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Bevor die ein halbes Jahrhundert alten Dias gänzlich unbrauchbar werden (ohnehin nur mehr für die Erinnerung taugend…), habe ich begonnen, meine Hochtouren von “Seinerzeit” einzuscannen. Diesmal geht es beim ersten Beitrag “Aus meinem Tourenbuch” um die Durchquerung der Hohen Tauern vom Rauriser Sonnblick bis zum Großvenediger in der Zeit von 11. bis 22. Juli 1962 mit meinem Studien- und Lehrerkollegen, Berg- und Kletterpartner (ich als Seilzweiter), sogar “Autorenzwilling” für etliche Bücher – WERNER TIPPELT.

Teil I Durch die Glockner-Gruppe

Da sind wir schon (links Werner) beim Amertaler Hof in Kolm-Saigurn, vor dem Aufstieg zum Zittelhaus auf dem Sonnblick. Der Wind weht frisch, und zeitweise regnet es leicht, ich habe aber den Regenschirm dabei (neben Seil, Steigeisen, Pickel, Schlafsack, und damals selbstverständlich viel Proviant).

Bei der Rojacherhütte lernen wir die legendäre Wirtin kennen (Sonnblickmirz oder so ähnlich wurde sie genannt), für uns wie eine resche und zugleich fürsorgliche Großmutter. Dann stapfen wir durch tiefen Schnee hinauf zum Zittelhaus. Die Nacht wird stürmisch, der nächste Tag dicht verwolkt und vernebelt. Trotzdem begehen wir den Grat über den Goldzechkopf und besteigen ohne jeden Ausblick den Hocharn, jetzt schon unser dritter Dreitausender. Erst beim Zirbensee kommen wir wieder “ans Licht”, hinaus beim Alten Pocher vorbei durch das Fleißtal. Genächtigt wird in einem Bauernhaus mit hübschen Töchtern, die sich aber für solche Bergvagabunden wie wir wohl bedankt hätten… Andertags Auffahrt mit Bus zur Franz-Josephs-Höhe und Nächtigung in der vor einigen Jahren abgetragenen Hofmannshütte.

Werner wäscht beim Alten Pocher seine Socken aus, patschnass sind sie - wie die Schuhe - ohnehin schon, und die Fußbekleidung wird an den nächsten 10 Tagen nie trocken werden...

Am nächsten Tag gibt es eine Überraschung, mein Vater besucht mit dem Oppeneiger Hans aus Altenmarkt im Pongau (wo er auf Familienurlaub ist) uns gerade vor dem Aufbruch zum Gr0ßglockner. Er hat wohl geahnt, was wir vorhaben… und wenn ich an unsere nächste Tour denke, vor allem unsere damalige Ausrüstung, wundert mich seine Sorge nicht im geringsten, ich wollte nicht in seiner damaligen “Haut” stecken!

Am Nachmittag steigen wir über die Pasterze hinweg und durch den Eisbruch ins Innere  Glocknerkar auf, um in der Biwakschachtel zu nächtigen. Das Wetter ist herrlich, und wir haben einerseits “Auftrieb” und anderseits “Schiss”, wollen wir doch die berühmte Pallavicinirinne durchsteigen.

Unsere Ausrüstung – oder was uns alles gefehlt hat: Steinschlaghelm, Eisbeil, Werner sogar die Zwölfzackersteigeisen, Eisschrauben. Was wir haben: normallangen Eispickel, 8 mm Kernmantelseil, zwei Eishaken zum Einschlagen mit dem Kletterhammer. Angeseilt nicht mit Klettergurt, sondern mit Seilschlinge (oder Reepschnurgurt).

Zunächst haben wir noch Glück (eigentlich hatten wir bis zum Gipfel unverschämtes Riesenglück…), denn in der gefürchteten Randkluft steckt ein dicker Schneewutzel. Oberhalb ziehen dann Firnrippen über die wie ein höchst steilgestelltes  Fußballfeld wirkende und sehr breite Rinne hinauf. Wie immer bei unseren Touren führt Werner als der erfahrenere und ungleich bessere Kletterer. Er ritzt anfangs  Trittleisten in den Firn, weiter oben folgt nur mehr Eis, in das er Stufen schlagen muss. Nach jeder Seillänge klopft er mühsam einen Eishaken hinein, den ich als Nachkommender dann wieder herauspickeln muss. Beides waren wohl die anstrengendsten Herausforderungen bei dieser Tour, eigentlich auf den Spuren des Erstdurchsteigers Markgraf Pallavicini, dessen Führer auch unendlich viele Stufen schlagen musste (unser Vorteil waren nur die allerdings gewöhnlichen Eishaken und das moderne Seil). Immer wieder rieseln Schneefahnen über die glatte Steilfläche herunter, auf der man sich – außer beim Hinunterschauen – wirklich wie ein auf dem Bauch sich aufwärts bewegendes winziges Menschlein vorkommt. Steinschlag gab es, obwohl als Hauptgefahr befürchtet, praktisch nicht, zumindest pfiffen nur hie und da kleine Steine an uns vorbei. Weiter oben überholte uns eine zeitgemäß ausgerüstete Seilschaft – Eisbeil, Handstichel, Eisschrauben… Wie müssen wir ihnen mit unserer Steinzeitausrüstung vorgekommen sein! Schon ziemlich weit oben entschließen wir uns, nicht direkt in die Glocknerscharte auszusteigen, sondern queren nach rechts zum Nordpfeiler des Großglockners. Die Passage dorthin geht aber unvermutet an unsere Grenzen, weil wir nicht mehr mit den Eishaken sichern können und außerdem das Gelände kombiniert von Eis und Fels als überaus steil sich herausstellt. Endlich erreichen wir durch eine Seitenrinne der Pallavicini den blockigen Nordgrat – wie eine Erlösung, wieder festen Boden zu fühlen. Trotzdem wird die Kletterei hinauf zum Gipfelkreuz, besonders nach den zurück liegenden Anstrengungen, noch ganz schön anstrengend, wenn auch nicht mehr so aufregend, und der Abstieg über Glocknerscharte und Kleinglockner kommt uns schon wie ein Spaziergang vor. Nach Nächtigung in der Adlersruhe langen wir am nächsten Tag dann wieder – wohlbehalten durch Legionen von Schutzengeln ! – bei der Hofmannshütte an.

Am nächsten Tag traf unser Studienkollege und Freund Wolfgang Wald ein. Er wollte auch mit uns auf den Glockner, und so kamen wir zu einer zweiten, etwas sanfteren Gipfeltour – den Meletzkygrat. Dieser zieht zwischen Hofmannskees (damals der relativ einfache Anstieg von der Pasterze zur Adlersruhe) und dem Hängegletscher des Äußeren Glocknerkars (so war es zumindest damals) hinauf zum Glocknerleitl am Normalweg über den Kleinglockner. Leider in dichtem Nebel, aber trotzdem eine anregende Tour. Allerdings löste sich beim weiteren Aufstieg die Verschraubung von Werners Steigeisen – wenn das in der Pallivicinirinne passiert wäre, nicht auszudenken! Also trat ich ihm meine ab, damit er gemeinsam mit “Bobby” (Studentenname unseres Freundes) zum Gipfel weitersteigen konnte. Und ich stand nun ohne Steigeisen hoch oben am Glocknerleitl, gerade unterhalb der damals noch nicht so sehr wie heute ausgeaperten Blöcke des Kleinglockner – plötzlich der Tiefe unter mir gewahr!!! Zum Glück war der Firn (aktuell spätnachmittags) schon etwas aufgeweicht, also fanden die Profilsohlen guten Tritt. Trotzdem sicherte ich mich selber durch den tief eingestoßenen Pickel, und beim Herausziehen griff ich tief in diese Löcher hinein…

Das Bild zeigt mich schon zwei Tage später, am Weiterweg zum Großvenediger, bei strahlendem Wetter. Dazwischen lag aber noch ein überdicker Nebeltag, ausgerechnet am Übergang von der Oberwalderhütte über die Ödwinkelscharte zur Rudolfshütte am Weißsee. Trotz Kompass bemerkten wir im einförmigen Gletscherboden, als es für einen Moment aufriss, dass wir geradewegs links am Johannesberg vorbeigegangen wären und damit jene Ödwinkelscharte erreicht hätten, die mit Felswänden in den Eiswinkel abbricht! Nach Neuorientierung Richtung Hohe Riffel hielt der Vorausgehende den Kompass ununterbrochen in der Hand, alles Eisenzeug dem Zweitgehenden überlassen, und so kamen wir sicher an unseren Übergang zum Weißsee. Allerdings im Vergleich zu heute über selbst noch Mitte Juli von dicken Firndecken überzogenen Gletscher ohne ein Spur von Spalten… Am letzten Bild dieses Beitrages (bald geht es mit dem St. Pöltner Weg zum Großvenediger weiter) stehe ich schon in Siegerpose, nicht ahnend wie es zu unserem noch fernen Ziel weitergehen würde!

Alle Bilder, wo ich zu sehen bin, selbstverständlich als Duplikat von Werners Dias!

Mein Freizeittipp “Unterwegs mit BB” in der Zeitschrift der Arbeiterkammer NÖ, treff Heft 5/2017, ist jetzt auch bei den Naturfreunden NÖ online! Leider bekommen nur alle Mitglieder der Arbeiterkammer NÖ diese Zeitschrift zugesandt (und hoffentlich bleibt aus dieser Sicht die für einen winzigen Geldbetrag bestehende “Pflichtmitgliedschaft”, für alle Unselbständigen eine womöglich rettende Versicherung bei Arbeitskonflikten, außerdem sponsern die Arbeiterkammern auch die wichtige Konsumenteninformation – wer und wie sollte das sonst alles finanziert werden?). Für alle Interessierte hier der Link:

GRENZENLOS IM THAYATAL

Wirklich eine nette Tour, vor allem mit dem Besuch der Altstadt von Znaim, im letzten bunten Laub der Wälder und Weingärten. Alle Beschreibungen samt Einkehrtipp auch in meinem GRENZENLOSEN Waldviertelführer!

Die BERGSTEIGERDÖRFER des Alpenvereins sind ja seit einigen Jahren ein Auszeichnung, die geeigneten und nicht von sich aus überregional prominenten Orten verliehen wird. Verbunden damit sind Werbung, diverse Unterstützungen und Öffentlichkeitsarbeit. Über Lunz am See hat sogar mein alter Freund und Bergkamerad bzw. zeitweiser Autorenpartner Werner Tippelt ein eigenes Buch verfasst.

AB Matsch im Obervinschgau mit Ortler

Bei unserem Südtirolurlaub wollten wir wieder das Bergdorf Matsch besuchen. Wir waren dort vor 15 Jahren schon den Waalen im Matscher Tal nachgegangen. Jetzt hat sich herausgestellt, dass gerade heuer Matsch zum ersten AV-Bergsteigerdorf Südtirols ernannt worden ist. Also hat sich die Fahrt dorthin besonders gelohnt, obwohl man von Lana auf der relativ stark befahrenen Straße Richtung Reschenpass bzw. Stilfserjoch eine gute Stunde braucht. Außerdem war das Wetter an diesem Österr. Nationalfeiertag einfach herrlich!

Vor Mals, schon in Sichtweite des interessanten Tartscher Bühels, zweigt rechts die gut ausgebaute Bergstraße hinauf ins Matscher Tal ab. Beim Talkreuz, oberhalb von Ruinen der alten Raubritterburgen in der Bachschlucht, zeigt sich der Ortler mit seiner Nordwand in grandioser Ansicht.

An der auf einem Hangvorsprung einzeln stehenden Kirche geht es leicht bergab in das dicht gedrängte Dorf hinein. Die Häuser sind am Steilhang fast übereinander gebaut, Altes und gut Erhaltenes steht neben Neubauten, in nicht ganz gutem Zustand gibt es nur wenige Gebäude. Wie selbst in den entlegensten Dorfsiedlungen (etwa Proveis im Deutschnonsberg, über das ich noch berichten werde) befindet sich auch hier eine Grundschule samt Bibliothek, Gasthäuser und Pensionen sind eher spärlich.

Erst weiter taleinwärts gibt es den Gasthof Glieshöfe, als Bergsteigerdorf verfügt der Ort über über etliche Tourenmarkierungen, die auf die steilen beiderseitigen Berghänge klimmen (Höhenunterschied etwa 1000 m). Im Talschluss ragt über dem Matscherferner die Weißkugel auf, wird meiner Vermutung aber von hier aus wohl seltener bestiegen, da der Gipfelweg vom Schnalstaler Hochjoch aus (Bellavista / Schöne Aussicht Hütte) oder von der Weißkugelhütte im Langtauferer Tal bevorzugt wird. Meine alte Karte vermerkt zwar eine Schutzhütte unter der Höllerhütte, aber dazu ist mir nichts Näheres aufgefallen. Bequeme Wege gibt es nur im Talgrund, für die Herbstzeit an der Schattseite nicht angenehm, und die Wanderung von den Glieshöfen taleinwärts müssen wir uns erst anschauen. Aber wir wollen ohnehin den Waalweg aufsuchen, den wir 2002 als “Wiesenwaal” kennengelernt haben.

AB Am ehemaligen, seit einigen Jahren verrohrten "Unteren Wiesenwaal", nun ein Feldfahrweg

Links der Fahrweg am ehemaligen Unteren und rechts am Bildrand der Obere Wiesenwaal, nun Ackerwaal genannt

Am Ortsende, bald nach dem schmalen Durchschlupf zwischen der oberen Dorfstraße und der Richtung der Florianikirche abzweigenden Gasse, gibt es eine Busstation und danach einen Parkplatz. Hier rauscht ein Bach den Hang herab, der nur vom Waal kommen kann, und diesen entlang steigen wir steil bis zum querenden Fahrweg auf. Aus unserer Erinnerung heraus, muss hier der untere Waal verlaufen sein, und so klimmen wir noch eine Etage höher hinauf – bei unserer Tour vor 15 Jahren haben wir übrigens hier im August Riesenboviste gefunden, die uns und unsere Nauderser Quartiergeber reichlich mit “Pilzschnitzel” versorgt haben!

Nun stehen wir tatsächlich am Gerinne des Oberen Wiesenwaals, der Waalweg ist daneben relativ breit ausgebaut, und es gibt einen über dem Wasser aufgestellten klobigen Rastplatz auf dem nunmehrigen “Ackerwaal”.

Das Wandern auf dem Waalweg ist – wie meist auf solchen Routen – überaus angenehm, fast eben (die Neigung merkt man nur an dem daneben fließenden Wasser) und mit Blick hinein ins herbstlich gestimmte Tal, im Rücken die Gletscher und Felsspitzen der Ortlergruppe.

AB Unter herbstlichen Lärchen und Idealblick auf Matsch mit dem Ortler

So wandern wir gemütlich dahin, einmal an einer Rutschungsstelle oberhalb vorbei, bis wir uns der Talstraße nähern, wo die beiden Waale ihren gemeinsamen Ausgangspunkt durch die Ableitung von Matscherbach haben dürften. So genau ist das wegen der Verrohrung des unteren Waals nicht feststellbar, jedenfalls nehmen wir unseren Wendepunkt bei den nächsten steil am Hang gebauten Gehöften.

An dieser “Ausleitung” (den Fachbegriff dafür gibt es sicher, aber dazu müsste ich in Hans Paul Menara´s Buch über die Waalwege nachschlagen, nächstesmal wieder Pflichtlektüre!) fließt der obere offene Waal scheinbar bergauf, während links hinunter das Wasser zum unteren verrohrten Waal hinabschießt. Wasser gibt es selbst jetzt im trockenen Herbst ja genug, es kommt von den Gletscherbächen, während die Berghänge der Sonnseite verdorrt erscheinen, zumindest oberhalb des Waallaufes. Übrigens werden alle meist unterhalb davon gelegenen Wiesen, egal wie steil, ebenso wie die paar Äcker üppig mit Mist versorgt!

AB Letzte Blüten am Rand des Waalweges, eine interessante Trockenpflanze ist hier der Sanddorn, und schon rückt Matsch wieder näher

Beim Rastplatz über dem Wasser halten wir endlich die Mittagsjausenpause, die warme Sonne im Gesicht und den Ortler vor Augen, unvergesslich! Danach kommen uns zwei junge Frauen entgegen, die ich gleich mit meinen Fragen überfalle, etwa über den verrohrten unteren Waal, wie es im Ort so geht, was halt interessant ist – über unsere Waaltour vor 15 Jahren scheinen sie zu staunen, wahrscheinlich waren sie damals noch im Kindergarten… Einen solchen gibt es auch in den Bergdörfern, wie wir uns überhaupt mehrfach über die relativ gute Infrastruktur wundern, die Autonomieregion Bozen kümmert sich offensichtlich sehr darum, und vielfach sieht man selbstverständlich die ausgewiesenen EU-Projekte.

Aussicht von unserem Rastplatz und Begegnung in der Viehweide, wo der Waal dann zuletzt im Erdboden verschwindet und erst neben dem Parkplatz wieder frei herabrauscht. Dazwischen gehen wir einen alten Weg mit Steinmauern und urigen Zäunen entlang ins Dorf hinab. Bei den dicht gedrängten Häusern vorbei, kommen wir in eine “Zwischenwelt” aus alter und neuerer Zeit, in einer ans Haus gebauten Kapelle steht anscheinend der Wegpatron H. Wenzel, und mehrfach gibt es alte Wegkreuze mit bemerkenswert geschnitztem Christus. Gut vorstellbar, dass man in diesem Gebirge früher und wohl auch noch heute sehr auf die “gütigen Mächte” vertrauen muss. Trotz aller Technik und Erschließung lebt es sich sicher nicht leicht hier heroben… Wenn ich die Steilhänge hinauf zu den schützenden, jetzt golden leuchtenden Lärchenwäldern und den rötlich gefärbten Zwergstrauchheiden unter den felsigen Gipfeln anschaue, möchte ich mir nicht vorstellen, was hier in schneereichen Wintern los sein könnte…

So klingt unsere Waalwanderung in der “dörflichen Idylle” aus, aber nur für uns, den die Bewohner von Matsch haben hier statt Idylle sicher nur ein schweres, aber noch immer lohnendes Leben, in das sie tief verwurzelt sein müssen. Zumindest lässt sich das im Bergsteigerdorf Matsch ahnen… und wünschen!

Der Frühnebel am Sonntag, 5. November, hat uns gleich aus dem Tal auf die Höhen getrieben. Und wo kommt man schnell zu einer Berghöhe, ohne weit zu fahren und sich nicht ins Gedränge der übrigen Wanderer zu pferchen? Für uns ein schon mehrfach und mit Erfolg ausgesuchtes Ziel ist der Himmel bei Lehenrotte.

Egal ob zur Zeit der Frühlingsblumen oder bei der Orchideenblüte (Anfang Mai) oder bei erstem Schnee und Raureif, diese kleine Wanderung ist immer ein Treffer, besonders an einem so milden und klaren Herbsttag. Von der Mariazellerstraße wird in Lehenrotte abgezweigt, aber nicht links in die Ortschaft und nicht gleich rechts auf der ersten Seitengasse (dort führt der Wanderweg hinauf), sondern erst bei der rechten Abzweigung kurz danach. Die Bergstraße bis zum schon längere Zeit  geschlossenen Erholungsheim der NÖ Gebietskrankenkasse ist asphaltiert und gut ausgebaut, und es finden sich keine Verkehrsbeschränkungen (außer 30 kmh). Oben gibt es einen geräumigen, meist nur wenig besetzten Parkplatz (nur bei der Bergmesse im Sommer stark besucht). Dass diese großzügige und seinerzeit modern ausgebaute Anlage nicht mehr benützt  und dabei immer mehr dem Altern überlassen wird, verwundert schon einigermaßen. Allerdings soll sie jetzt zum Verkauf ausgeschrieben sein, Wunschpreis 1,8 Mill. Euro, Grundstücksgröße “nur” 50 Hektar (daher keine Eigenjagd), wer das prachtvoll gelegene Haus wieder in Betrieb nehmen will, wird doppelt so viel auslegen müssen, was ziemlich viele Käufer abschrecken wird…

AB Ein goldener Herbsttag!

Man geht oberhalb vom Parkplatzrechts, den seichten Graben querend, zu einer Viehweide und stößt dort auf die von Lehenrotte heraufkommende blaue Markierung. Der folgende Fichtenwald befindet sich, wie die Almmulde oben, in Werfener und Gosauschichten (früher wurde in Lehenrotte Gips abgebaut) und wäre zur passenden (früheren) Jahreszeit sicher ein Schwammerlrevier. Bei einer riesigen mehrstämmigen Linde gelangt man zum Güterweg mit Einmündung von der Jausenstation Teufel und folgt der Forststraße rechts weiter. Eine Kehre wird auf Steig abgekürzt, und danach wartete diesmal ein  Hindernis – eine Holzseilbahn für den unterhalb “aufgemachten” Schlag. Knapp müssen wir uns die Böschung entlang daran vorbei zwängen, dann geht es bei einer üppig fließenden Wasserfassung vorbei gemütlich bis zum Almhaus.

AB Almgasthaus, früher "Himmelalm" oder auch Kernstock-Haus genannt, und das Almmarterl mit Marienfigur.

Der Almhalter, Prof. Bernhard Hahnak, ist jetzt nicht mehr oben, leider, denn voriges Jahr haben wir einmal seine kärntnerischen Spezialitäten sehr genossen. Im kleinen Hochbeet stehen allerdings noch dicht die Küchenkräuter, sonst ist Betriebspause bis zum nächsten Juni.

Den kurzen Wiesenweg bis zum Gipfelkreuz dürfen wir gerade bei solch herrlichem Wetter nicht versäumen. Mit jedem Schritt weitet sich die Aussicht, nach den näheren Bergen wie Türnitzer Höger und Göller sieht man auch schon die Gemeindealpe, bald auch das Felsenhaupt des Ötschers, schließlich gerade noch Tonion, Hochschwab, Kräuterin mit Hochstadel und Fadenkamp und neben dem Ötscher den Gipfelscheitel des Dürrensteins. Ganz interessant ist der rechte Bergrand mit seinem Felsrand, dort will gerade noch ein Waldsteppen-Windröschen blühen, und vom vielen Thymian und Oregano strömen geradezu mediterrane Düfte im linden Wind herauf.

Hinter dem Gipfelkreuz mit seinen klobigen Baumstammsitzen prangt ein Laubbaum noch voll in goldenem Laub, es scheint ungewöhnlicherweise ein Elsbeerbaum zu sein, bei genauem Hinschauen haben aber die vom Sturm zerflederten Ahornblätter eine edlere Baumart vorgetäuscht. Der nächste Tausendergipfel ist der Hohenstein, durch eine schöne Kammwanderung mit dem Himmel und ebenso mit dem Eisenstein verbunden (die Gräben sind allesamt enttäuschend, außer dem Weg durch die Raxenbachrotte von Türnitz, alle beschrieben in meinem vorjährigen “Wandererlebnis Voralpen” / Kral-Verlag). Allerdings trägt der Hohenstein fast keinen Hochwald mehr, so ausgedehnt sind die Holzschläge an seinen Flanken. Der auffallendste Bergriese, schon im Winterkleid, ist natürlich der Schneeberg.

Zurück beim Almhaus, treffen wir erst auf mehr Wanderer. Noch ein Blick zum Göller, dann geht es auf der Forststraße und dem geradeaus anschließenden asphaltierten Güterweg zurück zum Parkplatz beim Heim – insgesamt ein netter Bergspaziergang, gerade zu dieser späten Jahreszeit am schönsten in der Mittagssonne.

Heute ein milder Herbsttag und Besuch aus Maria Lanzendorf, ausgerüstet mit Rädern! Also auf zur Mountainbikestrecke “Donaublick” über die Kukubauerhütte!

Zufahrtsmöglichkeit von St. Veit an der Gölsen durch den Kerschenbach und auf dem Güterweg Tisch, vorbei am heute geschlossenen Berggasthof “Schussluck´n” bis zum Hof Kleinsattler. Von hier auf dem Güterweg über Großsattler zur Kukubauerhütte.

Fast wäre ich versucht gewesen, telefonisch einen Tisch zu reservieren. Aber – welche Schande – gerade in meinen Spezialführern über dieses Gebiet (Wandern im Wiesenwienerwald, Großes Wandererlebnis NÖ) habe ich die Telefonnummer der Kukubauerhütte nicht drinnen (Schöpfl, Gföhlberg u.a. selbstverständlich schon). Es war aber auch kein Problem, denn um ca. 14 Uhr war kein Mittagsgedränge mehr. Und trotzdem die Handynummer vom “Hüttenwirt Karl” hier: 0664/4222041. Die Kukubauerhütte ist eigentlich keine Schutzhütte, trotz ihrer Lage unter dem Gipfel der Kukubauerhöhe, sondern ein privates Berggasthaus, wo man ein gemütliches Ambiente vorfindet und bodenständig essen kann, geöffnet im Winter von Freitag bis Sonntag – bei Schönwetter… also doch besser im Zweifelsfall anrufen!

Für unsere beiden Mountainbiker Bernie und Clemens, wir anderen als Fußwanderer unterwegs, war die Auffahrts- bzw. Aufstiegsstrecke natürlich zu wenig anspruchsvoll. Daher setzten wir die kleine Tour am Gipfelrundweg fort – Richtung Stockerhütte bis zur Wegkapelle vor dem Windkreuz, dort links rot markiert auf ebenso schöner Strecke weiter zum Sattler.

Inzwischen wurde es schön langsam dämmerig, dafür zeigte der Himmel gegen den Ötscher zu (in Bildmitte links vom pyramidalen Hohenstein) immer prachtvollere Stimmungen – wie es eben der Jahreszeit entspricht, wo man zwar am schönsten um die Mittagszeit unterwegs ist, aber leicht auch in die Zeit vor dem Sonnenuntergang kommen kann…

Ein ganz netter spätherbstlicher Nachmittag, wo wir nicht weit fahren mussten (außer Astrid und Andreas mit Veronika und den beiden Mountainbikern) und trotzdem in einer besonders stimmungsvollen Landschaft unterwegs sein konnten – eben in meinem WIESENWIENERWALD !

Den Ötscher erkennt man zuerst rechts vom Hohenstein, näher dem Sattler dann links davon!

Zwei wunderbare Herbstwochen in Südtirol – mit Standquartier bei Familie Pircher im Hofmannhof zu Lana (superbe Ferienwohnung) – habe ich schon kurz im Blog “angerissen”. Nun wieder zuhause, folgen einzelne besonders schöne Urlaubstage, allerdings in verkehrter Reihenfolge. Los geht es daher mit dem letzten Tag (Samstag, 28. Oktober):

Obwohl das Wetter auch für eine Wanderung ideal wäre, geht es “unter Dach” – Südtirolflora exotisch in der Orchideenwelt Raffeiner. Zufahrt einfach über die MEBO (Schnellstraße Meran – Bozen) bis Gargazon  und dann hinein ins Treibhausklima dieser äußerst großzügigen Anlage.

Was die Gärten von Schloss Trauttmansdorff im Freigelände bieten – ein großartiges Blüten- und Floraerlebnis – ist beim Raffeiner unter Dach versammelt. Empfangen werden wir allerdings mit pyramidal präsentierten Kürbissen, dem Thema im Oktober. Dann geht es in die 6000 Quadratmeter große Orchideenwelt mit ihren 500 Arten! Natürlich blühen nicht alle zugleich, aber irgendein Highlight ist immer reichlich vorhanden. Zunächst ist es aber die Papageienfütterung:

Eindrucksvoll zeigt sich vor allem der natürliche, hier geschickt nachgebaute Lebensraum und Standort der tropischen Orchideen – frei hängende oder an Äste geklammerte Wurzelsysteme, immergrüne Blätter und daraus hervorwachsende Blütenrispen in unglaublichen Formen und Farben (alle sind selbstverständlich mit Namen und Herkunft beschriftet, aber jedenfalls unaufdringlich, wichtig beim Fotografieren!).

Ein Blick in die riesigen Hallen vermittelt die mit der Aufzucht der Orchideen verbundene Arbeit, wobei aus den Samen, die keine Nährstoffe enthalten und daher auf ein Zusammenwirken mit Pilzen angewiesen sind, die zuerst winzigen Pflänzchen entstehen. Nach fünf Jahren ist es dann so weit, dass wieder eine blühende Orchidee zustande gekommen ist.

Diese bis fußballgroßen Gebilde hängen hoch oben unter den gläsernen Kuppeln, Luftwurzeln und üppig wucherndes Grün versetzen den Besucher in tropische Dschungel! Manchmal und als Ersatz für nicht blühende Pflanzen bilden die vielfältig geformten und gefärbten Blätter den überraschenden  Haupteindruck.

Andersartige Pflanzen und Dekorationsfiguren wechseln immer wieder, dazu kommt noch fließenden, sich spiegelndes und mit prächtigen Fischen belebtes, zusätzlich von oben tropfendes Wasser.

Man kann hier durchgehen und staunen, fotografieren selbstverständlich, aber auch sich ruhig hinsetzen und in die Orchideenwelt hinein-meditieren… Dass für das leibliche Wohl bestens gesorgt ist und günstige Kaufangebote für die nun schon sehr animierten Orchideeliebhaber warten, erscheint gar nicht mehr erwähnenswert….

Für uns ist der Tag danach noch lange nicht zu Ende, denn spätestens nach einer gemütlichen Mittagszeit in der Wohnung zieht es uns wieder hinaus zu “Landschaft & Natur”. Ein fast mystisches Ziel haben wir bei jedem Blick von der überdachten Terrasse (bei der angenehmen Nachmittagssonne selbst im Oktober noch ein Traum) vor Augen. Es ist die hoch auf einem Bergkegel stehende, das Tal weithin überblickende Kirchlein St. Hippolyth bei Tesens / Naraun. Dorthin fahren wir am späten Nachmittag über die Gampenpass-Straße bis zu einem Parkplatz gleich nach den Straßentunnels und wandern den schon bekannten Weg hinauf. Zuerst gehen wir noch in dem sich bereits ausbreitenden Schatten des Gampenzuges, aber dann folgen die Schritte hinaus ins Sonnenlicht…

Die romanisch-frühgotische Bergkirche steht sicherlich an einem alten Kultplatz, dessen einmaliger und mystischer Charakter noch immer zu spüren ist, obwohl unterhalb eine Hochspannungsleitung vorbei führt und sich ein leider seit einigen Jahren geschlossenes und wohl bald ruinöses Gasthaus unter die Gipfelfelsen duckt. Packend ist nicht nur der Ausblick, sondern auch der Standort des Kircherls St. Hippolyth auf den von den Gletschern der Eiszeit rundbucklig geschliffenen Porphyrfelsen (Bozener Quarzporphyr, ein vulkanisches Gestein aus der Wende vom Erdaltertum zum Erdmittelalter vor mehr als 300 Millionen Jahren).

Der Talkessel von Lana und Meran im ebenen Etschgrund vor dem Anstieg ins Passeiertal. Die Sonne scheint gerade noch auf die Pfarrkirche Niederlana (bekannt durch ihren großartigen gotischen Schnitzaltar) und auf die Türme einer der vielen Burgen rund um den Talkessel.

Einen schöneren Abschied von dieser herrlichen Gegend könnte es kaum geben, denn am nächsten Tag werden wir schon heimwärts unterwegs sein – wegen des mit einer polaren Kaltfront verbundenen Orkans sogar über die Südroute zurück nach Niederösterreich: Brixen – Pustertal – Lienz – Spittal an der Drau – Villach – Klagenfurt (oberhalb von Wörthersee bei plus 22 Grad) – Lavanttal – Obdacher Sattel – Knittelfeld – Mur- und Mürztal – Semmering (wegen des durch umgestürzte Bäume versperrten Lahnsattels). Um zwei Stunden länger als bei der Anreise über Salzburg und Innsbruck, aber nur 60 km mehr, durchwegs im Sonnenschein die nördlichen Wolkenmassen mit ihren Regenbögen entlang, dazu bei Innichen die Zacken der Dolomiten!

Weil wir so viel fotografiert haben (meine Festplatte wird rasant zu klein beim Abspeichern), gibt es noch eine Mange zu berichten…

Der romantische Montiggler See bei Kaltern

Am Hochplateau von Hafling, bei Flaas, mit Ausblick auf Langkofelgruppe und Schlern

Tramin an der Südtiroler Weinstraße

Waalweg bei Matsch, der ersten Bergsteigerdorf des Alpenvereins in Südtirol

Samstag, 28. November, statt herbstlicher Alpenflora in der Orchideenwelt Raffeiner bei Bozen

Am letzen Abend zur Hippolythkirche bei Tisens / Naraun

Weißbrunn/Fischersee im Ultental

Botanische Gärten Sschloss Trauttmansdorff bei Meran

Wallfahrtskirche St. Romedius bei Sanzeni im Val Non

Proveis im Deutschnonsberg

Tschermser Waalweg

Schloss Juval

Jaufenpass

KÄSTNRIGGL in Völlan

Herbstliche Wanderung durch den östlichen Dunkelsteinerwald – wohl für längere Zeit die letzte Wachautour (zumindest bis zur Marillenblüte 2018)…

Am Mittwoch, 4. Oktober, zur schon bekannten Route gegenüber dem Stift Göttweig, nur diesmal in Gegenrichtung. Zufahrt bis Paudorf, dort Richtung Kleinwien (Landgasthof Schickh) und den Wegweisern Parkplatz “Mammutbäume” nach (oder vom Bahnhof über die Untere Zellerstraße – Hinweis auf den Wallfahrerweg nach Mariazell). Hinter dem “Urlaubsmarterl” schaut gerade noch das Stift Göttweig herunter, dann geht es hinein in den Bruckgraben.

Nach diesen komischen Wegweisern soll man sich orientieren! Jedenfalls steht bei der ersten Verzweigung des Bruckgrabenweges eine Infotafel für den Waldlehrpfad, dann ist aber “aus mit Lustig”, zumindest was die Markierungen betrifft. Ich halte mich jedenfalls dort an die links abzweigende Forststraße und gleich danach geradeaus (links wäre richtiger gewesen). Alle Eintragungen in der ÖK sind hier veraltet, denn von meinem in zwei Kehren höher führenden Forstweg sind keinerlei Abzweigungen eines sogar markierten Steiges zu bemerken. Auf dem Eichbergplateau angekommen (also wo es flach wird) links eine Hinweisschild, und kurz darauf stehe ich beim Pavillon – geeigneter Platz für Exkursionen und Führungsvortrag! Aber die gesamte Anlage ist schon lange nicht gewartet worden und dürfte halt allmählich dem Verfall entgegendämmern…

Auf jeden Fall bin ich bei den Mammutbäumen angekommen! Der Standort ist umzäunt und mit Rastplätzen ausgestattet. Aber hier will man ja mehr über diese seltene Baumart erfahren (Infotafeln belehren eher über das Verhalten im Wald…).

In der “Exkursionsflora” ist (ohne Standortangabe) vermerkt – Riesenmammutbaum: Echter oder Berg-M., Wellingtonie, Gebirgs-Rotholz, Bigtree / Sequoiadendron giganteum, Höhe 20 – 92 (135) m, größtes Lebewesen der Erde, Höchstalter 3200 Jahre, Heimat westliches Nordamerika.

Im Wikipedia habe ich noch gefunden: Die schwammige Rinde schützt bei den in der Urheimat öfters auftretenden Waldbränden das Holz vor dem Verbrennen, die Zapfen bleiben an den Zweigen, fallen erst nach Waldbrand ab und treiben erst  in dem von Konkurrenzpflanzen vorübergehend befreiten und durch Asche gedüngten Boden aus. Das größte Exemplar im amerikanischen Sequoia-Nationalpark (nach dem General Shermann benannt) soll in Brusthöhe einen Durchmesser von 8 m aufweisen! Da sind ja die Paudorfer Mammutbäume Babies dagegen!

Auf einer heideartigen Fläche sind etliche exotische Bäume später angepflanzt worden – hier im Hintergrund des Mammutriesen Kalabrische Schwarzkiefern. Leider sind die hölzernen Beschriftungstafeln schon teilweise so arg verwittert, dass man kaum etwas entziffern kann.

Schlangenfichte (wegen der schlangenartig gebogenen Äste)

Japanische Sicheltanne

1880 gepflanzt, sind die größten Mammutbäume gerade 137 Jahre alt, wie lange sie in unserem Klima noch weiter gedeihen werden, erscheint fraglich (wie der rechte “Steher” erkennen lässt). Auf jeden Fall ein kurioses Naturdenkmal “aus zweiter Hand”. Kurios ist für mich auch die unvermittelt auftauchende weiß-gelbe Markierung, die mir auch ein Stück den Weiterweg weist, aber dann nirgends mehr auftaucht!

Dieser schön begrünte Waldweg ist ein Genuss, aber bei der nächsten Kreuzung nützen mir sogar zwei Karten (ÖK und Wanderkarte Wachau) nichts, denn offensichtlich falsch abgezweigt würde ich im Kreis zurück zu den Mammutbäumen kommen. Also wieder ein Stück zurück zum P. 385 m der ÖK und diesmal auf dem wenig auffallenden, vielleicht in der ÖK gar nicht mehr eingezeichneten begrünten Waldweg weiter… belohnt werde ich am Ende dieser Strecke durch zwei große, aber noch kernige Herrenpilze (sonst zwar viele Schwammerl, aber keine “Pilze”).  Die nächste Verzweigung befindet sich westlich vom P. 385 m, und hier wähle ich zum Glück den (natürlich unbezeichneten, in der Wachau-Tourismuskarte mit F 2 angegebenen) strichpunktierten Weg scharf rechts ab nach Nordosten, ebenfalls eine Forststraße, aber nicht asphaltiert wie die aus dem Bruckgraben heraufkommende. Diese Route führt um den Waldhügel “Sandplatz” herum, kurz taucht das Stift Göttweig auf, dann geht es aber nach der ÖK eindeutig weiter zum P. 378 m. Da heißt es aufpassen, nicht rechts in den Heugraben hinab und auch nicht links weiter, sondern schräg links voraus führt die nun breite Forststraße im Bogen zur Sattelmulde “Schwarze Lacke” (von dieser ist nichts zu bemerken). Kurz davor ist in dem etwas lockereren Wald ein schöner Standort von Roteichen, am bemerkenswertesten auf der ganzen eher einförmigen Waldpartie (außer den auf Granulitboden schön ausgebildeten Föhrenbestände)!

Markierungstaferl in den Gegenrichtung weisen vereinzelt zu den Mammutbäumen, in meiner Gehrichtung zum Waxenberg, dem zweiten Hauptziel. Dort geht es auf einem Karrenweg bergan, und weil der Wald mehrfach abgeholzt ist, ergeben sich auch schöne Ausblicke.

Stein Und Krems

Kurz vor dem Gipfel gäbe es ein schönes Alpenpanorama, trotz dem dunstigen Fernblick sind der Unterberg und die Reisalpengruppe erkennbar, den Schneeberg muss ich erst digital im Bild “freimachen”, und am Seitenweg zum Südkamm schaut sogar noch ein Scherzerl vom Ötscher über die Waldhöhen.

Knapp unterhalb des Gipfels ist mir seinerzeit eine Art Wallform aufgefallen, die nur an der ganz steilen Göttweiger Seite unterbrochen ist, ein Hinweis auf einen historischen Wach- oder Stützpunkt, vielleicht sogar aus der Zeit als das Stift Göttweig noch gar nicht vorhanden war? Nun scheint der Schlaghang zur Rechten aber wohl von einem frisch ausgeschobenen Ziehweg durchquert. Kurz danach stehe ich jedoch schon beim Gipfelkreuz und habe das Stift Göttweig in Idealbeleuchtung vor mir!

Kurios ist die Parkbank auf dem Aussichtsplatzerl, und dann gibt es noch vor dem Gipfel einen echten “Steinmann” – mit Hut, Zigarre und Schal! Da vorbei bin ich aber schon wieder auf dem Abstieg, von den Gipfelblicken hinein in die dichten Wälder, die mich an diesem Tag 3 1/2 Stunden begleitet haben.

Nach dem weiteren Forststraßenmarsch, wo immer wieder auf die richtige Abzweigung geachtet werden muss, taucht endlich wieder hoch durch die Wipfel zu erblickend das Stift auf. Dazwischen kann ich mich nur wundern – am Rand der Forststraße ein Gartentisch mit Bank des Fremdenverkehrs- und Verschönerungsvereines Furth – mehr Ambitionen beim Markieren wäre besser gewesen als dieser dorthin gekarrte fast absurde Rastplatz…

Am Schluss der “Forsttour” folgt am Talrand des Fladnitzgrabens, gegenüber dem bekannten Landgasthof Schickh (Mittwoch und Donnertag geschlossen) die bemerkenswerte Kirche von Kleinwien, eine Infotafel gibt Auskunft dazu. Um die Straße zum Ausgangspunkt zu vermeiden, muss ich allerdings noch einen kleinen Irrweg auf mich nehmen. Hinter dem Weingut Dockner vorbei stehe ich an, ein freundlicher Arbeiter macht mich auf einen verwachsenen Weg aufmerksam, der mich zum neben der Kirche angelegten Friedhof hinaufbringt – gleich bei St. Blasien vorbei wäre es also richtig gewesen und einfacher….

So komme ich dann auf einem Waldweg zur Unteren Zellerstraße, die sich als Sackgasse entpuppt. Beim “Urlaubskreuz”, einem hohen Bildstock mit Relief und Figuren in den Nischen, endet dann diese Tour. War ganz nett und erholsam nach einem aufregenden Morgen, aber mehr als zweimal muss ich sie nicht gehen…. Der Dunkelsteinerwald ist wirklich nur dort interessant, wo er in der unmittelbaren Wachau zur Donau abfällt – hab´s eh schon gewusst!

Jetzt bin ich schon so lange und so oft in der Wachau unterwegs gewesen, ob bei Wanderungen oder Ausflügen, aber irgendein Stückerl fehlt halt doch noch immer. Aber am Samstag, 30. September, einem noch dazu vorhergesagten Schönwettertag, war es so weit – auf nach Mühldorf bei Spitz und was sich sonst noch ausgeht…

Erstes Ziel - Burg bzw. Schloss Oberranna

Aber zuvor noch in das Brotmuseum!

Gegenüber dem Gasthaus “Weißes Rössl” geht es über den Florianisteig zum Burgsteig und bald diesen hübschen Wanderweg entlang zum Weißen Kreuz. Zuerst gibt es noch etwas Ausblick gegen den Jauerling, dann folgen schon recht bunte üppige Marillengärten.

Bei der Burg Oberranna, eher einem Schloss, finden wir keinen Einlass – wie schon im Internet angekündigt sind die Besitzer auf Auszeit. Obwohl die Außenansicht auch beeindruckend ist, bleibt das eigentliche Wunschziel unerfüllt. Der kunsthistorische Höhepunkt hier, fast einmalig in Österreich, ist nämlich die Schlosskapelle mit ihrer romanischen Krypta (nur auf Infotafel zu sehen).

Also machen wir uns an den Weiterweg, beim stattlichen Meierhof und einigen schon leeren Nussbäumen vorbei zu der schon von weither sichtbaren Pfarrkirche in Mitterranna. Ausgerechnet im Friedhof, aber an der windgeschützten und sonnigen Kirchenmauer, gibt es dann die Mittagsrast…

Nach der Ortsstraße folgt dann bei der Marienkapelle der Abstieg über eine Steinstiege in den Graben, offensichtlich ist das ein alter Kirchenweg von Mühldorf herauf, und dorthin gelangen wir auf der Seitengasse im Ledertal.

Damit ist Mühldorf sozusagen “erledigt”, und noch dazu haben wir hier eine “Kleine Welterbe-Runde” entlang der Markierungen nachgehen können. Nun talauswärts, aus dem freundlichen Kessel in die vielfach gewundene Enge des Spitzergrabens – teilweise schöne alte Häuser, Weingüter nacheinander und steile Riedenterrassen. Hinauf über Radlbach zur Quitten (der aussichtsreiche Terrassenweingarten Nothnagel hat leider geschlossen) und auf der schmalen Straße am Friedhof vorbei hinunter nach Spitz. Nächstes Ziel ist der Weinweg zum Roten Tor und der Aussichtsplatz in den Rieden oberhalb vom Schloss Spitz.

Die Weintrauben hängen ideal in den wertvollen Rieden von Singerriedel und Axpoint, aber das Gegenlicht lässt sich für die Fotos mit der Pfarrkirche nur digital einigermaßen überlisten, ebenso beim Roten Tor, wo man froh sein muss, wenn nicht andere Besucher durchs Bild laufen…

Am Weinweg oberhalb von Spitz sind die Lichtverhältnisse dagegen ideal, vor allem über Spitz hinweg auf Hofarnsdorf, und mit Glück schwimmt gerade auf der Donau eines der riesigen Kreuzfahrtschiffe daher.

Anni war schnell genug! Die Aussicht stromaufwärts über Ruine Hinterhaus und die Rote Wand hinweg bedarf jedoch schon wieder einiger Fototricks!

Weiterfahrt nach Schwallenbach, wo das auf Plakaten angekündigte Höfefest stattfinden soll. Also passend für die Nachmittagseinkehr, und endlich kommen wir zu einem Wachauer Fest zurecht. Schwallenbach kennen wir nur von einer langen Wanderung von Spitz her, wo wir dann per Autostop zurückgefahren sind – heute kein Problem, denn in dichtem Takt verkehren nun  die Autobusse!

Schwallenbach ist wirklich eine Überraschung, auch wegen der Kirche, aber noch mehr durch einige wirklich imposante historische Gebäude und die idyllische alte Ortsstraße. Das später durchquerte Aggsbach-Dorf hat uns kaum begeistert, aber total interessant war das dazwischen gelegene Willendorf. Zwar war das VENUSIUM (Museum für diese einmalige altsteinzeitliche Kultstätte) geschlossen, aber die Fundstelle gab durch ihre ausführlichen Infotafeln und die gesamte Anlage einen echten Ausgleich dazu.

Hier noch ein paar Bilder aus Schwallenbach mit der gegenüber sichtbaren Kirche St. Lorenz:

Das "Glöckerl von Schwallenbach" - das Haus gefunden, aber nicht die Bedeutung dieses Glöckerls entdecken können...

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