber” aus älterer bis in neueste Zeit befinden. Berückend ist vor allem die Aussicht – wenn hier ein Fischer begraben ist, könnte er sich fühlen wie ein Alpenmensch in einem Bergsteigerfriedhof…

Durch den Wechsel von hartem verkarstendem Kalk und  wasserhaltenden Sandsteinschichten ergibt sich ein kleinräumiges Relief von Steinriegeln und Feuchtmulden, wobei letztere botanisch zu diesem Zeitpunkt am interessantesten sind. Denn überall auf solchen Flächen blühen Unmengen von Locker- oder Armblütigem Knabenkraut (Orchis laxiflora, entspricht dem mitteleuropäischen O. palustris). Bald darauf wandern wir über die Sandflächen der Bucht von Ljubac, ähnlich jenen von Nin, wo der “Heilschlamm” kurmäßig angewendet wird. Hier sind es eher Bade- und Feriengäste, ideal für Nichtschwimmer, denn man muss elendsweit ins Wasser hinauswandern, um den Boden unter den Füßen zu verlieren…

Neben einem Lokal am Strand sehen wir dieses eigenartige Gehölz (mit den Früchten vom Vorjahr?), neben den Sandflächen erstrecken sich landwärts Feuchtgrasbestände, einzelne Tamarisken daneben – und alles menschenleer! So aber nur Mitte Mai, denn bald wird der Ansturm von Gästen beginnen… Über den nächsten Höhenrücken geht die Fahrt weiter, inzwischen ist es heiß geworden, und Wolken gibt es nur im Stau hinter dem Velebit. Das Gelände der Ravni kotari ist eine leicht hügelige Hochebene mit devastiertem Niederwald- und Buschwuchs, überaus öde und einförmig, bis endlich die nächste Ortschaft in Sicht kommt.  Die gar nicht so unansehnliche Gemeinde heißt Vrsi und gehört schon zum Einzugsgebiet der westlich davon an der Meeresbucht gelegenen Stadt Nin. Dorthin aber wollen wir noch nicht…

Unser Ziel ist die äußerste Landspitze dieses Hügelrückens, und sobald wir uns durch die engen Gassen von Vrsi durchgezwängt haben und an einem irgendwie nationalen Denkmal vorgekommen sind, geht es hinab in eine weite Muldenlandschaft. Wie ein Paradies wirkt hier die Natur nach der kargen Hochfläche, schon gibt es Weingärten und Felder und endlose Wiesen im Rot der Knabenkräuter und einer hübschen blau blühenden Pflanze. Noch nie haben wir einen solchen Eindruck erlebt!

Danach erhebt sich wieder ein steiniger Höhenrücken mit einer markanten Kirche, im Hintergrund das Velebitgebirge immer mit Wolkenstau. Wie es weitergeht, haben wir schon an den zahlreichen Lastautos gemerkt – jenseits der Anhöhe endet die Asphaltstraße bei einem überdimensionalen Steinbruch. Wir holpern weiter bis zum nächsten Aussichtspunkt, dann ist sozusagen die “Welt zu Ende”, wie die beiden gegensätzlichen Panoramen zeigen:

Es geht wieder zurück nach Vrsi und – alle Abzweigungen zum Strand und Heilschlamm verschmähend – bis zu den Salinenbecken an der Stadtmauer von Nin. Mit den historischen Bauten halten wir uns nicht auf, sondern kehren im schattigen Hofgarten des Restaurants Sokol ein, um uns für den Rest der Fahrt zu erholen. Denn zurück nach Starigrad ist es noch ganz schön weit, zumal wir auf der Hauptstraße die Umleitung durch Posedarje auskosten müssen (statt gleich die Autobahn zu benützen). Dass wir an diesem Tag noch abends bei der Mala Paklenica vorbeikommen, ist schon eine andere Geschichte….

Bischof Gregorius, ein Nationalheld des 10. Jahrhunderts, der damals schon Kroatisch als Kirchensprache gegen die "Lateiner" verteidigte

Bei der Ausfahrt von Nin sehen wir noch ein weiteres einzigartiges Denkmal – auf einem Tumulus die Wehrkirche Sveti Nikola aus dem 11. Jahrhundert, auf deren kleeblattförmigen Bau in der Türkenzeit  ein Wachturm gesetzt wurde.

Bild von 2014

Eigentlich sollte man jetzt, bei der relativ frühen hochsommerlichen Hitze, hinauf in Bergeshöhen! Außerdem steht  etwa auf der Rax das Edelweiß in Vollblüte. Das “Hoffest” im Ökotopischen Zentrum Maria Lanzendorf hat uns am 1. Juli aber verleitet, herunten in den Niederungen zu bleiben – eine gute Gelegenheit, neben 150 km Tagesautofahrt, gleich auch ein Naturdenkmal in der Ebene aufzusuchen.

Das wegen der ehemaligen Flusschlingen auch als “Fischawiesen” bekannte Naturdenkmal ist über Grammatneusiedl leicht erreichbar und eher für Blumen- und Vogelspezialisten ein besonders interessantes Exkursionsziel. Wir haben diese naturbelassenen Flächen entlang der Ostbahn schon oft besucht und in allen möglichen Vegetationsstadien erleben können. Aktueller Anlass war jetzt für mich ein facebook-Beitrag von Joe Kacirek, auch wenn wir weniger auf Insekten neugierig sind…

In einer trockenen Schottersenke neben der Bahnstrecke (wo dauernd die Züge vorbeidonnern) finden wir (für uns überraschend) einige schon bald verblühende Exemplare der Sumpf-Ständelwurz, daneben das ebenso vom Kerschenbach-Ursprung bekannte Flohkraut (oder war es doch ein Alant?).

Mit ein paar Schritten aufwärts stehen wir in der brettlebenen Wiesenfläche, die von der Hitze und Trockenheit des Juni gekennzeichnet ist. Es ist zwar heiß, aber sehr windig, also gut auszuhalten, der Wind macht allerdings das Fotografieren zu einem Glücksspiel! Ich behelfe mit mit meinen Erfahrungen aus Malta, wo auch meist die Blumen nur so “wacheln” – mit einer Hand den Blumenstiel etwas stabilisieren und die Digitalkamera (mit Makroeinstellung, aber nicht zu nahe) mit der anderen Hand bedienen. Es sind also echte Outdoor-Aufnahmen, die Bearbeitung beschränkt sich auf Schärfung und Digitalausschnitte. Natürlich liefert das keine Studioqualitäten, es sollen aber echte “Wanderbilder” dabei herauskommen.

Bei den Insektenaufnahmen ist der starke Wind sogar ein Vorteil, denn die Falter etwa müssen sich fest an die Blüten klammern, damit sie nicht verweht werden, und flattern nicht schon bei der Annäherung davon. Mit der Bestimmung der Arten hapert es bei mir ja ziemlich, ich sah nur (wie zuhause) Massen von Schachbrett… Die Landschaft selbst ohne jeden spektakulären Aspekt bringt fotografisch scheinbar wenig, höchstens man wählt etwas ungewöhnliche Blickwinkel, die tollen Wolkenstimmungen im Hintergrund oder ein Detailmotiv, wie etwa Anni beim nächsten Bild!

Die nächsten zwei Bilder dienen nur der Dokumentation von Standort und Vegetationsverhältnissen:

Zwischen den vor allem im südlichen und östlichen Teil eingesenkten trockengefallenen Bachmulden (dort ist es grün und sogar etwas feucht) erstrecken sich ebene Schotterflächen, die aber nur selten die dichte Grasnarbe durchbrechen. Die Sibirischen Schwertlilien sind schon längst verblüht, und auch der Weiße Germer welkt bereits ziemlich dahin (sonst sind seine Blütenstände eine wahre Zierde und Seltenheit hier in der Ebene). Beide Pflanzen, wie auch Gladiolen und Lungenenzian, verdanken ihren ungewöhnlichen Standort dem hier aufsteigenden kalten Grundwasser! Landschaftlich sind wir ja zwar im pannonischen Florenbereich, aber zugleich in der Feuchten Ebene des Wiener Beckens.

Die vermutlich schon blühende Duft-Becherglocke konnten wir leider (diesmal !) nirgends entdecken, dafür erfreute uns an den Rinnen der südlichen Begrenzung (wo es jenseits der Hecken in die Agrarwüste weitergeht) ein schöner Bestand der Prachtnelke, und sogar ein paar letzte Brand-Knabenkräuter haben wir gefunden.

Neben dem gelb und blau blühenden Lein gab es schon vielfach (nicht zu verwechseln mit den Skabiosen) den Teufelsabbiss, der etwa bei uns am Kerschenbach-Usprung wegen der größeren Seehöhe noch etwas Zeit braucht. Flockenblumen und Ziest und noch viele andere nicht so auffallende Blumen bereicherten den bunten Eindruck, der trotz der Trockenheit sehr intensiv war.

Die beiden letzten Bilder – die allerletzte Nelkenblüte und die Nachmittagsstimmung am 1. Juli 2017:

An den Bildern der Orchideenfreunde im facebook kann man das Fortschreiten der Jahreszeit ablesen – von den ersten Blüten schon im zeitigen Frühjahr über die Epoche der dekorativen Ragwurz-Arten bis zu der nun vorherrschenden Ständelwurz-Familie. Daneben gab und gibt es (je nach Region und Höhenlage)  Frauenschuh, Kohlröserl und sogar den Alpen-Zwergständel. Zu den fotogensten Blüten gehört derzeit natürlich die Sumpf-Ständelwurz.

Rund um St. Veit an der Gölsen haben wir das Glück, mehrere botanische Raritäten zu “besitzen”: Die “Märzenbecherwiese” im Wiesenwienerwald und die Hahnwiese am Ebenwaldweg mit ihrem Schneeglöckchenvorkommen, den Zungen-Mäusedorn in Schwarzenbach und etwas weiter entfernt die Korallen-Pfingstrose im Reisalpengebiet. Die Sumpf-Ständelwurz kommt an einer Stelle im Wiesenwienerwald vor – dem als Schutzfläche beim Gehöft Knoll, vulgo Hochedler, ausgewiesenen Kerschenbach-Ursprung (in der beigefügten Karte mit X bezeichnet).

Für das Betreten dieses Grundstücks sollte man das Einvernehmen mit den Besitzern herstellen (Frau Knoll ist meist auch im Gölsentaler Bauernladen, St. Veit, anzutreffen). Für uns als Einheimische ist es dankenswerterweise etwas einfacher (wie wir hoffen…). Nachdem im Internet sich die Sumpf-Ständelwurz-Bilder bereits gehäuft haben, wussten wir, dass es nun höchste Zeit wäre. Aber bei unserem vorletzten Besuch Anfang Juni sind wir noch zu früh gekommen – schöne Fruchtstände vom Wollgras, Breitblatt-Knabenkraut schon ziemlich verblüht, nur ein knospendes Exemplar der Ständelwurz! Sie wird doch heuer nicht “auslassen”?

Panorama vom Göllersreiter-Sattel gegen das Alpenvorland bei St. Pölten und das Waldviertel, Ausblick über den Kerschenbach-Ursprung gegen die Kalkvoralpen mit dem Unterberg

Beim historischen, aber erneuerten “Windkreuz” angekommen (knapp daneben am Waldrand eine Wegkapelle, derzeit nach gelb und blau eher unscheinbar gefärbelt), gingen wir südwärts auf die Wiese hinaus. Welch ein Zufall – das Gras ist frisch gemäht, nur das Feuchtbiotop steht noch in hohem und etwas infolge der Witterung vertrockneten Graswuchs. In den flachmoorigen “Nassgallen” und den kleinen Wasserrinnen ist es aber feucht genug geblieben. Am eher trockenen Rand (durch die Mahd daneben gut zugänglich), aber auch inmitten der Feuchtfläche blühen wohl Hunderte Sumpf-Ständelwurz in idealem Zustand: oben noch knospig, in der Mitte mit weit ausgebreiteten Kronblättern, am Stängel abwärts schon verblühend.

Manche hier typische Pflanzen sind schon verblüht bzw. haben schon ihre Fruchtstände verloren, andere wie der Teufelsabbiss oder das Studentenröschen sind noch nicht aufgeblüht. Aber wir sind ja ohnehin wegen der Ständelwurz gekommen, hätten uns aber über ein verspätetes Brand-Knabenkraut auch sehr gefreut.

Trotz des späten Nachmittags erwischen wir noch ein paar Sonnenstrahlen, und  der Wind ist sehr mäßig, sodass auch das Fotografieren besonderen Spaß macht. Für uns war der Besuch am Kerschenbach-Ursprung wegen der Sumpf-Ständelwurz-Blüte nur eine kleine, aber sehr gelungene Exkursion. Wer weiter anreist, wird diesen Naturschatz eher in eine ausgedehntere Wanderung einbauen: Rohrbach an der Gölsen – Teufelsstiege – Steinberg – Kukubauerhütte – Göllersreiter – gelbe Markierung nach St. Veit an der Gölsen (Beschreibung in meinen im Gemeindeamt St. Veit an der Gölsen, im Buchshop Spar Binder Lilienfeld und auch sonst im Buchhandel erhältlichen Führern: Das große Wandererlebnis NÖ; Wandern im Wiesenwienerwald – Restexemplare bei den Naturfreunden NÖ und im Gemeindeamt).

Übrigens ist der Höhenweg über die Kukubauerhütte und den Kerschenbach auch als Mountainbike-Route bezeichnet (Alpen- und Donaublick-Strecke).Alle Fotos in diesem Beitrag stammen von mir (Nikon Coolpix 510, sogar die Makros mit Digitalvergrößerung). Das Bilderalbum dazu von meiner Frau Anni ist im facebook zu finden unter: Wandertipp bernhard baumgartner

Dass wir uns Mitte Mai 2017 nach Dalmatien aufmachten, hatte einen dreifachen Grund: Zweimal waren wir Ende August dort gewesen, hatten herrlich baden können und schöne Touren gemacht. Was wir an abgeblühter Flora sahen, ließ uns für das Frühjahr in den höchsten Erwartungen schwelgen. Und noch dazu hatten wir bereits 2015 ein Ferienwohnung besichtigt, die uns sehr gefallen hat.

Apartman Juric in Seline, Velebita Nr. 1

In Kontakt zu kommen erwies sich allerdings nicht ganz einfach, schließlich funktionierte es über facebook, dass uns Frau Ivana (die Tochter der Familie Juric, eine imponierende Modedesignerin in Zagreb) telefonisch kontaktierte. Wir erklärten unser Interesse und buchten gleich ein Apartement – welches könnten wir uns im Mai aussuchen, und alle waren wir sehr erfreut und schon gespannt auf die Reise.

Velebit-Gebirge und der Meeresarm Velebitski kanal, dazu die völlig naturbelassenen Klippen südlich von Seline

Abfahrt am Sonntag, 7. Mai, bei 15 Grad in St. Veit und nach 610 km (überwiegend Autobahn) nachmittags Ankunft in Seline. Frau Juric, die überaus liebenswürdige und uns umsorgende Gastgeberin, hat uns gleich mit Kaffee und Kuchen (samt ihrem selbst gefertigten Likör) empfangen, und wir suchten uns das zwar kleinere, aber vom Gebirge abgewandte Apartment aus. Das hat sich als günstig erwiesen, denn damit waren wir an der sonnigsten und windgeschützten Seite des mit viel Geschick und Umsicht erbauten Hauses, das sich die aus Bosnien vertriebene Familie hier in Seline geschaffen hat.

Kiesstrand bei Pisak in Seline

Abends machten wir noch einen längeren Spaziergang in das uns schon gut bekannte Gelände. Dabei kamen wir zum langgestreckten Kiesstrand, der bei einer Art Leuchtturm die eigentliche Bucht von Seline begrenzt und sich südwärts bis zu den “Klippen” fortsetzt. Die Abendstimmung war schon ganz romantisch, und wir freuten uns schon, am nächsten Tag die nähere Umgebung weiter zu erkunden, denn Erfahrung hatten wir genug von unseren beiden vorigen Aufenthalten.

Das Apartment war für uns ausreichend groß, blitzsauber und alles aufs Beste vorbereitet, dass wir uns wohlfühlen konnten. Vor allem wichtig – geschlafen haben wir wunderbar, es gab keine Gelsen, und vor unserem Balkon flüsterten die Blätter des Mandelbaums im leichten Bergwind…

Montag, 8. Mai, erstes Herumschnuppern in Seline

Als Selbstversorger konnten wir wählen – Frühstück und andere Mahlzeiten im Apartment oder auf dem Balkon, wobei uns die liebe Frau Juric schon wieder mit ihren köstlichen Mehlspeisen überraschte.

Am Abend waren uns schon die voll blühenden Gladiolen und eine hübsche Lauchart aufgefallen. Nun waren wir schon sehr gespannt, was alles auf den Heideböden und den steinigen Garigues bei den Klippen an unserem beliebtesten Badeplatz blühen würde. Die Phantasie war ja durch die tollen Orchideenbilder im facebook auf höchste Erwartungen gepuscht! Also marschieren wir los – kurz die Straße entlang an der alten Friedhofskirche vorbei, bis wir auf bekannten (zum Baden mit dem Auto holpernd befahren) Wegen Richtung Meer abbogen. Gleich vorweg genommen, alles war wunderschön grün und (wahrscheinlich von den hier weidenden Schafen) wie mit dem Rasiermesser geschoren… Das war doch nicht möglich, keine einzige bemerkenswerte Blüte! Von dem auf solchen Böden typisch wuchernden Affodil bekam wir nur die letzten Blüten zu Gesicht!

Schließlich gelangte wir zu unseren am weitesten entfernten Badeplätzen, wo sich die Klippen in durchlöcherten Felsplatten fortsetzen bis die Küste von den aus der Mala Paklenica (Schlucht der Kleinen Paklenica) aufgeschütteten ebenen Flächen wieder dem Gebirge zuwendet. Unser Blumentraum war offensichtlich leider ausgeträumt! Dafür warmes Wetter, geringe Bewölkung und erfrischende Wind, klare Sicht und traumschöne Farben im richtigen Blickwinkel, was wollten wir denn noch?

Also wanderten wir am Klippensaum wieder zurück, voraus waren das idyllische und neuerdings beliebte Dorf Vinjerac und der darüber ansteigende Karstgipfel (schon bestiegen!) zu sehen. Aber welch ein Unterschied zum Spätsommer – keine Menschenseele ringsum! Dabei sind diese Plätze einmalig reizvoll, auch wenn man wegen des frischen Wassers nicht baden kann wie diesmal, aber die Erinnerungen an die herrlichen Badetage konnten wir trotzdem auffrischen…

Unsere dreistündige Vormittagswanderung war aber noch nicht zu Ende, und wir ahnten noch nicht den absoluten Höhepunkt! Nachdem wir die in der Nationalparkkarte (unbedingt empfehlenswert! im Infozentrum Starigrad erhältlich) als “Podi” eingetragenen Fluren durchquert hatten, ging es (auf einem in Natur nicht vorhandenen Radweg) den Kiesstrand entlang Richtung Pisak.

Am Kiesstrand, dahinter die spärlich bewirtschafteten "Gärten und Felder" der bäuerlichen Einwohner Selines und das Schluchttor der Mala Paklenica

Der von verwitterten Tamarisken gesäumte flache Strand mit seinem sanft ins Meer abfallenden Kiesufer wird landseitig von abwechselnd sumpfigen Flächen oder Schotterböden, in der Art von “Heißländen” gesäumt. Zum Glück wichen wir dorthin vom schmalen Strandpfad ab und bekamen nun schon mehr Blumen zu Gesicht, Gladiolen und Salbei leuchteten aus dem noch relativ frischen Grün.

Und plötzlich blieben uns sozusagen “die Augen stecken” – die ersten Orchideeblüten, und mit jeder neu entdeckten wurden es mehr, sobald sich der Blick geschärft hatte! Es waren Unmengen von Hummel-Ragwurz / Ophrys holoserica.

Trotz der Mittagshitze blieben wir daher in Hochform und konnten uns kaum zum Weitergehen entschließen… Doch wie es sich beim Urlaub im Süden gehört, durfte auch nachmittags die Siesta nicht fehlen. Erst gegen Abend waren wir unterwegs, ins nahe Starigrad (um dort einzukaufen, einen KONSUM gibt es fast in jeden Ort als Nahversorger). Aber außerdem wollten wir noch etwas hinauf zur Berghöhe, und mit etwas Glück erwischten wir die Zufahrtsstraße zur Velika Rujna, einer hochgelegenen Alm mit Wallfahrtskirche. Dorthin unterwegs hatten wir vor zwei Jahren ein einmaliges Erlebnis, als wir bei einer Tour in die Finsternis kamen, aber davor noch einen grandiosen Sonnenuntergang erleben konnten.

Die schmale Asphaltstraße schlängelt sich die stark verkarsteten Hänge hinauf, im Bild der Rückblick auf Starigrad mit dem Betonwürfel des Hotels Alan. Bei einem neu angelegten Park- und Aussichtsplatz hielten wir dann an. Zu sehen gab es hier an Blumen kaum etwas, denn die Glockenblumen und die Traubenhyazinthen hatten wir nur unten in Strandnähe gesehen. Dafür war die Aussicht trotz Gegenlicht fantastisch, und wir entdeckten eine Abzweigung zu einem Platz mit den interessanten Mirilas.

Mirilas – ein markierter Steinpfad führt, vorbei an einer Infotafel des Nationalparks, zu den eigenartigen Erinnerungsstätten, wo die auf den Bergen Verstorbenen beim Weg zu Kirche und Friedhof im Tal von ihren Trägern zur Rast abgesetzt wurden. Dort soll sich auch ihre Seele befinden! Dieser aus Vorzeiten bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts geübte Brauch ist noch immer im Volk tief verwurzelt, und einheimische Familien haben nicht nur ihre Grabstätten, sondern auch die Mirilas hoch oben auf den Bergen.

Wir verfolgten den unwegsamen Steig noch weiter hinauf, während unten auf dem Asphaltweg die Ziegen zu Tal getrieben wurden. Leider begann es plötzlich zu regnen, und selbst eine Weiterfahrt Richtung Velika Rujna brachte uns nur wieder in den nächsten Regenguss. Immerhin hatte ich bei der Talfahrt ungeheures Glück – als ich ein hinter mir folgendes Auto bei einer Verbreiterung überholen lassen wollte und schon wieder auf die Fahrbahn einschwenkte, preschte gerade noch ein zweiter folgender Wagen unvermittelt (und von mir vorher nicht beachtet) vorbei…

Also alles gut gegangen, und ein erster schöner Tag glücklich zu Ende…

Klippenszenerie bei Seline, Blick zum südlichen Velebit

Katarakt am Oberlauf des Flusses Krka im Nationalpark Krka

An der Nordostseite der Insel Vir mit Blick gegen die Insel Pag und den fernen Velebit, rechts die "Vogelklippen" (Bienenfresser !)

AB Strand bei Seline mit dem südlichen Velebit, Schluchteingang der Mala Paklenica im Mittelabschnitt

AB Strandabschnitt südlich Seline mit den großartigen Klippen und felsigen Strandplatten

Flussschlingen der Zrmanja vor der Mündung in das Novigradskoje more

Blick vom Strand bei Starigrad gegen Süden mit Ausläufern des Velebit

AB (wie die beiden vorigen Panoramen) Sonnenuntergang bei Starigrad

Damit ist der Erlebnisteil für Urlaube vor dem Hochsommer 2017 abgeschlossen!

Nach ein paar Tagen Sonne und Wörtherseewasser schadet ein weniger strahlender Tag wirklich nicht! Etwas Hoffnung (leider vergeblich) auf die ersten Eierschwammerl gibt die Richtung vor – Klagenfurt nordöstlich / St. Veit an der Glan / Kraiger Teiche und Ruinen.

Ein Ausgangspunkt mitten in Kärnten und zügige Straßenverbindung, das sind die idealen Voraussetzungen für mehr als einen Badeurlaub in Velden. Schon am halben Vormittag landen wir daher beim Schloss Frauenstein, nachdem wir die ummauerte St. Veiter Altstadt im Zickzack umfahren haben.

Ein vom Südzug der Wimitzer Berge (östlich vom interessanten Ort Dreifaltigkeit) herabkommender Bach bricht von einer Hochtalfläche ostwärts durch die ca. 800 m hohen Vorberge, vereinigt nahe Kraig in der Ebene mit dem Wimitzbach und mündet bei St. Veit in die Glan. Die geschützte Lage im teils schluchtartigen Durchbruchstal, zugleich nahe dem offenen Land hat dort im Mittelalter zur Entstehung einiger wehrhafter Ansitze geführt, die als “Kraiger Schlösser” eine lokale Attraktion sind. Zwar sind von den historischen Bauten nur mehr Ruinenmauern auf den steilen Bergkegeln auszumachen, aber unterhalb ist der wasserreiche Grund mehrmals zu Teichen aufgestaut. Diese sind teils noch offen für die Fischerei, einer von Seerosen überwuchert, oder es bestehen nur mehr verlandete sumpfige Mulden. Insgesamt also eine gute Kombination von Natur und Geschichte!

Das Schloss Frauenstein wirkt wie ein Gutshof in historischem Rahmen, und durch das jetzt schon zweimal abgebildete Tor führt ein breiter Waldweg (um den weniger stimmungsvollen Namen Forststraße zu vermeiden) zu einem Teich mit Felshintergrund und umrahmt von dem überall üppig wuchernden und blühenden Wald-Geißbart.

Nach einer Anhöhe folgt der nächste Kessel, erfüllt mit Röhricht und anderen Sumpfgewächsen (aber nichts Auffallendes), gegenüber erblickt man am Hang eine Art Wirtschaftshof und auf dem felsigen Kegel eine Ruine mit Kapelle. Der markierte Weg (nicht wie die offiziellen Markierungstafeln oder Wegweiser, sondern eigens wohl von den örtlichen Stellen gestaltet) führt nun hinauf zu einem Sattel. Dort stellt eine hohe, allerdings rechts abgebrochene Steinbogenbrücke die Verbindung zu den an der Nordseite des Tals ragenden Ruinen her.

Wir folgen dem Tal abwärts zu einem teilweise verlandeten und in Sumpfwiesen übergehenden Gewässer. Sicher gäbe es auch noch andere Wandermöglichkeiten, aber diese Route ist beschildert und ergibt sich als logischer Weiterweg.

Bei der Wegkreuzung danach folgt ein Höhepunkt der üppigen Natur – ein Teich ist völlig mit Gelben Teichrosen zugewachsen!

Dann trennen sich Fußweg und Forststraße, und wir folgen noch bergab dem Steig (vorbei an einem alten Bergwerksstollen), bis wir ins Tal hinaus zum Weiler Einöd sehen. Den Weiterweg nach Kraig ersparen wir uns und marschieren dieselbe Route zurück, wobei sich auch ohne Seitenwege (die nicht durch Beschilderung auffallen) immer wieder andere Blickpunkte bieten.

Das etwas trübe Licht mit nur wenig Sonnenschimmer hat übrigens bewirkt, dass die Bilder mit leichter Bearbeitung recht “malerisch” wirken, auch ein Vorteil für einen nichtsonnigen Wandertag!

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