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Jedes Jahr komme ich bei meinen hochsommerlichen Wandervorschlägen (etwa für die Arbeiterkammer-NÖ-Zeitschrift) auf ein Thema zurück – mit Aufstiegshilfe hinauf zu den hohen Gipfeln in Niederösterreich, wo es um diese Jahreszeit am angenehmsten ist – etwa Rax oder Schneeberg oder Hochkar, diesmal mein Wandertipp auf den SOMMERGIPFEL ÖTSCHER:

So wie am zweiten Bild hatte ich mir das Ötschererlebnis nicht vorgestellt, noch dazu weil heuer so viel Winterschnee war und wir vor einigen Wochen am Hochkar auch noch beachtliche Schneefelder antrafen. Aber die (bis zum heutigen Tag) vierte Hitzewelle hat alle Schneereste radikal wegschmelzen lassen, und der Tipp zu den Schneelöchern und zum kleinen Eistor am Herrenstand hätte besser für den Juni gepasst, als für den relativ späten Erscheinungstermin des “treff” (Zeitschrift der AKNÖ).

Als frische E-Bike-Besitzer hat sich inzwischen dazu eine neue Option für heiße Tage aufgetan – nämlich Radtouren! Einen solchen Kurzurlaub im Waldviertel hatten wir schon hinter uns, auch einige Kurzfahrten im Nahbereich. Dazu sollte nun ein weiterer Ausflug kommen, dessen Ziel nicht das ursprünglich angepeilte Waldviertel oder die Bucklige Welt war, sondern das Herzstück der Ybbstaler Alpen mit dem Naturpark Eisenwurzen im Mendlingtal. Die nach der ÖK vorbereitete Runde versprach Abwechslung und poposchohnende 43 km, also folgende Runde:

Göstling – Lassing – Mendlingtal – Sandgraben – Hammerbachtal – Hollenstein – Ybbstalradweg – Göstling.

Freitag, 9. August: Zufahrt mit aufgepackten Rädern über Gaming nach Göstling (82 km), Parkplatz gleich beim abschließend geplanten Einkehrschwung beim “Schnessl”… Trotz angekündigter Hitze ein relativ frischer Morgen, Start um halb zehn. Die ersten 8 km müssen wir leider auf der B 25 zurücklegen, nicht gerade wenig Verkehr, aber alle Autofahrer in rücksichtsvollem Bogen ausweichen (was mich fast wundert und freudig erstaunt…).  Gleich nach der Ortschaft Lassing, noch vor dem Parkplatz und Zugang zur “Holztrift”, erfolgt unvermittelt die Abzweigung auf die gewählte Seitenstraße Richtung Hollenstein, zum Glück nicht übersehen. Dann geht es gleich ziemlich bergan am Hang entlang in das Mendlingtal hinein – mit E-Kraft-Unterstützung überhaupt kein Problem, eher ein Vergnügen, und warum sollten wir uns das nicht gönnen? Wir sind doch keine “Strampelfanatiker” und verwenden das Rad ja zum besonderen Zweck. Um Kraft zu sparen und eine Strecke in der schönen Natur zurückzulegen, die als Fußmarsch gar nicht in Frage käme – beim Radfahren sind jedenfalls keine Fußprobleme, die beim sommerlichen Wandern leider ziemlich sicher auftreten, zu erwarten, im Gegenteil ist die runde Kniebewegung fast wie eine Therapie (wenn auch mit leichtem Muskelkater, weil nicht gewohnt).

Nach dem ersten Anstieg folgt eine Abfahrt in das nun breitere Mendlingtal hinein, vorbei am zweiten Zustieg zur musealen Holztriftanlage. Die Straße ist sogar asphaltiert (entgegen meiner Erwartung), steigt dann aber mit einer Kehre noch gehörig an bis zum Promau-Sattel auf etwas über 800 m. Dort befindet sich ein Rastplatz, zwar mit einem Eisenkunstwerk, aber sonst etwas vernachlässigt wirkend. Wenn Anfang August die Rastbänke schadhaft sind, zeigt das nicht gerade von intensiver Betreuung, wie es in einem erklärten Naturpark selbstverständlich wäre. Aber die Landschaft ist hier großartig, eine malerische Wiesenmulde zwischen den hohen Bergzügen von Gamsstein und Königsberg, voraus das Idealbild der Voralpe mit der felsigen Stumpfmauer und dem Tanzboden. Mittagszeit naht, daher passt die Rast, aber dann folgt die Abfahrt – auf der bald besseren Asphaltstraße (der ursprünglichen Zufahrt zum geplanten und eingestellten Schigebiet) hinab in den Sandgraben, vorbei an den Resten der Talstation und einem romantischen Jagdhaus. Der Graben wird noch enger und steiler, bei der Bärenmauer sogar felsig, und danach ragen als wahres Naturdenkmal scharfe Klippen in den tiefblauen Himmel. Talaus belebt sich dann die Szene, bei der mir als Kursstandort bekannten (ehemaligen?) Bauernschule vorbei, wo das Seitental Richtung Enns und die Zufahrt nach Wenten (für den Aufstieg zur Voralpe) abweigen. Hollenstein an der Ybbs (mir eher als Großhollenstein vertraut) besticht durch historische Bauten von Hammerwerken und Gewerkenhäusern. Die Kirche steht abseits auf einem Hügel, wir fahre auf Seitengassen an einem bemerkenswerten Kalvarienberg vorbei, aber hinunter zur Ybbs, wo bei der ehemaligen Bahnstrecke der Ybbstalradweg zu erreichen sein sollte.

Die Einbindung in den vor kurzer Zeit (2018?) angelegten Ybbstalradweg erfolgt über die Bundesstraße hinweg, und dann geht es noch ein Stück auf einer schmalen Seitenstraße die Ybbs flussaufwärts entlang. Die ehemalige Bahntrasse ist aber schon zu erkennen, und dann folgt der Radweg dieser (wie im Waldviertel schon erlebten) idealen Trasse für Genussradler. Bei der in ein kleines Landhaus umgewandelten Haltestelle Blamau ergibt sich ein Seitenweg bis zu einer Kapelle am Ybbsufer, wo man gleich auch ins kühle und hier auch tiefe Nass eintauchen könnte. Hier zweite Rast und dann dem in hübschen Windungen verlaufenden Fluss entlang. Hier blüht es intensiv, vor allem die (Kanadischen) Goldruten sind spektakulär, wenn auch ein alteingeführter Neophyt, trotzdem eine Belebung der Hochsommerflora. Weite Wiesenböden werden auf Eisenbahnspuren überquert, es geht vorbei an behäbigen Bauernhäusern, die nächste Ortschaft heißt St. Georgen am Reith mit der hinter Bäumen verborgenen Kirche. Hier gibt es eine Straßenabzweigung nach Ybbsitz, die wir uns für eine der nächsten Touren vormerken. Der eigentlich durchquerte Ort ist Kogelsbach, bevor nach der Wendung des Ybbstals die Engstelle vor Göstling folgt. Hier knapp an der gut ausgebauten Ybbstalstraße entlang, dann verläuft der Radweg abseits von Göstling, wir aber queren zum Solebad mit seinem Ybbsflussstrand – voll einladend! Nach drei Stunden und nun tatsächlichen 45 km landen wir wieder am Parkplatz im Ortszentrum von Göstling und können in die Konditorei Schnessl fast hineinfallen… So müde sind wir allerdings nicht, denn die Fahrt war überaus angenehm, für uns nicht zu schwer weil mit E-Bike, und landschaftlich ein Hochgenuss!

KONTRA stimmt eigentlich nicht, denn für Genussradler kann es keine bessere Kombination geben als es eine zum Radweg umgebaute Bahnstrecke! Vom Standort Drosendorf aus war uns die östliche Thayarunde natürlich naheliegender, daher zuerst von Dobersberg nach Zlabings / Slavonice, mit “unbemerkter” Grenzüberschreitung und Rückfahrt durch die Dörfer bei Reibers. Schon am folgenden Tag die westliche Runde…

Freitag, 5. Juli: Anfahrt zur westlichen Thayarunde über Groß-Siegharts nach Windigsteig, einem hübschen Ort an der alten Bahnstrecke von Göpfritz an der Wild nach Waidhofen an der Thaya. Wir parken auf dem Marktplatz unterhalb der Pfarrkirche, gleich neben dem Gemeindeamt. Dann geht es auf dem gut beschilderten Radweg Richtung Waidhofen, wobei die Strecke wie herkömmlich über Nebenstraßen und asphaltierte Güterwege verläuft. Bergab geht es von den Ackerhügeln bald wieder zum Thayafluss bei Vestenpoppen, den ungewöhnlichen Ortsnamen kannte   ich schon von der Wandertour über die nahen Sieghartser Berge.

In die Bezirksstadt hinein wird es ungleich lebhafter als auf der Dörferstrecke, in einem großen Kreisverkehr verlieren wir uns sogar. Aber dann kommen wir doch zum Bahnhof, dem Endpunkt der wohl nur mehr für Güterverkehr (wenn überhaupt) genutzten Zweigbahn, die noch bis nach dem 2. Weltkrieg bis nach Zlabings führte, wobei Waldkirchen wohl die Endstation vor dem Eisernen Vorhang war.  Übrigens sind bei einzelnen Haltestellen der ehemaligen Bahnstrecke ausführliche Infotafeln mit Bildern angebracht, die den einstigen Bahnverkehr dokumentieren.

Von Waidhofen verläuft die Thayarunde als neuer Bahntrassen-Radweg sehr hübsch am Talrand nahe oder sogar neben der Thaya dahin. Wo einst die Lokomotiven kräftig gedampft hatten, radeln wir mit den E-Bikes genau so wie die unelektrifizierten Radler mühelos dahin. Die asphaltierte Trasse ist auch breit genug für den lebhaften Gegenverkehr, ein voller Genuss also. Markant ist dann der auf einem Hügel angelegte Marktort Thaya mit seinem hohen Kirchturm. Bei einer Waldvierteltour habe ich dort im Gasthof Haidl sehr gut übernachtet. Die stattlichen Häuser erinnern an den durch Viehhandel bis nach Ungarn hinein zu Reichtum gekommenen Ort. Der großmächtige Brunnen  auf dem Hauptplatz stand übrigens ursprünglich in Waidhofen und wurde einst an die kleineren, aber wohlhabenderen Nachbarn verkauft. Wir passieren nach dem Rastplatz bei der ehemaligen Bahnstation eine Eisenbrücke mit malerischem Blick auf den Fluss. Dann geht es die Feldhügel mit blühenden Erdäpfeln und rosafärbigem Buchweizen und schon gelblich reifende Kornäcker entlang.

Dobersberg kündigt sich mit mehreren  Infotafeln, vor allem über den mit großen Bemühungen betriebenen Naturpark, unübersehbar an. Hier könnte man schon ui diesem Ausflugsziel  abzweigen, die ehemalige Bahnstation mit der Infostelle des Thayalands befindet sich jedoch am anderen Ortsende.Im Markt mit seinen Einkehr- und Einkaufsmöglichkeiten steht auch das renovierte Schloss und bietet Heimat- und naturkundliche Ausstellungen.

Unsere vorgesehene Tour endet für diesen Tag, weil wir von Dobersberg schon am vorigen Tag nach Zlabings auf gefahren sind – aber die Fahrt ist noch nicht zu Ende, weil wir ja noch nach Windigsteig zurückmüssen. Die Fahrt nach Waidhofen geht ebenso leicht wie bei beim Herkommen, man merkt überhaupt kaum – wegen der fast ebenen Bahntrasse – ob es bergauf oder bergab geht. In Waidhofen fahren wir, weil schon Mittag vorbei ist, bis ins Zentrum beim “Thayapark”, wo wir auf dem Platz bei der Raiffeisenkassa sehr nett unter Sonnenschirmen uns laben können. Frisch gestärkt geht es dann zügig auf dem herkömmlichen Radweg bis Windigsteig, unserem Ausgangspunkt für die lohnenden 50 Tageskilometer.

GRENZSCHRITTE VOM WALDVIERTEL-NORDOST

Donnerstag, 4. Juli: Nachmittagsausflug im Anschluss an die Radfahrt von Dobersberg nach Slavonice / Zlabings

Von meinem dritten Waldviertel-Führer an habe ich auch immer wieder versucht, das “Land jenseits der Grenze” einzubeziehen. Zuerst war es das Gebiet um Gratzen / Nove Hrady, dann im Anschluss an die länderübergreifende Landesausstellung 2008 auch das “Böhmische Kanada” bei Slavonice / Zlabings und Teltsch, ebenso zuletzt der gesamte Nationalpark Thayatal / Podijy zwischen Vranov / Frain und Znaim. Eigentlich gehören diese Gegenden jenseits der Grenze im Nordosten Niederösterreichs nach einer neueren tschechischen Gebietsordung zu Mähren, bis 1918 und von 1938 bis 1945 bestand hier das Land der Südmährer, überwiegend deutsch-(altösterreichisch)-sprachig. Erst mit dem Aufbau des Eisernen Vorhangs in den späten 1940er Jahren, nachdem die “Volksdeutschen” schon am Kriegsende vertrieben worden waren, entstand nicht nur der Todesstreifen entlang der Grenze, sondern auch das tiefer ins tschechische Binnenland reichende Sperrgebiet. Die dort gelegenen Dörfer – alle mit altösterreichischen Namen (sogar in der offiziellen Österr. Karte noch enthalten) – wurden systematisch entsiedelt und großteils zerstört. Erst mit dem Ende des kommunistischen Regimes 1989 und schließlich durch die Vereinigung in der EU kam es wieder zu einigermaßen normalen nachbarschaftlichen Beziehungen.

Das Schloss Vranov / Frain hatten wir schon anlässlich einer Tour besichtigt – äußerst eindrucksvoll, wie meine Diaaufnahmen von damals festgehalten haben. Von Frain flussaufwärts hat sich durch den Bau des Schwellkraftwerkes die Thaya in einen endlos langen Fjord verwandelt, der ziemlich den gesamten tschechischen Thayabogen zwischen den (entfernteren Orten) Drosendorf und Hardegg einnimmt. Im Gegensatz zu den eintönigen Feldlandschaften der Hochfläche ist dieser vielfach gewundene Tallauf mit seinen Schlingen und Umlaufbergen eine landschaftliche Besonderheit erster Güte, ähnlich wie im Nationalpark. Obwohl die Ufer infolge der restriktiven Reisepolitik der Kommunisten als Ausweichziel für die tschechischen Urlauber im eigenen Land dienten und daher stellenweise unglaublich “verhüttelt” wurden, ergeben sich hier lohnende Wanderrouten, vorbei an den Wahrzeichen alter Burgruinen und Schlösser. Mich wundert selbst, dass wir dort noch nie unterwegs waren, und beim aktuellen Aufenthalt in Drosendorf bot sich endlich die beste Gelegenheit dazu!

Nach der Radtour am Vormittag des 4. Juli fuhren wir von Dobersberg gleich auf folgender Route zu unserem Ziel, dem Ort und Schloss Bitov / Vöttau: Dobersberg – Karlstein – Weikertschlag an der Thaya – Schaditz (die Strecke über Fratres war durch die Baustelle bei Drosendorf-Altstadt zu vermeiden) – Hluboka – Mesovice – Uhercice (dort gibt es auch ein beachtenswertes Schloss, das in den letzten Jahren renoviert worden sein sollte) – Vysocany. Damit sind wir am Ende der Feldgegenden und fahren in die Wälder am nördlichsten Thayabogen mit dem tief und steil eingeschnittenen Tal. Die Straße windet sich eine Anhöhe hinauf, führt rechts hinab zur Thaya, über eine Brücke und wieder über dem Ufer hoch zu einer Kreuzung. Hier erwischen wir die falsche (rechte) Abzweigung und müssen umkehren, dabei umfahren wir die mächtige Ruine Zornstein. Weiter ins Tal hinab zur nächsten Brücke (auf obigem Bild zu sehen) und dann steil in Windungen hinauf nach Bitov, einem recht lebhaften Touristenort. Da bereits die Mittagszeit überschritten ist, halten wir nach einer Einkehrmöglichkeit Ausschau und finden sie gleich neben dem Parkplatz – Pension und Restaurant Tesar mit eigener Brauerei. Anfangs macht das Personal in diesem gut ausgestatteten Lokal einen etwas reservierten Eindruck, aber sobald sie uns die deutsche Speisekarte gebracht haben, geht alles ganz vorzüglich. Über das Bier und die Böhmische Küche brauche ich mich ja nicht zu verbreiten, auffallend und immer noch selbstverständlich – die Rechnung (in Kronen und Euro ausgewiesen) beträgt gerade so viel, wie wir in Waidhofen an der Thaya anderntags bei “Oswald´s” für einen  Imbiss bezahlt haben… (zwei Hauptspeisen, Getränke, Nachspeisen kaum 25 Euro).

Frisch gestärkt geht es dann weiter und von der Landstraße abzweigend Richtung Burg Bitov, die wir bei spärlichen Ausblicken während der Zufahrt schon imposant gesichtet haben. Nach einem Restaurant mit Aussichtsturm folgt gleich ein großer Parkplatz, und dann hat man die Wahl zwischen Waldweg und Asphaltstraße, jedenfalls bergab zum Eingang der Burg. Die Besichtigung bezahlt man nun je nach den gewünschten Etagen – die niedrigste bietet selbstverständlich am wenigsten, nur den weitläufigen Burghof, allerdings ohne jede Ausblicksmöglichkeit! Daher wäre eine Führung bis hinauf zur höchsten Etage sicher am besten gewesen, bei uns machte sich jedoch allmählich die Nachmittagsmüdigkeit bemerkbar, so verzichteten wir (leider!) auf die große Besichtigung. Irgendwie haben sich im Lauf der Geschichte die Dimensionen umgekehrt – früher riegelte man sich in der Burg vor den Feinden außerhalb halb ab, jetzt sind die Besucher innerhalb der hohen Mauern eingesperrt…

Nach dieser leichten Enttäuschung ging es an die Weiterfahrt, nicht ohne eine Empfehlung abzugeben: Den Thayabogen bei Bitov muss man erwandern. Ich entdeckte nachher im Buch des von mir sehr geschätzten Vorgängers als Voralpenwanderautor eine wahrscheinlich schöne Tour, wo man wirklich zu allen interessanten Plätzen kommen müsste, und die Markierungen dazu sind ja wie üblich bei den tschechischen Wanderorganisatoren mehr als vorzüglich!

Helmfried Knoll konnte ich selbst bei meiner Anfangstätigkeit in den 1970er Jahren beim Pressehaus St. Pölten / NP Buchverlag kennenlernen. Er war ein genauer und sehr ambitionierter Autor, allerdings Nichtautofahrer, und in Begleitung des Lektors Dr. Horst Trimmel hat er etwa in der Zeit, als der Eiserne Vorhang Geschichte wurde, die gesamte Grenzregion der tschechischen Seite von der Mühlviertler Nachbarschaft bis nach Bratislava erkundet und genau beschrieben. Das Buch ist sicher schon längst vergriffen, es taucht aber (wie meine eigenen frühen Werke) jetzt immer öfter aus Nachlässen antiquarisch auf. Für Liebhaber der altösterreichischen Gebiete als Wanderer ein wahrer Schatz, auch von ziemlichem historischen und kulturellen Wert! Leider habe ich zu beiden genannten Personen keine Kontaktmöglichkeit gefunden.

Weil der direkte Rückweg über Fratings nach Drosendorf durch die lästige Baustelle versperrt war, blieb nichts anderes übrig, als den weiten Bogen über Frain zu nehmen. Von der Nebenstraße bei der Weiterfahrt von Bitov auf die Hauptstrecke Richtung Znaim abzweigend, dann bei Lesna Richtung Frain mit tollem Schlossblick und nostalgisch-morbiden Eindruck einer alten Sommerfrische. Bei Safov geht es wieder über die Grenze nach Langau bzw. über Riegersburg, bis wir nach 130 km Autofahrt wieder in Drosendorf einlangen.

Für unsere “grenzüberschreitenden” Wanderungen – 2012 nach dem “Grenzland-extra” (2008) als “Waldviertel & Wachau & Südböhmen” verarbeitet – sind wir  vor rund zehn Jahren  auch um Slavonice und Teltsch unterwegs gewesen. Schon damals bemerkt, dass die Bahnstrecke im nordöstlichen Winkel von NÖ nicht nur teilweise bereits eingestellt war, sondern von Dobersberg Richtung Grenze die Schienen bei Straßenquerungen bereits zuasphaltiert waren. Die Lage hat sich allerdings anders entwickelt als bei der Südwestbahn über den Gerichtsberg bei Hainfeld (Strecke stillgelegt und dem Verfall überlassen), sondern so erfreulich wie zwischen Türnitz und Freiland – zu einem Radweg umfunktioniert, übrigens wie schon länger in der Steiermark bei der Feistritztalbahn. Einen Herrn, den ich als Nachbar von MOKA-Christian Schweiger in Drosendorf kurz kennenlernen konnte, gab es dort anscheinend als “Hauptmachatschek” für die neue THAYARUNDE. Diese 111 km lange Radparadies verbindet in fünf Etappen Göpfritz an der Wild (Franz-Josephs-Bahn) mit dem südmährisch-altösterreichischen Zlabings) Slavonice, davon 51 km auf der ehemaligen Bahntrasse. Die Infrastruktur ist hervorragend überlegt – Radtaxidienste, Busservice, Erlebnispunkte und kulturelle Attraktionen, Unterbringung sogar in “Schlafwaggons” usw. www. thayarunde.eu

Ich wähle für die Detailarbeit an Weitwanderwegen, Pilgerrouten und Radtouren besonders intensiv die “Zuckerstückerl” aus – das wollten wir auch bei der Thayarunde so halten. Ausgerüstet mit dem Infomaterial des MOKA-Nachbarn machten wir uns am Donnerstag, 4. Juli, an unsere erste spezielle Etappe – von Dobersberg bis Slavonice. Zufahrt mit aufgepackten Rädern über Eibenstein – Raabs – Karlstein nach Dobersberg. Die Einstiege in die Thayarunde findet man beim Streckenverlauf auf der Bahntrasse am besten selbstverständlich bei den ehemaligen Bahnhofen und Haltestellen, in Dobersberg dort (wie auch sonst oft) ein genauere Dokumentation über den ZUKUNFTSRAUM THAYALAND.

Start um 9.30 Uhr ab Bahnhof Dobersberg, Wetter traumhaft, ein wenig Wind, nicht heiß trotz voller Sonne. Ich merke an meiner Bildauswahl, dass ich beim Zufußwandern viel mehr fotografiere als beim Radfahren, nicht die Stationen im Bild, sondern Landschaftsdetails und Naturschönheiten. Dabei gäbe es gerade auf dieser Etappe z. B. in Waldkirchen an der Thaya etwas Interessantes, das sogar schon im ORF gezeigt wurde – das kleine Waggondorf, wo man in zu Schlafwägen umgebauten alten Waggons nächtigen kann. Aber die Fahrt ging so schnell dahin, kaum merkbare Steigung (für uns Radfahrer, noch dazu mit E-Bike, wo sich die Dampfloks schon gehöriger anstrengen mussten), immer wieder sind Brücken die Blickpunkte. Vor 11 Uhr kommt dann Slavonice in Sicht, dekoriert von den prächtig blühenden Schmalblättrigen Weidenröschen. Im Zielort trifft die ehemalige Bahn- und nun Radtrasse auf die sogar modern bestückte tschechische Bahnstrecke. Wir fahren allerdings nicht in die uns schon gut bekannte und überaus sehenswerte Altstadt hinein, sondern biegen gleich in der Peripherie (typisch aussehend für die tschechischen Ansiedlungen…) zur Rückfahrt in das Straßennetz ein. Eines muss man den Tschechen lassen – beim Markieren und Beschildern sind sie Meister! Wir fahren die Straße Richtung Stare Mesto (führt zur gigantischen Burgruine Landstein, in meinen letzten beiden Waldviertelausgaben genau beschrieben) ansteigend eine Kirschenalle mit glänzenden Früchten entlang und biegen dann zu dem Grenzdorf Mariz (Meyers) ein. In solchen grenznahen Dörfern ist erst nach 1989 mit dem Fall des Eisernen Vorhangs wieder Leben eingezogen, vorher Sperrgebiet, entsiedelt und devastiert, nun scheint sich dort eher eine alternative Szene installiert zu haben, mit Kunsthandwerk, Einkehrmöglichkeiten usw.

Für uns gilt es jetzt, die Abzweigung zurück nach Österreich zu finden. Nach der Karte gelingt es, denn die Trasse auf einer schmalen Landstraße macht eine markante Rechtsbiegung, hier ohne Wegweiser links durch eine Allee ohne Asphalt leicht steigend zum Höhenrücken und hinab zum Waldrand, wo die Staatsgrenze verläuft – kein Hinweis, nur der weiße Grenzstein, ein Rastplatz und ein Kirschenbaum als Raststation. Wir wollen auf der RRR-Dörfer-Route (Reinolz, Rudolz, Reibers) zurück nach Dobersberg, werden aber vorerst durch schmuck blühende Mohn- und Getreidefelder aufgehalten. Ebenso schmuck sind die Dörfer, in Reibers haben wir sogar in dem anscheinend nun aufgelassenen Wirtshaus bei einem Urlaub (ebenfalls mit Radfahrten) genächtigt, die Reibererwirtin ist uns mit ihrer Küche noch gut in Erinnerung (am ersten Tag noch voll bekocht, weil eine “Zierung” = Leichenschmaus am Programm stand, dann nicht mehr so ambitioniert). Wir versäumen aber irgendeine Abzweigung und kommen wieder nach Waldkirchen. Auch kein Pech, denn von dort führt uns die Bahnradtrasse wieder zurück nach Dobersberg, wo wir um ca. 13. einlangen, schon ganz schön heiß um die Mittagszeit! Dazu noch Glück gehabt, denn als sich Anni zur Rast auf einem dicken Bloch (gefällter Baumstamm) niederlässt, rollt der den Abhang hinab, Anni kopfüber hinüber, und der schwere Stamm wird nur durch einen quer dazu liegenden aufgehalten. Also lauert immer wieder, unversehens am gefährlichsten, eine üble Überraschung, aber dies war an diesem Tag die vorletzte…

Was an Winterschnee auf den Hochalpen von Schneeberg, Rax und Schneealpe schmilzt, gelangt – durch den Regenreichtum der Hochregion verstärkt – als Hochquellenwasser nach Wien, eine Köstlichkeit, um die viele Großstädte die Wiener beneiden können. Aber dennoch fließt ein viel größerer Teil der Bergwässer hinaus in die Ebene des (inneralpinen) Wiener Beckens. Im Steinfeld bei Wiener Neustadt noch tief unter den Schotterablagerungn der Alpenbäche verborgen, tritt das kalte und kalkreiche Grundwasser nördlich davon in der sog. Feuchten Ebene zu Tage. Nicht umsonst ist die Mitterndorfer Senke der größte Wasserspeicher für die Bundeshauptstadt. Dort erstrecken sich über leicht hügeligem Gelände fast endlose Ackerfluren, von spärlichen Baumreihen und Windschutzgürteln und Laubwaldrestbeständen unterbrochen. Einst dehnten sich Hutweiden, Gras- und Baumsteppen zwischen noch spärlicherem Ackerland aus, seit der Industrialisierung auch vielfach in Betriebs- und Wohngebiete verwandelt. Nur in spärlichen Resten hat sich die ursprüngliche Landschaft mit ihrer typischen Vegetation (und Tierwelt) erhalten – dazu gehören als Flachmoor- und Feuchtwiesen die Brunnlust bei Moosbrunn und – das mehrfache Ziel meiner Exkursionen – das Naturschutzgebiet Pischelsdorfer Wiesen des Naturschutzbundes Niederösterreich.

Zum Vergleich die aktuelle Österr. Karte (im grünen Kreis das Naturschutzgebiet) und eine alte Landesaufnahme von derselben Gegend. Die Pischelsdorfer Wiesen heißen eigentlich Fischawiesen, wie daraus hervorgeht, und die Geländeformen gehören nicht zu der nordöstlich verlaufenden Fischa, sondern zum kleinen Fürbach, der nur wenig in Erscheinung tritt (außer zwischen den begrenzenden Baum- und Strauchzeilen). Die Zufahrt erfolgt über Grammatneusiedl, von Himberg kommend beim Kreisverkehr in der Ortsmitte geradeaus weiter, dann bald zwischen den alten Wohnhäusern von Neu-Reisenberg. Dort befand sich bis in die Zwischenkriegszeit eine Spinnerei, heute noch an einem hohen Schornstein erkennbar, und um 1930 wurde eine überaus bekannte und wichtige Sozialstudie über die notleidenden Bewohner dieser Örtlichkeit verfasst – die Arbeitslosen von Marienthal. Geradeaus auf der Straße Richtung Reisenberg weiter (Bahnübersetzung) weiterfahrend, erblickt man linksseitig auf einer jüngst abgeholzten Fläche (2017) das Wasserwerk der EVN. Gleich an deren Ende zweigt links ein Feldfahrweg ab, der den Fürbach entlang führt, zweimal von Fahrwegen (beim ersten typischer Brückenrest) gequert, zuletzt in einem kleinen Waldvorsprung, bis nach einer Kurve (Infotafel des Naturschutzgebietes) der Bahndamm der viel befahrenen Ostbahn auftaucht.

Bei meinen Verwandtschaftsbesuchen in Maria Lanzendorf habe ich immer wieder zu verschiedenen Jahreszeiten diesen Ausflug unternommen, einmal sogar mit dem ortkundigen Naturschützer und Botaniker Herrn Palme (Neu-Reisenberg). Allerdings ist das Schutzgebiet nicht zum Herumwaten in den Grasfluren geeignet (obwohl ich sogar einmal ein Riesenpicknick von Motorradfahrern erlebt habe…). Es ist nicht die Vegetation, die darunter leiden würde, sondern die seltene Vogelwelt, die nicht gestört werden darf. Im späten Jahr wird übrigens die größte Fläche einfach abgemäht bzw. gemulcht, um die Flora vor dem Überwuchern einzelner Invasivarten und dem randlichen Verbuschen zu bewahren.

Exkursion am 9. Juli: Vom Frühjahr an mit Kuhschellen u. a. pannonischen Frühblühern, auch mit Orchideen, bieten die Fischawiesen ein prächtiges Bild. Im Hochsommer sind jedoch die erhöhten Flächen schon ausgetrocknet und teilweise verdörrt. Meine Ausbeute – Graslilien mit verschiedenen Flockenblumen, Pannonische Kartäusernelke auch mit eingefangenem Pappus, ein Lauch (Kantenlauch?), Österr. Lein (oder Zottiger Lein? eher nicht), Gelb-Lein. Den Schachbrettfalter konnte ich gerade noch erwischen, denn der Wind war zu schwach, dass sich die Schmetterlinge anklammern mussten und so leichter zu fotografieren wären. Die Krabbenspinne auf dem abgeblühten Natternkopf war da nur ein geringes Problem, und sonst hüpfte und schwirrte es ringsum, dass einem Insektenkundler das Herz aufgegangen wäre!

Ich halte mich eher an die Botanik, und vor allem muss ich meine Besichtigung möglichst schonungsvoll anlegen – obwohl Fahrspuren quer über die Flächen führen und ich sogar schon einmal ein Großpicknick übel aussehender Motorradbiker beobachten konnte! Von erhöhten Flächen habe ich deshalb vorher gesprochen, weil in das eigentlich brettlebene Relief mehrere Mulden bogenförmig eingelagert sind. Diese rühren aber sicher nicht von der viel weiter im Nordwesen fließenden Fischa her, sondern eher vom heute so bedeutungslosen, vielleicht einmal mächtigeren Fürbach her. Im Gegensatz zu den eher bleich wirkenden Flächen sind diese Mulden noch frisch grün, denn auf ihren Grund tritt kaltes und kalkhaltiges Grundwasser an die Oberfläche. Jetzt sind sie freilich längst trocken und damit auch etwa die Mehlprimeln und der nur mehr an Restblättern erkennbare Weiße Germer verschwunden. Dafür gibt es Besonderheiten – zunächst noch eher trivial Gilbweiderich und Blutweiderich, hoch stehender Teufelsabbiss, dann aber noch schon ziemlich abgeblühte und bereits fruchtende Gladiolen. Eine Pracht bietet der Lungenenzian, und sogar tatsächlich konnte ich mehrere Prachtnelken entdecken. Mir fehlte nur noch die absolute Besonderheit – die Becherglocke / Adenophora, ein Glockenblumengewächs mit charakteristisch lang aus der Blüte hängenden Narben, vielfach schon ausgestorben und (wie die Standort) sehr selten geworden, ein einziges Exemplar gefunden…

Gegen den Bahndamm zu befindet sich links ein trockene ehemalige Senke, von Birken begrenzt, an deren Boden Bachschotter hervortritt. Rechts des Fahrweges gibt es neben Weiden und Baumreihen eine Feuchtwiese mit Schilf am Rand und zu gewissen Zeiten (nicht jetzt) einem stattlichen Bestand von Sumpf-Wolfsmilch. Am Rückweg kam ich, neben zum Teil schon abgeernteten Getreidefeldern auch an einem Acker mit dekorativ blühenden Sonnenblumen vorbei – auch eine Pracht, wenn auch vom Agrarbestand herrührend…

Über die Feldwege kann man übrigens eine schöne Radrunde von Neu-Reisenberg oder von Grammatneusiedl unternehmen!

Standort für unsere Radausflüge im Thayaland war die Burgstadt Drosendorf, wie schon einmal im MOKA-Hotel-Café bei Christian Schweiger gut untergebracht. Tipp – in der Frühstückspension auch ein “Kaufladen” für regionale Produkte, exquisite Weine und Bücher! Wir fuhren also am Mittwoch, 3. Juli, im Anschluss an den Radtripp bei Retz weiter nach Hardegg zur schon verdienten Mittagsrast – überraschend für Anni der idyllische Platz beim ehemaligen Flussbad am Thayaufer beim Brandlesturm der alten Stadtbefestigung.

Hardegg hat selbstverständlich auch ein modernes Waldbad, denn am Thayaufer könnte man kaum mehr ins Wasser gelangen (immerhin ist der Rastplatz schön ausgemäht). Die schon verblassende Grenztafel erinnert daran, dass vor 30 Jahren noch so mancher Ostblockflüchtling glücklich gewesen wäre, ans jenseitige Ufer unentdeckt vorgedrungen zu sein und nur mehr das kleine Stück schwimmend und watend in die Freiheit der westlichen Welt zu entkommen… Jetzt ist alles längst friedlich, etwas flussabwärts überquert die wieder eingedeckte Thayabrücke den Grenzfluss, und man kann ungehindert per Rad oder als Wanderer hinauf zur Hardegger Warte kommen und das tschechische (altösterreichische) Hinterland erforschen – am besten natürlich als Radfahrer! Über Riegersburg (mit dem leider geschlossenen Barockschloss) und Langau, zuletzt mit einer höchst unwillkommenen Umleitung wegen einer verflixten Großbaustelle, kommen wir nach Drosendorf. Es ist gerade die beste Zeit für den Nachmittagskaffee auf der originellen “Stiege” des MOKA, Süßes mit Mohn und ein starker Großer Brauner…

Nach Bezug unseres Zimmers bleibt noch genug Zeit für weiteren Radsport, außerdem sind wir ja MOKA-gedopt! Die schon erwähnte Baustelle bei Drosendorf-Altstadt (bei der großen Kirche im Thayatal Richtung Thürnau) bringt uns jedoch in ein Wirrwarr von Umleitungen. Wir landen schließlich ungewollt beim Bad und Sportzentrum an der Spitze des Drosendorfer Umlaufberges, daher zurück hinauf fast bis zum Raabser Tor. Dann doch noch eine schöne Runde über die Feldlandschaften und durch das Thayatal: Autendorf – Nondorf – Trabersdorf – Primmersdorf. Insgesamt “popofreundliche” 30 km am ersten Tag, indem wir ja keine Radfanatiker sind – ausreichend, und über die kleinen Bergerl fliegen wir ja mit dem E-Bike förmlich hinweg! Anschließend Ausklang des Genusstages im Gastgarten des “Feiller” auf der Stadtmauer im letzten, noch angenehm wärmenden Sonnenlicht. Gut geschlafen mit nächtlicher Abkühlung, keine einzige Gelse und am Morgen putzmunter für die nächste Unternehmung.

Zwei dieser Covers passen nicht zu unserem Sommerthema 2019 – trotzdem sind im “Großen Wandererlebnis” (wie in der englischen Ausgabe) die Touren zwischen Wein- und Waldviertel ausführlich enthalten. Diesmal geht es nicht so sehr direkt um die Wanderrouten, sondern um die Naturschätze, auch bereits behandelt im “Naturerlebnis NÖ” mit der speziellen Botanik von Prof. Karl Oswald. Zum besseren Überblicken der Landschaft wählten wir Radtouren mit den neuen E-Bikes, in diesen hügelig-flachen Gegenden ohnehin viel angenehmer als lange Fußmärsche mit ihren lästigen Beschwerden…

Vom Oberlauf der Thaya bis zum nördlichen Manhartsberg erstreckt sich eine Hochfläche, die eigentlich (dem Gefühl nach beim Durchfahren oder Erwandern) mit dem Waldviertel nicht viel gemeinsam hat, aber doch bis zum Ostrand der Böhmischen Masse zwischen  Retz und dem Straßer Tal zu diesem Landesviertel gehört. Die Landschaft wirkt eher wie ein um den geringen Reliefsprung erhöhtes Stück vom anschließenden Weinviertel. Zwar bleibt der Weinbau überwiegend in den niedrigeren Lagen zurück, aber die Felder wogen endlos dahin und lassen auch zum benachbarten Mähren kaum einen Unterschied erkennen (außer in der nicht so unstrukturierten Bewirtschaftung). Bewegung kommt in das Landschaftserlebnis nur durch die teilweise mit Steilrand und noch seltener mit urigen Wald(rest)beständen eingesenkten Flusstäler, wie vor allem die Thaya mit ihren wenigen Nebenbächen und der Quellbach der Pulkau.

Mittwoch, 3. Juli: 148 km Anreise zur Weingartentour bei Retz gelingen dank der in den letzten Jahren ausgebauten Schnellstraßen überraschend leicht. Donaubrücke Traismauer – Stockerau – Hollabrunn, dann in Guntersdorf abzweigend ins “normale” Straßennetz – gleich verfahren über Zellerndorf, aber dann doch direkt am geplanten Startpunkt in Obernalb angelangt. Nun per Rad weiter, zügig auf asphaltierten Güterwegen hinauf zur Nalber Heide und auf dem Weitwanderweg bis zur Berghöhe vor Hofern. Die Gegend ist für mich aktuell interessant, weil mein Blumentipp im SCHAUFENSTER der Kultur.NÖ im Spätsommer zur Heidekrautblüte führen wird – wie vorbereitet finden wir auf den Heidehügeln auch “Besenheidebüsche” genug, jetzt allerdings noch unauffällig und fast überwuchert von der etwas verdorrten pannonischen Flora: alle möglichen Grasarten, Eryngium (Mannstreu) und Gelber Lauch, der ährenförmig blühende Heide-Ehrenpreis beginnt schon zu verblühen, dafür gibt es die herb-saftigen Zwergweichseln in Mengen.

Wie schon im ORF berichtet, wüten in den Eichenbeständen die Raupen der Eichenspinner (sogar hautreizend!) und hinterlassen nur ziemlich kahle Äste, höchstens noch mit Mistelwuchs darauf. Bergab geht es dann huschhusch am flachen Parapluiberg vorbei, und schon kommt die Windmühle als Wahrzeichen von Retz in Sicht. Leicht übersehen kann man den kleinen Seitenweg zum Kalvarienberggruppe, und vielfach gibt es Prachtblicke auf die Stadt Retz und in das weite Weinland.

Für den Rückweg zum Startpunkt in der Seitengasse hinter Obernalb stimmt die Richtung zum Gollitsch, einem Heidehügel auf Thayagranit, der sich besonders für eine Heidekrautwanderung anbietet. Wir gehen auch das kleine Stück bis auf die Anhöhe, vorbei an der “Kümmerlkapelle” mit einer barocken Steinsäule.

Nun wird es, trotz des luftigen Windes, um die Mittagszeit ganz schön heiß. Schon geübt, werden rasch die Räder aufgeladen, und weiter geht es zum Ziel für die Mittagssrast – am Thayaufer in Hardegg beim Brandlesturm der alten Stadtbewehrung. Gäste und Radfahrer bevölkern diese angeblich kleinste Stadt Österreichs, aber insgesamt ist es recht ruhig hier, auch beim Nationalparkzentrum. Wir haben auch noch in Merkersdorf vorbeigeschaut und leider wieder feststellen müssen – der früher so anheimelige “Forellenwirt” ist nicht nur geschlossen, sondern kommt langsam in einen etwas desolaten Zustand. Ein Problem in dieser abgelegenen Gegend trotz Nationalpark, Sommerfrischler gibt es genug, aber irgendwie sterben die Dörfer, abgesehen von einzelnen Großbauern, immer mehr aus… hoffentlich täusche ich mich mit dieser Diagnose!

Das letzte Mal auf dem Hochkar waren wir an einem heißesten Tag des Jahres, trotzdem war die Gipfelrunde (allerdings mit Lifttalfahrt) ein angenehmes Erlebnis. Am Mittwoch, 26. Juni, war wieder ein so heißester Tag angekündigt, aber weil das Wetter als sicher vorhergesagt wurde, machten wir uns trotzdem an diese Tour. Vorbereitung – Jausenkauf mit saftig gefüllten Kornweckerl, und typischer Baldrian-Mehlspeis bei der Bäckerei Käppl in St. Veit, außerdem Abfahrt (schon?) um sieben Uhr. In einer Stunde und 45 Minuten die 100 km bis zum Hochkar-Parkplatz geschafft.

Die Liftszenerie mit den frisch grünen Pisten, wo schon die ersten Kühe weiden, wollen wir diesmal nicht wieder begehen, daher Richtung Alpintour, beim Schutzhaus vorbei und die Schotterstraße nach dem Wegweiser “Bergsee” (= Wasserspeicher für Beschneiungsanlagen) hinan. Hier herrscht noch angenehmer Schatten. Außerdem entdecken wir (wie schon bekannt) in der Felsstufe eine riesige Rosette des Kiesn-Steinbrechs, Blütezeit vielleicht Ende Juli. In der oberhalb erreichten Almmulde gehen wir weder zum See, noch entlang der Markierung weiter, sondern ziemlich geradeaus durch die Senke in einen schmalen, relativ frisch ausgebaggerten Einschnitt. Dieser ist insofern interessant (noch nie begangen), weil er die roten Juraschichten unterhalb des “Roterdkogels” quert. Tatsächlich befindet sich dort ein Wasserfasser für den See, wir gehen an dieser Stelle rechts in die nächste Dolinenmulde hinein (der markierte Weg quert weiter südlich oberhalb). Hier ist noch Frühjahr, mit ein paar Soldanellen und Clusius-Primeln, außerdem kühle Luft, denn frischen Wind gab es an diesem Tag nur wenig. Etwas steil halbrechts aus der Senke hinaus, erreichten wir die Karrenfelder (von tiefen Rillen durchzogene Steinflächen, typische Karsterscheinung) am Nordrand der Schrotleitneralm. Wie vielfach war in den Steinritzen die Rosenwurz in schönster Blüte.

Anni hat diesen interessanten Standort so im Bild festgehalten:

Dann wechselten wir auf den markierten Steig, der in weiter Kehre am Hang gegen die Schmalzmauer hinaufführt. Dabei gab es phänomenale Flecken mit Kalkglocken-(Clusius)-Enzian, außerdem noch immer blühende Nelkenwurz, aber insgesamt keine (wie erwartete) Blütenfülle, wohl weil die Schneelage zu hoch gewesen ist, das Abschmelzen erst vor relativ kurzer Zeit erfolgte – wie bei den Hochkarbildern im Wetterpanorama des ORF mit zu verfolgen.

Leicht bergab wird dann der Sattel der “Seelucken” erreicht (mit Blumenschauen und Fotografieren knapp zwei Stunden vom Parkplatz… nur keine Eile, noch dazu bei den hohen Temperaturen). Während Anni zum Rastplatz nördlich neben dem Steig zur Brunneckerhütte weitergeht, steige ich – schon lange beabsichtigt – neben dem Zaun Richtung Schmalzmauer hinan. Hier sind ganz wunderschöne Blumenstandorte, die ich bisher nur analog als Dia fotografiert habe, nun höchste Zeit für aktuelle Digitalbilder!

Heute ist ganz schön viel los, vor allem laute Jugendgruppen marschieren zu den Almen am östlichen Hochkar. Wir beziehen unseren ausgiebigen Mittagsrastplatz auf der mit bequemen Steinsitzen ausgestatteten Kuppe nördlich des Sattels. Hier sollte es sogar Kohlröschen geben, aber offensichtlich sind wir etwas zu früh dran, außer einer knospigen Mücken-Händelwurz und einer ebenso spärlichen Höswurz ist nichts zu finden. Dafür ist die Aussicht ganz vorzüglich, trotz des angekündigten Saharastaubes – zwar sind die östlichen Gipfel wie der Schneeberg nur zu ahnen, aber die nähere Szene mit Dürrenstein, Zellerhüten, Kräuterin und Hochschwab zeigt sich vorzüglich. Außerdem bildet die Schmalzmauer mit ihren Felsabstürzen ins Seelucken-Kar eine bizarre Kulisse, gegen Westen fällt neben dem fernen Toten Gebirge vor allem der Große Buchstein mit seinem noch von Schnee erfüllten Kar auf.

Für den Rückweg (auf die Schmalzmauer verzichten wir wegen der Hitze und der fehlenden Blumenentwicklung) gehen wir auf dem Steig zurück bis zur (relativ neuen) Almstraße am Westhang der Schmalzmauer und dann gleich auf dieser in angenehmer Neigung hoch über der Schrotleitneralm weiter bis zum Leckerplan. Dabei gibt es an den etwas schattigen Böschungen noch einige Frühblüher.

Beim weiteren Abstieg auf der Forststraße wechseln wir von der Alm- zur Bergwaldflora, außerdem werden gerade die Rinder zur Schrotleitneralm aufgetrieben. Selbst durch die “Mäulgab” (Kleie und Salz) des Halters, lassen sie sich aber recht viel Zeit, eher lockt der nahe Wassergrand. Am Vortag erfolgte übrigens der Auftrieb über die Hochkarstraße, wie an den “Kuhfladerspuren” zu bemerken war. Nach etwa zwei Stunden (wie beim Hinweg) langen wir beim hitzeglühenden Parkplatz an und starten gleich mit voller Klimaanlage die Talfahrt.

Unsere Landung in Göstling ist überraschend kühl – in den Gewölben der Konditorei Schnessl, umgeben von den tollen großformatigen Taucherbildern und den unglaublichen Steinschliffen aus der Ybbs, dazu noch die Himbeer-Kardinalschnitte und eine interessante Unterhaltung mit dem Konditormeister. Nach diesem angenehmen Abschluss unserer Hochkarfahrt beeilen wir uns, durch die heißen Täler wieder in unser gut kühles Nachhause zu kommen!

Das Wildnisgebiet Dürrenstein hat in letzter Zeit sogar die höchsten internationalen Anerkennungen erreicht. Wegen der Sensibilität dieses “echten” Urwaldes besteht ein strenges Betretungsverbot, und für Exkursionen besteht eine lange Warteliste. Umso erfreulicher war es, dass die Forschungsgemeinschaft LANIUS (Sitz in Spitz an der Donau) eine Exkursion dorthin ausgeschrieben hat, wobei Anni und ich trotz größter Eile gerade noch die zwei letzten Plätze ergattern konnten. Einmal hatten wir schon frührt, allerdings bei Regenwetter, an einer Urwald-Rotwald teilgenommen. Im Vergleich zum “Miniurwald” Lahnsattel (leicht erreichbar und auch interessant) ist der Rotwald natürlich eine viel höhere Liga der Naturraritäten!

Im Vergleich zu unserer ersten und seither letzten Urwald Rotwald-Tour um 1990 war die heurige wirklich ein toller Erfolg – vom Wetter begünstigt (erst fünf Minuten vor dem Autoabstellplatz begann es zu regenen) und vor allem durch die überaus ambitionierte und fachkundigste Führung des Wildnisgebiet-Rangers Förster Reinhard Pekny. Es war insgesamt eine Intensivvermittlung hinsichtlich Biologie, Geschichte (auch soziale und ökonomische Aspekte) und darüber hinaus eigentlich auch ein philosophisches Seminar…

Trefffpunkt am 20. Mai (Fronleichnamstag) um 9 Uhr in Langau, in Fahrgemeinschaften über Holzhüttenboden – Oisklause – Amaißhöhe  – Jagdhaus Langböden (rund 11 Uhr, vor allem historische Einführung) – Gindelsteinbrücke – Umkehrplatz bei ca. Rothhausbach / Moderbach (Parkplatz). Alter Fußweg Moderbach-Nordseite und in weitem Bogen durch den Großen Urwald, höchster Punkt etwa an der Lichtung der Urwaldlahn (nach 2000 eine hundertjährige und in den Jahren nachher noch eine gravierende weitere Lahn, um noch 200 m länger den Wald “rasiert”). Übrigens Bäume im Lawinengrund gleichsam “entastet”, im zur Seite geschobenen Randbereich noch mit Ästen, zurück über den Rothausgraben und zuletzt (bei einsetzendem Regen) über das unterste Stück der Bärwiesstraße. Dauer der Urwaldtour ca. 5 Stunden!

In einem so geschlossenen Waldgebiet wie dem Urwald kann man  wegen  der Sonnen- und Schattenwirkung keine befriedigenden Landschaftsaufnahmen machen  Daher versuche ich diese Route – selbst für uns als Geher nur schwer nachzuvollziehbar – zu beschreiben, und zwar mittels einzelner Schwerpunkt:

Zunächst ist es die ungeheure Wucht und Größe der Bäume – ein “normaler” Wald erscheint dagegen wie ein “Stanglwald”, sogar im Vergleich  etwa am Lahnsattel zu erleben. Dazu kommt noch unmittelbar der wüste Eindruck mit all diesen irgendwann gestürzten und oft ineinander verkeilten Stämmen. Auf und in dem (nur scheinbar) toten Holz herrscht ein vielfältiges Leben, die Pilzgeflechte gehören ja zu den größten Lebewesen der Erde! Kadaverwuchs, Stelzenwurzeln und frisch gekeimte Pflanzen bilden sozusagen ein lebendiges Wirrwar, das keineswegs in einem Ruhezustand verharrt, bis es wieder zu Erde wird, sondern dabei in unglaublichen Wechselwirkungen mit der umgebenden und ineinander dringenden Natur begriffen ist. Viele Vorgänge von Bakterien, Pilzen usw. können wissenschaftlich noch gar nicht völlig durchschaut, keinesfalls aber reproduziert werden. Diese Wunderwelt hat uns Förster Pekny eindringlich und verständlich vermittelt!

Die hohen Baumkronen bilden zugleich einen Schutz für das Leben darunter, das sich aber auch erst wieder entwickeln kann, wenn Sonnenlicht durch Schneisen von gefallenen Bäumen eindringen kann. Das Bild des Waldbodens und der darauf wachsenden Riesen wechselt ständig und lässt bei der “Begehung”, eher einem mühsamen Vordringen – drüber und drunter – kaum Müdigkeit aufkommen.

Man kann kaum woanders von so viel Lebendigem umgeben sein wie in einem solchen Urwald! Trotzdem fallen Einzelheiten umso mehr auf – zunächst sind es die hier massenhaft vorkommenden Alpensalamander und riesige “Baumschwammerl”. Einen ganz seltenen, mit nur zehn Vorkommen in ganz Europa (wenn ich richtig verstanden habe), sehen wir zweimal – den Duftenden Feuerschwamm. Zwei Forschern sind wir hier auch begegnet, die sich ganz der Jagd nach Mäusen widmen, so wie etwa Thomas Hochebner (unser “Vogellehrer”) sich auf das “Urwaldgeflügel” spezialisiert hat.

Manche Begriffe haben wir überhaupt erstmals gehört – z.B. “Geotopie” – das heißt Baumschwämme wachsen immer horizontal: Im Bild sieht man einen älteren Baumschwamm, auf dem nach einer Lageänderung ein zweiter wieder horizontal gewachsen ist.

Das letzte Bild zeigt in seiner grünen Farbe auch ein Lebewesen (Pilz, Alge, Bakterien… in der Fülle der Eindrücke nicht gemerkt…), das für´s Zersetzen der Holzmasse zuständig ist. Übrigens gibt es in der Erd- und Lebensgeschichte einen Zeitpunkt, wo die Holzmassen nicht zersetzt wurden, sondern sich in dicken Schichten abgelagert haben – nachfolgend  überdeckt, unter Druck, Erwärmung und Luftabschluss zu Steinkohle geworden. Da seit diesem Zeitpunkt der Evolution alles Holz zerfällt bevor es zur Inkohlung kommen kann, bilden sich seither keine Steinkohlenlager.

Ein markanter Platz ist jener “Holzschlag” (im Sinn von Lichtung), wo die Urwaldlahn vom Dürrensteinmassiv herab gekommen ist. In den letzten beiden Jahrzehnten zweimal als hundertjähriges und fünfhundertjähriges Ereignis! Danach haben wir bald auch den höchsten Punkt erreicht, und von nun an ging´s nur mehr bergab – aber wie………….. immer noch über Stock und Stein auf schwacher Spur, die man ohne den Führer kaum finden würde. Als wir den hellen Streifen einer Forststraße im späten Nachmittagsdämmern erblicken, ist auch schon höchste Zeit, dass unsere “Wanderung” schön langsam oder eher schnell zu Ende geht – denn die letzten fünf Minuten bis zu den Autos regnet es schon. Geschüttet hat es zum Glück erst später am Abend, als wir schon längst aus den “abgründigen Gegenden” des hintersten Oistals herausgefahren waren.

Ein einmaliges Erlebnis im wahrsten Sinn des Wortes, das wir wohl kein weiteres Mal werden genießen können!

Vielen Dank an die Laniusgemeinschaft und unseren Führer Reinhard Pekny – es war traumhaft!!!

Für einen “Haupturlaub” – wie jedes Jahr zumindest einmal ins mediterrane Gebiet – gibt es neben der selbstverständlichen Planung auch immer eine Menge Wünsche oder spezielle Vorhaben. Heuer war in Mittel- bis Süddalmatien neben dem Schwerpunkt Natur auch das Kulturerlebnis im Vordergrund – Trogir und Split, Dubrovnik schon wegen des Touristenrummels weniger. Aber erstens kommt es meistens etwas anders und anders als man denkt…

So etwa war die Tour zu den Karstlandschaften an der Bosnischen Grenze mit Imotski überraschend. Anderseits blieben die Besichtigungen von Trogir und Split auf der Strecke, ebenso eine Fahrt zur Insel Hvar. Die näher liegende und von Makarska direkt mit der Fähre erreichbare Insel Brac war dann der Höhepunkt unseres Urlaubes! Rechtzeitig beim Hafen im Kiosk der Jadrolina erkundigt und am Vorabend die Plätze für Hin- und Rückfahrt mit der Autofähre gebucht. Das Wetter versprach bestens zu werden!

Freitag, 24. Mai: Rechtzeitig vor der Abfahrt um 9 Uhr an der Fähre zu sein, stellte sich als einfach heraus. Zwar ist die Verkehrsführung in der Altstadt von Makarska und besonders am Hafen recht “speziell”, aber für das Einfahren gibt es eine eigene Wartespur, und wir hatten auf der Fähre auch fürs Ausfahren einen günstigen Platz, weil wir nicht zu früh dran waren. Neben den zur gleichen Zeit startenden Ausflugsschiffen ging es aus dem Hafen hinaus, schöner Rückblick auf das von Palmen gesäumte Hafenkai. Während der ca. 3/4 Stunde dauernden Überfahrt zeigt sich natürlich der Gebirgszug des Biokovo in voller Größe, und Richtung der südlichen Gipfel (am Vortag bei Drvenik und Selo) glitzerte das Meer im strahlenden Sonnenlicht. Dann war auch schon Sumartin erreicht, der Landehafen auf der Insel Brac.

Unsere Tageseinteilung war – zuerst auf den höchsten Gipfel, dann nach Bol zum berühmtesten Punkt der Insel “Goldenes Horn, restliche Zeit dort für Aufenthalt und rechtzeitige Rückfahrt, insgesamt fünf Stunden. Daher ließen wir uns nach Ausfahrt von der Fähre nicht zu viel Zeit und folgten gleich der Hauptstraße, die zügig den Berg hinaufführt. Bald ist eine Art Hochebene erreicht, die den Großteil des Inselinneren einnimmt – übrigens ist Brac die flächenmäßig größte Adriainsel. So nachgelesen und auch über die Route mit Karte und Wanderführer erkundigt. Diese Höhenlandschaft ist selbstverständlich ziemlich verkarstet, Buschwald und Heiden überwiegen. Der nächste Ort nach den vom Fährhafen aufsteigenden ufernahen Siedlungen heißt Gornji Humac, also schon vom Namen her Berglage. Um die Kirche scharen sich die Häusergruppen, Einkehrmöglichkeiten an den sich hier verzweigenden Straßen. Wir werden später zurückkommen und nach Bol hinunter ans Meer fahren. Zunächst aber gilt es dem Vidova gora, dem höchsten Berg der Insel Brac und damit auch von allen Adriainseln. Von Bol hätte ein Wanderweg hinaufgeführt, etwa drei Stunden, aber für einen Tagesausflug zu lang. Zum Glück gibt es auch eine Straßenzufahrt – zuerst auf der Hauptstraße durch einsame steinige Gegend Richtung der Westküste mit dem bekannten Ort Supetar (Fährverbindung mit Split). Es gilt nur, die Abzweigung nicht zu versäumen! Aber wie fast überall – gute Straße und gute Beschilderung, die Seitenstraße zum Gipfel windet sich durch niedrigen Nadel- und Buschwald mit einzelnen Lichtungen und endet auf einem großen Parkplatz. Sogar die Reisebusse fahren bis dort hinauf, also eigentlich kein richtiger Gipfel – trotzdem ein wunderschönes Erlebnis, denn einen solchen Ausblick haben noch selten genossen (am ehesten noch von der Ucka in Istrien).

Der “Teleblick” hinab zur Küste bei Bol zeigt die einmalige Naturerscheinung des Zlatni rat – das “Goldene Horn”. So wird die halbinselartig ins Meer vorspringende Kieszunge genannt, die je nach Meeresströmung und vorherrschenden Windrichtungen nach gegensätzlichen Richtungen weist, eine “Mondsichel” aus feinem Kies, von kristallklarem und in allen Blautönen schimmernden Meer umsäumt, ein außergewöhnlich einzigartiger Strand! Wir sind auf die Felskante des Gipfels gestiegen und streifen dann noch durch die Lichtungen, wo wir (wie bei der Weiterfahrt) neben unauffälliger Flora sogar oder nur zwei Orchideenarten finden.

Bis zurück nach Gornji Humac nehmen wir, unterbrochen von Blumenstops, die Zufahrtsstrecke als einzige Möglichkeit. Dann geht es Nähe des hochgelegenen Flugplatzes südwärts zum Bergrand und die eindrucksvolle Steilküste in scharfen Kurven hinab zum flachen Küstenstreifen von Bol. Dieser bekannte “Schicky-micky-Ort” bleibt abseits, die Wegweiser führen uns weiter zu einem großen Parkplatz beim Zlatni rat. Zum Glück sind wir in der Vorsaison da und bei angenehmen ‘Temperatur, in der Parkgebühr sind sogar überdachte Stellplätze inkludiert, die man aber nur zu dieser ruhigen Zeit finden wird können. Durch einen Pinienwald geht es dann hinab zur “Kieszunge” des Goldenen Horns, wirklich ein überwältigender Küstenplatz – im Rücken ragen die Steinfluchten des Vidova gora 780 m hoch in den – wie das Meer tiefblauen – Himmel. In Gegenrichtung weist der doppelseitige Kiesstrand hinaus ins Meer zu der ggenüberliegenden niedrigen Insel Hvar und der darüber ragenden ferneeren Insel Korcula. Unglaublich ist das Panorama über 360 Grad (wenn es gelingt), an beiden Enden ragt das Bergmassiv, dazwischen die Kiesfläche mit dem beiderseitigen Meer, auf dem etliche Schiffe vor Anker gegangen sind.

Liegen und Caféplätze sind noch spärlich besetzt, lagern könnte man bei dieser mäßigen Temperatur und fast andauerndem Sonnenschein bestens, für Baden ist das Wasser aber noch zu frisch. Wir nützen diesen einmalig schönen Platz für einen ausgiebigen Spaziergang und fahren anschließend westwärts die Küste entlang. Die Nebenstraße zieht relativ hoch am Hang dahin und passiert dabei die Häusergruppen der verstreuten Ortschaft Murvica. Ein extravagantes Ziel wäre – neben dem weiter entfernten Höhenkloster Blaca – ein Höhlenkloster mit alten Steingravuren, der Wegweiser zeigt die Abzweigung zu diesem eine Stunde bergwärts versteckten Kuriosum. Wir verzichten leicht darauf, erstens wegen der inzwischen ganz schön gestiegenen Temperaturen am kahlen Sonnenhang und weil ich gelesen habe, dass der Zugang versperrt ist. So halten wir ausgiebige Mittagsrast (eigentlich Tagesrast) an einer geeigneten Stelle mit phantastischem Blick über die Küstenlandschaft.

Einzelne einsam gelegene Landhäuser stehen verstreut in dieser exklusiven Landschaft, zwischen Oliven- und Weingärten geht es hinunter zum sicher etwas steilen Strand. Jedenfalls traumhaft, sodass uns nur der Blick auf die Uhr wegen der rechtzeitigen Rückfahrt zur Fähre verabschieden lässt. Zurück über die tolle Aussichtsstraße von Bol hinauf zur Hochfläche und diese entlang, wobei wir noch einen kurzen Halt an einer aufgelassenen Schafhalde machen – unglaublich blumenbunt! Dann geht es die Kehren hinunter nach Sumartin, gerade rechtzeitig zum “Einschiffen” – diesmal soll ich im Retourgang in die Fähre hineinfahren, aber ich brauche nur – hopphopp – retour zu fahren, das Lenken übernimmt der daneben hergehende und ins Lenkrad greifende Schiffsmann, kann mir nur recht sein… Die Rückfahrt ist auch noch wundervoll, das im späteren Licht glitzernde Meer, die zurückbleibende Insel Brac als herrliche Erinnerung und vor uns das Küstengebirge mit dem Biokovo, bis wir wieder im Hafen von Makarska anlanden. Als Krönung dieses Supertages gibt es nach dem Abendbuffet wie auf Bestellung noch einen fulminantes Abendrot!

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