Feeds
Artikel
Kommentare

Der unglaublich schöne Oktober dieses Jahres lockte mich zu einem besonderen Naturziel, noch dazu, weil die Durchsicht meines Bildarchivs etwas unbefriedigend ausgefallen war (fehlende Digitalaufnahmen, zuletzt erwandert und fotografiert mit Karl Oswald für das “Naturerlebnis NÖ” / Residenzverlag 2000). Es war höchste Zeit dazu im Vergleich mit den Verhältnissen am Lahnsattel (14. Oktober), vielleicht der ideale Termin schon vorbei? Daher kurz entschlossen dorthin aufgebrochen…

LUNZER OBERSEE – Tour am 22. 10. 2019 -  fast ständig auf Forststraßen (6 km, im Aufstieg 2 Std.)

Zufahrt über das Pielachtal. Von Lunz am See Richtung Seehof, Parkplatz 200 m vor Restaurant und knapp vor Wasser Cluster Lunz (so heißt nun die ehem. Biolog. Station) – mit Gebühr, Münzen zum Glück eingesteckt (pro Tag vier Euro). Start um 9.30 Uhr, nach kurzem Aufklaren im Pielachtal – das Dirndltal im Farbenrausch! – stecke ich hier wieder im Nebel.

Nach dem etwas unangenehm feuchten Abkürzungssteig (sonst ist alles sogar hier meist staubtrocken) lichten sich die Nebel, und am Mittersee habe ich die besten Lichtverhältnisse.

Vom Parkplatz am Biolog. Station und Restaurant Seehof vorbei zum Schloss Seehof (618 m), danach durch Kastanienallee in die Seeau (auwaldartiger Baumbestand am mäandrierenden Seebach / bei Trockenheit nur Lacken und Schotterbänke), links folgt steiler felsdurchsetzter Waldhang, bemooste Blöcke eines ztw. trockenen Zuflusses. Abkürzungssteig, wieder Forststraße (neu aufgeschüttet, Wasserzufluss für Kraftwerk Seeau vom Mittersee verlegt), ansteigend und eben in die Senke mit dem Mittersee (766 m, ¾ bis 1 Std.; Betonmauer und Wassereinfluss). Aufblick zu Felskanzel des Großen Hetzkogels.

Am Mittersee vorbei (Rastplätze) zum Straßenanstieg – nun am orografisch linken Hang, im Talboden ein Hochwald mit Bergsturzblöcken. Bergwärts steiler Blockwald (Fichten, Moose und Bärlapp), danach lichter Lärchenbestand mit Alpenrosen, wechselt zu gelockertem Bestand mit Schluchtwaldflora (Hirschzungenfarn, Mondviole; typischer Wechsel von Licht- und Schattenpflanzen). Ausblicke gegenüber und talaus auf die Felsabstürze der Luegmauer (Extremtouren). Durch die schluchtartige Engstelle der Klause (Tiefblick, alte Straßenabsicherungen) in den nächsten flachen Kessel mit Absperrungsdamm, dahinter zusammengeschwemmtes Totholz und sumpfiger Grund mit Hochstaudenflora und einzelnen Baumriesen. Weiter Anstieg gegen die mit ihren Steilhängen und Felsabbrüchen das Tal scheinbar sperrende Ellmauer, im Talschluss links ein Felsspalt mit dem unteren Ludwigfall. An Felsen entlang mit zwei kurzen Kehren höher, dann links schwenkend zum oberhalb sichtbaren Ludwigsfall. Dieser mündet in Geröll und setzt sich unterhalb der Straße fort, die sich links wendet und mit weiteren Biegungen den Trogrand des Obersee-Kessels überwindet. Dabei rechts der teilweise in Felsen eingeschnittene Seebach, der Höhlenwasserfall „Brüllender Stier“ (kurz absteigender Seitenweg) und eine dolinenartige Senke mit Lacke. Neben Felsrand zur Kreuzung der Forststraße (rechts Richtung Luckenbrunn und Pauschenalm, davon abzweigend zum Rotmoos), links Fortsetzung der neuen Forststraße Richtung Durchlassalm. Davon bei Wegweiser abzweigender Steig zur Kreuzung Richtung Herrenalm und hinab zum Seeabfluss und Rastplatz am Obersees (1114 m, 1 bis 1 ½ Std.).

Es ist nun knapp vor Mittag, daher gleich – von den Fotoblicken immer wieder abgelenkt – an die von BALDRIAN (Bäckerei Käppl St. Veit) mitgenommene Jause gemacht, dann ist die Entscheidung notwendig: auf der Forststraße an der Westseite zum Rotmoos wie damals mit Karl Oswald? Ich wähle aber, durch eine Steigspur gleich vom Rastplatz weiter angezogen, den direkten “Weiterweg” am östlichen Seeufer entlang, nicht ganz sicher, ob das auch gelingen wird…

Obersee-Umrundung (ca. 1 ½ Std., Steigspuren, alter Forstweg und weglos)

Hinweis – nur für geübte Wanderer mit Orientierungserfahrung, wasserfeste Bergschuhe unbedingt erforderlich!

Vom Rastplatz mit Idealblick über Obersee – „Schwimmende Insel“ und Dürrenstein (Tisch und Bank) – kurz am festen Seeufer entlang, dann auf Steigspur über die ziemlich stabilen Schwingrasen weiter bis zu vorspringenden Felsblöcken mit Latschenwuchs. Dahinter führt die Spur über die Schwingrasen (Pfeifengrasbestand und alle möglichen Arten von Riedgräsern, von Karl Oswald im “Naturerlebnis NÖ” bestimmt) hinaus gegen die freie Wasserfläche nahe der „Insel“. Da dieser (vermutliche) Wildwechsel nicht weiter begangen werden kann, hält man sich bereits bei den Felsblöcken im und am Randwald unterhalb der von der Jägermauer herabziehenden Steilhänge entlang, quert dabei kleine Seezuflüsse und sumpfige Randbuchten. Nun schon im hinteren Seebereich mit einer freien Wasserfläche angelangt, queren spärliche Steigspuren durch das Ried zu einem alten, schon fast verschwundenen Forstweg (in der ÖK noch als Fahrweg eingetragen). Diese entlang durch die von der Luegg herabziehende Grabenmulde, bis er sich links im Bogen hinaufwendet und durch eine schottrige Senke ein Forststraße erreicht (von der Luckenbrunnstraße und dem Rotmoos kommend). Von diesem kleinen Sattel rechts abzweigend die tief eingesenkten und teilweise mit Wasser gefüllten Fahrspuren von Rodungsmaschinen entlang. Vom See durch einen teils felsigen Rücken getrennt, werden Mulden gequert, dann kommt kurz die Seefläche in Sicht, man bleibt jedoch auf diesen Fahrspuren bis diese in eine Forststraße münden (Luckenbrunnstraße). Am einfachsten auf dieser rechts weiter zur Kreuzung vor dem Obersee.

Viel interessanter jedoch auf einem gut ausgeprägten Steig rechts abzweigend um den Riedel herum zu einer Jagdhütte. Dort Richtung Ufer hinabsteigend zu einem nur mehr schwer bemerkbaren querenden Steig. Diesem folgend wird die nordwestliche Seitenbucht des Obersees erreicht. Von der am Ufer auf Steinen errichteten Holzhütte führt eine deutliche Steigspur hinaus auf die Riedgrasfläche mit leicht erhöhten Torfmoospolstern, die beim Betreten zu schwingen beginnen. Zurück zum Ufer und auf dem Felsblöcken weiter, stellenweise in den Wald hinauf, aber kaum in den Uferbewuchs ausweichend, bis eine weitere Bucht mit unmittelbarem Wasserzugang erreicht wird. Gegenüber sieht man die „Insel“, zu der weiter rechts zwischen den festeren Schwingrasen eine von Riedgräsern (Pfeifengras) bedeckte ehemals wohl freie Wasserfläche überleitet. Von dem offensichtlich immer wieder benützten Uferplatz führt ein relativ gut ausgetretener Steig hinauf zur Forststraße, auf dieser rechts weiter, oberhalb dem Seeabfluss dahin, zur Kreuzung vor dem Obersee.

Um 12 Uhr zur See-Umrundung aufgebrochen, dauert es mit der anschließenden Nachspeise-Rast noch bis 14 Uhr, als ich mich endlich von diesem traumhaften Platz trennen kann. In Erinnerung an den Türnsee im Sommer 2018 kommt mir der Lunzer Obersee direkt einfach vor, jedenfalls weniger auspruchsvoll und irgendwie landschaftlich großzügiger, wenn auch nicht so urig wie der viel abgelegenere, schwerer erreichbare und völlig einsame Bergsee an der Nordseite des Hochtürnachs im Salzatal.

Meine Befürchtungen wegen Zehen- und Knieproblemen beim Abstieg waren zum Glück unnötig, auch wenn man dann ganz schön froh ist, den Forststraßen-bergab-Plattler hinter sich zu haben. Ich horche noch beim “Brüllenden Stier” dem Höhlenwasserfall nach, lasse mich von den nun prächtig im Nachmittagslicht leuchten Felsabbrüchen des Scheiblingsteins beeindrucken (noch mehr durch die von Werner Tippelt im “Wandererlebnis Ötscher und Ybbstaler Alpen” dort beschriebenen Extremwanderungen), und zuletzt kommt mir die ebene Strecke durch die Kastanienallee vor dem Seehof vor als ob sie leicht bergauf führe…

Nun merke ich erst, welches Glück ich mit der Beleuchtung beim Aufstieg am Mittersee hatte. Nun wird im Schatten das Licht samt den Farben immer fahler. Der Seebach besteht nach dem heuer so trockenen und heißen Hochsommer nur mehr aus einzelnen Tümpeln zwischen den bemoosten Steinen. Dafür ist der Abschiedsblick vom (großen) Lunzer See gegen das Seetal voll würdig für diesen traumhaften Tag, der mir mehr Mut für weitere Touren (vielleicht erst im nächsten Jahr) machen kann!

In meinem letzten Voralpen-Führer – besser bezeichnet als “Zwischen Pielachtal und Mürzsteger Alpen” – findet man diese Route nicht unter Lahnsattel und Hofalm / Göller, sondern spezieller unter “Die zahme Wildalpe”. Denn unsere “urwaldartige” Montagstour (14. Oktober) führte nicht durch den besuchenswerten Lahnsattler Urwald (auf einem kleinen Stück des Puchberger oder Burgenländischen Mariazellerweges), sondern in das teilweise recht urige Gelände am Nordostfuß der Wildalpe. Dort ziehen steile Hänge von der Sulzriegelalm hinab zum Waldrand der vielfach sumpfigen Lahnsattelmulde, und dort bewegt man sich weniger beim Wandern als auf der weitläufigen und gut gespurten Lahnsattler Loipe. Bei mir selbst nachgeschaut – neben dem üblichen Weg zur Sulzriegelhütte und weiter auf die Wildalpe gibt es noch eine Variante durch das sogenannte Schustertal. Wir wollten diesmal diese schon vor einiger Zeit begangene (und im Voralpen-Führer beschriebene) Route wieder einmal nachgehen, und dabei ergab sich ein recht interessantes Herumkraxeln in den Lahnsattler Wäldern.

Für den Start parkten wir nicht auf der Sattelhöhe, sondern  bei der Friedhofszufahrt (Güterweg Lahnsattel, an der Hauptstraße gegenüber der Parkplatz Eisgrube), um nicht zuletzt den Anstieg zur  Lahnsattel-Passhöhe noch vor uns zu haben. Also zuerst der schöne Weg dort hinauf, wohl einer der nettesten Abschnitte des Puchberger oder Burgenländischen Mariazellerweges (leider nur kurz).

Vom Sattel (mit Denkmal, dem üblichen Parkplatz für die Wildalpe und Start auf den Göller) noch ein Blick in die oberste Mürzmulde von Lahnsattel / Neuwald und auf den Göller-Südhang, der recht deutlich die Höhenstufen der Laubfärbung zeigt. Dann auf dem ausgeschilderten Weg weiter – Forststraße rechts, Waldsteig, Forststraße zur Mulde hinter dem Kriegskogel (übrigens einer der wenigen ganz aus Werfener Schichten bestehenden Gipfel),  Abkürzungssteig hinauf zur von Terz / Halltal (Forsthaus) kommenden Almstraße. Hier merkt man den Südwind kaum, der zwar recht heftig bläst, aber damit zugleich das schöne Wetter sichert. Nach dem Almgatter geht es in die Wiesen hinaus, die besonders jetzt während der Laubfärbung der Bergahorne wirklich ein kleines Paradies ist.

Sobald der erste lange freie Hang zum Waldrand hinunter zieht, wenden wir uns vom Almweg ab und steigen schräg über den Hang zur Waldeinbuchtung ab, wo wir auf eine Viehtränke treffen (ein neuer Trob aus Pfosten, während der alte mit Motorsäge und Hacke zugerichtete Brunnentrog daneben liegt und hoffentlich nicht verkommt, wäre schade um ein solches Handwerksstück!). Nach dem freien Gelände mit den einzelnen Baumriesen geht es nun hinein in das Walddickicht, nicht bergab und bergauf, sondern eher querend, wobei später der talseitige Almzaun erreicht wird (schon abgehängt).

Auf Viehspuren querend erreichen wir relativ bald eine Lichtung, die uns von einer Begehung in Gegenrichtung in Erinnerung war. Dort steht noch aufrecht ein ausgehöhlter Riese von einem Bergahorn, daneben liegt ein gestürzter Stamm. Schwammerl, Moose, Farne beleben das absterbende oder bereits (scheinbar) tote Holz, und durch die “Ahornhöhle” ergeben sich reizvolle fotografische Durchblicke.

Der immer deutlichere, wenn auch von Sumpfstellen unterbrochene Viehsteig leitet vom Zaun wie von einer Markierung begleitet weiter, bis wir am rechten unteren Rand der direkt von der Sulzriegelalm herabziehenden steilen Wiese anlangen. Dort innerhalb des Waldes weiter bis zur nächsten Ecke vor einem Bacheinriss, wo an einem “Stiegel” erkennbar der direkte Almsteig berg- und talwärts quert.

Nun geht es vom Sonnenlicht weg in die kühlen Schatten der bergnahen Lahnsattelmulde. Auf bekannter Route, der auch die Loipe folgt, kommen wir zurück zum Lahnsattel – ein schöner Tag vor den nächsten zwei Wochen dieses herrlichen Oktobers 2019 (geschrieben am ersten Schlechtwettertag, 28. Oktober).

Um die Landschaften Niederösterreichs kennenzulernen, empfiehlt sich – ausgenommen im “Gebirgigen” (wenn radelnder Normalverbraucher) – das Fahrrad, wobei ein E-Bike bewirkt, dass von der aufgewendeten Energie nicht zu viel an die Betätigung der Beinmuskeln (auch von “Sitzfleisch” und anderen Körperregionen) verbraucht wird. Im Waldviertel zum Beispiel hat mir schon lange “geschwant”, dass bei vielen Strecken der Radfahrer (noch dazu stromverstärkt) eindeutig im Vorteil ist. Also das Waldviertel haben wir heuer schon genossen, speziell im Thayatal von Drosendorf aus. Am letzten Wochenende war die Qual der Wahl – Leiser Berge im Weinviertel oder Bucklige Welt samt Forchtenstein? Die nebelverdächtige Wetterlage hat dann den Ausschlag gegeben, und so fuhren wir am Samstag, 12. Oktober, über Triestingtal (schon im Nebel) – Südautobahn (bis Seebenstein) – Wechselstraße – Scheiblingkirchen (benannt nach der romanischen Rundkirche) – Thernberg (bekannt als zeitweiser Sitz von Erzherzog Johann) nach BROMBERG.

In Bromberg (bekannt durch das Sommertheater, vor wenigen Jahren aufgeputzt mit dem Neun-Schätze-Star Barbara Karlich (als Hexe) Parkplatz nahe am Spar, höher oben die sicher wehrhafte Kirche. Denn kaum ein altes Gotteshaus kommt in der Buckligen Welt ohne die gegen die Türkengefahr angelegten wehrhaften Zubauten aus. Wir starteten aber im Tal, gleich zur ersten Herausforderung – 400 Höhenmeter Steigung, speziell auf dem ersten Teil der neun Kilometer hinauf nach Kaltenberg. Aber der E-Motor schnurrte so eifrig bei Turbo und Schaltstufe eins bis zwei, dass sogar die anfangs wirklich steilen Kurven kein Hindernis waren. Über den Höhenrücken mit einzelnen Weilern und dem kleine Dörfchen Schlag ging es dann schon moderater zur Höhe, aber immer noch bergauf von einem Hügel zum nächsten, statt flach oder abfallend immer nur steigend. Endlich Kaltenberg erreicht und herrlicher Blick auf die uns vom Wandern bekannte kuriose Wallfahrtskirche von Maria Schnee (Pilgerwege und Großes Niederösterreich). Die vier “Stricherl” unserer Akku-Anzeige waren inzwischen auf zwei geschrumpft – ach, hätten wir doch voll aufladen sollen… So bleibt uns nur der Ausweg, den langen Hügelbogen etwas abzukürzen, also entfällt die Schleife von Wiesmath über Hochwolkersdorf, was sich nachher zeitmäßig sogar als Vorteil herausstellen sollte.

Eigentlich wollten wir bis Lichtenegg mit seiner urigen Wehrkirche weiterfahren, so nahmen wir notgedrungen gleich gegenüber der Kaltenberg-Kreuzung die Abzweigung Richtung Hollenthon. Eine Kurve leicht bergab durch die Ansiedlung Tafern, dann schon wieder ein sanfter Anstieg zur Pesendorfer Höhe mit dem uns schon bekannten Windpark – schöner Rastplatz mit Aussichtskanzel, die Windräder schnurren gerade wegen Windmangel kaum, der riesengroße Propeller rührt sich überhaupt nicht. Das sonstige Wetter zeigt sich hingegen ideal, klare Fernsicht, vor allem auf den Hochwechsel und über die Randhöhen der Buckligen Welt auf die Nebelmeere der Niederungen. Bei der Weiterfahrt überwiegen bald die Gefällsstrecken, und dichter Wald wechselt die Feldlandschaften ab. Einzelne am Straßenrand abgestellte Autos wecken den Verdacht, es könnte hier Schwammerl geben. Aber das Absteigen hat sich nicht gelohnt, es ist wie vielfach heuer im ganzen Land viel zu trocken. Das durchfahrene Waldmassiv gehört zum Stickelberg, 881 m hoch, was dem Niveau der Buckligen Welt durchschnittlich entspricht. Eigentlich hätten wir diese Landschaft bei hochstehenden Getreidefeldern durchfahren wollen. Aber das ist sich im Hochsommer nicht ausgegangen, und nun präsentiert sich die Landschaft schon abgeerntet und voll herbstlich, wenn auch mild und angenehm freundlich wirkend.

Inzwischen geht es schon auf Mittag zu – nach längerer Abfahrt im etwas niedriger auf einem Sattel gelegenen Hollenthon angekommen, hat das Geschäft schon zugesperrt, also nichts ist es mit einer Jause. Sonst wirken die Ortschaften überraschend rege, aber Samstag ist ab Mittag geschlossen (ganz im Gegensatz bei uns zuhause, wo bis abends geöffnet ist). Kontrolle der Reichweite bei der Akku-Anzeige – noch genug Saft, dass wir nicht schon die Talfahrt nach Bromberg antreten müssen. Wäre schade gewesen, denn die folgende Strecke bis Wiesmath ist trotz Anstieg die Weiterfahrt wert gewesen. Freie Ausblicke in alle Richtungen, über die Hügelränder der “tausend Buckeln” schwappen noch die Talnebel, darüber Paradeblick vom Wechsel bis zur Hohen Wand, Schaustücke sind natürlich Rax und Schneeberg. Dann tauchen gleich zwei Kirchen auf – die entferntere ist Annaberg in Richtung Hochwolkersdorf, der nähere Zwiebelturm gehört zu Wiesmath, das auf einer Marktstraße mit Handwerksbaum bergab durchfahren wird. Nun aber links abzweigend zur Talfahrt, wobei wir bei einem Aussichtsbankerl noch eine Rast einschieben, die Landschaft ist einfach zu malerisch, um weiterzusausen.

Weiterzusausen wäre hier keine Kunst, denn zügige Kurven führen hinab ins Schlattental, nur ein kurzer Waldstopp – und gleich fünf Parasole gefunden (erster Teil des Natur-Nachmahls). Nach Einmündung der Straße von Hollenthon herab geht es beschwingt im Tal weiter, kaum Verkehr, und so landen wir nach gerade 30 km (aber mit manch Steigung gespickt) beim Ausgangspunkt in Bromberg. Zeit genug, um wie geplant über die Rosalia nach Forchtenstein weiterzufahren (mit aufgeladenen Rädern natürlich). Vorbei an der von Unmengen Autos wie belagerten Festung kommen wir in die Ortschaft hinunter und können uns im Café beim Sparmarkt endlich laben. Von der netten Wirtin erfahren wir – die Trockenheit hat sowohl den Nüssen als auch den Edelkastanien gar nicht gut getan. Noch dazu ist der uns bekannte Maronihain hinter der Kirche abgesperrt – also zurück den Berg hinauf bis zum nächsten Sattel, wo ein Fahrweg an der Nordseite abzweigt. Dort kommen wir endlich zu den ersehnten Kastanienbäumen und damit zum zweiten Teil unseres Natur-Nachtmahls. Dazwischen aber dehnt sich noch die Heimfahrt, allerdings durch die Schnellstraße über Sauerbrunn nach Wr. Neustadt gar nicht so endlos, wenn man von der nun schon aufkommenden Müdigkeit absieht… jedenfalls ein höchst erfolgreicher Aktivtag°

BRUNNLUST: Panorama gegen Südwest bis Nordwest, am Horizont der Schneeberg, die Gutensteiner Alpen und der Wienerwald.

Am 8. Oktober ein herbstlicher Kontrapunkt zur Exkursion am 10. Februar 2016 (damals zwischen Spätwinter und Vorfrühling). Nun beginnende Laubfärbung und erster Schnee auf den hohen Bergen, an Blüten ist kaum etwas zu erwarten, trotzdem zu diesem Eigengrund des Naturschutzbundes NÖ unterwegs. Diesmal weiß ich im Vergleich zur damals im Blog geschilderten Tour endlich genau, wie man zur Brunnlust kommt: Von der S 1 Abfahrt Leopoldsdorf an Maria Lanzendorf und Himberg vorbei (insgesamt fünf Kreisverkehre), ebenso noch am Gutenhof vorbei, bei der Kreuzung auf der Anhöhe nach der langen Geraden geradeaus und bergab nach Moosbrunn. Ich schildere den Start von der Kirche in Moosbrunn weg, also auf der Hauptstraße durch das typisch langgezogene Straßendorf, bei Kreuzung nicht rechts abzweigen, sondern links über die Brücke (Parkmöglichkeit links in der Glasfabrikstraße, ehemals Cafè Rosenblattl), hier rechts Abzweigung und Wegweiser zum Sportplatz. Auf Fahrweg den kanalisierten Neubach entlang zur Piesting/Neubach-Wehranlage.

Nun kann man beliebig die kurze Wanderung fortsetzen. Wir sind über den Wehrsteg ans gegenüberliegende (westliche, orografisch = in Fließrichtung linke) Ufer gegangen und haben eine Wiesenweg entlang der Piesting verfolgt. Bals wird eine Brücke erreicht (auffallend durch weiße Betongeländer), und nun folgt ein Stück Asphaltweg. Links der Fluss mit seinem von Hochstauden bestandenen Ufer, rechts Wiesenflächen mit teilweise abgemähten Schilfstreifen.

Dann wendet sich der nun schottrige, von einer Stromleitung begleitete Fahrweg in einen kleinen Auwaldbestand hinein, und hier befindet sich die Infotafel des Naturschutzbundes. Im dichten Gehölz haben sich noch Tümpel der einstigen Fischaschlingen erhalten, die sicher vor allem für das Tierleben wesentlich günstiger sind als das mit Betonblöcken kanalisierte Flussbett der “neuen” Piesting. Wechselnder Laubholz- und Strauchbestand, Wilder Hopfen wächst hier fast so häufig wie Waldreben, leider sind auch unerwünschte Zuzügler zu bemerken (Drüsen-Springkraut vor allem, die Kanadischen Goldruten schätzt man heute ja fast schon als einheimisch ein). Übrigens blüht öfters noch das Kanadische Berufskraut – ich erinnere mich, dass es um 1950 in meinem heimischen Gölsental erstmals aufgetreten ist und damas als zierende Wildblume eher geschätzt wurde…

Infos über die Brunnlust gibt es im Internet bei MOOSBRUNN; außerdem liegt ein Folder des NÖ Naturschutzbundes “Alte Fischa und Fischawiesen” bei Gemeinden (?) oder Museen oder ähnlichen Stellen auf, in dem die europaweite Bedeutung der Naturschätze in der Feuchten Ebene des nördlichen Wiener Beckens dargestellt wird. Die frisch grünen, weil im Spätsommer gemähten, Flachmoorwiesen wechseln mit Streifen von hohem Schilf (teilweise frisch abgemäht), das ohne Mahd sicher die ganze Fläche überwuchern würde (Berichte von Mäh-Einsätzen sind noch gar nicht so lange her, nun sind die Feuchtwiesen augenscheinlich maschinell gemäht worden). Beim nächsten Waldstreifen, wo man links vorne jenseits der Piesting die Anlage eines Filterbrunnens erblickt, wendet sich der Fahrweg nach rechts und führt den Baumbestand entlang bis zur nächsten Ecke. Wie schon vorher zeigt sich der frisch angeschneite Schneeberg hier in voller Pracht, nicht gestört von Bauwerken oder Hochspannungsleitungen (fast ein Wunder….). Selbstverständlich – besonders vom Frühjahr bis zum Hochsommer sollten die Feuchtwiesen nicht betreten werden (Brutgebiet seltener Vögel), was bei weniger Trockenheit als gerade in diesem Herbst ohnehin nur mit Gummistiefeln möglich wäre.

Das Naturschutzgebiet BRUNNLUST besteht aus  weitläufigen Sumpfwiesen, die am westlichen Rand von kleinen Bächlein durchzogen werden (Grundwasserquellen, aber bei hoher Feuchtigkeit auch flächenhafter Grundwasseraustritt). Diese bemerkt man nur, wenn der hohe Bewuchs entfernt ist, sonst verdecken Schilf und Pfeifengras sowie begleitende Sträucher und einzelne Bäume diese Gerinne. Im Herbst sind es vor allem die schon bunten Wildsträucher mit ihren Früchten (Gewöhnlicher Schneeball, Roter Hartriegel, etwas Liguster u. a.) und der Gegensatz der gelblichen Riedbestände zu den grünen Sumpfwiesen, die den Reiz des Landschaftsbildes ausmachen. Wo im Frühsommer Sumpf-Gladiolen und ähnliche Besonderheiten blühen, erstreckt sich nun ein nur hie und da etwas wässriger Wiesenboden auf tiefschwarzer (aus Schlamm hervorgegangener) Erde, wie an einzelnen Maulwurfshaufen zu bemerken (eher spärlich, wohl zu feucht in der längsten Zeit des Jahres).

Für den Rückweg nehmen wir dieselbe Strecke bis zur “Weißen Brücke”, queren dann ans Ostufer und gehen dieses entlang bis zur Wehranlage. Links befinden sich neben dem Fahrweg hohe Baumbestände vor allem mit Pappeln, rechts liegen zwischen Weidenbüschen einzelne, meist gemähte Wiesen oder Schilfstreifen. Insgesamt beträgt die Strecke von der Straße und zurück vier Kilometer, Zugang von der Moosbrunner Kirche (dort auch Einkehrmöglichkeiten) 500 m bis zur Sportplatzabzweigung. Zuletzt noch der herrliche Schneebergblick!

Der vorige Bericht endete nach der St. Anna-Kapelle an der Romai-utka mit der Weiterfahrt, hier die Bilder zum Abschluss der Tour:

Letzte Bilder – Aufblick von der St. Anna-Kapelle zum Ranolder-Kreuz auf den Basaltklippen des Badacsony (ein toller Ausssichtspunkt).

Wir fahren weiter Richtung zu unserem Ausgangspunkt, dabei erwischen wir ein falsche Abzweigung, gelangen aber dann doch über NEMESGULACS (am Fuß des Gulacs-Vulkankegels) gut zurück nach Kaptalantoti mit unserem Parkplatz bei der Kirche der kleinen Ortschaft. Ein gut ausgefüllter Tag – morgens schon Gymnastik im Hotel und nach der Radfahrt noch Wassergymnastik, Fahrt samt Rastaufenthalten von 10.30 bis 15 Uhr, aber nur 29 km (eigentlich sollte das opulente Abendbuffet im Pelion ausfallen, wegen geringem Kalorienverbrauch beim Radfahren).

Dienstag, 24. Oktober 2019: Start nicht gleich von Tapolca aus (um die belebten Ausfallsstraßen zu vermeiden), sondern Zufahrt mit aufgeladenen E-Bikes in das kleine Dorf KAPLANTOTI im Norden der beiden Vulkanspitzen Gulacs und Toti-hegy. Gleich unterhalb der Kirche bietet sich ein Parkplatz an, und dann radeln wir schon aus dem Ort hinaus Richtung Hauptstraße nach Zanka, die aber nur ein kleines Stück verfolgt wird. Nicht über den Bergrücken hinweg ins  Kali-Becken, sondern gleich rechts hinunter durch ein Waldtal in die weite nördlich des Plattensees eingelagerte Hochmulde. Neben Mineralquellen (wie das berühmte Kekutti) sind die “Steinmeere” (ungar. Kötenger) das Besondere an dieser mit Heideböden, Sümpfen und kleinen Seen bedeckten riesigen Senke. An der Westrand liegt die Ortschaft SALFÖLD, zu der eine Seitenstraße abbiegt.

Eine Infotafel vor dem Ort weist auf die Eigentümlichkeit des “Steinmeeres” hin – ich habe sie abgebildet (leider nur in Englisch), jedenfalls sind diese Steinformationen in einer trockenen Zeit der Erdgeschichte entstanden und durch Winderosion geformt worden (wenn ich mir richtig übersetzt habe). Der Platz ist als Exkursionspunkt gestaltet, und im frühen Jahr müssen die Heideböden daneben sicher blumenreich sein. Jetzt ist alles herbstlich verdorrt und leider auch das eigentlich recht einladende Gasthaus geschlossen.

Nach kurzer Rast geht es zurück zur Hauptstraße und – bergab / stromsparend – weiter Richtung Balaton, wo wir bei ABRAHAMHEGY am Ufer landen bzw. den  Balaton-Rad-Rundweg erreichen. Dieser führt natürlich nicht direkt am See entlang, sondern direkt neben der Hauptstraße Nr. 71. Interessant wäre hier der Seitenweg auf den Berg mit dem Foly-Arboretum, das wir schon ein paarmal angekündigt gesehen haben. Von hier aus bemerkt man nur einige riesige silbrige Nadelbäume auf dem  sonst mit Laubholz bestandenen Hang (typische Arten der Hügelstufe, wie Eichen, Hainbuchen, vielfach Robinien, dazu pannonisch-illyrische Arten – Hopfenbuche z. B.).

Bei einer Bucht zwischen den Massiven von Badacsony und Örsi-hegy mündet eine Senke vom Hochland her ein, und zwischen den Uferorten Badcsonyörs und Badacsonytomaj gibt es eine Abzweigung Richtung Tapolca über Kaplantoti. Das wäre uns aber zu wenig (wir bekommen ohnehin für eine E-Bike-Tour direkt lächerlich geringe Kilometer zusammen), so zweigen wir Richtung Tapolca ab, um bei einem Kreisverkehr Richtung Basaltkirche abzuzweigen (ein berühmter historisierender Bau aus dem Basaltstein des darüber aufragenden Berges). Dort ist schon die ROMAI-UTKA erreicht, die am Hang um den Badacsony herumführende alte Römer- und Weinstraße. Hier gibt es nur wenig Verkehr, und noch dazu Autofahrer, die gemütlich unterwegs sind. Wenn man hier zum Badacsony hinauf will, darf man die Abzweigung der Straße zum Kisfaludy- und Szegedy Roza-Haus nicht übersehen, denn alle anderen der engen und steilen Bergstraßen enden irgendwo bei hochgelegenen Häusern und Weingärten. Wir erwischen aber denn mit etwas Glück eine Seitenstraße zwischen Weingärten zu einer auffallenden schön renovierten (gelb gefärbelten) Kapelle. Diese stellt sich als St. Anna-Kapelle heraus und stammt bereits aus dem 18. Jh. – für uns wichtig, daneben ein Rastplatz mit Steintisch und Steinsitzen, zwar hart, aber gemütlich für die schon dringend erwartete Rast…

Anschließend geht die Fahrt auf der Romai-utka weiter, die sich nun an die Westseite des Berges wendet und schöne Ausblicke auf den (ehemaligen) Inselberg von Szigliget bietet. Von dort her mündet dann eine Seitenstraße ein, die uns über das langgestreckte Straßendorf Badacsonytördemic – mit einem Stück unangenehmem Basalt-Stöckelpflaster – weiterführt.

Der in die weiten Flachländer der Ungarischen Tiefebene eingelagerte Plattensee (Balaton = eigentlich “Platter” See) ist für uns Alpenländler irgendwie exotisch. Zwar unvergleichlich leichter erreichbar (220 km Fahrstrecke) als ferne Weltgegenden, aber doch noch mehr pannonisches Gefühl als im östlichen Österreich. Erstmals in den 1980er Jahren, dann zum Milleniumswechsel, 2009 im etwas zu zeitigen Frühjahr, 2012 dann passend zur beginnenden Baumblüte, 2013 im Oktober. Das Ergebnis dieser (vor allem Wander-)Urlaube war ein großer Artikel im Outdoormagazin Land der Berge – voll nachzulesen in der Seite BALATON bei diesem Blog.

2017 und 2018 war (wie schon vorher) das Hotel Pelion in Tapolca das Standquartier für Osterurlaube mit den “Baumis” (Astrid & Andreas & Bernie & Veronika & Clemens), immer ganz lustig und selbstverständlich wandernd unterwegs. Heuer hat sich bei uns eine gravierende Änderung ergeben, indem wir nun auch begeisterte E-Biker sind, und die Anmerkung, manche Balaton-Vulkan-Touren seien wohl per Rad genussreicher zu machen. Nach einzelnen Tagesfahrten und einem Radurlaub im Waldviertel (Drosendorf bis Slavonice / Zlabings) meinten wir, es doch endlich mit den Rädern am Plattensee versuchen zu sollen. Im Hotel ein günstiger Termin, und schon waren wir gegen Ende September dorthin unterwegs…

DIE BALATON-RADUMRUNDUNG

lockt zwar die meisten “Biker” nach Ungarn, wir legten unseren Radurlaub aber anders an.  Denn wahrscheinlich wie am Neusiedler See (den wir aber per Rad umrundend noch nicht kennen) verläuft die Strecke viel zu oft abseits von den entweder mit Schilf verwachsenen oder mit Ferienhäusern verbauten Ufern. So konzentrierten wir uns auf drei unterschiedliche Strecken zum Ausprobieren, und dabei kamen ja auch auf Teilstücke der Balatonrunde. Quartier wieder im schon bewährten und empfehlenswerten Hotel Pelion in Tapolca (direkt buchen über Hunguesthotels empfehlenswert, am besten vier = zwei mal zwei Tage). Zu unseren Startpunkten fuhren wir allerdings mit dem Auto, um die Hauptstraßen zu vermeiden. Sehr günstig für die Planung waren die (derzeit nicht erhältliche) Kompaß-Karte Balaton und der uns von Andreas spendierte Radführer BALATON www.frigoriakiado.hu mit seinen guten und aktuellen Karten. Allerdings Achtung – die “extrigen” Radwege sind wirklich solche, während die (sonst vorgeschlagenen) Routen hingegen meist auf Nebenstraßen verlaufen, die aber keineswegs wenigbefahren sind, sondern eher vom zügigen Lokalverkehr etwas belastet. Aber auf weiten Strecken bei allen drei Touren begegneten uns nur wenige Autos, ein paar Busse und noch weniger Laster. Meine, von Anni immer wieder bekrittelte Vorsorge – eher nicht zu sehr am Straßenrand fahren (dort gibt es auch die meisten Schlaglöcher bei schlechtem Asphalt), um beim Überholtwerden noch seitlich Platz genug zu haben. Übrigens waren die Autofahrer durchwegs rücksichtsvoll, wie überhaupt die Kontakte mit “Eingeborenen” wie immer sehr amikal verlaufen sind.

… am Wahltag 29. September 2019 – müsste dem Wahlergebnis nach eigentlich “Türkisberg” heißen, auch ist die wunderschöne Runde vom Schwarzenbacher Gscheid aus echt eine KURZ-Tour, steiler Aufstieg in weniger als einer Stunde und danach über Alm und Waldgelände (etwas ausgeklügelt) zurück zum Ausgangspunkt.

Die beiden gegensätzlichen Panoramen zeigen allein schon den besonderen Reiz des Schwarzenbergs – Ausblick gegen Süden in Richtung Hochalpen (von links: Göller, Tirolerkogel, winzig am Horizont Hochschwab – Gemeindealpe – Ötscher hinter dem vom Kögelberg beherrschten Waldhochland Richtung Annaberg / Idealblick der Voralpen von den Thorstallwiesen auf Türnitz, dahinter Muckenkogel, Reisalpe, Unterberg, Türnitzer Höger, Traisenberg, das Eibel schiebt sich dann noch in den Vordergrund.

Von der Sattelhöhe des Schwarzenbacher Gscheids (Parkplatz der Straßenmeisterei, im Sommer frei) neben der Baumzeile auf den südlichen Wald zu, dort leicht rechts hinein (aber nicht zu viel) auf eine gar nicht so schwache Steigspur, sogar mit einer älteren Markierung. In einigen Kehren zieht dieser Steig den sehr steilen Waldhang hinauf, nirgends zu verfehlen, und wendet sich zuletzt rechts zur Kehre in etwas weniger steilem Gelände (hier einzelne rot aufgespritzte Wegmarken). Nun wird es interessant, denn wir befinden sich im Bergbaugebiet des Schwarzenbergs, wo vom 18. zum 19. Jahrhundert Blei und Zink gefördert wurde. Nach Annaberg geführt, wurden dort in der SCHMELZ die Erze verarbeitet (der Annaberger Ortsteil Schmelz entstand schon in Maria-Theresianischer Zeit nach Entdeckung der Silbervorkommen auf dem Hocheck).

Gut zu erkennen die Abraumhalde eines Erzstollens!

Der Weg ist hier breiter und mit Steinen geschlichtet.

Knapp neben dem Steig eine Erzgrube und das alte Stollenloch.

Die geologischen und historischen Anmerkungen sind in meinen Führern zu finden, speziell in der Heimatkunde (seinerzeit bei Jugend & Volk erschienen und der “Überbau” zu den Wander- und Landschaftsführern vom NP-Buchverlag bzw. NÖ Pressehaus St. Pölten).

Der Steig führt aus dem Wald hinaus ins Schlaggelände, quert recht gut ausgetreten einen Forstweg mit Ausblick ins Pielachtal bzw. zum Eisenstein und erreicht kurz danach die Gipfelmulde mit dem schon sichtbaren Kreuz und Rastplatz.

Das Wetter ist ideal, ein Föhntag mit klarer Sicht und angenehmer Temperatur für die Gipfelrast! Der Ötscher schaut über das Waldhochland her, und hinter dem Göller und dem Hochschwab stauen sich die von Süden herandrängenden Wolken.

Beim Abstieg über die Almwiesen wird erst so richtig deutlich, wie trocken es heuer ist. Trotzdem ist noch das Weidevieh aufgetrieben und hält sich um die Almhütte mit dem Brunnen auf, lauter Mutterkühe mit ihren Kälbern und Galtvieh, die sich aber kaum stören lassen. Von der Hütte voraus bergab in die Mulde (nicht auf der Forststraße) kommt man zu einer bei Höhlenforschern berühmten Schachthöhle unter mächtigen Rotbuche. Uns interessiert links davon am Waldrand der ausgetrocknete und begrünte Rest einer ehemaligen Tränklacke (als Rechteckfläche und von Farnkraut umgeben leicht zu erkennen). Denn dort geht ins links in den Wald hinein zum alten Treibsteig, der uns die weite Kehre der Forststraße erspart. Im Gegensatz zu unserer letzten Tour ist dieser gut erkennbare Karrenweg nicht durch Windbruch versperrt, diesmal zwar ein forstliches Sperrgebiet, aber schon von den gefällten Riesenfichten freigemacht. Den Arbeitsspuren nach geht hinaus zum Rand der Thorstallwiesen, wo gerade die Kinder vom Glasberger in einem Baumwipfel herumturnen, während der Vater beim Holzmessen beschäftigt ist. Als sie merken, dass wir über die Wiesen weitergehen wollen, rufen sie uns noch zu: “Dort sind die Kühe!” (echt ohne Mundart!). Wir müssen aber ohnehin auf dem Fahrweg weiter, der den tollsten Blick auf Türnitz eröffnet. Erst vor dem nächsten geschlossenen Wald steigen wir links über die Wiese hoch zu unserem Übergang Richtung Gscheid – der Sattel ist diesmal sogar markiert – durch einzelne dürre, vom Borkenkäfer befallene Fichten, sogenannte Käferbäume, heuer im Waldviertel fast schon eine Katastrophe, hier in den Voralpen zum Glück noch weniger auffallend.

Auf diesen Wiesen erfreut uns die einzige Krokusart unserer näheren Umgebung – es sind zahlreiche voll aufgeblühte Herbstzeitlosen! Die Bauern haben keine Freude damit, als Fotograf sind sie echt ein Hit in dieser schon recht blütenarmen Jahreszeit. Über den Sattel mit den Käferbäumen hinweg, erwartet uns aber noch eine größere und sogar (im Gegensatz zu den schwer giftigen Herbstzeitlosen) genießbare Überraschung – zuerst noch giftig und eigentlich ein Hinweis auf Herrenpilze (gibt es allerdings nicht), danach die “Schnitzelhüte” der Parasole, die wir abends noch verspeisen…

Anni meint immer wieder einmal – was sie fotografieren soll, wenn ich wie ein Wilder herumschieße!

Aber die beiden Parasolbilder zeigen ganz deutlich, wie gut es ist, nicht auf einen Fotoblick angewiesen zu sein (Anni hat sich sogar unter den Schirm geduckt).

Der Routenverlauf unter den Felsen des Schwarzenbergs und durch die (auf Lunzer Schichten, wo ein Pilzfinder vielfach “geschnitten” hat) feuchte Hangmulde hinauf zum Gscheid geht erst auf meine Begehungen für das letzte Voralpenbuch zurück. Dieses Stück zieht sich noch etwas, weil am Ende der Tour bergauf, aber immerhin durch die extreme Trockenheit nicht so gatschig wie sonst. Vorher gibt es nahe der putzigen Jagdhütte noch ein malerisches Herbstbild als Ausklang für diesen bergigen Wahltag!

Gemeint ist der Hochstadelberg zwischen dem Annaberger Lassingtal und Wastl am Wald.

Nicht gemeint sind der Idealblick auf den Ötscher und das Panorama bis zu den Hochalpen – sondern der “Minisee” (eigentlich eine kleine Lacke) zwischen dem Westgipfel mit dem Kreuz und dem Ostgipfel mit Rastbank und Gipfelbuch:

Doch zuerst der Reihe nach – am 20. September – Schwammerlkontrolle vergeblich… Daher, wenn schon an Ort und Stelle, gleich hinauf zu unserem kleinen Lieblingsgipfel (übrigens mein erster Tausender vor SIEBZIG Jahren, mit Karl Reitmayr und den Erlaufbodner Buben).

Am Parkplatz stehen schon mehrere Autos, alle Wanderer schon unterwegs zur Anna-Alm, für die der “Stadelberg” eigentlich nur ein Irrweg oder ein kleiner Abweicher ist. Die Wegstücke abseits der Forststraßen sind viel begangen und stark ausgetreten, nur der alte Steig über den Schlag hinauf (Abkürzung der Forststraßenschleife) beginnt schon immer mehr zuzuwachsen. Im oberen Wald, neben dem Steig zum Gipfelkamm wurde etwas gerodet, aber “keine Schwammerl angebaut” – weder auf den hier eingestreuten versauerten Heidelbeerböden noch auf den saftigen Moospolstern.

Im Gipfelbuch finden sich bei diesem schönen, fast spätsommerlichen (aber nur in der Sonne!) Wetter fast jeden Tag Eintragungen. Heute wäre der richtige Termin für ein Gipfelpicknick, doch haben wir überhaupt nichts dazu mitgenommen. Schade, so bleibt nur der Genuss der weithin klaren Aussicht… und der Weiterweg. Etwas hat sich geändert hier heroben, denn der Waldrand wurde gleich neben dem Kreuzgipfel ein Stück abgeholzt, und ebenso sind in der folgenden Gipfelmulde einige der Riesenfichten entfernt worden. Erstaunlich, dass die Mulde zum kleinen Teich hinab – für uns das “Wunder vom Stadelberg” – sogar abgemäht wurde. Die Wollkopf-Kratzdisteln sind daher dort frisch aufgewachsen noch gar nicht verblüht und außerdem meterhoch, wenn´s stimmt, deutet das wieder auf einen schneereichen Winter hin.

Dass auf dieser Höhe ein gar nicht so kleines Gewässer sich gebildet hat, wirkt wirklich erstaunlich, denn der gesamte Gipfel besteht ja aus Gutensteiner und Reiflinger Kalk. Allerdings haben diese Kalke einen wohl nur leichten tonigen Anteil, der bewirkt, dass sich beim Verwittern sogar ein lehmiger Boden bilden kann. Auf ähnlichen Gipfeln der Lilienfelder Alpen hat man sogar (unter Zuführung von Lehm) die typischen Tränklacken angelegt: In einer (mit den Boden verdichtenden Lehmschichten versehenen) Mulde wurden Rinder  so lang im Kreis getrieben, bis der Untergrund relativ wasserdicht war und das Regenwasser festhalten konnte (berichtete mir einmal ein Bauer aus Obermitterbach). Hier ist die nordseitige Senke zwischen den beiden Stadelberggipfeln anscheinend ein durch die Gesteinsschichtung begünstigter Quellhorizont, in dem kaum bemerkbare Quellen oder einfach das gipfelnahe Grundwasser hervortritt – paradoxerweise höher oben nahe dem Sattel die gar nicht so kleine Lacke bildend (trocknet anscheinend nie aus, obwohl eher seicht) und anschließend bergab eine sumpfige Rinne. Libellen schwirren da herum, außergewöhnliche Pflanzen konnten wir aber (noch!) nicht beobachten. Der Alpenrachen / Tozzia alpina wächst nämlich auch die Hänge hinauf und eher nicht im sumpfigen Gelände, die Orchideen halten sich  an den felsigen Gipfelhang. Ob im Winter oder wie heute an einem strahlenden Herbsttag – die Stimmung bei dieser Lacke hat immer etwas Besonderes, gerade zur Mittagszeit, wenn sich die noch hochstehende Sonne im grünlich oder schwärzlichdunkel schimmernden Wasser spiegelt.

Nachdem ich im heurigen Frühjahr das südliche Niederösterreich in Bezug auf Naturschätze durchgearbeitet habe, ist geradezu angeraten, besonders die drei Viertel im Norden und Osten wieder “aufzufrischen”. Denn seit den intensiven Touren dort, etwa für das NATURERLEBNIS NÖ ist es schon recht lange her. Für Mittwoch, 4. September, war mit dem ausgezeichneten Wetterbericht also schon eine solche Tour fällig. Sollte es das südliche Waldviertel sein, um die neuen E-Bikes wieder zu mobilisieren? Oder vielleicht doch etwas ganz anderes, so nach dem auf dem Fulseck gekosteten Vorgeschmack? Nun, wir entschieden uns für das zentralalpine Stück im Südosten, noch dazu, weil ich Bilder von dort erst mühsam für einen Beitrag in letzter Zeit zusammensuchen hatte müssen. Und außerdem gab es im neuen SCHAUFENSTER der Volkskultur gerade meinen Blumenartikel über das Heidekraut…

Erster Schritt bei der Abfahrt – Jause bei “Baldrian” (Bäckerei Elisabeth Käppl) gekauft, dann durch das endlose Triestingtal zur Südautobahn, wo es recht flott bis ins Aspanger Tal weiterging. Die Landschaft bei Feistritz und Kirchberg am Wechsel schon länger nicht gesehen – wirklich anmutig – Voralpen in den Zentralalpen… Durch den Molzbachgraben dann auf der schmalen Bergstraße hinauf zur Steyersberger Schwaig, Überraschung – großzügig als Langlaufzentrum für die Panoramaloipe eingerichtet und voll stark besucht. Eigentlich war die Zufahrt dann doch nicht so lang erschienen, wie sie tatsächlich ist (kein Wunder, dass wir lieber ins Waldviertel oder ins Mariazeller Land fahren als in die südöstliche Ecke des Landes).

Das Wetter ist wirklich voll passend, klarer Himmel und Fernsicht (wenn auch etwas dunstig), vom Morgen her kühl mit angenehmer Tageswärme und dazu ein leicht frischer Südostwind. Schwalbenwurzenzian blüht, am Wegrand die hübschen “G´sichterl” vom Augentrost. An der gut besuchten Kranichberger Schwaig vorbei ist bald das Dreiländereck erreicht, nun geht es auf dem alten Bergweg den Schöberlriegel hinauf, begleitet von den Fichten der oberen Waldzone, dazwischen vielfach Heidelbeerstauden und die niedrigen Zwergstrauchheiden von Gämsheide (Blüte leider im Frühsommer versäumt) und Krähenbeeren. Sogar einen einzelnen Herrenpilzwinzling entdeckt Anni am Wegrand.

Die Pfade über den Hochwechsel sind typisch für “Urwege”, die seit ältesten Zeiten über das sanfte Gebirge nach Süden führten – abseits des “Hartbergs” bei Mönichkirchen und dem seit dem Mittelalter geförderten Semmeringpass. Eigentlich wirken sie wie seichte Hohlwege, die sich durch ihren mit abgerundeten Steinen wie gepflasterten Grund von den daneben entlang ziehenden kargen Silikatrasen (Bürstling u.a.) und Zwergstrauchheiden abheben. Zuerst am Schöberlriegel entlang, dann auf dem breitflächigen Umschussriegel wandert man über ausgebleichte Wiesenböden und zwischen darin eingelagerten dunkelgrünen, sich schon allmählich ins Rötliche verfärbenden Heidelbeerbüschen. Über der weitläufigen Höhenlandschaft wölbt sich ein der Himmel in unglaublichem Blau, einzelne Haufenwölkchen wirken wie darin schwimmende Schiffchen, und am Horizont tauchen die Alpengipfel auf – Rax und Schneealpe, dann der Schneeberg, und im Süden erkennt man das Steirische Randgebirge mit Hochlantsch und Schöckel.

Hier an der Waldgrenze befindet sich die eigenartigste Landschaftsszenerie und Pflanzenwelt des zentralalpinen Wechselgebietes, wie man sie in den Nordalpen nur auf den Schieferbergen der Grauwackenzone (etwa Turnauer Alm) finden kann. Die nur mehr bescheidene Wuchshöhen erreichenden Fichten haben häufig einen sogenannten Teppichwuchs mit am Boden ausgebreiteten untersten Ästen, aus den Rasen- und Heideböden stechen immer wieder Gneisblöcke hervor, meistens eigenartig abgerundet ähnlich den Waldviertler Wackelsteinen. Kaum eine Mulde ist trocken, denn abseits des Kammrückens sickern immer wieder kleine Rinnsale aus dem blockigen Grund, bilden spärliche Bachläufe oder verrieselnde Quellen und durchsetzen den Wald- und Almboden mit sumpfigen Stellen. Jetzt im Herbst blüht natürlich kaum mehr etwas – außer dem Heidekraut (Calluna), daneben fruchtende Heidel- und Preiselbeeren, spärlicher Rauschbeeren, Krähenbeerenfrüchte waren keine zu sehen, dafür die Blattrosetten der Arnika. Wenn man den Nordhang in der flacheren Zone unter dem Hochwechsel hinüberquert zum Wiesenhang oberhalb der Marienseer Schwaig, wird ein besonders intensiv ausgeprägtes Areal dieser zentralalpinen Block-Heide-Feuchtmulden durchquert. Dort gibt es dann sogar seltene Arten von kleinwüchsigen Weideröschen, Felsgruppen, trockene Stellen mit Bärlapp und verschiedenen Flechten (Rentierflechte und Isländisches Moos). Gemeinsam mit Prof. Karl Oswald ist diese eigenartige Gipfelflur im “Naturerlebnis NÖ” (Residenzverlag 2000) dokumentiert.

Vom schon nahen Hochwechselgipfel mit dem Wetterkoglerhaus blinken die dort abgestellten Autos herunter, wir wollen aber lieber abseits des durch die Mautstraße vom Steirischen her vielbesuchten höchsten Punktes bleiben und lassen uns daher auf dem im letzten Bild gezeigten Platzerl nieder – eine angenehme Mittagsrast mit Blick über den weiten Wechselkamm gegen Osten. Für den Abstieg bietet sich später der am Dreiländerweg abzweigende Forstweg durch die Wechselgrube an – neuerdings als Gegenstück zur Panoramaloipe als WEXL TRAIL eine bezeichnete Mountainbikeroute, die ganz schön frequentiert ist und von Mönichkirchen bis zum Feistritzsattel zieht, sogar hier herauf zum Wetterkoglerhaus (allerdings ziemlich holprig). Die Böschungen sind hier durch die Heidekrautblüte ebenso attraktiv wie der Blick über das Marienseer Tal gegen den Kampstein und die Berghöfe von Innerneuwald und St. Peter am Wechsel.

Die Wanderung geht ganz gemütlich zu Ende, allerdings ohne die erhoffte Beute an Heidelbeeren und Pilzen, und endet nach der Talfahrt durch den Molzbachgraben in Kirchberg am Wechsel. Womöglich ist Mittwoch nachmittags großer Ruhetag in diesem sonst recht netten Ort, aber kein einziges Gasthaus ist geöffnet, weder die “Tausendjährige Linde” noch der “Grüne Baum” oder der “Stiegenwirt”. Auffallend am kleinen Marktplatz die alten Fassaden mit Spruchband von 1913, eher dem nationalistischen Pfarrer Kernstock zuzuschreiben….  also machen wir uns ungestärkt an die Heimfahrt, dichter Verkehr auf der Südautobahn, aber zum Glück kein Stau… Als wohl letzter Tag des heurigen sonnigen und trockenen Almsommers hätte diese Tour nicht passender sein können und frischt die Erinnerung an die Wandererlebnisse dort wieder auf!

« Neuere Artikel - Ältere Artikel »